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22.12.1917 Erstes Blatt
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ffr, 5i| Zweücr Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesjen) Samstag, 22. Dezember M

Staatssekretär Vr. So!f über die Zuknns! Afrikas.

Berlin, 21. Tez. Ter Staatssekretär des Rnchs-Kolouial- anrts Tr. Solls hat Freitag abend imgro-ßen Saale der Phil- rmonie in Berlin vor eurem nach Tankenden zählenden, erle,cnen ublcküm einen Vortrag über die Zukunft Afrikas ge­halten. Er gnrg dar^xr aus, daß in allen Lagern der Kriegführen­den als letztes Kriegsziel die Erreichung eures dauerhaften Frie­dens bestell: nur sind die Meinungen üöer den Weg zu die, ein Ziele noch verschieden. Für Teutschand ivird die Sicherstellung feiner kolonialen Zukunft dabei eine große Nolle spielen. Tab pötnuiai? Problem ijt unlösbar, ivenn die Mächte an die Gefamt- prdnmug der Tinge mchk in »''nem Geiste herantrelen. der einen Frieden der geroch en Zufrisd-e "ttlluug schassen will. Tie Wieder- hnstellung des sratus quo an* ui Afrika t'aiui zu einer Beruhi­gung der internationalen Beziehungen auf kolonial er n Gebiete nicht füchren. Der status guo ante in Afrika bedeute! nicht eine Ver- teLuug nach Zweckmäßig'keitsgefichtsprmktQr, nicht eine Verteilung unter Berücksichtigung der Notwendigkeit und Fälligkeit der ein­zelnen Nationen zu kolonialer Betätigung, sondern beruht nur auf een "Zufälligkeiten, die 'aus tu« Jahrhunderte zurückliegenden von anderen Voraussetzungen getragenen Üt5o lo nialgeschiehtc oder ans der Unternehmungslust einzelner, tatkräftiger ^Männer ent- fmnden smB. Tiefe Zufallsentwicklung hat dazu geführt, daß vor dem Krieg Portugal, Belgien und Frankreich, in Afrika große tvliouiale Gebiete befaßen, ohne die wirtschaftliche und kulturelle Expanswkraft imd ohne den BevölkerungszuwachZ oder die finan­zielle Leistungsfähigkeit, die Voraussetzimg für die zuküirftige kolo­niale Mitarbeit m AfriZa sind. Auch England l-at sich in Afrika Gebiete ungeeignet, die bei Berücksichtigung seines ungeheuren Landbesitzes in anderer Erdteilen über sein wirtfch!astlick>es Be­dürfnis hinausgehen, während Teutschand, das infolge seiner Be­tz ^tt'eri mg szuu«ahme und industriellen Regsamkeit auf Kolonien «lkgewresen ist, auf erheblich fernere, verstreckt liegende Besitzungen beschränkt blieb. Dieses Mißverhältnis ijtuft ausgeglichen werden, wenn ein dauernder Friede aus der Grundlage gerechter Zufrieden- stollung erreicht werden soll.

Ter Staatssekretär lehrcke für die notwendige Neuregelung in Afrika ein Selbstbestimmungsrecht der schwarzen Nasse oder eine Jnternatioualisiermrg Afrikas ab nnd ver­langte eure Neuvertellrmg nach den dkkgielegten Gesichtspunkten. Tas Selbstbestimnnmgsrecht der schwarzen Rasse würde zu chaoti­schen Zuständen in Afrika führen. Ter Staatssekretär nahm den in dem WortSelbstdesttmmungsrecht" liegenden Gedanken aber in den: Snme an, daß den Eingeborenen einSelvstzweckreckAt" zuzustehen ist, daß sie nicht nur Mittel, sondern Selbstzweck der Soiönialen Betätigrmg sein müssen.

