Nr. 77
Der Sietzener Anzeiger
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Erstes Blatt
*68. Jahrgang
Mittwoch. 3. April *9*8
poftfchecklonto: Frankfurt a.M. **686
ener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Aloillingsrun-druck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- u. ZteindrucLerel R. Lange.
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S e we rbeba n l Sie he n L and, Be r > > - m b. ! es u'
richtssaal: W. Meyer:
Schristleiiung, Seschäst5?telle u. Druckerei: Schulftr. 7. is'ffll'iii wicf cu'
Eine Anfrage Clemenceaus in
len vor
der deutschen Offensive!
(WTB.) Grohrs yauptguartier. 2. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfri'Nt blieb die Lage unverändert. Ge- gmangriffc, die der Feind bei Hcbuterne und mit besonderer Zähigkeit gegen die von uns genommenen Hohe» zwischen dem Luce-Bach und der Avre führte, brachen unter schweren Verlusten zusammen. Kleinere Infanterie-Gefechte zwischen Avre und Oise.
Die Franzosen setzten die Beschiehung von Laon fort. Zahlreiche Einwohner fielen ihr zum Opfer.
Erkundung rgefechte auf dem Ostufer der Maas bei Hau- dionwnt und südöstlich von Thann brachten Gefangene ein.
*
Gestern wurden 22 feindliche Flugzeuge und 5 Fesselballone abgeschossm. Leutnant Kroll errang seinen 23. Lustsieg.
Mi tatkräftiger Durchführung der Fernausklärung von der Küste bis südlich von der Somme hat b\t Flieger-Abtei- luftig 3 unter Führung des Oberleutnants Frickc Außergewöhnliches geleistet.
Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalguarttermeisl .
L u d e n d o r f f.
*
Der Aberrdbericht
Berlin. 2. April, abends. (WTB. Amtlich.)
Von dem Schlachtfelde in Frankreich nichts Neues.
In die Atempause, die unseren Heeren vor Amiens gegenwärtig vergönnt ist, fall«: große und kleine Enthüllungen. Als eine kleine Enthüllung betrachten wir die :n den Wandelgängen der französischen Kammer mitgeteilte Kundmachung des Generalissimus Foch, daß „jetzt für Amiens nichts mehr zu fürchten" sei, daß er „für Amiens blirge". Eine Großsprecherei, hinter der vielleicht mehr steckt als Eitel-- teit und der begreifliche Wunsch, die besorgten Gemüter wieder zu elektrisieren. Foch will der deutschen Heeresleitung vielleicht zu verstehen geben, daß seine bekannte Neservearuiee vollzählig vor Amiens Aufstellung genommen habe, und will damit offenbar auf .Hiudenburgs strategische Erwägungen Einfluß nehmen. Der deutsche Feldmarschalt' aber kennt seine Pappeithein: er und wird sich schwerlich irre leiten lasten. Es ist mir au st allend, wie immer »nieder die französische Methode darauf hinausläUft, auch die Mttelchen der Lüge und Prahlerei, die späterhin in derbe Blainageu Umschlagen können, unbedenklich anMwenden, un: die Chancen des Erfolges ein wemg zu erhöhen. Auch -ohne große Worte Fachs werdet: Hindenbnra und Ludendorff wissen, was nottut. Auch der Berner „Bund" erwähnt die hier berührte Frage und meint — da war die „Bürgschaft" nock) iricht ausgesprochei: —, die EiMvicklung werde lehren, „ob die deustche Heeresleitung angesichts der nml ersolate»: Bindung der Armee Foch im Zentralraum treue Entschlüsse faßt oder die Schlacht Mischer: Compidgire—Amiens — Arras auf der ganzen Front durchAnkäinpfen sucht".
Eine wirkliche Enthüllung, die berechtigtes Aussehen mache»: »vird, steht dagegen iu einer Rede des Leiters der österreichisch-ungarischen Politik, des Grafen Czerniu, die er vor einer Deputation des Wiener Gemeiickerates gehalten hat. Es wird da einmal offen bekarrnt, wo unsere Feinde be: ihren offensichtlich so schlechte»: militärischen Aussichten noch ihre Hoffnungen heruehnren. Wir erfahret: vor: Cz.ernin die überraschende Tatsache, daß einige Zeit vor Begimr der deilstchen Offensive Clemeuceau, der fränkische'Ministerpräsident, in Wien angefragt hat, ob ::nd auf welcher Grundlage Oesterreich-Ungar»: ziu Verhandlitn- gen bereit sei! Bei dieser Anfrage u:ag ei»: gut Teil schtvever Besorgnis vor dem deutsckjei: Ansturm mitaelvirkt haben, so daß sogar der „Tiger" etivoS irngeduld:g und :nrvös gewordei: tvar. Er hoffte Wohl, mit diesem Zlrnschen- spiel die deutsche Offensive A: stören oder Oesterreich- Ungarn zjmn Abfall von seinen: Buiwesgetwssei: zu bringen.
