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** Auseichnun vT. Dem Fiorstassessor Blumenan wurde

Eiserne Kveverliehen. Dem Leutnant unb Kvinp«gnü> fülyrer Gustav Petri wurde das Ritterkreuz des Kgl. Haus- vtdenS von Hohenzallern mit Schwertenr Verliesen.

** B c f ö'r b e r u n g. Kanonier Bernhard Müller wurde zum Ofaraefmtcit befördert.

** Ausgabe von kondensierter Milch und Trocken milch.,In den Kleinhandelsgeschäften, in denen der BeANgsabschnitt Nr. 10 abgeliefert wurde, kann von Dienstag den 26. d. M. ab gegen Vorlage der Lebensmittel­karte und Ablieferung von je 2 Bezugsabschnitten Nr. 17 1 Büchse kondensierte Milch oder ein Beutel Trockenmilch abgeholt werden. Siche Bekanntmachung.

** Beschlagnahme und Enteignung von Ein- richtung-gegenständen aus Kupfer, Nickel, Alu­minium und Zinn. Am 26. März 1918 ist eine Bekannt­machung Nr. M. 8/1. 18. K. ffi. A. in .Kraft getreten, durch welche die Beschlagnahme, Enteignung und Meldepflicht von Einrichtungs- gegenständen' auS Kupfer, Kupfer leg icr-nngair, Nickel, Nickellegie­rungen, Aluminium und Zinn verfügt, wird. Die Bcfchil-agnahnve und Enteignung erstreckt sich ans Wweglick^c und eingebaute Gegen­stände mannigfaltigster Art in Läufern, Wohn- u. Gesästiftsräumen, an Beförderungsmitteln u. dgl.: die betroffenen Gegenstände sind im si3 der Bekanntmachung namentlich ansgeführt. Das Eigentum an den der Enlciguung unterworfenen Gegenständen geht aus Grund der Vckamrtmacksomg ohne besondere Benachrichtigung der bei rossen an Personen auf den ReichSmititärfiSknS über. Beschlag na lM t sind cuftct beit namentlich aufgeführten Gegenständen auch alle übrigen gebrouäitcn und nicht gebrauchten Zstrugegepstände. atme Rücksickst aus Bescbasf-enheit und tatsächliche Vertvendung einschließlich Zier- gegenständen aller Art, Kunsbgvgenständen, Schau- und Samm- li-ngSstücken. Tie Enteignung erstreckt, sich jedoch nur auf die nament ich ausgefülTr^n G-genstäride. Die Bekan:stmachutrg enthält verschiedene ^lusttahmebestimurrrngen von der Beschlagnahme und Enteignung. Unler diesen Ausnahmebcsttrmmiung-en ist, iiesont-erS lervorznheben, daß Gegenstände, die zur gecverbsmämgen Ber- äusterung oder Verarbeitung bestimmt sind, nur unter die Beschlag­nahme, nicht'aber unter die Enteignung fallen, und daß solche ent- eim'.ete Gegenstände, für welche durch ei um von der LaiDeSzewral- lx'Hörde anerkannten SachverstLntüg-i: cin l-^'d?rer wi senschgft- ' licher. künstlerischer oder kunftgewerulick^.- Wert Keftgestellt wrrd, aus Antrag von der Enteignung befreit tverdon können. Des weiteren werden durch diese Bekanntmachung,die Beschaffung von Ersatzstücken für gewisse uuentoebrlickse Gegenitände und der Ausbau solcher Gegenstände, die vom Besitzer selbst, nicht zur Ablieferung! sreigemackt werden können, geregelt. Erblich werden die Ueder- nahmepreist sw dir entngneten Gcgcmstanda festgesetzt und die bis­herigen Preisbestimmungen auf, Grund früherer Metallmobil- macku n q.s-Bekan Nimachu ngen verein focht mrd zu smn'men gefaßt. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in der heutigen Nummer unseres Blattes veröffentlicht und bei den kommunalen. Metallsam'melstellen cru^u sehen. '

