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Nr. <5i Zweites BM

Giegener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Freitag. 5 Juli *9$

Aus -ein Unegsausjchutz -er heff Zweiten ilammer.

I T a r m ft adt, 3. Juli.

Der Erweiterte erste Ausschuß (Kriegsaus­schuß) der Zweiten Kammer beriet heute mit der Re­gierung. Ter Antrag Tr. Osann über Wiederaufbau des durch den Krieg gesündigten geiverblichen Mittelstandes und der im Zusammenhang damit zur Beratung gestellte Antrag Herdt u. Gen. über Fürsorge für den durch den Krieg geschädigte:: Handelsstand und seine Angestellten wurden zurückgestellt, da die von der Regierung angeordneten, im Gange befindlichen umsang- reichert Erhebungen iroch nicht abgeschlossen sind. Der dringliche Antrag Cal man über Zustärrdigkeit der Landeseierstellc und Strafverfolgung wegen urrgenügcnder Ablieferung in 1917 ries zusammen mit einer Anfrage Wolf- Stadecken in gleichem Betreff eine lebhafte Aussprache hervor. Mit Ausnahme seirrer sozial- demokratisü-en Mitglieder verurteilt der Ausschuß entschieden das scharfe Vorgehen ohne Berücksichtigung des Einzelfalles, auch seien die Strafen zu hoch. Die Angelegenheit ivird in der nächsten Woche noch weiter behandelt werden. (An Antrag Lang auf Vertilgung der Saatkrähen wird erledigt durch die Regierungserklärung, daß sie die Abschuß vvrsckpiften noch einmal besonders einschärfte. Ein Antrag Fenchel über Fest

setzung und Auszahlung der Preise für Brotgetreide, Hafer iriih ßWffi» »rrirh AirÄckkilü im mit her Neciiernna

und Gerste ivird vom MssckMß im Einverständnis mit der Regierung etwas in seiner Fassung geändert und dann einstimmig angenom­men Darnach soll in den Kommunal verbänden, in denen die Nachschau nicht im Februar abgeschlossen war, die Landwirte also ohne ihr Verschulden nicht vor dem 1. März abliefern konnten, auch für spätere Ablieferung der höhere bis pm 1. März gültige Höchstpreis bezahlt werden. Einem im Landtag ausgesprochenen Wunsche entsprechend ivurde die Zusammeiffetzung der Lcrndes- fettstelle usw. so abgeändert, daß neben den Verbrauchern die Er­zeuger Ku ihrem Recht kommen. Bei der Landesfettstelle wurde bestimmt, daß die Erste Kammer einen Verbraucher, die Zweite Kammer einen Erzeuger entsenden solle. Infolgedessen wählte der Ausschuß heute an Stelle des Abg. Henrich (Stellv. Herdt), der als Verbraucl)er ansscheiden muß, den Erzeuger Abg. v. Hel­molt (Stellv. Fenchel) in die Landesfettstelle.

Drei Anfragen Dorsch, die alle den Anbau der Oel- pflanzen zum Gegenstand haben, toter den erörtert, wobei von verschiedenen Seiten die Meinung vertreten wurde, in bezug auf das Oelschlagen usw. die Bestimmungen möglichst weitherzig an- zuwenden, damit der Airreiz zun: Anbau von Oelsaat möglichst groß sei. Zu dem Antrag Köhler über Kohlen Versorgung t m T<o!m menden Winter erklärte die Regierung, sie habe sich an den Reichskommissar für Kohlenversorgung gewandt mit dem Ersuchen nur eine durchgreifende Abstellung der berechtigtet: Klagen durch Erhöhung des Koillingcnts und rechtzeitige Zuweisung, um eine Beunruhigt mg der Bevölkerung zu vermeiden. Es ist iroch keirre Antwort erteilt. Der Antrag wird einstimmig angenommen und nächste Woche im Plenum gleichzeitig mit einer sozialdemokrati­schen Anfrage über Kohlenbelieferung und Gasstrafen behandelt werden.

Der Kriegsaus schuß wird am nächsten Dienstag nachmittag noch« eine Sitzung abhalten.

Die Gstseeprovinzen.

