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Hr. 258 Zweites Blatt _Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Donnerstag. Oktober $$

vaterländische ttun-gebung.

zz Gießen, den 9. Oktober 1918.

Nachi trckft vaterländischen Kundgebungen zur reweiligen Kriegsanleihe war es nicht leicht, eine Form zu finden, die dem mi1tie.ii Zwecke gerecht wurde nnd doch wiederum Neues bot. Eine Wiederholung der bisherigen Kundgebungen hätte eher von einem Besuch: abgesckprcckt, fftatt neue Kreise dafür gewonnen. Tie Wahl der Form bot ihre Schwierigkeiten, und so kam cs in einer Vorbesprechung zu lebhaften Aussprache:, und ein Vor- sMag wurde laut, die Mfterländisch: Kundgebung in eine Art politisch Versammlung umzugestalten. Gegen diese Stimme drang der Borsckilag des Oberbürgermeisters durch, der die Form des heutigen Abends empfahl, und der Erfolg gab seinem Vorschläge recht. Noch keine der bischrigeu Kundgebungen war so besucht, wie diese. In der neuen Univerfttätsaafta war kein Stuhl mehr frei, und als erfreuliche Besonderheit muß die rege Beteiligung der Frauen hervorgieihvben werden. Abseits van politischem Meinungs­austausch, der in dieser entschidungsvolleir Stunde die Stimmung eher zerreißen, als einen und kräftigen konnte, nahm die Veran­staltung einen durchaus würdigen Verlaus urrd keiner der An- nresenden wird die Stunden bereut haben, in deiren er ernsten und mahnenden Worten lausche und in deneir ihm nebenbei für Aug und Ohr Wertvolles geboten wurde.

Tie Vortragsfolge wurde eröffnet durch die OuvertüreFirr- galshöhle" vou Mendelssohn Bartholdy, ausgeführt von der ver­stärkten Garnisonkapelle u^ter Leitung des Musikleiters Bruno Herrmann.

Hierauf ergriff

Oberbürgernieister Keller-

bas Wort zu folgender Ansprache:

Hochverehrte Anwesend:! Als mau kürzlich sich darüber zu Ort­schießen hatte, ob auch bei der ltint ausliegenden 9. Kriegsanleihe eüte öffentlich: Werbe lündgebung in unserer Stadt sich einpfehlen möchte, hat man diese Frage unbedingt bejahen nrüssen. Freilich bin ich mir klar darüber gewesen, daß Neues über das Wesen der Kriegsanleihe kaum sich werde Vorbringen lassen. Wer setzt iwch immer nicht weiß, wie und wo man Kriegsanleihe zeichnet, wer jetzt noch immer nicht begriffen hat, daß die.Kriegsanleihe die sicherste Kaplitialanlage ist, die es gibt, weil für sie die ganze Steuer- und Vermögenskraft d:s deutschen Volkes bürgt, wer dies alles jetzt itocfj nicht versteht, der kann od:r will' cs nicht einsehOr.

Auch das , verehrte Anwesende, braucht heute abend Ivo Hb des wleitereu nicht dargelegt zu werden, daß diese 9. Kriegsan- leihe ganz be/sonders zu einem vollen Erfolge führen muß, daß der wal/mritzige Siegesrausch unserer Feinde zum äußersten müßte gesteigert Werdau, wenn in einem ungünstigen Er- gebnis dieser Kriegsanleihe zum Ausdruck käme, daß Mut, Hoff­nung, Vertrauen und Zuversicht im deutschen Volke dahinzuschwin­den beginnen. Ich erledige dieses Kapitel der Kriegsanleihe mit den drei Worten:Nur: erst recht!"

Mso, liebe Mitbürger, im festen Vertrauen darckus, daß die ks'ießeuer Bürgerschaft den Ernst der Stunde nnd ihre Pflicht er­nennt, der 9. Kriegsanleihe einen vollen Er'nlg zu sichern, wollen nur von längeren Werb.weben heute abend Mstand nehnren. Wir wellen uiys vielmehr ans sachverständigem Munde erzählen lassen von den Taten unserer tavereir. todesmutigen., braven Flieger, Svir wollen hören die erhebenden Weisen deutscher.Musik und uns begeistern iyt den Fei:r?l äugen des deutschen Liedes, gepmgen aus frischen Knabenkehlen, vor allem aber wollen wir uns bekennen zur Einigkeit und Geschlossenheit, zu treuem Ansharren in jeder Stunde, auch der schwersten.

