Nr. P9 ZVetteZ Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
Samstag. ((. Mai (9(8
iruanrgHKXJta
Au» Stadt und Land.
Gießen, den 11. Mar 1918.
** AllSKei chnun g. Gardist Otto Biedenkopf wurde mit dein Eisernen KDeuz 2. Klasse ans gezeichnet. — Untewffizier Willi Weis wurde mit dem Eisernen Kreuz 3 .Masse ausgezcicharet. — Landstwhrinann Carl Müller «Hielt das (»ferne Kreuz 2. Klasse.
** Beförderung. Ge fr. Georg Do dt, bei einem Staffelstab im Osten, wurde zum Unteroffizier befördert.
** Anlag-enmusik findet Sonntag den 12. Mai, vormittags 12 Uhr, in der Nord-Anlage mit folgender Svielfolge statt: Ouverttire zur Oper „Martha" von Fr. v. Fiotow; Walthers Preiclied a. d. Op. „Die Meistersinger von Saintbetg" von R. Wagner; Fantasie a. Op. „Traviata" von G Verdi; Ungarische mr^c Nr. 5 und ß von I. Brahms; Abmarsch in die Quarttere, Marsch von '?/ankenburg.
** Gieß euer Waldbüh n e. Wie uns mitgeteilt wird, hat Dr. Be rnbeck mit der Direktion des Nauheimer Kurhaus- rhoaters (Hofrat S t ei ng o e t te r) mehrere Gastspiele vereinbart, die in diesem Sommer auf der hiesigen Waldbühne (Gießener Freilicht-Bühne) ausgeführt werden sollen: Komödie der Irrungen (Sbakest^lirc), Wenn der junge Wein blüht (Björn- son), Laune des Verliebten (Goethe), Der schiene Ruf (Blumenthal). Die Rollen in diesen Stücken sind nur von Berufsschaa- spiclern besetzt. Man wird also Gelegenheit haben, nicht nur liebgewonnene Kräfte draußen wiederzuschen, sondern auch neue kennen zu lernen. Die Regie für diesen Sommer hat Herr V o l ck, Mitglied des Stadttheaters, übernommen, der außer den ge amten Stücken auch noch solche einstudieren wird (vorausgesetzt daß öS seine Zeit erlaubt), in denen geeignete Persönlichkeiten aus der Bürgerschaft im Verein mit Künstlern von Beruf in griißerw Rollen zu Wott kommen sollen. Weiteres über die Eröffnung der Spielzeit u. dgl. nt. wird demnächst kknntgege&en.
** Vom Apfelblütenstecher. Nachdem jetzt die Apscl- blüte Zu Ende geht, sieht man erst, welchu Schaden der Avsek- blütenstecher in diesem Jahre leider angerichtet hat. Man findet ss viele Apfclbttüatknospen, die nicht zur vollen Entwicklung gekommen sind, sondern vor der Entfaltung welk geworden waren roid min rostbraun aus sehen. Vielfach hielt man sie ft'ir erfroren, rmd die Annahme lag auch nach den zwei Froslnächten um den 20. Attül nahe. Oeffnet man aber eine solche Knospe, so ftndeü man darin die Larve des Apfelblütenstechers; en den meisten Knospen findet man auch noch die Stelle, die der Käfer mit seinem Rüssel angebohrt bat, um sein Ei in den Fruchtknoten ablegen zu können. Tie fußlose, gelblich Larve mir dem schwarzen Kopfe, die durch das Ausfresson des Fruchtknotens so großen Schaden anqe-< richtet hat, verpuppt sich jetzt, und schon Ende Mai kommen die neuen Käfer aus, die in manchen Gegenlden auch ,.Brenner" heißen, tvcsil msvlge der Tätigkeit der Larven die beschädigten; Knospen wie verbrannt aussehen. T-er kleine Rüsselkäfer ist aus schwarzem Grunde grau behaart, am Halsschild