Gießen, den 5. Juli 1918.

lieber Me Ostseeprovinzen Kürland, Livland, Est­land und ihre künftige Stellung zum Deutschen

Reich sprach, wie nran uns schreibt, Herr Professor

Dr. Roloff in der letzter: Mllgliederverfammlung der Gieße­ft e r Ortsgruppe des Volksbun des für Freiheit vcnd Vaterland, die am 2. IM, abends, im HotelGroß- Äerzvg von Hessen" pattfand. Nachdem der Vortragende kurz dar­auf hiugewiesen hatte, welche unzerreißbaren Baude uns mit die­sen Länibern deutscher: Bluitss und deutscher Arbeit verknüpfen, skizzierte er die gevgraphrschen und Wirtschaftlicherr Bedingungen. Die drei Länder, so groß wie Bayern und Württemberg zusammen, haben jetzt kaum 2 1 < Millionen Einwohner, können aber bei Zer­schlagung des Großarundbesitzes, der fast zwei Drittel des Gesamt­areals umfaßt, reichlich die doppelte Zahl ernähren. An Ansied­lern stehen uns Huuderttauseude dcirtscher Bauern aus Süd­rußland und Sibirier: zur Verfügung, die. wie bekarrnt. ihre alten Wohnstätten zum größten Teil verlassen wollen. Etwa 20 000 von ihnen sind bereits vor dem Kriege drrrch kurische Barone angesiedelt worden. Die landwirtschaftlichen ErzengTnsse werden Deutschlands Bedarf an auswärtigen Lebensmitteln zwn größten Teil decken können. Wie landwirtschaftlich, so lass«:: sich die Provinzen auch industriell entwickeln. Airsätze zur Großindustrie bestehen bereits, !und bei besserer Pflege der durch tue russische Regierung vernach­lässigten Derkehrsstroßen zu Lande und zu Wasser, bei stärkerem Angebot von Arl>ell skr allen mit steigerrder Bevölkerung können Mga, Reval und andere Städte große Industriezentren werden. Eilte haben bereits irr der russischen irrdnstriellen Produktion be­deutend mehr geleistet, als ihrem Anteil an der Bevölkerung ent- sprickK. Hindernisse von der eingeborenen Bevölkerung sind bei der Ansiedelung nicht zu erwarten. Denn die Ansiedelung soll auf deutschem oder ehernals kaiserlich russischem,, also jetzt herrenlosem, Btodeu stattfinden, und Letter: inib Esten sollen kein Stück ihres Be­sitzes verlieren. Zur Besiedelung des geteilten Großgrundbesitzes' sind diese Völker bei ilfter geringen Volks Vermehrung nicht in der Lage. Ein gutes Verhältnis zwischen den Deutscher: und den Gingeboreneu ist um so Mehr zu erwarten, als deren Kultur be­reits deutsch beeinflußt ist und beide, die Letten und che Esten. Mieinmcher im Gegensatz stehen, also der deutschen Vermittlung be­dürfen. Der Haß gegen das Deutschrum, der in den letzten'Jahren namentlich unter den Letten aufttat, ist ein künstliches Erzeugnis ^russischer Verfolgung und kann nicht von Dauer sein. Viele Letten haben auch schm gelernt, die Deutschen als.Hort der bürgerlichen Ordnung M betrachten. Ein Anschluß an Deutschland bedeutet für tchse Völler Sckintz ihrer Eiaenart uiü> materielle Wohl'ahrt, eiu Anschluß an Rußland Vernichtung. Selbstäiüu gleit ist bei lichteren unmöglich.

©w Recht Rußlands, diesen Ländern den Anschluß an Deutsch­land zu verbieten, besteht nicht, da die Esten und zum Teil die Letten von einem in Deutschland wenig bekannten russischen Gesetze pom November 1917 Gebrauch gemacht und die Unabhängigkeit be­schlossen haben. Sie stehen also rechtlich nickst inehr unter russischer Oberhoheit. Auch wirtschaftlich sind die baltischien Seehäfen für Rußland durchaus entbehrlich. da der von ihnen vermittelte Jm- \tnt und Export wesentlich nur das baltische Gebiet selbst und die Mr>n! N(,ßland setzt gelnennten RandLänder betraf. Eine nähere Verbindung.inij Deutschland in irgendeiner Frvnn ist also für die dre: Vvovrnzen wie.für Deutschland geboten.

