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%tt König vsn in Sofia.

Sofia. 8 Sept. (WTB. Nichtamtl.) Meldung der Bulgari- Lüm Tclesrapherr-Wnttcrr. Heute früh wohnte ®f>niq Jjubroig Bayern dem Gottesdienste in der katholl,chen Arche,bet. Dann machte er in Begleitung des Zaren Ferdinand erneu kur-en Auto mobil ausslug in die Umgebung. Mittags fand m rer dcrZchen Gesanütfchaft ein Frühstück statt, an dem König Ludwig, Zar Ferdinand, Kronprinz Boris, Prinz Kprül, der, bayrische Ministerpräsident von Tandl, Fnkmizministcr Lraptlchew u. a. teü»ahuirn. Ministerpräsident Atalinow war durch Krankheit an

*** Nichtamtl.) Meldung der Bulga-

rischen Telearaphen-Agerttur. König Ludwig von Bayern besuchte he^e die Kyrill- und Mtthodttls-Mthedrale, das archaologriche Museum, das Museum für 'Völkerkunde und die deutsche Kunst­ausstellung. Abends fand bei der könralickien Familie eme Fa- milientrfel statt rriid für die Persönlichkeiten des Gefolges Mar-

f^lofU, 8.SeK. (WTB.) Bulgattsche Telegraphen-AgentUr. Bei dem gestrig«! Gala-Diner zu Ehren des Königs vmr Bayern brachte König Ferdinand einen Trinks pruch aus, m dem nie uLCL der Tatzen der bayerischen Truppen gedachte und sagte z Es erfüllt mich mit ganz besonderer (Genugtuung, datz heute mw* bayerische Truppen im Verbände meiner Armeen an dem hntz- erstrckten Ziel der Einigung aller Bulgaren mtt wirken. Mit Gvtteo gnädigem Beistrnd, der unsere Waffen bisher sichtlich gesegnet hat, Lffen und vertrauen wir, daß wir diesen Krieg bis» u m g u t_e n Ende durchkämpfen Ivetten, das mrseven Völkern ihre Exi­stenz und ihre freie ungehemmte Entwicklung sicher,bellen soll zum Ausbau und zur Vertiefung der gegenseitigen Ürlttrrellen und \xnaU schaftlichen S^idjuiweit, die in dem wficre Länder verbindenden! nvächtigen Donau ström von Natur aus erne besonders wert­volle, stgsnsveirli? Stütze finden. ^

In seiner Erwiderung sagt' der K ö n i g v o n B a y e r n u. a.. Noch ist es uns freilich nicht Schilden, die Waffen endgickttg meder- iukgai und uns lweber ganz den Werken des Früv,ens zu widmen. WZ, den Westmäästen haben wir oft genug aufrichtig die Hand zu ehrlicher Verstmrdiggvm geboten, aber immer w>ch begegnm,vrr hier nur starrem Vernichtungsnniken inrd anssckrveifender Grobe- timgS lucht Mim eit ir ab r un er - Zuvricht Xt ' 0 egner werd n noch anerkennen müssen, daß ihr Ansturm vergeblich ist Mid dav die Verbündeten m ihrer unerschütterlichen Burrd^tveue Nicht zu überwinden sind. .

Freiherr von Spitzmüffer gemeinsamer Finanzminister in Oesterreich Ungarn.

Wie«, 9. Sept. (WTB.) Wie die Montagsblätter erfahren, erfolgte gestern die Ernennung des Miniswrs a. D.,, Dr. Freiherr

v. Spitzmüller, zum gemeinsamen FinanzmiNistjer. Tie

beiden kaiserlichen Handschreiben^ womit diese Ernennung Verla ul­bart wird, und gleichzeitig der Minister des Aeußern Graf Ba­ri an als interimistischer Leiter des gemeinsamen Finanz Ministe­riums von dieser Stelle mit dem Ausdruck der Anerkennung füy seine Dienste enthoben wird, werden in derWiener Zeitung am Dienstag veröffentlicht werden.

