Kr. 12
Ter -1 ebener Htqriftv
erscheint täglich, ander Sonntag?. - Beilagen: Hiehencr5ki...istnblatter; Kre.Lblelt
tür den Kreis Hießen.
Bezugspreis: inonatl.Mk. 1.20, Vierteljahr! ich Mk. 3.6O. dnrch Abhole- u. Zweigstellen monatl. Bit. 1.1): durch die Post Pik. 3.60 vierteljäh rl. ausschl. Bestellq. fferusprech - Anschlüsse: für die SchrUtle.lung 112 „ Verlag,(tteschäitsstelleol •' Anschrist sürDrabtnach- rlchten: Anzeiger Giehen.
Erstes Blatt
168. Jahrgang
Dienstag. 26. März 1918
Postscheckkonti: Zranksurt o.M. 11686
Bankverkehr: Gewerbedank Gießen
ArorHingzrttnddruä u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- u. Lteirrdruckerei R. Lanze. Zchriftreitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulftr. 7.
Annahme von Anzeigen
*. die Lagesnnmmer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindtichkeit Setlenpreise: für örtliche Anzeigen 25Zf.,fürauswär1ige 30 Pf., 'ür Reklamen Dtt. 1.—; bei Piatzvor- schrift 29*/, Ausschlaa. Hauptschri'tleiter: Au^ Goetz. Verantivortlich für Politik u. Feuilleton: Ang. Goetz; Stadt uno Laicd, Berinischtes u.Ge- richtsfaal: W. Meyer; Anzeigenteil: H. Beck; sämtlich in Gießen.
«LS
.t
(WTB.) GroheS Hauptquartier, 25. März. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Kronprinz Rupprccht von Bayern hat mit den Armeen 0er Generale von Below (Otto) und von Der Marwitz in dem gewaltigen Ringen bei Baprunne den Feind aufS neue geschlagen.
Wahrend die Korps der Generale von dem Borne, von Lindequist und Kühne die starken Stellungen des Gegners nordöstlich von Bapamne in erbitterten Kämpfen durchbrachen, warfen von Osten und Südosten her die Truppen der Generale Grünerl und Staats den Feind über Aires »md Sailly zurück. Der zäl-e, dnrch frische Kräfte verstärkte feindliche Widerstand wurde in heftig n Kämpfen gebrochen. Reue herangeführte Divisionen und zahlreiche Panzerwagen warfen sich längs den von Bapaume auf Car.brai und Pe- ronne führenden Straßen unseren vonnärtsdrängenden Truppen entgegen. Sie konnten die Entscheidung nicht zugunsten des Feindes herbei führen. Am Abend fluteten sie geschlagen in westlicher Richtung zurück. In nächtlichem Kampfe fiel Bapaume in die Hände der Sieger.
*
Heihe Kämpfe entspannen sich um Combl?§ und die restlich vorgelagerten Höhen. Der Feind wurde geworfen. Eng i'che Kavallericangriffe brachen zusammen. Wir stehen nördlich der Somme mitten im Schlachtfelde der Sonune- jchlacht.
Der Deutsche Kronprinz hat mit der Armee des Generals von Hutier den Uebcrgnng über die Somme unterhalb von Ham erzwungen. Seine siegreichen Truppen haben in erbitterten Kämpfen die .Höhen westlich der Somme erstiegen. Heftige Gegenangriffe englischer Infanterie und Kavallerie brachen blutig zusammen. Die Stadt Neste wurde am Abend erstürmt.
Zwischen Somme rmd Oise haben die über den Crozat- Kanal vorgedrnngenen Truppen noch spät am Abend des 23. März die stark ausgebaute und zähe verteidigte Stellung auf dem Ostufer de§ Kanals erstürmt. In heißem Ringen wurden Engländer, Franzosen und Amerikaner durch die unwegsamen Waldgelände über La Neuville und Villquier- Anmont zurückgeworfen. Gestern aing der Angriff weiter. Französische, zum Gegenstoß angesetzte Infanterie- und Ka- valleriediviiionl'n wurden blutig zurnckgeschlagen. In rastloser Verfolgung stteßen die Generale von Conta und von Gayl dem weichenden Feind nach. Guiscard und Chauny vurden am Abend erobert.
*
Mit weittragenden Geschützen beschossen wir die Festung Paris. Die blutigen feindlichen Verluste sind ungemein schwer. Die gewaltige Beute, die seit dem 21. in unsere Hände fiel, ist noch nicht zu übersehen. Festgestellt sind mehr als 45 000 Gefangene, weit über 600 Geschütze, Tausende von Maschinengewehre!:, ungeheuerer Bestand an Munition und Gerät, große Vorräte an Verpflegung und Bekleidungsstücken.
