Nr. 306 Zweiter Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen) Montag. Z{ Dezember (9tf
Die Erfolge unserer Land- und Seemacht im Za'^re sys?.
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Wv das Auge im Anfang des Jalwes hinschaute, blickte es aus eine starte Front. Es galt nunmehr, mit aller, Kratt öem Kampfe der Engländer gegen lmjoce Joamcn und Ä'irabcr, dem 'W-ungerungskrieg der Entente, zu Selbe zu gehen. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg begawr. Nicht ungern riß sich Amerika die Ifträfc vvnl Gesicht: es Moll de ivoch rechtzeitig sich ein finden^, tüfliit dem itnifnolltcn deutschen Wild der Todes.^otz versetzt würde. Tos Porrnte nach Rechnung der Entente nidjit lange auf sich warten lassen, beim im Frühjahr 1917 nrußte die Sommeschlacht des Jahres 1916 durch beu Durchbruch und die Ausrollung der knutschen Front siegreich gekrönt werden, während gileichgeitig die russischen Ddassen m starker Offerisive die Oschmrl bekämpfen sollten und Italien in erfolgreicher Jsonzoofsensive sich zum xrrn der Adria machen würde.
Tie Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Kr ioges bot nun- mcht Amerika willkommenen Anlaß, uns den Krieg zu erklären und aus einem versteckten ein offener Feind zu lverden. Wir aber gewannen Klarheit über diesen wegen seines T-oppelgesichts bisher so gesährlichm Widersacher.
unsere Feinde holten an der Westfront zum Stoße aus, nach >-m sie in beispielloser Anhänftmg von Truppen und Kriegsgerät «h vre Mirgschaft ersvlgrcicl-en Angriffes gesckiaffen M haben glaubten. Ter >Ltvß traf ins Leere, Hindemburg hatte der ieind- ichen Lanze die Spitze abgebrochen, der Feinde Schwert schartig, ,emackK- Das Gebiet, in welchem der Stotz zur Geltung kommen ^ rillte, war geräumt, alle V Bereitungen des Fremdes waren um- onst. Ter meisterhafte Rück g Hrndenburgs im Gelände zwischen ArraS und der AiSne loarf ^ DiLpositionen der Entente übee den ')^fen. Ihre Pläne waren M^oeuzt, dec mit größter Krast- em^ttuin A w ährend des gta%e,i Winters porbweitete Gwßangrisf «l d er^ Lwmme unmöglich, gemacht; die Feinde mußten sich'auf nnrn Ätvß der Arrar, befchränNen. Tooyde.u sie ihre ganze versüg- dort ernsetzten, blieb ihnen auch an dieser Stelle der ch versagt. In meisterlxrsi biegsamer Ge.caltung imserer rütze^ .darren F-ront, wurde dtc Ueberlegenheit der Feinde an Truppen und Material ausgeglichen.
»'l- Franzoseri griffen an der Aisne und in der Champagne im F-richlähr mtt großen Kräften an. Ihre Verluste wai-en ent- sMchssnd den emge^tzten Truppenmassen ä?.rßerst schiver; sie wur- d« vermehrt durch die späteren vergeblichen Versuche, unser«
I ufer der Piave zu, vernichten so die Blüte des italienischen Heeres. Außer großen blutigen Verlusten müffcn die Italiener 'Lver 300 000 Gefangene in unseren Händen lassen. Aus unserer Rnesenbeute sei nur die stattliche Zahl von 3000 Geschützen erwälmt.
Faßt man die Ereignisse im Jahre 1917 zusammen, so stößt das Auge allenthalben aus Sieg und Erfolg Deutschlands und ferner Verbündeten. Die Waffenruhe der Ostfront hat dem Zweifrontenkrieg ein Ende bereitet. Die Einkreisung der Mittelmächte, auf der der Feldzugsplan der Entente beruhte, ist zertrümmert. Die ganze deutsche Kraft kanay für die feindliche Einheitsfront im Westen frei werden.
