Nr. 85
Der fcicfccaer Hijckct
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Erstes Blatt 168. Jahrgang Mittwoch.
Gietzener Anzeiger
Mittwoch. f0. April 1918
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General-Anzeiger für Oderhesjen
Erfolgreiches Cinörmgen in englische und portugistsche Ztellungen nördlich vom La Bassee-ttanal.
(WTN.) Urvtzes Hauptquartier. 9. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront entwickelten sich vielfach lebhafte Artilleriekümpst. Aus dem Südufer der Oise griffen die Truppen des Generals von Schveler und Wichura den Feind erneut an. Zwischen der Oise und Folemvray stieben sie über die AUette bis zum Oise—Aisne-Kanal vor. In heftigen Kämpfen nahmen sie den zäh verteidigten Wall östlich von Gunay. sie erklommen im Angriff von Norden und Osten her die steilen Hänge der Höhen östlich von CEiple-Chamrau und erstürmten stark ausgebaute Stellungen des Feindes. Quincy und Landricourt wurden genommen. Nach besonders erbitterten Kämpfen fiel heule frich das festungsartige Courl-- le-Chateau.
Im März betrugt der Verlust der feindlichen Luststreit- krästr auf dem westlichen Kriegsschauplatz 23 Fessetbalkttrr und 340 Flugzeuge, von denen 158 hinter unseren Linien, die Übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind. Wir haben im Kaurpf 81 Flugzeuge und 11 Fesselballone verloren.
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Don den anderen Kriegsschauplätzen nichts Nenes.
Der Erste Grneralgrrartiermeifter Ludendorff.
Der «bendverlcht.
DeeNn, 9. AprU, abends. (WTB. Amtlich.)
Nördlich vomLa Bass er-Kanalsinowir in englische und portugiesische Stellungen ein- gedrungen.
An der Schlachtfwnt zu beiden Seiten der Somme heftige Artilleriekämpfe. Auf dem Südufer der Oise warfen wir den Feind auch zwischen Coucy-le-Chateau und Vraucourt über den Oise—AiSne-Kanal zurück.
JA aufveyenden Spannungen vor großen Kriegsentscheidungen erhitzt sich die Phantasie der in der Heimat Zurückgebliebenen, und es zeigt sich da leider, daß Viele des .Miterlebens so großer Stunden nicht fähig und würdig sind. So gingen in den letzten Tagen wieder die Lauffeuer dum- titet Gerüchte bei uns um. Es wurde erzählt, durch einen Dammbruch in Flandern, der natürlich mit englischer Kriegslist in Verbindung stehe, seien Tausende unserer Kämpfer umgekommen; andere wieder wollten wissen, wir hätten eine Unsumme von Gefangenen an die Feinde verlorew Das alles ging nicht nur in Gießen und Umgegend um, sondern, wie uns berichtet wird, überall in Oberhessen, und wir waren erstaunt, auch aus einer halbamtlichen Berliner Zurückweisung des dummen Geredes zu entnehmen, daß die Gerüchte mit wahren Siebenmei len stiefeln durch ganz Deutschland geeilt waren. Die schlimmste ansteckende Krankheit kann nicht so schnell sortwnchern. Glaube oder Unglaube spielen dabei keineswegs die schädlichste Rolle; viel schlimmer wirken Sensationslust und Schwatzsucht. Man sollte sich beim Horen solcher Schwatzereien doch inrnrer Vorhallen, daß auch der glaubwürdigste wirkliche oder angebliche Zeuge solcher Aufsehen machenden Begebenheiten bei gutem Gewissen niemals in der Lage wäre, bestimmte Ziffer»» zu nennen; schon bei einem größeren Eisenbahn- oder Dmrrpferun glück muß man immer oie amtlichen