** Feldpostpakete über 5 0 Gramm. Der Staats­sekretär des NeichZPostamts gibt^bekamrt: Zur Verhütung sonst un- vermeidlickier Störungen und Stockungen des gesamten Feldpost- verkehrs wurde im Einvernehmen mit der Heeresverwaltung die Annahme nichtamtlicher Feldpostbriefe über 50 Gramm (Päckchen) an Truppcncnrgeh orige t^r Westarmeen von sogleich ab bis auf weiteres eingestellt. Hiernach unzulässige Sendungen werden den Absendern znrückgegebeir.

** Bank f ü r Handel und In d u st r i e. Die 65. ordent­liche Generalversammlung findet am 20. April in Damnstadt statt. Siehe Anzeige.

** Stadt the ater. Am ersten Osterfeiertag findet liur eine Vorstellung am Abend statt, Und zrvar wird Raimunds klassisches ZaubermärchenDer Verschwender" ge- geben. DaS Werk mit der köstlichen, volkstümlichen Musik von Konradin Kreutzer ist seit einer sReihe von Jahren hier nicht, mehr gegeben worden und wird sicherlich bei der sorgfältigen Einstudierung, die ihnr zuteil wird, große Anzichungskrast ausüben.

** Marine-Festspiele im FürstenHof. Heute nach­mittag 4 Uhr und abends 8 Uhr gelangt letztmalig das gewaltige FilmwerkU 35" ftirc Vorführung. Anschließend wird der Film Der erste Grvßkam pf ta g der G ene r a lo f f e n s i v e" gezeigt werden. Siehe auch Mrzeige.

** Lichtspielhaus, ^ahnhofstraste. Der Kolossal­film in 5 Akten ..Das Geschient der Sckmlme" mit Friedrich Zelnik in der Hairptrolle steht von heute ab auf dem Spielplan. Ferner wird der Henny Porteu-FikmDie Faust des Riesen" bis ei^schOenlich Donnerstao p>''ter voraesührt Der Beginn der Vorstellungen ist auf 3' 5.30 und 7.45 Uhr festgesetzt. Siehe Anzeige.

Kreis Frledbera.

Q. Bad-Nauheim, 25. März. Gestern. nacht wurde in das in der Parkstraße gelegene Uhren- und Gold waren ge schärt eiuge-

brschcn und für etwa 6000 Mk. Uhren unv Schmuckgegenstände ge­stohlen. Die Diebe hatten die Fcnsterlcchen hochgeickoben und eure Scheibe eingedrückt, um sich Eingang in den Geschäftsraum zu verschaffen.

>, Heisen-Nassau.

« Frankfurt a. M., 26. März. Stadtrat a. D. Albert von Metzler, der Seniorchef deS Bankhauses B. Metzler, ist heute früh im Alter von 79 Jahren gestorben.

][ Marburg, 26. Marz. An Stelle des in den Ruhestand getretenen Superintendenten 5) a v P i ch wurde Pfarrer Eduard Landau aus Fromhausen, früher in Münchlxmsan, zum Sriper- iutendanten der c.^aiiqc£ifcf>'th 1 1I>erifd>cn Diözese Marburg-Kirck^- Hain-Frankenberg-Äöhl gewählt und bestätigt.

Letzte Nachrichten.

(WTB.) GrotzeS Hauptguartier. 26 . März. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Im Weitergänge der groben Schlackt in Frankreich, ha­ben unsere Truppen gestern neue Erfolge errungen. Aus Flandern und aus Italien hiTangcführte englische Dun­sionen und Franzosen wirrfen sich ihnen in verzweifelten An­griffen entgegen. Sie wurden geschlagen.

