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qtam urS vnÄ «che ve treuen A?rbündeten. und jetzt h<rb«t wrr Frieden mit Rußland. Frieden mit Rumänien: Serbien undMonte- necxro sind erledigt. Nur im Westen kämpfen mir noch, und da sollte uns der liebe (Sott im letzten Augenblick noch verlasse? Wir sollten uns schämen-über unseren Kleinmut. Ter kommt aber dann, wenn man Gerüchten Glauben schenkt. AuS den Tat­sachen, die Ihr aber erlebt, da schmiedet Euch den festen Glau­ben an die Zukunft Eures Vaterlandes. Wir haben oftmals da^im und im Fetde, in der Kirche und unter freiem HimmelErne feste Burg ist unser Gott" gesungen, daß es hinmlsgeschallt hat in das Himmelsblau und in die Gewitterwolken hinein. Ern Volk, aus dem ein solches Lied entstanden ist, das muß unbezwrngoar

E Meine Bitte und meine Aufforderung' an Euch und durch Euch an die gesamte Arbeiterschaft, die sich so ausgezerchnet und tüchtig bewährt hat. und durch Euch an das gesamte deutsche Volk ght dahin: FL: mich imd mein VerMtnis zu meinem Volke sind maßgebend meine Worte vom 4. August 1914:

Ich, kenne keine Parteien, ich kenne nur Deutsche."

Es ist jetzt keine Zeit mehr für Parteiungen: mir müssen uns jetzt alle z u s a m m e n s ch l i e ß e n zu einem Block und hier ist am ehesten dxs Wort am Platze: Werdet stark wie Stahl, und der deutsche Vollsblock zu Stahl zusammengeschweißt, der soll dem Feinde seine Kraft zeigen. Wer also unter Euch entschlossen ist, dieser meiner Aufforderung nackHükommen, wer das Herz auf dem rechten Fleck hat, wer die Treue halten null,, der stehe jetzt auf und verspreche mir an Stelle der gesamten deutschen Arbeiter­schaft: Wir wollen kämpfen und durchhalten bis zum letzten. Dazu helfe uns Gott.' Und wer das will, der anttvorte mit einem Ja! (Tie Versammelten antnwrteten mit einem lauten Ja.)

Ich danke Euch. Mit diesem Ja gehe ich jetzt zum Feldmar- schall. Es gilt nun für jeden von uns, die gelobte Pflicht auch zu erfüllen imd an Geistes- und Körperkraft das Aeußerste eurzusetzen für das Vaterland. Jeder Zweifel mutz aus Herz und Sinn ge­bannt werden. Jetzt hntzt es: Deutsche, die Schiwerter hoch, die Herzen stark rmd die Muskeln gestrafft zum Kampfe gegen alles, was gegen uns steht und wenn es noch so lange dauert. Dazu l**Uj :Vs Gott! Staat. Und nun lebet wohl, Leute.

An der Siegfriedstellung.

Bern, 10. Sept. (WTB.) Französische Blätter ver­zeichnen übereinstimmend die Vermehrung der deut- s ch e n H i n d e r n i s s e in der Nähe der alten Siegfried­stellung. Große Gebiete seien besonders westlich von Cam- drai unter Wasser gesetzt. Wie derTemps" meldet, wurden die Schleusen des Nordkanals gesperrt und Sen- söeBach und Scarpe verschüttet, so daß nördlich des Havrinoourt-Waldes eine unzugängliche Zone geschaffen worden sei. Der Frontberichterstatter des ,.Petit Parisien" betont, daß die Ueberschwemmungen die Verwendung der Tanks ausschalteten. Alle Frontberichterstatter erklären, daß die treuen deutschen Stellungen außerordentlich stark befestigt seien und ein Hindernis bildeten, dessen Ueber- wchndung schwerste Kämpfe kosten werde. Daher sei in den Kampfhandlungen ein Stillstand zu erwarten. DasJour­nal des Debats" äußert, der deutsche Rückzug sei beendet.

