Nr. 39 Swetter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag, 15. 5edruarW8
Nach 57» Nriegrjahren.
ftin ©htldSnmg des Ministerium» fcwd Innern hielt.am Samötig ftelegenllch einer Versammlung der hessischen Koeisd-rrekLoren und chrer Vertreter das Mitglied des ReickrÄxme-Direkwriums. Geheimer Oberfinanzrat Dr. von Grimm aus Berlin, cxrto Aussprache über Deutschlands Wirtschaftskraft nach den gewaltigen Belastungsproben van 3ft» Kriegsjahren. Aufrecht lutb mtgtbruayn
die wirtschaftlick^e und namentlich auch die geldwrrffchasttia?e Widerstandskraft des deutschen Volkes die Brmwung des großen Geschehens dieser langen und schoercn Zeit überdauert.Das kann jeder von seinem Platz ans an Deller scheurungen des Mrtscwft^ lebens abmessen. Der Bartrag aber gab ein ebenso erfreuliches al§ dankenswertes Gesamtbild. Danach sind nirgends Anzeichen vorhanden für jene schleichende vnrtschaftliche Zermurbung, dw die Engländer in verhängnisvoller Verkennung unserer Svrtut vor Jahren schmi ertwfften. Diese Schlußfolgerungen bat der Redner nicht etwa selbst ausgesprochen. demr er liest — m srnn- fälligenr Gegensatz tzu der Meldeweise ^und dem Redezweck!) Englischer Staats-- imb Mnanzmänner. die es freilich unter oretfach ungünstigeren Verhältnissen schwerer haben als der deutsche Berichterstatter — nurtneTatsachen sprechen, es jedem em-elnen ms Belieben stellend, sich dem üL-erwäl tagenden Eindruck dreier nachprüfbaren Tatsachen m überlassen. Mll nwm crfetmcn, mcldic Kraft int deutschen Volke Lebendig war und lebendig bl reo. so braucht man nur zu überdenken, daß. dies führt der RÄ»ner naher aus. Deutschlands Außenhandel in der knappen Zeit)banne von wenigen Jahrzehnten sich imhozu verdreifachte. daß unsere Kvhlen- sörderung sich ^.u f den (Stand der englischen rthöhen lretz Midschlveß^ tich das Sechsfache der französischen betrug, die Rv^rsenHerstellung sich verfünffachen ließ und das Doppelte der englischen, die Stahlerzeugung das Dreifache der englischen erreichte und/4 der WÄt- pwduktivn ausmacht, daß beispielsweise unsere MAAwm- unddie chemische Industrie an die erste Stelle m der Welt rückten. L-aß ieM mich bei ims trotz unseres Kiohlenreick-tums KoAemnangel besteht. ist nicht zu verwundern, weil dft TranstWrt Möglichkeiten zeitweise für vordringliche Zwecke beansprucht sind, und werl wir aus sehr begreiflichen Gründen von der Ausfuhr dieses in der ganzen. Welt stark begelwten Bodenschatzes nicht absehen wollen, im wohlverstandenen Interesse der Allgemeinheit auch nicht absehen dürfen Im Kriege hat unsere Industrie, wie ihre Abschlüsse offenkundig bewiesen, eine unübertreffliche Anpassungsfähigkeit und Organ i- sationskunst entwickelt. Alle Verbesserungen und Erfindungen .ruf- zuzWen, würde ein Buch füllen. Die Landwirtschaft war bei uns nicht wie in anderen industriell gewordenen Staatswesen, vernachlässigt, sondern in knapp 25 Jahren fast zur Verdovpelung, ihres Ertrages emporgeführt worden. Der völkerrechtswidngtt Blockadeplan stellte unsere Landwirtschaft vor die Aufgabe, die Deutschen durch die Deuffckien zu ernähren. Mich das iit gelungen mit begreiflichen, sehr großen Anstrengungen, wenn auch nur unter starken