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Nr. 198
Der Sieheaer Lnzet»«
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Erstes IM
163. Jahrgang
Somstog, 24 . August 1918
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dochenrückblick.
bereits vor «cht Tagen ist an dieser Stelle darauf hin- gewresen worden, daß die Spannung im Westen mit dem Ausgleich des feindlichen Ueberraschungsstoßes überwunden sei und Foch im Verfolg seiner ersten Errungenschaften nichts anderes übrigbleibe, als zur höchst verlustreichen Staffe- offensive anzutreten, wenn er nicht lieber an einem neuen Punkte der riesenhaften Schlachtlinie nach billigeren Lorbeeren suchen wolle. Die Kämpfe der abgelaufenen Wrnche haben der hier vertretenen Auffassung recht gegeben. Es hat eine Lrtaffelofsensive von bisher noch nicht dagewesener Wucht eingesetzt, der ftder größere Erfolg versagt bleiben mußte, weil ihr die Ueberraßchung fehlte. Es hat den Anschein, als ob die Franzosen, die wiederum den Haupteinsatz stellen, mit allen Mitteln die militärische Entscheidung erzwingen tvol- len, wahrend sie nur den Plänen unserer Obersten Heeresleitung in die Hand spielen, die inriner wieder betont hat, die Zermürbung der feindlichen Kräfte sei das erste und letzte Ziel jeder Schlachthandlung". Wie sich die feindlichen Kräfte an unserer elastischen Verteidigung zermürben, geht mit nicht weiter zu unterstreichender Deutlichkeit aus 'den offiziösen .Kommentaren der Tagesberichte hervor und aus den Tele- granrmen der Kriegsberichterstatter. Eines von diesen Telegrammen, das gerade unseren hessischen Truppen ein Heldenlied sang, wird jedes Hessenherz mit Stolz erfüllt haben. Auch im gestrigen Tagesbericht ist ein kraftvoller Gegew- angriff hessischer Truppen rülMlich, hcrvvrgehoben.
Aus dem erwähnten Telegramm ging die immer wieder sestzustellende Beobachtung hervor, daß die Angriffswaffe des Feindes, der Dank, nach einmaliger Ueberraschung in seiner Mrkung völlig versagt, während die Waffe des Verteidigers, das Maschinengewehr, sich glänzend bewährt. Man spricht von den augenblicklichen Abwehrkäntpftn Latsächtich bereits als von Maschinengewehrschlachten. Da aber diese Art des Kampfes besonders ip\jt Anforderungen an die Einzelausbildung der Mannschaften stellt, bewährt sich auch hier der alw Satz vom Siege der Intelligenz über die ungefüge Masse.
Dem militärischen Mitarbeiter der „Vossischen Zeitung" sind nähere Angaben über die Organisation der neuen Waffe zu danken. Wir fassen kurz das Wesentliche davon zusammen. Jedes Infanterieregiment hat drei Maschinengewehrbompag- nien, zu jedem Bataillon gehört eine Kompagnie, die über ireun dieser sogenannten schweren Gewehre verfügt. Außerdem sind auf die Kompagnien eine größere Anzahl leichter Maschinengewehre, sogenannte Trvmmelgewehre oder Musketen, mit zwei Mann Bedienung verteilt. Die schwereti Maschinengewehre werden in der Verteidigung nicht in vorderster Linie, sondern außerordentlich tief gestaffelt und vereinzelt aufgestellt, als sogenannte Maschinengewehrnester, die von überhöhten Punkten das Angriffs- und Abwehrseld bestreichen, wodurch sie zu einer furchtbar«! Waffe werden. Ihre Wirksamkeit erstreckt sich auf 1000 Meter, ihre verheerendste Wirkung liegt zwischen 400—600 Meter. Selbst Tanks können von ihnen bewegungsunfähig gemacht werden. Der selbständigen Art ilwes Kampfes und dem richtigen Eingreifen der Bedienungsmannschaften hat der Feind vor allem die Vereitelung seiner Durchüruchsversuche und seine ungeheuren blutigen Verluste zu verdanken. Kleinere Abbiegungen der zufälligen Fwntlinie, die sich immer noch nicht aus ausgebaute Stellungen stützen kann, Zurücknahme einzelner Abschnitte hinter natürliche ßchntzwälle, wie jetzt neuerdings hinter die Ailette, sind im Rahmen der Gesamtschlachthandlnng von un- tergordneter Bedeutung und dienen nur dazu, kostbaresMenschengut nicht unnötig auszusetzen. Der Ablauf der Staffeb- osfeniive kann nach ihren Vorläufern in der Champagne und in Flandern noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, wobei es höchst fraglich erscheint, ob Clemenceau sein Versprechen, Noyon zu erobern, verwirklichen wird.
