Landwirtschaftslammern vvrgeschlagen dohingchenb, daß auch Arbeiter geiväUt werden können. Kvine Frage sei so brennend für die Landwirtschaft. wie die Arbeitersrage. (Noch sei es Zeit, miß sicherem Ziel /vorgehend, zu verlKtrn. daß auf dern bände ein Keil' zwischen Arbeitgeber und Arbeittr-ckhiner getrieben wird.
Abg. Oelonomierat Dr. Hoesch-Neunkirch-en besprach die Frage der Uebergangswirtschaft. Die Landwirtschaft werbe auf eine wirke Einfuhr angewiesen sein. ,Er setzte seine Hoffnung auf den, Vertrag mit der Ukraine.
9!ach weiteren Berichten erreichte die Tagung ihr Ende.
(Frkf. Ztg.)
Aus Stadt nnd Tand.
Gießen, den 18. Februar 1916.
Nahttarn-Verteilung.
Wir verweisen auf die heutige Bekanntmachung d»s Oberbürgermeisters. Danach haben die Kleinhändler. die Nähgarn unmittelbar arr Verbraucher abgeben, die Verarbeiter (Maß-Schneider, Flick-Schneider u'w.) sowie 'die Anstalten sKrankcnanstalten. Gefängnisse u'w) b'.s zum 21. d. M. dem Stadt. Lebensmittelamt wegen der Zuteilung von 'Nähgarn Anmeldung zu erstatten, deren Insult aus her Bekanntmackmug ersichtlich i't. Verarbeiter haben dabei den Namen und die genaue Wohnung der van ihnen am 1. Dezember v. I. beschäilig'en Arbeiter anzugeben. Für Anstalten ist die Belegstäcke am 15. d. M. maßgebmd. Die e Angobm sind notwendig, dr sie die Grundlage für die Zuteilung von Nähgarn bilden. Verspätet eingereichte Anmeldungen werden nicht berücksichtigt.
.Hierzu wird uns von zuständiger Seite noch folgendes mrt- geteilt:
Die zrmehmende Knappheit an Nähgarn hat den Reichsellen Veranlassung gegeben, die Brwirtschastnng und Bert ilung selbst in die Hand zn nehmen. Nach den geltenden Bestimnmngen verteilt die Reichsb sleÄmngisstelle das z-nr Verfügrmg stehende Nätmarn nach Mahgal-c der B"^ötterungs ahl au, die Konnnunalverbä'de. Diese sorgmr ihrerseits'für die Zuteilung an die Kleinverkaufs- geschäste. die für die Versorgung der Bevölkerung in Frage kommen. sonne an die Gewerbetreibenden wie Flick- und Maß- Sckweider. Die erste Zuteilung sollte für das lausende Kälender- viertel'ahr erfolgen.
Bis jetzt hat jedoch die Neichsstelle noch nicht mitgeteilt, Welche Mengen an Nähgarn für den genannten Z-?ilraum auf den Kommmralverband Stadt Gießen entfallen. Es kann tmher zumeit noch nicht festgestellt werden, welche Menge an Nähgarn den einzelnen Geschütten. G werbtt' e b nden und Anstalten zn-ie cilt werden kann. Sowie dies feststeh-t. werden durch das Lebensmittelamt den B.zargsbl.wechtigten Bezugsscheine ausgestellt, die von ihnen an die Bezirksstelle 12 in Mainz, die das Nähgarn den Bestellern liefert, einzairttchen sind. Bei dem großen Mangel an Nähgarn ist es bedauerlich, daß die Angelegenheit infolge des Fehlens der ei-forderlichen Mitteilung der Reicks stelle nickst rascher gefördert werden kann.
** Amtliche Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 13. Februar den von sämtlichen Freiherren von Nordeck znr Rabenau auf die evangelisch' Pfarrste'le zu Wllmerod präsentierten Pfarrer Edwin M a r g u t h zu Geinsheim für diese Stelle bestätigt. — Der Großherzog hat am 16. Januar d. I. dem Eisenbahnwerkmeister in der Hessisch-Preußischen Eiscnbahngemeinschaft August Kreß zu Darmstadt aus Anlaß seines am 12. Februar d. .I. vollendeten 50. Dienstjahres das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Auszeichnungen. Die Gerriten Karl Stein und Heinrich Schmidt erhielten die Hessisch? Tapferkeitsmedaille Tie gleiche Auszeichmrng erhielt Karl Holland.
