bet Hoffnung enraitistn lüürbic, daß es irgendeinen Zweck hätte,
unt ntt'wdlichen Unterredungen zu beginnen, ehe etwas wie eine allgemeine Uebereinstimmung in der Ferne sichtbar sei.
„ Soitbon, 28. Febr. (WTB.) Reuter. Im Unterhause sagte Volt (liberal), daß Graf Gs erit in dem Anschein nach oie Fttedensgrundsätze Wilsons angenommen habe, utrd fragte, ob sie auch die Zustimmung der englischen Regierung und der Alliierten hattet^ und ob die Regierung versuchen Molle, da alle Parteien in grrrnosatzlickien Punkten übereinstimmten, diese Uebereinstimmung rn konkrete Bedingungen zu übertragen.
Balfonr erwiderte: Holt spricht, als ob Czernin wünsche, bas alte Königreich Polen, soweit es tatsächlich twlinscher Nationalität mar, auf der Grundlage der Unabhängigkeit wicderhirzustellen. Ich denke, Czernin brcutchte Wendungeir, daß man es so verstehen vwm, aber ich glaube nicht, daß er es so meint. Man kann eine wlck« Politik ntcftt aus führen, ohne Polen die Provinzen wieder- Mugeben, die DeutschlanD chm bei der Teilung genommen hat und die heute zum größeren Teile von Polen bewohnt sind.
Nach meinem Gefühl sind die KttcgSwolken noch immer schwer über der ganzen zivilisierten Welt zusammengeballt, und der Sonnenstrahl des nahenden Friedens wird in keiner bestimmten Richtung sichtbar. Möge diese Zeit bald kommen! Aber ich denke, an- yesichlS der Rede Hertlings würden wir uns täuschen, wir würden janguinisch sein, wenn wir dars annähmen.
Wann loar Belgien ein Aufmarschgebiet für feindliche Machenschaften? Belgien war das Opfer, nicht der Urheber dieses Ver- brvchms. WesbaLb soll es' bestraft toerden, daß TeulsMand die Schuld hatte? Welcherlei Bedingungen hat Hertling im ?luge, wenn er sagt, daß Belgien, nicht langer ein Aufmarsckfgebiet sein dürfte? Wir wissen, was Hertling rm Sinne hat. Wenn die Deutschen solche Phrasen gesprochen haben, so denken sic stets an die Wiedcrhcrstel- lmrg eines Belgiens, das Deutschland durch verschiedene neue Bedingungen territorialer, kommerzieller uich militärischer Natur dienstbar fein soll, Bedingungen, die Belgien daran verhindern werden, einen selbstarckngen Platz unter den europäischen Nationen emMnehmeu.
*
Donar Law über den englischen Schiffsbau.
London, 27. Febr. (WTB.) Reuter. Im Unlerhanse ?agte BonarLaw: Welche Erwartungen auch immer gehegt wurden, hinsichtlich der Maßna^nen zur Bermehrmtg der Lebensmittelerzeugung jn Großbritannien, das Ergebnis war groß, ein Er- igechnis, auf das daS Land Grund hat, stolz zu sein. In der Erwiderung auf die Ausführungen des Borredners über den Schiffsbau sagte Bonar Law: Die gegenwärtigen Ergebnisse find, .daß 1916 unsere gesamte Schiffsherstellung 516 000 Tonnen betrug und 1917, wo ein weit größerer Mangel an Menschen und Rohmaterial und eine größere Nachfrage nach Stahl bestand, unsere Erzeugung auf über 1100 000 Tonnen stieg. Das Ergebnis vom Janruar und teilweise auch Februar war eine große Enttäuschung, zum Teil lag der Grund in den Arbeiterschwierigkeiten. Wir halten es für das beste Mittel, dies zw bessern, wenn wir alle Tatsachen über die Lage bekanntgeben. Die Verluste an Schiffsraum wurden bisher nicht veröffentlicht, weil die Verbündeten dagegen waren. Wir wollen die Frage wieder ausscheiden, aber gleichviel, ob nur den Schisfsoerliist veröffentlichen werden oder nicht, werden wir es doch den Werftarbeitern zum Bnvußtsttn bringen, daß ihre Arbeit oon ebenso großer Bedeutung ist, wie die der Soldaten an der Front. Law sprach die Ueberzeugung gus, daß künftig keine Klagen über den Rückgang des Schrffsbanes laut hfcrrben, rveil die Leute nicht mir alter itarft arbeiteten. Das Anwachsen der Staatsausgaben sei wesentlich auf die Vorschüsse an die Verbündeten -uttickzufühven, die die anfängliche Schätzung über- ijkttogen hätten
*
Unruhe« in Irland.