*
An der flandrischen Front östlich Reims, vor Verdun und in Lothringen dauerten Artilleriekämpfe an.
*
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalanarlirrmeistcr Ludendorff.
#
Der Abeirdvericht.
Berlin. 25. März, abends. (WTB. Amtlich.)
Horte Kämpfe zwischen Bapaume und Perönne. Wir warfen den Feind hier auf seine alten, vor Beginn der Sommcschlacht 1916 gehaltenen Stellungen zwischen Anrre und Somme zurück.
Zwischen Somme und Oise sind unsere Truppen kampfend im V o r d r i n g e n.
K . iS te * e können die große Umwälzung an der Westfront, schneller als der Frühling gekommen ist, noch nicht recht fassen, aber wenn gesagt wird, eine übergroße Ab- nwnpsung «unserer Bevölkerung sei daran schuld, so ist dres doch nur halb- Wtreffend. Es »weiß jedermann, daß ynr i e h t vor den größten Entscheidungen stehen und daß vn den Ereignisse:! dieser Tage der Ausgang des Krieges ano |em baldiges Eiche abhängeu wird. Das ruhige Ab- warten, m das sich keinerlei stürmische Erregung, und vor Mein kerne Ueb-ertreibung, mischt, ist zu einen: guten Teil >em sict-eren und gewohnheitsmäßigen Vertrauen zuzu- chrerven, das wir alle in unsere hnilitär'.sche Führung epeil. ^l.lniay.rch, wenn die Kämpfe de^s ersten Anpralles überwunden sind, wenn der Bewegungskrieg nocki sicht- vll^v-orden sein wird, dam: ivirö -auch der Jubel *J a ? ^bwomiene lauter lverdeu. Wie war's denn in den Ma:tagen des Jahres 1915, als uns die erste Kundq.
Vom Durchbruch der russischen Front in Galizien kam? Da waren die ersten Tage auch nur (ein stumn:es Lauschen, und als die erste Meldung der sösterreichisch-ungarischen Heeresleitung von 8000 Gefangenen sprach, da zauderte man, nachdem ein unsinniges Sonnragogerücht vorher von 80 000 gefabelt hatte. Die zweite Meldung vom 4. Mai nannte 30 000 Gefangene, aber nur 22 Geschütze und 64 Maschinengewehre! Die Frontbreite des Durchbruchs aber war, wie gegenwärtig im Westen, 80 Kilometer! Der deutsche Heeresbericht vom 6. Mai rühmte, daß die Zahl der Ge
fangenen auf über 40 000 gestiegen sei, „wobei", so fügte er wörtlich hinzu, „zu beachten ist, daß es sich um reine Frontalkämpfe handelt." Um solche handelt es sich auch zwischen Cambrai und La Mre! Erst später, nach etwa 14 Tagen, als die Gesangenenziffern stiegen, und die Verfolgungsfront sich vergrößerte, als unter Mackensen ein unerhörter Siegesmarsch angetreten wurde, wie er in Frankreich zur Krönung des jetzigen Erfolges in gleicher Ausdehnung kaum nötig werden wird, da nahm ein jeder gerne täglich die Landkarte und das Meßinstrument zur Hand nno jubelte über jeden Tagesfortschritt. Wollte Gott, ähnlich würde es jetzt auch in Frankreich kommen! Dort stehen zweifellos besser gerüstete, kriegsgeübtere Feinde als damals in Galizien, uno die strategische Aufgabe ist wohl verwickelter als diejenige, die Mackensen so stürmisch löste. Aber wenn der Durchbruch vollendet wird — und alle Anzeichen deuten darauf hin! — vielerlei Möglichkeiten gibt es dann, für die unsere Feldherren sich entscheiden könnten. Bapaume ist genommen, der Feind dort erneut geworfen, und im Süden der Angriffsfront rückt .General Hutier über die Somme und den Crozat-Kanal. stellenweise ist unser Vormarsch schon 40 Kilometer weit vorgerückt. Ter Kaiser gibt in seiner Siegesdepesche an die Kaiserin die Marschrichtung an: nach neuem, heftigem, siegreichen: Kampfe zwischen Bapaume und Peronne geht es weiter gen Westen; Albert, der erste wichtige Knotenpunkt, der bereits in Flammen steht, ist das nächste Ziel! Nicht nur die Bedeutung der bevorstehenden Entscheidung ist so groß wie diejenige des BefreiuugsWerkes in Galizien; auch der bereits vorliegende Erfolg mit seinen 45 000 Gefangenen, 600 Geschützen und der Unsunime des unübersehbaren gewonnenen Materials läßt den Wertungen von 1915 nichts nach! Unsere Dankbarkeit und Zuversicht darf jsich nicht messen lassen, denn es ist ja die letzte, schwere Aufgabe, an der unsere tapferen Heere ringen. Wie unsere Heeresleitung an ihnen den stürmischen Siegesdrang. die gehobenste Vorwärtslust rühmt, so darf es in diesen Stunden auch unter uns in der Heimat keinen geben, der zweifelt und zaudert und die neue Zeit nicht mit froher Begeisterung begrüßt.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 25. März. (WTB.) Amtlich wird verlanlvart: Im Westen vermögen keinerlei Gegen an griffe das Vordringen unseres siegreichen Bundesgenossen zu hemmen. Sonst nichts Neues.
