»nfu&tt, mS obcheinnfchen ©Soffen Ersatz zu schaffen, und diese Versuche führten zur Entwicklung der Faserstosfindustt-ie, die innerhalb zweier Jahre einen großartigen Aufschwung genommen und Eriolae zu verzeichnen hat, die denen der Cliemie alnchstehen.
Man nahm zunächst als Ersatz die heimischen Faserpflanzen, tvie Flachs, Hanf, Torf u. a. m., und machte mit ihnen recht gute Erfahrungen. Indes war man bald gezwungen, gangbarere Wvge ZU suchen, und man fand einen solchen, indem man das inDeutsch- land in reichem Maße vorhandene Holz der Textilindustrie nutzbar machte. Damit Iiatte man die Frage der Rohstoffbeschafsung> gelöst und man stand nun vor dem Problem, ein geeignetes Verfahren zur Verarbeitung des stiohstosses zu finden. Auch mesci Schnnerigkeit wurde glänzend gelöst. Zwar waren die ersten Produkte grob und nur zu Saudsäcken verrvendbar, aber das Verfahren wurde immer vollkommener, so daß man aus den neusten Produkten bereits Blusen und ähnliche Kleidungsstücke machen kann. Erst Sandsack-, dann Blusenstoff! Tiefe beiden Entwick- lungs paukte zeigen dbn überaus raschen Fortgang und die Vervollkommnung der neuen Industrie, die, wie der Redner mit Recht l)erve>rhob, zu den kühnsten Hoffnungen berechtigt. Allerdings sind che Preise für die Produkte noch ziemlich hoch, aber auch dieter Mangel wird verschwinden, wenn die neuen Faserstoffe in den Handel kommen Es gilt zunächst, die Erzeilgnisse der neuen Industrie bekanntzumachcn. Die Messen von BrcAlau und Leipzig sowie die Faserstofsausstellimgen von Berlin uiid Düsseldorf haben dies bereits getan, und die geplante Verkaufs)'ck>cnl in Frankfurt am Main wird dem gleichen Zweck dienen. Sind die Faserstoffe auf dem Markte heimisch geworden, so kann man sie als Exportartikel für den Osten vertvenden. Wichtig ist vor allem, daß Nur uns von den Rohstoffen des Auslmrdes frei macken, denn aus diese werden wir nach dem Kriege nicht reckmen können.
Das Barnn wolleland Amerika ist derartig verhetzt gegen Deutschland, daß auf Rohstofflieferimg nicht zu zählen ist, zumal auch die Baumwolle-Preise sehr hoch sind. Indien hat neuerdings »einen Export nach dem Osten (Japan) geleitet, so daß nach dein -istiege sogar Englcnid mir mit Mühe seinen Bedarf an Rohstofferi , ul- die Textilindustrie decken kann. Sodann sind die Preise für die Rohstoffe derartig teuer, daß wir kaum aus nennenswerten Rohstosf-Jntporl hoffen dürfen. ^ .
Ikrnmi fdjenfen nur am besten der deutschen Faserstoffindustrie unser Vertrauen, das sie auch voll und ganz verdient. Jedermann ist in der Lage an der Vervollkommnung dieser Industrie mitzu- arbeiten Er hat die Pflicht, Mangel der Produkte anzngcben,, denn dadurch trägt er zur Verbesserung der Verfahren bei.
Ohne Zweifel ist der Faser ftoffindnsttie eine große Zukunft schieden. Drei Vorteile sind es, die besonders in die Augen springen: Wir machen uns unabhängig von den ausländisch)«! R ohstoffen, sparen Geld und setzen unsre aus dem Felde heftn- !ohrenden Textilarbeiter, die ja einen großen Prozentsatz der gesamten Arbeitersckmft ausmackien, in die Lage, sofort ihre alte Beschäftigung wieder aufnelmien zu können.
Beachtenswert ist auch, daß die Stoffe bezugsscheinfrei sind und daß, wie Nur hören, auch mit einer baldig«: Herabsetzung der Preise zu rechnen ist, so daß die Fabrikate den weitesten Kreisern zugängig gemacht werden können.
Dre Ausführuiigeil des Redners sowie die zur Ansicht aufgelegten Proben von Faserstoffen erregten in hohem Maße das Interesse der zahlreich ersckftenenLN Zuhörerschaft, die reichen Bei- s ckll spendete. __
Aus Stcidt und Cand.