Voic den heute in England cun Ruder stehenden Kuock-Lut- Politikern allerdings kann eine Verständigung aus der dargelegten, gerechten Grundlage nicht erwartet werden. Tiefe Knock-out-Poli­tzer haben an Stelle der alten, bewährterk englischen Kolonial- Methoden ein System der .Eingebvrenenverhetzung und -mißharid- (ung, der Bergeweltigung des freien Handels, der Herabsetzung der iveißen Rasse vor den Schwarzen und der Militarisierung. Afrikas gesetzt, das für die weitere Entwicklung Afrikas verhäng­nisvoll sein muß. Ter Staatssekretär wies unter Ablehnung der gegenseitigen Greuel schnüffeln die englische Greuelpropaganda zu­rück, die, wie in Europa mit dem Borwurf der Leich,enverwerlung, so auch in Afrika mit bewußten Verleumdungen arbeitet. In unterrichteten, englischen Kvlvnialkreisen, in denen die deutschen Kolonialmethoden vor dem Kriege anerkannt wurden. wird dieser Verleumdungsfeldzug auch entsprechend beurteilt; diese Kreise sind im heutigen Englmrd aber mundtot gemacht. Wir haben eine Ab­

stimmung der SckMarzen in unseren afrikanischen Kolonien nicht so zu scheuen wie die Engländer in Ceylon, Ostindien und Singa- pore, wv wähveud des Krieges ein furchtbares Blutrcgiment an der Arbeit war. Tie zukünftige Zrrsammenarbeit in Afrika muß zu­rückgreifen auf die in .der Berliner Kongoakte niedergel egten Grundsätze der Handels- und Schiffahrtsfreiheit, der Bekämp­fung des Sklavenhandels und der Neutralisierung Afrikas. Wenn diese Grundsätze im Kriege zusamnrengebrochen sind, so ist die Schultz daran nur auf der Gegenseite, in erster Linie bei England zu suchen. Tiefe Grundsätze müssen vervollständigt werden durch Vereinbarungen über die Schaffung großer, gemeinschaftlicher Ver- kel/rsstraßcn und über die gemeinsame Bekämpfung von Volks- seulchek, wie z. B. der Schlafkrankheit. Deutschland wird sich einer internationalen Zusammenarbeit in diesem Sinne in Afrika nicht versagen.

Solange die jetzige Gesinnung in England aber anhält, bleibt die Hoffnung ans einen gemeinsamen Aufbau der kolonialen Zukunst eine Utopie. Tie verlorenen ideellen Werte in Afrika können nur wiedevgewonnen werden, wenn ein Um'chsvung in der Auffassung gemeinsamer kolonialer Aufgaben eiutritt. Tiefer Umschwung wird und muß anch in England kommen. Tenn die Knock-out-Poli­tiker können sich> nur unter einer Voraussetzung halten, daß sie nämlich ihr Versprechen erfüllen, uns militärisch nicderzurürgrn. und dem deutschen Volke einen englischen Frieden zu diktieren. Wenn diese englischen Illusionen zusammengebvochen sein werden, wird sich auch wieder die Aussicht auf eine Zusammenfassung der besten Kräfte Europas für eine glückliche Entwicklung Afrikas eröffnen.

Ans Stcrdt und CanB.

Gießen, den 22. Dezember 1917.

** Mil dernng des Urlaubs Verbotes über Weih­nachten. Für alle Familien, die ihren Ernährer im BesatzungS- heer haben, bedeutet eine neue Verfügung des Kriegsministeriums« eine, hübsche WeihnachtsÜberraschung. Nwch« einer Verfügung deS Kriegsministeriums wird das Urlaubsverbot für das BesatzungsHeer insoweit lgem.ildert, als es gestattet wird, verheiratete Ange­hörige des Besatzungsheeres für die Weihnachtszeit in begrenztem Maßx -zu beurlauben, lveun der Urlmrbsort nicht über 390 Kilo- ineter von der Garnison entfernt liegt. erster Linie werden solche Personen berücksichtigt, die in den letzten Jahren das Weih­nachtsfest nicht' bei ihren Angehörigen verleben konnten. Ilm eine plötzliche Belastung der Bahn zu vermeiden, erfolgt die Beurlaubung in zwei Raten. Ter erste Teil der Urlauber tritt je zur Hälfte am 19. und 20. Dezember seine Reise an und kehrt am '27. und 28. Dezember je zur .Hälfte zurück. Für den zweiten Teil sind bestimmte Tage zur Rückkehr nicht vorgeschrieben, er hat seine Reise am 29. nnd 30. Dezember je zur Hälfte zu beginnen. Tie Urlcmbseinfch-ränkung ist außerdem noch dahin gemildert worden, daß. in dringenden Fällen jeder Hveresangchörige im eigenen wirtschaftlichen Interesse beurlaubt werden kann, wenn die Dring­lichkeit durch das Generalkommando anerkannt wird. Ferner kann auch Urlaub erteilt werden an Heeresangehörige zur Ausübung ihres Berufs als Aerzte und Seelsorger.

Kreis Büdingen.

