Nr. 23?
Der Anzeiger
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Erstes Blatt
$8. Jahrgang
Mittwoch, 9. Oktober W8
pHstfcheEkonts: Frnnlsnri a.M. N686
General-Anzeiger
vanfnerfehr: Sewerdebank Siehen
Swilllngrrimddruck u. Verlag: vröhl'sche Unio.-Such- u. Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, GsfchZ?tzstelle u.vruckerei: Schulftr. 7.
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lene schwere
(DTD.) Grobes Hauptquartier. 8. Okwkrrr (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht
drördlrch der Scarpe griff der Engländer nach heftigem Feun-kanrpf beiderseits von Oppy an. In Neuvireml faßte er Fuß. Im übrigen brachten ihn unsere Bo- Posten zum Stehen v , 1Jt Heeresgruppe Boehn.
Nördlich von St. Quentin fttzten Engländer und Franzosen UM starten Angriffe hart. Nördlich von Montbrchain schlugen hannoversche und b anr.schwer is e Regimen er fünf maligen Ansturrn des Feindes ab. Weiter südlich brach der Angriff des Feindes in unserem Feuer zusammen. Bei und Eich von Seguchart haben posensche und h e s s i s ch e Regi menter »mch hartem Kampfe ihre Stellungen belxnwtet. Bei dem Kampf an der Tillop-Höhe brachten fchlesi che Bataillone mw Pioniere im Nahkarnvf und durch Gegenstoß den feindlichen Ansturm zum Scheinen,.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Vorfeldfämpfr an der Ailette und Aisne. Das nördliche Suippc-Ufer wurde in örtlichen Unternehmungen vom Femde gesäubert. Am Nachmittage stieß der Gegner in Teilangriffen zwischen Bacanrourt und Delles mit starken Kräften beiderseits von St. Clement an der Arne vor. Seine An- griffe scheiterten. Oertliche Kämpfe bei St. Etienne, das von uns genommen wurde. im Gegenangriff des Feindes aber wi^er verloren ging. Im übrigen beschränkte sich die Tätigkeit des Feindes in der Champagne auf Trilvorstöße und zeitweilig mrslebenden Anillcriekampf. Beiderseits der Aisne schlug die in den letzten Kämpfen besonders bewährte 9. Landwehr- und 76. Neserve-Division heftige Angriffe des Feindes ab.
Heeresgruppe Gallwitz.
Nach stärkster Feuervorbereitung fetzte der Amerikaner erneut zum Durchbruch beiderseits der Aire an. Auf dem westlichen User brachte Württemberg;'che Landwehr südlich von Chate! vorbrechende Angriffe zum Scheitern. Von der Höhe nördlich von Chatel, auf der der Feind vorübergehend Fufz faßte. wurde er im Gegenstoß wieder geworfen. Oestlich der Atre brachen die feirrdtichcn Angriffe bald schon in unserem Artillerieftuer zusammen. Gegen Abend nahm der Feind beiderseits der von Charpentry auf Romagne und der von Nannlleis auf Ermel fühvenden Stratze sowie westlich der Maas seine Angriffe wieder auf. Nach hartem Kampfe schlugen wir ttzn, teilweise im Gegenstoß. zurück.
Der Erste Generalguartier wrister Ludeudorsft .
Die Zront
opferr Blur und Gesundhelr.
Arregvanleihe zeichnet, opfert nichts
Er erfüllt nur eine Pflicht, die ihm noch dazu gur verzinst wird.
Es darf nicht sein, daß sich ein Deutsche»
dieser leichtesten aller Rrtrgspfltchren entzieht.
> Der Abendbcricht.
Berlin, 8. Ott., abends. (WTB. Amtlich.)
Zwischen Cambrai und St. Quentin, in der Champagne und an der Maas haben sich neue, schwere Kämpfeientwickelt.
Südlich twn Cambrai und nördlich tson St. Quentin wurde der feindliche Angriff abgewiesen. In der Mitte der Schlachtfrcmt gewann er Boden. Hier standen wir am Abend im Kampfe westlich Bohain und entlang der von Bohain auf CanLrai und St. Quentin führenden Straße. In der Champagne und an der Maas sind die Angriffe des Feindes gescheitert.
*
Der Ssterrelchlsch.nnaarische Tagesbericht.
Wien, 8. Ottvber. (WM.) Amtlich wird verlautbart:
Italienischer Kriegsschauplatz.