und auf den Flügeldecken heller imd mit einer grauen Querbinde gezeichnet: Beine und Fühler sind rosttot. Ec überwintert hinter den Rmdenschuppenr nrnd am Fuß des Stammes in der Erde. Tie Käfer werden am Teer- und Leimringe gefangen, wenn sie sich in den ersten Avrillagen aus die Bäume begeben und den Stamm hinaufklettern. Nach erfolgter Paarung bohrt das Weibchen mit seinem Rüssel eine Ocsftamg in die schwellende Knospe, dreht sich darauf herum, legt ein (L in die Oeffnung und schiebt dasselbe mittels des Rüssels lns ins Sintere der Knospe. Bald entschlüpft dem Ei die Larve, tue alslurld ihr Zerstöruugswerk beginnt. Kommen bei gi'instiger Witterung die Knospen rasch zur Entfaltung und zum Aufblühen, w gehen dre Larven schutzlos zugrunde. Daher kommt es, daß in diesem Jahre an den spätblühcnden Apselforten der Schaden durch den Apfelblütenstecher nur gering ist, weil die Blütezeit später günstiger ivar als bei den frühblühenden. Ter beste Schütz Fegen diesen Schädling besteht darin, im Winter die alte Rinde der Bäume ab-zukratzen und im April die Käser beim Eierlegen herunterzuschütteln, sie sorgfältig auf untergelegten Tüchern-zu sarw- moln uüd zu töten, sowie fte durch die erwähnten Lcinttinge zu sangen.
** Schwarz-Weiß- Lichtspiele, Selterswog 81. Von heute ad tritt Mia Map in ihrem neuesten 4aktigeir Fttmschauspiel „Der schwarz Chasseur" auf. Außerdem spielt Paul Hetdemamr in dem Lustspiel „Ein Jagdausfluq nach Aerttn" die Hauptrolle. Siehe Mgzeige. r
Kreis Schotten.
10 Mai. Auf der kürzlich stattgefundenen Gruncnmg-'versammlung der Wagtrermeister-Jnnung für die Kreise Friedberg, Biibmgm und Schotten wurde eines 81jährigen Lauern aus einem Kreisvrbe Erwähnung getan, dessen vielseitige: jmmfnerttgreit wohl kaum über boten werden dürfte. Ter Mvnn ist znnÄi/jl ein tückstiger Landwirt, noch heute aber sck>ätzt nran ihn als cnlsgezetumelen Wagenbauer, geschickten Schmied, feinen Su'iri- hwier imd Maurerpolier: er schnrichet Nägel, führt die verzwicktesten Lotarbeiteu aus, stellt alle Arten Bohrer her, ianr die «uoersle.i Spinnräder, ist im M-ühlenbauwesen ungewöhnii.ch bewandert und hat viele Wassermühleir im Kreise ohne fremde Hilsc
gebaut. Jede Rcparattrr au Maschinen jedweder Att fühtt der Greis aus. An der Dampfmaschine ersetzt er, falls es nötig ist, den Heizer. Turmuhren und Stubenuhren bringt er wieder in Gang: Saug- und Druckpmnpcm setzt er in Tätigkeit: streikende Kirchm- orgeln repariert er Und ersetzt untauglich Pfeifen durch neue. Er mackst quietschende Ziehharmonikas wieder wohlklingend und dreht den Müllern die schweren Mühleisen mit kunstgeübter Hand ab. Dazu ist der Alte ein Freund der Frau Musika, der zu Ehren er Klarinette und Trmrtpete bläst Und was dem alten Meister in allerlei Künfteu auch so leicht noch keiner „nachgemackst" hat, ist dies: Er hat sich zeitlebens noch mit keinem Menschen gezankt. Jeder hat ihn gern und schätzt ihn hoch ob seiner edlen men säst ich en Eigenschaften und seiner kunstgeübten Hände.
17/'» Deisen-Nassarr.