Vertreter der reich-deutschen Presse in Wien. Wien, 8. Sept. (WTB. Nichtamtlich.)Extrablatt" anbReichspost" veröfftntlülM herzliche Artikel zur Be­grüßung der morgen hier eintresfenden Vertreter der re ich s de u t scheu P resse. DieNeichspost" betont den freundschaftlichen Charakter des Empfanges der reuhsdeut-

S Presseleute in Wien, wobei auch den reichsdeutschen eN gegenüber die D^rnkespflicht für die Gastfreundschaft urrd die herzliche Aufnahme erfüllt werden soll, welche oie Vertreter unserer Presse überall in Deutschland fanden. Der naheverwandte Geist voll bundesbrüderlicher Gesin­nung leuchtet in den publizistischen Erscheinungen der beiden durch eine gemeinsame Kultur verketteten Reiche auf. Das Extrablatt' Hcfynctbt: Es geschehe zum ersten Male, daß die große Waffenbrüderschaft der verbündeten Reiche sich auf österreichisch-ungariscl-cm Boden auch in einem Gedanken- unü Gefühlsaustausch der Z-eitungsleute offenbare.

Verschärfung der Zensur in Ungarn. Budapest, 6. Sept. Der Minister des Innern ver­fügte eine strenge Ueberwachung und Bestrafung der Verbreiter falscher Nachrichten, die geeignet erschei­nen, bei der Bevölkerung Entmutigung hervorzurufen und die Nation in ihrer Widerstandskraft und in ihrem 'Glau­ben tan die Erringung eines ehrlichen Friedens zu erschüt­tern. (Frkf. Ztg.) _

Der Friedensgcdauke in England.

Amsterdam, 9. Sept. (WTB.) Nach einer Meldung des Reuterschcn Bureaus warnte Kardinal Bourne in

einer Ansprache,, die er gestern ui London hielt, entschieden vor dem Pazifismus. Er sagte, die Engländer dursten sich nicht durch Formeln wieKeine Entschädigungen und keine Annexionen" fortreißen lassen, da es Vorkommen könne chaß die Gerechtigkeit Annexionen und Entschädigun­gen verlange, und da ein Frieden ohne Gerechtigkeit ein Friede ohire Dauer sein würde, den zu besitzen nicht der Mühe wert wäre.

Die dcutsch-chilerrischen Beziehungen.

Amsterdam, 8. Sept. (WTB.) Nach einer Reutermeldung aus Santiago veröffentlicht der deutsche Gesandte v. Eckhard eine Note, in der er sich dafür verbürgt, daß Eeuic Heuei) Zerstörungen von Maschinen oder Versenkungen von Schiffen Vorkommen werden, und daß die Anordnung ge­troffen wurde, daß die chilenischen Behörden jederzeit an Bord der deutschen Schiffe in den chilenischen Häfen kommen können. Wie Reuter berichtet, machte die Note in Chile keinen günstigen Em-

ÖrU Das Wölfische Bureau bemerkt dazu: Hier ist keine Meldung über die Angelegenheit eingegangen. Es ist ayzunehmen,, daß dm Zerstörurrg von Maschinen aus derttschen Schiffen in Chile durch die Schisfsbesatzungen in Verkennung der politischen Lage vorge­nommen wurden. Tatsächlich sind die Beziehungen zwischen Deutsch­land und Chile nach wie vor durchaus freundschaftlich.

Der Lselrieg.

Neue U-Boot-Srfvlgr.

Berlin, 9. Sept. (Amtlich.) Unsere N-Bvote versenk­ten im Sperrgebiet des Mittelmeers 17 000 Br. - Reg.-Tonnen Dandelsschiffsrauntt darunter den belade­nen englischen Munitionstransportdampfer Mary Suzcmne (3106 Br.-R.-T.), im Aegäischen Meer, den französischen Truppentransportdampfer Pampa (4471 Br--R.-T.) .auf der Reise von Marseille nach dem Aegäischen Meer, und den französischen Postdampfer Balcan (1709 Br.-R.-T.), auf dem Wege von Frankreich, nach Korsika. Mit diesem sind nach feindlicher Zeitungsmeldung 500 Soldaten untergegangen. Ein deutsches U-Bvot drang in den durch Sperren geschützten Hafen S t av- rvs (Aegäis) ein und erzielte einen Torpedotreffer auf einen englischen Kreuzer der Juno-Größe (5700 Dörmen). Trotz heftigster .Gegenwehr gelang es dem U-Btoot, unversehrt den Hafen wieder zu verlassen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Ans öem Miche.

