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Nr. 48

Erstes Blatt

168. Jahrgang

Dienstag. 26. gebruar M8

Der ^irtzener Anzeitzer

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sämtlich in Gießen.

(WTB.) Grobes Hauptquartier, 25. Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Vielfach Artillerie- und Mircuwerfcrrümpfe. An ver­schiedenen Stellen der Front Erkundungsgefechte, die uns westlich von Armentieres Gefangene »tnd Maschinengewehre einbrachten.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe von Eichhorn.

Unsere Truppen besetzten Pernau. Ein Estenbataillon hat sich dort dem deutschen Kommando unterstellt.

Ihren Divisionen voraus haben gestern vormittag die Sttrrmkompagnie 18 und die 1. Schwadron des Husaren- regiments 16 Dorpat genominen. Auf dem Wege dorthin wurden 3000 Gefangene gemacht und viele stunden Fahr­zeuge erbeutet. Diese fliegende Abteilung frtf somit in 57s Tagen über 210 Kilometer ^uruckgelegt.

Heeresgruppe Linsingen.

In Nowrw ist der gesamte Stab der russischen ..beson­deren Armee" in unsere Hand gefallen. Ihr Oberbefehls­haber war entflohen. Vortruppen erreichter» Sbitomir und dort die Verbindrmg mit ukrainischen Truplnn auf.

Kon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalqnarriermcistcr L u d e n d o r f t

m

Der Vbeudbericht.

Berlin. 25. Febr.. abends. (WTB. Amtlich.)

Stadt und Festung Reval wurden heute 10 Uhr 30 Minuten vormittags nach Kampf besetzt.

Plesken (Pekow), südlich vom Pripussee, ist in unserer

Hand.

Der Friede an der gesamten Ostfront in naher Sicht! %cr Reichskanzler Graf Hertling nannte dies einehoch­erfreuliche Mitteilung", und wirklich, sie tönt in allen Her­ren frercdig nach. Damit hatte aber auch diese Kanzlcrrede irn Rrirchstag eine so feste und solide Grundlage, daß die Auseinandersetzung mit den verbleibenden Gegnern maßvoll, leidenschaftslos, aber auch kühl bis ans Herz hinan sein konnte. Gras Hertling setzte diehocherfreuliche Mitteilung" nicht an die Spitze seiner Ausführungen, sondern reihte sie der Besprechung der neuesten Wilsonschen Vorschläge an. Das hatte seine guten Gründe. Wir brauchen die neueste Entschließung derVolkskommissare" nicht zu einer alles erschütternden Begebenheit aufzublascn; die Entscheidung war im Grunde längst gefallen. Auch der Bestand, die Festigkeit der jetzigen russischen Regierung verlockt nicht gerade zu tiefgrün­digen Zukunftsbetrachlungen. Die Westmächte sollten nicht annehmen, daß unsere allgemeine Friedenspolitik durch das Petersburger Ergebnis irgendwie ins Schwanken oder in eine neue Richtung gekommen wäre. Was aber den Reichs­kanzler froh stimmt und zuversichtlich macht, das ist die nun­mehr völlig sickiere Gewähr, daß von der Ostsee bis zum Schwarzen Meere fortan des Krieges Stürme schweigen werden und daß diedes Krieges übersatte Welt" Ausschau zu halten genötigt ist nach dem Zugang zum allgemeinen Frieden. Die Russen haben ein deutsches Ultimatum, in dem unsere Bedingungen an­gegeben waren, angenommen; es wird nicht wieder zu unfruchtbaren Diskussionen kommen. Die Friederrsverhand lungen mil Rumänien versprechen emen raschen, geord- jeetem Verlauf.

Graf Hertling sprach in einem überaus versöhnlichen Don, mrd das ist nicht M tadeln. So kann und darf die Sprache des Siegers klingen, der nicht binausgezivaen ist, zu erobern, der jedoch auch nicht gewillt ist, auf irgend welchen englisch-amerikanischen Leim zu gehen. Ern Nach laß in unseren bisherigen Forderungen, die wir an den Frieden stellen müssen, ist nicht erfolgt. Graf Herlling hat in der bestzischen Frage keinDesinteressement aus­gesprochen. er hat nn Gegenteil ruhig und bestimmt wieder­holt, was schon Bethmaun Hollweg angekündigt hatte. Neu war nur, daß die deutsche Regierung in engerem Kreise mit gegnerischen Delogierten genn über Einzelheiten der belgischen Neuordnung reden möchte. Was wir dort Vor­haben, ist ja bekaimt; wir wolle:» das Land nach den flämischen und wallonischen Bewohnern unterscheiden und gerade hier das moderne Selbstbestimmunasrecht walten lassem Da kein vernünftiger Mensch denStatusguo" in seiner Reinheit aufrecht^uerhalten und wie ein Heiligtum zu Hüter» geneigt sein wird nach Wilson soll ja auch die albe, ränkevolle GleichgewichtStheorie ausaeschaltet wer den, so findet der Wunsch nach einerBesprechung in engerenr Kreise" jetzt vielleicht mehr Anklang als vorher.

