Auch tvrf pxmHöftsche 22. Droffwn, tue rm MschE^AÄIes> tz *m y - Cv''rtecon flberrnnnt nntrbe, ift eine alte liefaitnte Division .ans der großen Säüncht. Sie versuchte im März dieses Jahres h.i Rove unseren Vormarsch aus-Kuhalterr, kam aber zu spät, um die Niederlage dec z-chntcn Division m verhindern, und itmrbe in die allgemeine Dlmcht mü !)nrerngrerissen. Daß die Franzosen txm der Anwesenheit der Engländer im N a ch b a r a b fdj n. i 1 1 nichts tri f | e n, läßt darauf schließen daß ihnen diese Tatsache nüt Micksicht auf das gespannte Verhältnis von den eigenen Offizieren verheinlicht wurde. Ms die Gefangeneir hörten, daß die Deutschen schon an der Aisne seien, wurden sie sehr bedrückt. „(5ji toujonrs 1 • mente", sagte einer von ihnen. Unter den englischen Gefangenen besiitden sich auch amerikanische Aerzte, ein Zeick-eu für den im englischen Heere herrschenden Aerztemangel.
Erfolge eines einzigen Anlauf-.
Berlin, 28. Mai. (WTB.) Cerny Courtenvn und die Bove! Ic H o ch fläche, die berühlrnten Mittelglieder des gewaltigen uatürUck-en ssestungÄvalles des Damemveges, wurden 'von unserer Jwanterie in einem einzigen Anlauf strotz, sicher Gegenweh ü berrannt. Ilm diese Leistung voll zu wurdi- jgm, muß man sich der zahllosen imürer wieder mit tagelanger überwä!tt,?ender Ariillerievorl'ereitung unternommearen erbittertes Mksienamari fe erinnern, welche die Franzosen von April bis Juni I.917 hinein unternahmen, oUitc daß es ihnen gelang, die zähen Berteidcger r^m Nnrötzaivg des Chemin des Dantes-Rückens hrnab- KUwerfen. Sie trotzten jedem Ansturnv, wiewohl der Franzose ver- nrochtr. sich hi<n zeitweise aus dem Höhenkamm des Damemveges festzusetzen und sich damit die günstigsten Verbindungen zur Durck>- Lihrung seines Angriffes zu sickfern. Jetzt ist der Franzose auch hier in sorgfältig vorder ei fttat örtlichen Gegenangriffen von der HSHenkamrl'inie nneder hinaligefegt. Einem höheren Befehl gehorsam, räumten Ende Oktober unbesiegt die Verteidiger von Cerny, Civurttwn. die Brvelle-Hochfläche 'und von Aillos die berühmt gewordenen Kampfstätten, uni welck>e dSr Franzose monatelang unter höchster Aufwendung von Zähigkeit und Menscheneinsatz rang. Sie wurden jetzt in wertigen Stunden wieder erobert und überschritten. Die Angreifer mußten in einem über einen Kilometer langen Anlauf die Ailette überwinden. Jlpe suntpsige, teilweise von undurch- drrnylichew, dichtem und stachttreick>ent Busckwett gesperrte Federung war zu chrrchgireren, ehe sie dann den jäh im steilsten Winkel! laufsteigenden 9Lordhang des Tamenweg-Rückens erreichten. Dieser Mußte kletternd überwunden iverben. Erst dann konnte man dem wolnverschanzten Gegner ins Auge sehen. Dennoch gelang, dank bei Ueherraschung unrb dem Schwung der Trnps-e die Erstür- firrurrg im ersten Anlauf mit erstaunlich geringen Verlusten. Tie in bieten Stellungen gefangen genommenen Franzosen, Bretonen und Angehörige der berühmten französischen Hauptdivision zuckten, als sie geragt wurden, wieso sie in einer solchen Stellung so schnell und so restlos überwältigt werden konnten, nur resigniert die Achsel sund ließen den Kops hängen, wiewohl sie sich wacker geschlagen hatten.
Der Kaiser ßit die Kaiserin.