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Die deutsche Antwort auf Englands Ablehnung des deut Friedensangebotes war die Erklärung des uneingeschränkt ten U-Boot-Krieges am 1. Februar 19 t7, in dem nach langer sorgfältiger Prüfung Admiralstab und Oberste Heeresleitung das Mittel gefunden haben, um den Feind, besonders England, einem Frieden geneigt zu machen, wie wir ihn brauchen. Das End ergebnis des ersten Jahres hat die am Anfang gehegten Erivar tungen weit übertrofsen. Das erreichte durchschnittliche Monats^ ergebnis von 850 000 Tonnen überschreitet oen Voranschlag des Aomiralstabes für die Mf'angsmonate von 600 0000 Tonnen um mehr als zwei Fünftel. Vom 1. Januar bis 1. November sind, dre nachträglichen Meldungen von Schiffsversenkungen mit eingerechnet, 8 088 000 Br.-R.-T. versenkt. Rechnet man für die Monate November und Dezember nur die Zahl des Voranschlags, io ergibt sich eine Jahresbeute von rund 9.3 Millionen Br.-N.-T.. etwa ein Viertel der Welttonuage, oder fast das Doppelte der 5,5 Mill. Tonnen betragenden Tonnage der deutschen Handels flotte zu Beginn des Krieges.
Das scharfe Zugreifen hat aus unsere Feinde durchaus die erwartete Wirkung gehabt. Schiffsfrachten und Versicherungsprämien stiegen auf dem Frachtenmarkt der Welt zu so schwindelnder Höhe, daß Riesensummen aus englischer Tasche in die Taschen der neutralen Reeder flössen und daß die englisck-e Regierung, um der Ausbeutung des Landes durch die englischen, Reeder vorzubeugen, sich genötigt sah. den englischen Schiffsverkehr zum größten Teil in ihre Hand zu nehmen. Weiter beirrte der U-Boot-Krieg eine starke Verteuerung und sogar teil- wseise Mangel aller überseeischen Zufuhren, die zur Stillegung zahlreicher Industrien und zu steigenden Ernährungsschwierig keilen besonders in Eirgland geführt hat.
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Front bei Verdun und am Damemoeg zu durchbrechen.
In Rußland reifte unterdessen die Saat unserer Siege des IahE 1915, unserer siegreichen Abwehr des Jahres 1916. Volk und Heer waren unter dem Dvucte der dauernden Niederlagen krugsmüde geworden. Tie Frieden Sehnsucht gewami das Ohr .^3 Zaren.
Die Entente mußte der dadurch ermöglichten Spranoung des um du Mittelmächte geloben eisernen RiivgcS Vorbeugen Sie chürtc die Erhebung des Volkes gegen den Zaren. Ter Zarismus '« hinweggefegt. Ten Verführun^künsten der Entente gelang es, die neuen Führer des Volkes zu umgarnen und Idußland ns ch emmal zu Blmopfnn aufzupeitsch.-n. Brussilow treibt das russische 'Heer zuni Eingriff, blutig wird es von unseren tapferen Truppen zu Paaren getrieben, wir stoßen ihm nach und vertreiben es aus fernem letzten Fanstpfaudgebiete. In StaniÄau, Tar- uvMl und Ezernowitz halten die Heere der Verbündeten sieg-, mchm Einzug. Die Mittelmächte liaben hiermit de.i Ring der p migesägt, daß seine fpätere Sprengung möglich wurde. Tie U-Eovte haben inzwischen vom Februar an uuermüdlich Mid unerbittlich Englands stolzen Schiffsraum imü' den ihm dienstbaren auf den Boden des Ädeeres versenkt, allen Abwehr- Maßnahmen Lllbions zum Trotz.