Meldungen abwarteu, die den Umfang des Geschehenen erst überblicken lassen. Und wie steht es in großen Schlachten? .tai ta der einzelne Feldgraue rens überhaupt mehr berichten, als was er im Umkreis von vielleicht hundert Schritten gesehen oder nicht gesehen hat? Wissen wir nicht, daß, um ein zuverlässiges Brld über die Lage eines Kampfes zu erhalten, dienstliche Meldungen befähigter Mihrer gesammelt und verglichen rverden müssen, und daß uns solche Nachrichten nur von der Obersten Heeresleitung kommen kommen? Aber die Dummen werden, nicht alle, und selten sieht man bei .der Fortwucherung solcher Gerüchte einmal eilte zornige Abweisung eines Schwätzers. Und doch, hier kann man gar nicht grob genug sein. Die ungezählten Wichtigrnacher tu allen Ständen und Stellungen, in Zivil und im feldgrauen Rock, bei hoch Und niedrig, die ihren Unsinn nicht Eva weitergeben, roeil sie selbst fest daran glauben, sondern weil sie sich eben gerne de»» Anschein geben, mehr tyn wissen als andere, die sollte man zum Teufet jagen, von denen sollte man weit abrücken, wenn sie losliegen! wollen. Dahin gehören auch die viele»» Mitteilungen über neue Erfindungen, neue kriegstechnische Mittel, die
beständig in» Umlauf find. Das neue weittragende Geschütz wird nie so viel Kraft entfalten und Entfernungen überwinden können, als der Gesamtaufwand an phantasie- vollem Gerede über feine Einrichtung. Wer wußte nicht vor Beginn der großen Offensive im Westen von den neuesten Gasen, die zur Anwendung kommen sollten, vis dann ein Kriegsberichlerstatter durch Umfragen bei Schlach- benteilnehmenl und amtlichen Stellen peftfmtte, daß alles Larifari war!
Man sollte eirdlich aus seinen Kriegserfahrungen lernen! In schlimmen Fällen und hartnäckigen Schwätzern gegenüber ist Anzeige am Platze, und es wäre wahrscheinlich sehr nützlich, wenn die Zeitungen einmal eine zuverlässige Meldung bringen könnten, daß ein Erfinder oder leichtfertiger Verbreiter eines schädliaien Gerüchtes diese oder jene gerichtliche Strafe erlitten hätte.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 9. April. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: In Judikaräen wurde ein italienischer Ueberfall vereitelt.
Der Chef des Generalstubes.
Zur Beachtung.
Ins»lqe ßtoKf<ls an geeipdtt rwhie können die Städtischen Elektrizitätswerke Gießen ssn heute mittag ab keinen Sttom mehr liesem.
wir waren deshalb gezwungen, die ßsmilien- blätter ausfallen zn lassen und die Krrttgstellung des Gietzener Anzeigers vorzeitig adzuschlietzen, um die Herausgabe der heutigen Kummer überhaupt zu er- möglicheu.
Trifft dl« geeignete Sohle nicht rechtzeitig ein.
so mutz das Erscheinen der Gietzener Anzeigers bis aus weiterer eingestellt werden. Die Sweigstellen- Znhaber in den Landorten werden dringen- ersucht, sich trotzdem täglich um die Abholung Ser Zeitung^ packe zn bemühen.
Gießen, »S. April »9»8.
Berfas öe§ Gietzener Anzeigers.
Der türkische Bericht.
Konstantinvpel>8. April. (WTB.) An der Palästinafront mehrfach vergehende Aufüänmgsabteilungcn des Gegners wurden durch Feuer und Gegenstöße vertrieben. Kaukasusfront: Unsere Truppen hcch-en nach einem heftigen Kampfe Wan genommen. An der» übrigen Fronten keine Ereignisse von Bedeutung.
Die neuen Erfolge im westen.
