Nr. (8b ZDettrr Blatt Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhessen) . Samstag, (0. Xugur (9(8
Lin Prozeß der Zranh'urter Zeitung gegen Houston Stenxut L-amderlain.
= Frankfurt a M.. 9. Äug In der ..Deutschen Zrg." vom 9 Novell Le: 1917 erschien rauer d.w Ueberschrift .D.c deutsche VoierlanLsparLi' ein rxm bekannten Schriftsteller H Lt. Cham^erlain Erfaßter Artikel, in dem cs u. a. dreh :
.Laß. MUÜ der üemb mitten unter uns am Werk iü, be- zweuelt wohl kein Wv'ender Vor langen v chren erzählte BiS- mcxd, er habe Mredecholt bcobachre^ daß England, sobald es ernxds gegen Ir - Inreressen D^urfchlanLS im c >iU>e übre. sich der „Frankfurter Leitung" bediene, worrus er ?en Sckluß zog, es müßten '.mnnn^Lare Biqiehmrgen zwischen der englischen Regierung :ntt. oi.-'.'m Blatte bestehen. Jetzt werde oehTuvtet — cb n»i :>i» t 7 e r llnrech:. weiß ick nicht — die „Frankfurter Ztg." ; e. über hm. v F.i..d s^es tz. W<ä>? aber auch nick.' der Feind selber hier an« werke, edenro wart dmsre die bloße Gemeinsam- Seit der Interessen wirken wessen Jnreressen sich mir denen der englischen brw. der anglo-amerika:nsck 2 n Finmiz genau dy^n, muß. falls ihn nicht ideale Neberzeugungen davon abh-rlten. not- vßmdigerweise eine unLeursche, am Englands Herrschaft und Deutsch- i lands ErmLrrigung abziclercke Polüik verfolgen."
Gegen t--' Verfasser dieses Arrirels erhoben Aufsichtsrar, Gefchansführa.'. i unr die politische Redaktion der ..Franks. Ztg." Priöarüage n<gcn übler Nachrede und verleumderischer Bcllftdi- gung. Tie Erössnung des Haupcverfahrrns wurde vom Amtsgericht abgelelrnt, vom Landgericht aber beschossen.
Den Vorsitz in der Herwigen Verhandlung führt«.' Assessor Dr. Majer-Leonhard. Die Berrretung der 17 Kläger führten Justizrat Tr. Hertz und ^eche-amoalr Konrad H a u ß m a n n. Reichsragsabgeordneter. Der nacht anwesende Angeklagte wurde durch Justiz rar C laß -Main; vertreten.
Der Vorsitzende erklärte vor Eintritt in die Verhandlung, daß er bestreb: sein werde, jede Sensation zu vermeiden. Er werde sich bemühen, die Verhandlung auf das zu beschränken, was zur Klarstellung unbedingt ersorderlicy sec. Vcrzleichsvorsckläge wurden von beiden Parteien glatt abgelebnt. Der Vorschlag des Vor- sitzenden, den Prozeß im vaterländischn Sinne totzuschveigen, fand ebenfalls allscitige Ablehrinng. Nack Verlesung der Arr- Nagesclwist und des betreffenden ArriZüs erklärte IustizratClaß. daß dem Angeklagten insofern ein Irrtum mtterlaufen sei, als er von Benebungen zu England statt zu Frankreick gesprochn habe. Es handle sich um den Zusammenstoß zwischen Sonne- mann und Bisnrrrck 1878, nwbei dieser de:: Vorwurf erhob, die ,.F. Ztg.' stehe in Beziehungen zur französischen Regierung. Bon einer verleumderischen Beleidigung durch EHamberl-ck könne keine Fede fern Sochlicki hüte der Beklagte seinen .Artikel aufrecht Die F. Z. sei in erster Lime dafür veranrworrlich zu machen, wenn die Heimatfront ersciiutlerc sei. — Hierauf begänne:^ die P l a d o y e r s. Justizrat Dr. Hertz führte für die_ Kläger aus, daß Ehamberlains Schriften einen ausgernägten Rasfetrsauatis- mus atmeten. Chamber lam wisse, was er wolle, wenn er schriebe, er wolle die.F. Z. unschädlich machen ^als politische Ge gn e r i n . Redner ging dann auf die gesckMliche Seite der F. Z. ein, die ein rein deutsches Unternehmen sei. Ausführlich behandelte er