Nr. 81 Zweiter Statt
Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberyessen)
Montag. 8. April *9*8
Die Rückkehr der deutschen Gefangenen aus Ruhland.
Berlin, 4. April, Anrilich. Nachdem die Ratifikations- urkmrüen übet den Ariedensvertrag ^vi scheu Deutschland und Rußland ausgetauscht »v-ordeu sind, geht die fitr die »weitesten Kreise des deutschen Volkes besonders bedeutungsvolle Frage der Rückkehr der beiderseitigen Kriegs- und Z i v i l g e f a n g e n e u ihrer Losung entgegen. '9?^) den Be,ti umringen des Zusatzvertrages soll der Austausch der Kriegsgefangenen und die Heimbeforde rung der internierten und verschickte!: Zivilangehörngen beider Teile tunlichst bald erfolgen, soweit sie nicht mit Zu stimmung des Aufenthaltstaates in dessen OKbiete zu bleiben oder sich in ein anderes Land zu begeben wünsche:!. Zur Regelung der Einzelh iteu des Abtransportes unb, um'die Durchführung der getroffenen Vereinbarungen zu über wachen, wird eine aus 4 deutschen und 4 russischen Vertretern zu bilderrde Kommission zusammen treten, und zwar voraussichtlich in Petersburg oder Moskau, wohin sich die deusschen Mitglieder der- deutschen Kommission demnächst oegeben werden. Es steht zu hoffen, daß die Arbeit der Kommission rasch vorwärts schreiten und der Abtransport, der bereits auf Grundlage der früheren Vereinbarungen über die Front in die Wege geleitet lvorden ist, nach Möglichkeit gefördert werden wird. Immerhin muß bei der Ausdehnung des in Betracht kommenden russischen Gebietes und der Schwierigkeiten der Beförderungsverhältnisse damit .gerechnet werden, daß noch einige Monate vergehen, bis die deusschen Kriegs- und Zivilgefangenen sämtlich aus Rußland in die Heimat zurückgekehrt sein loerden. Bis zu in 'Abtransport wird die Fürsorge für die deutschen Kriegsund Zivilgefangenen, die bisher den Vertretern der neutralen Schutzmacht in Rußland oblag, von einer Anzahl besonderer deusscher Kommissionen übernommen werden, zu deren Zulassung und tunlichsten Unterstützung sich die russisch? Regierung in: Zusatzvertrag zum Friedensvertrag ausdrücklich verpflichtet hat. Diese deutschen Kommissionen werden gleichfalls möglichst bald an den Orten der ihnen nach Lage der Verhältnisse zuzuweisenden Wirkungskreise ihre Tätigkeit beginnen und, nnt erforderlichen Geldmitteln aus- geftattet, die Fürsorge für die deitlschen .Kriegs- und Zivil- gefangenen bis zum Abtransport in die Hand nehmen.
Aus Stadt und Cnnd.
Gießen, den 8. April 1918.
Setter, Settern beigelegt Machen, daß man Taler trägt.
(Sprichwort.)
Legen Sie Ihre Ersparnisse in der 8. Kriegsanleihe an!
** Amtliche Personal Nachrichten. Ernannt s-n *"} ? bif Gerichtsschreibergehilfen
Jakob Beckerle in Wosstaot, z. Zt. in Offenbach, mm Aktuanatsasstttenten bei oem Amtsgericht Ofsenbach. Eduard B är in Nidda, z. Zt. in Lick, zum AktuariatSassistenten bei dem Anrts- gericht Nsiidda. Friedrich Gerhard in Tarmstadt, z Lt im Heeresdieipt, zum Aitt,.ariatsa>si stenten bei dem Amtsgericht Tarm- «adt II. Christian Stroh in Offeubach, z. Zt. in Tarmstadt, zum 24kttrarratsaff rstenten bei den: Amtsgericht Offenbach Philipp Elle r in Ortenberg, z. Zt. in Altenstadt, zum AkruariatSassi st enden bei dem Amtsgericht Orteuberg. Wilhelm Clemens in Bingen zirm Aktuarialsassrstcnten bei dein Amtsgericht Bingen Ful'ius Da hm er in Großen zum Mtuariatsassistentcn bei dem Amtsgericht besten. Anidreas Reimuth in Oppenheim, z 3t in Mainz, -um ^lktuarratSassistenten