Kr. 64 Zwitter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
§MLtag. \ . Marz 19(8
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer.
SÄ. LLtzsavg eow 14. VUxi.
(Scto%J
fjhuctmt Stifter Dr. Becker: Mas daS Gebiet der hohen Krtlltrk rtnvugehen, ist nicht meines .Ajmdes. Ich werde intr mit Me Bewertmrgen der Vorredner -um Vvvmrschlag spreck-en. Wie «ch (form rm Jammr auAeinauderletzte. haben Drucksciuoftrigkeiien «nd Personalmangel die Deröffentl ickmrig des Staatshaushalts verzögert. Trotz der Verspätung Hai der Ausschuß den Voronscl^lag eine gründliche Berottrng erfalwen lassen und ich danke chm für oie «rteistete %rtrit. Dnwch drrngeuLx're Arbeiten war ich gestern in Berlin festgehalten, Die Beurteilung, die der Voranschlag im Hause f«rd, war eine erfreulich einige. Es fommt babcr, daß der Doransckltag ein ziemlich gütrsLiger ist. Trotz der großen Mehr- atckwendungen haben wir nur mit einem Fehlbetrag wxn l 1 /« Millionen $u rechnen. Bau 1906 bis 1918 smd unsere Ausgaben allerdings um 30 Mllwnen gewachsen, aber die L^teuerkvaft des Landes ist in gleüiiem Maße gesnege», so daß eine Steuer-- erhöhnng er^lgen mußte. Die steuerliche Kraft ist in den letzven 1b Jahren gar«? erheblich gestiegen, sie geht nicht nur wm beit; oberen Klasieu auS, es trat eine Verschiebung der Steuerklassen! nach oben an, der Prozentsatz der unteren Steu-erllassan ist gesunken. Es ist auch Tatsache, dasi die AirbettslRnre bei vielen Be- V§lkermvgsscksick)ten stärker gestiegen sind, als die Teuerung. Zweifellos ftab auch mrter den Staatseinnahmen DüchreiMmhmen. die Mi den vorübergehenden lkrie^gewtzrnen gehören., z. B. die Holz* preise. Wir wünschen ja auch einen Abbau der Preise und Löhne, die für die EinzelWirtschaft wie für die Mlgemeinwirtschaft <ru? die Dauer rmerträsslRh stich. Dadurch werden auch die direkten» Steuern -urückgehem G»nmssc Ausgaben, die während des Kriegs ül-ernonrnrev werden ntmfeten, werden si<h nicht znrückschraubcn lassen, dmm werden wir unsere direkten Stzeivern erhö hrat mü ssen, die Progression oair% anders aufbaucn wie bisher. Die Gewährung wird den hessischen Sseuecn^aUern nicht schwerer fallen, als sie den preußischen gefallen ist. Die großen Einkommen allein können das nicht bringen. Ae mittleren Einkommen bringen die Masse der Ste u ern. 2.6 Prozent der Sttmerzohler Mer 6000 Mark Em kommen bringen bisher schm 12.7 Millionen Mark auf. Die AapitalbLdung darf rnchl unterbunden wecdsr, sie ist wirtschaftlich Uovoendig. Wir werden mit Zahlen und nicht mit SchlagwortaH operieren. Dasselbe gilt von der Vermögenssteuer. Das Reich nachm uns Lm letzten Irchrzehnt eirru großen Teil der Erbschaftssteuern und der Stempelabgaben. Ich habe die Hoffnung und das Ver t ra u en, daß die starken Worte der Nationalliberalen. des Bauenrbundes und des Zentrums gegen einen lieber griff des Reichs auf die direkten .Steuern in Berlin Eindruck machen werden. Nicht bei der Reichslertung. aber in starken Parteien des Reichs-- tags besteht die Absicht, direkte Rerck^steuern etzrzuführen und drDurch die Selbständigkeit der Bundesstaaten zm unrerhöhlen. Die Schichttmg der Vermögen ist nicht derart, daß die großen Vermögen die Hauptmaste des Volksvermlögens darstellen. Nicht um die großen Vermögen zu schonen, sind wir gegen direkte Reichs steuern, sondern um unsere DLuerquÄlen uns nicht nehmen $u lasten.