Es gcklt daher, das zur See irnüberlvinbliche U-B«oot vom, Lwche aus zu treffen. Das englische Heer sollte die Rutschen) U-Boote m chren Werften und Stützpurckten an der Nordseeküste auftuchen. Ter Kampf um Flmidern begann. Mit größter Han- Eigkeit tobte er vvm Sommer ab, überdauerte den Herbst wid Saute erst im November ab.
Tie Größe der feindlichen Kräfteentfaltung gegen unsere stolze 4. Armee steht rn der GesckMhte unerreicht da. Was die Feinde au Toppen, Mi Geschützen, an Munition, an Tanks, Mi Luftstteit- krüften verftmbar machen Sonnten, warfen sie uns in Flanderiö entgegen. Wüst brüllten Tag intö Nacht die schloersten Gesächtzc rmablässrg bellten die kleinen Kanonen, krachend barst Mine auf 'Kuif; englische Hauftm tvnrden unaufhörlich gegen unsere Helder: vorgetrieben.
^ Un d was erreiche der Feind? Zwar gelang es ihm, an. ver- x&fiKncn stellen des flandrischen Kampfge!arides unsere Front enwröcfen. Der Durchbruch der Front »mrdc ihrri venvehrt. T« mften und Stützpunkte unserer U-Boc-.te sind ihm heute rwch evQiso verschlossen wie vor einen! Jahre. Gegenüber den rmvnn Anstrengungen der Engländer verdienen die heroischen LEi unterer Aanderrckämpser die Ehrfurch des ganzen Vater- «noes. — Wrr haben in Flmidern gesiegt! w «cfcntgt» Ä« Niüwrlage in Flandern verbuchen
m« Engländer am 20. November bei Cambrai den Durchbruch unserer Front durch einen großen Uebermsch.ingsvorstoß zu er- Men. Wiederum kam es nur zu ein:w Erubeulurrg unserer ^tnn. trotzdem em Hser von Tackks, gewaltige Geschütz- und rruppwnmiien das Rüstzeug für den Angriff waren. Aber auch Einbeulung der Front wird :mvetzüglich> uüeder au^ge- scharfen! örtlichen Gegenstoß der ?lnfangsenolg oer Engländer tn eme schoere Niederlage verwandelt. Unsere Triipf^ii tragen ihre Linien weit über die ursprüng- feindliche Ltelümg vor, machen über 9000 Engländer zu Gefangenen, vernichten über 100 Tanks, erbeirten eine außer- 3 to&e Anzahl von Geschützen ,rnd Maschinengewehren. Während nvch^dre FlandmMmpfe tobten, linkten fiegreick>e «rstoße unserer Streitkrafte im Osterr Riga und Jaeobftadt er- N?' ui«' « Espicitzin Zusammenwirken mit der Kriegs- ..Oesel, Dago und Moon genonnnen. Daraufhin fi ^ r Entente verfülwten
herern. Das Volk erhebt sich und nimmt ^vck die Parta der Maxinmlriten dre Zügel in die Hand, gibt -^renslk und Kornrlow den Laufpaß. Rußland bedarf des Frie- «A- EttzvAnS duvchdringt Rußlands Volk und Heer.
. n^und Tro^r, dre derzertiga;! Häupter der Bewegung, tragen °em^ritt chm Reich und fernen Verbündeten MaffensM'and an.
romanÄ^^^e'itegenosse. der im Dezember 1916 sich mit Frieden ^.^7'.übermüttgen Zurückweisung unseres
ÄNW £' Ä*“' &etüm lm « re 1917 die Kmft
ba"e Italien sich vergeblich ge. b£b« hÄS? 0 !? ^ Liegen und Triest zu erreiche... Miseren einsti^^-.^' '^^reiu mit unseren Verbündeten durchbrecht Bundesgenossen am Jsonzo. Wir
den Jsonzo bn* 1 ^ ^ j? 1 U-ttm Siegeslauf über
jsonzo, den Taglmmentv und die Lwenza auf das West-
Neben den Kämpfen mit der serndlichen Handelstonnage haden unsere U-Boote natürlich den Kampf gegen die feindlichen- Kriegsschiffe nicht vergessen und neben einer Reihe kleinerer Seestrettkrafte das englische Linienschiff „Cornwallis" und das, lranzoftsche Großkampsfchiff „Danton" versenkt, während der fran-^ zosriiuw Panzerkreuzer „Kleber" einer von uns gelegten Mine zum Opfer gefallen ist schließlich sei auch noch der Hilfe gedacht, die unsere U-Boote den in Paläftina kämpfenden osmanischen Toppen gegen die ftc vom Meer aus beschießenden feindlichen Schisse geleistet haben.