Bebra, 10. Mai. Bei der Station Oberriedeir sprangen ani Mittwoch nachmittag aus einem Zuge zwei kriegsgefangene englische Offiziere. Ech der Zug zum .Halten gebracht Werdens konnte, waren die Flüchtlinge, die sich bei dem Sprung anscheinend keinerlei Verletzungen zugezogeu hatten, tnt Walde verschwunden. Die Verfolgung blieb ergebnislos.
Biehrichj, 10. Mai. Tie Untersuchung in der großen Treb^hl sau gelegenheit auf dem Bahnhof Biebrich-Ost. lwobei für Tausende von Mark Waren aus versch-osseueu Güterwagen geraubt wurden, zieht immer weitere Kreise. Bis jetzt ivurden 21 .Personen, darnmter mehrere Beamte, verhaftet. Weitere Festnahmen sichen bcVor.
_ “ Wcilburg, 10 Mai. Vor einigen Tagen verübte di.' 80iahrtge Insassin des Altersheims, Wittve Mai, durch Absturz von entern Felsen Selbstmord. Jetzt hat M auch ihr Bruder, der ebenfalls im Altersheim weilte, durch Vergiftung das Leben geitvmntcn. ,
Gottesdienst am Sonntag den 12. Mai (Exaudi).
^tadtkirche. 8: Zugl. Ehristenl. f. d. Neukonfirm. «ls d. Mark.-Gem. Pfr. Schwabe: 9-/2: Pfr. Malm: 11- .Kinderk ff d. Matth .Gem. Pfr. Malst-. — In der Io ha n u es ki r che. 6: Zugl Clnisteul. f. d. Neukouftrm. aus d. Joh.-Gem Pfr. Aus- seld; dl/2: Pfr.-Ass. Liz. Nenning: 11: Kiuderk. f. d. Lnk.-Gem. ^^..d^lsheimer: abds. 8: Bibelbespr. im JohanneSsaal Am 1. Pnngstserertag findtt f. d. Luk.-u. Joh.-Gem . am 2. Psiirgslseier- ttag f. d. Matth. - u. Mark.-(tzem. Beichte u. Feier d. hl Aiiendm tm DMiptgottesd. statt. — Kirchberg. Vorm. 10: Hl. Abendm f. Daubringen. — D au b r i n gen. Nachm. iy 2 . — Mainzlar. 9lbds. 8Vs: Kriegsbetstunde.
Uathoüsche Gemeinde.
6V0: Gel. z. hl. Beicht: 7: 5>l. Messe: 8: ?lust. d. hl. Komm.: 9: Hochamt m. Prcko.: 11: Hl. Messe m. Pred., Militärgottesd. : 2: Clstrstenl., darauf And. Dienstag u. Freitag, abds. 8: And. z. Ig. Geist. Samstag 18., nachm. 5 u. abds. 8: Gel. z. hl Beicht — Dtaspora-Gottasdienft am 12. Mai: Grünberg 9Vz, Hungen 9 1 /,
Yüchrttisch.
^ b'essiffche Höhenluft. Gerade zur rechten Zeit a> Ichement diese Wanderlülder von Hevrricb Bettelmann, der vielen rmferen Lesern als Mtarbviter am Hessenland säwu längst ein Bertt«rrttr ist. Unsere hTffsästn Berge herben es dem fein empstn- denden Dichter angeixm, und es ist eine ^Freude, sich von diesem, führen zu lassen. Bcttelwxm.n versteht es. uns.in imterl-altender slüffiger Schreibweise mit der Laudsä-aft. den Sagen, der Ge- fckstchtt und den Betoohnern verttaict zu machen. Das vorliegende Batidchmt schildert uns die BerHEHen voei Marburg bis Cassel, Marburg seUsti, dem Eh-ri^rnber«, Homberg, Fri'. lar, die Landsburg, Eschwege, Nllhett.L/höhe, den Dörnberg, und wie fte alle heißen. Tu Bced.-7.iQer m>a\ h boS 6. Heft der von Zn^r her
aegebenen Le.estuüe", die sich schnell Eingang Erschafft
^i cr dos bei Et wert rn Marburg erfthienetren
Bändchens beträgt 1,50 Mark.