Berlin. 28. Mai. (W. B.) Der Kaiser richtete vom Schlachtseid südlich L a v n folgendes Telegramm an die Uaiserin:
,Milhelm hat heute die Engländer und Franzosen auf dem Chemin ves Da nies angegriffen. Tie stark ausaebaute Höhen- stellung ist nach gewaltigem Artilleriefeuer von unserer 'heimlichen Infanterie ee stürmt worden. Wir haben die Ais ne überschritten und nähern uns der Ve s le. Fritz mit der 1. Garde- Dünswn ' at als einer der ersten die Aisne erreicht. Auch die 28. Divüwn bat sich wiederum ausgezeichnet. Engländer und Franzos ^ »- :d vollständig überrascht worden. Unsere Ver
luste lind gering. ,Morgen geht es wttter! Gott hat uns einen schönen Sieg beschert und wird weiter helfen. Grüße.
Wilhelm "
Die Schwäche des englische», Feldheeres.
Die Größe der dem englischen Heere in der Märzoffensive bei- tzebrachK n Niederlage begreift man erst, wenn man die Gefangenes hört und sieht, welche die Armee v. Be low (Friß) in der Zahlf
über 1000 (darunter ein Oberstleirtnant) der 21. englischeiß Division in den ersten Stunden des Angriffes abqenommen hat. 8kn der Somme bis auf 40 Prozent ihres il^eftaiches zusammen- jgkschm-olzchn nmrde die Division in die Gegend von Ppern verölt, wo sie statt der beabsichtigten Erholung neue empfindlich^ Schlage bei der Apriloffensive bekam. Durch juirgen, notdürftig jcrusgebildeten Ersatz frisch ausgefüllt, wnai>e die Division jetzt an dir Aisne verlegt. Dieser für ruhig gehaltene Abschnitt nmrde den'. N«charcdern von ben Franzosen überlassen, damit sie Zeit zur! Erholung und Ausbildung fänden. Diese Zeit hat ihnen die deutsche Führung nicht gelassen. Zum dritten Male wurde der Engländer heirtc unvermutet von dem deutschen Angriff gefaßt. Neu- kcng- im Krieg- waren die englischen Ersatzmannschasten unter der ßmpehenren moralisck>en Wirkung unseres zu, am mengefaßten Mrrvknfeuers nicht imstande, den ihnen anvertrauten französischen Vvben gegen unsere tapfere Infanterie zu behaupten. Wechselseitig klLZcn sich jetzt die Gefangenen an, die Engländer die Franzosen, daß sie den Mschnitt fälschlich als ruhig bezeichnet, die Franzosen die Engländer, daß sie jahrelang zäh behauptete Stellungen int wenigen Stunden preisgegeben hätten. Im Gegensatz zu den bei Vrveysbeginu in unsere Hände gefallenen Engländern machen die jetzt gefangenen halbwüchsigen Burschen mir ihren bartlosen Ge- fvchL^i'v unter dem^ Tellerhelm einen recht wenig kriegerischen/ Gimdruck Die Datsack/e, daß die Entcntte genötigt ist, solchen Gruppen einen wichtigen Frontabschnitt anzuverttauen, deckt am fteffrft die schwere Wunde aujf, die unsere. letzte Offensive dem Gegner geschlagen hat.
»
Französischer Bericht
Vom 28. Mm, nachmittags.
Dank der Ankunft neuer Stveitkräfte gelang es den ^Deutschen, die Aisne zwischen Bailly und Berry-au-Bac ztt überschreiten. Die französisch-englischen Truppen fuhren unter Kämpfen Mit den cm Zahl weit überlegenen Feinde fort, sich schrittweise tzurückzuziehen. Die Schlacht nimmt mit Erbitterung ihren ?yort- geeng zwischen Vesle und Aisne in der Gegend der Hochflächen, hinter denen französische Reserven ankommen. In der Champagne, am rechten Maasufer tmd in t-er Woevre bleibt die Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien ziemlich lebhaft. Gin starker jHcnchstreich auf die französischen ^Stellungen im Abschnitt von Chambrctte scheiterte in unserem Feuer.