Gießen, den 25. Juli 1918.
m Amtliche Personal na chricht en. Ter Großher^og hat am "20 Juli dem Oberlehrer am Lehrerseminar Prosefto-v Friedrich Maerz M Alzey anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand vom 1. Oktober 1918 ab die Krone zum Ritterkreuz l Klasse deS Verdienstordens Phliipps des Großmütigen verliehen. Irl den Ruhestand versetzt wurde am 13. Juli der Lehrer n der Volksschule zu Biblis, Kreis Bensheim. Heinrich Wagner auf san Nachquchen wegen geschwächter Gesundheit vom 1. Ok- ;o 'fr 1918 an ___
** Das Großh Hess. Regierungsblatt, Beilage Nr. 10, ausgegeben Karnistadt, den 24. Juli 1918, hat folgenden
Inhalt: 1. Oessentlick^ Anerkennnng. (■&. 97.) — 2. Bekannt- mackmng, die für das Rockistuingsjalm 1918 zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Relßiioiisgeineiiide Mainz zu erhebendem K'iilvissteuern betreffend. (S. 97.) — 3. Uebersicht der für das Jahr 1917 genehmigten Umla^r zur Bestreitmig der Bedürfnisse der israelitischen Relrgimisgenwinde Alz«) nlit Albig und Bermers-r l)enn. (S. 98.) — 4. Ueversicht der erforderlichen Kultussteuern z:rr Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgeniein- oen in beit Landgenieinden des Kreises Äcarnz für das Kaleiider-i fahr 1918. (S. 98.) — 5. Rmnensveräirdermrgen. (S. 99.) — 6. Erhebung in den Fveiherrnstaiid. (S. 99.) — 7. Verleihung des erbl.ick-en dldclsstandes. (S. 99.) — 8. Ordensverleihungen. (S. 99.) — 9. Ernrächtigung zur Annahme uiid zum Tragen fremder Orden. (S. 101.) — 10. Eharatteverteilimgen. (S. 101.) — 11. Zulassung zur Rechtsawoalrschiaft. (S. 102.) — 12. Tienstnach- richten. (S. 102.) — 13. Ruchesmndsversetzungen. (S. 104.) Starkcnburg und Nlicinhesscn.
D.Z. Darmstadt, 24. Juli. Der Schutzverein für «entlassene Gefangene tagte gestern unter dem Vorsitz des Generalstaatsanwalts Geheimerat Dr. Preetorius im neuen Jiistrzgebäude in Darmstadt:i cs 'waren zahlreiche Vertreter von Behörden, insbesondere der Jvstiz, Geistlick)e Lehrer und ^andere Iugeichevzieher ans allen Landesteilen erschienen. Rach der Begrüchmg gab der Vorl'itzende einen Ueberblick über die ans- gedehnte Vereinstäligkeit aus den verschiedenen Gebieten und dev. hauptsächlichsten Vereinsziele, die besonders in der Vvrhinde-» rivig von Rückfällen rmd Hinüberleiten in eine geordnete LebenK- weise in Mlstäiidiger Gesellschaft liegen. Aus der bekannt^' gegebenen Statistik ist bedauerlicherweise eine anßerordeiit- liche Zunahme der jugendlichen Verbrecher sestziistellen. Um hier Abhilfe zu sckwfsen und recht baldige Besserung herbei zu führen, müssen Jugeiiderzielier, Geistlickie und alle in Frage kommenden Personen und Körperschaften, inslvsondere aber der Verein für Jugendschntz, noch mehr wie seither in der Sache tätig sein, und der Verein ninß noch mehr ausgebaut werden. Es muß mit allen Mitteln urid großer Energie vorgegangcn werden. An dev anschließenden lebhaften Aussprache beteiligten sich u. a. Pfarrer Blum-Gernsheim, Pfarrer Gerhard-Griesheim rmd Landgerichtspräsident Theobald, der auch lebhaft für eitle Erweiterung der E>e- biete der hervorragenden Tätigkeit des Jngendschntzvevems ein- trat. Nach Tankesworten des Präsidenten Tl)eobald an die opferfreudige Tätigkeit des Vorstandes, insbesondere des Vorsitzenden^ wurde die anregende Versammlung geschlossen.
Hesscn Nassau.
** Frankfurt a. M., 24. Juli, f$rt der Zeit vom 23 September bis 5. Oktober 1918 soll in Frankfurt a. M. ein 1 tägiger Ausbilduugslchrgang in der Wohnungsfürsorge imd Wohnungsvflege sbatlfinden. Ausführliche Programme sind vom LÄohlsahrl-samt in Frankfurt a. M., Saalgasse 31, zu beziehen. Dorthin sind auch Anmeldungen zur Teilnahnte an dem Lehrgang zu richten.
][ Kirchhain , 24. Juli. Das Landvatsamt macht bekannt, daß Won [beit Frühkartoffeln jeder Züchter auf den Kopf seines Haushaltes rmr IV» Pfund las zum 15. Septeinber täglich gerechnet behalten darf. Die ganze übrige Ernt e wird beschlagnahmt.
Gerichtrsaal.