Einschränkungen des Verbrauch. Dr Stickstoff, der wichtigste Kunstdünger (und ein wichtiger Stoff für, dr Munttions- Erzeugung) wird mitten im Kriege in einem Maße tm Irland erzeugt. das nach Wegfall der militärisck>en Bedürfnisse sogar noch Ueberschüsse für die Ausfuhr läßt. Knapph'ft rmd Teuerung und Rohstoffmangel nehmen nun bei den Feinden mehr und mehr empfindliche Formen an (Ib-Boot-Erfolge). Geldwirtschaftlich haben stur uns sm gleielver Weise glänzend geschlagen- 70% aller bewilligten Kriegskredite find bereits durch langftistige feste Anleihen gedeckt. Das haben uns bi* Fvinde nicht nachmachen,können. Weit voraus sind sie uns nur in zwei Punkten, in denen wir ihnen! aber den Vorrang nicht streitig machen wollen. Ist der geldwirft schaftlich unheilvollen Verschuldung ans Ausland, die sich als niederziehendes Bleigewicht erst nach dem Krieg in der ganzen Schwere für sie bemerkbar machen wird, rmd in dem Umfang der kurzfristigen Schulden, die nach denr seufzerreicben Eingeständnis der feindlichen Mnanz- und Staatsmänner nicht nur für jetzt, sondern auch für die nächste Zukunft wohl der schwärzeste Punkt im tiefbeschatteteu geldwirtsckxiftllchen Bilde sind. Die derzeit als Folge eines wirtschaftlichen Naturgesetzes noch vorhandene llnler- werügkeit der deutschen Reichsmark im Ausland verteuert natürlich unsere Einfuhr, ist aber — selbstverständlich —- ohne jeden Einfluß auf unsere geldWirtschaftliche Gesundheit. (Uebrigens haben auch die Feinde eine starbe Unter Wertigkeit ihres Geldes im Ausland, worauf der Redner ohne Schadenfreude 'hinwies, eben weil es sich um ein wirtschaftliches Gesetz handelt, dem wir alle unterliegen.) Wein die Sparkasscn-Einlagen haben im Jahre 1917 um 3 l /a Milliarden Mark nach stolzen Steigerungen in den voraus gegangenen Jahren weiter zugenvurmon unter Abzug der ge wattigen Einlage-Rückzahlungen für die Kriegsanleihen. Die Steuerveranlagungen haben keine Rückgänge, sondern einen teilweise starken Fortschritt ergeben. So groß, so gewaltig aber auch die Zahlen des deutschen sVolksvermögens und deuffchen Volks einkommens sind, so sind sie noch nicht einmal der stärkste Pfeiler des künftigen deutschen Wirtschaftsm'bäudes. Das ist vielmehr die deutsche Tüchtigkett stnd Arbeitsamfint, die Kra f t, die im deutschen Volke unzerstörbar weiterlebt. Arbeitsamkeit und Wirtschaftlichkeit — im Kriege bewährt und gestählt — werden im Verein mit den reichen Wirtschaft licken Mitteln des deutschen Volkes (Kohle, Erze. Mensck^en- und Wasserkraft im Lande!) den Aufftieg unserer Volks Wirtschaft sichern, mögen auch die Wunden, die es auszuheilen, die Lasten, die es zu tragen gilt, groß und schwer sein. Die Göttin des Sieges ist die Göttin der Tüchtigkeit. Da sie international, ja sogar unparteiisch ist, muß sie — mit uns sein: auch weiterhin und bis rum guten Ende.
** Diebstahl. In der vergangenen Nacht wurde in den Räumen des LebenSmittelaEs ein Einbruchsdiebstab« ausgeführt. wobei den Dieben Speck und Wurst in geringer Menge und Reisebrotmarken in die 5>ände fielen. Vor dem Tatort wurde ein großes Stemmeisen, gezeichnet K", zurückgelassen. Sachdienliche Mitteilungen erbittet dre hiesige Kriminalpolizei.