Den klar zu umschreibenden Ereignissen im Westen stehen im Osten immer noch lediglich von Tag zu Tag schwankende Möglichkeiten gegenüber. Jeder Verbandsübertreibung entgegen halten sich die Bolscliewisten mit einer Zähigkeit, die Hit ihrer Bedrohung wächst. Sie haben den Tschecho-Slowa- ren verschiedentlich empfindliche Schlage versetzt und neuerdings sogar über die Engländer bei Archangelsk einen Wässerter so lg davongetragen. Damit wird auch England der Erkenntnis näher gebracht werden, in wie unliebsamer Weise es sich in die russischen Verhältnisse verstrickt hat, da es gezwungen ist, einen neuen Krieg zu führen, der sich jeder Berechnung entzieht und mit der von ihm behaupteten Achtung vor dem Rechte der Völker, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, nicht in Einklang zu bringen ist. Eine weitere schwere Verwicklung und Verpflichtung hat sich England aufgeladen, als es die Tschecho-Slowaken als verbündete Macht anerkannte und versprach, ihre Nationalträume zu erfüllen. Danrit wird die Liste der uneingelösten und uneinlösbaren Verpflichtungen Belgien, Serbien, Griechenland, Rumänien usw. gegenüber um eine Kleinigkeit verlängert. Jenun, England ist von leher nn Versprechen groß gewesen. Der fernste Osten, wo die Japaner unter englisch-amerikanischJranzösischer Ueber- * wachung selbstlos" im Trüben zu fischen versuchen, ist immer noch in tiefstes Dunkel gehüllt. Fast das ganze javanische Heer soll mobilisiert sein. Wie weit die beabsichtigte Expedition in Sibirien vorrücken wird, entzieht sich noch jeder Beurteilung.
Erfreulich ist es, zu hören, daß unsere Verhandlungen urft Rußland sich einem gedeihlichen Ende nähern. Dadurch wird erst dem Brester Frieden die Bedeutung erwachsen, die ihn! zukommt und die er allen russischen Zukunftsmöglichkei- ien gegenüber behalten muß, dn jede noch so provisorische .wgwrung, die Lenin und seine Gefolgschaft ablösen könnte, chb mit d> tu loschen Wirklichkeit abzusjnden hat, um im ergenen Lande Fuß zu fassen.
An dem mutmaßlichen Schicksal der Randftaaten, einschließlich Polen, herumzudeuftln, erübrigt sich, bevor die Regierung ihre Pläne, die sie bisher"nur den Parteileitern des Reichstages, nicht einmal dem Hauptausschuß, anzuvertrauen wagte, offene Karten ausgespielt hat.
Noch eine erfreuliche Tatsache ist im Rückblick dieser Woche zu verzeichnen: Die Aufnahme der Redeoffensive durch den Staatssekretär des Reichskolonialamtes Dr7 Sols. Eine unmittelbare Wirkung ans die Gesinnung unserer Feinde ist hiervon nicht zu erwarten, so wichtig kräftige Worte für die Stimmung im eigenen Lande sein mögen. Aber wenn Dr. Sols den Kantschen Satz anführt: Irgend ein Vertrauen aus die Denkungsart des Feindes muß mitten im Kriege noch übrig bleiben", und wenn er sich an die Zentren des europäischen Gewissens wendet, die die kriegführenden Nationen zum Bewußtsein ihrer Aufgaben zurückerwachen lassen würden, und die Segnungen kommenden Friedens preist, so müssen diese Worte in jeder Menscheubrnst anklingen. Und die oft getäuschte Hoffnung wird wieder wach, ein Friede werde kommen, der alle Wunden ausheilt, oder um einen Spruch von Stefan George anzuwenden, den der Dichter zum Abschluß des „Siebenten Ringes" ausgeschrieben hat:
Wogen brachen uns einer tosenden See Wracke und Leichen schlang eine grollende See . . . Später erglitzerten unter dem Sternengold Längs den Gestaden Korallen und fielen und Gold.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 23. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschaupsatz.
Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und Generaloberst v. Boehn.
Teilangriffe des Feindes nordwestlich von Bailleul und beiderseits der Lys wurden ab gewiesen. Im Gegenstoß machten wir Gefangene.
Der Engländer hat gestern den atu 21. August nördlich der Anere begonnenen Angriff mit voller Kraft sortgesührt und unter Aussparung der Angriffsfront nördlich von Albert auf i>m Abschnitt von Albert bis znr Somme ausgedehnt. Der umfassend angelegte Durchbrucksversuch des Feindes ist in feiner ersten Entwicklung völlig gescheitert. Der Gegner hat gestern eine schwere Niederlage erlitten.
Auf dem Kampffelde nordwestlich von Bapmime griffen in Erwartung feindlicher Angriffe preußische Divisionen mit sächsischen und bayerischen Regimentern den Feind Mischen Noyenville und Minmnwnt an. Sie stieszen überall auf den feindlichen, in der Entwicklung begriffenen Angriff, auf starke Bereitstetlungen des Gegners und warfen den Feind stellenweise bis zu 2 Kilometer Tiefe zurück. Damit waren die für den Morgen vorbereiteten englischen Angriffe zerschlagen. Im Laufe des Tages griff der "Feind noch mehrfach in besonderem aus Richtung Puisirux—Beaumont—Ha- mel an. Er wurde überall unter schrveren Verlusten ab gewiesen. Starke Angriffe des Gegners über Albert hinaus brachen in unserem Feuer zusammen.
Zwischen Aibert und Smmne griff der Feind unter stärkstem Feuerschutz an und drang vorübergehend über die Straße Albert—Brave hinaus in östlicher Richtung vor. Kraftvoller Gegenangriff hessischer Truppen mit Teilen preußischer und württembeiAiiÄer Regimenter warfen den Feind
über die Straße hinaus in ihre Ausgangsstellung zurück. Offen auffahrende Batterien sckossen zahlreiche Panzerwagen des Gegners zusammen. Nördlich von Braye setzte der Feind Kavallerie zur Attacke ein. Sie wurde fast restlos vernichtet. Teilkänipse dauerten auf dem Schlachtfelde bis in die Nacht hinein an.
Zwischen Somme und Oise im allgemeinen ruhiger Tag Starrer Feuerkampf südlich der Somme flaute in den Vormittagsstunden ab. Südlich der Avre kamen französische Angriffe bei Fresnieres in unserem Feuer imr teilweise zur Entwicklung und wurden abgewiesen. Jnfanteriegefechte ar der Divette.
Zwischen Oise und Aisne nahmen wir im Anschluß an die am 20. August erfolgte Verlegung unserer Linien Hinte; die Oise in der Nacht vom 21. zum 22. August unsere Truppen vom Feinde ungestört hinter die Aillette zurück. Starkem Angriff des Gegners zwischen Manicamp und Pont Saint Mard wichen unsere, ans dem Westufer der Aillette noch verbliebenen Kompagnien hinter den Abschnitt aus. Teil angriffe des Feindes zwischen Aillette und Aisue scheiterten in unserem Feuer und im Gegenstoß.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Zwischen Bazoches und Fismes drückten wir in örtlichen Angriffen ameridrnische Postenlinien zurück und wiesen feindliche Gegenangriffe ab.
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Leutnant Udcl errang seinen 57. und 58. Luftsieg.
Bei Fliegerangriffen aus das Heimatgebiet wurden nach bisherigen Meldungen von einem stuf Karlsruhe angesctzten feindlichen Geschwader zu 10 Flugzeugen durch unsere Jagdflieger sieben Flugzeuge vernichtet.
Der Erste Gcncralauarttermeister Ludendorss.
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Der Abendbericht
Berlin. 23. Aug.. abends. (WTB. Amtlüh.)
Erneute englische Angrifft rwrdwestlich Bapamne. bei Albert und südlich der Somme. Unsere 6) egen angriffe find im Gange. Heftiger Feuerkampf Mischen Ailette und Aism.