Blnehrte Anwesende! Man hat in letzter Zeit oft gehört von Niedergeschlagenheit, Zweifelsncht und Kleinmut, die sich hie und da geltend machten. Ich meine aber: Niedergeschlagenheit, Zw:i>al- sucht und Kleinmut srnd Wörter, die wir am besten aus ltnjcran deutschen Sprachschätze gänzlich austilgen sollten. Durch Nieder­geschlagenheit und Kleinmut ist noch nie arrf tun Welt etwas besser, wohl aber immer sehr viel schlechter geworden. Ans zähem Willen cmillt die Kraft, nur Zuversicht und Mut vollbringen die Tat.

Wie wäre es bestellt um unser deutsches Vaterland, wenn nicht die zuversichtliche Kraft imd der frische Mut unserer kämpfenden Brüder den Krieg stuf feindliche Erde hinausgctragen hätten und in Schlachten von unerhörter Schwere dem Feinde den Eintritt in unsere Heimat wehren würden? Sollen die Millionen unserer Tapferen draußen mehr als vier Jahre mit höchster Kraftanspan- nung gekämpft und unsagbare Leiderr auf sich genommen, sollen Hünderttau sende Leben und Gesundheit für den Bestand des Deut­schen Reiches und Volkes geopfert haben, damit- schließlich an Zweifelsncht und .Kleinnrut die heimatliche Front im letzten Augen­blicke scheiterte? Gewiß, die Zeiten sind schwer auch für uns in der Heimat, Not und Entbehrung auf vielen Gebieten gehen durch unsere Reihen. Das sind Sorgen, ltroße Sorgen, die uns bedrücken. Wer, verehrte Anwesend-:, diese großen Sorgen sind klein gegenüber der großen Sorge, die uns erfüllt, wie wir unser deutsches Vaterland retten und bewahren vor Elend, .Knecht­schaft und Zerstückelung hämischer Feinde, die gerechtem Frieden bis jetzt nur mit soffartiger Miene begegnet sind. Und dieser Sorge können wir niemals Herr werden durch Kleinmut und Niedergeschla­genheit, sondern nur durch Zuversicht, Kraft. Vertrauen und Ent­schlossenheit. durch Liebe und Treue zum Staat, an dem und für den zu wirken alle Kräfte des Volkes aufgerufen sind. Friedrich der Große, bet geniale Feldherr, der viele; Schlachten gewonnen, aber auch manche Schlacht verloren und manchen Rückzug gemvcht und sich dennoch gegen übermächtige Feinde behauptet hat, hat einmal gesagt:

Es wird das Jahr stark und scharf hergehen. Aber man muß di: Ohren steif halten, und 'jeder, der Ehre und Liebe fürs Vaterland hat, muß alles daran setzen."

I r. lrebe Mitbürger >lasset uns alles setzen an unser herrliches heftiges deutickres Vaterland mit allem, was darin uns wert und teuer ist: lass t uns bewahren die ^deutsche Tw e u ^ die Z u - verficht u.nd Einigkeit, den Mut und die Kraft erneS arbeitsfrohen Volkes, das sein Leben behaupten und dep Glarrben an seine Zukunft niemals verlieren wird.

So wollen wir ruhig der Stunde harren, da die Feinde ein- sehen, daß das deutsche Volk, das um seinen Bestand, um Haris und Herd kämpft, das, jeden Muskel gespannt, jede .Kraft ge­stählt, sein Reich bis zum Mußersten verteidigt, das an dev Hoffnung festhält, daß Einigkeft, Recht und Freiheit seines Glückes Unterpfand sind, daß em solches Volk sich nimmermehr in Trümmer schlagen läßt!