Der Antrag Brauer und Weber ans Errichtung eines Forst- drtriebssdockes ist sachlich und grundsätzlich durchaus richtig. ES empfiehlt sich, den Gedankm MrückMistellen, bis wir die Ausgaben «rud Einnahmen bester überschauen können, um uns keine Fesseln «MNckegcru Die Errichtung eines besonderen Fvrstbetriebsstöckes' ^ Tricht unbedingt Twrweudia. da wir schon den Restestock I besitzen. Die wilde Forstwirtschaft wird dadurch doch nicht verhindert. Wir haben die Teuerungszulagen unter dem Gesichtspunkt der Wchrod»»cchmen tmS den Forst«, bewillig^ wir wessen auch nicht welche msxnmstrlt Mehrausgaben daS Jahr 1918 bringen wird. Darum ist eS beste r, di e .Ausführung des GedanSemS bis nach 2 Klf(^tC&OL
Dir Entwicklung uns e r er dcnSüHnen gibt ein sehr unsicheres Zwrisrtlos wird der Ausfall cm Einnahmen nach dem Krioge Ickrder verschn ür ten, aber wir haben auch zweifellos mit einer sta rHc n Steigerung der Anf or derungen für Neuanschaffunnen zu rechnen. Ob dabei eine Ueberrenve Lbrigbloiben wird, ist nicht Voraus Ansehen, e b e nso w enig kann rr-ran jetzt schon sagen, wie man Abhilfe schaffen solle. Man hätte schon früher mehr tilgen sollen. Warnen muß ich vor der Motzvmg, daß man die Tilgung Unterlasten Wune. Aus den EedarrSsn des Abgeordneten Ulrich, die Eisenbahn schuldenden zwischen Hessen und Preußen zunächst aus den Betriebs-Überschüssen zu decken und dann erst die Gewimtteile aus- zurechnen, wird Preußen nifojt ein gehen. Ter Vertrag ist unkLnd- hea und eine Revision würde Hesten rrur als Bittsteller erreichen .Wunen, eine Rolle, die man uns nicht zumuten wird.
Den Pensionären werden 40 Prozent, in manchen Fällen bis Ar 80 Pro-ent die Teuerungszulagen gewährt, so daß berechtigte Wünsche nicht mehr von-ebrocip werden können Rur die Teuerungszulagen der Beamten steuerfrei zu lassen, müsse als ungerecht de- zeichnet werden gegenüber den Arbeitern und allen anderen Kreisen, es sei denn, daß man diese Steuerfreiheit als einen besonderen Teil der Zulage ausfaste, loas aber gesetzlich ausdrücklich festgelegt werden Müsst. Luther Preußen läßt kein Bimdesstaot die Teuerungszulagen Keurrsrei. Ter Borwurf, daß das Reich die Gelder zum Fenster hinauswerse, ist in dieser Bervllgemeinerung unberechtigt: es werden tfVGz Fehler gemacht, aber scmst wird im Gegenteil sehr sparsam '«wirtschafret. — Roch ist <6 eigentlich verfrüht, über die Deckung der Reichsschulden sich zu unterhalten. Bor allem hüte man sich vor Schlagworten. Können wir einen Frieden schließen, der uns unsere Lasten ganz öder teilweise abnimmt, so wollen wir uns nicht an der Frage stoßen, ob er unseren theoretischen Anforderungen voll entspricht- Bei allen Kreisen der Bevölkerung findet die Rokwendig- Vett der Erschließung neuer Steuern ein ersrealiches Verständnis. Täe Regierung hat in Berlin den Wunsch ausgÄnuckt. daß in den vengedUbeten Fincrnz<Berca1 auch Vertreter des MitEandes entsandt würden. Ter Vorschlag einer einmaligen Vermögensabgabe, der von der Hxtzfinrrntz ausgeht, würde den Rinn des Mittelstandes bedeuten. Bei der Steigerung der KriegsgewinnstLuer- ist
