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Nr. 23,

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Erstes via«

,68. Jahrgang

Mittwoch, 2. Oktober ,9,8

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psstschetNonts:

5rankfurla.M.686

Neue hestige Angriffe im Westen abgewiesen.

MDV.) Mr-tzeS yauvtauortirr. 1. ONvber. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Rahe an der Küste mchnven wir bei einem erfolgreichen Fvrtzoh einige hundert Belgier gefangen.

Unsere neue Front in Flandern verlaust im Zuge der in der vorjcchrigen Flandernschlachl ausgedauten rückwärti­gen Stellungen von dem Hanvzame-Abfchuittwcst ich von Rocelare vorbei über LedegemGheluve nach Weroik in der LyS-Niederung mrch unserer alten Stellung bei Armcniieres. Der Feind griff am Nachmittag zwischen Noeelare und Wer- mk an. Er wurde vor unseren Linien abgewiesen. Neben Belgiern und Engländern nahmen wir gestern auch hier Franzosen gefangen.

Vorstöße des Feindes Mischen Fleurbaix and Hulluch mrd Leilangriffe gegen die Hohen von Fromelles und Anders scheiterten.

Beiderseits von Cambrai setzte der Engländer tagsüber seine h.fftigen Angriffe fort. Am Nachmittag gelang es einer veu eingesetzten kanadisckrrn Division nördlich an Eambrai vorbei auf Ranrillies vorzustvhen. Unter Führung des Ge- neralleukmmts von Fritsch warf die in den Kämpfen zwischen Arras und Cambrai besonders bewährte württembergische 26. ReservcdiVision den Feind aus Tilloy zurück. Auch süd­lich von Cambrai haben wir unsere Stellungen gegen mehr­fache Anstürme des Feindes restlos behauptet.

Heeresgruppe Generalober st vonBoehn.

Beiderseits von Le Catelet nahm der Feind am Vor­mittag seine Angriffe Mischen Vandhaille und Jonrourt i wieder auf. Auch südlich Foncourt und südlich der Somme entwickelten sich am Abend hestige Kämpfe. Angriffe des Feindes wurden überall abgewiesen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Gegen unsere Linien zwischen Aisne und Beete und über -ie Besle zwischen Brenil und Jonchery richtete der Franzose hestige Angriffe. Trotz mehrmaligen Ansturmes sind sie bis aus einen Teilerfolg, der den Feind aus die Höhen von Breul! sühtte, gescheitert.

In der Champagne beschrankte sich der Feind auf Teil- tfugrijf östlich der Snippe, g gen St. Marie-L-Py, nördlich von Sommc-Py und gegen unsere neuen Linien, die wir in der Nacht bei Aure and Mervanx bezogen hatten Sie wurden abgewiesen. Bei St. Marie-ö-Py nohmen wir hierbei zwei französische Kompagnien gefangen. Mit starken Kräfte^ griff der Amerikaner östlich der Argonncn an. Brennpunkte des Kampfes waren wiederum Apremo»t und der Wald von Monttedeau. Wir schlugen den Feind überall zurück. Er erlitt auch gestern wieder besonders schwere Verluste.

Heeresgruppe von Gallwitz.

Auf dem westlichen Maasufer blieb die Gefechtstätig- kcit auf Stömngsfeuer beschränkt.

*

Fnfinttene. Pioniere und Artillerie haben an der Ver­nichtung zahlreicher ftindllcher Panz-erivagen reichen Anteil. In den letzten Kümpfen taten sich herbei besonders hervor die Leutnants Suh ing und Bu^meister. Re'erve Justin erie- Regimcnt Nr. 90, die Vizefeldwebel Iolkmann. 64arde-Res.- Sckmtzen-Bataillon. und Ranguth vom Neervc-Jnfanterie- Negiment Nr. 27, die Leutnants Keibel vom Feldartilleric- Regiment Nr. 40, Sck?repler vom Feldartillerie-Negiment Nr. 74, Ribbelt vom Fclc arti lcri -Regiment Nr. 108 Mayer und Brauer vom Neservc-Feldarlillerie-Regiment Nr. 241 Derninghaus vom Re ervr-Feldarli lerie-Regiment Nr. 63 und ümewsffzier Thele vom Feldarli.'lerie-Regiment Nr. 14.

Der Erste Gcltercllcnrarnermeister Ludendorff.

le Iukunft des Landes »st Deine Zukunft. Geht das Land in Trümmer, reißt es Dich mit. ZeichneKriegS-

a n l e t h e Du tust es für Dich.

Der Abcirdbericht.