3frei Knabenchöre schlossen sich an, die irnter Leitung des Lehrers Gör lach mit frischem Eis-er und in sauberer 'Einstudie­rung dre beiden ChöpeDeutsches Lied" von A. Mendelsohn und Ter Soldat" von Fr. 'Silcher zu Gehör brachten.

Sodann hielt

Leutnant Kobe

von der Inspektion der Fliegertruppen in Berlin einen Vortrag mit Lichtbildern überDie Bedeutung der Luftstreitkräfte". Der Reduer schilderte in ungezwimgeuem Vortrag das langsame Keimen und Werden des Fluggedankens leichter wie Luft und schwerer wie Lust bis zur endlichen Verwirklichung durch Otto Lilienthal: die schwachen Anfänge zu Beginn des Krieges und die unglaub­liche Entwicklung der Fliegerwafse im Kriege selbst. Im einzelnen wandte er sich den verschiedenen Flugzeugtypen und derer Ver­wendung zu, zeigte an Hand von Lichtbildern die Tätigkeit der Infanterieflieger, der Artillerrebeobachtungsflieger. der photogra- phiercirden Aufklärer, .der Bombengeschwader und endlich der 'Kampfslugzeune. Zahlreiche Fliegcraufnahmeir des Geländes gaben einen Erndruck von den furchtbaren Zerstörungen und Ver­wüstungen, von denen unsere Heimat bewahrt blieb, und untere stützten seine Bitte der Fliegenvasfc die Mittel nicht zu versagen, die allein ihre wirksame Tätigkeit ermöglichen. Die Ausführungen, dre aus dem Schatze der eigenen Erfahrung schöpften, fanden leb­haften Beifall.

Nach einem weiteren Musikvorb ag. demChor der Friedens­boten" aus der Oper Rienzi von Richard Wagner, hielt

Professor v. Dr. Schian

eine weitere Ansprache, die wir sinngemäß wie chlgt wiedergeben: Meine Damen und Herren!

Noch ein kurzes, ernstes Wort:

Achtmal hat das Deutsche Reich sich an seine Bürger gewendet, damit sie ihm die Mittel zur Kriegführung geben sollten. Achtmal. In dieser Zahl steckt eine unendliche Summe von Arbeit und Vaterlandsliebe. Mancher wttv hinzufügen wollen: und Opser- bereitschaft. Ist das richtig? *Jch bestreite nicht, daß zaghafte Ge­müter kleinliche Bedenken überwnrden, daß kurzsichtige Menschenkin­der anerzogene Vorurteile bezwingen mußten, ehe sie ihr Geld in Kriegsanleihe anlegten. Aber opfern wollte kaum einer. Opfer wurde auch von keinem verlangt. Eine glänzende Käpitalsanlage waren diese Kriegsanleihen, nichts anderes.

Dennoch wurde für die acht Anleihen geworben. Schwer­fälligkeit und Eigensinn. Nachlässigkeit urrd Gleichgültigkeit nrußten ra besiegt iverden. Aber die Werbung war aufs Ganze gesehen ein Kinderspiel. Glanzende Siege errangen unsere Heere: leuchteich sahen ivir in der Ferne Deutschlands Zukunft strahlen. Unser fröhlicher Zukunftsglaube setzte sich wie von selbst in Mil­liarden um. Wir hatten ein glückhafte, sieghaftes Werbe-Ar- gument: Wer Kriegsanleihe zeichnen kann und tut es nicht, der ist ein Tor!

Nun kommt die neunte Kriegsanleihe. Und mft einernmal ***& die Lage sich geändert hat. Amerika schickte irische Trnppenrnassen, Bulgarien ließ uns im Sttch. Furchtbarer denn ie dräuen die Feinde. Deutschland. geliebtes Vaterland, wehre dich deines Lebens! Wie sieht uns rmn die neue Kriegs­anleihe an? Hat auch sie ein anderes Gesicht gewonnen? Viele glauben es und sehen sie selber mft anderen Augen an. Mit Augen des Zweifels und der Sorge, der Btzdenklichkeft und des Wider- wlllens.