Mit Wilson setzte sich Härtling sehr vorsichttg urrd geschickt auseinander. Es ist natürlich seines Amtes nicht, dem großenMensckiensreund" mit der hellbrennenden Fackel der ganzen Wahrheit ins Gesicht zu leuchten und ihrn die alten, wohlberechiigben Anklagen wieder zuzurufen. Unsere Regierung mag ihm eine Brücke zur Vernunft bauen ober eine Himmelsleiter, wie sie Jakobs Träumen vor- schwebte. Nur, das fügte auch Hertling hinzu, stehen wir noch nicht auf der obersten Sprosse! Der Weg von der Theorie xur Praxis ist weit und beschwerlich; die führenden Mächte der E»rtente verkündigen ja noch immer offene Eroberungsziele (Elsaß-Lothringen, österreichisch-ungarische Gebietsteile, Palästina, Syrien, Arabien). Gerade dieser Teil der Rede Hertlings, feine Vorbehalte, war geradenwegs und mutig. Und sein Schluß klang in eine Mahnung an die En­tente aus, die nicht aus ängstlichem Herzen, sondern aus wahrem, menschlichem Gefühl geboren war. J»n ahnungs­vollen Geist sicht er schon des Gottes Schreiten, der die Ver­

blendung des feircdlichen Völkerbundes rächen wird. Wir sind bereit zu neuer militärischer Auseinandersetzung, lehnen aber die Verantwortung für die unfruchtbaren neuen Schrecken und Greuel des Krieges ab.

Der Vizekanzler v. Payer hat in einer verhältnis­mäßig ruhigen und besonnenen Weise die innerpo iti chen Ver­hältnisse betrachtet. Neues hat er nicht gesagt und angekün­digt. Seine Mahnung zur Einigkeit muß belierzigt werden, sowohl von den rechts-, wie auch den links stehenden Parteien. Daß der Vizekanzler mit einigen durchsichtigen Wendungen sich besonders gegen die Rechte wandte, ist bei seiner politi- chen Vergangenheit und den vielerlei Erwartungen seiner Parteifreunde ja begreiflich. Aber vernünftige und beson­nte Politiker »verden diese Sätze nicht zum Anlaß neh- m-on. in eine aufgereate und aufregende Positnr zu svrin- gen, wie es dieFranks. Ztg." bereits - getan hat. Man sollte warten, sich gedulden und sich mäßigen, bis wir vor wirklichen Taten stehen. Noch ist die preußische Wahlrechts Vorlage ja nicht abgelehnt, und aus der andern Seite hat Herr v. Payer auch den richtigen Don gegen die Streikschürer gefunden.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien. 25. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

An dem Piave war die ArtUlerietäti-ikeit lebhaft. Bei der Hce esgrrmpe L i n s i n g e n nttnn*n deutsche Dortr lpven in S !) i t o m i r die Verbindung mit den utraim-- scheu Truppen auf.

Der Chef des GeurralstabeS.

' Nb. Deutscher Reichstag.

133. Sitzung vom 35. Februar.

Am BnndesratStifche: Graf von Hertling, von Payer, von Capelle. Graf Stöbern, Dr. Drews. Dr. Friedberg, Dr. von Krause, Tr. Schisser. Wallraf, von Waldow. Freiherr von Stein, Freiherr von dem Bussche wtb viele Kommissare.

DaS Haus ist sehr aut besucht, die Tribünen überfüllt, auch die Hofloge ist dicht besetzt. Vizepräsident Dr. Pasche eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 20 Minuten und gedenkt kes Ablebens des Großherzogs von Mecklenburg-Slrelitz.

Das Hans erhebt sich zu Ehren des dahingesc hie denen Fürsten von den Siitzen.

Der Vizepräsident erbittet und erhält dir Genehmigung, dem König von Württemberg zum 70. Geburtstage die Glückwünsche des Reichstags übermitteln zu dürfen. (Lebhaftes Braoo?)

