Hi. M Swettes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für VberWen)
Donnerstag. 27. Juni *9(8
Aus SLcrdL «nd LanS.
Gießen, den 27. Juni 1918.
Siebenschläfertag.
Ter 27. Juni steht im Kalender als ,,LDebenschläftrtag^ verzeichnet : er gilt der Erinnerung an die siebenchristttch-en Znng- linge, die, wie die Legende berichtet, einen Schlaf von -«>0 hagren taten. Zwar weichen die Fassungen, in denen dn>e Jtoi r Ueberlreserrmg berichtet wird, in Einzel zügen voneinander cui.a - im wesentlÄen stimmen sie überein. Es war tm römische Kaiser De eins kam nach Ephesus und “ zwingen, von ihrem Glauben abznfallen. Es brach emcg b Christenversvlgung aus, und sieben edle -ftutg^nge,
Tiomedes, Eugenius, Stephanus, Probattus, Sabbatru^ und Enri eus, die Sühne vornehmer Leute, Treuer tm karswrch-N Tarall, wurden ihm als starrköpfige Chriften angegeben. sie zu sich berufen imb verlangte, Itc sollten l^nen Gtttcrn opfern: als sie sich weigerten, bewilligte er chiveu cm W jU vr, wn anderen Sinnes zu werden Tu-sieben ^£ aus der Stadt und verbargen sich rn der Hohle des-Berges verbuchten einige Tage im Gebete und schien.
Unter Unten, Tiomedes, zur L^dt ^nab> der, ^ Btttl^gcw d um nicht erkannt zu werden, Lebensmtttcck und Bwt taufte^un* firftfipütidv wieder zu dem Berge hinaufstaeg, als er vernoiuttn.^ hatte, der Kaiser 'habe beschlossen, auch die sieben Jünglinge ijmto den heidnischen Göttern opfern. Ttc ltebert JMglrnge m der fröUe nahmen ihre Abendmahlzeit ein, verbrachten tuW Zeit in traurigen Gesptächen und entschliefen, sanft. Ter V«r aber ließ sie einen sanften Tod erleiden, bannt durch fte spater ern Wunder verrichtet werden solle. ..
Am nächsten Morgen befahl der Kaiser, die sieben Jünglinge sollten gefuckt i»ert>cn^ er lies; ihve Väter zusich rufen, Md iIW Piben an, die söhne hätten ihnen Gald, nnd Silber Staubt, linier die Armen verteilt und sich dann rn der Hohte^dcs^Lerge^ Anrhilns verborgen. Toranfhin lies; der Miser den ^ngang l^r Lg hie mü Steinen vermauern; zwei der Diener des Karf e^, me Unfalls Christen waren, sch,rieben die Gescktzchte vom ^larlyrrr- tode der sieben Jünglntg-e aitf Tafeln und legten diese heunUch unter die Meine, mit denen die Höhle verschlossen wurde. Kaiser Tecius starb; andere .Kaiser folgten ttjan, Theodosrus bestteg den Thron, und im 38. Regierungsjahre dieses frommen christlichen .Herrschers erhobeii sich, die Ketzer, die die Auferstehung der ^oren leugneten und selbst den Kaiser in seinem Waubcn wankend machten- Da geschah ein großes Wunder, ^ der Christenheit das Geheimnis der Auferstehung offenbarte. Ter Be,itzer des Berges Anchilus, ein reicher Manu namens Adolius, wollte auf dem Berge einen Stall erbauen, und seine Arbeiter benutzten S>teme, mit denen die Höhle verschlossen worden war. um daraus die Mauern aufzuführen. Da flößte denn Gott den sieben Jünglingen, die in der Höhle schliefen, neues Leben ein; sie erwachten, begrüßten einander und glaubten nicht anders, als daß sie |HW eine Macht geschlafen batten. Wieder sandten sie Tiomedes aus, er solle in der Stadt erfragen, was Kaiser Dectus ^beschwisen habe, auch sollte er Boot kaufen. 