' Die Armee der Generale von Be low (Otto) und von der Marwitz haben in hntzeri wechselvollcn Kumpfen Ervil- lers endgültig behauptet und im Vordringen auf Achist-Lr sürand die Dörfer Bihucourt. DicsvillerS und GrevillerS ge­nommen. Sie eroberten JrlcS und Miraumont unb haben dort die Anere überschritten. Bon Albert griffen neu heran- gefülwte englische Kräffe in weiter Front heftig an. In er­bittertem Ringen wurde der Feind zurückgeworfen. Wir ha­ben die Straße BapaumeAlbert bei Courcelctte und Po- ziöreS überschritten.

Südlich von Pewnne hat General von Hofacker den Uebrrgang über die Somme erzwungen und die in der Soimnefchlacht 1916 heiy umstrittene Höhe von.LNaisonette sowie die Dörfer Diazliet-Barleur erstürmt. Harle feind­liche Gegenangrisft verbluteten vor un'eren Linien.

Die Armee des GeimralS von Hutier l^at in harten Kämpfen den Feind bei Marchelepot und Hattencourt über die Bahn PeronneRoye zurückgenwrftn. Franzosen und Engländern wurde das zähe verteidigte Etalone entrissen. Don Norton lierangcfülmte französische Divisionen wurden bei Freniches und Betbanrwrrt aeschlagen. Bussy wurde ge- nommen. Wir stehen mrf den Höhen nördlich von Mo von.

An den errungenen Erfolgen l?aben unsere Nachrichtrn- truppen hervorragenden Anteil. In unermüdlicher Arbeit ermöglichen sie das Zusammenwirken der nebeneinander fechtenden Verbände und gaben der Führung die Sicherheit, die Schlachten in die gewollten Balmen zu lenken.

Eisenbahntruppen, die erst den gnvaltigen Aufmarsch vor Beginn VeS Kampfes reibungslos vollfül^rttn, und jetzt den Verkehr hinter der Front bewältigen, arbeiten rastlos an der Wiederherstellung -l-rstörter Bahnen.

Seit Beginn der Schlcuht wurden 93 feindliche Flug­zeuge und 6 Fesselballone aügeschofsen. Rittmeister Freiherr von Richthofen errang seinen 67. und 68., Leutnant Bongartz seinen 32., Oberleutnant Lörzcr seinen 24., Vizefeldrvebel Bäumer seinen 23.. Leutnant Kroll seinen 22. und Leutnant Thuy seinen 29. Lustsi g.

Die Beute an Geschützen ist auf 963 gestiegen. Mehr als 199 Panzerwagen liegen vor den eroberten Stellungen.

An der übrigen Westfro-t dauerten die Artrllcrie- kümpse an, die sich an der lothringischen Front zu gröberer Stärke steigerten. Wir setzten die Beschiehung der Festung Paris fort.

Don den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste 6;eneraLgnarlicrmeister Ludendorff.

Der Friede mit Rumänien.

Bukarest, 26. März 1918. (WiTB.) Die wichtigstem poli­tischen, territoriale^ und militärische Bestimmrmgen des Frie- densvertrages mit Rumänien.sind heute um 4 Uhr, tndrgeüs paraphiert worden. Ebenso wurde ein umfangreicher Rest politischer Zusatzverträge paraphiert und die Grmrdlage^ineö Llb- kommens über die Erdölfrage mrterjchrieben. Tie übrigen wirt­schaftlichen Fragen werden in Kvmmisiionsberatungen iveiter ver­handelt. Einer Verabred'.mg anit den rnmwrichuen Delegierten ent» sprech^md, wird das gesamte VertragÄverk nach ferner Fertig­stellung gleirstzeitig uirterzeichtret und veröffentlicht werden.

Der Eindruck in Schweden.

Stockholm, 85. März-. (MTB. Nichbamlükh.) T« dent^ sch-e Westvffensive macht ia Schweden gSvalt'gen Eindruck. D« Blätter aller Nichtrmgvn heschlästiger. Ji(c eingehend mit ihr.