Beides ist ihm inißlungen. Airs die Einzelheiten ist Czeruin in seiner Rede nicht eingegange»:, inwieweit Cleinenceau ein Sondervorgehei: Frankreichs oder allgemeine Besprecht rngeu in: Auge hatte, erfahren lvir nichts. Nur so viel sagte Czernin, daß- dem französtschen Anfrager in: Einver- nehmei: mit Berli»: geantwortet tm:rde, eitiein' Frieden mit F r a n f r c i ch stehe bisher als akleitiiges Hindernis das französische Verlange»: nach Elsaß-Lothringen im Wege. Auf einen solchen Verzicht wollte Elentetcoean sich nicht einlassen: er hatte offenbar von Oesterre:ch--Ungarn ein anderes Borgehel: erwartet. Graf Czeririn aber hat sich mm in Wien zu unwandelbarer Treue bekamtt; er wird keine seitck- lichei: Ranküne:: gege»: Deutschland nntmachen. Wohl aber gibt es, so erklärte er erhobenen Tones, iu: Hintcrlcncke solche Kreise, besonders im tschechischen Lager, die dein Feinde allen mögliche!: Vorschub leisten und, wie der Minister in einem Einzelfalle darlegtc, de»: Krieg verlängern. Offenbar sind bei unserem benachbarten Bnrckesgenossen die Friedensschreier und Kriegsverlängerer noch zahlreicher und gefährlicher als bei uns. Czernins Enthüllungen geben uns mancherlei zu denken. Die Ueöerzeugung muß sich bei uns verstärken, daß Festigkeit und Entschlossenheit beu Frieden besser fördern, als Entschließungen, die leicht auf die schiefe Ebene solcher den feindlicher: .Hofsmlngen entgegenkommenden Msichten geraten. Wir wollen gewiß nicht mit überflüssigen, hochtönenden Kundgebunger: unserer deutschen Ansprüche den Voge:: überspaitnen, aber »vir dürfen auch »:ickit die Meinung aufkommen lasten und stützen, daß wir, je länger der Krieg daure, nur un: so eher zu Verzichten geneigt seien.
Der österreichisch.«,igarische Tagesbericht.
Wien, 2. April. (WTB.) Amtlich wird v-erlauttmrt: Nichts zu melden.
Der Chef des Generalstabes.
Graf Lzernin über eine Anfrage Llemenceaur vor der Offensive.
W i e n, 2. April. (WTB.) linker der Führung des Bürgermeisters der Haupt- und RZidenzsdadt Wien erschienen heute die Mitglteix r der Obmännerlönferenz des Wiener Gemeinde- rates beim Minister des Mutzern. Bürgermeister Tr. Weißkirchner riclüete an den Grasen Czeruin eine Ansprache, woraus Graf E zernin »nie folgt antwortete:
Ich bin sehr gern bereit, aus die mir von Seiner Exzellenz dein Bürgermeister gestellten Fragen zu antworten. Bevor ich mid> bat eiuzeluen geschlossenen Frieden zulvenioe und i>n O^enaueren über die Details spreche, möchte ich auf icnte Ausstlhrnngen des Pr äsidenten der Vereins gten Staaten zuriickkoinmen, worin er meine au: 24. Januar in: östarreichischen Delegations- ausschuß für Aeußeres gehaltene Rede bomvtwortete. In manche!: Weltte.üai werden die Redei: Wilsons als der Versuch aus gefaßt, einen K'eil zwischa: Wien u»:d Berlin zu treiben. Ich glucke das iricht, weil ich eine viel z»: hohe Meinung von den: staatsmänni- schen Blick des Präsident^: der Vereinigten Staaten l-abe, um zu fglwcken, daß er eines solchen Gvdar:ka:ganges fähig toäre. Wilson sagt sick» aber viellcick-ft. daß Wi-en ein günstiger Boden, ist, um dort das Sanventbar des allgemeinen Friedens hinein- zu legen. Zur Autwoet des Präsidmten kann ich nur saga:, daß ich für sehr tverwoll halte, daß der deutsche Reichskatrzler in feiner ausgezeichnteta: jRede von: 25. Febrüar »nir die Wittert ans den: Muicke inahn nick erklärte, die vier raat Wilson in seiner Rede an: 11. Februar enttoickeülen Grnücksätze seien die Basis, mif ivelchier der allgomeme Frieden erörtert werden kömre. Ich stimme den: vollboinuien bei, die vier Punkte des Präsidenten sind die geeigneten Grinrdlagen fiir den. Eintritt in eine Diskussion über, einen allgemeinen Frieden. Gott ist »nein Zeuge, daß nnr alles versuchten, tvas nköguch war. um eine »reue Ossarsive zu ver-> melden. Tie G»:temte wollte nicht.