Neben .dem U-Boot-Krieg hat im letzteil Jahre die Hochsee- Uotte k wtz der plauzenden Unternehmung gegen die baltischen Jnfelu und verfchredeuer kecker Vorstöße gegen die englische Mste mehr rm stillen gewirkt. In erster Linie dadurch, daß sie den U-Booten die Erfüllung ihrer Aufgabe ermöglichte. Unter ihrem Schutze haben währeiid des ganzen Jahres unsere Minensuch- mrd Naum-Flo.illen m schwerer gefahrvoller Arbeit die Ausfahrtsweqe unserer U-Boote frei von ?Mnen gel-alten, die die Errgländer ihnen stete, von neuem zu sperreii suchten. So haben die Ligländer im Laufe des Jahres in einem weiten llmkreist um di.e .-oelgolcnider Bucht zahlreick-e Minen gelegt, fc-te Limfereii U-Booten bei der
(Y verhängnisvoll geworden wären, wenn sie nicht
rechtzeitig entdeckt Mid beieitigt wordeii wären.
. Ter äußere Glanzpunkt in der stillen entsagungsvollen Arbeit unserer flotte rm abgelaufenen Jiahre ivar die in glänzende- Zuiammenarbeit mit der Armee durchgMhrte. noch in aller Er- nmerung lebende Unternehmung gegen die baltisck^if Inseln, die erneut die Mckwendigkeit des Mittzes jeder Atet von Ueberwasser- strert kr asten bermes, ohne die die Aufgabe nicht ,zm kosen gewesen Ware. Schließlich sei unter Len Daten der Flotte auch uock'i des dauernden Schutzes unserer Landfront gegen eine Flantenbedrohung von der See aus und der.Wiederkehr der „Möve" von ihrer zweiten Kreuzerfahrt rm Atlaiilfschen Ozean gedacht, bei der ihr 27 Schiffe mit 123 000, Donnen zum Opfer gefallen sind.
Hat uns das Iühr 1917 auch Seine neue Skagerrakschlacht gebracht, so dürfen wrr doich auk das Wlirken der Flotte mü großer Befriedigung zurückfchauen. Vor allem darf man. damit rechnen, daß ver U-Boot-Krieg nach seinen bisherigen hoffnungsvollen;Anfängen du Erwartungen erfüllen wird, die man! mi Hüfang an auf ihn gesetzt hat, rmd unserm gefährlichsten Feind, au den das strategische Geme unserer Führer des Laiidkrieges nicfjtä herankann, zu einem sieben zwingen wird, wie er für Dmtsck-lanüS Zukunft, Sicherheit und Großmachtstellung iwtweridig ist.
Ein vild von der ßriedenrionferenz in vrest-Li owsk.