'Ms Tiomedes in die Ltadt kam, ivun- derte er sich nicht wenig, als er cm allen Toren das Kreuzeszeichen sah und viele beim Namen Christi schwören hörte. Dve Ltadt Gph^ sus kam ihm völlig fremd vor. so hatte sie sich rn den -OO Jahren — es war im Jahre 447 — verändert.. Als er dem Bäcker das Brot bezahlte, wunderte -sich dieser über die alte Mun^e und meinte, Tiomedes müsse einen Sichatz gefunden haben. Du Kunde, er habe einen Schatz gefunden, durchlief die Stadt; das Gerücht kam dem Bischü und dem Statthalter zu Ohren, uno bte M änner von Ephesus führten den Jüngling diesem vor. Bei, dein Verhör wäre es Tiomedes beinahe schlecht gegangen, oreme ferner Angaben fand Glauben, und er selbst wußte aus den Worten der Epheser uickit 'klug zu tverden. Schließlich fiel er vor dem Bifchof aus die Knie und fragte, wo der Kaiser Tecius sei. Der Bischof erwiderte, Kaiser Tecius sei schon vor vielen Jahren gestorben, ivorauf Tiomedes den Bischof ansfordertr, ihm zur^Höhle des Berges zu folgen. Tos geschah: der Bischof, der Statthalter, die Vornehmeii der Stadl und eine große Volksmenge erstiegen den Berg, wo sie das Wunder erkannten trnd bald auch), die Tafeln fanden, auf denen die Geschichlte der sieben Jünglinge Verzeichnis war. Kaiser Theodosius erhielt Kunde von dem Wunder und kam selbst von Konstantinopel herbei, siel vor den sieben Märtyrern auf den Boden und dankte dem Herrn, daß er den Christen dieses Wundei- der Auferstehung gezeigt habe. Bor aller Augen legten darauf die Jünglinge ihre Häupter nieder auf, die Erde und entschliefen. Thoodosius.ließ sieben goldene Schreine für ihre Leiber unfertigen.
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** Auszeichnun g Tem Gefteiten Hermann. Weiß wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen; die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt er schon 1916. — Der Diener. Georg Schupp Von hier, der als Militärkrankenwärter-Gefteiter im Felde steht, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
** Beförderung. Gefreiter Franz Veith, Inhaber der Hessischen TapferkeilsmedaiNe, wurde zum Waffenmeister und Unteroffizier befördert.
** Meldepflicht für gewerbliche Verbraucher von Kohle, Koks Und Briketts im Monat Juli. Es sei wieder darauf hingewiesen,,daß der in unserer gestrigen Nummer veröffentlichte Hinweis sich rtirr auf die Verbnrucher bezieht, die über 20 0 Zentner monat- l i ch verbrauchen.
** D i e b st a h l. Am 25. d. M. wurden in hiesiger Stadt zwei weiße Gänse mit grauen Köpfen gestohlen. Es sollen Kinder gesehen worden sein, die die Gänse in der Wetzsteingasse vor sich Hertrieben.
** Wem gehört bie gestohlene Wäsche und Schuhe? Bei einer Durchsuchung wurden tin weißer, wollener Kinderrock mit Leibchen, zwei weiße Kinderhemd- chen, davon ein größeres mit Spitzenbesatz und Achselschluß, ein weißes Kinderhöschen, eine weiße Trägerschürze und ein Paar Damen-Halbschuhe mit Spangen vorgefunden und beschlagnahmt, die offenbar von einem Diebstahl herrühren weshalb die Eigentümer ersucht werden, sich dieserhalb mit der hiesigen Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen.