Berlin, 9. Avril. 9Loch am 9. dlpril behauptete die englische Presse, die Deutschen hätten in dem großen Winkel Ärras—Montdidier—Noyon alle Hände voll zu tun. Eine weitere deutsche Aktion, auch nur Ablenkungsoffensive an anderer Stelle der Westfront, lei »mmöglich Am Abend desselben Tages konnte der deutsche Bericht melden, daß nicht nur z-vtjchen Coucy-le-Chateau und Brancourt die Franzosen über den Oise—Aisne-Kanal geworfen seien, sondern daß zugleich nördlich des La Bassse-Ka- n a l s deutsche Truppen in die englischen und portugiesischen Stellungen eindrangen. Dieser Einbruch fand statt, während zu gleicher Zeit auf der Hauptkampffront hsftrge Artilleriekämpfe wüteten. Die Teiloperation südlich der Oise allein erzielte einen fast doppelt so großen Geländegewinn, wie ihn die Engländer während ihrer vierinonatigen Uebermaterial- kämpfe in Flandern unter Einsatz von 93 Divisionen, das heißt von l 1 /* Millionen Mann bester Truppen, und bei einer Einbuße von einer halben Million Toter und Verwundeter machen konnten.
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Englischer Bericht
Vom 9. April morgens.
Heute früh entfaltete die feindliche Mtilberie große Tätigkeit auf einer .Front, die vom La Ba sssc-Kanal bis südlich von
Armentieres ouÄchnt. Sonst ist von der brstifchr« I?taWfc mit Ausnahme einer heftigen feindlichen Beschießung bei Vlllevv- Brelonneux und Heriwurt-l'Abbaye nichts Besonderes zn meiden.
Französischer Bericht Vom 9. April nachmittags.
Starke TätigTkrit der Artillerie aus beiden Seiten, an zahlreichen' Punkten der Front nördlich von Mlontdidier und südlich vom Montdidier und Noyon. Kern Jnfanteriegesecht. Auf dem linken Ufer der Oise zeitweilig unterbrochenes Geschützseuer. Vorgeschobene französische Truppen zogen sich dem gegebenen BcftHL gemäß auf aus gebaute Stellungen südwestlich dom la Bassäe-Kanal zurück. Im W^lde von Couch »o»d südlich, von Eoucy-K EhatvLu erlitten deutsche Truppen, die ständig unter fvanKösischen» Strtillerte* teuer gehalten tuurden, wÄ>rend dieser Unternehmung erhebliche Verluste. Mn-dlnesttich vor» Reims scheiterten zwei Hanvfireiche^ Ändere deutsche Angrisfsversuche gegen Leine französische Posteu in der Richtung auf les Epargcs im Adichnitt von Reillon nördlich von Bonhomme- hatten nicht Mhr Erfolg. Der Rest der Nachr verlief ruhig.
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(ttn chtglischer Regimentsbefehl.
Berlin, 9. April. (WTB.) Ein kürzlich erbeuteter eng«» lisch er Regimentsbefehl enthält folgende Besann tniachirngf «eines RegimentskomuMideurs an seine Truppen: „Tie deutsche Offensive wird dein Regiment Gelegenheit bieten, möglichst viel e Hunnen abznschlachten." Befehl siel mit dem prößter» Teil des betreffenden RLgiments in deutsche Hände.
Ein -lusrus an die englischen Truppen.