Der Chef des Generalftabes.
Der Lieg im Westen.
Infanterie und Artillerie in gutem Zusammenwirken
Berlin, 25. März. (WTB.) Die große Schlacht dauert an. Harte Kämpfe brache.: an vielen Stelle:: den oerzweifelten Widerstand der tapfer kämpfenden Engländer. Ihre Gegenangriffe verb-lute?: im Feuer der deutschen Infanterie und Artillerie. Du och das wellige Gelände folgen die deutschen Kolonnen auf allen Wegen der fechtenden Truppe. Mit einem Schs'age sind die in: jahrein:: gen Stellungskrieg erstarkten Massen elektrisiert. Ter ganze Vormarscb vollzieht sich in musterhafter Ordnung und Ruhe. JMt kommt den Deutschen ilyrt langjährige Frietens-, erziehung »:d praktische Erfahrung zugute. Nichts überrascht Führer und Trippe. Sie. die durch den Winter Masnrens, durch das unwegsame Rußland, über die Gletscher der Alpen gedrungen sind, kennen kein Hindernis, lieber jedes Lob erhaben sind dis Leistungen der verbündeten österreichisch-ungarischeu und der deutschen Artillerie. Die deutsche Infanterie weiß, daß auch die schweren Batterien ihr auf den: Fuße folgen. Sie kann sich fcl'ensest aus ihre Schwesterwaffe verlassen: kaum war.Peronne genommen, als diese in dröhnendem Galopp auffuhr und ab probte und todbringendes Feuer aus die pollgedrängten westlichen Rückzugs st r aßen des abziehenden Gegners richtete. Offizier uub Manu kennen das Gelände. Vertrant sind ihnen die Namen der. Orte, Höllen, Kanäle, Bäcte, Flüsse. Sic kennen die Beobachtung^- Posten aus den früheren Kämpfeir. Sie grüßen die Wvlff.att wie. ein altbekanntes Manöver gelänte. Die Truppe wird nichts mute, sie rastet am Wege, schläft auf freiem Felde, zieht voller Siegest freute und Siegeszuversicht von Kmnpf zu Kampf.
Der Eisenbahnknotenpunkt Albert in Flammen.
Berlin, 25. März. (WTB.) An einzelnen Stellen ist die deutsche Infanterie in ununterbvochpnen harten Kämpfen bis zu 40 Kilometer vor gestoßen. Tie heftigen Gegenangriffe .frischer englischer wie auch französischer Infanterie- und Kavalleriedivisvonenl scheiterten nach heißem Ringen icnter schwersten Feiudverlusten und kostete.: bei Guiscard und Chauny dein Feinde allein 100 Offiziere imd 3500 Mann, 18 Geschütze und zahlloses Kriegsgerät. An vielen Stellen des weiten Schlachtfeldes häufen sich die Zeicknen eines fluchtartigen Rückzrcges und erinnern an die Katastrophe der italienischen Arm een a m Isonzo. Tie englischen Rückzugsstraßen liegen unausgesetzt unter schwersten: deutsch«: Fernfeuer. Schon brennt, den vorgeheicherr Deutschen erkennbar, ter wichtige englisch^ Bahuhiof uitd Eisenbahn- knotenp::nkt Albert, den: die südlich Bapaume vorrückendenj deutschen Angrifsskoloniren zustreben.