Amsterdam, 11. Sept. MTB.) Der militärische Mitarbeiter derDich" weist in einer Betrachtung der Lage ',an der Westfront auf den ungewöhnlich günstigen Ver­lauf de^eutschen Rückzuges hin. Er betont, daß Rückzüge nie schwierigsten Kriegshandlungen seien, und da die deutschen Rückzüge bis jetzt ohne ernstliche 'Schlappen ver­laufen seien, könne man daraus auf eine ausgezeichnete Füh­rung und Moral der Soldaten schließen.

Die deutschen Pressevertreter in Wien.

Wien, 10. Sept. (WTB. (Nichtamtlich'.) Tie Vertreter der deutschenPresse waren mittags Gäste d-es Bürgermeisters der Stadt Wien im Stadtrats saale «des Rathauses. Außer den Herren aus Teutsch-land waren der Mnladmrg gefolgt Ministerpräsident Fveihrrr Hussarek von Heinlein, >der erste Sekretär der deussckxn Botschaft Prinz- Stolberg, der sächsische Gesandte von Nostitz, der Legationsrat der bayrischen.Gesandtschaft von Hoffmann und Vertreter der Wiener Presse. Im Verlaufe des Mahles erhob sich Dr. Piper, um für den gastfreundlichen Empfang in Wim xu danken. In ebenso 'geistvoller wie formschöner Rede gab er seine Charakteristik des Lebens ,der Stadt Wien, wie es der Nord­deutsche empfindet. Er schloß mit einem stürmisch aufgenoan- knenen Hoch auf die Stadt Wien Bürgermeister Tr. W e i ß k i r ch -

-rer dankte dem Vorredner nNd fügte ymtzir: Der Geist der Neve von dem der Vorredner gesprochen habe, habe sich in den Werken der Kriegsfürsvrge geäußert, die besonders in der Presse dre größte Unterstützung gefunden habe. Hierfür sagte ber Bürgermeister seinen herzlichen Tank. Mit (der Bitte <m die Presse diese Unter­stützung auch weiterhin zu Mwähren, schloß er, an dre Worte des Vorredners anknüpfend, mit einer Verherrlichung des deutschen Charakters der Stadt Wien.

Wien. 11. Sept. (WTB.) Meldung des Wiener K. K. Tele- graphen-Kvrrespondenzburcaus. Vormittags besichtigten die Ver­treter der r ei chs deutschen Presse unter Führung des Sektionschefs von Brosche und Direktors Hotrat Erhard das Tech­nische Museum Tann begab sich die Gesellschaft nach Schön - b r u n n, wo Schlvßhanptmann Ludwig Ruprecht dre Führung nahm Die Pressevertreter bestiegen die Gliorrette und genossen einen weiten Rundblick, der sich von dem Plateau aus eröffnet. Der Settionschef von Brosche hieß die Herren als Gäste des Wassers herzlich willkommen. Im Namen der reichsdeutschen Vertreter der Presse dankte Chefredakteur Landau für den elenden Empfang. Auf dem Rückwege wurden die Prunkränme des Schönbrunner Schlosses besichtigt. Abends hielt der Minister des Aeußern Graf BUrian zu Ehren der reichsdeutschen Gäste im Palais seines Ministeriums einen Empfang, zu.dem außer den Reichsdeutschen u_ a. erschienen waren Ministerpräsident Freiherr Hussarek von Heinlein, Finanzminister Freiherr von Wirmer, Ackerbau minister Graf Sylva-Tarouea, der Minister für soziale Fürsorge Mcttaja, verschiedene andere hohe Würdenträger und Vertreter von Kunst und Wissenschaft.

Wien, 11. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Bei dem! gestrigen Festabend derEoncordia" M Ehren der deutsclxen Gäste sprachen der Präsident der .Eoncordia". Dr. Ehrlich, Kriegsminister Stveger-Sterner, der Präsident des ^Aibgeordnetenhauses. Ctzef- xfbaftmx Rivpler sprach Dankesworteamd trank auf die geistige Waffenbrüderschaft Oesterreich-Ungarns und Teutschlandds.

Eine Reise des Königs von Bayern nach Konftantinopel.

Kvnstantistopel, 11. Sept. (WTB.) ,Zkdam" zu­folge wird König Ludwig von Bayern demnächst in Konstantinopel eintreffen.