Mit freudig bewegten Worten gedenkt er sodann der gfück!>en Heimkehr S. M. HilfskreuzersWolf" (wiederholte Beisall stand- get-ungen). dem es gelange:» ist, nach fünfzchwnonatiger 'Fahrt in fernen Gewässer», mit Besatzung und reicher Beute in den Heimat­hafen zurück?: > kehren. (Lebha'ser Beifall.)

Aus der Tagesordnung steht die erste Lesung des Etats.

Ueichrkanzler Gras hertling.

Meine Herren! Der Reichstag hat den berechtigten Anspruch, Aufschluß slber die außenpolitische Lage und die von der ReiclB- leitnng dazu eingenommene Stellung zu erhalten. Ich komme den sich hieraus ergebenden Berpfliä-tung »rach, 'Man kann auch anderer­seits gewisse Ziveisel hegen über den Nutze:» uiü> Erfolg der seit" her von Ministern »rnd Staatsmännern der kriegführenden Staaten vor der Oeffentlichkeit geführten Zwiegespräch. Ein liberales Mit­glied tes englischen Unterhauses u:rd früherer Mini her Walter R u n c i m a n hat kürzlich der 'Meinung Ausdruck gegeben, daß nran dem Frieden weit uäl>er komme, wem: sttrtt dessen berufene u:rd verantwortlich Vertreter der kr »cg füllenden MäckÄe »ich in engerem Kreise -zu einer gegenseitigen Aussprache vereinigen »vvtl- ten. Ich kann dem nur zu stimmen. Es wäre das der Weg. alle die vielen gewollten und ungewollten Mißverständnisse ausz:r- räumen u:st> :msere Gegi^r zu nötige::, imsere Worte so zu nehmen wie sie gemeint sbrd irnd curch il>rerseits mit der Farbe herausz::.- rücken. Ich kann »oeirigslens nicht studen. M 3 die Worte, die ich bei zwei Gelegenheiten hier gesproäpen habe, im feindliclien Ausla:»del eine objektive und vorurteilslose Mirdigung gefunden hättca». (Zustimmung.)

Eine An^inandersetzaeng im enger» Kreis »nürde zirdem allein xu einer Berstmchigirng über die vielen Eirrzelfragen führen kön­ne::, die bei eine::: Msgleich bestehender Gegensätze in Betraäü kommen und deren Erörterung erst den Ausgleich wirtlich herbei- füllen kaum Ich denke hierbei ganz besonders an unsere Stellung gegenüber

Belgien.

Zu wiederholte:» .Male:, ist von diese»' Stelle ans gesagt wor­den, daß wir nicht daran denken. Belgien zu be­halten, den helgisck>en Staat zu eine::, Bestandteil des Deutfchm Reiches zu machen, daß wir al^r. was auch in der Papstnoie Vvm 1. August ausgeführt wurde, vor der tz>esal/r l>c'nltet dleiben müssen, daß das Lmvd. mit dem wir nach dem Kriege wieder in Friede:: und Fre»n:d'ch:ft leben wch'en. zum Gegenstand otav zum Aufmarschgebiet feiniWu.'frr ^Mächensck>asten -umrde. Ucber die Mittel, dieses Ziel zu erreichen, und damit dem ablge:neine:: Welt­frieden zu -dienen, sollte in einem derartigen Kreist oerl»andelt werden. Wenn also em Vorschlag in dieser Richtung von der Gegen­seite känie, etn»a von der Regierung in Le Havre, so »nürden wir uns nülft ablehnend verl-olten, wem» a:vch die Besprechurrg selbst- verständlch zmläck/t nur unverbindlich sein könnte.

Einstweilen aber scheint es ni-eftf, als ob die erwähnte An­regung des englischen V^lamentariers Aussicht hätte, greifbare Gestalt anzunehmen. Und fo nn»ß ich die bisherige Metl)vde des Dialogs über den .Kanal und den Ozcm: beibehalten.

Indem ick» mich hierzu ansckrcke. gebe ich gerne zu, daß die Botschaft des Präsidenten Wilson vom 11. diesc-s Mruiats vielleicht einen lleinen Schritt zur seitt'ge:: Annäherimg barstest Ich ül>er,gel^ dotier auch die voraus- geschickten überlangen Ansführimgen. um mvl> gleich zu den vier Grundsätzen zu nrendou. welclze nach», Ansicht des Hern» Wi'l'on bei critem gejaiieiiiaen Meiium-gse.ustausch Anwendung finde:: müssen.

