Nr. ;5S SVLiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger skr Gberhessen)
Samstag. 29 . Zuni (9(8
ArZs Stadt und Land.
Gießen, den 29. Juni 1918.
** Auszeichnung. Der Landsturmtnaun Ludwig Rosen- bäum, Sohn be4 Metzgeriueisters Rosenbaum, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Masse und wurde zum Gesreiten befördert.
** Freibank. Montag den 1. Juli 1918, 2—4 Uhr:
Nr. 421—600. *
** Gießener Waldbühne. Bei geeigneter Witterung geht Björnsotrs „Wetrn der junge Wein blüht" nächsten M i t t - wo chden 3. Juli zum ersten Mal iir Szene; Anfang 3Vi, Eitde igegen 5Vs Uhr. Die bereüs zum 19. Juni gelöster .Karten gelten für diese Vorstellung. Außerdem wird heute der Vorverkauf (bei
G, Ehallier) rvieder eröffnet. (Siehe Anzeige.)
** Oberhessischer Kunstverein. In der Geutälde- Ausstrllung im Turmhaus wurde eine teilweise Aendcrung der Genrätde vorgenommeu und gelangten von Düsseldorfer Künstlern neu ztkr Ausstellung Bilder von E. von Gebhardt, A. Dirks,
H. Hermanns, E. Hemisch. W. Poclimann, A. Schlüter und W.
Schreuec. Der Sammlung Olga Hassel manu-Kur tz wurden! 2 Bilder, „Landschaft" nnd „Tierstuck" beigefügt. Ter Malerrabierer Robert Baß-G testen hat 2 Orig.-Radierungen „Schloß Lich" imd „Motiv aus Gießen" sowie 1 Zeichnung „Marburg" ausgestellt. Jin der Giehencr Kunstsanunlung im Reuen Schloß werden kommende Woche im Kupfer- und von Ritgew-Kabrnett die gegentoärtig ausgestellten Bilder misgewechselt. Es sei daher nochmals ans die Migen Serien hingewiesen. >
** Anlagenmufik findet Sonntag den 30. Juni, vorm. 12 Uhr in der Süd-Anlage (bei günstiger Witterung) mit folgender Spiel-Folge statt: Ouvertüre z. Oper „Die weiße Tante" von Boieldieu: Ave Maria, von Frz. Schubert; Potpourri a. „Der Zigeunerbawn" von I. Strauß: Frühling in Japan, Charakterstück i von L. Jessel; Eoburger Josias-Marsch. bearb.: Voigt.
** S chwa rz - W e i ß - L i ch t s p ie l e, SeUersloeg 81. Von ; heute ab bis ein schließt icl)i Montag, 1. Juli, tritt Maria Widal in ihrem neuesten Filmwerk „Rosen, die der Sturm errtblättert"'i auf. Außerdem stehen „Alles fürs Kind" und „Tie schlaue Nera auf dein Spielplan.
asse Gießen-Stadt hielt «am lebten Donnei^ag im Gewerksä-astslums eine Ausschuß- sitzuug ab, die sich in der Hauptsache mit der Erhöhung der Grundlöhne, der Beiträge und des Krankengeldes beschäftigte. Nach einer Buudesratsverordnung müssen die Grundlöh ne den derzeitigen Lohn Verhältnissen entsprechend erhöht werden. Der fAussämß beschlos. daher, über den Vo. schlag des Vorstandes, der die Einfügung von 2 Stufen vorgeschlagetr hatte, hinausgehend, vier neue Stufen des Grundlohns eiuzurichten und zwar 7 Mk., 8 Mt., 9 Mk. und 10 Mk. Da die Krankenkasse durch die Folgen des Krieges in ganz besonderem Maße belastet wird, ist es unmöglich, mit den derzeitigen Beiträgen auszukommen. Es wurde daher beschlossen, die Beiträge ab 1. Juli l. I. von 47 2 Prozent mit 5 Prozent zu erhöhen, zumal die meisten übrigen Ortskrau kenkassen diesen Prozentsatz, teilweise noch mehr, bereits seit längerer Zeit erheben, ohne daß die Mitglieder dieser Kassen die Dorre le der freien ärztlichen Bchcrudlung der Fauälienmitglieder genießen. Mit Rücksicht ans die derzeitigen wirtschastlitl)en Verhältnisse wurde weiter beschlossen, mich das Krankengeld zu erhöhen, und Uvar für Verheiratete auf 60 Prozent, für Ledige aus 65 Prozent des Grundlohns.
Tagung der Evangel. Kriegsgefangenenfürsorge.