, .vutKTi ne recyr / L-otlcn wir letzt wirklich ^u Opscrn auf gesor^rt werden?^ Sollen die Großen ihre Kapitalien, die Kleinei ihre Hunderlmarkicherne, die Kinder ihre Sparpfennige opfern Sollen wir hingeben, was loir nur haben, wie für Hindenburg spende und Ludendorffspende, auf Nimmerwiedersehen? Nur jetz mehr? Nicht Brocken, sondern-alles? Tann könnte man da Zögern verstehen. Aber so liegÄ, ftne Dinge nicht. Es ist mein feste Ueberz-eugung, daß das Deutsche Reich unter allen Um standen wird halten können, was es verspricht. Auch nicht eil Buchstabe der Zeichnnngsbedingungen wird unerfüllt bleiben. Da Reich wird pünktlich die hohen Zinsen zahlen und pünktlich da? Kapital zum bestimmten Termin zurückerstatten. Auch die neunt Kriegsanleihe ist eine sichere Kapitalsaulage. Auch jetzt soll nie mand etwas schenken. Jnsoferir f>at die neunte Kriegsanleihe keck anderes Gesicht als die anderen acht.

Dennoch ist ein Unterschied. Wer er liegt nicht in der An leihe, er liegt in uns. In dem Uirbesftiinmbaren, das inanStirn mung" nennt. Es wird.manchem jetzt schwerer als sonst, sein Gel! rn Kriegsanleihe anzulegen. Ganz Törichte gibt's immer noch die glauben, Kriegsanleihe zeichnen verlängere den Krieg Uebervorstchttge unters ckstrtzen Deutschlands Berinögen und Hilfs guellen. Mißtrauisch^ halten es für nröglich, daß das Reich di Zinszahlung einstelle, weil es das Geld nötiger brauch:. Die inner Umgestaltung machit Bedenllickie noch bedenklicher. Ter gegen wärng: Zeftpuntt ist voller Ungewißheit, voll schoerer Spannung UnheUs-v^keii scheinen am Horizont zu stehen. Solche Zell ge brert nicht leicht die Stimnrrmg, in der man Niilliarden it Kriegsanleihe nmsetzt.

Nein: die Zeit gebiert nicht von selbst die rechte Stimmung. Aber wir soll«: uns nicht von der Zeit treiben lassen; im Gegen bell: wrr sollen die Zeit meistern. Jetzt ist der Augenblick, da wr zeigeu sollen, ob wir von Stimmungen abhängig sind, oder o! wir emeir refften Willen haben. Den Willen, Deutsche zu sein Der Willen für lmfcr Volk zu leben. Den Willen, unserem Volk, un sevem Vaterland, unserem Deutschen Reich zu helfen. Stimmunge, sollten uns regieren? Ein Schwächling, wer Stimmungen übe sich Herr werde^laßt! Jetzt heißt es wollen. Tann Witt auch dre rechte Ltimmung kommen.

. JtK ersten acht Anleihen waren, an der neunten gemessen ern Kinderspiel. Wrr haben, als wir für sie warben, große Worb gebraucht. Z u große vielleicht für jene Zeit. Jetzt ist die wirk Uch große, dre heilige Ltimde. Jetzt geht es nicht mehr um Ltlmmiuig und Neigung; fetzt geht es um Gewissen und Wicht Jetzt heißt s die Treftii imserer Seelen wirksam machen. Jetz hertzt es, di: helltgsten Kräfte nns-erer Herzen lebendig werden lassen ist fern Wort zu groß, zu schwer, um dem deittsckMn Volke zu lagen was es zu tun hat. Jetzt sage ich: unser Geioissen for­dert es. <zetzt sage ich: unser Gott fordert es

Noch ist die Entschndung über unser letztes Fciedensangeboi Nicht gefallen. Dre im Laufe des Nachmittags bekannt gewordene Antwort Wilsons läßt den Ernst der Stunde nur iwch schwerwiegen- der erscheinen. Was bringt der Winter? Waffenstillstand'? Oder den Endkanipf auf Leben und Tod? Was auch komme das Reich braucht unser Geld. Sei es für diesen Endkampf bis aui den lüften Mann; sei es für den Ueberganigvorn Krieg zum Frieden dos Reich braucht es. Ich sage lieber: Deutschland braucht es' Unser hei ß gelie btes Vaterland in seiner sch Wer­sten L t nn oe braucht es!

