Nr. 80 Awettes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag. 6. April
Uriegsgefangen in England.
Eigene Erlebnisse des Scmitätssvldaten Karl Brasch während seiner 19mionat:gen Gefangenschaft.
(Nachdruck Verboden.)
(Fortsetzung.)
Kameraden kamen aus bcn Baracken geMrzt, noch im Nacht- Vufzugc, sich die Augen ausreibend und riefen uns ein herzliches Willkommen zu. Nun ivußten wir auch, :oo mir waren. Am Tore des Lagers begrüßte uns eine Mnsikkamtte. die auS deutschen Gefangenen bestand, mit dem Liede: „Deutschland, Deutschland über alles." Die iKittai kaum die erste Stropl-e fertig gespielt, kls sie wieder verschwanden, beim ein englischer Offizier näherte sich mit eilige: Schritten dem Lager. Wir wußten, was dies bedeuten sollte, denn dieser Empfang irar nicht von englischer Seite gestattet, sonder:: wurde eigenmächtig! von unseren deutschen Kameradeii ansgeführt. Wir wurden nun in Gruppen zu je 38 Mann ein geteilt und bekamen eine Baracke Angewiesen. E:n deutscher Unteroffizier wurde zum Bavacken-Aeltesbeu ernannt. Tre Baracken läge: aber getrennt durch einen Stacheldrahtzaun, von denen der Gefangenen, die schon länger in: Lager waren.
Wir begaben uns nun in die Baracken. Tie Baracke selbst war etwa 25—28 Meter lang und ettva 8 Meter breit. Sie waren innen mit Asbest ausgeschlagen. In der Mitte stand ein Ofen tzmd 5 Tisch? mit je 2 Bänken. An bell Leiten befanden sich je 19 Pritschen mit den dazugehörigen Strvhsäcken und Kops- keilcn. Tie Pritsche selbst bestand ans 3 Brettern, etwa 2 Meter lang und aus 2 Böcken, etiva 15 Zentimeter hoch. An demselben. Tage erhielt noch jeder Mann 3 Decken, ein Eßbesteck und einen Eßnapf zu geteilt. Das erste Mittagessen bestand aus dicker Bohne:- suppe. Es war reichlich und gilt. Auch bc-lanwn wir cm demselben! Tage noch Briefpapier, so daß jeder gleich schreiben konnte. Tie Briefe ivurden mit der Eilpost befördert, so daß sie schon nach etiva 14 Tagen in Deutschland sein konnten. Das Lager an und für sich war in 4 ktettrere Lager emgeteilt, welche durch einen etwa Meter langen Stachlldrahtzaun voneinaiider getrennt waren. Stops wurde dies Ganze genannt. Es diente vor dem Kriege jals Truppenlager und lag in ciiter Talmulde, ringsum ron hohen Bergen umgeben. Tie Berge selbst »txtreu unbevaldet. Bäuinc imb Sträuchec waren in der ganzen Gegend keine zu sehen. Nur Sckase konnte man in grvßec Anzahl erblicken ^
Das ganze Lager war von einen: hohen Ltacheldrahtzaun umgeben, welcher nachts mit unzähligen Lichten: beleuchtet war. Etwa alle 100 Schritte stand ein Posteuhaus, von uns Kaspcr- Iheatcr genannt.
Dag für Tag regnete es und die W^ge :m Lager m:d um d:e Baracken herum waren anfgeweicht: wer keine langen 'Stiefel hatte, blieb am besten auf seiner Hütte.