Englischer Bericht
vom 27. Mai, abends.
Heute morgen wurden britische Divisionen, die den Abschnitt der Front an beiden Seiten der Aisne bei Berry-au-Bac^ besetzt hielten, hesttg ^angegriffen. Zu gleicher Zeit wurden mehrere kräftige feindliche Angriffe gegen die französischen Truppen unter- »smmen, die -an unserer rechten Flanke stehen, und gegen die sran- «Sstschen DivisiEen in unserer linken Flanke am C h em in d es Dam es. In oen britischen Abschnitten wurde der feindliche An- tzriff durch Tanks lunterstützt und war von einer heftigen Beschießung mit Gasgranaten begleitet. Auf unserem rechten Flügel hielten sich mrsere Truppen in ihren Kampfstellungen und stehen in enger Ver- binlduno mit den Franzosen. Auf beiu linken Flügel gelang es dem Feinde nach einem scharfen Angriff, unsere Truppen in die ckweitt vorbereitete Linie zurückzudrängen. Längs der ganzen Front rchrrden schwere Gefechte geliefert und sind noch im Gange. An her Lys -Front wurden kräftige Angriffe, die l>eu1e früh von Äcker his Oi-beville irttternvmüten wurden, durch die Franzosen nach einem erbitterten Gefecht mit großen Verlusten für den Gegner zu- Lückge'chlagen .In der Nähe oes T i k ke b u s ch e r Sees gelang es dem Feinde, aus kurzen Abstand in die französische Stellung ein- Mrdringen. Ter Kmnpf dauert an diesem Punkte noch fort. Andere fentft*, wo der Feind in seinem ersten Angriff eindrang, wurden hurch Gegenangriffe der französischen Truppen wieder genommen, tzmd es wurde eine Anzahl Gefangene gemacht. An der übriges britischen Front ist die Lage unverändert.
Englische Pressestirnmcn.
London, 28. Mai. (R?euter.) Die Zeitmrgen und militärischen Sachverstältdigen schreiben zur Wiedercmfnahnre der deutsäMn Offensive: Obwohl der Angriff der Deutschen im Llbschnrtt vor Reims Und Soissons kaum erwartet ivar, so fand doch die WiÄ>craacfuahme der Image überfälligen Offensive die Alliierreii überall vorbereitet. Wie Artikel sprechen ilire Zuversicht aus, daß der Versuch der Deutscl-ren gegen die Ärnreen der Alliierten ebenso fehlsckstagen werde wie der vorige. Der Feind habe den Vvtteil der inneren Linie und ausgezeichnete Eisenbahnverbindungen, aber er opettere in vennüstettm Gebiet mit improvisierten Verkehrsmitteln. Seine Stellung sei in dieser Hinsicht der, die er vor dem 21. März einnahm, unterlegen. Die Tatsache, daß englische Truppen so weir südlich anrvesend sind, wird als Anzeichen betrachtet, daß Fvch aus die Offensive rn diesem Gebiet durchaus vorbereitet war, während der glänzende Schlag der Italiener ein weiterer Bciveis der Vorteile der Einheit des Oberbefehls fcü Selbst _ wenn der Chemin des Danres iy deutscher Hand sei, müßten d i e D e u t - schen noch über das schwierige Gelände bis zu der Aisnelinie.
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Die Beschießung von Paris.
Paris, 26. dNvi. (Hcwas.) Die Besckitießung Pariser Bezirks hat h-ertte früh wieder begornren.
Nach' einer Genfer Metdrrng des L. Ä. stellen Dßatin und Mrdere Blätter Treffer in die Unterrichtsan- stalten der Sorbonne fest.
Eine Eutente-Propaganva in Kiew.