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Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 23. Aug. (WTB.) Amtlich wird verlaurbart:
Italienischer Kriegsschauplatz.
Ein österreichisch-ungarisches Fliegergeschwader unternahm einen erfolgreichen Bombenangriff gegen den italienischen Flugplatz bei Mestoe. Sonst keine besonderen Ereignisse.
Albanien.
Die Streirkräfte des Generalobersten Freiherrn von Pslanzer-Baltin haben den Feind an mehreren Punkten auf seine ersten Linien geworfen. Gefangene und Geschütze wurden eingebracht.
Der Chef des Generalstabes.
von der Westfront.
Feindliche Ziele.
Berlin. 23. Aug. >WTB.) Ein erbeuteter Angriffsbefehl für den Angriff her 133., 169. mtD 46. französischen Division zeigt wiederum, wie weit der.Feint» .seine Ziele gesteckt hat. mit wetchnr Müssen er aus schmalen Fronteil angreist uni) wie wenig er erreicht. Diese drei Divisionen sollten tief gestaffelt auf der schmalen Frontbreite von vier Kilometern angreffen. Eine Menge Ar- Elerie, auch schwere Artillerie, war ihnen zugeteilt. Acht Ziele nmren auf der beigesüchen Karte, aus der hervvrging. wie und in welcher Zeit sie eMeiä>t roerden sollten, genau bezerchnet. Ein Bataillonsbefehl te? Kommandeurs der 116. Jäger bestimmte ferner, daß der Angriff von Tilloloy aus zu erfolgen habe im>> um fünf Uhr vormittags beginne. Uni sechs Uhr sollte das erste Ziel, der Ostrarü) von Beuvraignes, erreicht sein, um 7 Uhr 40 Minuten die Straße Roye—Lassigny nördlich von Erapeaumes- nil. Als viertes Ziel war bis 6 Uhr: 50 Milruten der Westausgang von Amy zu erreickMi. So wurden die Ziele weiter bestimmt. Als letztes pnd Endziel waren Ort imd Wald Avricourt gedacht, die acht Kiwmeter von der französischen Ausgangsstellung entfernt liegen. Dort sollten die Sturmtruppeir bis 11 Vs Uhr vormittags eingetroffen sein. Zunächst war der Angriff für den 13. August geplant, mußte aber wegen der Verluste des .Feindes infolge der Kämpfe am vorhergehenden Xan' um vier Tage verschoben werden. Er fano am 17. August na i « in er einstündigen heftigen Vor^ bcreitung statt. Von er Hamen Zielen erreichte der Gegner nicht einmal das erste. Er griff zu verschiedenen Malen bis vier Uhr .nachmittags an. nrußte aber unter Zuriicklassung von zahl- reiä>en Toten und Verwundeten, die durch nack)stoßende deutsche Karnpspatrouillen im Borgelände festgestellt werden konnten, in dem gutliegenden Artillerie- icnd Maschinengewehrfeuer endgiUtig in den Matzbachgrund auf Rove-sur-Matz zrrrückweichen.
Feindlicher Menscheneinsatz.
Berlin, 23. Aug. (WTB.^ Die Franzosen getvannerr, ime durch Meldrmgen der letzten Tage erwiesen ist. mehrere An- griffsdivffionen für ihre nrit rücksichtslosem Menschenverb rauch geführten Offensiven dadurch, daß sie nach der Anffösung anderer Divisionen diese zur Opferung bestimmten Divffwnen aus zwei RegiTnentern farbiger und einem Regiment ^oeißer Franzosen neu gliederten. Beim Angriff stehen die Farbn>ur regelmäßig in erster Linie, die Weißen in der pveiten.
Am 20. 8. griff die 47. französische Division, die gegen^ wartm .zu den besten Angriffs^Visionen Focl^ gehört, mrd aus drei Bataillonen Chasseurs-AlpinB besteht, mit Tanks in verzweifelten Stößen im Raume nördlich -Rone an. Ihre Angriffe brachen zum Teil in den Grrt-eu unserer Rttrichinengnoevre zusammen. An vier Stellen kam es zu erbittenslen Ral>- kmnpsen. in denen die Deutschen die Oberhand ^hielten 'Die ^telLuugcu blreden refllos ür deutscher Hand^ Mn ÜMeu Rach.