** Ein neues Stadl Wappen hat uusere Stadt erbeten. Das neue Wappen ist vom Pvofessor Otto Hupp- Schleiß- heim bei München, einer Autorität ans heraldischem Gebiete, entworfen und vom Groß Herzog der Stadt verliehen worden. Das Wappen besteht in einem Mad) unten spitzen Schild in Sikber, auf dem sich ein roter, schwarz ge'lügetter Lötve zeigt. Oefsentlich ist zuerst das neue Wappen auf du kürzlich eiugeführten Kuchmmwrken zur Arrwendung gekommen. Das neu.e Stad'Lvappen wacht übrigens >m seiner Zeichming einen recht ruhigen und lla'ren Eindruck.
** Besitzwechsel. Das Besitztum der Adolf Z i n ß e r Erben, SüLxmlage 9, tvurde an de?i Zigarren'abrikanten Otto Weberling fstr 90lX)0 Mk. verkauft. — Das Anwesen der Frau Wilhelm Schott, Wolkengasse 27, Ecke Bahnhosstraße, ging für 96 000 Mk. an Heinrich Hahn über.
** Hessische Gold- und I u welen-W o che. Wer auch nur ein Gramm Gold den Goldankaufstellen zuführt, der t-ilft einen baldigen Frieden erringen. M?r seim Uirückbehält, toeil er es mehr liebt als sein Vaterland, ^der fördert die Feinde und ist im* dankbar gegen das Heer. Wtie klein ist dach das geforderte Opfert verglichen mit «den Opfern an ßbteit icnd Blut, die Misere Streiter drmißen willig bringen.
** Stadttheater. Gewiß wird es von allen Theater- fveunden begrüßt werden, daß der bekannte Komiker C. W. Büller wieder einmal auf unserer Bühne einkehrt Für das diesmalige Gastspiel am Freitags 22. l. Mt, ist der Benedixsche ..Doktor Wespe" gewählt worden. Wenn auch die Kunst Büllers keiner besonderen Empfehlung mehr bedarf, so dürfte doch eine Besprechung der „Mn. Ztg." interessieren. Es heißt da: „Das stxir ein dkbend gestenr, an den die Besucher noch lange zurückdenken werden. Mle Faktoren vereinigten sich zu trefflichem Gelingen des Benedirsck>en allerliebsten Lustspiels .,Doktor Wbspe" Die Titelrolle gab Herr Büller. der sich rasch Bürgerrecht auf unserer Bühne erworben hat. Der Künstler versteht es. in seinen Rollen derart aufzugehm, daß die eigene Individualität vollständig f-chwöndet. Man bogireift kaum, daß es em und dieselbe Person ist. welche uns aus „Eharleys Tante" als ..Registrator", als „Wespe" usw. entzückt. Seine Komik, vor allem sein virtuoses Minenspiel. sind unwiderstehlich — ries'g unwiderstehlich, würde Wespe sagen —^ und dabei zeigt er eine Gewnirdtheit der Be- wvgrmg. daß )nan sieht, er fühlt sich aus der Bühne, in seiner
Rolle, „zu Haufe". Dve Darstellung des „Dr. Wespe" war «ine unübertreffliche Leistung, bei welcher die Desuä-er aus dem Lackmen nicht herauskamen Cs weht ein llotter Zug durch das Lustspiel, mrd dieser hatte sich auf die Aufführung üoertragcn, welche eine der besten in der Saison war."
KrciS Lauterback.
rr. Schlitz, 17. Febr. Unter außerordentlich großer Beteiligung wurde am 'Freitag nachmittag der in Frankreich gefallene Unteroffizier Wilhelm Grimm beerdigt. Sämtliche Vereine unserer Stadt erwiesen mit ihren Fahnen dem Kameraden die letzte Ehre.
Starkenburg und Mei,Hessen.
----- Aus dem Odenwald, 16. Febr. Der Schreiner und Imker Georg Hartmann von der Heilanstalt Brandau hat einen neuen Twakersatz entdeckt, der alle bisl-erigen Ersatzmittel in den Schatten lt mrd dabei den Vorzug hat, daß er in Deutschland in unge l Mengen vorhanden ist. Es ist die sein gehobelte borkige : )e der Kiefer. Wie Herr Hartmann auf
eigener u oer Erfahrung anderer Raucher mitteilt, zeichnet sich
der „Kieferu-Tcrbak" durch milden Geschmack, angenehmen Geruch, gute Bekömmlichkeit und andere gute Eigenschaften aus.
