Hl 12 5 ZNetteZ Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
KreiLag, 3(. Mai (9(8
Ans Sterdt und Can®.
Gießen, den 31. Mai 1918.
** Auszeichnungen Das „Verdienstkreuz für Kriegs- Hilfe" wurde verliehen: den Lokomotivführern (öeorg Beling und Karl G ö b e i, dem Res-Lokomotivführer Karl Martin, dem Borschlosser Peter Hardt, dein Hilf sarbeiter Heinrich Werna n dt rnd den Lokomottvputzern Konr-ad Ä1L älter und Jakob S e i b e r t, sämtlich an der Betriebswerkstätte Gießen. — Das „Allgemeine Kriegseh ren-eichen" wurde verliehen dem Inhaber der Firma Joh. Balth. Noll, Kommerzienrat Adolf Noll, dem Prokuristen Karl .Heinrich Kühl, dem Buchhalter Richard Buff und dem Vorarbeiter Paul Wiedermann aus Launsbach, sämtlich in der Firm« Joh. Balth. Noll, Zigarren-Fabriken.
Ü Theologische Konferenz z n Gießen. Tie gestrige Konferenz wurde mit Schriftlefmrg rttrd Gebet durch Prof. Schi an eröffnet. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Fraget i sprach Prof. Krüger, der Vorsitzende der Konferenz, über „die christlrche Dichtung zu Ausgang der antiken Wett"'. Ten Meilen Bortrag hielt Pfarrer Friedrich Manz- Fvatcksurt a. M. über derr „Ausbau der evangelischen volkskirchlichen Arbeit". Gr führte il. a. aus: Tre Aufgabe der Volkskirche ist: 1. eine Neubelebimg der gottesdien, utchen Formen, auch« der Abendmahls feiern herbeiznführeir, 2. Schaffmig der diäkoniscken Aemter, Helfer und Hetferiirnerr, 3^ Ausbau des kirchlichen ^elbstbestiinnrirngsrechtes ohne mechanische Trenirung von Kirche und Staat: die Kircfe muß ihr Amt selbständig auÄmr^n können. 4. Verfassungsmäßigg (Einfügung der Frauen in che kirchliche Arbeit, 5. Schaffung eurer Arfettsgemeinschaft zwilchen den evangelischen Landeskirckeu Teutsch>lands. An den eindrucksvollen Vortrag schloß sich eine erngel-ende Aussprache, cm_ der sich Prof, v S ch i a n - Gießen, Geh. Krrchenrctt v S ch l o s, e r - Frankfurt, Pfarrer Weck. Prof D Budde u. a. m. beteiligten.
** Jungwehr. Samstag, 1. Juni S 1 U Uhr: Antreten an der Uinversttätsbibliothek.
kirchliche Nachrichtem
Israelitische Rellgionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag 1. Juni. Vorabd.: 8.30: mora.: 8.30 Predigt: abds.: 9.45 u. 10.25. — Israelitische Reli^ionsgesellschasl. Sabbatfeier am 1. Juni. Freitag abd.: 8.15; Srmstag vorm.: 8.30; nachm.: 4.30: Sabbatausg.; 10.25. Wochengottesdienst: morg. 7.00, abds. 8.00.
Sricf(a(kn dev Redaktion«
t. K. in O. Ter Preis für abgelieferte Guinmibeveifung ist vom Kriegsantt (Kriegs-Rohstoff-Abteilung) in Berlin festgesetzt. Wir empfehlen Ihnen, sich dorthin zn wenden.
Kein Deutscher
darf seinen Dank den heldenhaften Brüdern weigern, die mit ihrem Leib Deine Heimat und Dein Haus beschirmten. Schaff ihnen neues Leben, neues Wirken!
Zeig Dich ihrer wert!
Schließ Dich der Lndendorff Spende an!
vermochte».
kv. Würzburg, 30. Mai. Der Postselretär W e y d e wurde nachts in seiner Wohnung erstochen. Sein Schwager, Magi- stvatsoffiziant Werner, ist der Tat verdächtig verhaftet worden.
** Jugendwettkämvfe 1918. Die diesjährigen Au s - scheidungskämpfe für Jungnlannschaften des Kr eises Gießen finden Sonntag, 9. Juni, vormittags 8 l / 2 Uhr, auf der Hardt statt. Nach den eingegangenen Verfüg imgen tritt an Stelle des .Hindernislaufes der Schnellauf über 100 Meter, so daß für die Ausl cheidungskämpfe als Uebnngen in Betracht kommen: 1. Schnellauf über 100 Meter, 2. Handgranaten-W-eitwurf aus dem Lauf mit .Hinwerfen, 3. Weitsprung ohne Sprungbrett.. 4. Ent- fernungsschätzen urrd 5. Schtrell-Seh- imd -meldeübung. Die Endkämpfe der Provinz Oberhessen finden ebenfalls auf der Hardt Sonntag, 23. Juni vormittags 8 V 2 Uhr, statt. Zu den obigen Pflichtübungen treten hierbei noch Wahlübnngen. Die Wettkämpfe nm den Hindenburg-Schild ftnden Samstag, 22. I u n i 4 Uhr, auf der Hardt statt.