B rest-Litowsk, 24. Dez. Am Nachmittag deS 22 De- zember ist die Fri^enskonferenz von Drest-Litowsk feierlich eröfs- Abend vorher trafen die dentsche und die bulgarische,Telegatiori ern, dre Vertreter Oesterrnch-Uaigarns und der KE ^waren schon vor^r angelangt, und unmittelbar nach dem Eintreffen deutschen Sonderzuges fand die erste BegeMMng der
tva ^ sich, einer Einladung des Ober- fotfferri), tm Drester Militärkasino. Der kurze Weg vom Bahnhof zum Barackmlaaer war schnell zurückgelegl ffufbreiten guten Wegen fuhr das Zluto durch das schneebedeckte Ue und Kronen der Alleebäume waren mit Rauhreis dick uberkrustet es war eme vollkommene Weihnachtelandschast
T« Vertreter der russischen Regierung befinden sich schon seit ^m Beginn der WasienfttllftMÜ)sverhandlungen lm deutschen ^ ^ iüar ein Augenblick von
hisiiinschen Interesse, als die deutsck-eri und russischen Unterhändler die ersten freundlichen Worte austauschteu Ob 'vohl emer der Beteiligten ,n künftigen Memoiren dieser ge-
Renten wrck? Prinz Leopold von Bayern war selbst zur Begrü- tzung der Gaste ms Lager gekommen, und wer ihn beim Gespräche konnte begriff aus den ersten Blick, wie das gütige und ritterliche Wiesen deö mrstlichen Heerführers ihm die allgemeine Berehrung ferner Armee erworben hat. Natürlich überwoaen in ^..^lustren Gesellschaft, die in den beiden Empfangsckämneii des Kasinos versammelt war die Uniformen Von den anwesenden a r v7rv c eraI boffmann die Ausinerksamkeit aus sich, der dre WassenstillftandÄoerhandlungen geführt hat. Aus einem Sofa plauderte Herr von Kühl mann mit dem Grafen Czernin Mit ^fviteerein Jwereffe suchte man die russischen Vertreter Tort stand em Wnnral. der zum Zeichen seiner re^uttonären Gefmuung alle Rangabzeichen und Orden abtzelegt hatte, außer ^
einer goldenen Kette, die er über der Brust trug. Eine schlanks hochgewachsene Erscheinung mit einem schwarzlockigen Poetenkopfe fiel auf, c^r d« Dreißig nock^ nichs; chbeeHch.ütten l-aben konnte: vep Ukrainer Lublinski. Tie ukrainischen Abgeordneten waren in Brest eingetroffen. als toer Waffenstillstaiid schon geschloffen war; die übri- t^ii reisten wieder ab, und Herr Lublinski ist allein zurückgeblieben, um den Friedensverhandlungen beizmoohnen.
- ■ anderen äußeren Umständen spielt sich doch die
rZ-riedenSDnferenz ab, als man sich frül-er allgemein vvrgestellt hatte. L-chon den Ort der Handlung hätte man noch vor wenigoni Mo Men nvckst voraus,ehen können. So manche Stadt im neutralen Europa wünschte für sich den Ruhm und Pas gute Geschäft, dio Frlsdenskonserenz zu beherbergen. Was hatte man nicht alles U"er den ersehnten großen Kongreße fabultett! Bier oder fünf-, tauieiw Pev.onen würden die FrtedcnstÄegotionen samt ihren Vilfcarveitern und Bureau beamten mit den Journalisten und dem! gE.zen ^roß von nickstaintlichen Bepck-ern zählen, also eine gan^e ^^.Lbadt mußte für den Kongreß bergerich'et werden. Ein- r°c V 1 r in dem einiin ÜMide oder M.Badeort in einem anderen, vl-fb e-, sollte für das Friede s>.verk bwettgetellt werden, und noch mltteii im Kn-ge arbeitete rm \ die e.deiÄlch'ten Pläne und Vor- derertungen aus. Jetzt ist es keine Stadt, Indern das kleine Barackenlager von Bre.t-Litowsk, das die Fubedänslonserenz aus^ nimmt: nicht