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doch zu beachten, daß nicht alle Ueberschüste reine Gewimre sind. Es. wirb gegenivärtig vnck Raubbau getrieben. Indirekte Sievern ließen sich nicht vermeiden. Die Industrie wird sich an Rvhstoss- zolle gewöhnen müsseit. 'Der Weinbau unb der WeinchLNdel haben sich bereits mit dem QfcfoanÜen an eine Weinsteuer abgefnnden
Unsere rolkswerisck-astli»i'L Knast hat sick> ftn Kriege glänzend bewährt. Tie Sparkassern'uckagen sind vom 1. Icmnar 1917 bis 1. Iwruor 1918 von 418 auf 541 Millionen ^estiegerr, wvAu rwch 31 Millionen van den Emlogern oc^id'fntXt KrtcgrZanleihe Kommen Das macht eure Zunahme von äl Paozertt An der Spitze steht Rheiuhessen. Bei der Lanbeshypotlielenbank wurden 2 l /\ Mil- lioncn Hypotheken Aber die vorsciiriftsmäßige Tilgung hinmrs getilgt. Deshalb dürfen wir vertrauen, daß die derttsche Wrrtstl)L:sks- krast -rack dem Kriege rasch aller Sckpvi^erig leiten Herr toem. A-ngrsichts der bevorstehenden Offensive lacken wir bk Gcwiß- heit, daß sich alle Kreise hinter unsere unvergleichichm Kämpfer sollen werben. Unsere hessisck>e Arl^eiterschaft hat dank ihrer Einsicht und der Deformenheit ihr-er Führer den m seiner Wirkung an VaterlMrdsverrat grerrzenden Streik abgelehrrt. Don allen Kceifeir erneartet die Neuerung, daß sie bis znm ersehnten Ziele durrh- halt-en werden. Dos gilt besonders aixf) bei der Zeichnung der bo- vorsieherrden achten Kriogsanleihe. Sie ist übcrz>eugt, daß die Herren Abgeoedrreten wieder das Jl)rr zu einem vollen Erfolg beirw-gen worden. (Lcbh. Beifall.)
Schluß der Setzung 1 Uhr. (Nächste Sitzung Freitag vormittags 9 Uhr.)
56. Sitzung vom 15. MSrH.
Der Präsident eröffnet um 9Vf Uhr die Sitzung. DoZ HauS füllt sich langsam. Die Tribünen sind mäßig besucht. Ant Regie- rungSttsch sirch die drei Minister anwesend.
Das Haus fährt fort in der
Aussprache über den Slaatsvoranfchlag
M»g. Best (natl.): Die Preise für Bro'getreide können nicht mehr aufrechdncholten werden, da der Getreidebau heule nicht mehr rentabel ist. InftckgÄ>essen ist d^r Getreidelxru im Kreis WormS schon voriges Jahr um 30 Prozent zurückgegan-geir. (Hört, hön, bei den Svz.) Ebenso sind bei den Ferkel^ und Futterpreisen die Preise für Schlackchsckiweine gcnrz imgenügend. Deshalb ist unsere bonze Viehhaltrrng auss äußerste bedroht. Warum sollen die hessischen Hühner mckhr Eier legen als die bayerischen? Die Bevorzugung der Sitten, die für ihre d.Dabn frisches Weizenmeb! be- kvm-men, ist unverständlich. GS ist nüht reell, jetzt nach einem halben J-ahr den Zucker preis für Tresterwein trachträglich z-u erhöhen. Die KMenvcrst)rgung muß dieses Jahr unbedingt besser geregelt werden.