dann Bismarcks Verhältnis y.i dem Blatte bzw. ihrem Gründer Sonnemann ,-no erläuterte die Stellung der F. Z. zur Hochfinanz Dre AnsckLlldigungen des Beklagten seien durch nichts bewiesen, seien aber so schwer, daß sie nicht (durch Geldstrafen, sondern mit Freiheitsstrafen zu sühnen seien. Denn mit dem Artikel Chamberlams sei eme große Agitation gegen die F. Z. getrieben worden. Justizraat Claß ging eingehmd auf Bismarcks Beschuldigimgen gegen die F. Z. ein. Chamberlain habe deshalb da Rcäft, aus seiner Erinnerung heraus, die Beschuldigung des Kanzlers zu der seinen zu machen. In dem Artikel liege leine Beleidigung, da auch Beziehungen zwischen einer Zeitung und einer fremden Regierung nichts llngewich^lliches seien. Tie Behauptung, daß die F. Z. in Feärdesbesitz sei, ist hervorge- ochn durch eine vor Monaten in der Presse erschienene Notiz, daß sich ein Herr W. I. Simon als Besitzer der F. Z. in ein Fremdenbuch eingetragen habe, was von der F Z. aber dementiert sei, von dem Mandaten jedoch unöeack>tct blieb. Herr Chamberlain hat weiter nur sagen wollen, daß sich die Jitteressen der F. Z. mit denen der englisch-amerikanischen Hochnnan; decken; das ist eine in weitesten Kreisen crngenvmnvene Meinung. Die Hochfinanz ist und bleibt stets international. Die
T Z. ist in ibren Arckckü»mg«i io gei». nt, wie es ihr Gründer -^onnemann vor 56 Jahren vorschrred Der Geist So i rBemanns rvgstn beute uock'. ^e Bolirck des Blattes. Der Redner ging schließlich aus die Haltung des Blattes w . »rend des Kriege- ein und nrcintr. baß die F. Z^ als :mkxc H^err in Feindesland ein mcnnchncnen. mit dem SM<nnvo>rt. Sn: ichland strebe uack der Weltherrschaft, bervortrar und damit > inneren Streitigkeiten Mtslöste. cüxrmberlain habe in /einem Artikel in berecknigrem -^ftrrre gesprochen, ihm vn.ß'e deshalb der Schutz des $ 193 zugr billigt -Verden' Für Cb. beantrage er desüÄb Freisprechung. Redakteur Dr. Guttmann erirSerte in längeren A issülv.in g«l die Politik der F. Z. nick ibrm ^kdakbcure und 'nkrtr die Gründe an. die zur Erbebimg der Anklage geführt buten. Der Vorsitzende des Achfu^-rates der F. Z. Poos. Dr. Rößler, erklärte, daß die Zeitung niemals Bcziebungen zu fremden Re ^nermtgen und zur Hochfinanz gebabr had?. niemals sei aiub ein H-uchäftsanteil in Händen eines Nickrdeurschen gcivesen. Die Zeitung besmid und befindet fick', deute noch in vollster Un.ibbängig- keit von jedermansr, urrd das sei ihr Srvtz und mack« ihren Wert aus. Rtthtsanwalt Haußmann polemisierte in l ängerar ÄussAhr»7ige?t gegen Chmnberlain und erläuterte ebenfalls die politische HalQurg der F. Z-, Charnberlairrs ^ Beleidigungen seren so sch.oer. daß bei der Straf-
abm.'sfmsG nur Gesang n.i s straf e in 3-ragc kommen könne. JuHizrat Claß legte zum Scküuß dar. daß weiteste >dren'e die Tätigkeit der F. Z. für gesäbrlick dielten, sogar für eine Reicks grsahr, mW das bccke Chamberlain beweisen wollen.^ Jeder, der die ^.Fvonksurter Zeitung keimt, müsse zu geben, daß Chanrbevlaitt treigesprocken werden müsst, denn gOgen die F. Z. habe sick reickes Beweismaterial zusanimcngennrden Der Antrag Claß aus Vertagung der Berhandlurrg zwecks Besckassüttg weiteren Materials send Äblelnmng. Damit waren die Plädoners zu Ende. Der Vorsitzende erklärte, nacddem das Gericht kurz beraten lxrttc. daß das Urteil am Freitag den 16. August, mittags 12 Uhr, gefällt würde.
