Nr. 42 Zweiter Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen)
Dienstag. 19. Kebruar 1918
Die Lage des russischen Bürgerkrieges Ende Zaniiar
Im Bürgerkrieg erscheinen als aktive.Partei die Truppen der Bolschewiki. Das Ziel ihrer Operationen jft, die politischen Zeiuren Kiew und Novo Tscherkas^k zu be^e'^en. AnMinend besteht dazu ittgercher Plan. 1. Die U krame und' das Dongebiet zu trennen durch Besetzung der Eitenbahncki.vtemM.nkte Bjelgorod, Cl>rrstrw, Losowaja und Mer a cdmw^k: 2 Die Ukraine zu rvli«ren durch Aufstellung einer Deckung auf der Linie Jekae inoÄaw—Poltawa—Woroshba; 3 den Kosaken -einen! Schlag: -z-u versetzen und das Dongebiet zu> besetzen, . i. gegen die 11 fixirrw? <ei|menj Schlag Dion Süden und Norden zu führen irnd Kiew zu besetzen.
Gegenwärtig ist die strategische Lage der Bolschewikrtruppen wie folgt: Tie Basen für die Operationen gegen die Ukraine und das Dongebiet sind-: 1. Ppdcrsburg,—- das Hauptzentrum, das die Direktiven gibt, die ganze Organisation der bolschewistischen
Harte des Bürgerkrieges
Truppen leitet und den Ersatz, aus dem Petersburger Militärbezirk und von der N-ordfront stellt. 2. 9Nos6au — iZentrum, das den/ Nachschub formiert und dirigiert. 3. AÜohilew — allgemeine Direktion. 4 . Minsk — für Ersatz aus den Reserven der Wcstsiwnt. 5 . Brjansk— Stab der Truppen gegen die Ukraine (Operation^- Zentrum). 6. Charkow — Hauptstab der Truppen gegen Ukraine und Tvi Lebtet. 7. Worone-sh — Stab der Truppen gegen das Don- gebiet. 8. Sewastopol — für den Ersatz aus dein Siiden. Die Städte Lwmel und Zarllzisn halben eine Bedeutung zweiten Ranges.
Alle Kräfte der Ukraine sind auf den Schutz der Eisenbahn- Zentren gerichtet. Sie haben die Kuotenpuurkte Sarntz, .Ao rosten und Bachnratsch besetzt. Im Sädosten bildeten die Knotenpunkte Rvmadan, Poltawa und Krenieutschug den Raum der aktiven Operationen der bolschewistischen Truppeir. Mit Besetzung der Knotenpunkte Ate^cmdiLstv>sk, Ickkaterinoslaw, Losowaja ivendet sich die Lage der Ukraäre zum Schlechten. Sie wird vom Don ge- getreunt und Mew vom Süden har bchvohtt. Vpn den Truppen der Südwest»- und der rumänischen Front drvlst der Ukraine anscheinend keine Gefahr. Hier srird die lwlschewrstischen Truppen zum Teil entwaffnet, zum Teil hinter der Grenze der Ukraine disloziert.
Das Dongebiet ist direkt nicht zu treffen. Eine Bedrohung von Wvrvnesh und Zaritzin her ist, nicht ernst zu nehmen. Die dortigen Garnisonen sind in Auflösung^ Die Kalmücken sind neutral oder den Bolschewiki feindlich. Seitens des Kaukasus droht bisher keine Ge-- fahr. Operationen gegen das Dongsbiet find nur vom Nordwesten her zu erwarten. Da der Ataman (Hcstman) befohlen hat, dag die Rvsakerr. die die Bolschewiki hinausdrängen, keiiresfolls die Grenzen, des -Gebietes überschreiten sollen, so toi cd sich der Kamp?! an dev Grenze des Dongebretes bei Lugansk, Jlotoaisk und Wolnoroacha aüspirlen.