Abg. Adelung fDoz.): Es geht nicht an, daß die Beamten im Anwärterdicast a&t und grau werden, ehe sie in die Lage fbnrmcn, eine Familie zu grmrdon. Prr.ißen und das Reich lassen eine abermalige Teu tn kn.gS-u,l«Dre eirrtreten. Hessen Unm sich diesem Borblld nblrt entziehen.. Tie Arbeiterlöhne sind nichrt so stark gestielt«, als die Teuerung Eene Iköpsige Familie 1VÜV1 ha.ite fe'ngiestelltermaßen cn der Woche 90—90 Mark. Wir haben bk ArbnterstveiK von vor,rhereni bekämpft, weil wir n«ht im Interesse Tsctsichands hielten. Hätten wir den Streik prvpajgiert, so >väre er ganz anders ausgefallen. Durum hätten sich die anderen ihren Holw bi-lligerweise sparen können. Durch unser Verhalten haben wir ein Recht, auch an anderem Kritik Au üben, I B. cm dem Verhalten der Daimlenverke oder an den Landwirten. die aus Verärgerung keine SEadtkmder mehr anfnehmen wollen. .Ter Rcdiskr nimmt die Aourur-unalverbände in Schutz. Ohne sie könnten wir unsere Kinder. Kranken und stillenden Mütter m den Städbsn nicht mit dem Notwendigsten versorgen. Ohne Zwang kommt man nicht aus. Mit bloßen Mvr»rüpvedi gt M ist nichts getan. Der Redner kommt auf das Gebiet der äußeren Politik zu sprechen und.redet Men den Wby. Dorsch, dem Der» ständigrmgSfrieden das Wv-tt. Sljw brauchen wir. weil schm vor dem Krieg 15 Millbmrir Deutsche von der Berarbeiturrg der DuSlandsoohstoffe lebten. Die ReickZAassrejollttivn vom In!l hatte eine auSg^eichsetc Wirkung im Irrvrn. derrn nur dadurch daß wir auSgespnochmermaßsr rhtm reinen ,Dcrteidigimgskrieg führen, fmri die abft-lut nvttoendige rnn«ere Geschossenheck erzielt werden. ToS ArmerioiiSgesihrei hat unS im I^ilalvd und Ausland unendlich geschadet. Wir freuen uns. daß svh die Natvonalliberalen für Ab- schrssisidg des PluralwrhlracheeS ausspraclMr. Mit dem Mg. Brcn- dcuV sind wir für die Frrilieit der Konfessftmen. »
Äbg. Wolfs- Stadecken (wild) warnt davor, daß ja große Hoffnungen aus die llkraine aesetzt mck deslmlb die heimische Landwirtschaft vernachlässigt wird, k 93. bei Beurlaubungen. Ich bedauere dSe Ausführungen des Kollegen Best über die Abnahme des Getreidebaues. Denn es ist eine selbstverständliche vaterländisch Pflicht der Landwirtschaft, Getreide an-ubauen. Die Landwirt- ^chlslSkammer hat keilte Fülilung nach unten. Sie hot keinen Boden in Rheinhessen. In VersamnUlu^Lgen' hört man ein Hohn- lachen, wenn das Wort ..Landwirtschaftskämm er"' sÄlt. Der Redner kritisiert die Maßnahmen der LandwirtschaftsDammer bei Pserdc^ koersteigerungen. Ferrcer beanstandet er den Schematismus bei der Spcckabgabe, der Milchieferung (das Vieh wird durchgehurrgert und kann die Milch gar nicht geben), der Eierablieferung. StadS und Land müssen sich besser verstehen lernen. Sie beurteilen sich nur nach dm oberftächlschen Eindrücken. Die Gelldannerie muß dezentralisiert werdelr (Sehr richtig!) Der Redner spricht zum Schluß dem opservollen Verl-alten der Presse den Dank auS.