Ta :vir uns mit de: Kameraden, die schon länger hier waren, aber sich getrennt von uns in eurem Lager befanden, nicht Uitterbalten durften, so suchten wir es aber auf jede Art möglich zu mache::. Wir waren etwa 800 Mann in unserem Lager. Ein Sevgcant wurde znm Lager ältesten ernannt, der unsere Internsten, dein Lagerkommairdauten gegenüber vertrete:: sollte. Im Laufe ter Zeit bekam jeder Mann Unterwäsche, Mützen, Handtücher. Seife und dergleichen. Tie alten Gefangenen hatten uns einen kleinen Geldbetrag übenviesen, so daß man sich auch das Notwendigste in der Kcmti»e kaufen konnte. So wurden muh die Verhältnisse im Laufe der Zeit immer besser. Tie erste Paketpost traf schon in etwa 4 Wochen ein, und man konnte sich nun das, was man seinen Platz im Lager nannte, häuslich einrichten. Ueber das Essen brauchten wir uns nichk zu beklagen. Wir bekamen am Tage 750 Gramm Brot :rnd einmal Esten, bestehend aus Bohnen- vde- Erbsensuppe und Fleisch. Tie Lagerküche war gut eingerichtet. Jedes Lager kochte für sich selbst. Man konnte sich sogar Kuchen backen. Ties geschah folgendermaßen:
Jede Baracke gab freiwillig 1—2 Laib Brvt ab, wofür von den Engländern Mehl geliefert wurde. Mle anderen Zutaten 'mmrden von einer durch eine Sammlung aufgebrachten^ Summe gedeckt. Ter Kuchen wurde dann nachn:ittags, das Stück für einer Penny s8 Pfg.) verkauft. So bekam der Lageraltesle allmählich Geld tu die Kasse, worüber genau Buch geführt 'wurde. Es wurden Zwiebeln, Essig, Kartoffeln, Fleisch und sonstige Eßwaren dafür gekauft, die zu dieser Zett in der Kantine noch alle zu beziehen waren. Auch die übrigen Einrichtungen in: Lager selbst wurden mit der Zeit verbessert.
Durch Bücherzuweisungen des Herrn Tr. Markel in London «Vertreter des Roten Kreuzes) konnten wir uns eine Bibliothek ansckaffen, doch :var die Anzahl der Bücher noch nicht groß. Auch die anderen.Roten-Krenz-Vereim in. Teutschland erfreuten :ms durch ihre reichlichen Seirdungen. Vereine wurden gegründet, z. B Gesangvereine, Turnverein. Fußball vereine. Schlag- und Faustballvereine, ja, sogar eine Musikkapelle wurde Msam mengestellt. Eine,große Halle, die von einem Verein „Christ- licker junger Männer" aufgestellt war, kan: uns für diesen Zweck sehr zu statte:. Die Halle diente zu Dheateraufführimgen und Gottesdiensten, und hätte Platz für et:va 400 Personen. Auch ein Tbeaterverein, der uns durch seine Vorstellungen ergötzte, wurde hald gegründet. Tie Kulissen, Kostüme:md sonstiger Gegenstände, die dazu rrötig waren, stellte Herr Tr. Marke zur Verfügung. Sv war rms Zerstreuung genug geboten. Auch eine Lagerschule hatte ihre Wirksamkeit begönne: und zählte bereits einen gn>ßen <£eit der Lagerbürger zu ihren Schülern. Es wurde Unterrrcht in allen Fäch-ern erteilt. Mlmählich lebte man sich mehr und mehr ein. :md hatte sich auch bald an diese ungewohnten Verhältnisse gewollt. Do wäre unsere Lage ganz erträglich gewesen, wenn nicht das stete Einerlei gewesen wäre. Durch allerlei nützliche Beschäftigungen suchte man die trüben Gedanken zu verscheuchen.
In den einzelnen Baracken ging es lebhaft zu. In der einen Ecke saß eine Gruppe und spielte Skat, in der andere: Ecke waren einige mit Anfertigung von Schritzarbciten, Malereien mw. beschäftigt. Hier suchte einer Violinspieler zu erlernen, dort stand einer und grübelte darüber nach, wie er am beste: sein Nachlager verbessern konnte. Wieder andere saßen um den kalten Oferr herum. Sv strich die Zeit langsam dahin.
Vom Sommer hatte: wir nicht viel gemerkt. Schn im November wurde es ungewöhnlich kalt. Regen und Schrce wechselten untereinander ab. Man hatte unter dieser Kälte sehr zu leider:, um so mchr, als rms von ver Aagerverwalttmg Kohlen in rrur ganz «geringen Mengen geliefert wurden. Auf jede Baracke, die mit 38 Mann belegt war, kam pro Wvckne 1 Zentner. Dank den Bemühungen unseres Lagerältesten, wurden endlich in der Wdche zweimal Kohlen geliefert. Tie Kälte nahm aber immer mckhr zu, und dichter Nebel, bei dem man auf 2 Meter Entfernung niemand erkennen könnt, war keine Seltenheit.