Berliner REiStagSerfatzivM.

Berlin, 10. Sept. Lln Stelle des verstorbenen Reichstags- Präsidenten Dr. K a e m p f wurde gestern in einer sein gort besuchten ö sentiichen Wählerversammlung der fortschrittlichen Bolkspartci mit 131 Stimmen der Geh. Justizrat Kem pner-Berlin als 5standi- dat ausgestellt. Dr. Dernblurg erhielt 90 Stimmen.

Krisenge rüchte.

Köln, 9. Sept. (Pttvattelcgc.) Zu den in der Presse auf- tauchenden Krisengerüchten jchveilü freKöln. Ztg." auS Berlm: Ta haben wir denn wieder einmal und zwar diesmal aus dem Auslande herübergeleitet, das Spiel der Gerüchte. Es bleibt zn allen Zeiten, ist aber hatte wahrlich ein höchst be­denkliches Spiel. Man fragt sich vergebens, ob deutsche Politiker jetzt, da der Uebermut des Verbandes keine Grenzen mehr kennt, verantworten könne, die Voraussetzung zu meefen* daß mir uns einer neuen Krisis nähetten. Tatschl)i!ch lieg»en für eine solche keinerlei Anzeichen vvr. Die geschickte pcrttamentarische Hand des Grusen Hertlmg hat sch wirllchen Schnnerrgketteii gegenüber so belvähtt, daß num diese FWgvett des Kuri-lers geoade heute nicht unttv- schätzm sollte Es mrderli-vat doch k,nnem Zweifel, daß der Kcmzler auch dem ^luslande gegenüber ein Ansehen besitzt, daß es unmög­lich sein sollte mrd sein wird, auf dem Wege der Stimmungsmache diese Stellung zu erfchüttcmi. Worauf es aber vor alleni ankonnnt, ist, daß es ein politischer Unfug ist, in der jetzigen Zeit mit dem Gedanken «einer Regierungskrisis jai Spielen, Wir haben wirklch wichtigeres m tun, als die Gegmrsätze, die Gras Hertling mtt seiner reifen Erfahrung und Geschicklichkett zu über- vrücken weiß, aufMveiß-n. Einigkett, polrtisck^ Disziplin, Zurück-, stellung der Gegensätze, das ist die Losung des Tages, und die, die die Krifengerüchte auch nur weiterreichen, verstoßerr aufs schrverste dagegen.

Ein Zeitunssftwillnrm in Sachsen.