Aba. Tr.^O sann (nakl.) hält es für notwendig, nachdem vorr anderer Seite das Gebiet der hohei Politik gestteift »ourde, auch den Standpunkt der Gerprer der Friederrsresolution zu Wort kommet, zu lassen Mit scharfen Worten wendet er sich aesjen die Aeußerungsn über Teutsck^laird. die rm ösierreichisckLN Parlament gefallen sind, und ersivnert an die Dienste, die Deutschland dem Verbündeten geleistet h-tt. (Lebl>afte Zwischmrufe von den Sozicrldenw-krat«, und dem Äbg. v. Brentano.) Er vernchse in Fvantteick, und Errgbrnd jeden Gersvarldigr^ngSwUlen. Es ist noch g«r kerne Zeit, über I-riedenSziele zu sprechm. Zunächst haben wir nock, die Aufgabe, erst den .Sieg zu erkämpfen und den FeLnd zum Frieden zu zroingeL,.
Abg. Dorsch (Bbd.) polemisiert acgai bat Aba^ Adcllma und vertritt in längeren Au^sührungeu den belanrrb«, -^«anöpoLÜ der deutschen ValevlartdSpo.rtei.
Dtaatsministel Tr. v. Ewald.' Der Herr Abg. Dc. hat mü Reck)! Äeußerimg>e.t im österreichischen Pcirlament jz&nfcÜ, die den Geist der Brvü^treuie uns gegenüber verichson Demgegenüber wollen wir aber doch das schöne Wort de.- oste» re,cksisck--n Ministers des Aeußern. Grafen Ezernin, nicht vev, -essen, dah seinem Lartde der Schutz von Straßbarg gerade ßs obliege, wie der Schatz von Triest, An dieies Wort Haber, wir uns zu hallar, wertn wir von der Bundestricue Oes.erechM sprechen.
ES tritt eine Pattse rvn 10 Minuten ein.
stiach der Pause erteil! Vsepräsident Dr. Schmitt bmt 22^. Ulrich das Wort.
Abg. Ulrich (So^.) beschwert sich zunächst über den scherz hrft-n Ton des Finon^ministers ihm gegaiüber. der illn einen Unsinn unterstell ,md diosen dann ins Lächerliche gez4>gen 'habe. Er kömr? auck) gröl>er werden, wem, es sein müsse. Er verzicht- unter diesen UmstänÄen aus eine sachliche Ausesirandersitzung mit bem Minister. O/egenüber dem Abg. Tr. Okntn nimmt Dbg. Ulrich Oester reich- U n garn in Sckmtz Man dürft nie vergasen, daß Oesterreich-Ungarn ein Niationalitättmstoat ist, dem be'oickers di> Tschechen ein Pfahl im Fleisch siird Die deutschen Sozialdem- frat«t u, Oesterreich sind nicht gegen das Bündnis mit Deutschlwcktz stmü>ern gegen die Mldeutsckpm. Des wefteren tv.Trttt der NcdneE oce be&mtüe Stellung der s<^ldemoÄa!ischcm Mehrhettspartti Vt den Fragen der äußeren Polrdit.
Frnanzminisber Tr. Becker vertoahrt sich dagegen, dusi ft dem Abg Ulrich Unterstellungen gemacht habe, imi> weist an Hand seiner Rede nach, daß er dessen Ausführungen richtig wftoergob. Er hält seine Kritik an dessen Aeußerungen Über eine Reaisiostz der hessisck-preu ßischon Eisenbahngemem.sckicvL icnd über die gewinn sleuer ach recht.
Speziell zu dem Puntte, daß Preußen eine tzöh-ce Ei 'enüah»« reute genieße als Hessen {1 gegen 4 Prozent), bemerkte der Mnrcher, daß rühre daher, daß Preußen eben schon vorher die Hälstr sein« EisenbalinfchuDen getilgt habe (6 Milliarden von 13), Hessen ab« do-n 400 Millimten trur etwa 18 Millumen. T« in Aussicht gs- strttte gröbere Tonart des Abg. Ulrich werde ihn nicht aus sein« grtvohnten sachlichen Ruhe bringen.