t. Köln, 1 März. Die Köln. Ztg. meldet von der Schweizer Grenze: Die Pariser Blätter melden aus London: Jn der irischen Grafschaft „Cläre" sind Unruherl ausgebrochen, die das Eingreifen der Truppen nötig machten. Die Grafschaft wurde als Kriegsgebiet erklärt. Die bürgerliche Gewalt ging an die Militärbehörden über.
G
Die «nkttuft der deutschen «u»tauschgefange«en au» England.
Rotterdam, 27. Febr. Die Hospitalschiffe Sindoro. Zeeland und Koningin Regentes sind gestern abend mit 817 deutschen Austauschgefangenen hier angekommen.
* *
Wirtschaftsverkehr zwischen Deutschland und Holland.
Haag, 1. März^ Das Handelsblatt meldet, daß von deutscher Seite der Bereinigung holländischer Saa- tenhändler mitgeteilt wurde, daß Deutschland in Zrr- kunft für Saaten ans fuhr nach Deutschland wichtige Gegenleistungen bewilligen könne, darunter Getreide aus der Ukraine.
lassen, wie durch diele Art chirurgischen Vorgehens ein großer Teil der Kriegsbeschädigten dem Erwerbsleben wiedergegeben werden kann.
Ten Schluß bildete die Besichtigung eines Lazarettzuges, Worin alle Neuerungen, die für einen solchen erfunden sind, eilt* gebaut sind.
Während der Tagung ttaf vom Kaiser nachstehendes Tele»-
g r a m m ein:
Ihnen und den zur dritten KttegStagima versammelten Chirurgen danke ich herzlichst für den freundlichen Huldigungsgruß. Pslichterfüllter wissenicl-aftlicher Ernst und zielbewußtes rastloses Forschen haben die ärztliche Kunst im Kriege zu ungeahnter Höhe gehoben. Aus ihre Träger blickt vertrauensvoll mit den tapferen Helden das gesamte Vaterland. Möge dieses Bewußtsein Sie alle stärken in Ihrer schweren und segerrSreichcn Arbeit.
Wilhelm I. R.
Rücktritt des spanischen Kabinetts.
Madrid, 1. Marz. (Reuter.) DaS spanische Kabinett ist zurückgetreten.
DaS Frauenstimmrecht in Schweden.
Stockholm, 27. Febr. (WTB.) Die Regierung legte dem Reichstage eine Vorlage über das Frauenstimmrecht und die Wähl barkeitder Frauen vor, die mit den Männern vollkommen gleichgestellt werden.
Lin ltriegschirurgentag.
Berlin, 28. Febr. (WTB ) Am 11. und 12. Februar fand zu. Brüssel unter der Leitung des Chefs des Feldsanitätswesens Exzellenz v. Schjerning unter der Teilnahme zahlreicher Vertreter der verbündeten Heere >der 3. Kriegschirurgcntag!
statt.