Im allgemeiirvi gilt, ixtß die strategische Lage und die Ma- PAvriertüt igl est bei den Bolschewiki gegenwärtig befriedigend s ind.
was tut unserem Vaterland not?
—m.— Gießen, 19. Februar 1918.
In einer Mitgliederversammlung der Deutschen Vaterlands- V^rter für d:e Provinz Oberhessen im großen Saale des Gasthauses „Fürstenl-o" sprncl) gestern abend Landtagsabgeordnetcr Pfarrer * o/? r a 11 ^ über das Thema „Was tut unserem Val erlaube not 5
_Stelle des abwesenden Vorsitzenden Professor Tr. Opitz
eröifnete Stvdtverordneter Krumm die Versammlung und wies ?re Vaterlandspartei nach wie vor der Sammelpunkt suc alle dretenigen, sei, die einen inneren Frieden wollten und denen glerchzellig auch an einein äußeren starken Frieden gelten sei. Die Baterllandsvartei habe bis heute gehallen, loas sie ber der Gründung versprochen. ?lllen Anfeindungen zum Trotz ne fthre Ziele, weirn auch die gegnerische Propaganda 5^^- » , erfordert habe. Der Erfolg der hetzerischen
Tätigkeit habe gerade das Gegenteil von dem gebracht, was man ^reichen wollte. Die Mllgliederzcchl habe sich allerorts vermehrt. Tre Gegner hatten somit ungewollt durch Störung der Versammlungen eine Hck.e gebracht. Er selbst, der Regier, bekenne sich wieut aris fortschrittlichen Gründen für eine starke Regierung, und trete dafür ern.
Nach der Begrüßungsansprache ergriff Landtagsabgeordneter Pprrrer Dr. T ra u b das Wort lund führte etiva folgendes aus'
heutig Tag, der 18. Februar 1918, bedeutet in der Geschichte des Krieges erneu Haltevunkt, an dem nicht vorüber- gegangen werden darf, f Mll dem Glockenschlage 12 lief der mit rwihlMid geschlossene Waffenstillstmrd ab, und die Enttäuschung war allgemein. Wir haben leider von Anfang an die Entwicklung der rulMchen Revolution zu wenig verfolgt. Hätten wir bereits im vorigen November alles das gewußt, was in russischen Zeitungen prano. jo waren tvrr der ganzen weitereii Entwicklung gefaßter gegen über getreten und hätten auch Brest-Lllowsk mit anderen betrachtet. Man denke nur an den Leitspruch Lenins: ^Ter Weltkneg kann nur ldturch die Weltrevolution beendigt i^rden oder mau vergegenwärtige sich, daß Trotzki stets von deni Grundgedanken ausging, daß der Deutsche '
Frieden
Tre Verhandlungen in Brest-Lllowsk haben leider wieder vermocht, den Gegensatz zwischen Militarisums und Volt anzustacheln. T<^ darf unter keinen Umständen geschehen. Möglich war das Uebel nur, weil es auch dem gebildeten Deutschen häufig an dein politischen Sinn fehlt. Diese Hilflosigkeit des gebildeten Bürgertums mich beseitigt werden. Ohne Parteipolitik yu treiben, müssen' ünr uns genaue Kenntnisse über Auslaiid, geopolllische ^danken- gange verschaffen, kurz, der politische Sinn muß gestärkt werdeii. Wrr müssen mehr wissen, um den Wankelmut zu beseitigen.
Man. betrachte sich Hindenburg amd Ludendorff. Hier liegt der Wille, die Kraft, geschöpft aus einer Schulung, die der ganze deutsche General- und Admirackstab durchgemacht hat, der Schu-- lung, die in jahrzehnteLmigem Studium der Weltpolitik bestand.
