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Der Oietzener rinzetger erscheint täglich, alltzer Sonntags. - Beilagen: Hteßener Kemiiiknblc,tter; KteUHflt!

für den Kreis Giehrn.

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Erstes Blatt

(68. Jahrgang

5amsLag, 23. März (9(8

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General-Anzeiger für Oherhchen

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Zwrllmgsrun-druck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u. §teindruckerei R. Lange. Zchristleituilg, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

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wochenrKckbUck.

Sex sonst so redselige Präsident Wilson ist in der letzten Zeit auffallend schweigsam gelvesen. Vielleicht lasten die japanischen Wetterwolken arrf seinem Gemüte, und vrel- teicht ist es ihm auch unbehaglich, daß an dem alten Europa, besonders in seinem östlichen Teil, noch gar nichts von oer amerikanischen Tünche hasten geblieben ist. Dre öontvoner Konferenz der Weststaaten hat durch Reuter er­klären lassen, die Entente weigere sich, die Vollzogenerl Friedensschlüsse zur Kenntnis zu nehmen, worauf die Nordd. Allgein. Ztg." in: Auftrag der- deutschen Negierung schlagend erwiderte, das sei uns vollkommen gleichgültig, wir legten auf eine solche Bestätigung nicht den geringsten Werl. Während der oberste Repräsentant des Onkels Sam dazu schweigt, weigern sich, nach einer Zeitungsmeldung, seine Vertreter im früheren Zarenreiche, aus dem Um­schwung der Lage die nötigen Rückschlüsse zu ziehen; eifrige Liebeserklärungen an die Russen gehen Hand in.Hand mit der Aufforderung, doch alsbald das Feuer eines Wieder- hersteNungskrieges gegen Deutschland freundlichst anzu­zünden. Aber das Schicksal geht daran vorüber, ern russi­scher Volkskommissar hat in Berlin in aller Fornr die RaU- sikation des Friedens augenreldet; Laune uiid Stimmung in Washington bleiben schlecht. Jetzt sehen wir den de­maskierten Wilson bei einer eigentümlichen Pantomime. Er ist der erste, der sich aii dein holländischen Schiffs- besitz vergreift, nachdem das Ultimatum der Erstellte an Holland zwar nicht ganz klar und nicht völlig bedingungs-, lös, aber doch immerhin zustimmend beantwortet worden war. Anscheinend wollen die großen Raubstaaten auch diese Antwort Hollands überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen, besonders nachdem der holkälldische Minister des Auswär­tigen in der über das Auftreten der Entente höck)st empörten Kammer neuerdings die Bedingungen der Preisgabe holländischen Schiffsraums nochmals unterstrichen hatte: die Sck)iffe dürfen nicht zu Kriegstransporten, nicht be­waffnet und nicht in der Etappenzone verwendet werden. Auch steht die Frage völlig offen, ob die in holländischen Häsen liegenden Schiffe gleichfalls ansgeliefert werden: nach amtlicher deutscher Auffassung soll der Schiffsraum in dieser Ausdehnung der Entente entzogen bleiben. Da sehen wir nun Wilson mit langen Sätzen über alle völkerrecht­lichen Bedenken und Proteste hinwegsetzen. Hat er es so eilig, den Krieg zu gewinnen? Nein, vom kommenden Sieg ist er wohl schwerlich innerlich noch überzeugt. So paradox es klingt: er rennt, um Zeit M gewinnen, um der Wirkung des deutschen U-Bootes noch eine Weile standhalten zu können und dann, nicht gar so unvermittelt, in irgendeinen Hafen per Verständigung einzulausen. Durch die Anwend rrng rechtmäßiger Gewalt"' fühlt er sich vielleicht auch der Ver­pflichtung enthoben, Holland für Schiffsverkuste späterhin zu entschädigen. Die Fr^ge bleibt noch offen, ob zwischen Holland uno der Entente ein Bruch vermieden werden kann. Die Neigung dazu scheint die holländische Regie­rung, trotz der Erregung im Lande, zu besitten, nachdem das erbauliche Berliner Frage- und Antwortspiel zynischen dem auswärtigen Amt und dem Kriegsernährungsamt, ob den Holländern 100 000 oder 50 000 Tonnen Getreide zur Verfügung gestellt werden könnten, beidemale mit einem unbedenklichen Nein geendet hat.