. In einleitenden Motten gab Exzellenz v. Schjerning zunächst einen Rückblick über die Fortschritte und Wandlungen, die unter dem Einflüsse der modernen Waffen und der veränderten Kampfesweise die kriegschiruvgischen Anschauunaen in diesem Kriege erfahren haben, und führte aus, wie diese Fottschtttte ihren Ausgang genommen hätten von den beiden ersten Kriegs cknrucgew- Lagen. Einen gleichen Erfolg lasse die diesjährige Zusammenkunft erhoffen. , . ,
fDen Verhandlungsgegenstand bildeten die Frage der offenen Wundbehandlung, des Gasödemschutzes und die Bekämpfung dieser besonders gefährlichen Wundkrankheit, der 'Tiefenantisepsis mit Chinmabkümmlingen, die Vorbereitung der Herstellung lebender Kunstgltedcr, des Ueber- und 'UnterdruckverfahrenS in der Kttegs- chirurgie, die Kriegsverletzung des Rückenmarks, die Verwendung von Ersatzstoffen in der Kttegschirurgie und endlich die Frage der Verwundeten- und Krankenabbeförderimg im Felde. Besonderes Interesse erregte es, daß es vielfachen Bemühungeti der Heeresverwaltung gelungen schbmrtz, geaen das Gasodem, jenem gefährlichen Leiderr der allzu oft leider verhängnisvoll verlaufenden Wundkrankheit, ein wirksames Serum gefunden zu haben. Hervorgehoben seien weiter auS der Fillle des so umfangreichen Arbeits- planes, die Verhandlungen über -die Herstellung lebender Kunst- alieder, die durch eine Vorstellung Operierter (Methode Sauer- bruch und Knikenberg) besonders eindrucksvoll waren. Man sah hier KttegSverletzte, die bei amputiettem Ober- und Unterarm mtirt Hilfe ihrer durch die eigene Muskelkraft bewegten Prothesen die Handreichungen des täglichen Lebens ausfühtten und begreifen
Der Seekrieg.
Mue U-Boot-Erfolge.
Berlin, 28. Febr. (Amtlich.) Im Mittelmeer wurden auf dem Wege nach Alexandrien, Port Seid und Saloniki sechs Dampfer mrd zwei Segler von zusammen 22 000 Br. - N. - T. versenkt. Die Dampfer waren tief beladen, zum Teil bewaffnet und stark gesichert.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Ein englisches Hospitalfchiff torpediert.
Lo n d o n, 27. Febr. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Hospitalschisf „Glanart Castle", das ungefähr 6000 Tonnen groß war, wurde 20 Meilen südlich der Insel Rundy torpedier:. Es war zur Zeit der Torpedierung vorschriftsmäßig beleuchtet. Eines der Rettungsboote mit 22 Ucberlebenden wurde von dem französischen Dampfer „Foon" ausgenommen und in Lundee gelandet. Von den anderen an Bord befindlichen 200 Personen ist nichts bekannt. Das Schiff war auf der Ausreise nach Frankreich, wo es Verwundete aufnehmen sollte.
London, 27. Febr. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Admiralität teilt mit: Das Lazarettschiff „Glanart Castle" wurde am 26. Februar 4 Uhr früh im Kanal von Bristol versenkt. Das Schiff war auf der Ausreise begriffen urrd war voll beleuchtet Es hatte keine Patienten an Bord. Die Ucberlebenden wurden von einem amerikanischen Torpedojäger gelandet. Acht Boote treiben noch. Weitere Informationen werden so bald wie Möglich veröffentlicht.
Das Begleitschiff des „Wolf"
Skagen, 27. Febr. (WTB.). Meldung das Ritzau- Bnreaus. Heute mittag wurde die ganze deutsche Bemannung das Dampfers „Jgotz Mendi" und die spanischen Ofsiziere gelandet. Eine Abteilung dänischer Soldaten empfing oie Deutschen am Strande und sichrte sie nach Skagen, wo sie interniert wurden.
Mb. Deutscher Reichstag.
(136. Sitzung vom 28. Februar.)
Am Bundes rotstische: v. Paper, Wall ras, Graf Rödern.
Vizepräsident Tr. Paa s ch e erösfntt die Sitzung um 11 y* Uhr.