Wir denken heute oft mit Sehnsucht an Bismarck, trotzdem auch er durch die Preisgabe von Belfort einen Fehler begangen hall Tenn hätten roir heute Belfort, so wären einige Gebietsteile unseres Reiches gesicherter, und manches Blut wäre nicht vergossen worden. Aber gerade dieses Beispiel zeigt uns, daß, wenn wir nach etwas! Notwendigem greisen, wir uns durch nichts beirren lassen dürfen. Dafür setzt sich auch die Vaterlandspartei ein. Es ist uns niemals um Eroberungen zu tun, wir wollen nur das Wohl unseres Volkes. Ist es Eroberungssucht, wem: wir Litauen, Kurland, Polen uns näher verbinden wollen, Länder, die an unserer völlig ungeschützten, flachen Ostgrenze einladend zum Einfall daliegen? Wir brauchen eine östliche Festungslinie: das ist keine Eroberungsgier.
Die Verhandlungen in Brest-Litowsk haben ferner gezeigt, was man mit uns vorhatte. Tie Wellrevolution sollte dort geboren, Brest-Lllowsk sollte das Einfallstor werden. Tie Propaganda der Bolschewiki und nicht zuletzt die deutschen rmabhängigen Sozialisten, dre deutschen Bolschewikis, taten ihr möglichstes. Mwl riet zur Ver- tchleppung, man stellte die Revolution förmlich in Aussickü. Was Wrmder, wenn man dann mit dem gesamten Zusammenbruche rechnete. Deshalb brauchen wir auch eine feste Regierung. Eins Regierung, die nicht regiert, hat gar keinen Zweck. Auch die ernsten Sozialdemokraten sehen ein, daß, wenn das Chaos käme, sie selbst die Führung verloren. Seien wir also froh, daß wirklich wieder regiert »vird.
Tie Formel: „Eine Revolution ist immer eine Folge einer schwacheii Regierung, nie aber die Künseguenz einer starken", hat ihre Richtigkeit. Das beweist die Geschichte, vielleicht mll Ausschaltung der Bauernkriege. Aber wir haben die feste Regierung. Wir haben aber auch ein Volk, das nicht imsnfriebcn tzu. sein braucht. Tie letzten Streikunruhen der Arbeiterschaft sind nahezu unvcr-^ stündlich, und man muß sich wirklich fragen: ,,^st das Ehrgefühl bes deillschen Arbeiters so eingeschlafcn, daß jetzt in dieser Zeit dop Gedanke an einen Streik aufkommen konnte?" Ter Arbeitersttmd verelendet wahrlich nicht, nein, er kommt in die Höhe, wird zum neuen Mittelstand, dem der alte Platz machen muß. CKradc hierbei mache man sick) aber einmal klar, was es heißt: „Keine Annek- tionen, keine Kriegsentschädigungen". Stl^rtssekretär Dr. Derw- burg meinte, daß man wohl keine Entschädigungen erhalten könne Wir alle brauchen aber eine Kriegsentschädigung, wie auch neulich der bayerische FinaTrzminister ^anz richtig klarlegte. Wir brauchen die Entschädigung, wenn wrr nicht selbst die Kosten des Weltkrieges ttagen wollen. Siegen wir und erhalten keine Ver- chitnngen, so werderr zu Hause die Vermögen abnehmen, niemand nnrd mehr sparen und das Geld selbst wird an Wert verlieren Die Valuta müssen mit dem Schwerte gehoben werden.
In diesem Augenblicke müssen wir uns von allen Phrasen frei machen, nicht wie Wilson, der dem deutschen Volk den Köder des PhilosophenKrorhält. Den besten Platz in der Gesellschaft der Nationen wird immer der haben, der sich mll inneriem Stolz und! kräftig den Platz nimmt, der ihm zukommt. Lassen wir uns nicht beirren. Die Versuche der Feinde in Ost und West, das feste Gefüge des Deutschen Reiches zu zersprerrgen, werden scheitern. Vor allen Dingen dürfen wir aber niemals in den Fehler verfallen, an unserem Siege zu zweifeln. Tas^ Mißtrauen, der Zwiespalt von Zweifel und Glauben,^ ist das größte Uebel. Der Erfolg einer kommenden Offensive darf nimmer durch politische Treibereien unsicher gemacht werden. Das deutsche Volk will seinen Frieden von seinem Kaiser und seinen! Hindenburg. Den Krieg will niemand verlängern. Hüte man sich vor den Menschen, die an dem deutschen Sieg zweifeln. U-Boote, Hochseeflotte und Heer werden den Sieg zu erringen wissen. Dankbar, froh und zuversichtlich gehen wir der Zukunft entgegeic. Gott beschütze unfern skaiser, unfern Hindenburg und das deutsche Heer.