Dresden, 8. Sept. -(WTB. Nichtanttlch.) Jui Festsaale des Hauses der 58aufma7mschift l^eginZrm heute nachmittag neTres- dener Neuesten Nachciätten" die Feier ihres sünfundzwan- zigjährigen Bestehens. Nach einer Ansprache des Ver­treters derDresdener Neuesten däuhrichten", Pvof. I. F. ^olN, der mitteilte, daß der Verlag anläßlich des Jubiläums 100 000 Mark für die Aiigestellten, den Heimatdank und lvohltätiae Zwecke stiftete, ergriff der Minister des Jirnern Graf V itzt um von Eckstädt das Wott und brachte in einer längeren Rede dir Glückwünsche der Staatsuegierung zum Ausdruck. Er sagte u. a.: Die Presse müsse, zumal in dieser ernsten Kricgszeit, stets aus eine Verständigung und nicht ans Zwietrackst hinarbeiten. Es sei daher eine lohnende Llufg-abe, die vorhandenen Gegensätze zwischen Stadt und Larrd, zwischen Erzeuger und Verbraucher, zwischen Arbeit­geber und Arbeitnehmer zu schlichten urch zu klären. Dies gelte vor sollenl für die Fragen der K'rregspolttik. Hier sei fast keine Brücke nix Verständigung mehr vorhanden zwfichen den sogenannten Pazifisten und Flaumachern und den Kriegsverlängerern und Annexionisten. Und doch, fuhr der Minister fort, müssen wir inrmer wiÄ»er einen Versuch machen, uns zu sammeln. Das ist fiettich nur möglich unter dem festen Entsckstuß des Durchhaltem- Es wurde über Friedenssehnsucht urid Friedensbercttsckxrst schon soviel gesprochm, daß man sagen kann, je mehr man vom Frieden redet, um so ferner rückt er. Aus den Aeußerungen der aegnerisck-en Staatsmäirner wissen wir ja rum, daß die Erfotge die Feinde in einen Siegestcmmel versetzt haben, aus dem heraus , sie nickst nur jedes Friedensangebot ablehnen, sondern uns auch . Kriegsziele enthüllen, die die völlige Vernichtung des deutsckstn Wohlstandes ur der deutschen Kultur zur Folge haben müssen. Der Friede, beif sie uns in Aussicht stellen^ iit überhaupt fein Friede mehr zwischen zwei Gegnern, die ihre gegensettige Daseins- berechfigung anerkennen, sondern die Erdrosselung Deutschlands. Diesen Gegnern gegenüber erscheint ein jeder Versuch der Verständigung auSs ichtSlos. Wir müssen uns darauf besäwäilken, ihnen die heuchlerische Maske vom Gesicht zn reißen, mit der sie versuchten, uns sckstittwerse ein Zugeständnys nach dem anderere zu entlocken ohiie sich selbst auch nur im geringsten zu binden. In dieser schwersten Zett bringt uns nur der entsckstofiene Wille zum Durchhalten dem Frieden näher. Tie fchvecsi« Zett des Krieges nenne ich sie nicht, wett wir im Westeis zurückgegangem Wir haben Vertrauen zu unseren bewährten Heerfühvern und zu unseren Truppen daß sie auch künftig alle Tn cclstirucksvcrsncki-e zurückschlagen werven. Schwer aber ist unsere Zeit deshalb, Uicil der alte Mtt imd die alte Ekitsckstossenhett ins Wanken zu koncmen scheinen!.. Wie erklärt sich das? Die Anttvott auf diese Frage suchte der Wiinisder in der Tatsache, daß der Fvanzose den Feind im eigenen Laarde habe und die drohende Gefahr vor Augen sehe, während das deutsche Volk, durch seine Heere vvr ben Kriegsgveueln geschützt, die Gefahr zu leickst vergesse. Dllt den feindlichen Agenten, die übemu umherschLeichen und dir Siegeszuversicht untergrüben, -müsse kurzer Pwz- gemocht werden. Der Mimst« verlangte schließlich, da das Vaterland in Gefahr sei, von jedem den Einsatz seiner Persönlichkett und die Zirrüchttllnng aller Meüiun^vers'chedenhetten. Möge die Presse TeutsckstandS den Söhnen das Gewissen schärfen, damit das.Wort Hindenbur^ wahr werde:Wir werden es schaffen."

Nach der mtt großem Beifall ausgenom m e n en Rede des Srmtts- Ministers sprach u. a. Oberbürgermeister B l ü h 1 1 für die Stadt Dresden, Genevaldirektvr Dr. (^raf Seebach für die König lichen Hvfthmter, Syndikus Dr. Merz fitt den Verband der säck/sischen Industriellen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. September 1918.

** Amtliche Personalnachrichten. Das Ghren-ttchM strr Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren wurde durch den Großherzog dem Friedrich Müller von Lang-Göns verliehen.

** Anmeldung zur Stammrolle. Die im Atugirst 1901 geborenen Landsturmpstichtigen der Stadt Gießen müssen sich am 16. Sept. d. I.. vormittags von 8 bis 12 Uhr und nach­mittags von 2 bis 6 Uhr, im alten Rathaus am Marktplatz zur Landstnrmrolle melden. Siehe Bekanntmachung.