Hessische I
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Juwelen- und Goldwoche |
Schirmherr: Se Kgl Hoheit der Groüherzog. ■
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Die Goldankaulsstelie !
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im Gebäude der Bezirkssparkasse (Johannesstr.) ■ ist anläßlich der H57v j
hessischen Juwelen- und Galdwoche \ morgen nachmittag ii'on 2-4 Uhr -
... ^eöttnet. ZZ ,
DerEhrenausschuß der Goldankaufsstelle Gießen. »
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Hrnen-Nnssau.
--- Frankfurt, 17. Febr. Der Kaufpreis für die Friedländische Heilanstalt .Hohemark bei Oberursel, über deren Erwerbung am Dienstag abend die hiesige Stadtverordnetenvcrammlung die Entscheidung zu fällen hat, beträgt 1136 000 Mk., ein Preis, der nach dem Urteil Sachverständiger als müßig zu bezeichnen ist.
= Frankfurt a M., 13. Febr. Im Frankfurter Lehrer- verein ist ein b-eo-ndnec l>eimatkundlill>er Ans sch iß in Bildung begriffen, der unter.Millmrlung berufener Kräfte die Herausgabe einer umfassenten Heimatkunde für den Regierungsbezirk Wiesbaden plaarr. Das Werk, für das auch das JUterefse der Behörden wackjigerufen werden soll, wird unmittelbar nack» dem Kriege in Arbeit gekommen. Wie wir hören, haben die Fvanksnrter AmtsstÄle t ihre Un erstntzung bei der Herausgabe der Heimatkirnde bereits zirgesagt. Bes'vn.derer Wert wird vom Slus- sckfuß daraus gelegt, daß sich auch viele Lehrer und andere für die Sackpe interessierte Per^oM aus dem Nassauer Lande an der Mitarbeit durch Einsendung von Material usw. beteiligen, damit in dem 7t«len Werke ein möglichst lückenloses Bild von der kulturellen und wirtschafüichien Dä>cuttung des Gebietes anfgebaut wird.
mr. Frankfurr a. M., 17. Febr. Das Lebensmittelnmt beschloß in seirrer letzten Sitzung, das Papier znm Drucke der Lebensmittelkarten stets besonders anfertigen zu lassen, um die dauerrrden Dnebst'älste rmd Nach>rucke zu vernnndcn. Auf dem Gebiete der Kar- tosfelvcrsorgung wurden monatliche, gestaffelte Preise festgesetzt. Die Milchversorgung chabe sich! in dnr letzten Wochen gebessert, sodaßj jetzt auch die Kinder bis zu 10 Jtthren täglich Ä7ian Viertelliter! Vollmilch erhallen können. — J'n einer großen Versamnrlung dev Zentrumspartei, die am heutigen Sonntag stattfand, billigten die Teilnehmer die Reform des Gemeindewa hlrechts und sprack-en sich gleickMitig für?das Gemeindewahlrech': der Frauen aus. Ihn übrigen wurde das Verhältniswahl recht gefordert.
X Schtüchtern, 18. Febr. Staatssekretär v. Kühlmann weilte kurze Zeit auf Schloß Ramholz zum Besuche der Freifrau v. Stumm, der Mutter seiner verstorbenen Gattin.
Spielplan des Giehener Siadtcheaters.
Montag 18. Febr., abds. 7»^: Gew. Pr. lerm.). 15. TienStag- Abonnem.-Borst. „Ein unbeschriebenes Blatt". Freitag 22. Febr.. 7V»: Gav. Pr. „Doktor Wespe'^ C. W. Büller als Gast. Samstag 23. Febr-, 1 %: Sondenwrst. f. d. kriegsbeschäst. Arbeitersch. Kein Kartenverk. „Wann wir allen:". Hierauf: „Znm Einsiedler". Sonntag 24. Febr., 3y 2 : Gero. Pr. „Sah ein Knab' ein Röslein stehn". 7Vr: Gew. Pr. lerm ). „Ein unbeschriebenes Blatt". Montag 25. Febr., 7y a : 0kw Pr. „Der Scheiterhaufen". Margar. Swobcda vom Hosthsater Münchcm. Jak. Feldhammer vom Deutsch. Theater Berlin u. a. m als Gäste.
Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater.
Apernhau».