Tie erste Lesung des
Haushaltsplanes
wird sott gesetzt.
Abg. Landsberg (Soz.): Ein Sieg der Russen hätte die gleichen Folgen gehabt wie ein Siea der Perser bei Marathon. Deshalb sind wir für den Krieg mit RuUand eingetrtten. Aufgabe der Reichstagsmehrheit ist es. dafür einzutteten, daß der künftige Friede den Entschließungen des Reichstags entspricht. Tattn stimmen «wir mit dem Zentrum völlig überein. So sehr wir uns zur Landesverteidigung bekennen und jeden Landesverrat verurteilen- können wir in dem letzten Streik doch keinen Landesverrat erblicken. Ich empfehle der Negierung dringend, den Gedanken einer Amnestie der Verurteilten in Erwäguiry zu ziehen.
Staatssekrttär Wa! 1 ras: Ter Ab geordnete Landsbcrg ist aus den Streik zurückgekommen und hat sich auch mit meiner Haltung während der kritischen Tage eingehend und liebevoll beschäftigt. Ith muß darauf einiges erwidern, obwohl ich glaube, baß ich den Vorredner ebensowenig von der Richtigkeit meiner Ansichten überzeugen kann, wie er tnich von tar Riclftiakeit der seinigen. Ter Mgeordnetc Landsberg sagt, der Staatssekretär des Innern hätte um so mehr die ftreiEaibeu Arbeiter empfangen müssen, als viele Forderungen auch im Programm der Regierung ständen, wie beispielsweise die Aenderung des preicßischen Wahlrechts. Der Ab- yeordntte Laiidsberg hat dcmrit in bzi Tat eine interessante Seite der Sache berühtt.' Tie Reigierung hat erklärt: „Wir setzen uns für das gleick>e Wahlrecht, für das Arbeitskammergesetz und für die Aushebung des § 153 ein." Nachdem ein solches Abkommen gewissermaßen getroffen war, mußten wir in h)hem Maße überrascht sein, daß nun plötzlich die StteistTirdDr eine Reihe von For- dcrungerr durchsetzen wollten, für die sich die Regierung sch.m erklärt hatte. Daß ich den Arbeitern sagen sollte, ich stimme dem Regierungsprogrcrmm zu, hätte doch wohl keinen Zweck gehabt, denn das war bei meiner Zugehörigkeit zur Regierung selbstverständlich. Es hätte doch wohl mehr acnützt, wenn die Herren, die zu den Streikenden in Beziehungen standen, tat Arbeitern gesagt hätten: „Für diese Forderungen braucht ihr nicht erst in den Aussband zu treten, die Regierung hat sich schon dafür erklärt." Vielleicht hätten sie noch bei ügen können, gerade durch den Ausstand werde den Männern, die für dieses Programm sind, die Durchsetzung ihrer Absicht sehr zum Schaden der beteiligten Arbeiter erschwert. (Sehr richtig t Tuvch die Ausführungen des Abgeordneten Landsberg klingt auch hindurch, ich hatte dem Beispicl arrderer Behörden folgen und mit den Streikenden verhatrdcln sollen. Gleiches ist Nur nnt gleichem in Parallele zu stellen. Die Stellung eines VtHnsters ist eine aridere als die eines lokalen Beamten. Mir wurde die Haltung des Herrn von TaM als Muster vorgeführt, der gesagt hat, er danke den Herrerc Sozialdemokraten, daß sie die Führung der Bewegung in die Hand getrommen hätten. Ich hätte eine solche Bernerkung doch war machen kötrnen, wenn ich mich mit der geschichtlichen W<rl/rh nt in schlimmster Weise in Konflikt gesetzt l-ätte. Von einer solchen Führutlg »var doch bei Ihnen (zu tat Sozialdemokraten gewendet nicht die Rede. (Sehr gut.) Sie rrnren doch von tan Streik selbst überrascht worden. Ist das eine Führung, wenn während der Bewegung der Führer nicht einmal in der Lage ist, sich mit der ^Regierung in einer Vorbesprechung in Verbindung zu s>Pen? Ta Sie nicht die Führung hatten, war es Ihnen nicht möglich, eine solche V^besprochung zu haben. Ich nurh ttotz aller entgegcnstehenden ?busführicngctr meine Meinung