** schützt Getreide vor Mäuse fraß! Ein äußerst wirksames Mittel als Schutz der Scheunen und Schober gegen Mäuse bildet der Wacholder. Bei Schobern wird das Getreide etwa. 60 Zentimeter hoch und der Erdboden um den Schober herum etwa 30, Zentimeter breit mit einer einfachen, jedoch dichten Wacholder- schicht bekleidet. In den Scheinen säubert man vor Einbringen des Getreides die alte StroHunterlage und legt den Wacholder so aus, daß es den Mäusen unmöglich gemacht wird, in die Scheunen- släche von außen hincinzukommen, also etwa au den Riegeln und den Eingängen. Die Erfahrung lehrt, daß derartig geschützte tdfobex und Schennensächer frei von Mäusesraß bleiben, weil wie anzunehmen ist, die Mäuse, die diese hin und wieder verlassen, nicht wieder iwrthin zutückgelaitgen können. Das Anbringen des Wacholders, muß möglichst sofort statt finden, sobald der Schober oder das <-cheu:ienfach vollgefahren ist. Ter Wacholder bildet für die Mäuse ein 'müberwind bares und unzerstörbares Hindernis; denn bei dem Versuch, darüber himvegzulaufen, kommen die Tiere stets mtt ihrem ganzen, Körver auf die Wacholderstacheln zu liegen und bei dem Versuch, einen Stachel abzu nagen., stoßen sie mit Nase, Augen und Ohren gegen viele ^andere Stacheln. Unter solchem L-chutze ist Getreid? 7ür Mäuse omzugänglich.
A k t i v e F e l d w e b e l als Z e u g l e u t n a n t s. Akttve Zeugfeldwcbel und Oberfeuerwcrker können jetzt während des Krieges zu Zeug- und Feuerwerks-Leutnants des Beurlaubtenstandes, ebenso lvie Unterofsiziere zu Feldwebel-Leutnants, befördert werden. Das Wnmba des Kriegsministerimns hat setzt die Voraus- setzrmgen aufgestellt, imter denen der Vorschlag zur Beförderung M Zeug- und Feuerwerks-Leutnants der Reserve stattsinden kann. Krmrussetzung eute mindestens 12jährige aktive Dienstzeü und
fortgesetzt ausgezeichnetes Verhalten roährend des Krieges. Der! Vorznschlagende muß nach diensttichen Kenntnissen und Leistungen, soldatischem Verhalten, militärischen Formen, Führung in und außer Tienst und allgemeiner Bildung geeignet sein. Er .muß kriegsverwendungsfähig oder bei einer Tienst- oder Kriegsdienst- beschädigung voll garniso^.oerwendungssähig sein. Er muß den. zweijährigen oder oberen Lehrgang der Oberseuerwerkerschule mit Erfolg besucht oder die Befähigung dazu erlangt haben. Er muß ich in einer freien Zeug- oder Fenerwerksosftzierstetle befinden.. Notwendig ist auch die Bestätigwig einer Zivilbehöiä)e oder Privat- irma, daß er nach dem Aussck-eiden aus dein Heeresdienst znv Probedienstleistung in eine Stelle einberusen wird, die als >ine gesicherte und den Standes Verhältnissen entsprechende Lebensstellung anzusehen ist. Tie Beförderung gilt als Entlassung aus dem aktiven Äcilitärdienst.
** Eine neue Ai aßna h m e g e g e n d i e B e r a u b u n g aus der E i s e n b a h n. Stückgüter werden jetzt vielfach schon beraubt, ehe sie vvn der Güterabfertigung angeorommen sind. Die allgemeinen Absertigungsvlorschristeu schreiben nun vor, daß von der Verwägung unter bestimmten Voraussetzungen abgesehen werden kann. Ter Minister der öffentlichen .Arbeiten liat jetzt an geordnet, daß dieses Verfahren aus Sendungen van Lebensmitteln nicht anzuwenden ist. Dasselbe gilt für alle Güter, die erfahrungsgemäß der Beraubung besonders ansgesetzt sind, ch.ü Gütern, die nicht oder nicht in gleichem Miaße der Beraubung ausgesetzt sind, verbleibt es bei den: bisherigen Versalien. Hier handelt es sich hauptsächlich um Sendungen mit .Eisen, Näaichwenteilen, Feuergut, Möbeln usw. Auch bei der Stückgutbefördenmg vvn Anschlußgleisen tritt eine Aendernng nicht ein. Tieselbe Awoeisung haben auch die Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen erhalten.