Abg. v. Brentano (Ztr.) bedauert qfleick-ftllS ftbl)üft di« Angriffe des Abg. Dr. Osinm auf Oesterreich-Ungar,,. Tftser Hab« dasselbe unter dem Schutze der parbankentarischen Freiheit getan!, >vas er den österreicksisckLN Parlantentariern zum Bortoirrf mache, deren Deußerungen entscksi-eden zu beklagen seren. Der Redner *ta innert an Oesterreich-Ungarns öi'lcifheie Wafsrnhsife. Svdarrn vertritt er dir bckcnrnte Stellung des Zentrums -u den außerrpoltttschstz Fragen. ,
Abg. Henrich (Fvrtschr.) hat geglaubt^ daß die allgemeine Aussprache über den Voranschlag sckion üorg&ierx M C':ü< , -führt weck>e. Auch er wendet sich vom fortschrittlichen Stwippunkt auL gegen den Mg. Osann.
Abg. Dr. Osann snatt.) lehnt den Vorwurf des Mg. v. Dc«v> tono, ein unverantwortlicher Politiker xu sein, ab. Die Iihetvrlk des Abg. v. Brentano sei seinen Ausführungen nicht gereckt worden. Er glaube, daß eine Antwort auf die Lechaudtunsaßl im österreichischen Parlament nötig gewesen sei.
Minister des Innern Dr. v. Hombergk Ku Bach strA gegenüber den Vorwürfen aus dem Hause fest, daß eö nnrieiüig daß die Regierung kein Jnderesie am Rhein—Mörn^Karuckv/rtionK, pvviekt gezeigt habe. Ebenso unberechtigt seien die Vorwürft de- Abg. v. Brentano auf konfessionellem Gebiete. Zu der Niet»ev» lassuug kaklwlischer Schwestern in Nrcder-Ingelheim habe vft Ros gierurrg noch keine Stellung genommen, sondern nur das KretsauB Borgen zur Aseußeruirg ausgefordert. Wer die vom Mg. o. Drertt«U heanstandeten Aeußerungen auf das Schriftstück machte habe er dr der Eile nicht feststellen können, werde der Sache aber na hgehe»^
Abg. v. Brentano ist durch diese ErLLruug deS Mrrcrster- biefriedigt rnü) dankt für dir Aufklärung.
Dwntt schlreßt um 1 Uhr die ALgerneme AuSftMche Mer bütz Lvvnnschlog.
Nächste Atzung Dienstag, vormiirngS 10 Uhr,
Der Aufmarsch beginn,!
Die VIII. deutsche Kriegsanleihe wrrd_
18. dieses MonalS ab aufgelegt. Alle Erspar» nisse der Vergangenheit müssen zu Bar» zeichnungen verwendet werden, alle Ersparnisse der Z u t u n s t zu . K r i e g S a n l e i h e» VersicherungenSchon 50 b,s 00 M. JahreSprämie ergeben 1000 M. Kriegsanleihe-Versicherung! Näh. durch die Direkttoa und alle Vertretungen des Allgem. Deutscher DersicherungS-VereurS a. G. in Sluligartz
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IÜWi*Öc»«l!»ehafl ra. b. M., IDeo-Ita W. 85.
Gbrrheffffcher Uunstverein.