Draußen im Westen bieten die Unseren den anstürmenden ?seindeii ihren Leib. Gegen die Uebermacht schirmen sie das Vaterland, blutend und sterbend. Wollen ivir klein fern so klein tmB wir nicht einmal unsere SUmwung meistern können? Gott bewahre uns vor dieser Schmach!

Gebe^hin. Tu, was Du kannst!

Deutschland muß leben, und meim wir sterben müssen!

Ausführungen des Redners, in packendem Vortrag aufge- erstellen tiefe Wirkung und werden manchem^ aus Klein­mut Zögerndeu ins Gewissen geredet haben.

, Den Beschluß der Veranstaltung machte der Bortrag zweier werterer Lieder:Teutsck-er Marsch" von Fr. W .Küchm nn?d Das Lied vvm Hindenbnrg" von A. Henschel durch den Knaben­chor nnd des Cobnrger Josias-Marsches durch die Garnifonk.ipesle, deren kriegsmäßige Zusammensetzung drrrch ernsthaftes Be­mühen verschleiert wurde.

Möge der Ausfall der 9. Kriegsanleihe in Gießen ein eben­sogroßer Erfolg sein, ivie die vabcrländische Kundgebima dieses vbbends.

Aus Stabt undattb.

Gießen, den 10.Oktober 1919.

** Leders chuhwe rk für Kinder bis zu 6 Jahren Bereits vor einigm Zeit hatte di: Reichsstelle für Schuhverwr- gung die Schnhbedar^s ch:in-?lusfertigungsstellen ermächtigt, für Kruder bis zu 3 Jahveir innechalb jtt>es Jalwes auch noch einen Sw^ten Schuhbedarfsschein zu bewilligen, soferii eine Abgabe- bescheamgung über nur ein Paar gettagener Schuhe oder Stiefel Mit Ledersohlc vorgelegt würde. Jetzt hat die RetchZstelle für eine Bekanntmach i m g veröffentlicht, die den Eltern dte Möglichkeit gibt, für ihre Kcktder bis zu 6 Jahren unter den genannten Bringungen jährlich einen zweiten Schuhbedarss- Ichetn zu erhalten. Die Ausfertigungsstelleii sind verpflichtet, deii zweiten Schuhbedarfsschein aiisz-userttgeii ohne Rücksicht darauf, < Baar abgegebener Schuhe Herren-, Damen- oder Kinder- schuhwerf war. Gleichzeittg ist verarrlaßt worden, daß die Er- zetiMng von Kinderschuhlverk erheblich gesteigert wftd. Kann die Produkttonshebung und die bessere Belieferung der Schuhwaren- Händler auch mir nach!und nach vor sich gehen, so wird von der Rcichsstelle für Schuhversorgung doch aNes getan, um dieMagOi über eine mangelhafte Versorgung der Kinder mit Lederschi! hwett verstummen zu lassen.

Kreis Lauterbach.

r.». Dauterba ch. 9. Okt. Als am Samstag nachmittag der städtische Vorarbeiter Kerl vom J-ienft in seine Wohnung am Rudloserweg heimkehrte, fand er hinter der Haustür das ältere seiner kleinen Kinder verbrannt vor, während das jüngere ur- folge des herrschenden Rauches bewußtlos war. Das Unglück ist

jedenfalls dadurch entstanden, daß die Kinder mit dem Feuer ge­spielt haben.

Hessen Nassau.