bei dem Amtsgericht Opp-nku-im Otto Walter in Wald-Michelbach. z. Zt. im Heeresdienst zmn Nktuanatsastrstenten bei dein dlmtsgesscht Wald-Michckbach Jo- hmmcz Brertwiese r ül DiÄnrg..». Zt. im Heeresdienst. ,«m Aktuarratswfrstenten ber denr Amtsgericht Dieburg. Georg M ü l - lerin Gernsheim, z Zt im .Heeresdienst, zum Muariatsassrstenten bei dem. Anrtsgerichl Gernsheim. Martin Biedert in Worms z. Zt. im Heeresdienst, zum Akttrassatsassistenten bei dem Amtsgericht Worms. Karl Emrich in Reichelsheim', z. Zt. im Heeresdienst, zunl Mtuariatsassistentcn bei dem Amtsgericht Reichel S-
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dienst
Tarmstadt i. tfneDrtd) jr I e in in Michelstadt zum Mnariatsassi Ämten bei dem Amtsgericht Mrckwlstadt. Wilhelm Ritter in Lich, z. Zt. im .Heeresdienst, zum Aßtncrssatsassistenten bei dem Amtsgericht Lrch. Wilhelm Stau buch in Butzbach, z. Zt im Verwaltungsdienst für Polen, zum AktuariatAssistenten bei dem Amtsgericht Butzback). Philipp Bausum in Dieburg zum Aktu- rriatsassritenten bei dem Amtsgericht Dieburg. August Gun sch- mann in Darmstadt, z. Zt. im Heeresdienst, zum Aktuassatsassi- stenten bei dem Amtsgericht Darmstadt II. Heinrich K o ch in Darmstadt zum Akttmricrtsassistenten bei dein Amtsgericht Tarmstadt! Sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1918.
** Krreg und To kt v r d i s se r t a t i o n e u. 9cach einem Erlaß des pren fuschen KMusministeriums soll während des Krieges infolge der Papierkuappheit und des 9Rangels an Setzern die Aushändigung des ToktordrplomS und die Bcreck>ttgung zur Führung
des Doktortitels nicht mehr von der vorausgegangenen Drucklegung der Dissertation abhängig gemacht, sondern schon gegen die Verpflichtung erteilt werden, die Drucklegung der hinterlegten Niederschrift zwei Jalwe nach Beendigung des Ksseges bewirken zu lassen. Ferner muß eine für die Truckkosteu ausreichende Summe hinterlegt werden.— Wie wir erfahren, sind auch an der hiesigen Landes- unrversität ähnlick)e Anordnungen in Vorbereitung.
.. ** O e s f e n t l i chc B ü ch e r h-clck l e. Im März wurden 2386 Banlde ausgeliehen. Tamm kommen Es: Erzählende Literatur 1105, Zeitschriften 282, Jugendschriften 198, Literaturgeschichte 11 Gedichte und Dramen 39, Länder- und Völkerkunde 55, Kultur ge schickste 30, Geschichte und Biographien 110, Kunstgeschichte 21 Nattlrwissenschast und Technologie 95, Heer- rmd Seewesen 8, Hans- und Landwirtschaft 9, Ges undlftits lehre 21, Religion und Philo so phie 44, Staatswissenschast 17, Sprachwissenschaft 14°, Fremdsprach liches 27 Bände. Nach auswärts kamen 74 Bände.
4omnst $un% esxid&renl ßhxdy IXsmue- nimmi dre EstörurÄLuftrsLeAs ^um. oolkn Wxrie rnw. '
Die Gold- und StlkrcmfaufsfMe
!it den Räumen der öezirks?par!affe Gieren ist morgen nachmittag von 2 bis p Uhr geöffnet!
Landkreis Gießen
** Großen-Linden, 7. April. Bizewachtmeister Hardt wurde nnt dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet.
Kreis Schotten.
B. Burkhards, 7. April. Fahrer Johannes Sang erhielt das Eiserne Kreuz.
up. Groß-Eichen, 5. April. Die Klagen über die Verrohung rmserer Jugend sind wir zu gerechtfertigt. Hier <pwretenl am Abend des ersten Osftrtages solche mrreife Burschen aneinander. Der Streit ensstand auf der Straße und artete in rohe Tätlichkeiten aus. Zuletzt wurde das Messer gezogen und zwei der Streitenden erhielten cm den Wpsen Sticksterletzungen, daß das Blut über die Gesichter strömte.
Kreis Frledberg.
