Nr. 35 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Montag, U. Februar (9(8
Ans Stadt ttnfc Cnnft.
Gießen, .beit 11. Februar 1918.
** Amtliche Personalnachrichten. Der Großherzvg empfing zum Vortrag den Staats mini-: er Dr. v.Etvald, den Minister des Innern Dr. von Hombergk zu Vach, den Vorstand des Kabinetts Wirkt. Geheimrat Römheld: außerdem den Kommerzienrat Karl tarn Opel und den Pfarrer Memm-ert. — Der Großherzog hat ain 30. Januar den Direktor der Realschule zu Lauter dach, Heinrich Formes, aus sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treu ge- Icifbcten Dienste mit Wirkung vom 1. April 1918 in den Ruhestand versetzt lrnb aus diesen: Aichas; die .'Leone ?>uin Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehe::.
** Eine hessische Juwelen- und Goldwoche soll toiie uns mitgcteilt wird, vom 17. bis 24. Februar veranstaltet werden, und zwar in Gemeinschaft mit Baden, Württemberg und der bayerischen Pfalz. Es kann:mr wiederholt aus die Notwendigkeit der Abgabe von Goldsachen hingewiesen werden. Der Goldbestand der Reichsbank must gesteigert werden und Nur brauchen bares Gold zur Bezalchung der ausländischen Lieferungen. Gebt das Gold dein Vaterlandc!
** Zur Schweinehaltung T-er Reichstagkabgeordnrie Behren statte sich sriircrzrit an den Staatssekretär des Kri.-gL- ernälwungsamtcs mit dein Ersuchen gewannt, die Aufzucht von Ferkeln für dst Hausschlachtung zu gestatten. Daraus erh'elt der Abgeordnete Behrens vom Kriegsernährungsautt jetzt die Mitteilung, daß seinen: Wunsche, in der mir Veranlassung des Staatssekretärs vom '.Kren Fischen Landes'! ei schämt he rausgc geben en Verfügung vom' 14. Januar 1918, Rechnung getragen sei. Diele sicht vor, daß vpn der Enteignung ausgenommen sind: „Ferkel, di bereits für die Hansschlachtuug in: nächsten Winter anaestellt sind, ftnd Läufer, die ebenfalls für die Hansschlachtungg in: nächsten Winter äugest eilt wurden, fa'ern sie ein Lebendgeivich! von 25 Kilo grmnm noch nicht erreicht haben und der Nachtveis geführt- ivi-ch, daß unsreickeudes zulässiges Futter (so insbesondere auch Abälle von Haushalten, Schlachthöfen usw.st zu ihrer Dnrchhaltimg Vorhand«: sttrd."
** D i e Friedhöfe ftnb in der Zeit vom 16. Februar bis 15. März 1918 von 8 Uhr morgens his 6 Uhr abends geöffnet
** Ukrainer- Kon ze r t. In dem am 17. Februar in der neu«: Aula 'cor Universität ran dein ukrainischen Muttk verein „Lysstnko" veranstalteten Konzert merbcn: in er'ter Linie ukrainische Kompo-ü^im, vor allen: auch Lh^e tto, dessen Name der Verein trägt, zu Wort konmten. Alte Heldenlieder, sowie sonstige Lyrik sind in dem Pvogranrm zum Vortrag vorgesehen und als Solisten hervorragend bewührie Herren Ifaben ihre Mitwirkung zugesagt. Von besonderem Interesse wird es sein z>: hören, daß auch das ukrainische Natronalinstrument, die „Band"ra", riu.c Art MmÄoliue, zu Gehör kommen wird, wie auch sämtliche Künstler in ihren: ukrainischen Nationaliaseünl erich in«: werden. So verspricht das Konzert ein eigenartiger :rnd doch mit Rücksicht auf las Programm im besten Sttrn edler Genuß zu Ivecdcn.
** S t a d t t h c a t e r. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß die heutige Aufführung der Stücklcuschm Komödie „Die Straße nach Steinay ch" als 14. Denstag-^lbvnnementsvorstelluns? tzahlt. — Die 15. und letzte Dienstag Äbonuementsvorstellung :mrd <tm_ Mvntag den 18. Februar gegelven mrd bringt E. v. Wolzogens Lustspiel „Ein unbeschriebenes Blatllü Die 15. Freitags-Akonne- mentsvorstÄürng, .in der/Othello" wicker^ll wird, ist; für Samstag den 2. Marz vorgesehen. Auch zur Verwendung von Gutscheinen sott noch besondere Gelegenheit geboten werden und es werden oeshalb bei der Ausführung von „Colberg" am 16. Februar und bei der Aufführung von „Der Raub der Sabine rinnen", am 17. Februar nachmittags Gutscheine angenommen.