Wenn die Entente durch die Wegnahme holländischer Schiffe einen kleinen Vorsprung gewonnen haben könnte, so ist es gleichwohl in diesen Tagen deullsicher geworden, daß ihre Kriegspolitik dem Mgrunde zugeht. Der mit allen Mitteln der Verzweiflung betriebene Schifssneubau geht auf Kosten der Munitionsherstellung und des anderen Lieferungswesens. Die durch vielleicht 150 000 Amerikaner verstärkte" Weftstont unserer Gegner soll der deutschen Offensive standhalten, die am Donnerstag morgen mit wichtigen Artillerieschlachten aus breiten Frontstrecken be- Mnnen zu haben scheint.Nicht ohne Schauder greift des Menschen Hand in des Geschicks geheimnisvolle Urire" das gilt für unseren gegenwärtigen Meister der Schlacht­felder so gut wie für oen des Dreißigjährigen Krieges. Die grausamste Massenverinchtuug von Menschen steht be­vor; war es nicht menschlich und natürlich, dem Perblen­deten Gegner Zeit zu lassen, sick in den unvermeidlichen Verzicht aus seine bekannten Plane auch ohne weiteres Blutvergießen zu fügen? Wir haben lange zugewartet, jb lange es mit der militärischen Lage und ihren Notwen­digkeiten zu vereinbaren war. Aber die Entente, die den Krieg gewollt hat, will auch dieses neue Furchtbare, und muß es geschehen! Nie war unser Vertrauen auf unsere Heeresführnng und Unsere Kämpfer so fest, nie war die Beimengung von Bangigkeit oder von Zweifeln am Ge­lingen so gering wie heute. Auch im Innern fiub wir, trotz mancher auseinandergehenden Meinungen über die nächst Ziele des Friedens, trotz der Unterschiede zivischeu Vater­land "'Partei und Volksbund für Freiheit und Vaterland, ein einiges, zum Sieg entschlossenes Volk. Der Reichstag

hat, mit Ausnahme einiger von allen TatsachenUnab- hängigen", die Friedensschlüsse gutgeheihen, die neuen Milliardenkredite bewilligt, und weder die Ungebührlich- keiten des Direktoriums der Daimler-Werke noch der Fall Lichnowsky konnten die Lage ernstlich gefährden. Beschämeild ist es steilich, daß ein so unzuverlässiger, eitler, zu so hohem Amte uubefühigter Manu wie Fürst Lichnowsky un­ser Botschafter gerade an dein wichtigsten Platze, in London, gewesen ist. Welch ein Zeichen von' Zerrüttung in Urteil, Gesinnung und Charakter, daß er, um persönlicher Recht­haberei willen, versucht hat, die Hauptschuld an diesem Kriege .der deutschen Politik in die Schube zu schieben! Er kannte und sah in England nur si h und seineErfolge", gewahrte aber nicht, wie Deutschland feindselig eingekreist und er selhst mit Listen und Ränken für die englische Vor­herrschaft eingewickelt wurde. Es ist nur gut, daß.auch die deutsche Sozialdemokratie auf die Selbstblamage dieses Diplomaten hinweist. Wir haben in Deutschland nicht, wie in Frankreich, einTiger"-Regiment, sonst würde es dem Fürsten Lichnowsky schlecht ergehen. Wir lassen ihn als einen Kranken, nur halb Zurechnungsfähigen und daher Bemitleidenswerten seiner Wege ziehen, nachdem er be­dauert hat, daß seineDenkschrift" in die Oeffentkichkeit gelangt ist.