Clemeuceau
fragte einige Zeit vor dem Beginn der Westoffensive bei mir an, ob ich zu Verhandlungen bereit sei und auf tvelchcr Basis. Ich habe sofort im Einvernehmei: mit Berlin geantwortet, daß ich hieran bereit seit: nd gegenüber Frankreich kein Friedenshindcrnis erblicken könne, als den Wlirnsch Frankreichs nach Elsaß-Lothringen. Es tourde aus Paris geairttvortel, auf dieser Basis sei nicht zu vcr- haudeln. Taraushiu gab es keine Wahl mel-r. Das getvaltige Ringen im Weste»: ist bereits entbrannt. Oesterreirfyisch-iengarische und deittsche Truppen käurpsci: Sckmlter an Schulter, wie sie zusammen in Rußland, Serbien, Rumäniar und Italien gekämpft haben. Wir känipfen vereiitt zur Verteidigung OestienAÜch-Üngarns und Deutschlands. Unsere Armeen »oerde»: der Entente beweisen, daß die fraitzösischa: i:nd italienischei: Aspirationeil auf unsere Gebiete Utopien sind, die sich furckstbcrr räche:: tverden. Tie Er-
klärmrg aber ffir i>as an Wahnsinn grenzende Vorgehen der Ententemächte liegt zum größten Teile in getvissen Vorgängen in unserem Hinterla?ldU worauf ich noch zurückkommen werde. Was i m m e r auch komme, wir geben Deutschlands Interesse nicht preis, wie cs uns nicht im Stiche lassen tvird. Tie Trerie an der Donm: ist nicht geringes als die deutsche Treue.
Es ist 'nicht meine Schuld, daß sich Rnmäiuen nicht gleicl-zeitig mit Rußland an da: Friedeirstisch setzte. Von Rußland verlangte ich keinen Quadrntineter, Rumänien versäumte die günstige Kon- siiellation. Sck>utz und Förderung der cminait loichtige»: Handels- fchisfahrt auf der unteren Donau sowie die Sicherung des Eiserne»! Tores werdet: gewährleistet duvchl Vorschiebung der Grenze bis auf die Höhe von Turn-Severin, durch die gegen einen Pachtsck)iillittg von jährlich 1000 Lei auf .30 Jahre erfolgte Pachtung der wertvollen Werftanlagen bei dieser Stadt scnnt dem zwisck>en dieser Werft und der i:eue»: Gre»:ze gelegenen Userkreisen, endlich durch Erlangung des Pachttcckbas aus die Jtrseln Ostrovu, Mare, Corbu, Sine-anu. Mit der in: Raume der Petrosenher .Gohlertgruben um mehrere Kilometcr nach Süden ers'Kgten Grenzverlegung, welche am Szurduk-Paß auch den beherrschenden Punkt Laiirix in unseren Besitz bringt, ersckieiitt daS K'ohlenrevicr besser gesichert. Nagys- zeben Und Fogaras erhalten eine in: Turchschuitt 15—18 Kilometer breite neue Sicheruugsgrenze. ?ln alle»: Pässei:^ vo>: Dedartung- so bei Predeal, Bodza, Gvin-.'s, Bekas, TölgyeS, ist di ? neue Grenze so weit auf rumäuisch 'u Boden >'nlegt, al?' es militärische Gttacke lürford-ern. Tie Dreiländerecke fällt uns zur Grcnw zu, woinit die Möglichkeit einer gesicherten Verbindung zwischen Ungarn und der Bukowina gegeben ist. Tie Verschieb:n:g der Grenze östlich von Ezernowitz soll die seindlichdn Angriffen bisher prei^gebebene Lairdeshanpstadt der Bukowina gege»: feindliche lieber fälle wirksan: schützm.