Die Ukraine.

Kiew, 11. Sept. (WTB.) Morgen wird die ukrainische De­legation des Verbandes für Handel, Industrie, Fi­nanzen und Landwirtschaft nach Berlin abveisen, zum Meinungsaustausch mit den leitenden Handels- und Jndustrie- kreisen der Mittelmächte. Das Programm der Besprechungen ist gemeinsam mit den Ministerien für Handel und Industrie, für Landwirtschaft und Finanzen, ausgearbeitet.

Kiew, 11. Sept. (WTB.) Die Verpflegung Kiews hat sich nach Mitteilung des Verpslegungsministers derartig ge­bessert. daß die tägliche Brotration vom 10. September an von einem Viertel auf ein halbes Pfund erhöht werden kann.

Tie Freiwilligenarmee setzt ihren Vormarsch nach Süden von Gelend'chik am Schoarzen Meer fort und steht an­derthalb Tagemärsche von Tuapse.

Tie Versammlung des Don-Heeres beriet in geschlossener Sitzung die äußere Politik des Atamans Kra s now und gab ihre Zustimmung und Billigung aller von ihm vorgenommenen Maß­nahmen.

Ernste Lage in der englischen Kohleninduftrie und im Schiffbau.

Rotterdam. 10. Sept. (WTB.) DemNieuwe Rotter­dams chen Courant" zioolg-e greifenDaily News" undDaily Chronicle" tie englische Regierung wegen ihrer unbesonnenen Maßregeln zur Ergänzung des Mannschaftsma­terials an der Front an, die nach Ansicht dieser Blätter an der jetzigen ernsten Lage in der Kvhlcnindnstrie und in den Schiffs­werften schuld sind.Tally Chronicle^ macht daraus aufmerksam, daß von den 50 000 Bergarbeitern, die Lloyd George in seiner Reche vom 9 April verlangte, nur 25 009 tatsächlich ausgehoben, wv-rden seien, und daß es jedermann klar sei. daß es überhaupt nicht notwendig gewesen wäre, die Bergarbetier in die Armee einzu­reihen Das Zusammenscharren von Bergarbettern im Avril Und Min. um sie m die Armee zu stechen, und das gegenwärtige Zu­sammenscharren von Bergarbeitern der Armee, um sie wiederum nach den Bergwerken zurückzuschicken, zeige einen bedauerlichen Mangel an Voraussicht Durch eine ähnliche Einsichtslosigkeit sei kauch k>ie Ptzoduktio-n der englischen Schisfswerften lumachbeiligt worden

Aus dem Reiche.

Ein neuer Wahlvechtsantrag im preußischen Herrenhaus.

Berlin, 11. Sept. Im Wachlrechtsa usschu ß des Herrenhauses wurde von konservativer Seite an Stelle eines zurückgezogenen Antrages ein Antrag auf Abänderung des §3 der Regierungsvorlage eingebracht, der in feinem wesentlichen! Bestimmungen lautet: Jeder Wähler hat eine Sttmme^ rn einer .Berufsgruppe. der er nach seinem Hauptberuf im L-rune, uet Berussstattstik des Teutschm Reiches angehött. Es werden sechs Wähler-Gruppen gebildet: Gruppe 1: Selbständige aus dem Be­reich' der Landwirtschaft, Forstwirtsck)aft sowie der Fischers Gruppe 2 umfaßt den Rest der in Landwirtschaft, Forsttvittsckmt und Fischerei Tüttgen. Gruppe 3 umfaßt selbständige aus In­dustrie und Handwerk. Gruppe 4 die Selbständigen aus Handel und Berkehr. Gruppe 5 alle übrigen Angehörigen von Industrie, Handel und Verkehrs Gruppe 6 die Beamten und fteien Be­rufe Tie Zahl der Mandate wird folgendermaßen verteilt? Gruppei 117, Gruppe2 41, Gruppe3 89, Gruppe4 49, Gruppe5 99, Gruppe 6 55 Abgeordnete. Für jede Wählergruppe werden unter Wahrung der Provinzgrenzen Wahlbezirke abgeteilt, deren jeder tunlichst die gleiche Zahl in der betreffenden Gruppe Wahl­berechtigter umfassen soll. Ter Minister des Innern sprach sich grundsätzlich gegen die Annahme des bernfsständischen Wahlrechts aus und legte Ungleich­heiten dar, zu den-en das im vorliegenden Antrag liegende System im einzelnen führen müsse. Von mehreren Seilen wurde erneut dev Wunsch ausgesprochen, daß die Regierung lveiteres Material zur Prüfung der Wirkungen des Benifswcchlrechts beibringen möge, da man im Lande erwarte, daß diese wichtige Frage gründlich geprüft werde. Von aacherer Seite wurden schwere Bedenken gegen den Antrag geltew> gemacht. Tie Verhandlung üLr diesen Gegenstand wurde nrcht zu Ende geführt. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr.