^ Nach dem lebhaften Beifall der zahlreich crsävienenen Hörer chloß Stadw. Krumm die Versammlurlg mit dem Hinweis, daß auf die Ausftihrimgen des Redners sich jedes Wovt wohl erübrige
^... - . , Kaiser den
. , .^au che. Es ist deshalb nötig, daß die ?luslands-
dem deutschen Volke nähergebracht lvird.
Noch aus einem andaren Grmrde ist der heutige Dag be- deuts-Mn. Zum erst«! Male Irrten kriegführende Staaten aus- eumnder. Oe,l-erre!ch-Ung<rrn kämpft nicht mehr mit uns im Osten, um» seme Trupperr loEfen an der Westfront nicht verwandt iver- dem Nan darf nicht ungerecht sein. Im Osten erscheint diese Handlung sogar richtig, oenn die Grenze des .Kampfgebietes war KL®?, mrt.per w>ic jetzt den Frieden herben. Tie Nach-
i NrchtverUEndung der österreichisch-ungarischen Trup-
pm m Westen ist vorläufig nur eme Zeitungömeldiing. Bestätigt JmfJr,r<7-fctttr üwhl die Konsequenz ziehen Mid auch 2???, gruppen von der italienischen Front entsenien. Und dann ÖIM Dinge, die kämpfen, als mix Menschen!
; 1915 Gntente lnchrebt, Oesterreich Ungarn von
ftch als unmöglich erwiesen, und gerade ? dcaudmig gezeigt. Auch bc-
be - öu den Tschechen auch die KlL'l'f 8 1 T g ' £ ne u»e"rg Mig.nehnle Lage für den
Das Abrücken Oesterreichs im Osten Bil'idestreue, auf die wir uns auch weiter-
M l u tr U]tfy Deutschland hat /etzt eine
dop^lte Last zu tvrgyn, und deshtlb ist jeder Deutsche, der auS
** z 1,^. ^^?ange des Wellkrreges,
zu **L w'V’ti r Ukoame i|t immer ein Fragezeichen .Ahvn tue Rattütvatton in Wia.l und nicht in Berlin zeigt daT Hier surd eben zwei Richtungen vertreteil. Die eine ceclniet die ^ bÄllschireundlichen Randvölkecn, die andere sieht
Ä-im drr
Au» Stadt und Lauv.
Gießen, den 19. Februar 1918.
Blut mw Gold.
Spiel nicht mll deiner goldnen Kette, Mann,
Und Ländle nicht mit goldnen Reifen, Frau.
Die Schar! Die Schar? Jetzt drin in Drahtverhau!
Ach. wie das Blut um Brust und Stirnen rann_
Ist das dein Sohn? Er winkt dir mll der Hand! starrt auf die Kette und dein Goldgez-icr . .
Er stürmt, er füllt! „Das Lebeii gaben wir Für deine Not, du ringend Vaterland."
Mamr mit her Kette, färbt die Scham dich rot? Verbrennt dich, Frau, der Reif mit seiner Glut? —
Für deutsche Freiheit der das letzte Blut!
Und unser Gold — für deutsches Lebensbrot!!
^ Rudolf Herzog.
** Großherzog -Ern st-Ludwig-Jubiläum s-
tiftung. Wir verweisen auf die Bekanntma.llMng des ersterr Präsidenten der zweiten Kammer der Landstände inr Anzeigenteil der heutigen Nummer.