Bortraa mn den sich eine Ansprache an schloß, würde von L?. Versammlung. mit großem Beifall auOenommew. Die nächste "^'Ä^b^^m'am'lliug wurde für den 24. September ds. Js. fest- igttetzt mll einem Vorttag von Herrn Professor Michel über !at:onal:«mn<? und Jnternattvnalisinus".

Aus StaSt und Cnnö,

Gießen, den 5. Juli 1918.

<n t* ? ^ichnung. Ter Königl. Eisenbahn-Wageumeister Beruh Hulsmann wurde mit dem Verdienstkreuz für Kriegs- yrlfe ausgezerchnet.

** Ti e b stahl In der Nacht von Sonntag aus Montag nArde ans ernem Ucker am Auliveg, oberhalb derSchönen Aus- ftcht dre Raps^citte des 1 Morgen großen Llckers zum Teil aus- igednoschen. '-Loachocenlrche Mrttellungen nimnll die Feldpolizei ent­gegen.

** H a u % & r a n 5 b e t f i) r q u n g. Infolge der großen Kvhlenrnapphert lvrrd es sicb vovaussichtlich nicht ermög­lichen lassen, größere Haush-altungen, Ga flhairsbetriebe usw. genügend mit Brennstoffen zu versorge::: der Brennstoss- oecurrf muß daher allgernern eingeschränkt werde::. Unbe­wohnte Räume, wie Flwre, Korridore, Treppenhäuser usw

'und wenig dewchnte Räume dürfen unter keinen Umständen beheizt Werdern Es sind im vorigen Winter Fälle bekarrnt geworden, daß G>uschaicsb>esitzer ihre Fren:denzimmer Tag und Nacht geheiKt haben, trotzden: die Räume unbewohnt waren. Gasträ'ume usw dürfen nicht üb-erh-eitt werden, denn Besitzer lceufer: sonst Gefahr, gegen Ende oer Heizperiode 1918/19 ohne Breimstos ?' AU seiu, da die Brenn st offzu fuhr angesichts der Kohlentuappheit knapp bemessen werden muß uui) 'Nachlieserunge: über das vorgesehene Quantum nicht erfolgen können. döauieutlich! aber wird es an Kücheubraud (Stein- bzw. Nußkoblen) sehr mangeln; es wird den Gasthänsern, Speiseanstatten und größeren Haus­haltungen deshalb empfohlen, ihre Kücheicherde nach System Schreider umbauen zu lassen. .Hierorts sind bei Herrn Jochem (Pulvernnihle), Rösinger (Westcmlage 64) und Schermuly (Zum Pfau) die Küchenherde mit denkbar bestem Erfolg mit sehr geringer: Kosten (bis 5 Mark) umge­baut, i., it die Berbrennurrgslust eine andere Führung erhält ui d sie Querschnitte der Rauchgjasabfi'lhrungcn ver­kleinert und verändert werden. Die .Kohlenersparn:s ist nach den von den Beteiligten gemachten Angaben ^eine namhafte, nähere Auskunft hierüber ertellt die Orts- kohlenstelle, aber auch die obengenaunten Wirte haben sich bereit erklärt, jede gewünschte Auskunft über den Brenn­stoffverbrauch ufw. zu >erteilen. Im Vaterlandis chen, aber auch im eigenen Interesse der Brenn­st o ff Verbraucher liegt es, mit dem Umbau der Küchenherde e h e st e n s z.U b e g i n n en.