Karl Peters t.

Braunschweig, 11. Sept. (WTB.) Dr. Karl Pe­ters ist, wie die ^Neuesten Nachrichten" melden, gestern in Moltarb bei Peine gestorben. Die Beisetzung erfolgt in Neuhaus (Elbe).

Aus Hes?sn.

I. Darmstadt, 11. Sept. Der Krieg sausschuß der Zweiten Kammer tritt am Donnerstag den r9>. September zu einer Sitzung zusammen. Auch der Frei­tag ist für die Beratungen noch in Aussicht genommen.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, den 12. September 1918.

/** Amtliche Pers on aln achri ch te n. Der Großherzog empfing zum Vortrag : den Staatsminister Dr. von Ewald, den Minister des Innern Dr. von Hombergk zu Vach, den General- Adjutanten General der Kavallerie v. Hahn und den Kabinetts-^ sekretär Tr. v. Eiff. Am 6. September d. J.ttvurde Adcmk Feick aus Schlitz von: 25. September d. I. an zum SchrcibgeHilfen bei dem Finanzamt Wlottns I ernannt.

** Auszeichnung. Ter Gesrette Wilhelm Nonnen- broich, Sohn des Zugführers Michael Nonnenbroich, Liebig- straße 70, wurde mit dchn Eisernen Kreuz- zweiter Klasse aus­gezeichnet. Tie Hfisrschp Tapferkeitsmedaille erhielt er bereits früher.

** Die hiesigen Wachen markte beginnen von Samstag dem 14. September ab morgens um 8 Uhr.

** Lebensmittelkarte n-Ausgabe. Die Aus­gabe der Brot-, Zucker-, Nährmittel- und Seifenkarten er­folgt Samstag den 14. d. M. (Näheres im Anzeigenteil.

**Wohltätigkeitskonzert.Bezaubernd rst die Klange schönheil der beiden Sätze. Mit einigen Horngängen, hie und da einen kumen Klarinett- oder Oboe-Solo auf der einfachsten, natüv- lichsten Orchester-Grundlage gewinnt Schubert Klangwirkungen- die kein Raffinement der Wagnerschen Jnstttim u ttierun i ermcht." So' schließt Hanslick eine br^isterre Beipre-chnug rer U-moll- Symphonie von Frcurz Schubert, ^ie am Freitag das Konzert eröffnen soll. Mer auch die beiden andern Orchestervorttägei Las Preludes" von Franz Liszt und Richard Wagners einzigesj Großes Vorspiel zu den Meistersingern von Nürnberg" machen für sich allein den Be'uchi des Konzerts lolfaend. Konitte Hanslick vamals Wagner und seinem Werk noch nicht gan^ gerecht werden, so wissen wir nun längst, was uns dieser Meister geworden ist ümb Franz Liszt, der zu Wagners Lebenswerk fleißig Bausteine mit herbei getragen und emsig mit geschasst und -gestritten hat, ver­dient auch einen Apteil Tank des deutschen Musikfreunds. Zu empfchlen ist cs, sich rechtzeitig mit Karten zu versehen, da der Dorveickauf äußerst rege ist.

Bllöer von der Donau und aus dem bayerischen Wald.

n.