Die Taktik des Reichskanzlers Grafen Hertling, der sich im Reichstag wieder kurz und bestimmt, aber doch ausreichend über die Ziele der deutschen Politik auszu- sprecheu wußte, ist bisher von keiner Seite her angesochten lvorden. Der feine Staub der alten Parteiprinzipien hat sich allmählich niedergeschlagen. Allerdings will, wie der Do-nvärts" mittelst, die Reichstagsmebrheit noch eifrig den alten Formeln Genüge, tun. So soll ein Antrag ein­gebracht werden, wonach dem Selbstüestimmungsrecht in Polen, Litauen und Kurland Rechrrung getragen, der Auf­bau der Zivitverwaktungen gefördert und die bisherige Volksvertretung in den genannten Ländern auf eine brei­tere Grundlage gestellt merken soll Darn'-t wird sich die Regierung wohl absurden können. Eine sozialdemokratische Airregnng, wonach bei künftig-en Friedensverträgen auch Mindestforderungen auf dem Gebiet des Arbeiterschutzes itni> der Sozialversicherung vereinbart iverden sollen, fand die Sympathie der Regierung und die Annahme durch die Parteien im Hauptausschuß des Reichstags. Auf der an­deren Seite suchen die Konservativen den Reichstag für Kriegsentschüdigmrgerr zu gewinnen, indern diese als recht­liche Mittel zur Fürsorge für heiurtehrende Kwieger und Kriegsbeschädigte soloie deren Familien ausbedungen wer­den sollen. DaS Schicksal dieses Antrages, der, anscheinend zu einer Neusormutieriing, einsttveilen zirrnckgezogen lourde, ist ungeiviß. Die Reichstagsmehrheit lvird sich vermutlich, da er ihrer bekannten Eritscyliegung zuwider ist, nicht daraus einlassen.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 22. 9Rärz. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

HeeresgruppenKronprinzRupprechtund Deutscher Kronprinz.

Ostende wurde von See her beschossen.

In Belgisch- und Französisch-Flandern lstelt starker Fenerkampf an. Mehrfach drangen Erkundungsabteilnngen in die feindlichen Linien ein.

Südöstlich von Arras bis La F6re griffen wir eng­lische Stelluksgen an. Nach starker Feuenvirkung tn>n Artil­lerie und Minenwerfern stürmte unsere Infanterie in brei­ten Abschnitten vor und nalM überall die ersten feindlichen Linien.

Zwischen La Före und Soissons, zu beiden Seiten von Reims und in der Champagne nahm der Feuerkampf an Stärke zu. Sturmabteilnngm brachten in vielen Abschnitten Gefangene ein.

Heeresgruppen

von Gallwitz und Herzog Al brecht.

Unsere Artillerie setzte die Zerstörung der feindlichen Jnfantenestell.mgcn und Batterien vor Verdun fort. Auch an der lothringischen Front war die Artillerietätigkrit viel­fach gesteigert.

Vost den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Chef des Gcneralstabes.

L u d e n d o r f f.

*

Der rlbendbericht.

Berlin, 23. Marz, abends. (WTB. Amtlich.)

Die Erfolge des gesttigen Tages in den Kämpfen zwischen Arras und La Före wurden in Fortstihrnng unseres Angriffes erweitert.

16 000 Gefangene, 2 00 Geschütze wurden bis­her gemeldet.

Vor Verdun blieb der Feuerkampf gesteigert.

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

*

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 22. März. (WTV.) Amtlich wird vrrlautbart;

Nichts zu melden.

» m osin.' -SS H O tm m

vre deutsche Offensive im westen.

Berlin, 22. März. Am 21. März hat die deutsche Offensive an der W est f r o u t eingesetzt. Sie richtete sich zunäch st gegen die Engländer. Die Artillerieschlacht entbrannte im Morgengrauen. Schon nach wenigen Stunden äußerst ergiebiger Feuerwirkung trat die deutsche Jnfan- tigen Kämpfen nahm sie in breiten Abschnitten überall die in einer Ausdehnung von rund 80 Kilometer z u m S t u r me an. In harten, für den Feind äußerst blu­tigen Kämpfen anhm sie in breiten Abschnitten überall die englischen Linien. Der den Engländern völlig überraschend kommende Angriff entriß ihnen wichtige Abschnitte ihres sorgsam vorbereiteten und stark ausgebauten Kampfgeländes. Obwohl ein dichter Nebel, der erst später der Sonne wich, die Kampftätigkeit anfangs behinderte, war doch der Erfolg über Erwarten groß. Die Einbußen des tapfer und zähe sich wehrenden Engländers an Toten, Verwundeten und Gefangenen sind schwer, die deutschen Verluste überraschend gering. Dieser erste Großkampftag endete verheißungsvoll für die deutschen Waffen. Der Geist der Truppe ist von freudiger Siegeszuversicht getragen. Die Beute an Gefangenen, Geschützen und sonstigem Kriegs­material konnte noch nicht endgültig festgestellt werden. Bis jetzt sind 16000 Gefangene und 200 Geschütze gemeldet.