** Verwertung ungesäuerter Milch im Haushalt. In der jetzigen heißen Jahreszeit ist cs zumal infolge der verminderten Desörderuugsmöglichkeiten nicht immer zu vermeiden, daß die Bezugsberechtigten Milch in angesäuertem Zustande erhalten. Da saure Milch ein ebenso ivertvolles NahrungsmfttÄ darstellt wie süße Milch, so ist ihre restlose Verwertung im Haushalte in der Kriegszeit von besonderer Bedeutung. Vielfach wird angesäuerte Milch von den Hausfrauen zur Bereitung von Käse- guark benutzt, jedoch gehen hierbei die in den Molken verbleibenden wertvollen Nährstoffe, besonders der Milchzucker, verloren. Dies kann leicht vermieden werden, 'wenn das Zusammengehen der an
Stern zum Kgl. Kronenorden 2. Klasse. (Gestern schloß sich in dem mit Vlumeri geschmückten Hörsaal der juristischen Faftrltät in der Universität eine^ von seinen Hörern veranstaltete kleine Jestserer an. Tie Universität' Göttingcn erneuerte ihm sein Doltordiplom. — Der a. o. Professor der Philosophie, Dr. Ose. Weigel/wurde zum ordentlichen Professor ernannt.
Vvtefknften fcer Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
A. v. im Felde. Tie Hess. Tapferkeitsmedaille kommt am Kriegsbande zur Berleihang au Kneg-.-tälneh uer, ,ow i )i- lessi che Staatsangehörige sind, in l-essisiäien Formationen stehen oder früher längere Zeit gestanden haben und einer Auszeichnung würdig erachtet werden. Ausnahmen von diesen Gruuf s."tzm sind Vorbehalten, doch soll die Auszeichnung nickst gleick>zeitig mit dem Eisernen Kreuz, sondern erst nach erneuten Verdiensten verliehen werden.
veizt die Zufjbödrn! Ans wiederholte Anfragen sei mitgeteitt, daß die Firma, !velck)je die Fußboden beize vertreibt, z. Z. hier in Gießen iwch nicht vertreten ist, daß oder, ivie wir ^rsahreir haben, in nächster Zeit auch hier eine Zweigstelle eingerichtet wird. Tie Oessentlichkeit wird dann sicher liinfassenb Kenntnis erhalten.
£. H. Wir empfehlen Ihnen die Broschüre „Wie tverde ich Seeoffiziers" von Frhr. v. Bülow, die bei Mittler 6- Sohn, Berlin, erschienen und aus der alles Nähere für Sie zu ersehen ist.
LetztNa^vrchLe«.
Dcv neueste Bericht der Heeresleitung.
(WTB.) Großes Hauptguartier, 27. Juni. (Amtlich.)
W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und Deutscher Kronprinz.
Die Lage ist unverändert. Rege Tätigkeit des Feindes lüirdlich der Tcarpe und Somme, westlich von Soissons und südwestlich von Reims. Auf der Kathedrale von Reims wurden erneut Beobachter des Feindes erkannt. Während der
gesäuerten Milch beim Kochen durch einen geringen Mehlzusatz ver- Nacht nahm die Artitlerietüligkeit auch an der ülh v en Front
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hindert wird. Für 1 Liter Milch verwendet man einen Eßlöffel voll Mehl. Das Mehl wird mft wenig ungekochter Kstilch in einer Tasse glatt verrül)rt und alsdann der anderen Milch zugesetzt, die nunmehr unter ständigem kräftigen Umrühren zum Kochen erhitzt wird. Durch das ständige Quirlen wird das Zusammenballeir und die Abscheidung des Käsestoffes in größeren Klumpen verhindert, und man erhält eine Milch, die, ähnlich wie Buttermilch, das Milcheitveiß in seinftockigem Zustande enthält und nicht nur ein wohlschmeckendes Getränk darstellt, sondern auch in Suppenform genossen tverden kann, ohne daß irgendwelche Nährstoffe verloren gehen. Insbesondere ist die so zubereftete Milch auch für die Kinderernährung gut geeignet.
Landkreis Gießen.
** Allend orf a. Lda., 26. Juni. Musketier Max Joseph erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Tie Hessische Tapferkeits- medaille wurde ihrn schon früher verliehen.
z. Geilshausen, 26. Juni. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt Heinrich P c e i tz, So^r des Landwirts Christian Preiß.