Montag 18. Febr. i Geschlossen. Dienstag 19., 6V»: „Der Rosenkavalier." Mittwoch 20., 7: „Ter Barbier von Sevilla".
Hierauf: „Klein Idas Munren" Donnerstag 21., 7: .,Mon« Lisa". Freitag 22., 7: Borst, f. d. kriegsbeschäst Arbeitersch. Kein Kartenverk. „Tie lustigen Weiber von Samstag 23.,
7: „Ter Maskenball". Sonntag 24., 3'/st: „Das Dreimädeclhaus". 7: „Zar und Zimmermann". Montag 25., 7: „Die toten Augen".
Lchausplelhaur.
Montag 18. Febr., 6: ,,Don Carlos". Dienstag 19., 7: „Jahrmarkt in Pulsnitz". Mittwoch 20., 2 v / 2 : SchülerVorst. Kl. Pr. „Wilhelm Dell". 7: Tie Schule der Prinzessinnen".
Donnerstag 21., 7y 2 : Vorst, f. d. Rüsttings-Jndustrie. „Tie Journalisten". Kein Karten-.'erk. Freitag 22., 7: „Florian Geyer". Samstag 23., 7: „Tie Verführung". Sonntag 24., 1144: Vortrag von Tr. E. Maß, Berlin: „Der Neuklassizismus im deutschen Drama". 3: Bvrst. f. d. kriegsbeschäst. Arbeilersch. Kein Karteir- verk. „Tyckerpotts Erben". 7: „Wilhelm Tell". Montag 25., 7: „Rosmersholm".
verinrichtes.
Kohlen fchiebung^n.
Berlin, 16. Febr. 1918. (Privattelegramm.) Der Berliner Lokalanzeiger meldet aus B o trop (Reg.-Bez. Münster): Hier sind große Kohlenschiebungen aufgedeckt worden. Mehrere hundert Waggons siollon von Zeckfenboamden gegen Lebensmittel und Kleidungsstücke ausgelaustht fein, mit dmen dann unrechtmäßig gehandelt wurde. sZa hl reiche >Ber Haftungen sind beoerts angoorduet.
Letzte Nachrichten.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 18. Februar (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An vielen Stellen der Front lebte am Abend der Artil^- leriekampf auf. Die Jnfant-erietätigkeit bttcb auf Erlun^ dungögefechte beschränkt. ^
Bei klarem Frostwettrr waren die Flieger am Tag und bei Nacht sehr tätig.
*
MilitäriM Anlagen hinter der feindlichen Front wurden in größerem Umfange mit Bomben belegt. Ein Flugzeug griff London an. ^
In den beiden letzten Tagen wurden im LufMmpf und von d?r Erde aus 16 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone abgesckr-osfen.
*
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalguarliermciiter Ludendorsf.
* . *
Der Reichstag.
Berlin, 18. Febr. Ueber den mutmaßlichen Verkauf der am 19. Februar beginnenden Sitzungsperiode des Reichstages erfährt öer ,L. A.", daß am Dienstag im Plenum Staalssekretcnl v. K ü h l m a n n bei der ersten Lesung des Friedensvertrages mit der Ukraine eine längere Rede halten wird. Am Montag, 25. Februar, wird die allgemeine Aussprache beginnen, während derertz nicht nur der Reichskanzler, sondern auch der Vizekanzler das Wort ergreifen wird.
Der russische Nevolutionskrieg.
P e t e r s b u r g, 18. F^br. (Privattelegr. W. T. A.)M'ach «einer Sckrlaicht zwischen Matrosen und Roten Gardisten riner- feits rmd tartorischen Truppen andererseits wurde Sim- fervpol, die Hauptsladt der Krim, genomnren. Tie Kathedrale ist beschädigt. Tie Tartaren befinden sich auf der Flucht. Die Truppen, Arbeiler und Matrosen erkennen lediglich die Auto» rität der Sowjets cm. Tie diack-rich«' der ausländischen Presse, im Kaukasus und der Krim herrsche die Pest, ist erstrnden.
Stockholm. 18. Febr. (P. T. A.) Die Unternehmungen des Generals Alexeiew gelten im Gebiete von Taganrog vvnvärts. Heftige Zusammenstöße haben zwischen der Roten Garde und den Gegnenr stattgefunden. An drei Punkten kam es zu militärischen Operationen. General Erde! kämpft bei Rostow, General Alexe- jew bei Woronesch. In den erbitterten Kämpfen bei Woronesch nmrden die Sowjetstruvven von allen Seiten umzingelt. Alexejew hat einen strategischen Plan ausgearbeitet, um die revolutionäre«! Truppen einzuschließen. Im Falle des Erfolges will dann Alexejew über Wioronpch und Cherkvw hinaus nach Rioskau und Petersburg vorrucken.
