Nr. (03 Swetter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen) Zreilag. 3 . Mai ( 9(8
Aus Stadt und Crtnft.
Gießen, den 3. Mai 1918.
** Auszeichnung. Dem Gefreiten Georg Becker ki^urde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.
** Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen. Am 4. April 1#18 fand die dritte Jahres- Bollversammlung der Pveisprüsungsstelle für die Provinz Oberhessen in Gießen unter dem Borsitz des Groß herzoglichen Pvovinzialdirektors Geheimrat Dr. Usinger statt. Die Vollversammlung beschäftigte sich lediglich mit inneren geschäftlichen Angelegenheiten der Preisprüfnngsstelle und nahm die Berichte der stellvertretenden Vorsitzenden über die Tätigkeit der Preisprüfungsstelle im Jahre 1917 entgegen. Der Geschäftsbericht und der Kassenbericht wurden genehmigt. Aus dem. Geschäftsbericht ist unter anderem hervorKuheben, dcch die Preisprüfungsstelle im Fahre 1917 eine umfangreiche Gutachtertätigkeit entfaltet hat und insgesamt 390 Gutachten für die Großh. Staatsanwaltschaft und die Großherzoglichen Kreisämter der Provinz erstattet hat. Fm Jahre 1917 wurden 63 Sitzun.gen abgehalten. Die Geschäftsstelle der Preisprüfungsstelle befindet sich wie früher im Handelskammergebäude in Gießen, Lonhftraße 7. Ein Auszug aus dem Geschäftsbericht wird in Kürze veröffentlicht werden.
** Das Abzeichen für Verwundete. Die mit Bersiorgung entlassenen Heeresangehörigen erhalten 'das )Lbyerchen!vhne besonderen Antrag, haben also kein Gesuch einzureichen. Entlassene Heeres ungehörige, die in diesem >vrieg verwundet wurden, aber ohne Rente ausgeschieden sind, werden hierdurch aufgeforderr, ein kurzes schriftliches Gesuch um Verleihung des Abzeichens beim zuständigen Bezirksfeldwebel einzureichen. Militärpapiere sind dein sucye beizufügen. Ferner sind folgende Angaben notig: a) Tag, Ort, Art und Zahl der Verwundung; b) bei Erkrankungen, ob ärztliche Behandlung stattgejunden hat, daß die Gesundherts beschäd i g ung bei einem mobilen Trupperr- teile pder Behörde durch die besonderen Gefahren des .Kriegsdienstes hervorgerufen oder verschlimmert ist und lediglich aus diesen, nicht ans Rekkamationsgründen die Entlassung aus dem Heere erfolgte. Die Verleihung des '-bbzeichens wird voraussichtlich erst in einem Vierteljahr erfolgen können.
** Volksbund für Freiheit und Vaterland. Es wird nochmÄs auf den Vortrag des foerni Professors Dr. Goetz aus Leipzig über ,^Deutschland und seine Zukunst" hingewiesen ^ Roheres siehe Anzeige.
** Un ermittelte Heeres angehörig e, Ra chla stund Fundsachen. Das stellvertr. Generalkommando des 18. Armeekorps weilt Darauf hör, daß sowohl bei den Landrats- bzw. Kreismntern, als auch bei allen militärischen Komm andobehör den, Garnison- und Bezirkskonrmandos, Ersatztruppenteilen, Lazaretten usw., die den Verlustlisten von Zeit zu Zeit beigegebenen Listen: ..Unermittelte Heeresanqehörige, Nachlaß- und Fundsachen" nebst den dazugehörigen Beilagen, ,,Bildertafeln und Photographien und Abbildungen von Gegenständen aus den Nachlässen unbekannt Gefallener" eingesehen lverden können.
Kreis Alsfeld.
# Otterbach 2. Mal. Das Eiserne Kreuz erhielt der Unteroffizier Lehrer Fritz M ü tl c r.
up Aus dem Ohmtal, 2.Mai. Bor Jahrzehnten bestand in vielen Orten der Gebrauch, am Abend der ersten Mainacht auf eine Anhöhe vor das Tjorf zu ziehen und mit Peitschen tüchtig! loszuknallen. Das geschah von Burschen. Dieser Gebrauch entstammt dem uralten Glauben an den Hexentanz in der ersten Maiennacht. Das Peitschenknallen sollte die bösen Geister verbannen. Obwohl sch diese Sitte mit der Zeit in vielen Ortschaften von selbst verlor, erhielt sie sich noch in manchen (Saasen) iiij$ kt i unsere Zeit.