Letzte Tiadjvicbtcn.
Dev neueste Bericht -erk Keeveüleltrrng.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 11. Mai. (Amtlich.)
W e st l i ch e r K r i e a § s ch a u p l n tz.
Im KemmttgeßÄtt mar die ArttftersetalQreit ^itwrilig letzhgst. Wir fülsrtrn kleiuere N :;ternel?ur-!:ig-?n mit Erfolg ourch.. Französisthe Tntsngriffe nördlich vom Knnmcl und der Lokn- unrrden abgrw^sen.
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Gberhessischer Uunftvereirr.
In bunter Ausammenstellmrg vereinigt die neue AnsstLpng im Turmhaus aur Brand Gemälde der „Freien Vereütigtmg Darm- städter Künstle^' und solche aus dülchiedenen Kuuststätten des KttM.
Unter den Tarmstädter Malern fällt in erster Linie Richard Ho e l scher mit einigen ei-rdriicksvollen Werren auf. Mit deiB Farbmitteln der romantischen StimnrimgsNVaierei arbeitsid, mran- ciett der Künstler aufs feinste. Tie Farbe ist ihm nicht nur Mittel Krr Brldkomvosition, sondern vor allem zur Cha-akttrffieruna.' gr mall wicht allein mit der Farbe, sondern cr zeichnet auch mit yrc. Man betrachte die meisterlich durchgeführten Häirde und das faltige Qcs'.äÄ des „Batzenzählers", oder die feine lichtvolle Ve- «rndlung der Tttltelpartie in dem Gemälde . Mädchen Sttrunpf w^bs^nd . H^ber noch scheint mir die „Juaend^ zu stehen. Glück- luhste Komposttton und meisterliche malerische Dtcrchsührtmg des synnMlfftereüdett Gebankeats vereinigen sich aufs beste zur harmo- mschen Gesamtwrrknng. A:cck) das kleine (denrebild „Javanpuppetl" tst m seiner Art ansprechmrd. — Anna und Adolf Beyer sind mit emer Anzahl ihrer^ bekcnutten farbensatten Bltlmenstillebenj vertreten, Curl Ke m Pin mit zwei landschaftlichen, deb)rativet^ Oelsttldren !und ^wei schött abgetönten B lumensrücken. Ernst ^itner. der sich in deir Aquarellen „Waldmärchen" mrd „Wittter- märchOt' als phantasicvoUer^ Märcheitittterpret zeigt, wendet in
L/Dherhessischen Landschaft" impressioniUsche Flecken-Technik an. Tn scharfe ZweiÄüttmg des Bildes durch Licht und Schatten' wwte Auffassung und Raunrvctt.eilung klingelt leise att die Brncht- Adle M. Wilh. Thiel mann hat ein Aqrsarell „Schwälmer 'rOSfu. ' «I^wie die lebendige Radierung „5bric'gs7tachrichten" aus- A. H art m anrt ebenfalls einige flotte Agitarellsticdiert v,.. .^ noieunlschnttte, ßieorg Althcim ite&nt einigen Holz- ftynrtten bae beiden Bilder „Wirhausen" tcnd „Kornfelder", lvo- u 0r r a l r v m ^ erste durch seine plastische Tiefe mfffällt. Hrck>. zJJ tj ^? aT ^ lirf l) hat int „Selbstpotträt" uitb der „Rast" den geschickter! Pvtträtnw.ler, der den Eindrtcck des Photograplnerten
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iescn. Der „Hohlweg" ist zwar einheitlich in
timgchen sucht, ht und Farbe
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bruch .. _ ^ __