** Grün b erg, 26. Juni. Sckstitze Mvotz, Solm des Hch.
Kappes II., erhielt kürzlich zum Eisernen Kreuz 2. Klasse die Hessische Tapserkeftsmedaille.
Kreis Lauterbach.
rr. Lauterb ach, 25. Jimi. Tie diesjährige Synode des Dekanats Lauterbach findet hier am Z. Juli statt. In der Hauptsache wird sie sich mft der Bornahnw von Wahlen befassen. Außerdem flehtjem Vortrag auf der Tagesordnung.
rr. S ich l i tz, 25. Juni. Für die Ludendorsf-Spende gingen hier 1521 Mark ein, darimter ein Beitrag des Grafen Wilhelni von Schlitz m Höhe von 500 Mark.
Kreis Schotten.
tt Schotten, 25. Juni. Im Friedberger Lazarett starb nach schwerer Krankheit der Fahrer Fritz Po PP low, Inhaber des Eisernen Kreuzes. Auf dem Felde der Ehre starb der Gefreite Karl M e i d t, Inhaber des Eisernen Kreuzes wrd der Hessischen Tapferkeilsmedaille. In einem Feldlazarett starb der Pionier Karl Drescher. — Hartmannshain. Auf dem Felde der Ehre starb der Unteroffizier Fritz Luft, Inhaber des Eisernen Kreuzes und _ der Hessischen Tapferkeitsmedaille. — Rainro d. Sein 25- jähriges Jubilärrm als OrtsgerichjtsvvrsLeher und Standesbeamter feierte der Bürgermeister und Mühlenbesitzer Karl Viehl.
e. Ulfa, 25. Juni. Musketier A!ppel, der einzige Sohn seiner Eltern mrd Karl Jäger starben den Heldentod für ihr Vaterland.
e. in rief* ft ein, 25. Juni. Wegen Ausbruchs der Tollwut unter einem Rindvichbestmrd in Ober-Seibertenrod wurde die Sperre bis zum 16. September d. I. verlängert.
Kreis Fricdberg.
4b Fried ber g, 26. Juni. Nach 44jähriger Dienstzeit tritt am 10. Juli der Kanzleirat Graulich in den Ruhestand.
Hessen-Nassau.
= Fraukfurt a. M., 25. Juni. Zum dritten Male ist der berüchtigte Wohinmgseiubrecher Scheller entsprungen. Men Anzühen nach bäxt: er sich abermals in Frankfurt aufh lte.i und, hier seinem „Gewerbe" nachgeheir, bei dessen Ausübung er eine besonders erfolgreiche Rdethode zur Anwendung bringt. Am Hellen Tage steigt der sehr gut gekleidete Burscho von den Hintergärten in die zu -ebener Erde gelegen.cn. und geivöhntich offen steheirden Schlafzimmer eftl. Hier schließt er alle nach den anstoßenden Zimmeret führenden Türen ab, plündert heit Raum aus und verschwindet auf den: gleickren Wege, den er femt, mit seinem Raube.
Scheller hat auf diese Weise bisher mehr als 50 Diebstähle aus- geführt. ^
Geviclpssnal.
I Darmstadt, 26. Juni. Vom Schöffengericht Darm stadt I wurde die Gattin des hiesigen Arztes Tr. L e y d h e ck e r wegen Uebertretung von Kriegs Vorschriften zu Geldstrafen von 1000,
630, 300 und 100 Mk. verurteilt. Sie halte auf dem Schleichhandel große Merrgen von Lebensmfttelü, Butter, Mehl, Kartoffeln,
Vollmilch ohne Karten, Bezugssck-eftr oder ärztlich' Vorschriften eingekauft. Tie Tierrstboten wurden natürlich von dem (benutz der^ Hamsterware cnrsgeschlossen, und eine Aushilfskraft, die nur drei Wvcki-en beschäftigt war. plauderte aus. I:: der kurzen Frist von drei Wochen hatte die Frau 22 Pfund Butter (Preis 8,10 Mk. und mehr), 50 Pfturd Mehl (das Pfund 1,70 Mk.),
5 Zentner Kartoffeln (der Zentner 15 Mk.) und täglich 2 Liter Vollmilch (gegen Trinkgeld) urrrechtmäßig für ihre außer den Dienstboten aus drei Köpfen bestehende Familie gehamstert. Ursprünglich waren gegen sie Strafbefehle in der Höhe von 3200 Mk.