Ter erste Satz besagt, daß jeder Teil einer endgültigen Ver­einbarung im wesentliche:: enrf Gerechtigkeit in dem bcstimrnten F^lllo und <r»^ eurem solchen Ausgleich aufgeboatt sein muß. von dein cS am maljridjcijilidjfteu ist, daß er einen Frieden, der Dcmcmb ist.

herbeisühren wird. Wer wollle hier widerspreche::? (Z:»st»mmur»g.j Der zweite Srtz verlangt, daß Völler und Prvvmze:: n»cht von einer Staatsoberhoheit in eine andere Herumgelchobcn wecde:^ als ob ei sich lediglich um ©egt uftänbe oder ©teilte iuemcmSpwl handelte, wenn auch in dem geoftm ©Viel deS lMnchgewul-ts der Kräfte, das nun für alle Zeiten diÄ-editierl ist. Auch diefem,©atz kann lkttbedingt beigestimmt we»'de»», ja man wandert sich darüder, daß der Präsident der Vereinigten Staaten es sür nvtwendrg ge­halten hat. ihn neuerlich einzuscharfen. Ter Satz enthalt e::« Polemik gegen längst verschwundene Znstände imd Anichauungeir, gegen Kabinettspolttik und Kabinettskriege, gegen die Vernuichung von Staatsgebiet und fürsllichem Privateicrerrtnm, lvas Dilles e»ner weiter hinter uns liegenden Vergangenheit ang»elwrt. Ich möchte nicht unhöflich sein, aber »venn man sicl) früherer Aeutzerungen Wilsons erinnert, so könnte man ihn in dem Wahn ^ belangen glauben, als bestehe in Deutschland ein Gegensatz zwpchen der autokrattsche:: Regierung und der rechtlosen Masse des Volkes.

Und >d»och kenut der Pcäsidmrt der Berei:rigten Kroaten, ime wenigstens die deutsche Ausgabe seines Buches über den Staat be­weist, die deutsche staatsrechtliche Literatur mnd weiß, daß bei un5 Fürst und Regierungen die obersten Glieder des im Staate organi­sierten Volksganzen sind, oberste Glieder, bei denen die letzt« (Ditßheidung liegt, so aber, daß, weil auch sie, wenn auch als oberste Organe, dem Ganzen angehören, n:rr das Wohl des Ganzen, die Richtlinie für die m treffende Entscheidung ab gibt. Es mag nützlich sein, den Landsleuten dies ausdrücklich zu Gemütc zu ühren.

Wenn endlich am Schlüsse des zweiten Satzes das Spiel deS (Gleichgewichts der Kräfte sür immer diskreditiert erklärt wird, ss können wir dies auch nrur freudig begrüßen. Bekanntlich war es England, 'welches das Prinzip vm» der Erhaltung des Gl eich gemuht- der Kräfte erfrmden hat (Heiterkeit), mn es insbesondere^ daim geltend zu machen, wenn ihm einer der Staaten des europäischen Kontinents zu mächtig zu werden drohte. Es war nur ein anderer Ausdnick für die Oberherrschaft Englands.

Ter dritte Satz, wonach jede Lösung einer Gebietsfrage, die durch diesen 5krieg aufgeworfen wurde, im Jntereffe und zugurrfte« der betroffmen Bevöl^rungen und nicht als ein Teil eines bloße» Ausgleiches oder Koinpromiffes der Ansprüche rivalisiere»cher Stao?, ten gettvsfen werden »nuß. muß nur eine Ausführmrg des vorher­gehenden, nach einer bestimmten Richtung oder auf eine Kvn- seguenz aus derselben oder daher in die dieser erteilten Zustimmung mit eingeschlossen sein. .

Endlich der vierte Satz, der verlangt, daß alle klar «rmsichriebei nen nationalen Ansprüche die weitesdgeherche Besriedi-, gung finden sollen, dis Urnen zuteil »ererben kann, ohne neue od« auf die Verewigung aller Elemente von Gegnerschaft für denl FriÄ'.en Europas hinauslaufende und damll den Frieden der gan­zen Well wahrscheinlich bald störende Ele:nente aufzmrehmeiu

Auch hier kann ich grundsätzlich beistimmen und erkläre somit dem Präsidenten Wilson, daß ein allgemeiner Friede aus einer solchen Grundlage erörtert werden kann. (Bewegung.)