Anr^rTirolerSüdfront war gestern die Tätig!- keit der feindlichen Batterien außerordentlich lebhaft. Die Jw- fanterievorftöße wurden im Keime erstickt.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Die im alfferbischen Grenzgebirge vorgeschobenen Deckungstruppen wurden unter stettgen VerzögerungEmp^ ftn auf Leskovack zurückgenommen. Der Rückmarsch des Generalobersten Frei Herrn v. Pflanzer-Baltin gür \xiy\t jede Störung durch den Gegner vor sich. Die von den Italienern gefeierten Siege sind lediglich Gefechte weit zurückgelassener schwacher Nachhuten.
Der Chef des Generalstabs.
Wir dürfen uns in diesen Tagen keinen Stimmungen und Verstimmungen hingcben, sondern wir müssen uns darauf besinnen, was Nützliches geschehen kann. Vor allem: Hüte deine Zunge wohl! Gerüchte, unverbürgte Erzählungen (auch wenn sie einer vorbringt, der „wirklick) dabei" war) sind eine Ichiese Ebene, auf der es nur abwärts gehen kann mit uns allen. Ganz richtig schreibt Prof. Dr. Tönnies in den „Kriegsnachrichten"- am wirksamsten konnten wir, da sich Gedanken nun einmal nicht verbannen lassen, uns selber festigen, wenn wir reine Tatsachen als Stützen zu Hilfe nehmen. Er erwähnt solche Tatsack-en:
„Tatsache ist es, daß wir fünfzig Monate lang nicht nur unentwegt gegen eine ungeheure Ueberzahl uns behauptet, sondern daß Unsere Heere ein ungeheures Landgebitt besetzt haben. Tatsache, miß nur trotzdem iimner nur unfern Krieg ran der Verteidigung des Batcrlanbes willen haben führen wollen, daß wir das Verderbeil des Krieges immer emseiehen und gefühlt haben, und immer he-
reit gewesen sind, zum friedlichen Zustande zurückzukehren. Tatsache. daß unsere Feinde immer nach Vermehrung und Berstärttmg Umschau gehalten haben; Tatsache, daß England immer noch seine stärksten Hoffnungen aus Aushungerung des deutschen Volkes setzt, nachdem schon vor mehr als drei Jahren die „Times" mit großer Zuversicht vorauSgesagt hatten: ,^Jnr Dezember (jrneä Jahres 1915) wird Hungersnot in Deutschland herrfchrn!"; Tatsache, daß der durch diese „humanen" Bestrebungen aufgenötigve Kampf gegen Handelsfcchr-euge eine wachseiche Knappheit an Tonnage und Wnehmende Lebcusmitelriot in Großbtt:annien selber hervor- gerufen hat; Tatsache, daß die Kvh'lennot dort und zumal in Frankreich und Italien ungcheuer ist, „die größte Gefahr für unsere^ Streitkräfte und für die heimische Bevölkerung" („Daily Chronicle"); Tatsache, daß halbamtlich diese Bevölkerung darauf vorbereitet ^nnrd, dem nackten Mangel, besonders dem Mangel an Milch, für den fünften Kriegswinter ins Auge zu sehen: Tatsache eiidlich, daß die Sehnsucht des Volkes nach Frieden in allen Ländern Europas mindestens ebenso stark ist wie im Deutschen Reich und in Oesterreich-Ungarn."
Und wenn wir sorgenvoll nach Westen blicken, so gibt es doch auch dort Tatsachen, nach denen wir greifen können, auch wenn die bulgarische Stütze gefallen ist. Schwere Kämpfe sind wieder im Gange, und auch der neueste Abe^rdbericht der Heeresleitung klingt wahrlich nicht wie eine Befreiung. Was sagen die militärischen Sachkundigen? In der „Tägl. Rundschau" stellt General v. L i e b e r t fest:
„Die deutsche Front behauptet sich und ist auch gegen Durchbruch selbst bei der gegenarrkämpfenden gewaltigen Uebermackü ge- sichttt. Tie Wrgreifer können sicher darauf rechnen, hinter den deutschen Linien immer neue vorbereitete irnd stark ans gebaute Fwnten^ zu finden. Daneben zeigt ein Blick auf die Karte selbst denl Laien, daß die festen Plätze LiNe, Maubeuge, Sedan, Mont- medy, Metz. Diedenhofeu sicherlich gute Stützpunkte für große Ber- teidigungssysterne abgeben werden. So ist hier das strategische Schachbrett vorbereitet, auf dem das deutsche Vaterland außerhalb seiner Grenzen vetteibigt werden soll."