#• Friedberg, 7. Llpril. Ten Heldentod starben der Lent- nmtt o. R. Fritz Hake Und Leuttrant rmd Kompagnieführer Paul F i s ch e r, Sohn des Pfarrers Fischer zu Rodherm. Nach langem Leiden starb hier der Oberstleutnant Ferdinmrd Maas, Inhaber hoher Orden. Das Eiserne Kreuz erhielt der Geometer Adolf von der Herd. — Hochweisel. Das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feierten die Johannes Mohr II. Eheleute. — Södel Das Eiserne .Kreuz erhielt der Gefreite Ph. Fourier.
Oppershofen, 7. April. Der Untervfffzier Peter Hch. Wolf wurde zum Sergeanten befördert rrnd erhielt das Eiserne Kreuz 2. .Klasse, nachdem ilM erst kürzlich das Hessisck-e .Kriegs- Ehrerrzera^en in Ersen verliehen worden rvar.
Starkenburg und Nheinhessen.
I. Darm stadt, 6. April. Gestern fandl die Versteigerung des künstlerischen Nachlasses von Hermann Schlegel statt. Die Bilder wurden, da sie alle auf einmal auf den Markt gebracht wurdest lwrd unbedingt geräumt werden sollten, wert rntter ihrem Wert verkauft und aingen oft zu Spottpreisen weg. Der .Kunsthandel ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und wird pmnmehr daffir sorgen, daß Schlegel Mode wird. Die Stadt kaufte gleichfalls' eine Reihe Gemälde für ihre Sommlumpen Auch aus der Bürgerschaft fanden sich zahlreiche Liebhaber für die Ag na rekle Schlegels, die in der Hauptsache vertrante Motive aus Darmstadt imd seiner näheren Umgebung darstellten. .Hermann Schlegel ist Ende vorigen Jahres in größter Dürftigkeit gestorberr.
. vessenNnssau.
}\ Biedenkopf, 7. April. Im hiesigen Kreise betrug dir KÄrtvffelanbMlftäche im Jahre 1947 10 900 Morgen, gegen 42 400 Morgen in 4946. Im volkswirtschaftlichen Interesse sott die Mbau- fläck>e in diesem Jahre möglichst gesteigert loerden.
--- Schwan he im a. M., 6. April. Tie Rabenplage hat in der hiesigen Gemarkung derart überhand genommen, daß dir Gemeinde einen Vernichtungskrieg gegen die schwarzen Gesellen eröffnen nnißte. Auf allen mit Hafer bestellten Ackrstücken wurde Gift ausgetegt,. dem die Tiere jetzt zahlreich erliegyn.
Spieipian des Giehener Stadttheaters.
Samstag 43. April, 8: (In Bad-Nauheim.) Ens.-Gostsp. v. Mitgl. Id. Mainzer Stadttheaters. Neuheit! „360 Frauen". Sonn- ttag 14., 3V 2 : Gew. Pr. (crai.i. „Alt-Heidelberg". 7V 2 : Gew. Pr.
Satz ein Knab' ein RÜslern stehn".
Spielplan der vereinigten Zranffnrter Stadttheater
Opernhaus.
Ahontag 8. L>lpril, ?Vs: „Hoffmanns Erzählungen". Tiens- tag 9., ly*: „Tie RegimentstochterMittwoch 40., 6V 2 : „Tann- häuser". Tonnerstag 44^, 7: „Das Glöckchen des Er'emiten". Freitag 42.: Geschlossen. Samstag 43., 7: „Ter Zigennerbaron". Sjrnrttcvg 44., 3Vs: „Tie Itose von Stambul". 7: „Der Troubadour". Montag 45.: Geschlossen.
Zchausplelhaur.
Montag 8. April, iy 2 : „Ter t&xiob". Jur Saal b. Zool Gart, 71/2: Sondesswsst. f. d. kriegsbeschäst. Arbeiter sch. „Johannisseuest^. Tienstag 9., 7Vs: „Jan der Wunderbare". Mittwocl) 40., 6: „Don Carlos". Donnerstag 41., 7 V: Sondervorst, s. o. Frkst. Verein f. Jugendpflege. (Kein Kartenverkauf.) „.Könige". Freitag 42., 7VZ: „Clavigo". Im Saal d. Zool. Gart. Söndervorst. i.d. kriegs- beschäft. Arbcitcrsch. i.Kern Kartenverkaufs 7'ch: „Jahrmarkt in Pulsnitz". Samstag 43., ly*: „Jan der Wunderbare". Sonntag 14., 3V2: Kl. Pr. „Tic verlorene Tochter". 7V?: ,.Der Snob^'. Vtvntag 15., 71 / 2 : „Ter Weg zur Hölle".