= Undingen, 21. Dez. Das Kreisamt hat nicht weniger als 58 (»rwohner aus den Ortschaften Calbach, Effolderbach, Ran­stadt, Kefenrod, Dauernheim, Bisses. Unter-Schmitten. Altenstadt. Hainchen. Glauberg, Burgbracht, Bindsachsen, Hitztivchen, Bü­dingen und Himbach wegen verweigerter Speckabgabe mit Geld­strafen von 560 Mark bestraft.

Starkenburg und Meinhessen.

Fc. Alzey 21. Dez. Ter Verlauf eines Weinbergs in einen. Rackcharorte brachte dem Verkäufer einen Gewinn von 1000 Prozent.

H. Z. Mainz, 22. Tez. Ter Schiffsverkehr auf dem Rhein, gestaltet sich gegenwärtig von Tag zu Tag immer ungünstiger, da der Wasserstarid andauernd zurückgeht. Die großen Lastschiffe kön­nen nur noch mit slari'er Leichterung verkehren. Dessenungeachtet kommt es fast täglich vor, daß Schiffe im Fahrwasser auflausen und sich festfahren. Lttrch der Main geht in seinem Ober- und Mittel­lauf andauernd stark im Wasser stand zurück. Während hier für die Fahrten zu Berg noch Erhebliche Aufträge vorliegen, sind solche für Talfahrten soviel wie gar nicht vorhanden.

AlrehLLche NachrLehte«.

Lvsiigelijcye Gemeinde.

Gottesdienst am Sonntag den 23. Tezeinbec (4. Advent).

In der Stadt kicche. 9Vs: Pfr. Mahr; 3: Weihnachtsseiev s. d. Kinderk. d. Matth.-Gem. Pfr. Mahr; 7y 2 : Weihnachtsfeier d. Kon irm.-Vereinig, d. Manul, u. weibl. Jug. d. Matth.-Gem. Monta 24. Dez, 3; Weil-nachtsfeier f. d. Kinderk. d. Mark.-Gem. Pfr. Sckuoabe.lJU der I o ha n nes ki r che. 9V 2 : Pfr.-Ass. Lic. R^cing; 3Vz: Weihnachtss-eier f. d. Kinderk. d. Joh.-Geuu Pfr. AtLvield. Montag 24. Dez., 3: Weihnachtsfeier f. d. Kinderk. d. Luk-Gein. Pfr. Bechtolsheimer. Kirchberg. Vorm. 10. Lollar. Nachm. ly 2 . Montag 24. Dez. Mainzlar. Abds. 8 Lollar. Abds. 8.

katholische Gemeinde.

Samstag 22. Tez., nachm-. 5 u. abds. 8: Gel. z. U. Beicht. Sonntag 23. Dez., 6y 2 : Gel. z. hl. Beicht; 7; Hl. Messe; 8: Aust? d. hl. Komm.; 9: Hochamt m. Pred.; 11: Hl. Messe m. Pred.; 5V»: Christenl., daraus Adv.-And. Diaspora-Gottesdienst Grünberg 91 / 2 , Hungen 97 2 . Montag 24. Tez., nachm. 5 u. abds. 8: Gel. z. hl. Beicht.

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Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.; Landespolizeiliche Prüfung des Ecrtwurfs der Erweiterung des Anschlußgleises der Firma Karl Haas zu Gießen an den Bahnhof Großem-Linden.

Der Plan nebst Erläuterung zur Erweiterung des Anschluß­gleises der Firma Karl Haas zu Gießen an den Bahnhof Großen- Linden liegt auf der Gvoßh. Bürgermeisterei Gvohen-Lindeir vom 24. Dezember 1917 bis einschließlich zum 5. Januar 1918 zur Einsiäft offen. Innerhalb dieser Frist sind dortselbst Einwendungen gegen das Projett, welche sich auf Ansprüche wegen Verlegung und Aenderung, öffentlicher Wege, An- und Zufahrten ans Grund-- stlücke, Einfriedigungen, Wasser- und Vorflutverhältnisse usw. so­wie die Herstellung von Schutzvorrichtungen zur Sicherung gegen die aus dem Bahnbetrieb entstehenden Gefahren und Nachteile be­ziehen, bei Meidung des Ausschlusses schriftlich oder zu Prototoll vorzubringen.

Gietzen .den 19. Dezember 1917.

Grotzyerzoau.aies Kreisamt Gießen, vr. U l i n q e r.

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