Dis WaMimom, xcdtäp bk deutsche Maler«? im Lau?^ der letzten Iahrzeü-nle durr^Tmacht hat, erhellen sich so recht, wemv man die zur Zeit im OberhafifthM Kunstverein am Brand zu- smmmmgesliellte Missbellreng Karlsruher Künstler betrackulet und sich p.m Vergleich ebrmal m die Zeit des StimmuTrgsimvressionis^ mus der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückversetzt. Damals bildete die herrschmde Rilchjttmg eine leicht versolgbacv Linie und die einzelnen Schulen waren durch Städte wie Berlin, Hamburg, München, Wien, scharf umgren-t. Das ist heute acchers aenwrden. Nicht eine Richtung beherrscht die Molkunst einer Stadträndern viele leben nebeneinander. Hier fristet der Stim- ueungStmpresiwnisMürS neben dem.Naturalismus sttti Lebem hier sucht der mvderme MontumercLalstil sich durcbzusrtzen. weittnfernd mit ExpresibonismuS, KuLiSnnls rcnd Futurismus. Es ist ganz scksbstvelliändsich. daß. dringt man Praban aller dieser Ausdrucks- Normen m einem Mmm «rsamwar, der Gesamteiirdruck kein ge- sckLoss«:er, emheitlichrt fern kann, .Dafür ist eö ober um so belebender. Auch die hiesige Ausstellung weist all diese Tatsachen aus.
Aus der Menge der Künstler und GemMe ragen vor allem torei KünsÜer hervor: H Thoma, H. v. BoVkmann mrd G. Kampmann. Mit feinan „Wundervögeln" zeigt Thomo drnmt, wro ihm, dem Meister der plastischen Tiefe, die Farke z»«n tchmttkchereickeu AuSdritcksmittel wird. H. v. Volkmann ist mit rmti An-ahi Landschaft«, vertreten, die den frischen Hauch stimmungsvoller HeimatLrnst auSdm-chen. Zum Teil erinnern sie in Technik. Aussnsftmg und vor allem durch die kmttrnstrrnche Zwei- trtlung des Bkldes in Licht und Schttten. sowie die Grupvrenmg der B«rumkrönen an Engen Bracht. Erwähnt seien die Gemälde «"'Abendsonne", ,,Spichommertag", „Herbstwresen". ..Blick iu die Dstte^.^Jrn Grasdarttm". „Hinterm Dorf". „Hessische Mühle" fcnft „vEtxjUi am ReinhacdSwaLdT G, Kawpmann erweist sich
als äußerst wirkungsvoller StimmungSmaler und zwar sowohl in der Tcn-stellung der Hereingebrochcnen Dämmerung (Frühlingsabend. Industrie) wie m«ch in der Wiedergabe des von Sonnenlicht durchfluteten Interieurs (Somw im Haus). Greve-Lindott bervegt sich mit seinen Gemälden „Tie UÜnle" und „Treppe'^ in einer stark schon nachdem Nwjrnpvessiorcisnrus hell l-crkigen. kontrastreichen Farbkunft. Auch H. Sprung (Mr'tiv aus Berg hausen, Mosel bei Koblenz), O. Martin (Stilleben», Th. Schindler (ll^gtei bei Wef-/nar, FrühirvorgenS) und E. pfefferte (Weibl Akt. Marktplatz) verwenden starck neoimpressionistische Mittel, ohne daß sie allerdings zu fesseln oder überz-rt^gend zu wirken vermögerr Von G. Koppe stammt ein sehr gut d.crchgearl'eiteter Porträtö)pf. svwft der etwas flocke ..Uebersoll" und der ,.Apselb<ru.m" .bei dem ckm an urrd für sich belangloser Bildg-egenstand durch eine Mittcl- sligur gehoben werden soll. H. B i l l i n g ha! paar bei seinem auf Holz gemalten Akt „Mädchen mit Perl kette" eine feine, den