** Zur Hessischen Gold- und Juwelenwoche Unsere Industrie braucht !-üoh,tvffe für die Friedenszell Ohne sic keine Arbeit — kein Brot. Die Kaufkraft unseres Geldes wird durch Geld gehoben. Je meltr Gold, destio billiger die Rohst»ffe d<sto stärker imsere LÄestbekraft auf dem nauzuerobernden Weltmärkte.
** Sammlung für die Dochwasserbeschä- ü t g t e n. Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß morgen, am 20. Februar, die Sammlung für die Hockstvasser- beschädigten von Dietersheim geschlossen wird. Bis dabin nimmt die Geschäftsstelle noch Gaben llnlgegen.
** Nachmusterung Wehrpflichtiger. Wir verweisen auf dre BekanutmaclMng im heutigen Krefsblait ** Stadtth-eater. Es sei nochmals auf das G,ist- sprel C. W. Büllers in „Doktor Wespe" am kommenden Freitag hingewiesen.
** Schwarz -Weiß -Theater, Seltersweg 81. Die ^lmwerke „Der Schmuck des Rajahs" und ,Möbliert" Villa zu verkaufen" sind im Spielplan bis einschließlich vertag erllhalteii. Siehe Anzeige.
, ** Berichtigung. Durch, ein teckmiscki«s Derseben ftcl in mk,erer Lamstags-T/ummer über der Besprech.cng der Om Ter »«Tbier wm 6ic Zeile „wießener Theatervernn" 'im-g
Gs sei desl/alb noch nachllAstich daraus lstugewiesen, daß auch diese --»Peru-Vorstellung, wie die früheren, vom Gi e ßen e r Th ea t er verein veran-staltet was.
Landkreis Gießen.
-m. Lich, 19. Febr. Der Heute früh gegen 6 llhr von Gießen kommende Gillerzug riß bei der Einsarhrt in hiesige Statik den Dordntell mres mll Lcmgl-blz beladenen Güteiwagens weg Hllr- lich die. zummmengekopyellen Stämme in der Nähe der Weiche quer über ^rs GÄeise, so baß der Verkehr nach m!d von Gießen gesperrt war. Dl« l-eute früh verkehrenden Personen- sollen deshalb vim berdm Süten nur bis mr die Unfall- stelle fahren wo der, Verkehr durch Umstcigen bewerkstelligt wurde. e bis zu einer Stunde em. Big
Wtebaj» ftflPtocnMd ücjeitigt Jan; zu Schaden ift cho-
Letzte Nachrichten»
(WTB.) Großes Hauptyuartier, 19. Februar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprechl.
Nächtliche Borstoße de§ Feindes am Houthoulslrr-WaldL wurden abgervieseu.
Oestlich von Ypern und beiderseits der Scarpe am Abend gesteigerter Feuerkampf.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Am Oise-Aisne-Kana! führten Jnfanterieabteilungen erfolgreiche Erkundungen durch. Südöstlich von Tahure stießen badische und thüringische .Mmpagnien gcyen die am 13.7yrbruar in Feind-eslstrnd gebliebenen Gräben vor und brackften 125 Gefangene zurück. Der Geländegewinn rmirde
durch starke feindliche Gegenangriffe wieder ausgeglichen.
*
Im Lnstkampf wurden gestern 7 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Oberleutnant Lörzer errang seinen 21., Leutnant Udet und Leutnant Kwll errangen ihren 20. Luftsieg.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Deutstlre Truppen sind gestern abend in Dünaburg ein- gerückt. Sie fanden rmr wenig Widerstand. Der Feind war größtenteils geflüchtet. Die vorbereitete Sprengung der Dünabrücken ist ihm nicht gelungen. Beiderseits von Luck sind
unsere Divisionen im Vormarsch. Luck wurde kampflos besetzt.
*
Voü den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
* * *
Die preußische Wahlreform.