>Lrlassen tvvrden, gegen die sie Berufung eingelegt hatte. Ta inzwischen die Bestimmtlng herausgekommen war, daß die Ueber- schreitung der Höchstpreise für den Käufer straffrei ist, wurde die Strafe, wie oben mftgeteilt, herabgesetzt. Bon den Verkäuferinnen I)tette sich eine bei dem Strafbefehl berrrhigt, die andern tvurden zu 630 Mk. (Kartoffeln), 150 Mk., (Butter) uud 100 Mk. Milch) und zur Einziehung des Uebergetvinns verurteilt.
jr Marbur g, 26. Juni. Anläßlich des 50jährigen Tvktor- jubiläums des Seniors der juristischen Fakultät der hiesigen Universität, des Geh. Justizrats Prof. Tr. E n n e c c e r u s, wurderr dem verdienten Jubilar eine Menge Glückwünsche und Ehrungen!
zuteft. Ter Kürator der Universität, Geh. Ober-Negienmgsrat sowie die Berbindrmg n durch Tclen rrb imd Telephon mft Dwnt<
zwischen Ufer und Marne in Verbindung mit Ercrmdungs- gefechten der Infanterie wieder zu.
Heeresgruppe von Gallwitz.
Auf dem östlichen Maasufer führten wir erfolgreiche Erkundungen durch. Nördliche von Sr. Mihiel wurde ein stärkerer Vorstoß des Feindes abgewirsen.
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Aus feindlichen Bombenstaffeln, die in den beiden letzten Tagen zum Angriff gegen Karlsruhe, Offen.burg und das Lothringische Industriegebiet wffLießen, wurden 5 Flugzeuge abgeschosftn. Unsere Bombengeschwader griffen gestern Paris und auf dem Wege dorthin BahriknoteuMnkte uud Flugplätze des Feindes an.
Leutnant Runly ermng ftinen 25. Luftsieg.
Der Erste GeneralguartierureisLer Ludendorff.
Die englische Presse und die Rede Kühlmanns.
Am st er dom, 26. Juni. (WTB. Nichchnftlich.- Reuter telegraphiert aussührliick^e Kommentare der englischen Blätter zur Rede; Kühlmanns. Tie „Times" schreibt: Die Rede enthält keine Stelle und keine Silbe, die darauf hindsutet, daß Teutschland in der großen Frage, um die die Welt kämpft, auch nur um Haaresbreite von seinen tradftioitellen Anschatmtrgen abgcMtge sei. Atlch bekennt sich Teutschland noch zum Aäftilarismus, ohne aua) nur die geringste Spur von Zweifel wrd Ruhe^zu verraten. Ter Krieg wird sick)erltch sv lange faiuraioent, als Teutschlcutd die Politik ber Rede Kühlmanns unterstützt. Kühlmann hält es .für zweckmäßig, die Totsack)e zu übergehen, daß Amerika berefts am Kriege teilnimmt, mrd daß die Alliierten eine tatsächliche Erklärrmg über ihve Kriegs-' ziele abgegeben haben. ^.Er wird die meisten dieser Ziele mit einer Präzision, die TeutsMand nicht nachzuahmen lvagt, irr den Reden Wilsons finden, nämlich in der Botsckjaft an den, Kongreß vom letzten Jahre. Unter ihnen nimmt eine hervorraMtdü Stellung die Forderung nach der Räumung des ganzen russischen! Gebietes 'imb nach einer Regelung, die Rußland unbehindert Gelegenheit geben würde, mft Hilfe dec fteiett Nationen selbst über seine Enllvicklmtg und Polftik zu e^rfchüden, ein. — „Fally Expreß" schreibt: Tie Alliierten chrbeu nickft die Msicht, über einen Frieden zu verhandeln, der Teutsthland die .Uebermacht inj Osteuropt überlassen würde. — „Taily