Körper hebentx' Folie rm Vorder- und Hintergrurrd geschaffen, jedoch wirkt dft Unbrtveglichkeit der Figur, sowie die unmotivierte RvchtsbeLmch- lung. die daxu merkn^ttdigenveise nur Brust und Bauch trifft, befremdend. Zu erwäh»«n wäre noch von demselben Künscker da» etwas eintönige Gfon-ftfbe „Am Mt^r". A. L u n tz hat eine sehr saubere Flach-Ort-Studie unter Glas (Hch. Finnerr'S) ausgestellt. H. Schrvedter (Sommettag, kerbstllchr-s Lanv», Egfer (Scknssswerft), W. Nagel (Schneller Sommertag) und D. Leiter (Maitmtt bewegen sich durchaus im laTrdschaftllchen Progroimnstil. A Schinuerer verfÄtt nrü erprrtsionistischm Tarsirtlu-nglm (Liebespaar, Klagender Mann) in eine Art Mario» ncttenstil. bei dem Farbe. Form und Ausdruck sirrdlich aufgestßt und w-r^dergagrt^n, dock» nvowcmental gehalten sollen. T. R e h d e r erreiche in seinem Schülrrbild „Fleißig" sckHne Mrkung, die nur beeinrrLckKiat wird ourch die allzu weißliche Beleuchtmlg des KvpfeS. Sehr stinrnrMraSlwll ist (nub das Stilleben „Vvrzrtllu," txm &, Kraufe. Ä, laitcr (^m Duft» t vn 9L«upoch «rü
truwü satte, gedämpfte Farben, die jedoch d»rrch Vermerdur^ der trtU'en Mischfarbe um so größere Effekte erzielen. Tie Brnmuua der Lvnttrr werldrt H. Dauer in seinem Bild „Aus der Heide" !?-^, aä Jr < S’ n S' 0 ? Tät ' om ' ®- Sc«kwi 8 J«iat eint grschuk« tmd Auffassung, ohne dab« allerdings das Vhrlogre.vhew, mäßige ganz vermeiden zu kömren. Zu erivahnen wären 'noch die Radrenmgen (z. T. imverstühlt) vor. A Riedel, die tomfl tbre vollendete Techisik m der Nodelführruvg und weichen Wb, tmrung für sich selbst sprechen,
*
__ * Ein Slrindberg-Sammser. DaS „Nordisch» Museum" m Stockholm soll ;rm eine Lo<Ä>rre E^be bereichert wer« 2 ,, deren Schenker der Ingenieur W. SveicssLM rn Landskrenn» tst. Sverrssokl Hai seit vier Jaln zchuten eine Strindbery-Sa:nmlunS Mlsirnrnmngcbracht, die wohl kein S-irmrstück hat, U 7 w ebtax TeÄ birfrt Smnmlung wendet er jetzt dein Nordischen Mußäan nämlich alle ferne Strindberg-Zei^sugsouSschuitte Dieser Dckl dey Sanmillnrg umfaßt an die 10 000 Zeitungsausschnitte. Sic fe* ®ntn«n rat Jabre 1870 und erstrecken sich kns in die Sftysv, wart: eingetrtlt sind sie in 48 Bände, deren jeder 200 Seiten um* fafttJKUW weniger als 6000 der Zeittlng>öauSselmittr besiegen sich Mts StrrndbergS Tod und setzt Begräbnis. Weiter ^bören-zu dev Sammlrrag viele Hunderte wra BÜdern. die Schauspieier ollev Böller m Rollen aus Strtndbergsckß-n Sttlckrn darsteUerr Dm wrrtt»llsten Teil setzicr Sannnlung behält Ingenieur Svenssi'n. Ls m bte4 eine kleine Bücherei vmr etwas Übr-c StX'» B.'dwerv. dh, auSfcbtteßsich Strmdl<rgs Werke ettthalien. H-m scinuvdrsctien Iw, gentetir rst es gelungen, sämttichr Werke Striirdtxn'gs in den Uv» Uusammenzlubrtztgett: nicht mir die schr'edisäxn sir« vorhanden, sondern auch die Uebersehmrgen m ettrxr ,-^n Du^-.ch fremde Svracherl, Diese Sammlung von Sttindbergdcucko»r dürft» wohl die bcdcutardsie ihrer Asrt fern.