** NeueVerord nun gen de rReichsbekl eidun gs-

st e l le. Nach einer Bekanntmachung der Neickisbelleidungssttlle sind in Zukimft vor Ausstellung eines Bezugsscheines regelmäßig schriftliche Bestandsversicher:mgen abzugeben. Bei Verdacht un­richtiger Angabe:: sind die Msferttgungsstellen verpflichtet, häus­liche Nachprüfungen vorzunehmen. Alle Antragsteller, die wegen; zu hoher (ftgenbestände einen Bezugsschein nicht erhalten können, sollen auf die Möglichkeit der Erlangung eiius Bezugsscheines! gegen Abgabe ei:us Kleidungs- oder Wäschestücks hingewiesen wer-» den. Gebrauchsgeger:stände aus reinem Papiergarn werden auf der: Bestand an Kleidung:md Wäschestücken nicht angerechnet. Kriegsbeschädigte oder Persoiren, die durch das Tragen künstlicher Glieder die Leibwäsche besonders stark abnutzen, dürfen Bezugs­scheine für Leibwäsche auch über den vorgesel-ene:: Bestand hinaus erhalten. Gleichzeitig ist angeordnet worden, daß Herren- Oberbekleidungsstücke nur noch in beschränktem Umfange mit Futterstoffen versehen werden dürfen.^ Bei den am Halse geschlossen zu ttagenden Joppen für Herren imd Knaben dürfen nur noch die Aern:el gefüttert werden. Ausgenom­men sind schwere Winterjoppen, die anstelle von Mänteln getragen) werden. Tie Rückentelle von Röcken und Jacken der Herren- und Kimben-Oberkleidung dürfen überhaupt nicht mehr, Westenrücken-! telle mir noch mit emfachen: Futter versehen werden. Mäntel und Ueberzieher für Herren und Knaben dürfen im Rücken nur bis zun: unteren Rande der Handseitentaschen gefüttert werden. Röcke und Jacken sollen künftig nicht mehr als vier^ Westen und Hosen nicht mehr als drei Taschen eillhalten. Bon dieser Verordnung wer­den nur neuangeferttgte Kleidungsstücke erfaßt, sie gllt nicht für Umarbeitung gettagener Stücke, wenn das alte Futter verwendet wird.

** Kalte Nächte. Fortgesetzt haben wir Latte Mckste. Wenn einmal am Tage die Sonne ein paar Stunden wann scheint, so entsteht eir: Gewitter, es erhebt sich der Wind, und es tritt wieder eine dlbkühlnng und Herabnrrnderung der Temperatur ein, die ganz empfindlich wirkt. Auf drnsem fortwährenden Wechsel beruhen denn auch die vielen lKvankhellsersckMrvungen der Menschen. Im Pftanzenreich ist keir: rasches, fortschvellendes Wachtum, aber das Ungeziefer ini> die pflanzlichen Krankheiten nehmen überhand. Heute nacht sank in der Frühe zur Zell des Sonnenaufgangs, wo immer die Temperatur am niedrigsten steift, das Thermometer auf 2 Grad herab, so daß das Gras und die Pflanzen am Morgen mit einem leichten Wasser-Tau-Reif bedeckt waren. Wem: auch dabei kein direkter Fvostschaden flttstandei: ist, so leide:: doch die Bohnen und Gurke:: garrz erheblich. Tie Gurken sterben schon! ab bei 1 Grad, uiü> die Bohnen, die vor kurzer Zell so viel­versprechend anssähen, sind gelb und versvreck)en Leinen gutenl Erttag. .Hoffentlich gibt es bald einen dinchdringenden, warmen Regen und darauf milden, warmen Avnnenschftn, der Pflar^ei:, Tieren und Menschei: zur Gesmwheit notweillftg ist.

** Für den Reiseverkehr zu beachten. Jeder, der verreist, inib auswärts die amtlich? Lebensmlltelversorguing ll: An­spruch nimmt, muß sich in den Besitz einer schriftlichenAb­meldung" setzen, die er bei den: Lebensmittelamt erhält. An Marken müssen bis aus drei Monate Reisebrotmarken, bis zu sechs Monate:: Zucker in Natur oder ZuckcrnnrtVpckLarten mitg«wu:meu werden; ferner Seife und die Tausenden Flei schmarken. Oefters werden auch die weiteren Fleischmarkeu zur Mitnal^ne oder Nachsendung ver­langt. Ties ist nicht richttg. Auf Gruill» der Aömttdnng ist jeder Ort verpflichtet, eine weitere Fleischkarte auszugeben. Bei der Abmeldung müssen die i'rbrigcn Leb«:smittelmarken im allgemein^ abgegeben werden. Tvch, sticht es frei, deren auch während der Reije zu behalten, z. B. die Nährmittelinarke::: es wird dies aber in der Abmeldung venuerkt und köm:en dann auswärts diese Matten nicht beansprucht werde::. Vielfach gehen Personei: lovg, ohne sich abzumelden. Brauckner: diese crrrswärts gecvisse Marken, z. B. Brotmarken oder Fleiftb-firvarken, so müssen sie sich dieselben mitnehmei: oder wachsenden lasse::. Es tritt dabei ziuveilen di« Anforderung an das Lebei:smittelanll heran, Brotmarken über die laufende Periode hinaus im vvrw:s zu geben. Dieses kann nur gesck/iehen, wein: der Lebensmlltelausiveis in Händen des Lebensmittelamtes bleibt. Ein Nachsenden von Marken durch das Lebensmittelamt frmn nur erfolgen, tvenn'die Abmeldung erfolgt ist. Vorstehendes gilt aber nur für Reisen über 14 Tage. Bis zu 14 Tage muß jet-er selbst für sich sorge::. Abmeldungen werden erst für Reisen über 14 Tage ansgestellt. Ebenso werden Fremde nur aufgenormnen, wenn sie länger als 14 Tage von zu Hause weg sllid.