Berlin, 19. Febr. In der gestrigen Siynng des Wahl- rcchtsausschnsses wurde 8 2 in folgender Fassung angenommen: Llnsgcscylossen vom Rechte zu wählen suü> Personen, 1. die entmündigt sind ober unter vorläufiger Vormundschaft stehen, 2. über deren Vernrögen den; Konkursverfahren schwebt, 3. die der bürgerlichen Ehrenrechte entbehren, '4. denen die Fähigkeit zur Belleidung öffentlicher Aemter abgeht, 5. die unter Polizeiaufsicht stehen,^ 6. die während des letzten Jahres eine Armenuntcrstütznng aus öffentlichen Mitteln erhalten haben. Hierauf folgte die Beratung des 8 3 (jeder Wähler hat eine Stimmef. Ter Minister des Innern ftlhrte aus: Die Tatsache, daß in Berlin rund 12 v H. der Arbeller streikten, läßt sich gegen die Einführung des gleachen Wahlrechts nicht verwerten. In der Provinz war die Zahl erheblich geringer. Unser nationales Leben müsse vergiftet' werden, wenn das gleiche Wahlrecht nichi eingeführt ioerde. Vizepräsident des Staatsministeriums Tr. Friedb erg g-ab eine Erklärung ab, rn der er u. a. sagte: Ter konservative Antrag hat, was die Beschränkung des Wahlrechts anbetrifft, meine Erwartungen noch! übertroffen. Ich bekenne offen, daß drr Streik mit seinen ?keben- wcrkungen mir nicht rn festem Zusammenhang mit der Wahlrecksts- frage zu stehen scl-eirll. Die Kombination des allgemeinen Wahl- rechts mit einem berufsständischen Wahlrecht ist für die Staate* rcgxenmg unmrnehmbar. Sie ist nur möglich in Keinen Staaten, dre ftch nicht zwei Kammern leisten können, nicht aber in Preußen, Was das vorgeschlagene Pluralwahlrecht betrifft, so enthalt es gegenüber dnn Kompromißvorschlage des oergcmgenerl Jahres noch eine besondere Berücksichtigung des Grundbesitzes, enthält also einen verstärkten agrarischen Einschlag. Ich muß daher aufs treue erkläveu, daß die Staalsregiertmg zu eiuer Vcrstcrndi- gung rm Rahmen der 'Vorlage bereit ist, daß aber das berussstan- drfche Wahlreckst und ein Pluralniahlrecht mit Zusatzsttmmen für Ernivnunen und Beqrtz unannehmbar sind. Weim man realvvlrttsch denkt, muß inwr doch berücksichtigen, daß die könrglick>e Botschaft vorhanden ist, dre erne Direktive für die Minister enthält, und diese werden alles tun, um die Ankündigung der königlichen Botschaft durchzufuhrcn, wert fie überzeugt 4ind, daß die polrttsche Lage dies erherfcht.
Zum U-Boot-Krieg.
n «St aJl * 1 ’ MB'^Mchtmntlich.) Wie störend der
U-Laot-Kneg mittelbar auf den Lveverkehr unserer Feinde wirkt, wie er dre volle Ausnützung des unversenkten feindlichen Schiffs- raunte sc^ualert, büfv-eist die Aussage eines- Geretteterr von dem. E » <*k 2??*2L ^ versenkt gemeldeten Tanrpsers „Allaüm" w'n P&L mit 6000 Donnen Krhlen nach
Malta bestimmte Dampfer gebrauchte für die Fahrt von Hnll nach Btzanta 30 Tage, von denen 14 Tage auf den w^gen U-Bvot- Gefahr an^iwt^Aufenthalt in verichiedeiren Häfen mtftelew llmer frrcdllck-en Berhaltnr,sen hätte der Dampfer die Reit' in!
w£% n ill^f e(rCn b fÖm ^ ^Dchdas Fahren in Geleitzügen,
das P°rtoi auf and^e ^ochiffe inte Ätilllregen m ,v^
alleo mittelbare Folgen des U.-Voot-Krreges, hat dieser ^.aincher al,o mehr als dreimal so viel Zell als ohne Unterseeq ^tkneg der^^oll gOp-om toave, gebrailckst, oder anders ausae- ^ckt der Lchmsraunr konnte unter Derücksllhftg.img der Lade-. mrd Lochhmt nur etuxr zur Hälfte der ftüh.-reu Leistungssahiakeit auc-genirtzt werden. Eru dcrarttger Fall ist keineswegs eine Aus!