für die richtige halten. Ter Abgeordnete HerzfcLd erklärte, bei dem Streik seien Arbeiter erschossen worden. Gott sei Dank hat dieser Stteik solche Folget! nicht gehabt. Vor mir liegt der Dettcht des Berliner Polizeipräsidenten, der besagt, ihnt sei nichts davon bekannt, daß Streikende erschossen seien vder ihretr Verletzungen erlegett seien. Bei dem Zusammenstoß am Kleinen Tiergarten sind Arbeiter verletzt worden. Tie meisten gingen ihrer Arbeit wieder nach. Andere haben Privatärzte cmfaesucht und sind deshalb nicht festzustellen. Ebenso wird cnntlich festgestellt, daß neben dem erschossenen Wacktt- meister noch eine große Zahl von Polizisten zu Schid?n gekommen sind. Im gmizen sind 21 Polizeibeamte durch Schüsse, ^oteinwürfe und Stockhiebe mehr oder weniger schwer verletzt worden. Das fcst- ZluMlon und zu erklären, daß die Polizei für ihre Pflichttreue unfern Tank verdient, möchte ich nicht unterlassen. (Beifall.)
Dort einer weiteren Auseinandersetzung mtt tan Abgeordneten vaase kann ich eine Klärung nicht erwarten. TÜenn man einerseits
die Nvt des Volkes so empfindet und den Frieden herbeffehnk, feH wir es tun, dann aber tan ersten Frieden, der unsere ErnährnngS^ schwierigkeiten liudett und die Aussicht auf den allgemeinen Frieden erösfntt, ablehnt, dann klafft zwischen diesen beiden Auffassungen eine Lücke, die auch der Wttseste nicht auszusüllen vermag. (Lebhafter Bttfall, Widerspruch des Abgeordneten Hoase.)
Abg. R i e ß e r (natl.): Abgeordneter Landsberg bedauett, daß nicht die LaudtagSfraktion der Nationalliberalen genau so wie die Rttchstagsiraktion für das gleiche Wahlrecht in Preußen eintritk. Ich auch. (Sehr gut. Heiterkeit.) Wenn Herr Haase an die Greuel^ toten, denen unsere Verwundeten in Rußland ausgesetzt warem nickst glaubt, so verweise ich ihn auf das Weißbuch hiettiber. Ich stelle ihm auch Bilder solcher Unglücklicknm und ihre eidlichen Aussagen zur Verfügung, und zwar von Leuten, denen die Augen ausgestochen worbert sind. Ich bedauere, daß Herr Haase und mancher seiner Freunde hier immer das eigene Vaterland in den Augen der Welt hevabs^etzen und das Ausland tu Schutz nehmen. Sie (zu den Sozialdenwkralen gewendet) schädigen immer wieder unsere varerlmtdischen Interessen aufs schwerste. Sie beweisen damit nicht die Liebe zum Vaterlart.de, die wir als selbsdversürndlick-es Rüstzeug des Bolksvettrtters, als das Minimum her Fcrrdenmgen betrachten, die matt an einen Abgeordneten stellen muß. (Sehr gut.) In ö^ambur^ herrscht trotz aller Unbill des Ktteges der feste Glaube an die stolze Zukunft unseres Vaterlandes. Unsere Gesamt- Wirtschaft kann nur gedeihen, wenn alle Stäride und Berufe blühen und wachsen. Die Kriegs Verordnungen haben eine Zahl erreicht, die eine Befolgung der Verordnungen völlig ausschließt. Die mit ihneit angedrohten hohen Strafen wirken nicht mel-r, schaden vielmehr. Ohrte zwingende Nottvcndigkeit sollten neue Kriegsorganisationen nickst ins Leben gerufert werden. Alle Kl:iegsgesettschaften folltttt nach Friedensschluß sobald als möglich wieder versck-winden. (Bravo.) Während des Ktteges sind sie notwendig gewesen. Staats-- Monopole, einsckstießlich Getrcidemonopols, lehnen wir aus wirtschaftlichen und staatspolitischen Erwägungen heraus ab. Sonst kommen wir auf die schiefe Ebene ttnd sind dann zur Freude unserer jetzigen Feinde nicht mehr in der Lage, durch den freien Handelsverkehr den deutsck-en Namen ehrertvoll hinauszuttagen. Unsere Valuta wird sich nach ttnem ehrenvollen Frieden allmäh^ lich wieder dem Normalstande nähern.