Kiew, 28. Mai. (WTB.) Nachdem bereits seit läirgerer Zeit eine starke Entente-Prvpagandja in Kiew festgestellt worden war^ deren Spur nach dem hiesigen g r i e ch i s ch e n K v n - sulat wie)en, sind unter Mitwirkung der ukrainischen Behörden ditrch die deutsche Feldpolizei der griechische Wahlkonsul Gripari und der griechische Wahlvizekousul Wassiliadi unter Spio- nageverdacht verhaftet worden. Letzterer wurde nach der Feststellung seiner Persönlichkeit zunächst wieder enllassen.
Daö ehemalige russische Herrscherhaus.
Berlin, 28. Mai. (Trivt-Tel.) llefer den Aufenthaltsort der Mitglieder des ehemaligen russischen H> e r r s ch e r h a u s e s erfahren totit, daß Großfürst Peter Nikolajewitsch, Frau, Sohn und Tochter, Großfürst Alcxan der Michaelowitsch, Frau und sechs .Kinder, sowie die Kaisersn-Wittv-e Maria Feodorolona sich in Djulbar bei Kap Aitodor, die Großfürstin Olga mit ihrem Gatten in Eharaks, östlich von Djulbar, befiuoen. Die Nachrichten über das Entkommen des Großfürsten Nikolaus Nikola- jewitsch sind erfunden. Der Großfürst hat der Politik entsagt. Es liegen lveder für ibn noch für die anderen Mitglieder der raiserlichen Familie Anzeichen vor, daß sie die Krim verlassen. Ebenso sind die Gerüchte über eine bevorstehende Rerse der Kaiserirc-Witwe nach> Dänemark un- begründet
Mexiko und Cuba.
Washington, 28. Mai. (Reuter.) Die kubanische G e s a n d t sch a f t hat eirie Erklärung veröffentlicht, nach der die mexikanische Regierung dem kubanischen Geschäftsträger mitgeteilt hat, daß die Zurückberusung des mexikanischen Geschäftsträgers aus Havanna nicht den Abbruch der Beziehungen zwischen den beiden Staaten bedeute. Der kubanische Gesandte spricht das Vertrauen aus, daß der Zwischenfall bald erlÄ)igt sein werde.
Eine Eptvemie in Spanien.
Madrid, 27. Mai. (WDB. Nichtamtlich.) Meldung des Renterschen Bureaus. Viele Theater bleiben geschlossen, da das Personal an der u n e r k l ä r l i ch e n Krankh eit leidet. Der Dienst «ttf den elektrischen Bahnen ist gestört, da die meisten Becrnrten angesteckt sind. Die Aerzte raten an, ernste Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, da im Jahre 1889 die Pest aus dieselbe ZAeise begann wie diese Krankheit. Die Blätter verwenden einen großen Teil ihres Raumes, um Einzelheiten Wer die Krankheit zu geben. Der Bevölkerung wird geraten, alle Zimmer gut zu lüften und ost an die frisclM Luft zu gehen. Die öffentlichen Vergnügungen werden so gut wie nicht besucht. Außer Dem Murisderpräsidenten sind auch der Ftran^minister, der Marineminister, der llnterrichtsminister und ihre Beamten krank. Man vernrutet, daß der König angesteckt wttrde, als er gestern in der Schloßkapetle dem Gottesdiettste beiwohnte. ^
Tr. Kramarsch «us Prag auSgewiesen.
Wien, 28. Mai. (WTB.) Die Blätter melderc ans Prag: Dr. Kramarsch untrde von der Polizei auf'unbestimmte Zeit aus Poaa ausgewiesen. Er hält sich gegemvärttg in einem mvvm Orte bei Prag auf.
'' Der 5erkneg.
Neue A-Boot-Erfolgr.
Berlin, 28. Mai. sAmtlich.) Durch unsere U-Baote wurden im Sperrgebiet um England neuerdings ver nichtet 20 0 00 BRT. fetttdlichen Hand-elsschiffsrauntes. Unter den versenkten Schiffeir Lvar eän etwa 5000 BRT. großer, stark gesicherter bewaffneter Dampfer. Namentlich festgestellt wurde der bowasftvste englische Dampfer Pen ich Worth (5388 BRT.). Den Hauptanteil an deit Erfolgen hat das von Oberleutnant zur See Warzecha befehligte Boot.