ein paar taufend, sondern rund etwa hundert Per- onen smd zugJgen, und keinem Hotel, keinem Hausbesitzer und ^"^rtsmann fallen die ersehnten Kongreßprofite m den ^.choß. Aus dem emfachw Grunde, weil sie hier alle nickst vor- banden srnd. D^mr die Stadt Brest-LitowÄ existiert nicht mehr, dre Rusien haben sie zerstört und die Einwohner vertrieben. (ZoU$ a L - ckmlager ist heute die Residenz der Diplomatie. Selbst rn emer Klemltedt waren die hundert Personen mit uer* Lechti^keit unterzubrinaen gewesen, aber in den Baracken, wo jeder ernzelne Muirm bereits seine BestLmmunA batte, war dre Aufgabe keine Klernirkeit. Indes hat die Milüär- verwaltung sie überaus rasch gelöst. Zuerst schien es, als ob tx ganze deutsche Delegation in dem Sonderzuge wohnen bleiben mußte, und ganz entbehrlich ist dies Hotel auf Rädern noch immer nicht, obwohl die meisten seiner früheren Insassen in > ten Baracken eme etwas biwakmäßige, aber ausreichende Unter-, Lmst gefunden haben. Ueber die Fürsorge, die die Militärveri
iiSL ^ Delegationen in, aller erdenklichen Weise .gewidmet yat, hört man nur eine Stimme dankbarer Anerkennung Die Gouv^nementsstraße könnte jetzt die Diplomatenstraße heißen. Die Delegationen der Verbündeten und der Russen wohnett wenige Schritte voneinander, nach Möglichkeit hat man jede JJWJton m einem eigenen Häuserblock untergebracht. Man speist m den beiden Milttärkasinos und ist dort auch des Abends bete lammen; m der Tctt gäbe es gar keine andere Gelegenheit, zu- sammenzukommen. In dem größeren der beiden Kasinos, da§ innerhalb des Kernwerkes liegt, wurde dieser Tage eine vorzügliche Kmovoritellung gegeben, lmd u. a. wurde der an Ort nnd Stelle angesertigte Film von deii Waffenstillstandsverhand^ vorgeführt Da man bei dem Eintreffen der diplomati-. alsbald viele militärische Pbotographckn an dep Atbeit sah. so darf man wohl bald auch eine Vorstellung über öenr Beginn der Friedensverhandlungeil erwarten. Alles ist hier sehck eng beiemander; rm ersten Stock des Kasinos sindet die historische Friedenskonferenz statt, und im Saale des Erdgeschosses wird der Film vorgeführt werden, der die Ankunft und die Bewegung gen der Bevollmächtigten in den Straßen der Barackenftadt zeigt.
Die letzten Verhandlungen.
Brest Litowsk, 28. Dez. (WTB. Nichtamllich.) Bei der lzeuttgen dritten und vor Eintritt in die vereinbarte Pause letzte» Plenar-Sitzimg führte der bulgarische Justizmini,ler Popow den Borsitz. Nach Eröffnung der Versammlung wies der Vorsitzen^ auf du Bedeuttmg der eingeleiteten Friedeiisoerhandlungen hin, welche dre Grundlage für eine (neue Ajwa in der Entwicklung des Völkern rechtes zu bilden verspräck-en.. Tier Menschheit habe den Telegationenj des Vierverbandes und jener Rußlands, ivelchckidas Rechtsgefühl des großen russisck-en Volles verkörpere, viel zu danken. Um diesem! Gedanken Ausdruck zu verleihen, übergab sodann Jüstizmrnister Popow den Vorsitz all den Führer der russischen Delegation. .Herr Josse, welckier hieraus das Präsidium übernahm, wies darauf hin, daß in der letzten Plenarversammlung beschossen worden sei, nach Besprechung einzelner spezieller Fragen zivischn den Bertreternf des Bierbundes und Rußlands' die nächste VL>llver1ammlung auf den 4. Januar n. St. feftzusetzen.