' Svenska Ta gdl a d" sSMibt.Dis Deutschpn l-aben oic t wg,i lische Front dnrchprodjcn. ADas viickincht der grögte Teil der Menschheit. crttcnibrvG irr feeit Enteirteländ^rn, rahrelang fu« unmöglich erklärt hat. ist jetzt tatsächlich iur Lw.cke vo^.r ein paar Frühlingstage emgetreten Wie irmwz sich Lwh^ die FvrrsetznntA gestalten mag, öairn .natitrkick rmisr keinen UaritäThden srezwerwit werden, baß die brutsche Z'nfanLerie fert dan ,23 3. aoendS ans einer Fww von rmewfähr 8 MeAeir bis ^ Kilometer tief in Die englischen Stellung e'ngetnn'.ngni ist. Meh- kann man von tmem Durchbruch nickst verlange, srckbst wenn die Enbentr durch gewrise:, iür sie günstige Umstände rm Schande sein sollte, die Dirkimgen weise, m neutralisieren Z.rm ersten Mate xv der Geschichte beg Stellungskrieges hat DenrsckLvnd die Mach' gehabt, so Mit wre sein« ganzen Streitlräfte aogen M'rslon v, rammeln narb das Er­gebnis ist öbmwah.tTDT±). Der Borban-g har sich vor dem Entscheid dungspnnkke des Weltkrieges geteilt. Was täsher geschehen ist, kann als das blutige Vorspiel getpig wobei TeutsckAand emens seiner Gegner nach dem andern geschlagen hat, währmd es z^ui gleich England »irotwendig in Schranken hielt. Erst letzt hat Deutschland freie Hand bekommen, um ferne" schwersten Feind nieberzuwerfen unb der Anfang verheißt nichts gutes für daI stolze öllbivn.

Stockholms T i d n i n g e n," ertlärr, man habe das dSubß lichiste Gefühl, daß nran var Ereignissen stehe, die für die Macht­stellung ü: Europa und damit iyer panyea Welt für , IÄhrzehnt« hinaus entscheidend seien. Wie rief dre Err^mg in E'.llenterreisertz ist, beweist der Aufsatz BrantingS in .,Soziäb.^m--kr 2 ten". der narl^ilweisen sucht, baß von einem deutschen Dirrchbruch nichts die Rede sein könne, und an die Marneschlacht erinnert. Dert Artikel schließt mit den Worten: Die nächster Tage werden ob die Hilfe beS deutschen 6^cktes, di« offiziell angefleht nnriz. dieses Mal melTr vermag, als v: Anfang des Krieges.

CAFE ASTORIÄ

Mittwoch den 27. Mftrz.

Vorzugfiche Getränke, Torten u. Waffeln,

Fürsten h o ff

Heute letzter Tag: 4 und 8 Uhr

- F & s 4 s p s e 8 e

WM"

1135

Soeben eingelrotfen! Hierauf- Soeben eingetroffen!

Oer epsie Orosskampftag der* Geraspsdoffensiwe

Be^mMnachttttg^

Wegen der Feiertage eriolgt die 'AnSgade der Brot­marken Donnerstag den .28. d. M.

Gleichzeitig werden neue Eierkarten ausgegeben, deren Güvigkeit mir dem 1. April d. I. beginnt. Die alren seit» herigen Eierkarten sind gegen Empfang der neuen zurück- zugeben. Der in dieser Wache gültige Abfchnin 28 ist abzmrennen.

Hübnerhalter erbakten keine Etcrkarten.

' Gießen, den 25. März 1918. 22678

_Der O berbürgermeister (LebenLmirte!amt )

Ausgabe von kondensierter Milch und Trockenmilch.

(Ausgabe Rr. 17).

.In den Kleinbandelsgeschäslcn. in denen der Bezugs- abschni t Nr. 10 abgeliefert wurde- kann non Dienstag den 26. d. M. ab gegen Vorlage der Lebensmittelkarte und Ablieferung von je 2 Vezngsabichnitten Nr. 17 1 Büchse kondensierte Milch oder ein Deutel Trocken- milch abgebolt werden.