Generalleutnant v. Ardenne führt im Berl. Tagebl. aus, daß nach gegnerischem Urteil die Deutschen jetzt tapferer Ümpfeu als je zuvor. Indessen die deutsche Militärverwak- ung müsse streben, und sie sei jetzt dabei, den gegnerischen Vorsprung in der Waffenindustrie wieder einzuholen. „Die Taktik des Feindes gipfelt bei Tankangriffen darin, daß die deutschen Linien zunächst durch Nebelgranaten mit einem undurchsichtilfen Schleier überzogen werden. Unter deren 'Schutz gehen Hunderte von Tanks, hauptsächlich von dem leichten und schnellen Modell Renault vor, bis in den Rucken der deutschen Truppen, die somit von rückwärts Feuer erhalten. Diesen Moment der Ueberraschung benutzen dann die feindlichen massigen Sturmwellen zum Vorgehen. Unsere Abwehrtaktik hat deshalb einige Veränderungen erfahren, die hier nicht angegeben werden können." Dann fährt Herr v. Ltrdenne fort:
„Ueberblickt man im ganzen die Kriegslage an der deutschen, Westfront, die durchweg rwch tief in Feindesland sich hinzicht,' ö ist sie zwar lsehr ernst M nennen, aber fee gibt keineswegs Veranlassung zu einem Ausblick in eine trübe Zukunft Die 'Kämpfe dort werden zwar in kaum je erlebter Leidensckiaft noch weiter gehen, aber die Ermattirng der Angreifer kann nicht ausbleiben, besonders wenn der Winter ihnen die breiten Massen ihrer tropischen Kvlonialttnpven zu melpmonaliger Ruh? verurteilt. Tie feindliche Orientarmee war bei ihrer erste:, Zusammensetzung im Jahre 1915/16 nach Sck-ätzung des Oberst Egli 200 000 brs 300 090 Mann stark. Ihre Verluste waren seither, bö- vnders durch Krankheiten sehr erhebliche. Jnwieioeit sie neuerdings Difgefüllt worden ist, entzieht sich vorläufig der Beutteilung. Sie hat alle Sch,oäck>en einer KoalitionSarmec. Ihr Führer, Ge- ireral Fvanchet d'EsPerey hat Franzosen, Engländer, Italiener, Serben und venizeüstische Trurwcu unter sich. Er hat ausgesprochen.
daß er nach der Besitznahme von Bulgarien lmb Serbien sich a7r- gttsssweise nach Norden wenden wird. Die Rolle eines Be r>iers von Rumcüricn mag ihm vorfchrvoban — aber eh? er sich defien Gvenzan nähern kann, wird wohl noch viel Wasser die Donau herab- laufen."
Auch ein militärischer Mitarbeiter der „Deutschen Tageszeitung" läßt sich vernchrnen, daß „die große, strategische Lage an der Westfront keineswegs kritisch, sondern im Gegenteil als gefestigt anzusehen sei". Es sei bezeichnend, daß nach allen bisherigen Verlautbarungen die Entente ihren Truppen das Friedensangebot noch nicht bekannt gegeben habe — zweifellos doch, damit sie in ihrer Angriffstätigkeit -licht erlahmten.
Wir dürfen uns mit den vorharrdenen Tatsachen nicht begnügen, wir müssen und könrren neue Tatsachen schaffen. Es kann sogar von unserer Seite in der nächsten Zeit keine schwerer in die Wagschale fallende Tatsache geschaffen werden als das Ergebnis der neunten Kriegsanleihe. Niemals ist eine Kundgebung des deutschen Volkes wichttger gewesen für das Gedeihen des Reiches, als diese jetzt bevorstehende. Es ist das Wort von der nationalen Verteidigung gefallen. Sie wird, wenn das Friedensangebot abgelehnt wird, sicherlich kommen, und dann müssen die schwersten Opfer gebracht werden. Wir können diese Opfer uns selbst erleichtern durch den vorherigen Gewinn einer moralischen Schlacht, nämlich durch unsere finanzielle Krastanstrengung, die den Feinden deutlicher als alles sagen muß, was unser Volk will und denkt. Denn darüber zweifeln sie vielleicht noch, die Gegner, ob wir den rechten Ernst, die alte Widerstandskraft noch haben. Durch leihweise Herausgabe des Geldes wird der Deutsche die Ziffern durchstreichen, die uns vom Feinde als Entschädigungen ausgeschrieben werden. Die Politik des Prinzen Max Hann erst dann den höchsten Erfolg haben, wenn sie aus dem Volke heraus, nicht mehr nur durch Mehrheitsbeschlüsse — diese liegen vor urrd sind niemand etwas Neues mehr —, soirdern durch die Zeichnung der neurtten Kriegsanleihe geträftigt wird.