LU Die Universität Gießen stellt für das Jahr 1918/19 folgende Preisaufgaben: Bon t he o l o g i i ch e n Fa - tut tat: 1. Für den akademi s chen Preis: Jol»nn vta- thäus Metzfavt in seiner schriitstellei-ffchen Tätigkeit. 2. Für den LeydHeckervreis: Die Verwendung des Grundsatzes vom ,/Allgemeinen Priestertum" in der Inneren Mission des 19. Jahrhunderts, verglichen mit der Bettvendung des gleichen Grundsatzes bei Luther. Von der juristischen Fakultät: Es v ll eure
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dckn ^tcrial der Gießener Augenklinik soll ermittelt werden. ob und inwiefern die Elliot'schc Operation geeignet ist, die Jrrdr^omie bei der Behandlung des Glaukoms zu ersetzen. 2. F ü r d e n Ba l - serpreis: Die historische Entwicklung der Operatwn am Sinus figmoildeus und an der Vena jugularis Bon der v e t e r t n a r - medizinischen Fakultät: Darstellung des Knorpelschadels jüargerer Pferdefeten. Bon der philos yphische nF a k u l t ä t: 1 . Aus der semitischen Philologie: Ter Sprachgebrauch des Jerusalemer P-mtateuch-Targums (svgvnamiten Pseudolonatan- soll urrtersucht und dcrrgestellt werdm 2. Aus der in d i f chen P b i l v ! g i e - Sammlung im Jin ischen vor'« dener um'#' C«n der Ausdrücke (nach Art der nordischen Kenningar) und Verarbeitung i'ach sprachzeschichtlichen und p-yckVlogrschen Gesichtspunkten. 3. Aus der- Chemie: Tie KristaDildung aus unterkirhlten SchmelzMsken soll unter Berücksich'.igung a> der Grenzfläcch-n- >oirkungen, b) der Konstituitionseinllüsse und c) d s Auftretens vom- morpher Formen untersucht werden, 4. Aus der englischen Philologie: süeimoers, Blankvers und Prosa im engl i\ chen Drama. 5. Ausder romanischenP hilvlogie: Die Bezeichnungen der Waldbäutme in den lebenden franzöiffchen Mundarten.
Miltenberg in einer Wirtschaft rühmte, ftrr 15 Mark das Pfand in Fvanffurt an den Marur bringt.
«rechlrcheHchrtchte«.
Israelltlsche »cligionrgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge
(Süd-Arrlage). Samstag 16. Fcbr. Vorabd.: 5.30: nwrg. : 9.00; ccbds.: 5.55 u 6.30. — Israelitische Religionrgesellschast. fei er am 16. Jebr. Freitag abd.: 5.15: Samstag vorm.: 8.30; nachm.: 3.30: SabbatauSg.: 6.30. Wochengottesd.: morg. 7.00, abds.: 5.00.
Aus Stadt und €att*.
G ie ßen. den 15. Februar 1916.
** Amtliche Personalnachrichten. Der Großl>erzog hat dem Postagenten Will-Äm Kiefer in Trevejchenhain das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Menstr" am Bande des Verdienstordens Philipps des Groß mütigen verliehen.
** Aus zeichn ung. Der Musketier Richard Köhler wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmcdailte ausgezechnei.
Hessische
Juwelen-und Goidwoche
Schirmherr: Se. Kgl Hoheit der Großherzog.
Die Goldankaufsstelle
im Gebäude der Bezirkssparkasse (Johannesstr.) ist anläßlich der
hessischen Juwelen- und Goldwoche morgen vormittag von 10—12 Uhr
- gcöflnet. . , —
Der EhrenausschuS der Goldankaufsstelle Gießen.