Der Ehef des Admiratstäbes der Marine.
Bern. 28. Mai. (WTB.) Lyoner Blätter berichten: Nach fcmem englischen Bericht ist der versenkte deutsche U-BootS- Kreuzer schon sechs Aionctte im At!anlisck)en Ozean tätig gewesen. Da er mit eirrent 150-Milliineter-Geschütz bestückt war, habe er leichter betvafsirete Handelsschisse aus weiter Eutier- rarng mrgreifen und sich außer Schußrveite der kleinen U-Boots- Jäger halten können. Patrouillen schifte und die Postoampfer der Entente müßten demgenräß mit Geschützen stärkeren Kalibers be stückt werden.
Aus dem Reiche,
Ein neues Wahl rech tsabttl mme n?
Die ,,Tagl. Rundschau" schreibt: Wie wir zuverlässig erfahren, ist am Samstag aus Grimd eingehendcn Berbandlnngen zwischen den Konservattven, Freikonservativen und Nationallibera len unter Ausschließung des Zenttums in der preußischen Wahl rechtsstage ein Kompromiß zustaudegekontmeir, nach deni das a l l gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit eine» politisck>en Sichermrg von zwei Zusatz stimmen zur Annahme gelangen soll. Tie erste Zusatzstimme ist eine reine Mlerstimme und wird durch die Errerchung des 40. Lebensjahres ettvorbcn. Tie zweite Zusatzstimme wird an. die tvirlschastliche Selbständigkeit gebunden.. Abgeschlossen wurde dieses Kompromiß namens der Nationalliberalen durch die Llbgeordneten Fuhrmami : nd Hisich, für die Freikonservattven durch Lüdicke. für die Konservattvep durch Winckler. Wie wir wetter hören, sollen die Natümalliberaletj
geschlossen hinter dielen Abmachungen Iteheu. Damit iX (T.'s?
Mehrheit für die Beseitigung des Baccuums in der ^ gegeben. — Dem entgegen erklärt die „.Vöriegszeicung": uv-
wmwen in der Wahlrechtsfrage aut Grund Zusatz',ttmnie
für Atter und wittschaftliä>e Selbständig? it, das von anderes Seite als feststehend gemeldet wurde, ist nach unseren noch nicht zustandegewmmen. Tie freikonservative Frattion le-Tnr jede Verbindung damit ab. Die bisher gepflogenen Besprechnugov ivaren ganz förmlich.
Berlin, 28. Mai. (WTB .Nichtamtlich.) 'Der Oberbefehlshaber in den Marken und Generaladjurartt Setner Mai des Kaisers, Generaloberst von Kessel, ist kurz vor Mitteriracht in seiner Wohnung verschieden, nachdem er gestern früh einen Schlaganfatt erlitten hatte, von dem er sich nicht wieder erholen konnte.
Berlin, 28. Mai. (Priv.-Tel.) Die bisherigen privaten Sammlungen für die L u d e n d o r f f s p e n d e erzielten bereits ein Ergebnis von annähernd 40 M i l l tonen M a r k. Am 1. Juni findet der erste Tag der Straßen.- sammlung für die Ludendorffspende statt.
Gtetzener hochfchuigesellschast.
-in. Gießen, 29. Mai 1918.