Der Morgen war naß und frostig, graue Nebel verhüllten die hohen Bergregionen, und mein Wcmderplmr mußte geändert wer­den. Tie Arberbachschlucht, durch die ich gern hbiaufgestiegen wäre, fordert. Um die Kaskaden der Bache zur vollen Gelttmg zu bringen, Sonnenblick. In ösllicher Richtung erstieg ich die Höhen, die wie breite Waldschemel dem Arber südlich vorgelagert sind. Es fiel mir schwer, mich von dem malerischen Anblick des 5kirchleins urrd den Häusergruppen von Bodenmais zu ttennen, als der Weg oben sich in die sanft steigenden Windungen verlor, auf denen man nach drei Stunden das Dorf Rabenstein gewinnt. In der Gemarkung von Bodenmais erklang noch das trauliche Glockengeläute weidender Rinder: wenige Minuten später umfängt dich eure Waldeinsamkeit schauriger Att. Riesenhafte, düstere Taimen ringen in schier un­durchdringlicher Wildnis von Gesträuch mit ebenso gewalttgen- himmelhochstrebenden Laubbäumen, die bis zur halben Höl^e von Kletterpflanzen umschlungen sind. Ich fand hier, nahezu 1000 Me­ter hoch gelegen, urwaldartige Stellen, wo man kaum drei Schritte weit ins Innere blicken konnte. Im Gegensatz zu dieser Waldwild­nis stand der geebnete Weg, der hindurchführte, häufig auf Ab­hängen, bald llnks, bald rechts die Geländeschwierigkeiten um­gehend. Dem Reichtum der Veaetation wird durch die Axl der HolzhSucr, die ich an einigen Platzen bei der Arbeit sah, nur ge­ringe Einbuße getan. Raben st ein liegt an den hohen West­abhängen des Regentales, dessen sonnige Gefilde mir entgegen- leuchteten, als die Wucht der Waldnatur beim Mstieg zurücktrat u ) ich nach einer überraschenden Rechtsschwenkung des Weges die ersten Häuser erreichte. Das Torf wird als Sommerfrische viel ge- nanrtt und gelobt, ist aber bei weitem nicht so idyllisch in dio Wunder der Gebirgswelt eingebettet wie Bodenmcris. Am Wald- rcmde lächelt ein kokettes Bauwerk herab, die Vllla Rabenstein, die einige Städter ausgenommen hat, zu deren Versorgung wohl die Lebensmittel bestimmt sind, die einige mir auf dem Talweg be­gegnende Landsrauen hinaufschafften.

TieStadt" Zwiesel, der ich nun im weitgeöfftketen Tal« entgegeneilte, liegt allen Lockungen der herrlichen Gegend nahe, besitzt aber selbst keine besonderen Stimmungszauber. Ter lang­gestreckte Stadtplatz mit einem Kriegerdenkmal zeigt derb gefügte Fassaden. TieFrequenz" ist, wie es sich die biederen Leute wün­schen, beinahe gleich Rull. Freundlichkeit und gute Bewirtung fand ich jedoch auch hier.

Als ich am nächsten Morgen das dicht bewaldete Regental auf­wärts wandert?, war der Himmel noch stark bewölkt. Nach andert­halb Stunden bog ein Pfad von'der schönen Fahrstraße ab über das kristallklare Flüßchen, und der Ausstieg zum Arber begann. Schon in Friedenszciten drangen wenig Menschenlaute hierher. Weit und breit keine größere Stadt, selten verloren sich Neugierige aus der Ferne in diese O^renzlande, die man hinter den zahlreichen Natur­schönheiten Bayerns vergaß. Welche weihevolle Stille mm heute! Aus ttefen Abgründen stiegen in dichten Scharen die halbnackten, rötlichen Riesen des Waldes herauf, Ungetünce, die aus dem Tar­taros sich emporsehnen. Manche liegen, wie tote Helderr, vom Sturm gefällt, über Felsen und Schluchten. Wie ein traurigeck Lied Omans liegt es vor meinen Sinnen, finstere Visionen aus. dem erbarmungslosesten Kriege flattern aus dann rührt es sich

über mir im Gesträuch, und aus einer milderen Schwermut dahin­gehaucht, erscheint mir über dem hohen, felsigen Hang das Bild halbversteckter Knaben, die den Beerenreichtum pflücken, der dott oben auf weite Strecken in seinem satten Blättergrün überquillt.