** Wohltätigkeitskonzert. Wie bereits >mehrfach <m-> gekündigt wurde, findet am Freitag Abend im Stadttheater wieder ein Konzert statt. (Siehe Anzeige), und zwar diesinal zum Besten der Hinterbliebenen gefallener Gießener. Das Programm ist mtt Sorgfalt ausgewalstt und zusammengestellt. tddach dem Erfolge des ersten Konzerts und frei dem guten Zweck dürste wohl mit einem recht zahlreichen Besuche zu rechnen sein. Ter mitwirkenden Hofopern-Sängerin Frau Lina Baak -geht als Künstlerin der beste Ruf voraus. So schreibt z. B. eine Gollstier Krittk: Frau Baak bewies sich mtt der Rezia-Arnbaus: WebettsOberon" als die ausgezeickinelre dromattsche .Sängerin, als welche sie hier von der leider nur kurzen Wirksamkeit an der Hvfoper im beststt ^Ündcnken steht, ganz überraschend aber waren ihre Lieder: Schubert und Brahms verstand sie mit innerlicher Wirkung aus- zugestalten, dank ihrer Stimmimittet von besonderer Schönheit und

Silber von der Donau und aus dem bayerischen Wald.

i.

Reisen und Wandern haben heute vielerlei Beschvellichketten, und um dem stljönen dkvtursrieden unsevec unversehrten deittsck-en Lande ganz nahe zu kommen, muß man durch eine wahre Lckstw- rafsenmauer von Mchvockungen. Mzuoiel hört man unterwegs

und im Bayernlande ist oas nicht anders als anderstvo von den Mängeln der ^lwslegung, von Unrecht und Hätte! da die Badenken oft in unnützem Geschvätz überschäumen, so ist man trotz, wenn man aus der Hörweite ist. Nicht Wenige kommen aber dabei unter die Räder, indem sie in Pen kleinen Städten hängen bleiben, wo es ans den Töpftn noch befriedigend duftet, in Straubing, Wattling oder in Passan, und das sind dann die unglitckseligenFremden", über die sich fast täglich der Unwille der klernen nno großen bayvttchm Blätter ergießt. In Wahrheit ist der Fvemde-.ijtvom, der sich durch Niederbayern zieht

nur vvn diesem Landstrich soll hier die Rede sein nickst übermäßig groß.

T eggen darf ist ein Zähler am VeEhrKweg zum bayri­schen Wald: von hier aus steigt die Walvbal>n hinauf bis nach Vöhnien. T-tt kleine Stadt bereitet im ersten Augmcklick eine leichte Enttüusckjrung. Sie hingt nicht etwa bervassenfürmig über der Donau, sondern sie ist zum grössten Teil aus Flachland aus gebaut und hat nüchterne Stnaß^childer. Nur der Wiche Teil berührt de:! Fluß, dessen linkes Ufer hier zu niederen, waldigsn Höhen ansteigt. U-eberschosttet man hie Straßenbrücke, so gewinnt man freilich ein ungemein licblick)ies Bttd. Hinter dem saftigen Wiesentale grüßen und icmifeu von Kapellen gekrönte Waldberge; manch einer in bet Nachibarsck»aft steigt schon bis über 1000 Meter hoch Und dahinter llcgt in dämmerigem Blau die mächtig empor- aechhoumgM Wogenlinic des ausgedehnten, regellosen Gebirges, das auch den Vietgavanderteir um eine neue, eindrucksvolle Welt beaeichett.

Ten nächsten Bergen fehlt die Majestät des Ausblicks auf den Fluß, wie s« etwa im D^bengrbirge den Rhein beherrsckst. Tie Tonau nieckl teuue übermächtigen Akkorde. Dafür xtnX sich'4 mtt tausendfachen Stimmen xn den hohen Wäldern. Sv behaglich und gastlich fich's in derPosck^ wvhmm lässt die Waldbahn rollt uno schnaubt und mahnt zum Weiterztehen. Sie bewältigt drn^ mal täglich einen ragen ^Persosien- und Güterverkehr. Ta tummelt sich Beißt internationales Reisepublrkum, ratt wenige Svm- merfrischler lvollen hinauf: wir hören säst ausschließlich das bayrische Idiom, irnd ixbeAmcopnh sind es die einheimischen ,,WAd­ler", die da mit .Wrbcer und Säcken und Federvieh unterwegs sind. Durch waldig' Sckstiuisten geht die. Fahtt, auf schoindlichcn Ab­hängen wiwd't sich das Gelaise in Bogen und Schleifen, auch durch einige Tunnels, höher und Ißtyx, bis wir von .Golteszell und Triefenrich in eiligen! Lauf osiwätts vollen und das Städtchen Regen mtt denr schichmmiaen Fluß eiweichM. Hier verlassen wir die Do hu, die stth Wich und nördlick- durch das Tal des Regens wettersckstängelt.