_ (Fortsetzung folgt.)
Aus £taM und Cau^.
Gießen, den 6. April 1918.
...
Wir find ein Volk und einig woll'n wir handeln.
(Schiller. Teil.)
Zeichnet alle die 8. Kriegsanleihe!
** Beförderung. Unteroffizier Hch. We stecker, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klaffe und der Hessischen Tapferkettsmedaille, ltmrbe zum Vizefeldwebel befördert.
** Änmeldczwang für Wohn räume und Schlafstellen. Die entsprechende Verordnung ist im Anzeigenteil der heutigen Nummer veröffentlich.
** Nation : ler O p f e r t v g. Am 13. April werden in ganz Deutschland die Frauen einen Nationalen Opfertag zur Stärkung der Kriegsanleihe veranstalten. .Hier in Gießen wird von saintlichn Frauenveremen eine Haus- :rnd Straßensammlimg statt- finden und außerdem werden Zeichnungen bei der Bank für Handel zmd Industrie, der Gewerbebank, der Mitteldeutsch:: Credit bank
and bei der Bezirkssparkasse angenommen. Der GesamLerlös des Tages kommt der Fürsorgestelle der Kriegshinterbliebenen Gießens zugute. Siehe Anzeige.
** Lernt Stenographie! Dieser Ruf kann nicht oft genug wiederholt werden, denn der Mangel besonders an^mämv- "chen Kontoristen, die flott stenographieren und die Schreibmaschine handhaben können, ist sehr groß. Tie Gehälter für diese Kruste siich mit Recht weit höher als für einfache Kontoristen. Auch nach den: Kriege wird der Bedarf an Sterwgraphen nicht klein sein, weil viele junge Leite mit solchen .Kenntnissen vor dem Feinde geblieben sind und andere wegen Krankheit und schwerer .skriegsbeschadigung nicht gleich ihre Tätigkeit wieder ausnehnnn können. Ter deutsche Handel wird aber nach dem Kriege mehr denn je flotte Sterrographen nötig haben, weil unsere Kaufleute keine Zeit haben, ihre Gedanken selbst niederzuschreiben. Um sich die Arbeit zu erleichtern, gebrauchen sie geübte Kurz- und Maschinenschreiber, denen sie ihre Gedanken gleich in die Feder ansagen können. Darum noch einmal: Lernt und übt Stenographie. Gelegenheit hierzu wird lallt Anzeige im Heuttgen Blatt durch den Gabelsbeg-er Stewopraphenverein geböte:.
** Sch warz-Weiß-Theater. Seltersweg 81. Von heute ab wird das Tetektivschmsplel in 4 Akten ..Fünf Finger^ nrale" gegeber:. Für den heitere: Teil ist das Lustspiel „Homunku- lieschien" vorgesehen. Siehe Anzeige.
Lebensmittelmarken.
Für die Zeit vom tt. Avril bis 14. "April 1918 haben nachstehende Lebensmittelmarken Gültigkeit:
Brotmarken der 15. Woche, gültig von: 8.4.1918 — 14.4.1918 Buttermarken „ 15. , , h. 4. 1918 - 14.4. 1918
Eie:marken Nr. 2 . „ „ * 8.4.1918-14.4.1918
Fleischmarken . 15. „ „ . 8.4.1918-14.4.1918
Äavtof[elu:nrfeit r 15. * » B 8.4.1918— 14.4.1918
Seifenmarken für den Monat April.
Ci» Nmtanfch verfallener Marken findet nicht mehr statt; ebenso wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.
Nenanuteldnngen und Anmeldung von Neugeborenen haben unter Vorlage der nötigen Answeise, insbesondere der Lebcnsmtttel-AuswciSkarte, auf dem Lebcnsmittel- amt zu erfolgen.
Umzüge innerhalb der Stadt und Wegzüge von Gießen sind in den zuständigen Bezirken anznmeldcn.
GefchäftSstnnden des LcbensmittelamtcS von 9—12 Nhr vorn»., 2—4 Uhr nachm.
Markenausgabe iür Urlauber:
Sonntags von 10—12 Uhr vormittags.
Landkreis Gießen.