Letzte Nachrichten.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 8. April. (Amtlich.)
W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront zu beiden Seiten der Somme blieb die Gefechtstätigleit auf Artilleriekämpfe beschränkt. Teil-- augrisfe der Engländer im Walde von Hangard, der Franzosen bei Grivesnes scheiterten nnter schweren Verlusten.
Auf dem Sndufer der Oise zivangen unsere Erfolge vvm 6. April den Feind noch in der Na ;t vom 6. zum 7. Teile seiner Stellungen zwischen Bichanconrt und Barisis zu räumen. Gestern führten wir unsere Eingriffe fort und warfen den Feind nach Einnahine von Pierremande und Folebray auf das westliche Ufer der Ayttte zuri'ick. Von Bichaneourt an der Oise entlang zurückgehende ftindliche Kolonnen wurden vom Nordufer des Flusses von unserem Maichinengewehv- feuer flaiikierend gefaßt und wurden unter den schwersten Verlusten zusammengeschossen. Die am Ostrande des Waldes von Eoucy und über Barisss vorstoßenden Truppen erstürmten den Vergklotz nordöstlich von Folebray und prangen bis Venreuil vor. Die Zahl der eingcbrachten Gefangenen hat sich auf mehr als 2000 erl>öh1.
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Vor Verdun am Abend auflebender Feuerkampf.
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Rittmeister Freiherr von Richth:ssen errang seinen 77. und 78., Leutnant Wcnkhoff seinen 23. Lustsieg
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Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
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Vertreter des Landwirtschaftsrates und Jndustrierates beim
4 Staatssekretär des Reichsschatzamtes.
Berlin, 7. April. (WTB. NichtMpIlich.) T-er Staatssekretär des Reicksschatzamtes Graf Rödern empfirrg am 6. Llprit eure Anzahl Vertreter des L-andwrrtsck-ascsrates und Jndnsttrecatei siowie des T'eutscheu Handekstages zu einer BespreckTiing über dir rn Zeichnung begriffene Kriegsanleihe rmd legte die besondere Badvutting dar, die ein großer Erfolg der diesmaligen Kriegsankeihö habe)! müßte. Etwaige Sorgen um die Erhalttrng vv)r flüssigem Betriebskapital seien rmbegrmrdet. Jede besondere Kriegssbeuer während des Krieges und nach dem Kriege werde in Kriegsanleihe! gezahlt werden dürfen. Bei Verkäufen des riesigen Hoeresmaterials (Lastkraftwagen, Fuhrwerken, Pferden, Maschinen, Metallen) und seiner Wiederzuführung in die Privatwrttsckttft wird die Kriegsanleihe nicht nur Mm Nennwert in Zahlung genommen, sondern eine Zahlung darin bworzugt ioerdeu. Hier sei aber die KriegK- anlerhe so gut wie bares Geld. Tie auf Einladung des G.mcralfeld- marschallS von Hindenbnrg in der vorigen Woche unter>rommene Fahrt durch das neu -eroberte Gelände an der Westfront habe dem Staatssekretär dir mrgeheuere englische Beute und .zuglnch die ftrrchtbare Einwirkung dos' heutigen Krieges aus nächster Nähe gezerrt. Solche Zerstörungen und solche Verluste in Höhe von Milliarden sleirn uns erspart geblieben. Ter Staatssekretär schloß mit dem Apell: In diesen Tagen stellt unser Heer ans jenepr Schlachtfelde wieder im schioersten Kampfe. In solcher Zeit bedeutet die Tat alles, das Wiort wenig. Ter Augenblick fiir viele Worte scheint mir deshalb nicht gegeben, ich bitte Sie deshalb nnr nochmals, einen kurzen aber dringenden Aufruf in Ihren .Kreisen weiter zu geben. Das deutsche Volk möge nicht durch Worte, sondern durch die Tat beweisen, daß es seine Pflicht in der Heimat kennt. Tiefe Pfticht ist die Erfüllung der Forderung des Tages.
Jnr Anschluß hieran führte der Reichsbankprcffrdent H a v e n - stein aus, daß die Kriegslage noch nie so günstig strr uns gewesen sei, wie heute. Disgeswille und- Vertrauen auf den Sieg spiegelte sich bereits in deir Ergebnissen der Zeichnung loüder. Aber den g-ewaltigen Schlägen des Heeres miffse ein schlagender Erfolg der Zeichmmg zur Sette gesetzt werden. Cs gelte alle Kräfte zusammenzmrehmen, unt den Erfolg der Artteihe wie den an der Front zu den größten zu gestatten, den der Krieg unS gebracht, zu einenr Erfolg, der die Hoffmmgeu der Fettrde, nicht nur, daß die Waffen- und Fman-zkraft des deutschen Volkes erliege, sondern auch die, daß der Siegcswille zu Hause erlahmen könnte, zerbrrckst.