Unter dem Vorsitz des Geh. Konsistorialrates Jäger-Bierstadt fand am Dienstag den 25. Juni die diesjährige Jahresversammlung der Ev. .^egsgefangeuarsürsooge im Hotel Müller u Bad Nassau statt. Nutzer den aus allen Teilen des Neides erschienenen Vertretern der verschiedenen Larrdes- und Freriirchens Deutschlands hatten der Oberpräsident der Rheinprovinz Herr Oberregierungsrat v. Dult zi g - Koblenz, das Kgl. Preuß. Lan- des-Ockonomiekollegium, Berlin, Herrn Ockonomierat K e i s e r - Berlin, die Zentrale für Siedlung und .Rücktvanderung Herrn Professor S o hn re h- Steglitz, sotvie eine Anzahl Vereine besondere Vertreter gesandt. Außerdem befanden sich unter den Anwesenden der Dezernent für Literatur des Kgl. Polizeipräsidiums Berlin, Professor Tr. Brunner, Dr. Kroker vom Sächsischen Landcsverein für innere Mission und der Bisrchch der Mtkatl-olischen Kirche Tr. M o o g - Bonn. Ihre Kc;l. Hoheit die Frau Großherzogin Luise von Baden und L-r. Durchlaucht der F ü r st von Lippe ließen der Versammlung Grütze übermitteln. Beiden Fürstlichkeiten wurden Huldigungstelsgramme gesandt.
Direktor Schriftsteller Br epo hl -Nassau erstattete den Arbeitsbericht.
Bürgermeister H a s e n c l e v e r - Bad Nassau erstattete den Kassenbericht.
Nach Erörterung geschäftlicher^ Fragen überbrachte Oetonomie- rat K e i s e r die Grüße des ain Erscheinen verhinderten Präsidenten des Mgeordnetenhaüses Exzellenz Gras Tr. S ch w e r i n - L ö - Witz und Professor Sohn rep solche Sr. Exzellenz des Herrn Staatssekretärs v. L inde q ui st.
Es fanden dann Ergänzuugswahlen statt. Professor Bernhau s e n - Marburg, Professor .Rade-Marburg, wurden in den Vorstand und zum 2. Vorsitzenden, vorbehaltlich der Annahme, Se. Exzellenz Staatssekretär v. Lindequi st-Berlin gewählt. Ter Ausschuß wurde um 12 Herren erweitert.
Bon >JHrer Kgl. Holest der Frau Grvßherzogin von Baden lief auf das gesandte Hub gmrgstelegramm folgende Antwort ein:
An den Direktor der w. Blätterveveinigung, Herrn Brepohl, Bad Nassau a. d. Lahn.
Tic freundliche Begrüßung, welche ich gestern abend aus Anlaß der Jahresversammlung der Ev. Blätterveveinigung erhielt, hat mich außerordentlich erfreut und ich möchte meinen sehr aufrichtigen Tank dafür mit den Herzlichsten Segenswünschen verbinden für die fernere segensreiche Entwicklung und Förderung der so sehr hilfreichen mrd weitverzweigten Tätigkeit, der Ihr Verein seine Kräfte in selbstbiser, mrerru üblicher Arbeit widmet, möchte Gottes Segen auch ferner darauf ruhen.
Gwßherzogin Luise von Baden.
Der neueste Bericht der L)eere lertung.
Cctztk .Nncbrrcltten.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 29. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe KronprinzRupprecht.
Nöwlich der Lys sind heftigem Feuer Jnfanteriean- griffe der Englärrder gefolgt. Dreilualiger Ansturm gegen Mery brach unter schmn-en Verlusten äusammen. In der Mitte des Karnpffeldes drang der Fvürd in Vieux-Berquin ein. Gegenstoß der Bereitschaften brachten ihn dort zum Stehen und warfen ichl über den Westrand des Dorfes zurück. Nördlich non Merviltt sä)citerten die fti.ndlichen Angriffe in unserem Feuer.
An der übrigen Front flaute die lebhafte nächtliche Artillerietätigkeit in den Vtorgensttlnden ab. Südwestlich von BucquohS wurden stärkere Vorst ße gemacht, mehrfache Er- kundungsabteilungen des FnutzeS abgewiesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Südlich der Aisne griff der Fmnzofe nach starker Feuerwirkung an. Bei Ambleny wurde er nach hartem Kampfe abgewiefcn. lieber Cutry hinaus gewann er Boden. Mffer Gegenstoß wttrf ihn auf oie Htzhen beiderseits des Ortes zurück. Versuche des Feindes, unter Einsatz von Pan
zerkraftwagen den Angriff feiner Instruierst weiter vorzu- tragen, scheiterten. Am Walde von Villers-Eotterets stießen wir dem weichenden Feinde bis in seine Ausgangsstellungen nach und machten Gefangene.
In der Luft erlitt der Feind eine schwere Niederlage. 19 feindliche Flugzeuge wurden abgeschosstn. Leutnant Udet errang seinen 35., Leutnant Löwenhardt seinen 39. Lnftsieg.
Siidwestlich voll Reims wurden bei einer kleinen Unter-' nchmung 20 Italiener gefangen.