Douai in Flammen.
Berlin, 8. Okt. Die Sdatn Douai bre nnt als Folge der unausgesetzten e i: g 1 i s ch e n Beschießung. D« Tatsache, daß die Engländer die SLdt mit schweren! undschwerstem Kaliber beschießen, wurde deutscherseits bereits seit Wochev^ ge- tmeldet. Die Unterstcklttmg, daß die Deutschen eine von ihnotH noch besetzte Stadt selbst an^ündeten, ist zu unsinnig, um imdettegl zu werden.
Berlin, 8. Okt. Die Amsterdamer Meldung des Journal de Nouvelles, wonach die Deutschen Feirer an die Städte R o u l e r s^ Thourhout, Ardoye und Lichtervelde legen, entbehtt jeder Unterlage.
Französischer Orientbericht
vom 6. Oktober. Tie österreichisch-ungarischen Trirppen, die von der italienischen Front kamen und am 5. Oktober in der Gegend von V ra na j geschlagen wurden irnd sich in Ordming auf N i s ch zurückzogen,^ überließen den französischen und serbischen Truppen, welche sie in der Richtung auf LesDwac verfolgen, 1500 Gefangene und 12 Geschütze, darunter sechs schwere, ferner dreißig Mas ch i nengewehre.^ Weiter westlich wurde eine st a r k e deutsche Abteilung auf dem Rückzuge durch französische Streükräfte eingeholt urrd zerstteut, welch letztere sich des Bahnhofs Kvtschauik bemächtigten, viele Transpotte und einen vollständigen Eisenbahnzug Wegnahmen; im Kampfe sind etwa 100 Gefangene, daramter 5 Ofssziere. in urssere Hände gefallen.
In Albanien dringen die alliierten Streitkräfte über Di.hr a hinaus vor. Auf der Straße nach El Bassan wurde eine starke seindlick-e Abteilung auf den Volkanhöhen, nordwestlich von denk Zusammenstuß des Devvli und Langaitza, zurückgeworfen.
Der türkische Bericht.
K onstantinopel, 7. Ott. '(WTB.) Tagesbericht vom 6. Oktober. Unverändette Lage ans atten Fronten.
Der ßriedenzschritt.
Ein Telegramm der französischen Sozialisten an Wilson.
i. Köln, 8. Okt. Die „Köln. Volks-Zeitung" berichtet aus Amsterdam: „Nieuwe Courant" meldet aus Paris: Die sozialistische Partei, die gestern hier tagte, habe an Wilson telegraphiert, daß sie der Meinung sei, daß die Negierungen der Mliiettcn unter Forderung der unentbehrlichen diplomattschcn und militättschm Bürgschaften die Pflicht hätten, einen Antrag, der in Wittlichkeit einen ernsten Versuch darstelle, die Verhandlungen 311 eröffnen, nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen.
Die Stimmung in Amerika.
Washington, 7. Ott. (WTB.) Reuter. Montag morgen übi?rreichte der schwedische Gesandte die Note Buttans und der Schwttzer Gescurdte die deutsche No.'e dem Staatssekretär Lansing.
Amsterdam, 8. Okt. (WTB.) „Algemeen Handelsblad" meldet aus London, daß die Auffassung in Amerika, soweit sie bisher in London bekannt geworden ist, in k e i n e r H i n s i ch t der Annahme des Waffenstillstandes günstig sei.
London, 7. Ott. (WTB.) Reuter. Wie die „Daily Mail" ans Neuyork erfährt, schreibt der Washingtoner Korrespondent der „World": „In den hohen Regierungskreisen erlaubt man sich n 0 ch k e i n e M e i n n n g , da der Text der Rede des Kanzlers noch nickst vvrliegl. Gleichzeittg wird zu verstehen gegeben, daß Deutschland urrd Oesterreich-Ungarn sich im wssenttichen 0 h n e B e - dingnngen ergeben müssen, wein: sic den Krieg be-ndet haben ux>tten, ehe ihr Gebiet angegriffen und verwüstet werden wird. Allgemein gesprochen handelt es sich um die Annahme der bedirr- ml7rgsbos>e:r Uebergab« Teutsästands, Oefterreich-Ungan:s mcd der Türkei.
Roosevclt.
Berlin, 9. Ott. Nach einer Dkeldung des L.-A. aus dent Haag hat der ehemalige Präsident Roosevelt in Mü»eapvlis! eine Rede gehalten, in der er die absolute Ablehnung de4
deut schen Fxiedensvorschlages verlang^