** Stenographie: Tie Stenographen -Gesell - schastGabelsberger" und Damenabteilung, e. V. eröffnet am 12. Jüli einen neue:: A:ffLngerlehrya7.u:. Näheres siehe Anzeige.

Kreis Schotten.

A Aus dem Vogelsberg, 3. Jüli. Bollkomme:: hat sich nach dem letzten Reg«: der Weizen entwickelt, selbst am Korn be­obachtet man noch die Wirkung des Regelt. Ganz besonders tt:äMjg steht die Winterftucht in der WettMU, ivie uns ein Besuch dort jüngst zeigte. Kartoffeln und Sameuflmcht nehmen gleichfalls gedeil-lichcm Fortgang. Nur der Nachrm:chs des Grüru futters bleibt zurück, ivell lfterfür !die Niederschläge rächt durch­greifend sind. Hoffentlich geschieht das jetzt drnch den neu ell:- getretenen Regen. ^ ^ .

Hessen-Nassau.

sc. D i e r d v r f, 4. Juli. Bei dem Frost in den Nächten tarn Frei­tag auf Samstag urll» Samstag auf Sonntag sind hier wieder fast sämtliche Bolmeu «rftvren, auch die Kartoffeln habcm teiltveise unter dem Frost gelitten. - In voller Fahrt mußte die Kleinbahn T:erdors-Raubach vor einige: Tagen halten. Die Ursache des unfreuvllligen Mifsntlivttes war weder Mafchirrendefekt mul)! Kohlen^ Mangel, sondern mitten <n:f dem Geleise stand eine Kuh, die den läutende:: und pfeifenden Illllwld anstaunte. Ter Läkomotiv- führer mußte ^erst absteigen. :md den Betriebsstörer beselligeür, ehe die Fahrt wellergehen konnte.

MrchNche Nachrkchte«.

Israelitische Neligionzeemeinde. Gvttesdierfft in der Synagoge jSüd-Anlage). Samstag- 6. Juli. Bvrabd.: 8 30: morg - 8 30 Predigt: abds.: 9.55 u. 10.35. Israelitische «ellaionrgesellschast. Sabbaftner am 6. Juli. Freitag abd.: 8.25: Samstag vorn:.: 8.30: nachn:.: 4.30: Sabluttausg.: 10.35. Wocheugottesdienst' mvrg. 7.00, abds. 8.00

Briefkasten der Redaktion.

M. U. Nieder-Bessingen. Ihre Frage über hieRechte" des Engländers können wir uichit beantwortein. Wir verweisen S« auf die zuständigen militärischen Stellen.