Der zweite ..Auslcnrdsvörttag" der Gießener Hochs-hulgesell- schast, der gestern abend im großen Hörsaal der Universität ,wtt- fand. hatte rvieder eine grosse Anzahl Hörer herbeigelockt. Herr Professor Dr. Roloff sprach über das Thema „Grundzügv der modernen Kolonisation" Der Redner enttvarf ein ttesiendes Bild der Entwicklung der einzelnen Kolonralreic!»?. der hierbei verfolgten Politik und führte u. a. ungefähr aus:
Wiederholt begegnet man der Auffassung, daß unsere moderne Zeit -als die Zeit der Kolonialpolitik angesprochm wird, wiederholt stößt m<i:t auf die Behauptung, daß die Gründung von Tochter- staaten ein Charakteristtkum der Zeit sei. So stellt ein iranzösisci.?r Kolonialpvlitiker u. a. die Thesen aus: „Das Volk, das am meisten kolonisiert, ist oder wird das vorherrschende" oder ^,,Tie Wettges chickpe ist ein stetes Wandern von einer Wohnstätte zur mtbern, aus dem Bestreben heraus, bessere Wohnsitze zu finderc". Diese grob-materialistische Arrfsassung ist jedoch keineswegs l^altbar. Man betrachte z. B. nur die Kolonisation in den Wendenlanden zwisclxm Elbe und Oder, oder man beachte den Umstxrnd daß viele Auswanderer in erster Linie nur von dem Gedanken gettagen sind, Reichtümer im fremden Lande zu erwerben und dann in das Mutterland ziurückzukchren.
Die moderne Kolonisation hat vielmehr andere Ursachen als den Landhunger.
Als im frühen.Mttelalter der Islam nach Europa.vordranm und so das europäische Element z^urückgedrängt tmirde, befand sich die alte europäische Welt, die bislfer nach Asien und Aftika hinübergegriffen hatte, in einer bedrängten Lage. Aus der Notwendigkeit, sich gegen diesc-s Vordringen des Islam zu NX'hren und- die hervorger-ufene Handelssperre zu durchbreäTen, entstand die europäische Kolonisation. Sie setzte auf der pyrenäischeu Halbinsel egen die Maureu ein. Bald verbMtd sich mit dieser ersten Tätigtet der Wamsch, die Mauren nicht nur aus Europa zu vertreiben, sondern aach in Afrika Eroberimgen zu mack>en und nach Stützpunkten zu suchen. Polittsche, kirchliche und kommerzielle Interessent waren hier maßgebend.
Portugal hat die überseeischeu Aufgaben zuerst ergreifen können. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhundetts gingen die Portugiesen in Afrika toeifcer vor, suchten Südasinka auf und hofften um. Afrika herumkommen, in Verbindung mit den ersehnten Wunder-- ländern tteten und Pottngal Macht verschaffen zu können. Schließe lich gelang es denn aatch Vaseo da Gama, das Kap der Guten Hoffnung zu umfahren und den Seeweg nach Ost-Indien zu entdecken. Portugal entwickelte sich nun zu einem großeii Handelsstaat. Das kirchlickxe Väomeitt, die Ausbreitung des Gkwibens, war bei der Kolonisation das ausschlaggebende, wie aus der zectgenöfsisckMr Literatur hervorgeht. Politische und kommerziielle Interessen kamen erst in zweiter Linie. Jii Verfügung einer bestimmten Kolonial- Politik begnügte man sich damtt, die Produkte ern-uhaiüxln nach Eurc»pa zu bringen. Der Handel nach Indien nmrde monopo- lisiert. und man znxrng so die Europäer nach Lissabon zu komnien. Die Folge dieser Handelspolitik toar, daß man sich an einen leichten Gewinn aus dein Handel gewöhrtte, daß man überhaupt nur nach Gewinn sttebte, daß aber anderseits die Tatkraft davurchi erschlaffte. So war die portugiesische Handelslnacht^ nicht von langer Dauer. Das einzige Jdealmomeitt, der Misswnsgedanke^ tDiir nicht statt genug, um alles zusammenhalten zu körcnen.
V /2 Jahrhunderte später wurde Spanien ditrch dieselbe Verkettung äußerer Umstände zur Expansion getticbep. Spanien ging nach Amerika, fand aber dort nicht den Reichtum für den Handel, wie Portugal in Indien. Gs UZarf sich daher auf die Ausbeutung der Bodenschätze und hoffte durch Znsammenraffen ungeheurer^ Mengen von (Äold und Silber die Herttchaft Über alle Staatrn xu erringen. Dieses Bestteben war aber ebenso verderblich wie der leichte portugiesisckie Handel. Die Goldströme, die nach Svanien flössen, blieben nicht im Lande nnd belebten mir lvcübergehend. Sobald aber der Nachsckpcb ausbiieb, sah sich der Staat, gewöhnt an große Altsgäben, genötigt, Sckwlden zu maä-en. Spanien wurde znm Schuldner 'Europas! Dazu kam, daß die kriegerische Tendenz des spanischen Staates dein Lande durch die Entziehung von vielem! Accuschenmatecial notwendige Arbeitskräfte, raubte. Die spanisäM! Handelspolitik verfolgte also auch nicht die richtigen W.:ge und mußte znm Niedergange führen.