Sodann erbat Ibrahim H a k k i Pascha das Wort, um vor Eintritt in die kleine sechAtägige einige Worte an dte
Versammlung zu richten. Er wies darauf hin, daß sich die von ihm! bei Eröffnung der Konferenzen igeäußerte Htofftnung, das Werk bald einem befriedigenden Ende zugeführt zu sehen, nicht als zu kühn erwiese,!, habe. Nahczn -alle schvierigen Fragen, welche der dreieinhalbjährige Krieg aufgeworfen habe, seien besiloock-sn und geprüft worden. Man könne sagen, daß die Mehrzahl derselben heute auf dem Kfce feu einer praktischen Lösung sei. Ein sehr gutes Resultat sei mithin während der fechs-tägigen Verhandlungen! erzielt worden. Für dieses Crgebnig der Besiüechungen a-bühtet der russischen Delegation Dank, da sie während dec Verhani fangen viel Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und viel praktffchen Sinn gezeigt habe. Die russischen Herren Mtten bttviesen, daß sie auch gut« Diplomaten und gute Staatsmänner seien. Zum Schlüsse wünschte Hakti Pascha dm Herren der russischen Delegation eine glückliche Heimreise und schloß mit dem Wünsche auf ein glückliches Wieder-- ehen an dem vereinbarten kTage.
Der Führer der r u s s r s ch e n D e l e g a t i v n gab gleich- Ms der Ansicht Ausdruck, daß die begonnenen Verhandlungen ein guter Anfang seien Mid die Erwartung zuließen, daß der Der*
beerende Krieg ein baldiges Ende finden werde. In der letzt
beginnenden Pause, so sckstoß Lderr Jdffe, werden wir alle das!
Gefühl haben, daß hinter uns Millionen leidender Mensck>en stehen, die das Ende des .Krieges herbeisehnen. Das Bewußtsein dieses Verantwortlichkeit vor unseren Völkern, vor der Menschheit und vor der Geschichte gibt juns die Hsaffnung und die innere Kraft, den Weg zum allgemcsincn Frieden zu finden, in dieser Hoffnung erkläre ich die gege mvärtige Sitzung für geschlossen.
Aus Stadt und
Gießen, den 31. Dezember 1917.
Die tägliche Kopfration an Kart offeln beträgt ein Pfund?|
** Amtliche Personalnachrichten. Ter Großherz o g hat am 22. Tezemlver l. Js. dem Pfarrer August Memme r t zü Darmstadt, Vereiusgeisllicheu des Hessischen LandesrereinS ür Innere Mission, die evangelische Pfarrstelle zu Ober-Widdersheim übertragen.
** 2l u s z e i ch n ü n g. Tenr Garde-Füsilier Ernst I ä g e p wurde das Eiserne Kreuz zn^eiter Klasse verliekcn.
* Bef örderung. Unteroffizier Franz Ho rey seck, Inhaber des Cr fernen Kreuzes, wurde zum Offizier-Stellm-rtreter^
ördert.
c«-^?Estware. Das Lebensmittelamt teilt mit, daß mit Rücksicht aus die zahlreichm bereits vorliegenden Anträge auf Zuteilung von Tauernmre weitere Anträge in der Zeit vom 1 —5 Jg- nuar 1918 (einschließlich) nicht gestellt werden können. Von: 7 Ja- nuM ab ist die Stelllmg dieser Anteäge wiederum gebattet.
T ie S i r e n e n de r Feuerwehr werden Mitttvvch vormittag um' 10 Ufr probeweise in Betireb gesetzt. Es wird hiervon ^^En^ltegeben, um Jrrtümea- zu vermeiden.
Stiftung. Dem Hilfsverein für die Geisteskranken in Hessen siel ern Legat aus dem Nachlaß des kürzlich verstorbenent DrEn^sibers Ernst Windecker in Friedbierg in Höbe von 90 000 Mark zu. Es wird geplant, die hochherzige Spende unter dein Namen Ernst-Windecker-Stiftung" im Sinne des Tahin- gescknedenen künftighin besonder-S zu verwült-m und die Kapital-, ertragnlsse m erster Linie dem Zwecke der Aufllärung über Ur-- fachen und Verhütung der Geisteskrcnkhciten nützbar zu machen