** Der kauf v-on Kaninfellen. Bon Ddontrz den 18. d. M. ab gelangen täglich — außer Freitags und Samstags — von vormrtbags 10—12 Uhr nnd nachmittags 2—4 Uhr auf dem Städtischen Lebensmittelmnt Ungerichtete Karrinfelle zum Verkauf, solange der Borrat reicht Die Felle sind in gebrauchsfertigem Zustand und können alsbald verwertet werden Bei den derzeitigen hohen Preisen für Pel^werk ist Gelegenheit geboten, sich für wenig Geld das Material zum SÄbstHerstellen eines Pelzes zu erwerben Die Felle eignen sich weiter zur.Verrichtung von Schuheinlagen und dergleickien. -
** Käse und Heringe. Mir verweisen auf die heutige Bekanntmachung des Leb-ensmittelaMtes, nwnach in den namentlich aufgesührten Geschäften aus den.Bezugsabschnitt Nr. 13 der Lebensmittelkarte 100 GraniM^ Käse zum Preise owr 30 Pfennig und in den übrigen Geschäften je ein .gering zum Preis vo.t 14 Pfennig zur Ausgabe gelangen. Der Msc bzw. die -Vevinge können nur in den Geschäften bezogen werden, bei denen der Bezugs«bsckmitt 10 der Lebensmitte5karte s. Z. abgegeben worden ist. Die der Stadt Gießen überwiesenen Mengen an Käse und Heringen reichten nicht zu einer Belieferung sämtlicher Geschäfte mit jeder dieser Waren aus. Es mußte daljer eine Verteilung in der vorstehenden Meise getroffen werden. Bei dem Eintreffen weiterer Waren wird zwischen! den Geschäften abg-ewech.selt toerden.
' Starkenburg und Rbeinhessen,
I Darmftadt, 15. Febr. Immer mehr sinkt der Verkehr zwischen Stadt und Land aug die primitive Stufe des Tauschhandels zurück. In den Dörfern des Mrltenberger Gaues macht sich ein drückender Mangel an Beleuchtungsmftteln fühlbar. Sie entbehren des elektrischen Lichts, Petroleum, Kerzen fehlen. So müssen die Bewohner schon seit Woch^r im Dunkeln sitzLn, Dies hat einen findigen Frankfiirter Geschäftsmamr auf einen glücklickZm Einfall gebracht. Mft dem Rade durchstreift er di« Gegend und bauscht Lichter gegen Butter ein. Für 50 Lickicher erhielt er kürzlich in einem Dorf 28 Pfund Butter, die er. >oie er sich selbst in
Letzte riact-richten.
(WTB.) Großes Hauptquarlier. 1b. Februar, (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
In einzelnen Abfdxnitten Artillerie- und Minentättg- eit. Abteilungen eines Matwsenregiments brachten von finem Erkundungsvorswß gegen die belgischen Stellungen üdwestlich von Mannekenfaere 2 Offiziere und 26 Mann gefangen zurück.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Mrdüstlich imd südlich von Reims rege Erkttndungs- ätigkeit des Feindes. In der Gegend von Prunay und nid- westtich von Tahure enttmcketten sich lebh.ifte Art.lleriekämpfe. Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Die Gefrckftstätigkeit lebte im Oberelsaß zeitweilig auf.
Im Januar betrug der Verlust der feindlichen Lust- ltreitkräste an dni dentfchen Fronten 20 Fesselballone und 151 Flugzeuge, von denen 67 hinter unseren Linien, die nbn- ien jenseits der gegneristhen Stellungen erkennbar abge- stürzt sind. „ „ „
Wir haben im Kampf 68 Flrrgzeuge und 4 Fesselballone verloren.
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Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
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Die Konservativen und das preußißHe Wahlreck;t.