^ni^,r ist er bZeichnend für die Uun-irtschaftlickkell F. Wen, Vorsitzender per Khedi, ^^.^lbmncher-GeiÄl Ick-aft, bestätt'gt sie in einem an die T 11 ^ Dezember gerichteten Brief mll teil Worten Ta3 GÄertzugverfahren verdoppelt die auf eine Reise zu verwendende Zeit und halbiert die Menge der jährlich in England m landeiiven Ladungen.
« . • Die Zustände in Petersburg.
X ^'.r 0- 3ebr. ^ L. A. fchüdert ein Mitgli«- bod ^ -r mmrs, rv u . die s«cki^ ^Ächen laug in deu
v- htstadt an der dlsröert war, run eine Berte
la.'idrgung über belllmmte Ernzelftagen mll der bolscheivistischen Regierung zu erzrelcn, ferne Erlebnisse in Petersburg. Er saaL u- - Dre illrsrchechstt nicht allein außerhalb, joirdern auch llrner-, ru 'um-nll von Tag zu Dag zu. Das Ei'jck>elnen be^
tlxfffneter Banden rn Privallvobruriigerr zahlt nicht zu den Selten- Herten. r'Nan sehnt -Ordirnng und Ruhe herbei. Die Roten Gardisten rekrurceven sich aus aebells- und sichtsck-euem G-sindet. Sie ea> "Een 30 Rubel täglich und 'haben nichts zu tun. Sie laufen in llwen schawge-n Zivllanzügen mit dem .Gewelrr aus der Schultest umher, ern llaglrck^s Symbol von RuchlMkds staatlicküei- A-utorllül Wie von verschredetlen Lorten berichtet aoird, wurde in Pcter^ bürg erne Metollsabrrk, in der sick, auderlbalb ^iillioneir Rubeh zur Lohnzalstung befandetr, airgegrrffen. Das Gewehrfeuer dcruertck zwei stunden Der Angriff wurde aber abgeschlagen. Tie Zoll-' vwie dre Werw und Mkvho-llagc'r wurderr gestülmit und nach ftlnfzehnstündigem Kampfe eingeaschsnt.
Die
gen Mischm Renauld. Longnek, Sem bat und HuyswanS pat t- lndcm., Der Ztvcrk sei, die Fratrzosen zu Kon^effwnm bet res's t^r elsagteotbnngisck^u Frage zu betvegcn. damit diese aus dem Pro- granun der Londoner >1vnfere!iz nicht in der bisherigen starren ( ycnn erscheurc. Die englischen Sozialisten miutfrfx'it. daß die elsas> mtmngijdx* Frage nur von den beteiligten ztvei Stationen geregelt un-rde Archs'rn falls wäre ein Mißerfolg der Lorrdoner Kon streif zu befürchtm.
Wilson und die Versailler Kotlftrerrz.
Berlin, 18. Febr. Wlf eine Alnfrage im engl ischett llnterhauie am 14. Februar, ob das Versailler Mmiteik me Ansichten aller Eiitentemäche einsckstiefstich der Beremi-ncu Staaten daritelle, gab Bvnar Law- eine zu stimm mde Antwort. Auf eine lvellere Frage, ob Präsident Wilson darülior io ragt worden ser erwiderste B-mar Law. daß Wilsotr keine Ote* tegenlrell jur Zuslllnmuug -oder Mlehnung gelraüt !:abe. daß aber oe* diplomatisch- Bte treter der Pcwyrigtyi Staaten der Kvn- -'-.rvt-ten (tettfcicu sei.