London, 22. März,. (WTB.) Der Korrespondent des Reuter^ scheu Bureaus <\ t der britischen Front brabtete abends: Die De u t sche n scheinen dadurch, daß sie, von starker Artillerie mrter- stützt, große Vküssen in den Kainpf werfen, in die Fra n t l i n i e ztvischcn S c a r p c und Vendeuil eingedrungen zu sein. Wemi wir. nicht die novoeudigen Gegenmaßregeln ergreifen^ scheint die gesamte Lage für den AugenbliÄ er­schüttert.

Französischer Bericht

vom 21. März, 11 Uhr abenjdZ: Tagsüber blieb die feindliche A r til le r ie t ät i g ke i t sehr heftig zivischen der Miettej urch der Aisne, in der ganzem Gegend von Reims und an der Cham­pagnefront, besonders z.wisä-cn der Berggegcmd nnd Mlle snr Tourbe. Unsere Batterien erwiderten überall energisch.

Im Abschniitt von Hnxlus führten unsere Feinde drei auf­einanderfolgende Angraffe aus, die durch miser Feuer gebrochen und durch Gegenangriffe znrückgeNDrsen wurden. OesUich der Suivpe scheiterten fciub-iidje Handstreichversuche vollständig. Unsere Nr- tillcrie nahm deutsche Kolonnen mrter Feuer und zerstreute sie, als siie in der Gegend südlich von Mvnthois vorrückten. Auf dem rechten User der iNaas nnd einigen Punkten der Woevre ziemlich ausgiebiges Bombardement unserer ersten Linien.

Ettglischer Bericht.

Dom 21. März abends.

Gegen 8 stlhr heute früh mürben üach heftigem Geschütz- feuer von beiden Seiten mit Spreng- und Gasgranaten aus unsere vorderen Stellungen und tveiter zurückgelegenen Räume ein mächtiger Jnfanterieangriff d^nrch den Feind a n s g e f ü hr t, auf eitrer Front Don über 50 Meilen Ausdehnung vom Oiseftuß in der Gegend von La Fere bis zunt Sensee-Flnß bei Lwisilles. Feindliche Artilleriedeuronstrationen fand auf ausgedehnter Front nördlich des La Bassee-Kanals und im Abschnitt von ?)pern statt. Der Angriff, Don dem bereits seit einiger Zeit bekannt war, daß er srch in Vvrbereittltig besinde, wurde mit größter Kraft und Entschlosseitheit währcnch des garizen Tag^ durch­geführt. Im Laufe der Kämpfe brach Dir Feind durch unsere V v r p o st e n st e l l u n g e n hindurch und es gelang ihm, in unsere Kampfftellungen au gttoffs«r Teileir der Front e i n z u d r i n g e n. Die Angriffe tmirden in breiten Massen ausgeführt, und kamen den beteiligten feindlichen Trichpen, die außerordentlich schwere Lerdrfte hattell, teuer zu stehen. Sckiweaes Mngen dauert an der ganzen Front an. Starke Massen fei ndI icher Ber­st ä r k u n g S t r u p p e n wurdcnc während des Tages be- obachteü. wie sie sich hinter den feindlichen Linierc vottruirlS- bewegten. Verschiedene feindliche Divisionen, die fiir diesen großen Allgriff besonders ausgebildet worden ivaven, tvurden bereits festgestellt, darunter Einheiten der Garde. Erbeutete Landkarteil, auf denen die Pläne des Feindes ti* gezeichnet lraren, lassen errellnerr, daß er an öiner SteKe der langen Angriffsfront seilie Ziele erreicht hat

Berlin, 23. März. (Privattelegramm.- Rach einer eigenen Meldung derNordd. LlTtgem. Ztg." ist die-eng-

Bei jedem Bankier, jeder Dank, Sparkasse, post, anstatt, Versicherungsgesellschast, Kreditgenossenschaft werden Kriegsanleihezeichvnngen entgegeugenommen!