^•ri!f e ^r m<7rC Y^^ l '^ ( Ä c Oeltechnik, die intter Vermeidung öonj Mtsch>arb n breite Flecke nebeneinander setzt, so daß erst aus 11 ' fr ‘ nni8 f das Ganze kenntlich wird, dem Maler lveniger negt. ^ras zeigt sein „Fsnßnfer im Wintettü Schöne Beispielig ^wr stimmurrgsvollen Jntetteurmalerei gibt A. Bertrand, ikldvrst m (eirien ^ , »evitmen". In breite-. Tlnt
rallt das durch oas Fenster hereiubrechende Sonnenlicht aus das ^ 1 Fr»mmges!>alten liegende L^iueii Tie
Lkchchrohlen Lchaipm auf der tveißeu, laltvgen Fläche ReftcLe über
Wawe.s»n Avrluy verglich an. Jh.-c Angriffsivellen rr- lrtien m unserem Fcu-rr schAersle Verlust«. CÄensa Mtz- terten uckhtluhe A'^risfe Feinöes g'gen .tzanaard. Auf dem Wcstufer der Arire faste der Franzose im Parke von
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JJeflere. So entsteht ein Bildnuttetpunkt,. auf den das Auge des Be^rsers stHutt hingelenkt ttiib von bent aus dann das g.rnze enr- drruD'r^lle Bild tnit dem Blick umfaßt wird. Man findet dieses Spielen mit einem beAmmteti Bi'dpmrkte härffig bei Zdchstbern, die mit dem objektiver Programmstil romantische Färb stimm ungen verhindert. Auch Bettrand geht in seinen anderen cmSgestelltep Bildern tckcht davon ab. In ledem ist der sosott hervorstechende Bildmittelpunkt enthalten Bei den Gemälden ,T?urige Bäuettn", „Sommer" und Dame mit kattettem Tuch" smd es 'helle, farben- sl^e Tücher, die sich «ruS der Untgebrmg hervorheben, bei bti\ ,^nerlä7Q-e7tn", einem i-n .Rembrattdttche^ Boann-Dnukel getauchten Bild, ist es das hell bele-.ch'ete Wvfferfläsckchen in der Mitte aus dem Tisch. F. E. Morgenstern (Frank,utt a. M.) hat in ferc GemÄden „WindmEe und Kirche", i,^>elgoland" und „Sttand von La Patbne" seine bekanrtte, wirkungsvolle, fein-pimttualischci Flimmettechenk betbehalten. Willy Preetorius (München) bevorzugt m fernen Pastellen „Regenstintnnm,fftz Schloß am See" und den Oelbtldern „Die Fluchtt urtd „Grauer Tag^' trübe Stimmungen, die rem naturalistisch verarbeitet werden. Tie Technik ist Flach-Ocl, ötjne Flecke oder aufgesetzte Teckprulkte. Karl Küstner tmrkt ebensaltzs durch eine breite, ftack>e Manier, nirr daß hiev (Frühling im Gebirg) j>ie lebhafteren Farben unverutittelter ncbcn- emandergestcllt tverden. Tie Radierungen von Leo K a v s e r zei- <ten eine hochnttwickelte Technik der Nadel. Aeußcrst sreich im Ton tmd wirkungsvoll sind die Kalüiadej-Nadierungen von Heinrich Otto, der noch mit dem Oelgemälde „Steinbach^^ vettreteti ist. DteRadierungcii vmr Otto Engel (Berlin) weisen eine eigenartig' sa-atte Kvnturengebung auf, süid aber deshalb nicht weniger wiick- sam. Mcnt vergleiche einmal die Mätter von Otto und Engel m bezAg mif den durch die verschiedene Teckmik und imterschiedlics-ü Aussasstmg hervorgerufenett Gesamteindrtick. Besondei-s zti eriväh- nen tnäreri noch Sck-rrcmschnitte von Wilhelm Eckstein (Tüsscl- dott), die größe Beweglichkeit m dert Figuren zeigen.