Berlin, 15. Febr. Wie dir „Deutsche Tageszeitung" zu dem von der Lcmseroativen Fraktion des preußischen Landtages emgebrackstrn Wahlrrchtsantragr schreibt, enthält Antrag eine Mwandlung der Regierungsvorlage in ztvcifacher Rich- tung: dnrch Einführung der Mehrstimmcn und durch das Prinzip der Berufswahlen. Das Prinzip des gleick?rii Wchlrechd, bleibt im iresentlichen gttrahct. Das beantragle Mehrsümme.isy",en, das in der Hauptsache auf dem Kompromiß vom vorigen Frühfommer beruht, könne man als ein aualifizrertes glei-ck-es Wahlrede bereicheren. Noch deutlicher zeigte sich das vorgeschlagene Berufs^ Wahlrecht als ein im .GrirnÄe gleiches Wahlreckü- Jnr ganzen bedeute der konservativ« Antrag eirt weites Entgegenkommen gegenüber deri Würffchen der 'demokratischen Parteien
Dre Lage der Deutschen in Esthland und Livland.
Berlin, 14. Febr. (Priv. Telegr.) Wie dem „Berl. Lokal-» anzeiger" aus Riga berick>bet wird, eilt die Lage der von Deutschs land ihre Rettung erlK-fsandeni Deutschen und Esthen in Livland und EMand einer 'Katastrophe zu, wenn nicht in letzter Stunde Rettung flomml InReval find von den Maximacisten 3000 Deutsche und Esthen verhaftet toorden. Die Frauen befinden sich getrennt von ihren Kindern in einem Schloß, die Männer in Kinos :) m Dorpat sind etwa 280 Mchnner verhaftet worden. Weitere Verhaftungen werden aus Fettin gmneldet.
Ponar Law üfter die englische Krieg so rganisation.
London. 13. Febr. 'WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter,chen Bureaus. Unterhaus. Sonor Law erwiderte auf verschiedene Kritiken an den Arbeitsleistungen der verschiedenen Verwaltungszweige, Er gab einige interessante Zahlen, lvelche beweisen, was die verschiedenen Departements geleistet haben. Ueber die Arbeit des Departements für nationale Dienste sagte er: 1917 stellte es in die Armee 820 645 neue Leute ein uird durch die Regierimgsmaschinerie wurden in der Heimat 731000 Männer nnd 804 000 Frauen in Dienst gc- rwmmen. Zur Nahrungs mit tele rzeu gung übewehend sagte er: Die Zusatzmenge der im Jlnlande erzeugteit Cerealien betrug 850000 Donnen und itnr erzeugten einen besonverew Vorrat von drei Millionen Donnen Kart-ftfeln. Unser Lano war das einzige im Kriege, bei dem keine Verminderung der Nah- rungsmittelerzeugung erngttreten ist. Im letzten Jahre wurden eine Million neue Acres unter den Pflug genommen. Außer der ZnnalM-r der letzten Jahre sind bereits in diesem Jahrej 800 000 Acres mehr untm den Pflug genommen und 400000 mehr ff: Sckwttland und Irland. Tie gesamten Vorräte an Weizen Ende Dezember 1917 überschritten in imserem Lande; die vom Dezember 1916 um nicht weniger als 2 Millionen Quarters. Vom Munitivnsdepartement sagte er: Unsere Geschütze in Frankreich haben um 30 °b zugenommen und unsere Flugzeuge sind 1917 um das Zn-eiernhalbfackch im Vergleich mit dem Jahre 1916 oerm»ehtt wordm. Es ist die Meinung des Hauses, daß ittir tvegen dev Eintritts Amerikas in den Krieg weniger Ausgaben haben sollten. Amerika \jat nick:t nur imfercit Verbündeten, sondern auch uns selbst große Hilfe geleistet, nvfür wir ihm nicht dankbar genug sein können. t>lber der Truck aur die Alliierten infolge dar langen Kriagsdauer hat die mrf ihnen nihenden Lasten sehr groß gemacht. Ich! freue mich, zu sagen, daß unser Land imsbande wür trotz des Beistandes Amerikas einigenj unserer Verbündetm H-ilft zu leisten. Der Redmr schloß mit einer Verteidigung des gegenwärtigen Regicrungssvsteins und mit dem Hinweise, daß das Kriegskabffrettsystem von allen krieg-, fithrenden Mächten angenommen Norden sei.