Berlin, 9. Arvil. Mit welcher Sovge England der deutsche« Offensive entgegensah und wie man dort alle nur möglichcu Bor-, bercitungen traf, ihr zu begegnen, erweist folgender amtlich« Aufruf an dre englischen Truppen- der Lu deutsche Hände siel:
»Die Deutschen haben eine große Anzahl Divisionen an der russischen Fwnt fveibekommen. Es ist daher möglich, daß sie diese benutzen iverden, um einen Schlag gegen die Verbündeten an der Westfront zu süHven. Sollte ein solc^r Angriff gegen uns statt- sindeil, so müssen wir und unsere Nachbarn bereit und vereint sein, ihn abzolschlagen. Die bisher erlitterren Schläge, dciederlag« und Berlnste habe« Mut und Geist des Boche-Soldaten sehr av- beugt. Mr werden in die Reihen der Boches blrrtige Lücken sch»»- gen und ihnen ei.ren mederschmetternden Hieb versetzen. Dies errei chen w rr, irkdem wir alles daran setzen, unsere Stellung so vvrziubereiten, daß dieser "Angriff, so überraschend und gewaltig ec auch sein mag, dirrch die Stärke unserer Berte»diMmgsstellung urtb die Tapferkeit unserer Tr»»ppen unweigerlich abgeschlagen wird. Dies ist also die große Schicksalsstuude des Krieges. Sie ist gleichzeitig eine der größten Entscheidungen in der Weltgeschichte, denn dann kommt der einzige Friede, den die Verbündetcu annehmen körmen, nämlich ein Friede, der durch.de»» Sieg erkämpft ist. 24. Febr. 18. (ga.) G. Parvin^ 48. Jnsanterieorigade Nr. G. 57/51, 16. Jnf.-Div."
Einen Monat später waren die starken englischen Stellirngal von den Deutschen erstürmt, und wieder einige Tage später dis britische Front durchbrochcn.
Die englischen Kvlonialtruppen.
Berlin, 9. April. (WTD.) Der englische FittcksprAchj vcnn 7. April vertvcrhrt sich gegen die Behauptung, daß die Engläktüer ihre Kolon ialtruppen stärker eingesetzt hätten als ihre eigenen. Die Tatsachen beweisen jedoch das Gegenteil. In der großen Schlacht cm der Soinme, bei Arras, in Nandem» wurden Kolonialtruppen stets an deir Brennpunkten eirlgesetzt. So geschah es bek P-oziöres, Eonrcelette, Le Sars, Bazentrn, Ftcrs Geudecourt- beim Sdrrm ans Vimy, die Höhen bei Qnearrt, B»»lleevurt, ferner bei Whtschaete, P'loogsdeert, Baeelaere, Gheliwelt^ - Nur in der jetzigen großen Schlacht standen bis auf ein« südafrikanische Brigade keine Kolonialtruppen in her Front. Die Brigade wurde aufgerieben, ihr Konp« maltdeilr, der F'lügeladfiltant des Königs von Errgland, gefangen genornmen. Die Kolonialtruppen nrachton Ävar hie Flucht der Engländer »ncht mit, aber nach der Niederlage! wurden sie herbei gerufen. In Eilmärschen, mit der Bahn, in Autos Mrrderr sie l^erangebracht, trirppweise, überstürKt von deir Engläuden» eingesetzt, um die Errgländer vor der Venrichtung zu retten. Sre mußten sich vor den Mündungen der deutsche»! Maschinengewehre für die Engländer opfern,, damit diese sich weiter ri'lcklvärts sammeln konnten. Ihr' Bllrt floß denre»ttspreche»rd. Eine Zusanmrensbellu»»g der' Verluste der englische»r HilfsVölker nach amtlichen britischen Anaabeu ergibt folgendes:
Kanada: auf den Kriegsschauplatz abbefö-rdert 200 000 Mann; Verluste 130 000, davon 35 000 Tote.
Australien: auf die Kriegsschauplätze abbefbrdert 270 000 Mann; Verluste 160 000, davon 40 000 Tote.
Neuseeland: auf die Kriegsscharrpläße abbesÄrderß 80 000 Mann; Verluste 40 000, davon 10000 Tote. #
Zbrßolge dieser Behandlung ist die Begeisterung der üploniale»», die stets wieder Herstellen muffe»», n?as die Engländer verderben, erloschen. Ihre Achtung von den Eng-
Cs eilt nicht mit der Ginzahtung!
Wer will, kann die Zahlung der gezeichneten Kriegsanleihe auf die Monaie April, Mai, Juni, Juli verieileu.
Wer 400 Mark zeichnet, braucht sie erst am 48. Zuli zu zahlen.
Also: jeder tan« zeichnevl