Vermifehtes-

* Wie wird die Grippe weitergeschleppt? Sell> dgm Mir den Erreger der Erkrankung, oen von R. Pfeiffer ent- deckten Jnsluenzabaziitus, tennen, wissen :vir auch näheres über Idie Uebertragung. Sie geschieht von Mensch zu Mensch, und zwar aller Wahrscheinlichlell nach meisteitt durch die Einatmung der Krankheitserreger. Wir müssen die sog mannte Tropf chen-Ji:fektwn nach Flügge unschuldigen, die darin besteht- daß das von Kranken beim H:Wen, Niese::, aber auch schon bei lebhaftem Sprechen au&* geworfene, sein verseuchte Nasen-, Bronchial- oder Luftröhrensekret mit seinm: sehr reichlichen Bazlllengehalt von anderen eingeatuvet üiiird. Daß sichl die Krankheit gegenivärttg so sehr schnell ver­breiten kann, liegt ohne Zweifel daran, daß die Jnflueuzabazillsn M gämiffen Zellen in ungeheurer Ausbreitung auitreten und so­mit sehr schnell über große Ländersttecken hin nach allen Sellen lchrsgesiorut werden. Begreiflich ist es auch, daß das Krankheits- gift du ich einen an Influenza erkrankten Me nicken an einen andern, bis dahin von der Jnfllrerrza freie,: Ort verschleppt werden kann, wobei die Infektion unter llmstände:: sogar durch das an Taschen- tücherri, Kleidungsstücken usw. hastende feuchte Sekret (Auswurft vermittelt wird. Aus dem GeslUgten geht hervor, daß die Jnflscenza dem Verkehr folgt, und zwar scheint ihre.Urheimat in den as:attscheu Hinterländern von Rußland zu liegen.

* Zeitgemäßes. Im Allgäuer Anzeigenblatt liest man

folgende Anzeige:Welch edeld-eukender Munllionsarbeiter wäre, bereit, meinem Beamten durch Uebcrlassimg eines noch gut eclutteneuj Anzuges beii Besuch des Sonn tag s gottesdienstes zu ecinöglichen? Gell. Angaben unter . ." In einem Witzblatt lesen wir:

Komme ich gestern in meine Stamm'kneipe, um zu Mlltag zu essen. Eilferttg bringt mir die Kellnerin die Spftsekarte und ich lese mll Entsetzen: 1 / 1( - Ei (7-artgckkockft), ein Fingerhut voll Rostbraten, 15 Gramm Pfamckuchen, ein Teelöffel Öloulasch. Empört wollte ich das Lokal verlassen, da meint? die Kellnerin hilldvoll:Die Rückseite müssen Sie auch lesen!" Und ich las aus «ft Rückseite: .,Sv, verehrter 6/ast, nrüßte mcnne Speisekarte lmllen. wenn ich mich an die aintliche Zchveisung und an die Höchstpreise hielte, Ta ich aber hamstere, lautet sie:Roßbrate:: mit Salat, Hühnersuppe, -Ochsen- sleisch mit Kartoffeln usw."

Letzte

Dev neueste BcriAi -er k^eeve leitung.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 5. Juli (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht

Oestlich von Ypern wurden stärtere Vorft'ße des ]-niu des abgewiesen. Beiderseits der Somme si- d gestern früh dem starken englischen Feuer Infant:rieangriffe des Feindes ge­folgt. Auf dem Nordufer des Flusses brachen sie vor unseren Linien blutig zusammen. Südlich der Somme Orang der Feind in Dorf und Wald Hamel ein. Auf der Höhe östlich von Hamel wurde der Angriff durch unseren Gcgenstotz zum Scheitern gebracht. Oestlich von Villers Breton ne ur warfen wir den Feind in seine Ausgangsstellungen zurlick.

Am Abend leble die Gefechtstäligkcit fast an der ganzen Heeresgruppen-Fwnt auf und blieb auch wäh . nd der Nacht, namentlich im gestrigen Kamysabschnitt, gesteigert.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz,

Erchchtc Gesechtstätigkeit auf dem W:stufer der Avre und beiderseits der Aisne.

*

Leutnant Menkhoff errang seinen 35., Leutnant Thuy seinen 24. Lufffieg.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

* . *

Die italienische Offeufive.