** Taubringen, 5. April Wilhelm Braun, Sohn des Landwirts Heinr. Braun, erhielt die Hessische Tapferkcits- medaille: das Eiserne Kreuz ist bereits in seinem Besitz.
z. Geil shausen, 5. April. Das Hessische Kciegsehre:zcichcn in Eifer: erhielt der Musketier Heinrich M a r g o l f.
** Oppenrod, 5. April. Der Unteroffizier Hch. Wagner, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeitsmedaille, tourde znm Feldwebel befördert.
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 5. April. Mit Beginn des neuen Schuljahres bat es an unserer Volksschule verschiedene Aendermmen gegeben. Lehrer Adolph kehrte nach zweijähriger militärischer Dienstleistung in tLn Schuldienst zurück. Fräulein Lotz und Frl. Hamel wuroen andere Schrckstellen übertragen, während Frl. Schott aus Gießen irnd Schulverwalter E n ri ch hierher berufen wurden.
Starktttburg und Nheinhesfe«.
ch. Vonder Nahe, 5. April. Infolge der heftigen Regengüsse in der letzte: Zeit ist das Wasser der Nahe ebenfalls gestiegen. Tie Hochwassermeldur^en arbeiteten diesmal gut, so die von Monzingen nach Kreuznach, wo es natürlich wieder Erregung gab, da man Angst vor einem ahnlick>en Unglück, wie es sich im Januar ereignete, hatte. Der Fluß ist sehr rasch in die Höhe gegan^gei, zumal auch die Settertäler steige:rdes Wasser brachten und der Nahe zu führten.
Kreis LLetzlar.
-- W e tz l a r, 5. April. Der Jahresabschluß der Buderus- schen Eisenwerke weist einen Reingewinn von 3 157313 Mk. (i. V. 3 019 200) auf, aus dem eine Dividende von 10 Prozent (:. V. 7,5) verteilt werden soll. Der gesamte Umsatz der Werke bezifferte sich auf 60 540 000 (i. V. 32 770 000). 2 220 000 Mk. wurden der .Kriegssteuerreserve zugewiesen. Der Aufsichtsrat beschloß in seiner gestrigen Sitzung, bei der am 20. April in Frankfurt a. M. stattffndsude: Generalversammlung die Erri.chwng einer Pensionskasse für die Werksange stellten in Höhe von 600 000 Mk. zu beantragen. Die Aussich."en für das laufende Geschäftsjahr werden als günstig bezeichnet. Die Gesamtt^elegschaft der Werke belief sich am Jahresschluß auf 7124 (7322). Die gesamten Anlagen sind mit 32 100 000 Maü bewertet, wobei die Zugänge 2 540 000 Mark betrugen.
ra. Aus dem Kreise Wetzlar, 5. Aprll. Auf der Lemp unb im Hohensolmser Land, wo zwischen welligen Bergk:U>Pen sich loeite steppenarlige Flächen ausdeh::en. auf denen nur Gras wächst, finden viele Schafherden ihr geeignetes Weideland. Jahrelang hat die Schafzucht im Kreise Wetzlar stillgelegen, :md ein Bauer nach dem anderen schlachtete seine Scl-afe ab. Erst jetzt wieder, wo der Mangel an Wolle sich auch auf dem Lande bemerkbar macht, erinnert man sich der alten heimischen Schafzucht und der Haus- spinnerei und Wirkerei.
l.Ä Hesstn-Nassün. ^
ra. Bi e den köpf, 5. April. Die KveiSviehkaffe hat sich mich im vierten Kriegsjahr überaus günstig entwickelt. Insgesamt 463 Viehbesitzer sind in: abgelaufonen Geschäftsjahr ne: lxngetreter, welche ein Einttrttsgeld von 1479.45 Mk. zu entrichten lwtten. Für veräußerte Tiere wurde: 29 583,89 Mk., an Zinsen 7395 Mk. erlöst. Versichert waren 1438 Pferde und 68 Trächtigkeitsversicherungen zu 1909 380 Mk. mit 76 074,10 Mk. 9344 Stück Rindvieh zn 5 961005 Mk. mtt 82 908.30 Mk., 9 584 Sck>we:ne zu 13 114,20 Mk. mit 41 779,40 Mk., 2861 Ziegen zü 191 963 Mk. mit 10 148.90 Mk., 460 Schafe zu 57 885 Mk. mit 1254,55 Mk. Beiträge!. Das Barvermögcn der Kreisviehkasse ist am 31. Dezember 1917 auf 216 076 Mk. angewachsen.