Abg. Dr. Rösicke (Konf.): Für die 22 Kttegsgesellschafte^ ttt Berlin sind 22 Hotels gemietet worden. Tattn zeigt sich kein Beispiel ftir Sparsamkeit. Eine der Hauptaufgaben des Reichswirt- schaftSamts wird der Wiederaufbau der Handelsflotte sein. Auch die Förderung des Kalibergbaues ist nötig. Tie Wohnungsfürsorge muß sich mrch aufs Land ersttecken. Tie Beziehungen -n den neuen Staaten im Osten müssen so gestaltet werden, daß dort eine deutfche Kolonisation stattfinden kann. Die Reichssckmld wächst ms Ungemessene, ein Wunder, daß wir sie noch tragen können. Tte FriedenSresolution schiebt der Möglichkeit einen Riegel vor, daß die feinde, die uns die Lasten aufgebürdet haben, zu ihrer W- tvagung herangeUvgen werden können. Die Resolution sollte uns den Frieden bttngen. Das hat sie aber nicht getan. Nun mögen die Feinde dafür büßet:, daß sie unsere Hand nicht ergriffen haben. Tte Reiolution ist jetzt hinfällig. Schon Dr. iLpahn hat daraus hingewiesen, daß wir jetzt eine Kriegsentschädigrtng sehr wohl fordern können. Täuschen Sie sich darüber nickst, der Kreis, der hrnter uns steht, ist. doch größer, als Sie denken. (Zuruf linkst Größter Hetzer!) Wir könnet! uns auch heute nicht zur Friedensresolutton beketmen. Matt spricht auch davon, daß keine Annexionen erfolgen sollen. Gilt das nur für Deutschland? Ungarn mü) Bulgarien wollen doch annektieren! (Sehr gut.) Wir werden von dem Gttste der Vaterlandsliebe gettagen. (Zuruf bei den Fortschrittlern: Ihre Presse vergiftet sie!) Die Mehrheit will die Mitarbeit der Arbeiterschaft mmrämett durch Konzessionen imb Anerkennung der S«ozialdenwrratte als Verttetec der Arbttter- Lassen. Diese Politik schädigt unsere Interessen. Sie vergessen, daß erne radikale Partei nicht aufhött, zu fordern. (Zuruf: Wie der Bimd der Landtvitte!) Herr von Oldenburg hat trotz seines hohen Alters dem Baterlande im Felde urrd im Schützengraben gedient. Da mag ihm auch das Wott verstattet werden. Wir kennen ihn alle als temperamentvolletr Mann. Temperament faüten wir tnt Hause aUcntl>aIten. So hat der Abg. Schttdemann mit der Revolution gedroht. (Zuruf Scheidemqnns: Unsinn!) Ftur Sw -gilt: „Willst.du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein." (Zuruf Scheidenumns: Stellen Sie sich doch mcht besckiränkter. als Sie sind! Zurilf rechts: Das ist Mchrhnts- ton und -temperament!)