Eine Osfiziersverschwörung gegen Lenin.
Petersburg. 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Es wurde eine Offiziers-, Verschwörung aufgedeckt, welche den Zweck hat, Lenin auf^ »iheben, um ihn als Geisel zu gebrauck-en. In der Behausung der Organisation wurden Armeebomben urrd geladeire Handgranaten gefunden.
Finnland kämpft um Selbständigkeit.
Petersburg, 17. Febr. (WTB. Nichtamtlich) Zufolge einem Telegramm der „Prawda" hat am 6. Februar die finnische Weiße Garde in Stärke von 5—10000 Mann Nikolaistadt überfallen, die russisckien Truppen eirtwaffnet und sich in den Besitz der Stadt und des Hafens gesetzt.
ttonzert -es ukrainischen Musikoerein; Lyssenko au; Wetzlar.
Gießen 18. Februar 1918.
Wir 7-nnen UNS hier in Gießen wirllich nicht beschweren, unzeitgemäß zu sein: vielmehr genießen wir die Segnungen des Fortschritts mit an erster Stelle. .Amm haben wir den Frieden mit bn Ukraine, so weilt auch schon der ukrainische Musikverein Lyssenko tn unseren Mauern, um uns unter Mllwirkung von Herrn Seminarlehrer Otto Theiß- Wetzlar und Leo Maslowsky-K'iew Proben nationaler Kunst zu bieten Wer wußte vor dem Krieg etwas von der Ukraine? Tie sogenannte „ukrai'ttsche Frage" war eine rein fachmännische Angelegenheit des Ethnographen und Politikers, spielte wach des öfteren schon eine verhänMkisvvlle Rolle im OtteographieexameN der Prüfnnyskaudidaten; von einer ukrainischen Musik wußte überhaupt niemand etwas Das hat sich nun mit einem Schlage geändert. Demnäck)st dürfte manches b'i uns — wie wir Deutsche Nun einmal sind — ukrainisch werden: um nur eins von vielem herauszngreifen: das Beefsteak ß la tatare hat wohl durch den Krieg defirntiv abgewirtschaftet, und zum Ersatz dafür wird in nicht allzuserner Zeit ttte „ukrainische Platte" als vielversprechender kulinarischer Leckerbissen auf den Speisezetteln der Mchenchefs tzrnd Küchnnnamsellen auftauchen. — Der Reiz des Neuen war denn auch so mächtig gewesen, daß nicht nur das gestriire Konzert in Wrze ausverkaust war. sondern sogar eine Wi^erbolung angesetzt werden mußte, was im Interesse des guten Zweckes der Veranstaltung ti nur zu begrüßen ist.
Auf dem Programm standen Lieder,md Soli mit Orchesterbegleitung: dazwischen waren einige Violinvorträge eingestreut. Wir gewannen den Eindruck, daß es sich in den gebotenen Vorträgen um durchaus originelle, verhälttiismäßig hoch entwickelte Volkskunst handelt. Charakteristisch sind das Vorherrsck)en der Molltonart in Melodik und Harmonie, die hochentwickelte Rhythmik Und die damit zusammenhängeiwen häufigen weiblichen ‘ Schlüße. Hervorzuheben wäre noch die icn6 fremdartig berührende.
aber sehr wirksame Kadenzierung IV: I in Moll (Nr. 2) und der Melodieschluß ans der Dominante (Nr. 5 a). Auf die von unserer Praxis bedeuterrd abweichende, flüssigere und freiere Stimmführung im Cl)orsatz, auf die grimdverschiedene, zumeist leer und hohl klrngerrde Behandlung der Orchesterbegleitung^ wo öfters nur Mordrudimente an Stelle der vollen Harmonie das harmoni,che Bild komplizieren, näher einzugehen, ist hier nicht der Ort. Genug, es war eine Fülle des Ueberraschenden und Eigenartigen, was da an unserem Ohr vorüberzog.