Ich dachte an keine Grenzen dieses Reiches vontausendstim­migem Schweigen", als die Szene schnell wechselte. Ueber der schmalen Oeffnung des gerade vor mir binziehenden Weges erschien plötzlich ein metallisch glänzender Streifen, der sich nach wenigen aufsteigenden Schritten vergrößerte, bis die bewegte Fläche des Arbersees vor mir lag. Eine hohe Seewand und steil ab­fallende Wälder umschließen das lautlos spielende klare, bald grün, bald bleifarbig schimmernde Wasser. Eine Atmosphäre stiller Feier­lichkeit webt und waltet hier, ein Gralssriede, in dem man nnwlll- kürlich die Stimme dämpft. Mich lockt heute der Berg nicht mehr, zumal die Spitze im Nebel steckt; eine halbe Stunde wandte ich am Ufer, verfolge in schattigen Winkeln die Seerosen, die dort herrlich; auflenchten und schließlich menbe ich mich auch dem Seehause zu, in dem man überraschend gut verpflegt wird. Ta hkiben sich'S denn auch etliche Gäste bequem gemacht, die hier übernachten wollen, zerschneiden Pilze und freuen sich der Beeren, die sie cre* sammelt haben. Der Wirt gewährt weitgehende Hausvechte; einige Robinsone, die sich für mehrere Tage hier angebaut haben, holenj sich aus den .Kiichenschränken, was sie gelüstet. Ich weiß nicht, warum ich mich rasch entschied, noch am Abend hinabzusteigen nach Eisenstein war's die Scheu, die ungeschriebenen Gebote zu ver­letzen, die Heimlichkeiten des Bergsees am Ende wie jene Schub­laden zu durchsuchen?

Auf steilem Fußweg ging es durch Wälder, dann über leuch­tende Matten, von denerr die Ristder zum abendlichen Heimgang in die Ställe der Arberhütte getrieben wurden, nach Eisenstein.^

*

In dem bayerischen Grenzdorf fanden sich einige Fvemdcn- nester, da zwei oder drei Gastwirtschaften dort den Ruhm wohl- bestellter Küchen genossen. Eisenstein ist herrlich am Fuße des großen Arbers gelegen, beffen fratcraitiger Felsengipfel die ganzq Gegend majestätisch beherrscht. Friedliche Herdenglocken schallen von den an den Waldrändern hängenden Weideplätzen ins Tal, und ein Teil des Dorfes liegt auf der dem Arber vorgelagerten Höhe zerstreut. Was jedoch den harmonischen Einllang etwas ab­schwächt, das ist die Einmündung der Bahn in den Grenzbahnhos, der mit den ihn umgebenden Beamtenhäusern auf einer bevorzugten Höhenstraße des Tales liegt. Tiefes zieht sich in nordöstlicher Rich­tung nach Böhmen hinein, rmd dort oben, wo ihm ein Bergriegel die WejndiUlrg nach Wesüin gibt, liegt der traulicher als sein L<l/.vosterdors um eine orig,melle Kirche zusarnmerrgeraffte Martt Böhmisch-Eisenstein mit zahlreichen, zum Teil auf aussichtsreicher Höhe gelegenen Gasthäusern.

Nach allen Richtungen eröffnen sich von Eisenstein aus loh­nende Wanderungen. Ein Grenz schein, den der Bürgermeister gegen gering« Gebühren ausstellt, ermöglicht cucch Streiszüge in die benachbarten böhmischen Bezirke. Nur wenige der Sommer­gäste machten jedoch davon Gebrauch, und die böhmischen Wälder, die man durchqueren muß, um die schönsten Naturwunder, den Teuselssee und den Schwarzen See. Miftiusuchen, er­starren in einer herzbeklemmenden Einsamkeit. Auf schmalem Pfade ersteigt man die hohe TeufeWvand, die ihren Namen mit