irr. Frankfurt a. M, 4. April. Die Fabrikanten Bünte und R mmler si tcten süc di" Na ional'list in: da Hi iterbliv- benen der im Kriege Gefallene: den Betrag von 30 000 Mk. 15 000 Mark sollen der Stadt Frankftrrt, 7500 Mk. der Provinz Hessen- Nassau und die restlichen 7500 Mk. der Zentrale in Berlin zugute kommen. — In den letzten Tagen ist der Kanonendonner von der Westftont wieder besonders stark in der Umgebung von Frankfurt zu hören. Deutlich kann man das dumpfe Rollen der schwerer Geschütze und das weniger starke Krachen der leichteren Kanonen unterscheiden. Sachverständige glauben, daß der augenblicklich herrschenoe Südwestwiird der Sck-allÜbertragung besonders günstig ist.
yans von Zobeltttz
Am Donnerstag verschied in Gyrchausen Hans v. Zobeltitz im Alter vo:: 65 Jahren.
1853 in Spiegelberg geboren, widmete sich H. v. Zobeltitz der Milttärlaufbahn und machte 1870 de: Feldzug mit. Später war er Taktik-Lehrer an der Kriegsschule zu Potsdam. 1890 nabm er seinen Abschied als Hanplmann, um sich nun ganz der Sckriftstellerei zu widmen. Bald »var Hans v. Zobelti^ all«:tl>alben bekannt. Seine Romane raid Erzählungen ans dem Militärleben und der Gesellschaft, sowie die Herausgal>e der Zeitschriften „Ta- heän" und „Belhagen irnd Klasmgs MwrcttSl'e^i'" erwarben Wn
ungezählte Freunde und Verehrer Es gibt wohl heute kaum einen Teutschen, der diese Zeitschriften oder ein oder das andere Buch von Zobeltitz nicht kernt.
Hans von Zobeltitz lvar kein ticsgründiger Schriftsteller, kein Sucher und Kämpfer auf neuen Wegen :n:d Bahnen, aber er lvar ein liebenswürdiger Plmrdcver, ein fesselnder Erzähler voll sonnigen Humors Und sittlichen Ernstes. Seine Schriften erleben sich nie zu besonderen Höhen, schneiden nie schwierige Probleme an: was sie aber immer spannend und unterhaltend rnacht, das ist die leichte, flüssige Sprache, die geschlickte Schürzung des Knotens und die glückliche Lösung aller Konflikte.
Dem Frenwe unterhaltender Literatur loird Hans v. Zobeltitz noch lange unvergeßlich bleiben.
*
* Der bekannteNovcllendichter Timm Kröger ist im 74. Lebensjahre in Kiel gcstorbe:. Seine Heimat war Schleswig-Holsten. Er hatte Iura studiert und war viele Jahre Rechtsanwalt unb Notar in Flensburg.
UirchlNhe NachrVchten.
Gottesdienst am Sonntag 7. April HQuasimodogenkti).
EvangeUschr Gemeinde.
Isn der S t a d t ki r ch e. 9*/»: Konfirmation d. Kinder ans d. Mark.- m Mil.-Gen:. Hl. Abeirdm. Pfr. .Schwabe; 6: Pfr. AÜahr. Mittwoch 10. April, abds. 8: KriegSbetstunde. Pfr. Mahr. — §n der Johanneskirche. 9V»: Konfirmation d Kinder cu:s d. Luk.-Gem. Hl. Abendm. Pft. BeckNolsheimer; 6: Pfr. Ausfeld. Samstag 13. April, abds. 8: Das Missionserlebnis d. Lpzg. Mission in Deutsch-:Ostafrika. Miss.-Dir. Prof. I). Paul-Leipzig. — Kirchner g. Vorm. 10: Konfirmation (hl. Abendin.), L^ollekte f. Hess Krüppelheime. — Lollar Abds. 8: Kriegsbetstunde.
katholische Gemeinde.