Starkenburg und Rheinheslen.
** Tarmst adt 2. Mai. Mau schreibt uns: Die diesjährige Ausstellung „Deutsch Kunst Darmstadt 1918" unter dem Schutze des Großherzogs wird veranstaltet von dein neugegründeten!
,,Ständigen Rat zur Pflege der freien und angewandten Kunst in Hessen". Die Ausstellung, die Malerei, Plastik Mid zeichnende Kimste umfaßt, wird nur Werke eiugeladener Künstler enthalten, zumeist Werte, die neu und noch nicht ausgestellt waren. Ta die schönen, sehr vorteilhaft von Prof. Alb in Müller umgestaltetenj Räume des Olbrichbaues aus der Mathildenhöhe nur mittelgroße Ausstellungen ermöglichen war es geboten, imr die stärksten und eigenartigsten deutschen Künstler zur Beteiligung arifzufordern. Tie eingegangenen Anmeldungen geben die Gewähr, daß diese Ausstellung eine hochbedeutende wird. Ta bei den Einladungen keine Rücksicht auf Richtung und Gruppenzugehörigkeit, sondern! nur auf künstlerische Bedeutring genommen wurde, wird die Tarm- städter deutsche Ausstellung trotz der großen Schwierigkeiten der jetzigen Kriegszeit eine so vielseitige und vortreffliche Schau über das deutsche Schaffen rmserer Zeit, über ihre Führer und über die stärksten Begabungen unter den Jurrgen und Jüngsten bieten, wie sie nur selten möglich ist. Die Vorbereitungen der Ausstellung! sind im vollen Gang, die Geschäftsführung liegt in den bervährten Händen des Herrn Hugo Hornberger.
mer sich In , _.
rnÄGol-beheLmt:
K AM KM M ÄA.
Die GM- mb bllberanlaussstelle
in den Räumen der veMs;pm!as?e Sieben ist morgen vormittag von JO bis N'Uhr geöffnet!
Hessett-Nafiau.
mr. Fran ksurt a. M., 2. 9Rai. Die Sachserchäuser Gärtner streiken, d. h. sie liefern auf den Frankfurter Markt kein Gemüse, da ihnen die Höchstpreise für (Gemüse zu niedrig sind. Die Hausfrauen sind daher gezwungen, die Gärtner auf ihren Grundstücken aufzrisuchen, um Gemüse zu erhalten, das sie natürlich weit über den Höchstpreis ankaufeu müssen.
Letzte Nachrichten.
Dev neueste Bericht dev Heeresleitung.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 3. Mai. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An den Schlachtfronren lebte der Artilleriekampf in einzelnen Abschnitten auf. Starker Feuerwirkung folgten feindliche Teilangriffe südlich von Villers-Bretonneux und auf dem Westufer der Avre. Im Gegenstoß machten wir Gefangene. Im übrigen beschränkte sich die Infanterie ans Erkundungen.
An der lothringischen Front hielt die rege Tätigkeit des Feindes an.
Oste n.
Ukraine: Auf der Linie Jekaterinoslaw-Charkow sind wir in da§ Donez-Gebiet einmarschiert. Am Asowschen Meer haben wir Taganww besetzt.
Der Erste Generalguartiermeifrer Ludendorff.
* *
*
Der Geburtstag des KronprUrzen.
Berlin, 2. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der Kronprinz bittet auch in diesem Jahre von der Absendung ihm etwa zuge-
dachter Glückwunschtelegramme nnd Glückwunschschreiben mit Rücksicht auf die starke Belastung der Post- und Telegraphenbehörden im Felde ivie in der Heimat freundlichist absehen zu wollen.
Die Ablehnung des gleichen Wahlrechts und die Regierung.