--- Höchst a .M^ 24 .Juli. Während andere Sterbliche MWsirnd Wurst, d. h. wenn's gut geht, jetzt in 15 Wochen zu verzehren haben, erhielt der bei der hiesigen Kreissleischstellc beschäftigte wohlhabende Metzgernreister Heinrich Krebs von hier zuinl 'Frühstück 'und Mittagessen täglich 1% Pfund Wurst und außerdem noch. 7 Mark. Das hinderte ihn aber nicht, in bex Wurstmacherei in ausgedehnter Weise Wurst zu stehlen und fortzu- sck>affeu. Im Juli vorigen Jahres ftmrbe festgestellt, daß Krebs abermals eircen ganz«: Sack voller Würste den: imhe dem -L>chlachid- l)ofe tvobneiidcn AltWidler Goldner übergeben hatte, der sie ihm in die Wohnung bringen sollte. Zur Ausführung seiner Diebstähle wählte den
i^schäftSbetrieb begann. In der heurigen VdEmgerithk»«-
hcrndlung bezeichnete der Ämtsanwalt das Gebaren des Krebs,
der trotz seiner täglichen Sondersleisäitzulage noch stahl, al4 schnbd« Habgier und beantragte gegen den Anseklagten 6 Monat Gc- fängiiis. Der Verteidiger suchte seinen Klienten damit zu entschuldigen, daß die Metzger doch das viele Fleisch- und Wursd- essen gewohnt seien und daß Krebs wohl jedenfalls mit den IV, Pfund nicht gereickK habe, so daß er sich an den Vorräten! vergreifen mußte. Das Gericht verurteilte Krebs schließlich zu zn*ei Moniaten Gefängnis uno seüien Helfershelfer Goldner Zu äMci Wochen Gefängnis. Das Urteil fiel doSl-alb so mild ans, weil dem Angeklagten weitere Diebstähle nicht nach^ewicsen werden konnten. — Aon großem Interesse war auch die Mitteilung eines Zeugen, daß noch heute die in der Kreisfleischstclle beschäftigten Metzger täglich IV, Pfund Wurst zum Frühstück und Mittagessen erl-alten.
Lingesanvt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Arttket übernimmt die Redaktion dem Pichlikum gegenüber keinerte- kersmwortuag.)
Gießen, den 2b. Juki.
Seit dem 22. d. M. ifh die Haltestelle der elektrischen Straßenbahn, Marburger Straße 25, aufgv- l-ol'en. Diese Maßnahme I>at den lebhaftesten und berechtigtste Widerspruch sowohl der beteiligten Bewol-ner der Marburger- und Bückingstvaße, als cru-ck- der in diesem Stadtteil verkehrenden zahl- reickxeu Geschäftsleute erregt. Z»visck-en Walltor und Wiesecker Weg ist hiermit auf der nahezu 1000 Schritt langen Strecke die einrige Haltestelle beseittgt, die von den zahlreickZen Interessenten bei allen Fahrten als Ern- und Alissbeigeslelle ständig benutzt wurde. Jeder Wägerisührer kann dies und damit die und Not
wendigkeit dieser Haltestelle bestätigen. — Grund und Zweck ba Aushebung sind in der öffentlichen Bekanntmaching nicht rnitgeteilt worden. Werm aber Haltestellen aufgehoben werden sollen, dann, dürsten .doch) weniger wichtige, z. B. Sonnenstraße, Krcu-platz, Ecke Neustadt und Bahrihoffttaßc, AcMstvaße und andere, zu- nächst in Frage kommen. — Viele Ki-iaasbcs ck-Aügte, Hi Ge> schäftsgänige nach den Zigarrenfabriken und sonstigen Geschäften in der Marburger Straße unternehmen müssen, enchfinden di« Beseitigung dieser Haltestelle als störende und erschwerende Be- liaickteilignng. Much -Aerzte, Tepescheriboben, Eilbote!» usw. werden m der Beschleunigung ihrer Besuche und in der Erledigung i hrer Aufträge gehindert. Es darf ettvartet werden, daß unter Würdb' gnng der vorstehenden Ausführungen die maßgchwtdvn Stellen in eine Prüfung der Angelegenheft eintreten. Hans Horst.
Briefkasten der Redaktion.
(Nnouyme Anfragen bleiben unberücksichttgt.»
L. v. herchenhain. Wir empfehlen Ihnen, sich unter Darkqxmg der Verhältnisse an die Kommandantur d«S Kriegsgefangenen^ lagers in Wetzlar zu weiiden.
Meteörorogische' veobachtungen der Station Gletzei
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Tags wechselnd bewölkt, nachts wolk.,morg.ReH
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Niedrigste „ ..... ISIS - + 0. 13.1'
Niederschlag 1,7 mm._
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Vnkiil itt 6 i 8 ,irt( eott fiitUi«. llis«.
Wir erfüllen hiermit die traurige Pfltchl, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres Kollegen, Vorstandsmitglied
Hermann Otto
geziemend in Kenntnis zu setzen.
Gießen, den 25. Juli 1918.
Die Beerdigung findet Freitag den 26. Juli, nachmittags 4 Uhr statt.
Um recht zahlreiche Beteiligung bittet
der Vorstand.
Wir erfüllen hiermit die traurige Pfiicht, & unsere Miralieder von dem Ableben unseres lieben Mitgliedes
Herrn herm. Otto
geziemend tu Kenntnis zu setzen.
..... Der Vorstand
der Vereins Amicitia.
Die Beerdigung findet Areitag den 26. Juli, M nachmittags 4 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
Gestern nachmittag 3 Uhr verschied nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter
5rau Christine Büttner
geb. Pfeffer
im Aller von 37 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
wich. v. Büttner, Maurermeister.
Gießen, Schiffend. Weg 67,den25. Juli 1918.
Die Beerdigung findet Samstag nachm 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus, statt.
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