X Schlüchtern, 8.Okt. Im Alter von 77 Jahren ist der hier lebende frühere langjährige Hauptschriftleiter derGrazer Tagespost", Dr. Wilhelm R u l l rn a n n. gestorben. 1841 in Bieber bei Gelnhausen geboren, widmet: sich Tr. Wilhelm Rullmann der jeurnalistisck>en Laufbahn, war zuerst in der ..FranlnUer Zeitung"' tätig, dann in Wiesbaden und Wieir, und trat 1878 in (Praz in die Redaktion der Tagespost, der er 30 Jahre lang an ge hört lxtt. Im Jahre 1908 nahm er seinen Wölprsitz in Scl>lüchtern. Mft ihm ist ein feinsinniger Lchrisrsfteller und einer unserer bedeutendsten Kenner der klassischen Literaturepockii: urrseres Volkes, nm deren Erforschung und Darstellung er sich große Verdienste erworben hat, dahingeschieden.

^ochschnlnachrtchten.

hl. Marburg, 8. Ott. Ernannt wurde der Geheime Medi- ftnalrat Prof. Tr. Fritz König in Marburg vom 1 . Oktober o. I. an zum etatsmäßigen Ordinarius und Vorstände der chi­rurgischen Klinik der Universität Würzburg als diachfolgrr En­derl ens.

Letzte lladiriditctt.

Dev neueste Aevicht dev ^eevesleitnng.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 1v. Okwber. (Amtlich.)

W est l iche r Kriegsschauplatz.

Auf dem Schlachtfelde zwischen Cambrai und St. Quen­tin nahnren wir rückwärtige Stellungen ein. Cambrai wurde von uns geräumt. Nach erfolgreichen von Panzerwagen unterstützten Gegenangriffen, die uns am Abend des 8. Ok­tober südwestlich von Cambrai wieder in den Besitz von Sccanvillers und der Höhen beiderseits von Esnes brachten, haben in erster Linie bayrische und rheinische Regimenter so­wie Tnippell der deutschen Jägerdivisionen die Loslösung vom Gegner wesentlich erleichtert. Im Laufe des gestrigen Tages ist der Feind beiderseits der Römerstraße in Richtung Le Chateau mit stärkeren Kräften gefolgt. Unsere Vortruppen wehrten feine hier in Verbindung mit Panzerwagen ciw- geietzte Kavallerie ab. Mit stärkeren Jnsanterreangriffen wichen sie schrittweise kämpfend in neue Stellungen aus. Aw Llbcnd stand der Feind östlich der Linie BertryBnsigny Bohain.

In der Chcnnpagne wurden feindliche Teilangriffe bei­derseits von St. Ctienne abgewiesen. Zwischen den Argonnen und dem Rücken von Ornes brach der Amerikaner am öst­lichen Maas-User in Verbindung mit Franzosen erneut zu einheitlichen Angriffen vor. Am Rande der Argonnen schei- terterr sie unter schweren Verlusten für den Gegner. Cornay, in das der Feind eindrang, wurde wieder genommen. Haupt­stoß der Mischen Aire und Maas geführten Angriffe war gegen Svmmerauce und Romagne gerichtet. Beide Orte blie­ben nach weckftelvollen Kämpfen in unserer Hand. Den über Romagne und östlich davon bis Cunel vordringenden Feind warfen badische Regimenter wieder .zurück.

Auf dem östlichen Maasufer schlugen wir den Feind bei und östlich von Sivry ab und nahmen Sivry, das vorüber­gehend verloren ging, wieder, dtordwestlich und östlich von Beaumont ist der Ansturm des Gegners vor den Linien öster- r-eich - ungarischer Jäger und rheinischer Regimenter ge­scheitert.

Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.

preffestimmen über die Zriebensaurfichten.

Berlin, 10. Ott. DieGer m a n t a" glaubt der Hofftrrmg Raum geben Kn dürfen, daß die Morgenröte des Friedens im An-. Knge ist. Die Tatsache, daß Wilson das deittfche Friedensangebot gcnrz anders behandle als noch vor wenigen Wochen das österreib chisck^-ungarische, gibt ihr zu dieser Ausfassung Berechttanng. Wer aus den amerikanischen Zeitungen die öffentliche Meinung oder Stimmungsmache in der Union sowie in England und Frankreich Venne, werde Wilson seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit als hohes Verdienst anrechnen. Natürlich seien wir noch sehr weit voü einer Verständigung. Eins ist sicher, schreibt das Blatt, nämlich^ daß dem Deutschen Reiche sein Besitzstand unter allen Umständen gewährleistet sein muß und daß jetzt das Heer ihm hierin die ein-, zige Sickierheit bietet.