Berlin. 1. Oktober, abends. (WTB. Amtlich.) Heftlg-e Angriffe des Feindes in Flandern, beider­seits von Eambrai und in der Champagne wurden , abgewiesen.

*

Der österreichisch.ungarifche Tagesbericht.

Wien. 1. Oktober. (WTB.) Amtlich lvi'd ver auibart: An verMedencn Stellen der albanischen Front heftige Kämpfe.

Sonst keine besonderen Ereignis'?.

Der Chef des Generalstabs.

Der letzte Heeresbericht und der Abendbericht über die Kämpfe im Westen lauten günstig. Wir haben keinen Anlaß, zu verzagen; das wird uns sogar aus dem Auslanve Mgerufen. Ein französisches Blatt, .,Radical", hält es sogar nicht für ausgeschlossen, daß Hindenburg an der Cham­pagne-Front zu einem großen Angriff übergehe. Hinden- bürg, der heute sein 71. Lebensjahr vollendet, dem in dieser Stunde wahrlich keine Rosen gestreut sind und der hoffentlich doch noch einmal stob und ruhig herabblicken darf auf alle Wandlungen derStimmung^ durch die er hat durchgehen müssen. Wenn die Dankbarkeit im VolL

noch lebendig ist für die wiederholte Rettung aus schwerster Gefahr, so muß am Ehrentage des greisen, aber noch taten* frischen Feldherrn die alte Zuversicht sich neu beleben, daß wir der Ueberzaht der Gegner Trotz bieten können.

In derKöln. Volksztg." erinnert jemand an ein denkwürdiges Kapitel aus dem Altertum, das uns als Kinder schon tief berührt und immer wieder gefesselt hat. Wer hatte annehmen können, daß unser stolzes Reich ein­mal so gefahrvolle Tage erleben würde, wie Rom im zweiten punischen Kriege, als Hannibal vor seinen Toren stand. Die Stunde ist nicht s o schrecklich und gefährlich, daß wir uns nicht dieser in dem genannten Blatte mit einer gewissen lehrhaften Naivität vorgetragenen, aber doch wirklich zeit­gemäßen und erbaulickien Erinnerung einen Augenblick hin- gcben dürften. Man höre:

Als im zweiten punischen Kriege Hannibal seine -Schirren gegen Rom führte. als er die ktteggewöhnten Völker, denen er au, seinem Zuge begegnete. Spanier, Gallier, Alpenvölker, mtt seinen Truppen vereinigte und zuletzt nicht ohne Erfolg daran ging, anch jdie Bundes geivosteu der Mmer in Italien selbst zu nch> hin über­zuziehen. da begann für Rom eine fuväitbare Zeit. Sieg auf Sieg errang der karthagisch- Oberfeldherr^ und in raschem Sieges­lauf durchzog er ganz Italien. Am Ticinus, an der Trebia er­litten die Rönier die schwersten Verluste, am trasimenisä-en Sec verloren sie fast ein ganzes Heer. Doch all dieses kam an Furclü- baickcit nvclit jener Niederlage gleich, die sie im Jahre 216 bei Cannä erlitten. Ein Konsul, zwei Prokonsuln, 80 Senatoren, die besten Offiziere lagen auf dem Schlachtfeld. Nach Livius hatten die Römer 40 000 Gefallerw zu beklagen, riailh, Polybius lwch mehr, für die kleinen Heere der früheren Zeit ganz furMbare Zahlen. Wohl wirkte die Kunde von der Niederlage zunächst nieder­schmetternd, wohl bctveinte fast jedes Haus einen Toten, wohl wähnte man den Feirrd schon rar den Toren, wohl war die Stimmung vieler verzweifelt, doch nur kurze Zeit, und an Stelle von Kleinmut und Verzweiflung trat kalte Entschlossenheit und eherner Siegeswille, und das deutsche Volk kami vom Pattio- tismus dieser Helden unendlich viel lernen. Ein Mann, der zwar als ein erfahrener Feldherr galt, aber »vegen seiner langsamen, berechnenden, voffichtigeir. Verluste scheuenden Art der Krieg­führung von den stürmischen Dianfgängeri^ gehaßt und mit dem Sportnamender Zaudcrett' ^belegt wurde, zeigte sich in der Stunde der Not in seiner ganzen Swlengröße, Fabius Cunc- t n t o c. Er riß Senat und Volk mit sich sott, und gar bald »var alle Traun und alles G jammer verstummt. Mit Ruhe und Umsicht ttaf nach des Fabius Rat der Senat seine Anstalteri. um den Mut der Bürger zu heben und Stadt und Staat in Vetteidigungszustarrü zu setzen. Zimäch'l bekam der Prätor Mar­cellus den Befehl, die Trümnrer des Heeres in Llpulien neu zu organisieren. Alle waffenfähigen Bürger rn der Heimat, ja 'elbst kräftige Jünglinge unter 17 Jahren wurden zur Fahne berufen. Sogar 8000 Sklaven reihte man ins Heer ein. Die erbeuteten Waffen aus früheren Siegen »mirden aus den Tcm- p.ln und Hallen g-enommen, und Rom roard eine große Waffen­werkstätte. Der früher so kühl und vorsichtig vorgehende alte Fabius dringt mit seiner ew'rgischen Airsicht durch, man dürfte unter keinen Umständen mit dein Feinde in Verhandlungen eintreten. damit nicht etwa der F-ünd oder die römischen Bundes­genossen meinen könnten. Rom sei mutlos gavorden und verzlveifle am Siege.