Letzte Nachrichten.
Oer neueste Nericht der Neeresleitnna.
(BTB.) Großes Hauptquartier. 10. August. (Amtlich.)
W c st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Rege Diiriqkcit des Feindes Avisen Äser und Anere. An vielen Stellen dieser Front führte der Feind Vorstöße und Teilsngnffr aus. die vor imstren Linien und im 4icch- i kamps atzgewrestn wurden.
Engländer und Franzosen setzten gcstrril unter E«n?atz starker Reserven ihre Angriffe auf der ga»zrn Schief front zwischen Ancrc mcd Avre fort. Vei-crseits her Somme und rücklings der Straße F-Oueaueonrt—Ville-Bretonneur warfen wir den Feind durch Gegenstöße zurück. Er erlitt sthr rck.'wkre Verlirste. In der Mitte der Schlachtfront gewann der Feirw üd.-r Roeicres und Hangest Boden. Unsere Gegenangriffe brachten ist.! u«st:ich von Lihons und östlich der Linie Foucmlcourt—Arvittcrs zum Ssehen. WShrerrd der Nacht mlhnien wir die an der Avre nick am Dom-Bach kanrp- ftnden Truppen in rückwärtige Linien östlich von Dlünk^ didier zurück. Südöstlich von Montdidier schlugen wir einen starken Teilangriff der Franzosen in unseren Linien ab.
lieber dem SchlackMlde sckws'cn wir 32 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Löwenhacht errang seinen 52. und 53., Leutnant Udel seinen 46.. 47. und 48.. Hauptmann Verthold stinen 41. lmd 42.. Leutnant Frri'ierr von Richthofen seinen 36. und 37., Leutnant Billing seinen 30. und 31., Leutnant Bolle seinen 29.. Leutnant Koennecke seinen 26., 27. und 28., Leutnant Neunrann seinen 20. Luf.sieg.
H e e r e s g r u v p Deutscher Kronprinz. Zeitweilig aufleb. . Der Feuerkaurpf an der Aisne Utld Vesle.
Der Erste Gcneralauartlermelster L u d e n d o r f f.
Englistber Brrültt vom 8. Anguft. abends.
»i? L'prratiotten, die in der Fn:'." tzör Fron: ä
von den Franzost» unrcr Gcnerll r unter General <zir Hcnrv tcn erfolgreich fort. Die Zusammen^ rväl'reud der Nackt unbemerkt vom zösvcke, kuniÄnsä»?. austttllilcke rmd
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>^.'buna der Trupien stinde oervollsländigt. englische Divisioaelr.
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stützt durch eine große Ansad! Danks, grrrren die Den^ckn einer Front von über 20 Mellen von der Avrr bei Bra. o nabe Ncvrlancourr im Erurnl an. Der F«nd wurde überrcgckr; die Alliierten drangen überall stürmckck vvrnärrS rce erst» Ziele nnirden aus der ganzen Ängri'st^ront . ' trüber erreich: Der Vormarsch >?r Ins 2 . .".:c ^n.-.rcc näbrend bes
Vormittags stetig an. murrirützt durch briti'.b: v.a:>rll.^c und leickte Pcmzer-Mowrrvrgcn svlvie Mascküttirgewehren ^und Bat-
der Tcitnam
linrrt'c an gewgüm Punk- Zadlreiche Gefangene lmrr- Die Franzosen griffe» mit Avre und nabmen itrnjc* Verteidisungsstellen. il rxr Ziele am Vonnittag
tenen. Der 2Äden tcn nach hartem Ko. ? überivmcken. den gemach: und Gcßltütze^ erbcurvl. / großer Tapferkeit an. übersckrittcn dic aävet des Widerstandas die senckiicken lick der Somme ivurde^ der großen' T ,
genommen, aber bei ChipillU und sachlich Morla 'url lnneten seindlichc Abteilungeil längeren Widerstand, so dr. an decken Oerllickkeitcn schwer gekämpft wurde, aber der Widerstand tmttde schließlich überwunden und die Ziele genommen, ^üdllck der Somme wurden nackmiNncps aus fast der ganzen ^blacktfront dce Ziele genommen. Durch leichte Panzerwagen unterstützt, ging die Kavallerie zlvischcn der Jnscutterie hindurch über urckere Ziele hinaus vor. ivobei sie deutsche TranSprrt- und Geschützwageu nied-erritten. Dörfer emsä^eKsen und emnabmen »rnd zahlreiche C'e'.mgelte machten. Die allgemeine Linie vertäust über Plesüer— Roz-aiuvillerS — Beaucvurt — Caix — Fmmormlle — EbünLv westlich Rkorlancourt. Die Beute ivar bis fetzt noch nicht ststsu- stellen: aber es sind verschiedene tausend Gefangene gemacht wü> zahlreiche Geschütze genommen tvorden.