Ter Erste Gener lauarliermeifter
Ludendorff. ^
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Die Vorgänge bei der ehemaligen nrssischen Schwarz-Mrrr-
Flotte.
Berlin, 28. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Ter in Litauisch- Brest zrvischeu Rußland und den Verbündeten abgeschlossene Ftte- densvertrag sieht in Artikel V vor, daß die russischen Kriegs sch cffej entweder in russische Häfen gebracht rmd dort bis zum allgemeinen! Friedensschluß bleiben, oder, falls sie russische Häfen nicht erreichen können, in fremden Häfen entwaffnet und unbeweglich gemacht werden müßten. Einzelne Teile der Schwarz-Meer-Flotte setzten sich über diese Bestiuunung hinweg und kreuzten auch nach dem Frie- densschlnß weiter im Schwarzen Atter und Asowschen Meer. Nach und nach nahmen sie sogar eine feindlick)e,Haltung gegen die verbündeten Strcttkräfte an rmd zwangen dadurch diese meh-ftach bewaffnetem Einschreiten. Im Verlaufe des Frühjahrs wurde es immer klarer, daß der Einfluß der Aäoskauer Regierung aus einzelne Teile der Schwarz-Meer-Flotte gleich Null war und daß diese Flottentette vielmehr selbständig den Krieg sort- setzende Freischaren auf dem Wasser d-arstellten, die nxan auch mit dem Ausdruck „Piraten" bezeichnen kann. Erst mit der Besetzung der Halbinsel Krim und des Kriegshafens Seba- stopol wurde Ende April der größte Teil der ehemaligen russischen Schwarz-Meer-Flotte an weiteren Verstößen gegen den Brester Frieden verhindert. Tie wichtiwten und neuesten Einheiten der ehemaligen russischen Schwarz-Mcer-Flotte hatten sich xedoch eut-- gegen der- in.Brest vereinbarten Regel nach Noworossisk l^geben und verweigerten die Rückkehr nach ihrem Ausgangs Hasen. Für die verrvorrenen Verhältnisse an Bord dieser Schisse ist es bezeichnend, daß sie in wenigen Tage:: mehrfach die Staatsangehörigkeit wechselten und nacheinander die rote Bolschetvistenslagge, dann die rotgoldene Flagge der neu gegründeten russisclxn Republik, dann die blau-gelbe Flagge der ukrainischen Republik und neuerdings wie- !der die' weiß-blaue Andrcasslagge des rrffsiscl)pn Käiser reich es setzten. Neben den Besatzrmgen bevölkerten auch Frauen, Kinder und Zivilistten dixse Kriegsschiffe. Nach den Erzählungen russisches Seeoffiziere und Matrosen, die sich diesen unklaren Verhältnissen.^ durch Abreise entzogen, muß mtter den Besatzungen dieser Schiffe weitgehende Meinungsverschiedenheiten geherrscht haben. Im Verlaufe dieser Streitigkeiten ist Mttte Juni das Groß-« k a m p f s ch i f f „S w o b o t n a j a R o s s i j a" (früher Jekate- rina IO durch einen Torpedoschnß des russischen Torpedobootszerstörers „K^erisch" versenkt worden. Auch einige Torpedobootszerstörer ffelen diesem Kampfe zum Opfer und smd nach Angaben der erwähnten Offiziere an der Osttüste des Schwärzet Meeres versenkt oder auf Strand gesetzt worden. Das Großkampfschiff „Wolga" (früher Imperator Alexander III. gena.utt) sowie mehrere moderne Törpedobvotszerstörer kehtten am 19. Juni nach Sebastopol zurück, wo sich nunmehr die gesamte für Kriegszwecke noch brauchbare ehemalige russische Schwarz-Meev' Flotte unter deutscher Kontrolle befindet.
DaS Mrristerium Sewler verbleibt im Amtr.
Wien, 28. Juni. (WTB. Nichtanttlich.) Die „Wiener Ztg." bringt nachstehendes Allerhöchstes Hmidschreiben: Lceber Ritter Tr. o. Seibler! Wiewohl der in meinem Handschreiben vom 23. Juni d. I. vvrbehaltene Versuch, die Schwierigkeiten zu überbrücken, »velche mein österreichisches Ministerium zu seiner Demission veranlaßt haben, bisl)er noch nicht ztu dem gewünschten Erfolg geführt hat, ftude ich mich dennoch bestimmt, die Demission nicht anzunehmen, und hat das Ministerium demnach ineiter tut Amte zu verbleiben. Da es aber anderseits mein fester Wille ist, keine Unberbre-ehung m der parlaureittarischen Negierungssoxm eiuttettn zu lassen, finde ich mich bestimmt, den Reicl)srat zur Wiederauffrahme seiner Tätigkeit für den 16. Juli d. I. einzuberusen. Karl m. p.