Sostlresäruls
^^noben- penNonot
RealklaHen, oerbunden mit vorlctrule
Offen bock a.
erteilt Ofnlährlgenzeugnls
Offen« "N bock a. m. V jugnls. , ui ssi'
Jlujuft Wilhelm v. hofmann.
Zu fernem 100. Geburtstage am 8. April.
100 Jahre sind es heute, daß ein Großmeister der deutsck>en Chemie, Ä u g u st Wilhelm v. H o f m a n n, in Gießen das icht der Welt erblickte.
Unter allen Schülern Liebigs ist Apgust Mlhelm v. Hof manu .rhrscku'nürcb der bedeutt'udste, sicher aber der bekannteste und volkstümlichste, von Hofmann wandte sich, als er die Universität setteee Vaterstadt bezog, zuesst dem Rechtsstudinm zu: nebenbei beschäftigte er sich auch mit naturwissenschaftlichen Fächern, trat als Praktikant in Liebigs Laboratorium ettr und blieb dann eud-, gülttg bei der Chemie. 1844 bestand er die Doktorprüfung; eiurgc - 8ett blieb er im Laboratvsslim Liebigs als dessen Privatassrstent und half seinem Meister bei chemisck>en Arbeiten und bei der Redaktion der „Annalen": 1845 ließ er sich in Bonn als Privat- dozent nieder: in! gleichen Jahre noch nähni er einen Ruf nach London mr, wv er die Leitung des neugegründeteu, der Bergaka demic angegliederten „College os Cl)emrjttv" übernahm. Fast zivei Jahrzehnte blieb er hstr: 1864 verließ er dissc glänzende Stellung!, um einem Ruf nach Bonn zu folgen, und im Jahre darauf berief man ihn nach Berlin: hier konnte er noch fast drei Jäbvzebntt wirken. Er starb am 5. Mai 4892, nachdem ihnr! schon 1888 der pessönlickc, 1890 der erblick^ Adel verliehen worden war.
Rund ein halbes Jahrhundert hat Hofmarm gewirkt. Sein Hcmptgebtet war die organische Chemie. Ms ec sich ihr als Privat- assistent Liebigs znwandte, steckte die Teerchemie noch in den Kinderschuhen; als Hoftnamr starb, ivar sic eine hochentwickelte, ivohl ausgebaule Sonderwissenschaft geworden, und wenn inan heute in einem chemischen Lebrbuche übe»- irgendeine ihrer Grundtatsacheu. nachischlägt. stößt mau fast allenthalben auf bau Namen Hostnanns. Seine erste ^Handlung, die „Chronischen Untersuchungen der organischen Basen im Steinkohlenteer" (1843), ist die Wurzel fast oller seiner späteren Untersuchungen. Es gelang ihm dmnals der Nachweis, daß das Kyanol rdenttsch sei mit dem Mrrttn; er w.rndtc sich dann werteren Untersuchungen über das Anilin zu., und seme
große Abl>audlung über die „Metamorphoseu des Indigos" brachte ihm die goldene Medaille der Pariser Soerstß de Pharmacie ein uud begründete seine Stellung iu der Welt der organisck>en Cheniikcr. In wetteren Untersuchungen ernstes sich das Anilin als unerschöpf- licfK? Fundgrube neuer Verbindungen; die Analogie zwisckien Anilin und Ammoniak veranlaßte Hofnrann, sich auch diesem Stoffe znzu- ivenden, und führte ihn zic der (Entdeckung, daß seine Wässerstoss- atome stufenweise durch Alkoholradikale ersetzt werden kömren. So fand er eine Fütte neuer Stoffe von größter Bedeuttmg für die gesamte organische Chemie. Die für die Jndustsse wichttgsten Stoffe, deren Ausgangsstoff das Anilin ist, sind die Farbstoffe. Den ersten dieser Teerfarbstoffe, das Mauvein, hat Perkttr im Jahre 1856 unter Anleitung «Hofmanns in dessen Londoner Laboratorium l)er- gestellt: Hofmaun selbst wirrt sich dann auf die Teerfarbenchemie; sie verdankt ihm die Herstellung zweier Farben, des Fuchsins, das er bei einenr Versuche als Nebenerzeugnis auffand, und, eines Violetts, das als H o f m a n