** Besitz Wechsel. Der im Jahre 1913 von der Gräflichen Brauerei infolge Zwangs Verkaufs erworbene Wind hol bei Gießen ist zum Preise von 82 000 Mk. cm die Firma Schnnk und EVe, Fabrik künstlicher Kohlen in Für l d a . verkauft worden.
Hessen-Nassau. v
ch. Von der Mosel, 30. Mai. Eine Besichtigung der fei Senheim entstandenen Hoch- und Bergwasserschäden wurde durch den neuen Regierungspräsidenten v. Gröning und Beamte der Kgl. Regierung in Zell und Cochem vorgenommen. Dafei handelte es sich außerdem um Besichtigungen und Besprechungen der Pläne für die rechtsseitige Moselbahn, deren Durchführung mit einigen Moselbrücken in der genannten Gegend nötig ist. Die Unternehmungen haben große Schwierigkeiten an den fetr. Stellen, weil die schwierige Kreuzung dicht oberhalb der bekannten oorspringenden „Senheimer Lap" in Frage kommt. Wenn der Bahndamm freilich nicht unmittelbar am Ufer her, sondern landeinwärts durch die Berge geführt wird, dann kämen diese Schwierigkeiten nicht in Betracht, auch wäre das Projekt so wirftä-aftlicher. und das reizende Beilstein und das herrliche Senhüm blieben in ganzer Naturschön- heit erhalten.
Kreis Wetzlar.
ra. Aus b e nt Kreise Wetzlar, 30. Mai. Sämtliche Schulen unseres Kreises sind verpflichtet, mirrdestens dreimal in
der Woche mit den Kindern Frischlaub zu sammeln und zu Heu zu
verarbeiten.
*TerVerbandfürJugendwohlfahrtinDarm- stadt hat in der letzten Zeit verschiedene Merkblätter („An Brautleute", „Ein offenes Wort an die Jugend", „Jfe deutschen Väter und Mütter", Für Volkskraft und Gesundheit" usw.) herausgegeben,. die auf Wunsch gerne kostenlos zugesandt werden. Anfragen sind zu richten au die Geschäftsstelle des Verbands für Jugeudwohlfahrt, Darmstadt, Waldsttaße 6 . Zimmer 2 .
* 2H£ unter der Schirmherrschaft des Großherzogs von Sachsen stehendeRenten- und Pension s a n st a l t f ü r d e u 1 s ch e bildende K ü n st l e r (Maler Bildhauer, Architekten, Kunstgewerbler, Kupferstecher, Radierer, Zeichner usw.) mit dem Sitz in Weimar hat ihren Geschäftsbericht für 1917 erscheinen lassen, der den gemeinnützigen Zweck der im Mai ds. Js. auf ihr 2 5 j ä h r i g e s B e st e h e n zurückblickenden Anstalt aufs neue deutlich kundtut.
Letzte '^2^rrc^)vicdten.
Dev neueste Nevkebt dev KeeveLleitung.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 31. Mai. (Amtlich.)
W e ft l i ch e r Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Arlilleriekänrpft wechselnder Stärke. Kleinere Jnfante- riegefechte.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Dem von der Ailette-Front südlich der Oise weichenden Feinde stießen wir über die Oise und Ailette scharf nach und gewannen die Linien Vrerigin^-St. Paul—Trosly— Loire. Nördlich der Aisne warfen wir im steten Kumpf den Feind über Bieucy—Chavigny zilrück. Südlich von Soiffons führte der Franzose Kavallerie und Infanterie zu heftigen Gegenangriffen vor. Er wurde von unserem Feuer vernichtend gefaßt und geschlagen. Wir haften die Straße Soissons —Hartenes überschritten. Die in der Richtung auf Fereen- Tardenois von Südwesten über die Marne mw von Süd
osten her herangeführten französischen Divisionen vernwchten trotz verzweifelter Gegenangriffe nirgends unseren vonvärts- drmgenden Korps erfolgreichen Widerstand zu leisten. Rückwärtige Stellungen des Feindes bei Arcy u.w Grand Rozoy wurden durchstoßen. Südlich von Fere-en-Tarderwis haften wir die Marire erreicht. Die Höfen bei Chainvoisy, St. Gemme, Romigny sind in unserem Besitz. Auf dem Südufer der Aisne, westlich von Reims, wurden Germigny. Gueux und Thillois genonrmen.