In einer besonderen Abteilung smd die Zeichnungen, Aquarelle, Radierutlgeu und Schnitte des Berlüiers v. O t h e g r a v e n tmtergebrächt. Bilder von den Fvoubni, aus dem Orient oder si- chlrliche Tarstttlimgeti sind hier mit Meisterschaft imd persönlicher tiefer Empsrrrdung flott ctttworfcn. Es würde zu weit ftlhrcn, auf die einzelnen Blätter einzngchen, die leider in denk ettgm 9!aum durch bvt Uebechäusüng picht rocht Mr Geltmrg kommen. —mr.
— Erstaufführung im Kgl. Opernhaus ru Berlin am 8 . Mai: „Not re - Da nt er". Oper voit Loop. Volk tnch Fran^ Schmidt, Musik von Franz Schmidt. Aus Berlin wird uns gescknieben: Zum Sc'Üuß einer
Saison, die nicht viel verspvoclien und gcscheickt, aber auch in nichts enttäulcht Hatto, brachtt: die Kgl. OLer noch «m
GnveSnes Fuß. Im übrigen brach auch hier der Angriff blutig zusammen.
Erkundungsgcftchte am Oise—Aisne lcanal, in der Chsnrpagne und i> 0 'dff:l'xh v^)N st ont-L Mousstm. Nm Wolde mn Aprenwnt wiesen wir den Vorstoß eines durch Moniere und Flammenwerft ' verstärkten fmnzöuschen Vataillonsab.
Mit starkem Minenbefchuß fügten wir den Ainerikanern südwestlich von Aprenwnt und nördlich von Parroy schwere Verluste zu.
Mazedonische Front.
Nordwestlül) tarn MakoNvr drangen deutsche StoßtruppH in französische GraL-eu ein und machten Gefangene.
Der Erste Generülgnariiermeister Ludendorsf.
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Die angebliche deutsche Friedensoffensive.
Berlin, 11. Mai. (WlTB. Nichwmttich) Die „No-rtx deutsche Allgemeine Leckuuü' schreibt: Tie „Daily Mail" be- sck>ästigt sich erneut mit dem Thema einer neuen oeutsck-en FttedenÄ offensive mrd macht Angaben über einen angeblickMi Besuch deZ Prosessors Quidde hei einem m Genf weilenden Amettlanev Horvn. Diesem l>ätte ljttosessor Quidde im Austrage des Reichs-, kan^lers und des AuÄvüttigen Amtes ein au den PräsidentAi Wil-, svrl zu übermittttndcs Verstäudigungsprogramm ent-, wickelt. Diesen Angaben gegenüber sind wir zu der Festi^ettungi ermächtigt, daß Pro-sessor Ouidde weder vom Reichskanzler ttoch vorn Auswärtigen Amt einen Auftrag irgendwelcher Att für den genmrnten Amerikaner gelebt hat.
Eine Krurdgchung des Papstes.