DasBerliner Tageblatt" sagt: Es nrnß so ttar wie möglich werden, daß die alten und die neuen Gewalten bei jedem Schritt völlig einig sind. Mit Genugtuung lasse sich aus Aenhe-. rnngen konservattver Blätter feststellen, daß auch in konservattven Kreisen die Aufgabe der Stunde in ihrer ganzen Bedeutung er­kannt wetrde. Danftt erhalte der Friedensschritt der neuen Reg»- rung auch im Wslande ein verstärktes Gmncht.

Die Kreuz zeitüng" sagt: Es ist das erste Mal, daß aus ent Friedensangebot der Mittelmächte eine nicht von vorn-. herein ablehnende 'Antwort erfolgt. Deshalb liegt keine Veran­lassung vor, nun etwa opttmistisch in die ZuLmft zn schauend W i r müssen unterscheiden zwischenden Antworten aus unser Friedensangebot und auf unfern Waffen- st i l l st a n d s v o r s ch l a g. Man wird abwarten müssen, wie sich die Oberste Heeresleitung stellt.

^ TerVorwärts" spricht von gürrstigen Wssichten für den lvri-eden und hebt gegenüber ungeduldigen Erwarttingen hn:vor, datz von der Antwort aus die drei Rückfragen Wilsons unmittelbar' die weitere Haltung Wilsons selbst abhängen wird, nicht aber die der mit ihm verbündeten Ententemächte. Tie ttanke Wett gleiche in diesem Wgeirbtick einem Genesenden, dem die Hossnungssvnne freundlich durchs Feirster blicke

Tie ,,V o s s i s ch e Z e i t u n g schreibt: Mehr war nicht zu er­warten. Auf beiden Seiten ist ein korrekter und sachlicher Ton ge- führt worden, der es ernröglicht, den Uebergang von den rhetori­schen Auseinandersetzungen zu prakttschcn Verhandlungen zu rinden.

Ein Antrag der .Konservativen.

Berlin, 10. Ott. Die konservative Fraktion des Reichstages hat beim Präsidenten beantragt, sofort eine Sitzung d e s R c ick s t a g e s zwecks B e s.p r e ch u n g der Wil- sonsch:n Antwort auf das Friedensangebot einzubringen.

In den Wandelgängen der französischen Kammer.

Paris, 8. Ott. (Havas.) Tic Kammer tagte heute zum erstenmal seit dem Tage, an dem daS Llngebot der Mittelmächte an .den Präsidenten Wilson verösfcnnicht wurde. Tic ?lo.ieorducten fanden sich zahlreich im Palais Bourbon ein. Tic Unterhaltung wurde weniger über die militärischen Vorgänge gepflogen als über die durck den kürzlichen österreichisch-deutschen Schritt geschafseny Lage. Abgesehen von sehr seltenen Ausnahmen wurde eine und dieselbe, nämlich folgende Meinung zunr Ausdruck gebracht:Es ist keine Verhant-lung möglich, solange der Feind nicht die un­bestreitbaren Bürgschaften für seine Auftichtigkeit gegeben hat und ohne Vorbehalt und Ernschräntting alle Bedingungen Wflsons annimmt." Tie Entschlossenheit der Abge-ordneten ist unbedingt. Sie sind in solchem Maße von der Notwendigkeit einer solchen Hal­tung überzeugt, daß sie ohne Ungeduld, aber mit Sicherheit nicht enttäuscht zu werden, die Antwort Wilsons erwarten. Ge.irn 5 Uhr nachmittags ging Giemen ceau mit freudigem (Nsicht eftig durch die Wandelhalle. Er wurde über dre Lage desragr Ich bringe nichts." sagte er,ich komme aus dem Miiristerium des Aeußern, wo ich an der interalliierten Konferenz teilgenom-. men habe.