Die Ablieferung der Dezngsabschnitte Nr. 17 durch die.(lleinbandelsge'chaste hat bis spätestens 3. Avril 1918 ans dem Städt. LebenSmiuelamt. Zimmer 12. zn erfolgen

Gienen, den. März 1918. 22»;6B

Der Oberbürgermeister /Lebeusmittekamll.

Gietzcner Stadttyearer.

Menschenfreunde

von Richard T e h m e t

Richard D e hm els Sck)ansviel.D ie Menschen­freunde", d<rs dem Gießener Publikum am 23. März von Mit­gliedern des Mainzer Stadttheaters vorgesührt wurde, gehört zu dem Tramentypus, der seit Ibsens großartigen Schöpfungen unter unseren Dichtern beliebt geworden ist, in dem bas eigentliche Ge­schehen von dem Ausgang des Vorhangs bereits abgeschlossen vor- liegt. Tie Spanüung chie der Lebensnerv jedes Dramas ist und immer bleiben wird, baut, in solchem Falle daraus, baß baZ Rätsel dieser Vorgeschickste im Lause der 6)espräche, zu bcmi Zeugen uns der Dichter macht, dem Zuschauer zunächst von ferne entgegentritt, bann ihn immer mehr erfaßt und fesselt, bis schließ­lich so würde es in der reinsteak Ausprägung dieses Typus sein mit dem letzten Fallen des Vorhangs die endgültige, schrecklickie Klarheit nackt aurtritt. Das, lvas die Persmren auf der Bühne reden, ist also in Tranren dieser Art nicht die Hauptsache, sondern dies sind iene dunkeln Ereignisse, aus die sic biudeuteu: und sind die Schatten der Vergangenheit, die aus die Gegenwart fallen, die Gespenster der Verstorbenen, die noch heute umgehen. Tie Kunst des Dichters besteht also darin, durch die Gespräche, die er erfindet, erst leise, dann in weiser Steigerung immer^lauter die Töne der Vor­geschichte erschallen zu lassen' bis der Schluß des Dramas die volle Melodie erschütternd ausnimmt.

In Tehmeks neuestem Schauspiel handelt es sich inn ein vor manchen Jahren geschehenes Verbrechen. Eiw Erbtante, Multi­millionärin, ist zwar nicht durch Dolch oder Gift, aber doch durch eine bewußt hcrbeigesührte Zer-rüttnng ihrer Nerven dem Dode nabegebracht worden, bis ihr ein Schlaganfall den Nest gegeben hat. Und auch der Täter ist kein simpler, roher, gcldgienger Mörder, sondern es ist einMenschenfreund" großen Stils, ein in seiner Weise außeroidentlicher, ja, säst genialer Mann, der nach längsälpigen, schwei'eu Gewissenskämpfen die bösartige, hartherzige, lahzornige. geizige Person umgebracht hat, um dann das ihin durch letztwillige Veriügnng zukommende Vermögen an wohltätige Stif­tungen und Anstalten in reichstem Maße zu verwenden. Dehne! hat sich selber einmal einenZusammengliederer ungewohnter Seelenregungen" genannt, und seine ganze, triebe Kunst l>at er aus- gevoten, d.ose Gestalt eines solchen Zweidrit^el-Mörders aus Huma- uttat lerbhastig vor Augen zu stckleu. In der Schöpfung der mit unzähligen Zügen ausgestattcten. wahrlZaft geschaute>r Figur, die Albert Heinemann durch alle Nüancen hindurch vortrefflich Mlsrührte, besteht, wenn wir uns nicht irren, der eigentliche Örtliche Wert djes erschütternden Dramas. Von allen Furien der Ermnnung gepeitscht, geistig und körperlich zusammenbrechend, dennoch mrt nie versagender Selbstbeher-rschuna sich stets wieder empornchtend, den Fluch des Mammons an sich reichlich erlebend, gemartert durch die ihm furchtÄrre Erfahrung, daß die wahre Memchcnlrebe allem die von Person zu Person ist, die sich durah keine Verschwendung von Millionen ersetzen läßt, stets mit dem