Rom, 9. Mai. (WTB. NiMamtlich.) Stefanimeldung. Ein päpstliches motu proprio fyat folgenden Wottlaut: Das viert« Jahr ist im Begriff sich zu voll<nt>en, seit dem Augenblick, wo fast zu Beginn des europäischen 5ktteges wir mit Zittern das oberst Hirtenamt übernahmen. Während dieser ganzen Zeit, in dev die Kriegswut sich immer mel/r steigerte, statt sich zu vollenden, ist dem Leiden unseres väterlickM Herzens nicht ein Augenblick Ruhe gegönnt. Augesicküs dieser scl-rÄlichen Hebel, die infolge dieser ttagischen Eütwicklimg der Ereirpffsse sich häuften, empfanden wir nicht nur SckMerz um jedermann, ,[o daß toir mit St. Pauli sagen könnten.- „Wer ist schwach, und ich werde nicht schtu-ach? Wer wird geärgett, und ich brenne, nicht? (2. Kvr. 11. 29.), sonderni wir versäumten gleichzeitig nichts, was zu tun möglich »vor, im Gehorsam gegen die Eürgebungen des Bewußtseins unserer apostolischen Pflicht, und gegen die der christlichen Liebe. Jetzt ist die Lage,^ in der wir uns befinden, deratt, daß sie wohl an die des alien .Königs Jvscrpl)at erinnert, wie er in beängistigendsll Schwierigk-eiten ausrier: „Hein, Gott,' unfet Vater, Tn bist Gott im Himmel und Herrscher über alle Königreiche und alle Völker, Kraft und Aiacht sind in Dttner Hand und Niemand kann Dir widerstehen. In unseren Ängsten weitden wir Misere Rufe zu Dir erfjebcn, Du wirst uns erhören und Du wirst mrs raten. O Gott, Tu bist unsere letzte Zuflucht! Darum lege't wir uns in dia Hände Gottes, her Herzen, Menschen und Gang der Ereignisse lenkt.^ Wir envattxm nunmehr von ihm allein ein .Ende b-etj schrecklichen Plage, daß er, ffchem er der z-usammengebwchenenj Welt seinen Frieden gibt, eheste: is unter den Meuschm. das Reich der Liebe und Gerechtigkeit wieder aufttchte. .Mer vor allem gilt es, den.Zorn Go tte s -u besänftigen^ der durch so Ereich begangene Fehlgriffe mifgewiegelt Wördes ist. Ein demüttges und flehrmdes Gemüt wird unter diesen Um^ stunden ein sehr großes Merk tun, Ms es mit Ausdauer und Vn>, trauen geschieht. Aber das Heilige Meßopfer ist noch viel wirksamer, um die himmlffche Gnade voll zu mvck-en, ^bietet es dem himmlischen Vater als Opfer den eigenen Sohn dar, der sich selbst lchrgogebektz lttl, rnr Ettösmrg aller, irret» der stets lebt um Fürbitte für unsl zu ttm, und mü gutem Recht schreibt hie Kirche allen Seelen bitten! vor, an bestimmten Tagen die Messe für die Nöte des christliche« Volkes abtzuhalten. «ht diesen Tagen wird die .Kirche, diese Mutter voller Erbarmen, das himmliche Erbarmen besonders für die Bs^ dürftnffe seiner Kinder anrusen. Aller trelche Not kann gegenwärtig d>ringender sein, als die alle umfassende, nÄMlich, daß Ruh? unq walwc BrüderlickMt wieder die Herrschaft mtter den Völkern cmtreten werdcm? Jnsvlgedeffen erschien es uns außerordentlich wichtig, zu diesent Zwecke alle Diener der Kirche aufzufordern, zu gleicher Zeit mit uns in feierlicher Weise die M'effe zu lesen. Fernes ordnen toir dadurch dieses motu proprio an, daß am 29. Mai, dem) Tage Peter und Paul, die Schirmer der Christenheit, alle Pttescer spalten sind, die Messt für das Vplk Au lesen mrd das hnligq Meßopfer in der erwähnten Absicht darzurbringen. Alle Welt-, imd Ordenspriester sollen außett>em wissen, daß sie uns cina* sthc großen Ge sollst tun werden, wenn sie beim zelebrieren des heiligen Meßopfers an diesem Tage ihre Absichten mit den unsriganl vereinigen nvrden. So wird die gesamte katholische Priester,'chast im Verein mit dem! obersten Haupte auf allen Mären der Erde die Hostie dos Erbarmens :rnb der Siebe dar bi eben und so mit Go-, walt zum Herzen Gottes dringen. Um so größer wird dann mein« Hoffnung sein, den Wunsch Davids vettvirklicht zu sehen, der heut« in gleicher Weise das Seufzen der Völker ist. Justttia er pax oscutatae sunt.