** ©d)aben feuct. Zu unserem Bericht über das in der Hvfveite des Heinrich Noll VII wird uns mitgeteilt, daß es sich bei den: abgebrannten Gebäude um ein neueres, vor 8 Jahren errichtetes Bauwerk handelt, das auch mit elektrischer Beleuchtung versehen ,oar. Die Räumlichkeiten dienten ausschließlich zur Lagerung von .Heu und Stroh und zum Unterstellen von landwrrtschastlichen Geräten. Der Abstand von den Nebengebänden betrug 4 Nieter.
** Gesellschaft zur Errichtung eines deutsch en Erf:nduugs:nstituts. Zu dem Berückt in Nr. .33 des Gretzerec Auz-ttg.rs ist nachzutragen, daß der Schatzmeister der Gesellschaft Herr Geheimer Kommerzienrat Heichelheim ist.
Der fe» GolSstlMuck M &m
Die CBoldanfauffteOe
fn den Räumen der vezirlslpattaffe Gie'gen ist moroen nachmittag von 2 bis 4 Uhr geöffnet!
Landkreis Gießen.
02 ,„ ** Climbach, 10. Fe.br. Unser langjähriges Ortsobe: Haupt, Burgermeuter Stern, feierte seinen 70. Geburtstag. Seit 1883 stieht er unserer Geiueinde vor.
** Inheiden, 10. Febr. Musketier Hermann Koch wurde mrt oem Eisernen Kw«cz und der Hessischen Tapferkcitsmcdaille ^bgezcichnet. Koch steht sck-ou seit 1914 im Felde. Der seit 20. November vermißte Unteroffizier Karl Böcker befindet sich m englischer Gefangenschaft.
Grünberg, 11. Febr. Auf dem Bahnhof faste die Po- W rinck: M'auu aus Köln und eine Frau aus Frankfurt ab, die 140 Pfnnd Mehl, 12 Pfund Grieß uird 55 Eier in ihre Heimat ldjrmi{focht wollten.
ia. Laute r, 10. Febr. Dem Gardist Albert R e i tz wurde das HesjUchc KstncgScbrenzeichen in Eisen verliehen.
Lich. 10. Februar. Landsturmmann Kreisftrastenmeifter Herr mann erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
Kreis Alsfeld.
N M aulbach. 10. Febr. Dem hiesigen töemcinderechner Johs. Kaspar Becker wurde das Kriegschrenzeichen verliehen.
Starkenburg und Rlieinhesfan.
I Tarmftadt, 10. Febr. Donnerstag nacht um te12 Uhr wurden^ mehrere Hundert Austausch gegangene auf dem hiesigen Bahi:l)of verpflegt, wozu das Grostherzogspaar erschi nen war. Die Großherz-gin verteilte Blumen und Liebesgaben. Beide Herrscha ten unterlstelten sich aufs freundlichste mit den Austausch- gefangenen, unter denen auch viele Hessen war m. Einer von ihnen brachte ein Hoch auf das Großherzog paar aus.
I Tarmftadt, 10. Febr. D:e Tarrngädter Volks bank wird am 28. Febr. ihre (feeralö/tfaninthmg ab halten. Ter Rerngirwinn beträgt 182000 Mark. Es wird vor geschlagen, eilte Dividende von 6 Prozent zu verteilen. Direktor Roll sicht s:ch genötigt, Wege: eines schvecen Augenleidens zurückzutreten. — Im Monat Januar übertrafm bei bn städtischen Sparkas'e die Einlagen l2 786 000 Mark die Abhebungen (730 000 Mk.) um 2 055 000 Mark. In: gleich".: Monat des Vorjahres betrrrg der Einnahme-Ueberschust 1001 000 Mark.
Heiie»-Nassau.
mr. Frankfurt a. M., 10. Febr. Dieser TaM weilten Vertreter der freien Stadt Hamburg in Frankfurt a. M., um die Eirrrichttrng des Hand:oe. ksamles keirnen zu lernen. Hamburg plant ebenfalls die Errichtung eines Handwerks- amtes nach Frankfurter Muster.