_ AuchJim Vizekanzler hat sich recht temperamentvoll gezeigt. Cr sühlt sich als Vertteter einer bestimmten Richtung und hat nicht einzugehen. Das ist das, !vas wir ihm vorwetten. Aus den letzten Ausführungen des Rttchskanzlers entnehmen wir, daß er von der Rede des Herrn von Payer vorher keine Kenntnis gehabt hat. Wir sind zur politischen Mitarbeit stets- gern bereit, werm der Reichskanzler nicht eine Politik vettolgt, die uns um der Sozialdemokraten willen ausschließt. Dem Baterlande gegenüber ändern wir unsere Haltung mcht. DZsen schwierige Lage ist uns durchaus bekannt. Wir bitten die Hand dazu, die Einigkeit des Volkes zu fördern. Dte Nachforschungen auf tan Lande nach Lebensmitteln erinnern lebhaft an ein Schvcckensrcgiment. Die Ernteschätzungen der Reickis- gttretbestelle sind vollkommen willkürlich und ohne ttttsäcktlichc Unterlagen aufgtttellt worden. Die Streiklust ist in die Arbeiter- sck)aft hmttngetragen worden und nicht von innen heraus gewacksten. Dte Freiherr der Rede haben Sie (zu den Sozialdemokraten gewew- dot- oesotlders bewitten, als die Versammlungen der Vaterlands- patttt tmi vornherttn totgeschtten mürben. Arbeitswillige und Orders organisierte Arbttter sind durch Sttttkende und Streikposten von den Fabttken ferngelxckten worden. Das nennen Sie Freiheit. (Sehr gut.)
Ministerpräsident von Dandl hat keinesfalls für feine Dnnkes- wotte an dte Soztaltamvkratie Zustimmung im bayerischen Volke gefunden. Die Beschlüsse in Vettailles scheinen auf den Strttks in Deulickstmrd urtd Oesterrttch-Ungarn zu fußen. Auf den Frieden hat der Strttk nicht förderttd eingewirkt. An dem nationalen Be- wußtsttn der Engländer sollten wir nns ein Muster nehmen. Wir hoffen, daß der Kanzler sich hinter die obettte Heeresleitung! stellt, dte uns einen gesicherten Frieden bringt. (Beifall rechts.)
Abg. Tr. v. Schul tze-Gävernitz (Bpl.): Der deutsche Barbar treibt in Belgien Sättglingspslege und in Frankreich Denk- malMyitz. Die ftanzösischen Vandalen machen Fliegerangriffe «ttf ?yreibnrg und zertttimmern die Univettitätsinstitute, in denen die feindlichen Auslmrder vor dem Kttege Gastfreundschaft ae- sundett halxn. Wenn je ttn Volk seine Reife für das allgemein« gletche Wahlrecht gezeigt hat, so hat das deutsche Volk diese Prüfung bestanden. Die preußische Wahlresorm ist die Wasser^ scheide zwilchen dem alten und dem neuen Deutschland. Die Wahl- refonn ist die bedeutendste Fürdertmg auch für unsere auswärtige Politik. Die russische Revolution ist ein Kind der deutschen L)tege Mit der Einführung der elsaß-lothttngischen Verfassung und der Einbringung der preußischen Wahlreform hat sich Beth- ntrnn Hollweg als Vorkämpfer der freiheitlichett Ideen in die Wcltgeschtchte eingetragen. Der kommende Fttcde wird als Frei- Hefts friede fvrtleben, wte die napoleonischen Kriege als FreiheitS> knege. (Beifall.)
Darauf wird die Beratung auf Freitag 12 Uhr vertagt
Vorher ?lnsrvgen, außerdem Wahlkreiseittteilung.
Schluß 6Vi Uhr.
Au§ dem Reiche.
München, 1. März. (©.£.) Eine Sitzung des Bundesratsausschnsses für auswärtige An- §5 1 c h erten wird heute unter dem Vorsitz des bayeri- »a)-en Mrntsberpräsideuten v. Dandl in Berlin ftattfiubcn na^ » r aUi>{ beßab ^ * U bie ^ Cm &**** gestern abend