Da Fabius wußte, ,daß der Sieg, die Erfolge der Front nur gewälirleistet siird durch die Giuigkleit uird Geschlossenheit der nmeren Formt, ging sein ganzes Bcstveben daliin. dem Partei­gezänk ein sofortiges Ende zu bereiten, und es gelmrg ihm. eine Versöhnung der Senertspartei mit der von stürmischen Draufgän­gern aufgepeitschten Vvlkspartei herbei^uführen, ja er brachte es sogar dahin, daß dem geschlagenen Konsul Barro nicht der Prozeß igcmacht^uiid öffenllich die Schuld an der schweren Niederlage beigcincssen wurde, svudern.daß der gesinnte Smat demselben bei dessen Rückkehr in feierlickiem Zuge entgegenging, ihn begrüßte und ihm dmtkte, daß er mch an der Aktüorg des Staates ver­

zweifelt habe. Und diese Entschlossenheit, alteS tttbrre stellen und nur au das bedrängte Baterloud zu denken, trug ihre herrlichsten Früchte. .Die altrömische Zahigkeü ruhte rricK eher, bis Karthagos Macht gebrochen toar."

Finden wir in der historischen Pcrrallele heute die Männer wieder, die dort genannt sind? Ach nein, der alte Graf H e r t l i n g war doch wohl nicht der von der Vor­sehung uns besttmmte Retter, und er ist irrzwischen ja auch gegangen. Neue Feldherren brauchen wir nicht zu ernennen. Aber der stolze Röinergeist, der aus der Schrecken^eit des alten Weltreiches herausstrahlt findet er ein Gleiches in unserem heute schwer bt* drohten Lande? Wir wollen und müssen uns ebenso rüsten gegen den Einfall übermächttger Feinde wie das Rom des Fabius. Noch wissen wir nicht, wer, welche Männer die politiscl-en Geschicke des Reiches jetzt in die Hände nehmen werden. Man nennt als derI kommenden Reichskanzler Herrn v. Payer, oder, wenn er sich dazu außer­stande erklären sollte, den Prinzen Max von Baden. So verzweifelt ist unsere Aufgabe nicht, nne diejenige der alten Römer. W?r haben unser felsenfestes Heer und seine be­währten Führer. Aber verlösckien muß der innere Hader urch emporflammen muß.der alte Stolz und Mut! Wieder hat ein englischer Minister uns die völlige Niederlage und eine Umformung der Karte Europas angekündigt. Wir dürfen das zerrissene Fell Europas nicht in die Schneiderwerkstatt der Wilson und Lloyd George ttagen lassen. Aber auch Herr Erzberger sollte nicht damit betraut werden, die Navel eiiizufädetn! Uno doch wcrv er von gewissen Zeitungen als Ministerkandidat genarrnt . . .

Die Abwehr im Westen.