gn.tem Grunde führt, dcpn man blickt auf ihr in schaurige Schluck>- ten und Abgründe, die man. ivie der Alpenjäger, aufzitterirdenr Steg" überschreitet. Unten im Talkessel liegt, rings von Tannen umgeben, der Teufelssee, der wie ein geheimnisvolles, düsteres Naturange fragend zum Himmel aufblickt. Adalbett Stifter hat in feirren Novellen diesen nabelieg-nrden Vergleich her^naezoaen und noch in Einzelheiten kunstvoll begründet. Auf der genannten Teufels^ waird umgeht man den See in einem Halbkreis, wonach man beim Abstieg in kurzer Zeft den Schnvarzen See erreicht, der in einer romanttschen Hochwaldmmrahmung am seinem Gestade bei einer lleinen Schenke dem Wanderer eine stimmimgsvolle R"st gewähtt. Freilich sind die Preise in Böhmen unter einem verkc.-ttcn Politik scheu System auf einer schier unerschwinglichen Höhe angelcmgt. Ti« deutsche Bevölkerung darbt und letbet besonders hart. Blasse ''nder kamen oft über die Grenze herüber und baten um Drot^ und das eisgraue Mütterchen, bei dem ich einige Tage wohnte« wußte sie beim Namen zu nennen und jammerte darüber, wie sie ihr früheres blühendes Ausselren so gänzlich verloren hätten. Ins den Wäldern fand ich die märchenhaften Mbilder der 2lamut alten Zeiten, in dürftige Lumpen, mitunter in nicht viel mehr als etn| schmutziges Hemd gehüllte barfüßige Holzsammlerinnen mit ihren Kleinen. Dem Völkerzwiespalt ist es wohl zuzuschreiben, daß man ' da drüben meist finster und ohne Gruß aneinander vorüberzieht....

I.-Darmstadt, 11. Sept. Kesbern fand im Hofthcater die Aufführung von ShakespcareSSturm statt, zu der Wein­gartner eine neue Musik geschrieben hatte, welche völlig auf den Tvn des feinen MärcheTllustspiels gesttmmt war und nir­gends vordringlich übenvuckrerte.^ Sie dürfte^ manche Bühnenleitung reizen, denSturm" wieder in ihren Spielplan aufzunehmen. Inszenierung und Darstellung waren geschmackvoll und ansprechend, hätten aber vielleicht noch mehr dem Mädchencharakter des Stückes gerecht werden dürfen. Sch: rci'.M. waren T8 cze tec Ny i pH n und Schnitter, einstudiert von der neuen Tanz Meisterin Fernande Robertine.

DieDanziqer Glocke" in Krakau. Eine knnsilertsch, wie auch kultur- und münzqeschichtlich wettvolle Erwerbung hat das Nationale Museum in Krakau aemacht. indem es nach einer MilteiluugderWienerWochenschrift, Po en"die sogenannteDanzige'' Glocke" ankau'te. Diese Glocke ist nicht vor» allzu große,n Uursange, hat aber eine anunrtige und regelnräßiae .' 0 rnr und ist am oberen Teste mit einem Orameute von Akantbusblättern und Früchten bestens verziert, die von zwei Engelchen getragen ssnd. In der Mitte des Feldes sieht inan auf der einen Seite die Madonna, aut der andern den arsterstandenen Christus, und zwischen den berden ftins Rtedaillons. Es sind ein kleines Dledaillon mit der Büste des schwe- drschcn Königs Karl XI . eine runde Plakeite ohne Inschrift, die zivei Juden darnellt, die eine Weinrebe aus dem gelobten Lande bringen, ein Medaillon mit deutscher Inschrist zur Erinnerung an die Glockentause vw 18. Iahrh ndcrt, ein Medaillon znm Andenken an den Friedensschluß von Oliva (166')) und ein Medaillon mit der Ansicht der Stadt Danzig vom Jahre 1653. Oben zwischen dem Ornamente und den Jestons ist die Inschrift zu lesen:Sit nomen Domini Benedictum Me fecit L. W. Gedan. Auno 1745" (Gelobt sei der Name des Herrn. Mich schuf L. W. Gedan 1745).