Zahllose zu Gegarstößen eingesetzte biTitische Tanks, untermischt mit zusammengeschlossenen Motorbatterien schwerste:: Kalibers, lügen zertrümmert in frcn Straßen. An einer Stelle liegt eine ganze Batterie mit 25 toten Pferden. Ungeheuere Munitim:sstavel von vielen Hunderttarfferwen von Artikleriegeschossei: türmen sich hier und da hochj empor. Tie genaue Ziffer der nach Tausenden/ zäl/lenden genommeneu Maschiueugev^ehre läßt sich iwch nicht - annähernd angeben u:ü> übersteigt alles bisher Dagewes-ene. Der unaufhaltsame Sturmlauf unserer uiwergleichnchcn Infanterie läßt keine Zeit zur Zählung der gewaltige:: Bestände an Kriegsgerät Lebensmitteln und sonstiger Beute. Außer den ivüt über 600 erbeuteten Geschütze:: iourden .viele verschüttet oder außer Gefecht gesetzt.
Die unerhötte Leistung der deuffchen Armeen konnte nur erzielt werden von einer Truppe, >die vollständig in der Hand der Führer aller Grade ist. Das Vorbrechen der deutschen Infanterie in dem dachten Ncbelineer zersprengte die gegnerische Befehlsgebung. In allen Phasen der folgenden Kämpfe zeigte es sich, daß die eirglische Führung nahezu völlig ausgcsckxlltet war. Bis zum letzte:: deutschen Trainsoldaten wollte jeder einzelne Mann seinen Teil an ten begonnenen Erfolgen haben. Es war, als triebe eine unsichtbare magische Kraft nahezu eine Million Ntensck>en dem großen Ziele der Erringung der Entscheidung zu. Durch das zum Teil kopflose' Vorwerfen seiner Reserven, um sich gegen die drolwnde 0)efahr von Norden Luft zu schaffen, hat der Eimländer seine Niederlage am 22. und 23. mir vergrößert. Das Beutefeld, über das die Deutsck>cn vordrangen, stellt mit seinen unerhötten Meilen Munition, Pioniergerät und Lebensnritteln einen Wert von ungezählten Millionen dar. Kaum wurde der leiseste Versuch gemacht, diese Bestände zu vernichten, stiur eine Armee, die sich vollständig geschlagen fühlt, kann das Kampffeld in einer solck?en Ge',dalt d-em Sieger überlassen. Hieran könne:: auch die Berichte der Geg:rer nichts ändern. Der Sieg ist u:ü> bleibt bei unserenj deutschen Waffen.
Fm Standort des Generalstabs.
Berlin, 25.Marz. (W.B.) Seit Tagen äst alles in fieberhafter Spannung <nngestellt auf die erwartenden Ereignisse Der größte Teil des StaÄ:s.hat den letzten Standort verlassen und sich unauffällig weiter vorne in einem verlassenen Schlöffe eingerichtet. Von allen Seite:: laufen die Telephondrähde dorthin zrffam-. men. ^er Wetterprophet sagte «um 21. März vormittags gutes Weiter voraus. Am 20. regnete es in Strömen. Da bricht am Abend die Sonne durch. Pünktlich, r.vie verabredet, speim Tausche von QMnriifcrarten ich verderbendes Feuer mit einem Schlage auf den Fc:nd. Das Schlößck-en liegt etwas abseits von der großen Heeres- lttaße. Uuauftwrlich rattern Llutos heran mit Generalstal*s-Bcr- bcndim gsoff iziere::. Der Oberbe fehlste ber, der Chef und sein«; Unterorganc sind für niemanden zu sprechen. 'Ta erscheint plötzlich e:n Rcesenauto! Der Kaiser! Schon twr ihm traf der Kronprinz ein. Eine kurze Besm-echung .mit dein Stabe, ein Glückwunsch zu teil mit güten: Erfolg eingeleiteten Operationen, und Vater und Sohn verlassen die Stätte, wo fiebertefte Arbeit viel- le:clft das Schrcksal eirdgültig entscheidet. Stündlich treffen Mel- cnnrgen der Korps und Divisionei: ein und werten ausgeivertet nach ihrem Inhalt. Blaustift und Rotstift male'.: auf 'Riesenkarten. Die Operationen schreiten so schnell vorwärts, daß die Linien fort- dauerird versichert werten müssen. Die Tdlepliowe^pielen nnauß-, hörllch. In der Zeiitrale sitzen die TeleplMmisten :vr ilr.cn .l^ap:» schranken, die Tauseiche lwn semen Fäden terstellen zwischen der Leitung mch den Truppen. Zum Essen bleibt kaum Zeit. Der Gen oral stal>soffizier, der für eine halbe Stunde sinn«: Tisch t*~r- lAßt, sintet bei seiner Rückkehr eir.cn: Berg von eingickaufeuLnl