X Gelnhausen, 10 Febr. Im Hinblick auf die in verschiedenen Teilen des Kreises zur Gewohrch it grwTrdeue Abgabe von Eiern zur O'e-eit, und zioar sowohl an Pfarrer und Lebrer als auch an P-: e lut. ec, Dienstboten usw., toird vom Vorsitzenden des Kreisausfckmsses im dringliche-n Interesse der allgemeinen Bolksernahrung die Erivartung ausgosprochen, aast alle derartigen Abgalian für die Dauer t es Bestehens der kriegswirtschaftlichen Maßnahmen unterbleiben und das; etwaige zu Recht bes 1 eher:de Anspruch? in Oseldwert erfüllt werden.
st M a r b u r g, 10. Febr. In Caldern im hiesigen Kreise traf ein I4jährig-r Landwirtssol/n beim Spielen mit einem Revolver seine jüngere Schwester so unglücklich, daß diese starb. Wegen fahrlässiger Tötung angettagt, wurde der Junge $it 3 Tckgrn u:ü> sein Vater, weil er die geladene Schastivaffe im unverschlosfenenj Schranke aufbewahrt hatte, zu 8 Tagen Ölefängans verurteilt.
--- N i e d e r 1 a h n ft e i n, 10. Fobr. In der Nähe des Bahnhofs entgleisten von einem Güteczuge n:ehre-e Wagen und stürzten um. Es entstrand dadurch eine mehrstündige Betriebsstörung auf der "trecke.
st Aus Kurhessen, 10. Febr. Die Gemciirdeobstverkäufe brachten den 22 Landkreisen .Kurhessens insgesaint 1 809 051 Mark ein gegen 537 965 Mark im Jahre 1916.
Anslall, Ivo hl die erste ihve^r Art in Japtan, so! t zwei Mteilungen erhärten, erw., die der P./osik, ch:e, die der Chemie geividmet ist. Japanische Gelehrte faltet darin forschm. auch fall es der Industrie und der Technik freiftelwn, dort Untersucht mgert ausführen zu lasjen.^ Tie Anstatt wird Veröfseittlick-.mger: herausgeben, die fortlau send über die in ihr ausgefführte: Arbeiten berichten. Der Ausschuß, den: die Einrichtung der wissenschaftlichen Forschungs-i >ar:stalt anvertraut ist, hat in einem vorlänfigen Bericht verötfentlicht, in dein er die Zwecke der Anstalt auseilt- andersetzt und unter anderem angibt, mttches die Gründe zu ihrer Lchafsung gewesen sind. Ausdrücklich tmrd ansgeführt, daß dir Jaro^r neuerdings zwar alle Fortschritte der west!i-cl/ui Kulturvölker verfalgt und nach K'räpen mit ihn eit Schritt gehalten l-abeu, daß aber in^Japan selbst auf dein der Wissmschaft
wie auf l^m der Teckriik nnr ivcuiae Fortschritte gemacht sind. Zn der er folg reichen Nacha Hutung anJerrr Völler fall :tiut tu der Physikattsch-chennschen Forschrmgranstalt die eigene Forschung und Erfindung kommen, bu bcfanders der japanisch n Technik und Industrie zugute konuneu fallen. Allem Anschnne nach habeit den Japanern die deutschen Kaiser-Wilhelnr-Jnstitute für Forschutgen cmf verschiedenen Gebieten der W-tssenschart vorgeichivebt. Wiürer einmal haben sie sich als — recket gelehrig gezeigt.
SpteTpIan des Kiehener Ztadttheater;.
Mmttag 11. Febr., 7^: 6>ew. Pr. ferm.V Neuheit! 14. Dii-ns- tag-Abonnem -Vorst. „Die Straße nach Steinaych". Freitag 15., Opcrit-Gastspiet. „Der Barbier von Swllla". Sanistag 16, 7V 2 : Allster 'Abmrnem. Mathi^-n Pfeil, vom Sch mstellb Frki. a. M' als Gast. „Colberg" Sonntag 17., 3V-: 5N. Pr. „Der Raub der Sabrnertnnen" l\/ 2 : Gew Pr. „Sah ell: Knab' ein Röslei:: stehn". Montag 16., 7\ 2 : Gew Pr (erm.). 15. Dienstag-Abonnem.-Vorst. Ein unbeschriebenes Blatt".
Ge«'rcL)rs?acrL.