Geständnis spielend, sucht er nach einer Sa'ke, der er sein ent­setzliches Geheimnis anvertrauen kann. AtS Gegenspieler stellt der Dichter diesemhirmanen" Mörder seinen Vetter entgegen, den er einst um das Miterbe betrogen kfat. der den Gedanken der starren. Gercchtighit vertreLen soll. und der dem Verzweifelnden, Zerrissenen in unheimlicher Gemefsenh.'it gegenübertrilt. Aber cs ist nicht das reine, heilige L8cht der Gerechtigkeit, das inn erfüllt; er ist. kein Richter ^sondern ein Detektiv; er fühlt sich als Betrogener, er verfolgt den Mörder mit grausamem Haß und bleibt eben­deshalb doch ein ,/rrmer Mensch", nicht würdig, daß er das Geständ­nis vernelwre. Fritz K e n n e in a n u raub sich mit der undankbarm Rolle in anerkennenswerter Weise ab; vielleicht würde sie ihm noch besser gelingen, wenn er die Maske> er soll irt ungefähr 50 Jahre alt fein etwas bejahrter wählen, wollte. Neben ihrn die alte Anne die Verkörpenn dar alles verstehenden und verzeihenden Liebe, de?.' echten, frommen, w.rrmen ?Nenschenliebe: die dalTer würdig ist, das letzte Oüeständnis zu empfangen: auch das keine leichte Rolle. Bettina Brehm würde den Intentionen des Dichters noch gerechter werben, wenn sie die Gestalt schlichter ausfaßte: diese alte Wirtschafterin ist keine vornehmebarmherzig' Schwester", andern eine Frau aus dem Volke, und ebendarum in ihrer Ein- achheit so groß.

Außerordentlich ergnicklich sind für den Zuhörer, den die Schwere bo5 Dramas vielleicht Niederdrücken möchte, einrge Neben­personen. die daS Urteil der Welt zeigen, auch das allerMenschen­freunde". wenigstens wenn man nach ihren Morten urteilt: ein Bürgermeister mit langatmigen Reden in schönstemBrustton" drs Biedermanns, der dabei m gelegentlichen Entgleisungen seine wahre Meirrung ^eigt (von Otto Laubinger ergötzlich vorge- ffihrt); sodann em Regierungspräsident von feinerem Schlage (Fritz Wendhausen), der freilich mit seinen Anszeickmnngen und Anerkennungen nicht undeutlich nach den großen Geld sacken zielt; daneben ein vornehmer Minister (Ft^tz Sinn), ein lieber, alter Lperr, auch als Minister ein Meirsch; schließlich ein zappelig^'r, jovialer Sanitätsrat, den August Springer sehr lebendiy dar- stellte. Das wohl abgetönte Zusammenspielen dieser Nebenfiguren zeigte vor allem die geschickte Hand des Spielleiters (Dr. Fritz Wendhausen).

DaS ganze Stück leidet man darf es nicht verhehlen an «einer gewissen Eintönigkeit: eS zeigt wenige Hauptfiguren, die zwar \n unzähligen Variationen, aber doch immer Uneder über dieselbe Sache reden. Das war mit der Art des Aufbaues des TramaS, wie wir sie geschildert haben, $n einem gewissen Teile gegel>en. Um so mehr wäre es die Aufgabe des Dichters gewesen, für die dem Theater nun einmal une:itbehrlick>e Spannung birnf) allmähliche Steigerungen zu sorgen. Das aber ist schwerlich in vollem Maße geschehen. Zwar per ersr All reißt den Zuhörer ge­waltig in die Dinge l>erein: aber bereits dieser gibt ihm über die Vorgeschichte so viel Klarheit, daß sie auch in den folgenden Akten nicht mehr erheblich Überboten werten kann. Trotzdem ist die Wucht, mit der der Dichter die das Ganze beherrschende Gestalt des groß­artig angelegten Mörders durchführt, die Feinheit, mit der er alles