Ein Geroitter brach über den heißen Mittag herein, Regen­güsse strömten hernieder, ivähvend uns am fleischfteien Tag, der auch da oben im allgemeinenheilicst^ gel-alttn wird, ein tück^- ti^erSchmarr'n" berattet wurde. In Regen sind gegenivättig, wie in den meisten Orten des bayrischen Waldes, keine Fremden- Pensionen; der Wanderer erhält «Quattier und Zehrung, dann form er weiter ziehen. 5)errsiick^ unttochte es Mich auf dem Wege nach Bodernnais, meinem hnttigen Endziel. Ter Himmel schüttete noch mchrmals seine nasserr Sck^luer icb-er das dürfende Land, aber ein erfrischender Qdem wehte wie auf hoher Lee. Weite^ sanfte Täler breiteten sich zu meiner Recksten aus, als ich mich dem Regenftusst abgekehrt hatte, um weiter landeirllvätts M wurdern. Wie zierliches Sr^elzeug liegen Häuser und Flecken weithin in Fluren und Matten ausgestreul, zeugend von genügsamem Wohl­stand der Bauern und Hirten, die hier wölinen. Täler unb Berge find ins Gigantisch' gerückt: tvemr es aus einer vorübettliogenden Wolke hestiA.a niederpcasselte und ich. den Wald unb Hügel zur Linken Swines Weges im Mckvn. etwas länger hmunterilchrutr., glaubte ich Schatten sagenh.ifter Riesen alter Zetten zu erblicken, für die hier noch eine Zu stuckst wirre. Hinter Langdorf, ein paar rings zerstreuten Häusern und Hlttten, scksteßen rechts und links des Weges hock^agende Tann«uoäldev empor, auch die Berge treten auf beiden Seiten näher l-evan. der Weg krümntt sich in mehreren Windungen, noch ein kurzer Anstieg da liegt, jenseits eures llei'.LN Tales/ »oeltverlmvn, stber dem Himmel nahe, mein B o d e n m a i s! Ein Kinchllem thwont auf einer Höhe, die von mehreren apf sie zustrebenden Täl-em umsckMreichelt wird: Ich muß hinunter, über cm Brückchen des Rotbachs, an einem Hütten­werk vorüber, in welchem Eisenvitriol, Almut und rote Glas- polittrrfarbe gewonnen werden, dann taegt sich der Weg hinauf zur Kirche. ' [

Sie steht auf einem kleinen Platz zwisckstn den bcidm Haupt- gasthäusern des Dorfes, das fremdenleer sich mir darbot. In der Post" gab es nicht das Geringste zu essen; so stieg ich wieder zu Dal, brüste in einem Bäckerladen etwas Brot und versuchte cd dann mit dem anderen GastharM. Es gehötte einem finster- blicleald-en Brmver, der unnitttelbar neben der Gaststube ein kost- lick-es Bier bereitete. Wir sprachen von Krieg rmd von Friedens- zeiten, und er entfaltete oie bestmr Gesimumgen. Seine derbe, fretnidliche Tochter tischte wohlschmeckende Eiernudeln auf und führte mich dann durck, ein Labyrinth abgelegener Räume der Brauerei eine Trep^ hinauf in mein SckLasgemach. Immer wird mir der wundervolle Abend lebendig bleiben, den ich dott am Fenster verbrachte. Unter mir hatte ich einige Stallungen und einen scknnalrn Gemüsegarten, dann fielen dustiae Matten steil ab ins Tal. .Hallwe^hülltes lMoMjckst lag über der Straße, die ich hevanfgekom-rwen war, über dem Schiveif von kleinen Häuschen, in denen spärliche Lichter ausblilste^r. In der Dunkelheit ver- sckyvanden die Zugänge zu den seitlichen Tälern, im Vordergrund schlossen nahe Waldberge den Kreis um diese hehre Welt des 7rriedenS. Aber dann erwack>en die Gedanken und wandern die arcu~> «'Wirf: sie füllen die Sexle w)ch einmal mit dem Schlimmer

deS glanzvollen Tages und mtt dem stackst lang der Sckwecknisse des Völöersl'vettes. Hutter mir blickt noch em anderer Betrachter über die Ki rche ins Tal, der große Arber, dessen Felsen Haupt Bodenmais rcm 700 Rdeter überragt. Morgert, wenn kein Wolken- 'chleier sein Gesicht verhüllt, soll er mir seine Geheimnisse ägen....