I D a r m ü a dt, 10. Febr. Ein 23jähriger Kriegsinvalide von hier, der im Felde Ämn: Ahnt verlorm hat, erbrach b& Behälmiffe eines im Felde 'stehenden Vaters und seiner Geschwister und stahl verschiede ne Gegenstände, darunter die T<rpfarkeitsmcdlnlle seines Bruders. Seine Angehörigen steHwn Strafantrag. Unter Einrechnung einer m Karlsruhe zuerkamtten Strafe wurde er zu 1 Jahr 5 Monate:: 0)efä::gnis vertlrteilt.
Dcrmijcftkf,
* Die 'Gründung einer Wissenschaftlichen Forschun^sanstalt in Tvkiv. In Japan soll demnächst eine große wtsfanschafrliche Forsch'.mgsanstult errichtet rverLeu. Die dazu iwtigen bedeutenden Sunlmiut sind bereits vorhanden: zivei Millionei: Peu hat der Staat bewilligt, eine Million har der Kaiser tjefniftet mch vollere zwei Millionen sind durch Sammlungen im Kreist Nw-hlhabender Japaner zusatnmengrbrachj >vorder:. Die
Letzte Rachrichlen.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 11. Febniar (Amtlich.)
W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
HeereSgruppeKronprinzRupp recht.
Erkundungsvorstößc der Engländer an vielen Stelfatt der Front in Flandern und im Artois führten namentlich tzei Marneton und östlich von Armentieres zu heftigen Kämpfen. Wir machten dabei Gefangene.
Heeresgruppe Herzog Alb recht.
An der Lothringischen Front und in den mittleren Vogesen lebte dir Gefachtstätrgkrit am Nachmittage auf.
Eigme Erkundungen südlich von Embermcnil, bei Se- rwnes und am Buchenkvpf brachten Gefangene ein.
Italienische Front.
Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden lebhafte Av- tillerietätigkeit.
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalquarttermeifter L u d e n d o r f f.
Die Stimmung in Bulgarien.
Sofia. 10. Febr. In den breiten Schichten btx Bevöl-, kernng hat die hente vormittag mitgrsteitte Nacttcicht von der Unterzeichnung des Friedensvertrages nrit der Ukraine eine begeisterte Aufnahme gefunden, wie es nach dem bereits erfolgten Umschlwmg der Stfmpathien für die Bolschewiki :md TroAi zu erwarten war. Man beglückwünschte sich auf den Straßen und in den föiftecf) entfern und besprach eifrig die Folgen, diq dieses Ereignis voraussichtlich für Rumänien und für das übrige Rußland nach sich ziehen werde.
Schwedischr Stimmen.
Stockholm, 10. Febr. Die Beirrieilung des mit tirr Ukraine abgesch^osso::en Friedensvertrages in Schweden ist insofern von besondere::: Interesse, als nicht mrr die rechts stehenden Blätter, die den Bierbund stets mit einen: gennssen Wobtivvllc:^ behartdelten, sondern auch die links steheitden Blätter, die doch für den Biervund nicht gerade sonderlich viel übrig haben, rück-) haltslos die hohe Bedeuttu:g des abgeschlossenen Sonderfriedens» für Deutichlmrd und feilte Verbündeten anerkennen.
Dtt Ukraine als Vorratskammer.
Berlin, 11. Febr. Ter „Berliner Lokalanzeiger"' berichtet ans Budapest, „Kileti Erteritoe" meldet: Tie neue Repu- blik Ukraine, die mit den Zentralmächten den Frieden abgeschlossen hat. verfügt zurzeit noch über große Al engen Kreide. Ms Wyrube, der Sekretär des ukrainischen Berinlegungsmini- steriums, in: vorigen Mormt in Petersburg ivrilte, habe er dort mitgetrilt, daß die Mrame der russische,: Regierung um einen acnnsstn Preis 80 Millionen Pud Getreide überlassen kmur. Auch fallen in der Ukraine noch! Getreideüberschüsse aus den Ernten 1915 und 1916 vvrlianden sein.
Eine neue Schifferprililion ftlr Fim'.land.
Stockholm. 10. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) „Svenska Telegixrinbpran" meldet: Sonntag geht eine neue Hilfs- erpedition nach Finnland zur Abholung der dort weilenden Schweden. Tie Erpedition besteht ans denselben Schisien, und unter derselben Führung ivie die erste.
Aufhelnmg der Speri-e der tzüländifch-u Kabel.
London, 10. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Reuter. AsntUch. Dir Sperre der l-olländisch^n Kabel ist vorlauftg mifgchoben ivoro-en.
<ßic{jciier Tkonzertverekrr.
Gießen, den 11. Februar 1918.