äußere Gefächen hinter die Szene verlegt und aut das innere Leben dringt, der Reichtum deö Geistes, mit dem ec dem Verbrecher Und seine Tat in schillernden Lickscern unaufbörlict: beleuchtet, und nicht zuletzt die' Hoheit seines Denkens über echte und unechte Menscherckicbe so groß, daß das Drama trotz allen Einwendungen, die man dagegcur erheben mag, als das bedeutsame und intcressants Werk eines ernsten Künstlers gewürdigt werden muß, der vieles zu sagen hat und es geistreich zu sagen versteht. Das Gießener Publi­kum lhars der Leitung unseres Theaters dankbar sein, daß wir das Werk in einer so trefflichen Verkörperung haben hören dürfen

x. y. z.

Irrgend."

Bon Max Halbe.

Die starke Sensation, die Max HalbesJugend". daS Drama drS Smrntag-Abends, einst erregt hat. ist längst ncrtreffen und fern gegenwärtigen Geschlecht säst rmverständlick geworden. Dennoch läßt man auch noch hentzirtcuw die traurig lüßc Geschichte von der leidonschastlichen und bock) so lwssnuugslosen Liede des Studenten und seines liebliwcn Mädchens gern au sich vvrübev- ^iehen. Man empfindet mit dem jun-gen Manne de»! innevni Zwie­spalt, mit brm ihn der berste Drang in die Freiheit und die ^rne, und andererseits die Liebe, tue iTnt an bn engen Raum mit Rosen- retten fesseln möchte, schnrerxvoll auseinander-ieder; und man läßt sich selbst t-en leichten Hauch von Sentimentaiitä!, per über dem Ganzen licai. rvehmütig lächelnd gefallen. Schade aber leibt es doch, daß per Drcbter im In'tereste eines dramarrsc! wirkenden) Schlusses das Mädchen durck: einen unglücklichen Zufall fallen läßt: hier war kern Zufall me!;r rrötig. mar doch diese Liebe durch ihre Natur nicht für die Treuer bestimmt; irnb ;me viel schöner wäre ein einfaches. boffnungSvolles unb doch hoffnungslose" Abschiednehmen gewesen! Daö wäre srellrch wenig dramatisch gewesen Aber man kann die Zweifel nicht unterdrücken, ob der ganze Stoff sich nickK seinem Diffen nach besser für die Novelle als das Drama eignet.

Unsere Sckxruspi'tüer waren, mcch l^cute unter Wilhelm S t e n - sgelS Leitung wohl auf dem Platze: Helene tfirllmav als ein niedliches, frisches Aemuhen, die beiden Piai?rertyL^m (Wilhelm Stengel unb Kurt Wenzel) in vorrrefflickxm Masken mcd in echter Haltung, Willy Borckarbt in der schwierigen Rolle eines SchwackLrnnigiv: glaubrnürdig und RudoLs Ielikow als Gast der loarmherzige, urrreife Student, wie er im Buche stellt. Und burckgesaUcn ist heute abend eigentlich nur unser Sonntags- Publikum, daS an der jarten Schönheit der Poesie Halbe-- offenda« Nieniger blesallen fand als an fernen gelegentlichen Derbheiten und Uevertr^eibungen, mck dem ein oder jüns nickü angehende Kriegs- streichhölzer mitten in der holdesten Szene eine unsaaliche Freude bereitetet:. ^ x. y. a.

Strahbnrg i. fl, S4. fNTB.) Wie tm , Straß­

burger Nene Zeitung" meldet, ist der lstkanntr L inatsreckitlehr« Professor Tr. L <a b o n d gestern abend gestorben