Aunst «nd rVigenfchaft.
Tolstois „Macht der Finsternis" bei Reinhardt. Aus Berlin wird uns geschri-üteu: Daß Mar Reinhardt jetzt „Die Macht der Finsternis" in demselben Deutschen Theater wieder auserstehen ließ. ,«> sie ooc rmn- nvchr 17 Jahren unter der Leitung-Otto Brabms' zur erstmaligen Darstellung gelangte, ist wohl zum Teil auf den anhaltenden Erfolg des „Lebenden Leichnams^, tzum Deik auf die ihm zur Verfügung stehenden Darsteller zurückzufühven. Tie Inszenierung des Dolstvischen Bauerndramas ist den größterr Leistungen Reinhardts an die Seite zu stellen, denn wieder einnval wurde gezeigt, daß erst restloses Erfassen des geistigen Inhalts eines Werkes ihm volles Bühnenleben tzu verleihen vermag. So kraß auch dieses düstere, von Verbrechen strotzende Werk fern mag, so hell strahlt aus all der Finsternis die Idee der Reinheit und grenzenlosen Gläubigkeit, verkörpert in dem alten Akim, dem Vater des Helden ^Illkita. Daß dieser iAkün von Anfang bis zu Ende den beherrschenden Mittelpunkt bildet und bilden EtHtufr, stellte den eigenen Wer^ der diesmaligen Regieleffüung dar. Sie war anch sonst fast volleirdet und wäre es resllos, wenn ein gewiffcr kostünllicher Glanz und das Theatralische im ÄoclSzeitsspies des letzten Ülsktes nur noch um einen Grad mebr abgetönt gewostei wäre. Die Aufführung 'üs Ganzes wird wohl vergeblich ihvesgleick-en suck-en, sie ist restlos künstlerisch und weiß die geheimsten Feinheiten des Werkes fühlbar zu nvachen. Großartig war die Bäuerin der Lucie Häflich, eine fast ebenso bedeutende Lefftung Akulrna, des sich immer nrehr entwickelnden. Fräulein Pun kosdv , iiberraschend und in j^dem Nerv evareifend das lleine BauernmÄxtien der Else Eckersberg. Adele Sandrock war für eine iusfisch' Bauersfrau ^u klassisch, imponiert aber immer wieder durch tfyre außerardeittliche Technik. Den Nilita spielte Mexander Mvissi. Er wmrdte alle seine vielseitiges Fähigkeiten auf diese Figur an, kam aber leider nicht über cirtq allerdings glänzende und manchmal fast ergreifende Schauspieleoei Dar höckLten, unvergeßlichsten Mwöm des WendS *ba
vermittelte .Max Pallenberg, der als Mim bewies, daß er unstreitig das größte Genie unter den lebenden MenschendariMlrat deutscher Sprache ist. Seine stumme Szene während Nikrtas Bekenntnis am Schluß des Stückes faßt alles zusammen, was Tolstoi in sein Werk gelegt hat. Das Publikum war nach den einzelnerK Akten zu sehr im Bann des Stückes irtifo der Darstellung, um Beifall zu äußern, zum Schluß aber wurde der lange Abend noch weit über die Polizeistunde hinaus' durch den Begeisterungstaumel vei> längert. A. B.