Nur ein Vorbehalt ist zu mack-en, es müßten diese (5nmfa sätze nicht nur v-m» dem Präsidenten der Vei-einigten Staaten vorgesckckagen, sondern auch von allen Staaten und Völkern tatsächlich anerkannt sein. (SEHr timl/r.) Herr Wilson, dev dem deutsche:» Reichskanzler gelegentlich eine geioisse Rückständig­keit vorgetlwrsen hat (Heiterkeit), sck-ei:ll mir in seinem Jdeen^ ftuge der bestehenden Wirklichkeit weit voran­geeilt zu sein. Genuß, ein Völkerbund, der auf Gerechtigkeü ,md gegenseitiger selbstloser Anerknrnung rmsgebaut wäre, ein Zustand der Menschheit, in dem mit den Resten ftüherer Barbarei der Krieg völlig verscbwmrden wäre, nnd es keine blutigen Opfer, keine Selbstzersleischung der Völker, keine Zerstörung mühsam ernwrben« K::lturwerte melu gäbe, das wäre ein Ziel aufs innigste zu wünschen. 9lber rwch ist dieses Ziel nicht erreicht, noch besteht kein von allen Nationen zur Wahnmg des Friede:»s im Namen der Gerechtigkeit >»errick'/eteS Schiedsgericht. Wenn Herr Wilson gelegentlich sagt, der dmtsck)e Reichskanzler spreche zu dem G e r i ch t s h v f der ganzen Welt, so muß ich, wie die Dinge honte stehen, im Namen deS Deutschen Reiches und seiner Verbü::deten diesen Geinckxtshof als befangen ablehnen (Beifall', so fre::dig ich es auch begrüßen würde, wenn ein un­parteiischer Gettch'sbof bestände »rno so gern ich dazu mithelfen würde, einen solche:» id^llen Zustand herbeizuführe:».

Leider aber ist von einer ähnlickren Gesinmrng bei den füh- rmden Mäckilen der Entente nichts zu perspinan. Tie Kriegs­ziele Englmrds. wie sie in den Rc>en Lloyd Georges neuer­dings zutage freien, sind »roch immer durchaus imperia^ l i st i s ch e r Natur »mb wolle:» der Welt eineu Frieden nach Englands Gefallen anftwingen. Wenn Engla:ü) von dem Selbst­bestimmungsrecht der Völker sPrülK. so benfl es dabei nicht daran, diesen Grundsatz auf Irland, Aegypten mrd Indien anzuwenben. Ur'.fer Kriegsziel

ist von Anfang die Ve»-teibigung des Vaterlandes gewesen. Die Ausrechterhalttmg unserer terntorialen Integrität und die Freiheit unserer Wirtscbaftlicl>en Entwicklurrg nach allen Richttmgen hin. Unsere Kriegsrührung, auch wo sie aggressiv Vorgehen muß, ist ihrem Ziel nach defensiv. Ich betone das gerade jetzt mit be­sonderem Naclrdruck. um keine Mißverstmchnisse über unsere Ope­rativ nen im Osten auskommen zu lasse:». Nach dem Ab­bruch der Frilbensverbandlungen seitcus de»- russisckren Delegation arn 1.0. d. M. hatte:» nur Rußland gege:rüber freie Hand. Der sieben Tage nach dem Abbruch begonnene Vormarsch unserer Truppen hatte lediglich den Z:veck. un.s die Früchte des mit der Ukraine ge­schlossenen Friedens zu sichern:. Eroberungste:ü^nzen waren in keiner Weise bestimmend. Unterstützt wurden wir dcrbei tmrch den Hilferuf der Ukraine, sie in der Ordnung ihres jungen Staat-- wesens gegen die von den Bolschewiki unter:wmmei»en Störmgen zu uuterstützen. Wenn sich dara:: weiterhin militärisck-e Operationen aus anderen Gebieten gesckKossen lwben. so gllt von ihnen das gleiche. Sie verfolgen schlechterdings keine Eroberungs- Z i e l e. Sie geschelwn ausschließlich auf eindringliche Mtten und Vorirellrmgen der Bevölkenmg hin, die gege:: die Greueltaten und Verwüstungen der Roten Garde und anderer Banden zu schützen sind. Sie sind somit im Namen der Mensck>lichkeit unternommen« Hutsmaßnahmen und sollen keiuen anderen Clwrakter babc'N. Eg gilt. Ruhe u»ü> Ordiumg im Interesse der friedliebenden Bevölke­rung zu schaffen. Wir denken nicht daran, uns etwa in Estland oder Livland fest zu setzen, sondc'rn haben »ntt de:: Wunsch, mit den dort cntstelumden ftaatliclx'n Olebilden nach dem Kriege in einem gut »racküwrsrcuridlichen VerhälttriS zu leben. (Lebhafter Beifall.)

lieber Kurland und Litauen

brauche ich he::te nichts zu sagen. Es gilt, den Bevölkerungen jener Länder die Oroane idrer Setbstbetzünuums mti> Gelbst Verwaltung