6 1 / 2 ': Gel. z. hl. Beickrt: 7: Hl. Messe: 8: Aust. d. hl. Komm.; 9: Hochmnt m. Pred. Feier d. ersten hl. Komm. d. Kinder; 11: Hl. M'essie; 3: Andacht m. Segen; 41 / 2 : Jungfr.-Wngr. Dienstag im Freitag, abds. 8: Kriegsbittandacht. Samstag 13. Aprll, nachin. 5 u. abds. 8: Gel. z. hl. Beicht.
ZmückgejteMe!
Auch euch geht's an. Erweist euch dafür dankbar, daß ihr bei eu?erFamilie, eurer Berufsarbeit, eurem Verdienst bleiben dürft. Bestimmt, falls es euch zur Zeichnung der Kriegsanleihe an größeren Barmitteln fehlt, einen Teil eures zukünftigen Einkommens für eine ,Kriegsanleihe-Versicherung" beim Allgemeinen Deutschen Versicherungs'Verein a. G. in Stuttgart. Schon mit 50—60 M. Jahresbeitrag 2012D können 1000 M. gezeichnet werden. Alle können'S!
Meteorologische^ vrobachtungen der Station Gietzen.
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Nebel
Höchste Teinperatur am 4. bi» b. April 1918 --- 4- 16,5* C. Niedrigste „ # , , 1918 = + 9.0' C.
Niederschlag 0,0 mm.
Letzte Nachrichten.
(WTB.) Großes 5)auptauartier, 6. April (Amtlich.)
W e ft l i ch e r Kriegsschauplatz.
Oertliche Unternehmungen bei Vucauon und südlich von Hebuterne brachten Geftingkne mit zahlreichen Dtaschinen- gewehren ein. Ein englischer Vorstoß auf Pusieux scheiterte.
Auf dem WcsLuftr der Ancre eiivciterten wir im Angriff unsere Vrückenkopfstellun.g beiderseits von Albert.
Südlich von der Somme lebhafte Fenerkümpfe und kleinere erfolgreiche In fanteriegefechte. Eismbahnanlagen bei Amiens wurden beschossen.
Französisckre Angriffe in breiten Abschnitten zwischen Moremt und Ästondidier versuchten uns den Gewinn vom 4. April zu entreißen. Sie brachen unter den schwersten Verlusten zusammen. Dtondidier lag unter französischem Feuer.
Vor Derdun nahm die Kampstätigkeit der Artillerie an Starke zu.
*
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalauarttermeifter Ludendorff.
* . *
Französischer Abendbericht
vom 4. Aprll.
Die Schlacht hat morgens mit äußerster Heftigkeit in der Gagend von Mlontdidier wieder begonnen und bauert bis zuv Stunde noch an. Auf einer Ausdehnung von 15 Kilometern, von Grivesnes bis nö:ft>licb der Straße Ämie:s—Roye, haben diel Deutschen gevaltige Noassen in Bewegung gesetzt nick» die feste Absicht erkennen lassen, die Front um jeden Preis zu durchbrechen. Bis zum gegenlvärtigen Augenblick l>aben lvir durch Ge- fangene elf feindliche Divisionen festgestellt. Unsere Trmppen hielten mit unersckstitterlichem Mute dem Airprall der angreifenden Massen stand, die vom Feuer unserer Artillerie niedergienacht werden. Trotz der zehnmal iviederholte: Anstrengungen gelcn:g es den De:t- schen nur um der Preis blutiaer Opfer einige huichert Meter Boden zu gewiirnen Und sich der Dörfer Mailly, Raineval Und Morisel zu bemächttgen, deren benachbarte Höhen wir halten. Grivesnes das mit besonderer Heftigkett angegriffen wurde, ist in unseren! Händen. Unsere Trrippen machten, nachdem sic alle Anstürme gebrockten hatten, starke ^Gegenangriffe und F-orffchritte an einem Punkte zlvischen Moutdidier und Lassigny. Große Tätigkeit beider Artillerien.
Vom italienischen Kriegsschauplatz.
Berlin, 6. April. Aus Basel meldet der ..Berliner Lokale anzeiger": Aus Paris benck^tet das „Berner Dagblott": Eüw Bekannttnachmkg des französischen Postministerinms besactt mit aller Deutlich'.eit. daß sich an der italienischen Front leine franz ösischen Truppen mehr befinden.