Von den größeren Vorträgen nennen wir besonders Nischen- kowky i's „Vergangen sind mebier Fugend Jahre" und ein sehr ivirksames Tenoriolo, das Herr M o l y k gut vermittelte. Aus dem folgenden „Ukrainischen Liederkrarrz" von Lyssenko-Turula ielen uns besonders Nr. 3 und^ vor allen: das wirllich beitende Schlußstück k, das der Leistungsfähigkeit des Ch?res ein gutes Zeugnis ausstellte imd namentlich im Dynamischen sein abgetönt erllang. Lyssenko scheint überhmipt der begabteste ukrainische Komponist zu sein: als beste seiner Werke erschienen cms die „Ukrainische Dorf,erenade" für Chor mit Tenorsolo, die einen be- so-nders gediogeneir Eindruck hinterließ, und „Tanzlied und Brant- chor" aus der Operette „Tschocuomouei", am Schluß des 1. Teils.
Eingclegt tvaren mehrere Solomrmmern. Leo Maslowsky spielte mit besel!em D«r und — im ersten Falle — auch einwandfreier Technik. Rasss Cavatine op. 45 und Bciethovens G-Dur-Romanze. Tschaikowskvs b'kanntcs Lied ohne Worte dann noch als Zugabe. Großen Anllang fanden auch die von D. Dtscherbyna geswrgenen Lieder. Die Begleittmg wurde auf der Bandura — in der Ukraine das typische Jnstrumerrt fachender Säuger rmd Spielleute — ausgefücht. Sie vereinigt die Vorzüge von Mantdvlin- und Zupfgeige, besitzt aber einen be- dertterrd größeren Resouanzboden als diese. Eine besorrdere Rolle in der Bestleitungstcchnik schurren die an Zeilenschlüssen - *9 Zwischen- und Nackt piele häufig austrebcndeir diatonrsch abwärts geführten Läuse zu spiclem
Am Lchluß ließ Herr Gymnasiallehrer E. Turula, der
sich um die EmstrchieptML der oft respektable Anjordcrangen
stellenden Werke mit Erfolg bemüht hatte rmd die Vorträge mit Geschmack Und Umsicht zu leiten verstand, nach Vortrag der deutschen und ukrairnschren Nationalhymne noch durch D. Ztscher» byna den ukrainischen Nationaltanz .Kopak" vorchhren. der ebenso wie desselben Liedervorträge stürmrsck-en Beifall fand.
Tr. G. R.
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Die Uraufführung einer spanischen Komödie. Man schreibt uns arrs Frankfurt a. M.: Tie Er« Wartungen, mit denen inan der deutschen Uraufführung der Komödie des spanischen Dichters rmd Dtmlschstnmsfre'indes Jacinto Benavente „Tie Schule der Prinzessinnen" im Shauspielhause entgegensah, würben in keiner Beziehmng enttärischt. Die Kw-> mödie behandelt in neicz-eittickien Formen das Tl*ema Liebe rmd Pflichtgefühl irr der Könige Häuser. J>hr Inhalt gewinnt mm durch) den pdlitisck-en Hintergrrmd ganz besonders in der Jetzt-, zeit an Istteresse, als es ein deitt scher Prinz ist, der die trän nierisch er Ronrantik huldigende Prinzessin, als sie dem Zuge ilneS Herzens folgen Will, lehrt rmd überzeugt, daß bei einer Prinzessin Pflichtgefühl rmd Staatsraison vor der Neigrmg rangieren. Die nmnrchmal in etwas dürftiger Weise däbin fließende .Handlung erfährt jedoch durch eine Fülle in die Dialoge versprengte« Geistesblitze rmd hunwristisckwr Wendringen Belebung und Farbe. Dazu kommt, daß sich Walther Brügmcmns Smclleittmg mit besonderer Sorgfalt der Einstudienmg der Komödie an^renommen batte. Die ersten Kräfte der Künsllerschrft rv.rren Träger der Hauptrollen rmd schufen teilweis mösterlich schöne Gestalten, die in dem farbcnglühendm inißeren Rahnren dopvelt angenehm stürk« ten. Ter Ariffühni.ng wolmte eirr erlesenes Publikrim bei. unter dem man neben den Spitzen der Behörde^l rmd e, Mitgliedern der deutsch-st-anischen Eeellschrft auch zahlreich)« Leiter der ersten derrtschen Bühnen bemerlle Das mlsverkaufte Hans bereitete dem Stück und seinen Darstellern eine rmgemein herzlich^ Aufnahme, die eines gewissen politischen Beigeschmacks zirvisellos nicht .mt» behrte.