^er Schweizerische Nationalpark ein Riesenexperiment. Aus den foebeu im Trncke erschienenenj Velhandtungcn über die 99. .Ialwesversammlung der Schveizeri- >chen Naturforschenden Geselfickjaft werden nähere Mitteilnngeü über den neu gegründeberi Sck^veizettschen Nationalpark und dessen wissenschaftliche Ausnützung bekannt, die von allgemeinem Interesse sind. Ter, ftüativnalpark umfasst drei verschiedene Teile. Das Hauptstück bildet das Gebiet der Gemeinde Zornez rm llnterengadin, das mtt 99 Jahre abgetreten ist und 97 Quadralfilometer um­faßt. Westlich und östlich davon gliedern sich Gebiete von 10 uckd 32 Quadratkilomcbwn cm, die der Sckjiiocizettsche Naturschutzbund ans je 25 Jahre von den Gemeinden Soanfs iuid ScL)gils gepachtet hat. Ueber die Bedcittmig des Vtativnalparkes sagt Scljkrötcr das Folgende:Ter sttatttmalpark ist eine Stätte, wo jegliche Ein­wirkung des Menschen auf die Natur für alle Zeiten ans geschaltet ist, ivo alpine Urnatttr sich imgeitött tviedeiherstttlen und weiter entwickeln kmm. Ein Refiigium für Pflanzen- und Tierivelt, ein Sanctlwrium, ein dtatnrhriligtum." Hier wird eS nie und nimmer einen Gasthof oder Zttafpvagen geben nur der Fußwandever ist fvillkommen. Turch diese Bestimmungen wird aber der Nationalpark auch für die Wisscnsckiaft aller Vorausfickst nach von außerordent­licher Bedeutung sein. Dr. .Paul Sarasin hat ihn in dieser Hin­sicht eingrandioses Experiment" genamtt. Es soll sich hier alleS^ waS die Natur selber gepflanzt hat, und lvas sie von selbst fvack/en läßt, frei und ungehindert ealloickelft. Tie zukünfiigvni Geschlechter sollen hier einen Urwald findeir und ihn bewcuibern. Tie lebendige Natur soll zu einem Äüuseum rverden. Schon ist für die wissenschaftliche Erforschiung des NatioTtaLparks ein Plan ausgearbeitet loorden. Tvnach soll eine durchaus vollständige Auf­stellung der gesamten Pflanzen- und Tienvelt, eingeschlossen das mikroskopisch? Kleinlcben, ausgenommen werden: eine Aufgabe, die noch nirgends auf der ganzen Erde gelöst ist. Es soll namentlich durck.t ^viedc-iholte Aufnahmmi desselben Sttndotts die cttlinählick>e Wiederherstellung der ursprünglichen Flora und Fauna gegenüber der durch Menschen beeiuslllßten studiett Uvrdnc. Es soll die natürliche Weck)ise6vittsck)aft der Pflan.stNi- und Tiergemeinsthaftm studiett und danach gestrebt tverden, die natürlichen Bedingungen der geologischien Unterlage, der des Bodens und des Klimas im kleinsten d Raume festzulegen. Und cs soll die Unberührthett, die Sicherheit vor Stönmgen von Mensch imd Vieh dazu benutzt werden, langsame säkulare Berändertlmum^des Geländes an Pegeln zu studieren. In diesem Sinne mlsgenntzt wird also der National' park im Unterengadin als.ein grosrartiges imd, mau kamt wohl sagen, emziges wissenftlZastlickM Natur- und Rieseiilabocatoriunr vienLu.