Dir Lrfferungrn der N krame.
Berlin, 10. 2lug. Tie „Boss. Ztg." üfrritt: Wre wrr ersvhrrn. ist zlvisichar denc .Teraschm Reiche und der Donau- Monarchie eine volle Verständigung Aber d?e Verteilung der aus Osteuropa zu eSvartend-n Zuscküsse in LurdeSerzeuginssor erfolgt. Die erftOi Eingänge aus dar llkraiuc U'erdcir diesmal Deutschland zugutetvmnral. nachdem Oefterreich im vorigen Jahre vvi-zugSwei^ beliefert Nwrden um;. Am 15. August läuft das mit der Ukraine im Frühjahr ge'cktvssme -LrewQru^adtonrmen ab Mid muß erneuert ^verdeii. Enpprochmde Bei Handlungen Hab« bereits begonnen. ES soll Sorge getragen werden, daß die Wb- gelegte Lieferungsmenge cuidj tatsächlich lieferbar ist. Vonmsvcht« lick dürfte man sich ans ,30 M i l l io n eii P u d Get r e ide, Sämereien und F l e i s ch einigen. Seitens der Zentmlntäckpk wird bei den neuen Vertzaiidlungen auf einen v'.aumäßr.^n Abbail der übcrniäßigeii Preise für nkNÜnistp: Landes«zausülse hur- goarbcitet.
-Das neue amerikani''ck)e Heeresgesetz.
Washington. 8. 2lug. (WDV. NnhdanAick.) MeSnrng des Reuterschelr Bureaus. Das peus* j)«resgcsetz. das das Mili - tärdienstaltcr auf die Zeit vom 16. bis »um 4o. Lebensjahre einschließlich erweitert, ist m beiden Häusern des Kongresses eingebrackK ivvrdcn. Kein Widerspruch tzctt sich irgeubivo in Amerika geregt. ,ES istaxihllckrüllich. daß das Ge'setz stttrcll angenommen lvird.
Lebensmittelunruchen in Spanien. — Der Justizpalast in Sevilla abgebrannt.
Bern. 9. Amr sWDB. Mckramtlichi.) ..Petit Parisien" meldet aus Madrid: Wegen der- Teuerung der Lebensmittel sind in Guadalajara 'Unruhen /mSgebrocken. Die Polizei mußte einsckreiteii. Sie schoß aus die Manifestanten.
gdrck einer Meldung desselben Blattes wurde der Justizpilast in Sevilla durck eine Feuersbrunst vollständig zerstört. Die Archive konnten nicht gerettet lverden. Dtenschnckcben sück zu beklagen. «
Dxr n-n:r 'ILrNZche Borsickviffer in Vrrltn.
Konstantinopel. 9. Aug. (WTB. Mchtamtlich) „Terdschumam Hakikat" ist R i f a a t P a s ch a zum Botschafter in Berlin bestimmt.tvorden. Zum Vertreter für die Ukraine ist der frühere Gedickte in Athen, Mut har Bei, ernannt de" demnächst nach Kiew abrcist.
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