Klavierabend Max Bauers bedeutet immer ein musi- kalyches Ereigütis ersten Ranges. dRax Bauer bat allüberall seit Jahvei: seine Genteind«, und sie ist beständig in: Wach'er begriffen. Abseits ovn der großen Heerstraße des zünftiger: Brrtuo enöurns geht er unbeirrt semm Weg: allem äußeren Wesen ui der Kunst gründlich abhold, ist er in erster Linie :md um so mehr Mnnler, der aus Grund seines bis zur B o l l kv m m e n h e: t a u S g c r c i f- tenL>p:els Etndriicke von gvo-ßarttger Wirkung hervorzubrinaei: weiß. Nur ein paar Dalle — und alles steht im Banne feiner Persönl-.chkeit, die an Großzügigkeit der Auffassung und (Gestaltungskraft wie ^anch in liebevollem Versenken iit Stimmungen imb Serienzustände ihrcsgle ch-n: suck-t. Söller: wir n«>te eine ^stondere Seite Zeines Spiels hervorhebei:, so ist cs vielleicht die Kunst des Uebergangs, die er in geradezu hervorragende'- Weise se:n eigen nännm dach, des Nebergangs nicht nur in hnr- mvnisch mod-Uilatorischer Veziehnng — wo er natürlich imincr afa absvlnte Klarheit bedacht ist — sondern vor allem auch da, wo rin Ltmnniingsmechfri, eine Wandlirng im Elxtrakter vorgettageuen r^S!§!r- Erliegt: hier zeigt sich die kongenial nachfaxgiend.? leriGLst Paicers wohl am cui^nfällichtait: wenige verstehen so wie er. zwischen den Zeilen zu lesen, Dcnge, die g mr den .sbo:n- ponpten unaussprechbar sind, mit sick-erem Takt h r.mez'n'inden und dem Dorer völlig glaubhaft zu übernrittrin.
« gestrigen Klavieral'Ätd leitete der Künstler ein mit
W&Jb* chrmnattsck/er Fantasie und Fuge T-Moll. Es ist über- K ^^^clxrvrdentlick modenl uns dieses Werk anmuret. als halte tt-act) bereits die Vollkomurenheit des modernen Wnzcrt- fa ge'.'onltig sind die AuSntastc, so unendlich rftd-te Allisornckskraft dic.es Werkes, dem aus den übrigen Klaoier- wechen Bachs nur noch das Wohltemporiertc Klavier und einige der engl:sck.en pullen m: die Seite zu stellen siitd. Hervor^:heben cvälc r5 C Y = , 5t'^n!et,:erlite Wieurgäbe des rezilattvisch gehaltenen Smluifa, der nantasie : die nachfolgettde Fuge lvurde mit beivlkßtcr m:sangtto?er .Iteerve im Xnaramiiicf^en sehr klar vorgetragen und gegen schlug zu mächtiger Strigerirng enttrickelt.
Beethovens Rondo op. 51 Nr. 2 zeigte dam: vor allem
dar Musiker der Klciukirnst. Es war eine Lust, zu sehen, wie hier alles, Technik, Dynamik, Rhythmik. Phrasierung und nicht zuletzt auch der sangbare Vortrng der Melodie selbst sich lute in einem Brennpunkt vereinigte,:, um der zugrunde liegende voel:scs-cn Idee zu klarem Ausdruck zu verhelfen. — Und nun Schubert.' Damit war der Künstler mit vollen Segeln ins Fahrwasser der Jtomanük ringebogen. Wir leben in einer Zeit des Ersatzes und der BezitgKscyrine. Da ist es doppelt wlllkommen, wem: uns mal wieder jemand einen echten Sämbert vorsetzt. — ein Vorzug, den die Musik auch in den jetzigen Kriegsläuften immerhin ruxh genießt, wenngleich die Preise der „Kriegsausgaben" unverbältnis^ mäßig hoch zu nennm sind. Der.Herr Verfasser des musikalischen Teils des „Dreimüderlhaus" wird es mir nicht verübeln, wenn ich behaupt^ daß der in diesem 'Stücke gebotene „Schubert-Ersatz" sich zu genannt Stellen bec A-Tnr-Sonate op. 120 verhält wie eine Tasse Kriegsko.ffae zu einer Tasse Mokka. Vielleicht haben aber derartige Stt'icke doch wenigstens das Gute, daß manck-er sich vielleicht veranlaßt fnhte: miefa recht eifrige Quellenstudien $1 treiben, um zu erkennen, wo all d:e schöner: Melodien eigentlich hex* stammen und
gl
das ganz, von: Zaurber der Romaitttk umflossene Capriccio H--Droll, das sehr geschmackvoll und innig gespiette Intermezzo AfaDur op. 118 9c.r 2 und das mit Ferrer vorgetragerre Erstlingswerk (das me OvusraM 4 kriegt): Scherzo Es-Möll. Mit stteh-t verlangte dep nach allen Nummern stark rinfetzende Beifall der sehr zahlreich cr-. ,a..enenen Zuhörerschaft iwel) eine Zugabe, die denn auch ,n Gestalt tum Mendelssohns einig jungen: Spinnerlnd bevritwilligst
erfolgte.