Wien, 3. Juli. (WTB. .Nickidamtlick-.) Aus dem Kriegspresse- guartiei' wird gen:eldet: 9(ach mehrtägiger verhältnismäßiger Ruhe, welcke wohl vor allem durch die erlittene:: . schweren Veiluste des Feindes erzwungen war. hat sich die italienische Heeres­leitung an einzelnen Abschsnlltcn sowohl im Gebirge wie ist der Ebene auch zu einem offensiven Vorgehen eillsäftos- sen. Beim Morgengrauen.setzte gestiern un: 3 Uhr immer heftigere, ftelleuineife bis zun: Twmmelft'uer gesteigerte Arttllerietättgkeit an der Front von Acontello bis zur Piavemündung ein. Unnnttel- bar. nördlick, San Tons erfolgte der feindliche Stoß, der sich hauptsächlich gegen das Piavedelta richtete. Hier trachtete svwoW in birdfrem Ansturm im Westen und Süden, wie auf lleber- schisfnngsmitteln von See l-er die llalienisckie Infanterie, aleich- zellig im Adündung-sgebiet des Flusses vorzndringen. Die wurde überall nach erbittertem Kampfe, der bis zum Einbruch der Dunkel­heit dauerte, abgewehrt und erlitt xn ißerordentliche Verluste. Nur bei Chiesa Nuova. 4 Kilometer südlich San Dona di Piave, wnnten die Jtalie::er nackj, Ueberschreitung der Slle sich in einem! lchmalei: Geländestreiün: des Westrandei des Deltas festsetzen. Wetter iwrdlich wurde bei Zensm: der Besuch emer feindlichen Abteilung, ai:f Kähi:en das Ostuser der Piave zu erreiclien. durch Feuer vereitelt. Weniger -einl-elllich geleitet, aber gleichfalls 'ehr hartnäckig, 'waren die italieni'chm Vorstöße an der 0-ebirgsfrvnt beiderseits der Brenta. Alle Bemührmgen des Gegiuws, hier über einzelne Punkte seiner Kamplinien vcmi 16. Jn-tt Raun: nach vor­wärts zu gewinnen, scheitertei: >an den wrerschütterlickien Stellunge:: unserer braven Infanterie zum Teil schon unter der Wirkung des raschen Eingreifens unserer Arttllerie.

Stapellaus eilies neuen dänischen KriegGstiffes.

. Kv p e n h a g e n, 4. Juli. (WTB. Rckftamtlich.) Gestern nack>- m:ttag :st auf der hiesigen Knegswerft ein neues dänisches K ü st e n P a n z e r s ch i f f vom Stapel gelaufen. Die königliche tfOTmUe und eine große Zahl von hohen Offizieren des Heeres und der Mar:ne waren anwesend. Das Schiff erhielt den Namen Rels Juels.

Das Schicksal der prentzisckren Wahlr:'sorm.

Berli n, 5. Juli. Zur Vertagung des Abgeord^

^ . .. .. Herrenhm^

mll den Reg:erungsvorschlchsen [\mb den Korrekturen der Drei- klassenmehrl?eit absiudei: wird, läßt sich mxb nicht erkennen Vor­aussichtlich wird sich das Herrenhaus den BeschWssen der Mehrlxüt des Abgeordneterrhauses nicht einfach anschließcn wollen. Die Kom- mission des Herrenhauses wird ein? eigene Lösung der Wah! rechts- Pwobleme suchen. Diese Löfting wird für die Anhänger des gleich«: Wahlrechtes genau so »unannehmbar sein, wie diejenige des Ab­geordneten ha:i ses.

TieP o st" schreibt: Die Regierung hat zil'ar gestern zu dem Ergebn:s der fünften Lesung geschwiegen, aber barum ist es nicht minder offenbar, daß sic an ihrer Absicht festhält, die Ursprünge ttchen Wahlrechtsvorlagen dem Hause aufzuzwingen, sei es mich mit Hilfe der Riflösung brä Avgeordne ten haus es. Alles kommt

darauf an, die Recherung bis zu dem Auflösnngstermin von dev Unzweckmäßigkeit e:nes solchen Vorhabens zu übeweugen. Die Be­

ratung des Herrenhauses kann nach dieser Rckftnng hin mit« Dienste tun.

TerVorwärts" sagt $nt Annahme des Plmalwalürechts: Inneren Hader darf sich die Arbeiterschaft ll: dieser Zeit uüdt leisten. Teil Lösuilgen Unverantwortlicher darf sie nicht folmn. Aber alles muß sie tun, um Kruft zu sammeln, die sic in den künf ttgen Entscheidumiskämpsen unübenviuplich machen wird.