Stück heraus, Nvtre-Dame von Franz Schmidt. Der Text ist aus dem großartigen Werk Victor Hugos tu einzelnen Teilchen herauSgel-auen: ziemlich grell mtd übergangshatt folgen sich dia Vl-asen eines Liebesabenteuers zrvischen Offizier und Zigeunerin^ bnvm bk größere und tragischere ddote der sündig werdenden und verblut e.ck>en Priestersckiiaft aufgepfvopft ist. Ter bindende Fcwon ist nrcl)t stark genng, um die Einheit in diesem an Schlüssen reichet, Liück zu retten. Doch entl)Llt es Szenen von WrM und Stiur^ muirg, die sich besoyrders ans dem Blut einiger fest konttirierter^ in ihrer Wesenheit eindrucksvoller Gestalten nährt (ArchidiakomrS^ Quasimvdo, CSmevalda). Die Romantck eirdet zuletzt in aufpeit! sthender Dramatik.
Dem textlicheit Dorwirrf gab Schmidt als Untermalung ein« Musik, die mit dem Wott nur verschvistett, rricht vermählt ist Die Orchesterarbeit ist zwar fein imd verrät in ihrer fast asketischen Zurücklialtmtg auch Geschmack, sie läßt sich aber im allzu gleich«; Fluß nur wenig von der .Sprache und hem Gestus des Sän^ gers abbriitgcn. Die Dämpfungen der Mtsik, das Gckräustl seine« ^ Wellest, die reizvolle Unffpielung der Bläser durch die Streick-e, ermüden, weil d-ie ausladenden Crescendi, die Höl?evimkte der Konti lene, imd die Leidenschaft zu selten durchkommen: nur di« beiden letzten Szenen erfüllen diese dramatische Forderung ganz- llingen mich durch Chor und schwellende gesetzte Mttodtebögeq ausgearbeiteter als manch andere, wie skizziert geschrieben« Szen«. Im ganzen ein Erfolg, Sieg einer gediegenen, grund'.nusikalischt'n, nicht entlehnten, aber auch mit eigenem Geist noch nickst gründlich durckzsättic^n Arbeit. Ein Werk, das seine tieferen Wette noen scheu verMgt und sicher noch lange nicht alles Schöpferische be3 begalwen M.mcr Kourponisten enthüllt. Böhireu, Sckxwar^. Kirchneo und Frl. Vcarherr, sowie eine nwisterhaft geschissene Tekoratiöt, sparen der unter SttLwey trefflüh geleiteten Aufführung präckstigq ^Lützen. Tr. Kurt Singer,
mr. Frankfurt a. M., 10. Mai. Heute vormittag wurde m Gegenwart der Spitzen der Behördeit und der Vertreter der Stadt die österreiclstsche Kriegsgraphik-Ausslrlluug im ZkUnst?ewerl»cmu^ seum eröffnet. Tie reichkialtige Schm, die bisl-er nur in Leipzig zu scheu >var, gibt ein guschmlicljes Bild der Arbeiten der Graphiker in der ösberreühiscl)oir Toppelmouarchie. 9ia!^zu all« Tcxhnikcm der Malerei imd der Druckkuust sind vertreteir. Einen weiten Raum nehmen die Werbeplakate für die KriegsauleilieB ein, die zum Teil rocht geschnackvoll gertrbeitet sind. Auch di< Gemälde auS dem Felde zeugen pvu reifer Mirstlerschrst. DÄ Ausstellungsleitmtg der beidctl Künstler K. Gold mrd Josef von Tivöfli. habm Wett darmii gelegt, daß rraheut mir Origmal- arbeiten ausgestellt, ebenso Ivar da? K. u. K. KrieMursstqrurttietz bestvÄst. nur Arbeiten tiervorrogauchber Att der Au^tcüuun überweiien. ^