n -> V i v l e t t (Tahlia) laugg eine Modefarbe !var. Jlu )enen Jahren kamen imaner neue Deer- farben aus den Markt, deren Herstettuug und Zusammensetzung selbstvesstandlick;, geheimgehalten wurde. Jedesmal, ivemr so ein Neuling vorlag, untcrsuchite Hoftnann ihn, und in fast allen Fällen gelang es ihm, daS Rätsel zu lösen. Für die Fortschritte der Chemie war dies von gewaltiger Bedenttrng. Ettrige weitere Forschungsgebiete der lorganischen ClMnie, auf denen Hvfmanin sich erfolgreich betätigt fai, seien nur kurz ernmhnt: l>ei Forschungen über die Rohstoffe der Farbenindustrre entdeckte er das Hydrazobenzvl: er lfand eine neue typische Verbrudimg auf, das Formaldehrst»; fast gleichzeitig entdeckte er die Jsonttssle: dieser Entdeckung folgte bald die Lpnthsse der aliphattschen Senföle. Auch über Alkaloide (natürliche Pflanzeubaseni hat er b.rhu- brockende llutersuckpingen angcstellt und die Natur des Coniors und der gan^nr Gruppe des Piperidins und des Pyridins aust geklart.
Sieht man auf das mr Arbeit, aber auch an Erfolgen rerckre Loben v. Hofmanns zurück, so steht man mit Bermmdenrng vor dissem großen nimmer raswndeu Geist. Gerade wir Gießener körmen auf
ihn, den Sohn unserer Stadt, stolz sein. Lan^ Jahre weilte er stn unseren Mauern, im sogenannten „Tintenfaß" in der Frmrk-. ftrrter Straße (heute Cafo Hettler) nwhnend: hier in Gießen war er als Assfftient Liebigs tätig, hier legte er die Gnmdlage zu att jemen späteren Essolgeu.
Schon sein Vater, der Hof-Kammerrat Joh. Phil. Hvftmmn. war ein in Gießen hochgeachteter- und angesehener Mann, den die Stadt znm Ehrenbürger ernannte. 9dock), mancher Gießener wird sich erinnern, wie am 28. Juli 1890 August Wilhelm von Hof- marm, der inzwischen auf Grund settrer bedeutenden Forschungen und Entdeckungen geadelt lvorden war, bei der Ennvtthung des Lrebigdenkmals als Präsident der von ihm 1868 ins Lebeir ae» rissenen Deutschen Chemisckien Elesellschrft die Fssttede hielt, und ern glänzendes Bild seines Ädeisters und Lehrers Liebig errttoarf. damals teilte auch in der DegssrßnngSrede der Stadt der derH'ttrgr- Bürgermeister Brandt mit, daß tste Stadt Gießen August Wtt^ Helm v. Hoftnann ebenfatts in die klettvc Reil>e ihrer Ehrenbürger aufgenommen babe. lAuch die Hofmannstraße ist nach ihm benannr.
.Hunderte von Anekdoten spinnen sich um den Mensclvn und Wtssensckiaftler. und alle zeichnen sie ihn als einen unverg!ei'.ch. licken Lehrer urch Forscher, als einen Mensckren von seltenes Herzensgüte und OffenlM. Bekannt ist die nxirnre Freundschaft und Anteilnohnle, welche die Kaiserin Fssedssch ftlr v. Hoftnann. sein Leben und seine Werke hegte.
Heute bei der hunderssteu Wiederkehr seines Geburtstages steht dem toteu Meister und dainit auch der Stadt Gießen ein« besondere Ehrung bevor. Iw Jahre 1917 grinrdete sich in Berlin die sogenannte SiemenS-Ring-Gesettschuft. die lebende Oöelehrte durch Verleihung des goldenen Sieinens-RingeS. tote (^lehrte dnvck, em Tenkmal ehrt. v. Hofmarnr wird mm der .wste >" l dem drele Ehrrmg zuteil wird. An seinem ftüher'cn Wvhahius-, dem „Tintenfaß" (Cas6 Hettler) rn der- Frankfurter Sttaße rstrd, wie wir hören jedenfalls im Laufe des Mais eine l*esondere Ehrentafel angebracht uvrden, z»mr steten Gedächtnis an den verflvrbenen Großmeister, der zu den bedeutendsten Männern der Wissenschi gehörte, die ft in Gi-ßens Mauern lebten.