Tr. G. R?
^ , v . w . .eigentlich l-er^
linmmen und zu welchem Martyrrum sie infolge des ilmen auf- gepfropfter: Textes verurteilt sirch-, die jetzt schon seit beinahe Jahres
frist ganz Mitteleuropa in einen Tanmri der Begeisterung versetzt haben. - - Kommen auch die Sämlertschn: Sonaten den Beethoven- scheu mr E'eschlchsenheit des Anibatrs und Feinheit der Arckntektnr nicht gleich, so vermögen sie dock? diese Mängel rvettzumachen durch der: beitrickenden Reiz der in ihn'er: eittblltenen Mclodien, durch besonders gewablte, kühne .Harmonik und Modulation, durch aller hand sonstige echt Schubertfa-k ttcberrafchnngen. Neben da: beiden m A d.kLoll und der großen B-Dnr-Svnate verdiente ja eigentlich auch die iroch seltener gespielte in A-Dur op. 120 größere Beachtung seitens unserer Pianisten. Doch es ist nicht jedermanns Sackrc. Und Schubert verlangt einen Poeten am 8lavier! Herrn Bauers Wiedergabe war vollendet.
Die sehr schwierigen synwtnmisck^n Etüden Schumanns boten dann dem Krcktstler reichlich Gelegenheit zur Entfaltung einer alle Schunerigkeiten meisternden Technik und sprül enden pianistischen Temperaments, immer aber so, daß der seelische Gehalt und der wahrhaft orchestrale Bau des Ganzen aufs llarsve in die Ersck>einung traten. — Don Albend beschlossen drei B r a h m s s che Klavierstücke,
GNtz-ner Stadttheater.
Ein untztschrietzenes Blatt.
Lustspiel in drei Aufzügen von Ernst von Wolzvqen
abend: Ein unbeschriebenes Blatt von Wrizogen. f'l Direktion hat auf ein stark verblaßtes Stück zurückgegriffen wid llcrt un-o daisttt vor Algen gellchrt. daß unser Welt- und Lebensgefubl zur Dürftigkeit dieser Knust kein Verhältnis melw hat. ^.as nur fordern, sind Menschen in menscknumöglichen Silna- ttonen. Davon war m btefem Sttick nicht viel zu verspüren. Statt riesten: ^chlvankinotive ältester Fassung und eine Emae dr-'' ofaficht-'-- selds, die kern Witz überllcidcn konnte. Ten B<rckfischtYpns zu be- feeleli. der m die Mitte der .Handlnng gestellt ist, gab sich .velene ^ a Ui? * x T ^ Ilc ^ c Mühe. Luise D e l o s v a rvar eine oortresflicke „wohlkoniervtertri Mutter, iudesseu vermochte sie den Ueberganq von der Ichen-llufligen Witwe zur .^»elmülig entsagenden Mutter nickn recht glaubhaft zu mackwn. Karl Bvlck stellte den polternden Oberst mtt der Otevandtheit des geschulten Talents Iieraus Ter Fähnrich des Herrn Stein me per ließ die frischen Akzente und den vauch der Jugendlichkett vermissen. Der Professor Kurt W e n - zels streifte btc Ostenzen der Karikatur. Oskar Feige! spielte den altern Mann des Back'ischckwns. Vielerlei glückte ihm. doch hatte man ihm als Bewerber mehr Temix-rmnertt gewünscht Tie Wirtschafte rin. von Otl:l:e G , r a r d t dargestellt, und die Schn^stcr des Obersten l.Hermine W o s s: dl o taten ihr Bestes, d.n Schwank- Ngurcn des Autors Wirklichkritszüae :>: verleihen. Unter O-ttar Feigels Lritunq nmrde das Sttick in ttvttem Tempo gespielt und reichlich bcllMfcht.