Mit dem Auftreten Englands veränderte sich daß BAd. Nene A>een griffen Platz. Man überzeugte sich, daß der Handel mi^t Süd- und Mittttamerika ans Schviettgketten stoßen dürfte, Lnd suchte die unwirtlichen Küsten Nordamerikas auf, um sie zu &>*“ l-dnisieren, um An siedln ngen dort zu schjaff'M.. Hierdurch sollte^ tvic zwei englische Forscher betonten, die Schiffahrt eine Steirxe- rung erfahren, in den Llusiedlern als Produzenten der Rohstoffs sollte ein Absatzmarkt des Heimatlandes erstehen, mit einem Worte, vec Moylstand solttc gehoben werden. Englatrd wollte also Reichtum und Wohlstand nicht erkmifen, sondern erarbeiten. Ein wattiges moralisches Plus! Diese Gedanken wirkten aber ntchtz allein in England. Auch in Frankreich mrd Holland ttaten ähnliche Ideen auf. Tatsache ist aber, daß England sie zuerst in großem Maßstabe durchgeführt hat. Es ist daher auch keines- lrieg£ verwunderlich, daß England 1815 als einzige Kolonialmacht übrigblieb. Die egoistischen Forderungen des Mutterlandes an die Kolonien stießen allerdings wiederholt auf Widerstand und führten z. B. zur Losreißung der amerikanischen Kolonien. Hier !var 'es aber wieder die englische Pokikik, die gegeimber anderen den Sieg davontrug. Trotz der pvlitisckMN Loslösung blieben dis Koloinen im geifttgen und wittsa>astttck?en Konnex mit dem Mutterland, nicht wie in den spanischen Besitzungen, wo nach der Tren< nung überhaupt keine Beziehitugen mehr blieben.
Frühzeitig fand England den rechten Weg, gab seinen Kolonien die gewollte Gleichoerechtigurtg, Reck-jte, Freil>andel usw. Das Mutterland gewann hierdurch, der Bettehr nnd Handel mit Idmr Kolonien wurde größer, die Beziehtmgen enger. War daei britische Kolonialreich des 11. und 18. Jahrhundetts noch locker, so zngt es im 19. iurd 20. Jahrhmrdert ein gefestigtes Bild. Was die Kolonien militättsch für England bedeuttteu, haben wir jetzt im Kttege erfahren.
Frankreich geivähtte feinett Kolonien keinen Freihandel. Allerdings muß man berücksichtigen, daß Frankreich kein altes Kolonialreich besitzt, sondern seine Kolonien erst erkämpfen mußte, was Opfer kostete. Es ist null das Mißgeschick Frankreichs, daß es ihm a|rt Menschen und* Geld fehtte, mn seine Kolonien allein be- hmipten zu können. Bon jeher mußten fremde Mensckien und ftem- des Geld den französiscl-en Kolonien imtzbar gemacht werden. Deshalb gab amh Frankreick den Handel nicht frei. Nach dem Kttege
nocki in^nin-k-r itr hpr S'nn!» fi'f
tvird Frankreich iwch weniger in der Lage sein, selbständig seine Kolonien zu behaupten.
Sieht man sich nun Deutschland an mrd fragt nach seiner kolonialett Stellung, so komint man zunächst zu der Ueberzeugung, daß' Deutschland durch sein Aufblühen in jeder Richtung zu einer kolontalen Entfaltung bräiigeu mußte. Das ganze uurrichaftttche