Berlin. I.Ott. (WTB.) Tie Kämpfe im Abschnitt St ^Narie-ß-Py Som me - P y werden auf beiden Seiten mit einer Hartnäckigkeit ohne gleichen geführt. Tie übettegenen Kräften vorgcttag-crcen Stöße des Gegners richteten sich haupt­sächlich aus den Pp-Grund und die sr>genannte Helenenhöbe. Nach einer starken Feuervvrbeveittrng, die in der Nacht aus den 28. September begann und um 6.30 Uhr vormittags zu einem Trom­melfeuer von größter Heftigkeit anschkvoll, versuchte der Franzose die Py zu überfcl^oeiten. Wiederum dockten zahlreiche Tanks die in mehreren Wellen anstürmenden Jnfanteriemossen. An der Tap­ferkeit der deutsck>en Verteidiger rersstellten die mehrfach varge­tragenen Angriffe des Feindes mtb kosteten ihm schoere Verluste. Wie eisern btc an diesem Aüschritt kämpfenden deutsckien Truoven ihre Nerven zusamTnerrrissen, trotz der aus sie feüens der Gegner losgelnssenen Hölle van Vernick,tungswülen, beiaeist nicht allein die Heldenl)afte Abwehr, an einer Stelle gelmig es in srisch-m Nach­stoß. die eigene Linie um 300 Meter vorzuslAeben. Hierbei nahm ein.Dutzend Pioniere im schreidigen Z^wacken zw^n Maschnen- gTwelire und machite' 23 Mann zu Gefangenen. Eine von den Feinden ausgesetzte Tankbesatzung von 12 Mann musste sich drei vorsiürmmden Jäger7l ergeben. Trotz den Mist-rfvlgen am Vor­mittag wiederholte der Feind am Nach-mttag seine Angriffe wilder Hartnäckigküt. Einen Erfolg konnte er auch dieses Mal nicht buchen. Tie mustergültige Zusammenarbeit aller Waffen, unbersdützt von der aufopfernden Hingabe ,edes einzelnen, ließ tot geplanten Durchbruch blutig im zertrichterten Vorge­lände zerrinnen. Kleinere Mteilungen. von seindlül)cn Sturm- trupven zeitloeise fast völlig umfaßt, opfetten sch bis zum letzten Mann -oder schlugm sich durch. Baoundernsioett war die Artillerie. Trotzdem sie 12 Stimden ummterbrochen im Massenfeuer der feind­lichen Geschütze g'legen lxü. säMtete sie dickte Feuergarbcn, auf die hinter den Tanks anstürmendcn Franzosen und erleickLette der Infanterie ihre hatte Arbeit.

Die wahtrechtsvorlage im preußischen Herrenhaus.

Berlin, 1. Okt. (WTB.) In der heutigen Sitzung der 17. Kommission des Herrenhauses wurde nach kurzer Aussprache unter Ablehnung der Anträge auf Ein­führung eines Berufs- oder eines Gruppenwahlrechts dem gleichen, allgemeinen, direkten Wahlrecht nach der Regierungsvorlage unter Hinzufügung einer Z u s a tz st i m m e für ein Alter von 40 Jahren zu- gesttmmt. Die Wetterberatung wurde sodann auf morgen vertagt.

Der Waffenstillstand Bulgarien?.

Amsterdam, 1. Okt. (WTB.) Wie Reuter erfahtt, ist der Waffenstillstand zwischcnc Bulgatten und der Eittcmte abge­schlossen worden.

Amsterdam, 30. Sept. (WTB.)Allgemein Handelsblad" nveldet aus London: In der Antwort der Alliierten aus das bulgarische Angebot wird nrttgcteilt werden, daß die Feindseligkeiten erst dann eingestellt werden können, n>enn Btll- garien nnt Deutschland, Oesterrcick>-Ungarn und der Türkei bttcht. Die Forderungen, die cnc Bulgatten gestellt werden sollen, werden wahrschnnlich wlgeicde Punkte enthalten: 1. Enncxlssmmg und De­mobilisierung der bulgattschen Armee. 2. Ueberga'.'e der Eiseir- bahnen, 3. Räumimg der ganzen sttt Bulgattcns Einttttt in tat Ktttag besetzten Gebiete. 4. Freier Zugcnrg der Entente zn den Wegen, die nach der Türktt, Oesterreich-Ungarn und Runiänicn führen.

Die BundcStrcue Oefterreich-llngarns.

Budapest, 30. Sept. (WB.)Nyole Orai Ujszag" meldet: Gegenüber dem Märchen, als ob die Monarchie einen Sonder­frieden schließen nvllte, erklätte man uns von eingeweibter Stelle, wo man die Auffassung der Regierimg genau kennt, fol­gendes: Von einem Sonderfrieden der Atanarchie ist weder heute, noch war in der Vergangenheit die Rede, noch wird und kann in der Zuklmft davmr die Rede sein. Weder im Kronrat, noch im ungarisäxm oder im österreichischen Ministerrctt, noch in den g^mttnsmnen Ministcrkcmferenzen tauchte je cmch nur die ent­fernteste Möglichkeit dieses absurden Gedankens auf. Alle maß­gebenden Faktoren der Nionarch-e mrd alle rotftei, Faktoren der ungattschen Politik stimmen dattn überein, daß unsere Fttedens-, bestrrburgen, lvelche mtt uuveränderter )Attftn.chtig!«tt und Eho,