Berlin *3. Mai. Zur gestrigen Ablehnung des gleichen Wahlrechts im Abgeordneten Hause sagt die „Rordd. Allg. Ztg.": Niemand wird denen, die gegen das gleiche Wahlrecht entschieden haben, vortverfen wollen, daß sie ihrer Abstimmung andere Gründe als die, die ihnen ihr Gewissen vorschrieb, Urgrund ege lech haben. Heute das Verlangen an die Regierung zu stellen, daß sie doch noch von dem Grundsätze des gleichen WaU,- rechtes abgehm solle, bedeute eine Zumutung, deren Erfüllung man von vornherein nicht erwarten dürfe. Es ist von der Regierung- gefordert worden, daß sie schon jetzt das äußerste Mittel der Auflösung des Abgeordnetenhauses anwenden solle. Ter Vizepräsident des Staatsministeriums hat keinen Zweifel daran gelassen, daß die Regierung ernstlich gewillt ist, diesen Weg grundsätzlich zu beschreiben: die Auflösung ist aber doch nur ein letztes Mittel das nur dann angewendet werden darf, wenn es andere Wege, das Ziel zu erreichen, nicht miehr gibt. Tie Pause zwischen de r zweiten und dritten Lesung wird trotz der gestrigen Abstimmung einen W e g f i n de n l a s ste n der eine Verständigung zwischen den Parteien und der Regierung sichert. Todesurteile gegen Deutsche in Genua.
Berlin, <2. Mai. (WM3.) Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In Genua sind die deutschen Reichsange- hörigen König st. ein, Ampt uni) Heß, die bei einer Genueser Elektrizitätsgesellschaft /eine leitende Stelle bekleideten, wegen Spionage in contumaciam zum To de verurteilt worden, ohne daß für ihre Schuld irgendwie ein schlüssiger Beweis hat erbracht werden können. Tie deutsche Regierung ließ uun- inehr durch die Vermittlung der schweizerischen Regierung der italienischen Regierung.erllären, daß sic letztere für allen den Verurteilten aus dem Urteil etwa erwachsenden Schaden verantwortlich) mache und daß sie, sofern etwa auf Grund des Ut=i I teils Maßnahmen geigen das in Italien befindliche Vermögen der Genannten ergriffen iverden sollten, die geeignet sind, deren Interessen zu schädigen, unverzüglich zu den .schärfsten Gegen- maßrogeln greifen tverde. Sie erwatte ferner eine Aeußerung der italienischen Regierung darüber, was diese zu tun gedenke, um die Folgen der offenbar rviderrechtlich-en Verurteilung zu beseitigen.
UntcrstaatSsckretär v. Braun über die Verhältnisse in der
Ukraine.
B e r li n 2. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Im Haupt- ausschuß des Reichstages besprach Ünterstaatssekretär von Braun oie Verhältnisse in der Uttaine. Sie habe im Frieden etwa 6 Millionen Tannen Getreide an die Mittelmächte aus- gesührt. Jän laufenden Erntejahr könne die Ukraine nach dem übereinstimmenden Urteile von Kennern des Landes fraglos eine Million Tonnen abgeben. Nach den getroffenen Mmachmgen liege die Anscnnmlung des Getreides in den Händen einer ickrainischm Kommission. Tie Zustände im Lande seien bekanntlich noch unsicher und die Verkehrsschwierigkeiten groß. Infolgedessen seien sowohl die deutschen Kommissionäre Äs auch die ukrainischen Händler unter militärischen Schutz gestellt worden. Tie Bezahlung an die Bauern erfolge bei der Ablieferung des (Getreides auf beit Bahn- hofsvommandanturen. Leider liege die Kohlenerzeugung noch in. den Händen der Bolsckcwiki. Diese hätten viele Bergwerke zerstört. Trotzrein ,ei Vorsorge getroffen worden, daß die TransPvrtscKvierig- keiten programmäßig überwunden werden können. Die Zahlungs- Verhältnisse in der Ukraine seien in geradezu unglaublicher Verfassung. 40 Milliarden Papiergeld, hergestellt von Berechtigten Und Unlerechtigten, seien im Umlauf, ttotzdem sei keins zu haben. Von Teutschlaiw werden Reichs schätz scheine im Rubelkurs herge- stelll, unm die Geldnot zu beheben. Das Land sei nach der Austeilung der Güter von den Bauern real in Besitz pertommen worden, ohne daß sie einen Rechtstitel hätten. Die Regierung .habe die gesetzliche Regelung nerabsäumt. Jnfolgedesslnc chabe die Frühjahrs« lestellung empfindlich gelitten und zwar bis zu 50 Prozent. Auch bestehe in her Ukraine eine starke Neigung, lieber au Gwß-Rußland Kr liefern als an die MittelmäcW. Der Geldmarkt werde demnächst infolge der fortwährend gesteigerten Papiergeldproduktion zusammenbrechen. Fetzt schon stehe die Mark höher im Ansehen als der Rubel. Trotz aller Schwierigkeiten sei die Durchsülwung der Verträge zrc ermöglichen, allerdings 7wr darm, wenn ein starker militärischer Truck nachhülfe.