Chvoniole" schreibt in efttem „Tie Fried-ensvffensive'' betitelten Artikel, Kühlmanu habe es mtterlassen zu sagen, daß die Miierten mehr als einmal ziemlich ausführlich öffeittlich ihre Friedensbedingungeit formuliert haben, während Dechsch'and sich darauf beschränkte, zu erklären, daß sein (öebiet einschließlich der Kolonien und d>rs Gebiet seit rer Verbündeten ungeschntälert erhalten bleiben müsse. Das Blatt schließt mit den üblickM dlusfälten gegen Tetttschlands Vertragsbrüche mrd Grausamkeiten. — Tie anderen Blätter äußern sich ächtlich „Tally News" schreibt: Wenn Kühlmanns Darlegungen die gagLtmärtigl rn Teutschland herrsckieude Stimmung wiedergebcn, so steht zü befürchten, daß die Friedntskonferenz nvch nicht in Aussicht ist. Jur übrigen halten es die Blätter für ein gtrtes Zeichen, daß atlch Kühlmann !der Ansicht ist, daß der Krieg nicht durch eine m i l i t ä r i s ch e E n t s che i d u n g b e e n b e t lrerben könne. TieS sei wenigstens etwas, nätnlich der Anfang des Willens zum Frieden.
Mi niste rkonserenz der drei Nordstaattn.
Kopenhagen, 26. Juni. (WTB. NftlOamtlich.) Die Mini st erkv n seren z der drei nordischen Staaten hat heute hier begonnen.
Die Ernührum;sfrage in der Schweiz.
Bern, 26. Juni. (WTB. Mchtamllich.) Bei der BelumdliMit des bundesrätlichen Berichtes über die Neutralitätsmaßnahment kam es im National rat zu Debatte!t über die Ernährungsfrage, die von verschiedenen Rednern als bÄrrohlich geschildert wurde. Mehrer.' Redner verlangten eine bessere Erfassung nndi gerechtere Verteilung aller vorhmcdeuen Lebeusmfttelvorrätr imtev die gesamte Bevölkerung.
Birndesrat Schult Heß, der Chef des Bolkswirtschasts- departements, stellte fest, daß neben der durch die Abbäugigkert der Schiverz von der Einfuhr aus dem Ausland bedingten Teueruugt tatsäck-lichl eine gewisse küuslliche Deuermtg l>estehe, al- Finge ellieS Auflaufs und enter Zurücklxilttntg von Mrren. Er versicberte, daß der Bundesrat energisch gegen jegliche Hamstere, eiirschreiten werde. Gr verteidigte sodann die Ausfuhrpolitik der Regiermtg und.erklärte, von jedeni Bürger ntüsse l>eu^ verlangt werden, daß er sein persönliches Interesse dem Gesamtinterefler unterordne und sich der notwendigen Be>chrämkungeu unterziehe. Burtdesrat Schultheß schloß jeine mft starkem Beifall' aufgenom^ mene Rede mit der Erklärung, der Bitndesrat werde alles ttm, unt den sozialen Frieden im Lande auftecht zu erhalten, wöbet er aus die Mitwirkung aller Parteien intb die Stände aller (hegenden -des Landes reckwe .
Hockyvasser in Norwegen.
Kristiania, 26. Juni. (WDB. NickMmllich.) JMlge starker Niederschläge nnd Hockiwassers im Gillaftuß ist die Elisen b ahn * strecke Kristiania-Dr ont heim auf einer 'Strecke voit 67 Kilometern zwischert Lwtglotat und Stolvren w e g g e s p ü l t. Tie Eisenbahn brücke ist ein ge st ürzt, so daß jeder Zug-, verkehr eingestellt werdest mußte Auch der Land6raßntverkehr.
Hasseupflug, überreichte dabei dem Jubilar den diesem verliehenen' heim sllid unterbrvchu.