Gesängenenzahl und Beute sind ständig im Wachsen. Mehr als 45 009 Gefangene, weit über 400 Geschütze, tauende von Maschinengewehren.
Der Erste Genernlgnarticrmeister Ludendorff.
Der Kaiser und Hindenburg auf dem eroberten Winterberg.
Berlin, 30. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Ter Kriegsbericht- erstatter Kart Nosner schreibt im „Bert. Lok.-Anz": Schlachtfeld un der Aisne, 28. Mai. Genau 24 Stunden, nachdem unsere Stürmer die letzten Engländer auf dem Winterberge niedergekämpst hatten, ist der Ka i s e r feute in fern längst unter dem Feuer des Krieges vom Erdboden verschwundenen C r a 0 n n e erschienen, um von Ha xnts die so lange !mch so lieiß unrkämptte Höhe, die nun schon toieder tief in dem nettgewonnenen Lande liegt, zu ersteigen und von ilirem 'beherrschenden Gipfel «einen Blick über das Schlackst feld zu gewinnen. Eraonne ist jetzt eine ausgelöschte Stadt. So ist diese einstmals von Waldlarch und Wiesens! ächen bestandene Höhe ein kahles Grauen, ein steiler Berg aus aufgewühltem Kreidekalk, auf dem Drichhftr -,an Trichter liegt und in dessen tiefen Stollen Löcher gegraben sind, und der furchtbar mit Drahtstellungen und Maschinengewehren betrehrt war, bis unser Feuer und unser Sturm diese Waffen des Berges zerbrachen und seine Bertechiger besiegln. Alles Entsetzen des Kampes vedet noch aus den Bildern dieser zerbrochenen Unterstände und dies>er zerschlagenen Stellungen. Unsere Leute sind eben dabei, die toten Engländer zu begraben unds das überreiche verlassene Material zu sichten. Der Kaiser über- ßrh von der Höhe des Berges die wette Linie der Kämpfe und sah nach Reims, das unter den Rauchsck-waden gewaltiger Brände lag. Er war soeben noch in die Betrachttmg des überwältigenden Panoranras versunken, als auch der General eld mar schall auf der Höfe erschien. Der Kaiser hatte ihn: gestern von. seiner Absicht gesprochen, den Winterferg zu besteigen, und Hindenburg hatte daraus den Wunsch, dort mit dem obersten Kriegsherrn zusmnmenzutreffen. Der Kaiser sprach es aus, daß er das Glück, von dieser neu- gewonnenen Höhe über neugewonnenes Land zu blicke::, doppelt stark empfinde, da er es nun mit dem GeneralkeÜ>marsck)all teilen könne, mit ihm, dessen Arbeit einen so geivaltigen Anteil an der glücklichen Führung dieser Schlacht hat. Gememsam mit Hindenburg besichtigte der Kaiser dann in einem langen, langen Marsche Mischen! Gräben, Trichtern. Drähten und Einschlaglöchern die bezwungenen Abwehrstellungen des Damemv^ges. Ms er denGeneralfeldmarsckxül einmal fragte, ob ihm dieses Klettern nicht zu beschwerlich wäre, meinte Hindenburg lächelnd abwehrend: >.Es ist mir ja so gesund. Euer Majestät, daß ich ein wenig in Bew.'gung komme." Zwischen den unzähligen votuvartSmaiffchierenden Männern und vordrüngen-- beit Kolonnen durchschritten beide dann den Weg nach unten zurück durch Cvaonne. In dem Trichterlande von Craonne trafen sie wieder ui:erwartet, aitf den Kronprinzen, der eben von seinem Bruder Eitel Fritz und dessen Division kam und vor zu den Kampfe trtrppen wollte. Die Begrüßung des Kaisers mit dem Kronprinzen, die sich nach diesem neuen Siege zum ersten Male sahen, war voll glücklicher Herzlichkeit und fand ihren jubelnden Widerhall in den lauten Hrrrrarusen der Truppe, die immer wieder in diesen Tagen schwersten Kampfes die 3(ähe der höchsten Führer als ein Zeugnis deutscher Svldateneinhat aus dankbarem Herzen bejubelt.
Der Eindruck des deutschen Sieges in Paris.
Berlin, 31. Mai. In Paris rüstet sich, der ,^Zvffischen Zeitung" zufolge, ein großer Teil her Bevölkerung zur Flucht, nachdem die wohlhabenden Schichteit. luie man sich ausdrückt, Vvn ihrem Ostercutsfluge noch nickt zurückgekehrt sind.
Tem „Berliner Tageblatt" zufolge soll sich Clemenceau in tief erregter Stimmung befinden. Lluch Tränen liesm ihm aus den Augen, wie es in einer Mittelluttg feißt.