Ich nehnie den .Bleistift zur Hand und rechne nach, mit welchen ffrrchi'baren Frwderirnga: die Staaten der Erde aus diesem Krieg hervor gehen tverdon. .Ich, frage mich vergebens, wer bei lveiterec ft.ier R üstuugSkvu kurecnz die ncilitärischen.Llus'- lagen nürd d?cka: könnar. Ich glmcke nicht, daß irgendein Staat in der Lage sein tvird, nach diesem Kncge ehrlich mehrere Milliarden für die durch de.: Krieg so bedeutend erhölstei: militärisch?!^ Bedürfnisse anszugrbal. Ich.glaube vielmehr, daß die füraitsietlo vis major die Welt zu einem internationalen K o m =» prvmiß über die Herabsetzung der Rüstungen zwingen tvird. Rumäiriens Znktnist liegt int Osten. Weite Gebiet« BessarabieuS sind von nimanischer Bevölkerung bewvbnt, 'und »nanch-e Anzeichen deuten darauf hin, daß diese ruucknisck>e Bevölkerung einen argen .Anschluß au tlkumänien wüirsckiit. Wam sich Rumänien ans eina: offenen, ehrlichen und freundsck)astlick-a: Fuß mit uns stellen tvird, so lvcrden nrir nichts dagegen haben, jenen mis Bes so ra bien kommardcn Tender^en attgogen zukomiuen.
Und nun zu S e r b i e n. Wir mifföi, daß in Serbien der Wunsch zun: Frieden groß ist, icbiocfj- das Land durch die Entente-Groß- machte gehindert tvird, da: Frieden zii: schließen. Bulgarin: inuß gewisse, von Bulgaren bewohnte Gebiete erhaltai, aber wir wollen Serbien nicht vernichten, nicht zcrtrüm- ment. Wir 'würden einen engeren nßrffck-afflichen Anschluß Serbiens a»r uns nur begrüßen. Ich verstcckic nicht, den Frieden -zu erbetteln, nicht, ihi: mit Bitten und Klagen hrrbeizuführen, sondern ihn durch unser moralisches Recht und unsere physischen Kräfte zu erzwingen. Ick toerdc ans diesen von mir angeschlagenen Woge rücksichtslos fortsch.-eiten und den Kampf mit jedem anffrehmen. der sich mir bebet in den Weg stellt. Wir »verdat uns durchsetzen und vielleicht ist die Zeit nicht mehr ser»r, wo »mr auf die letzten Jahre zuriickblicken tverden tvie auf einen langen, öden Raum. Die Hof fu u ug u n ser e r Feinde, •auf den endgültigen Sieg gründet sich nicht niehr bloß auf militärische Erwartungen und die Blockade. Tie den Krieg verlängernde Hofffcnng unserer Gegner snid vielmehr zum großen Teil unsere, inner pol: tischen Verhältnisse )uü> welch grausamer Hohn — gewisse politische Führer, nicht zuletzt im tschechische:: Lager. Vor k::rzan »varen nur. tvie scho»: erwähnt, nahe daran, iu VerlMidlüngen mit bat Westnckch:at zu treten, Ta schling plötzlich der Wind um ünd, »vie wir genaax wissen, beschloß die Entente, es sei besser, noch ziu chartm, dant die Pariam>entarischien sund Politischen Vorgänge bei uns l'ereckMgti'N zu der Hosft:ui:g, daß die Monarchie halb »vehrlos sein faerbe. W e l ck' furchtbare I rau k! Unsere Brüder und Sölpw kämpfa: tvie Löwe»: mir bem Sch,lacWelde. Millionen von» Mauner und Frauen iu: Hirrterlande trage:: lxwoisch ihr bartet Los. Ich hätte über diese traurigen Fälle viel lieber in den Delegation na: gesprochen, aber die jetzige Eiuberufftug der Ausschüsse hat sich als unntöglich ertviesen, und ich kamt nicht warten, ich muß nächster Tage zurück nach Rumäuieu, den Frieden beenden, und bei dem laubsameu Verlaus, den bisher die FriedeuSvcrbandlnngar nehmen, wc:ß ich nicht, »vie lauge meine erzwungene Mwesenheit darteru wird. Wir werden auch diese Schrvierigkeiten besiegest, bestimmt, aber die, die nicht so handeln, laden eine furchtbare Veraut»vottung auf sich. Sie smd der Grund, daß »veitere Ta»t- sende unserer Söhne fallen, das Elack a^daneri und der Krieg sich! forlfcUeppt. Ojtrant ihura: »ticht vor dieser Verantwortung ? — Rieiuaud behmiptet, daß die österreichische Verfassung nicht vcr- bessernngssähig wäre, und die Regierung ist gern bereit, genteinsam mit den übrigen kourpetenten Faktoren Scliritte zu tun. sie zu revidieren.
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ist bie Kriegsauleihe.
Das ganze deutsche Volk mit seiner ArbeiSs- und Wirtschasiskrast bürgi für ihre Sicherheit.