l— Die Uraufführung einer neuen Schubert- Operette. Aus Wien wird uns gescknieben: Im Raimund- t h e a t e r hat das Singspiel „M a n n e r l" das Erbe des „Drei- mäderlhaus" angetreten. Wieder ist Schubert die Quelle der wie verzaubert fernher klingeTiden und mit edelstem Gehalt verzaubernden Musik. Diesmal hat ein Musiker vmr Kultur imd Persönlichkeit, der über seine engere Heimat hinaus viel zu wenig! gewürdigte Carl La fite, die gmrze unendliche Romantik des vor märzlichen Bieder- und Liedermeiers Franzi Schubert dem wv- nig dramatischen, aber durchaus liebenswürdigm Texte zugrunde gelegt. Es ist unter seiner feinen, sorgsamen Hand eine Partitur entstanden, die ein Juwel von echtestem Glanze wurde. Inhaltlich ist diese neue Schubert-Operette eine anmutig-harmlose, wenn/ anch ein tvenig gewaltsame Fortsetzmrg der Veinen Herzensnöte aus dem Dreimäderlhaus. In das Bicdermeiertum hallen die grellen Lichter deS aufdämmernden Jahres 1848. Die Nraufsüh- rung fand bei hinreißender Darstellung — insbesondere des Frl. Rainer, die das Honnerl imng und lebendig spielte — einem Erfolg, der das unverwüstliche Dveimäderlhaus iwch übertteffen, dürfte.
— Die Schenkung der Sammlungen Pierpont MvrganS an das Metropolitan Museum in Neu- York. Ueber die drahtlich bereits kirrz gemeldete Schentluna der Sammlungen des verstorbenen Pierpont Morgan an das Metropolitan Museum in Neupork liegen letzt nähere Mitteilungen vor. Emm er h-hlich ^ DG der von sqmem Bat« sesammctten
schätze, ivid zwar darunter die lalleckostbarsten, hat der jüngere Pierpont Morgan freilich bereits versilbert: dennoch sind die jetzt dem Neuhmcker Museum überwiesenen Srmmlnngen immer nöckr von außcvordentlick.'em Werte. Ihr Umfang unrd daraus ersichtlich, daß sie mein' als 3000 Stticke irmfassen: ja. wenn man die Num7n>ern der von Pierpont Rdorgan erN'orbcnen Sammlung Gröan antiker Glas- und Töpfereierzeugnisse hinzureä>- net. so steigt die Zahl der dttrmmeru sogar noch nur iveitere 4500, die allerdings große,rteils nur Sckverbrn, sind, Ter Oststdwert Schenkung wird ans nnndestens 30 Millionen Mark berechnet. Mas ihren Inhalt betrifft, so sind wohl vor allem oie Pracht^ vollen Gruppen der bpzmttinisck'-en und mittelalterlichen Email- und Glfeubeinarbeiten zu nennen, die die vorzüglichen Samm- lungeii Sverrigorodski und Höntschel in sch schließen. Dieser Teil der Sammlungen ist so bedeutend, daß er dem Neuvorker Museum fortab eine fiihrende Stell,mg auf diesem Geviete sichert. In den Besitz des Museums sind ferner übergcgangeu die Sammlungen von Uhren. Tabaksdosen usw,. von Renaissauceschmuck. mnorvingi- schen und germanischen Altertümern, italienischen und >mm- kchen Emaillen, Glaserz-eugnissen der Renaissance, Töpfereien ans der Zeit Heinrich II. mm Frankreftiv die Le Breton-Sammlung Roumier Fa Pen c oArb«' ü cn, sowie eine reich? Zahl ll einer mittel« elterlicher und Reuaissano^-Bildn-ercke. Äuft> unter den Gemälde,» befinden sch ausgezeichEr Stücke. o&Qlent gerade diese Grupp- der Morgauschen Sammlungen durch Verkauf schon stark ge lchtet worden ist. Das Rdrsenm erlstelt u. a. Metsus kösUichic „Besuch in der Kinderstube^ van der Weydens .^Verkündi
gung", acht dekorative Panele von Hubert Rollert, das Triptpchm von Ludger tom Rmg, das den segnenden Christus unup'ben von der Familie des Stifters darstellt, die Skiz-ze der heiligen There'e von Rnbens, den Bocket von turn Eyck ein reizendes Bild tvn dem Venezianer Longbi Im ganzen bettägt die Zahl der dem Museum überwiesenen Gemälde drei sag.


