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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Verlagen: . „Gkehener §amriienb!8tter" und „Kreisblatt für den Kreis Giehen".
paßfche«»nto: Zranksurt am Main Nr. N686. Vankverkehr: Gewerbebank Gießen.
Montag, \2 . November M?
ZwillingSrunddruck und Verlag:
B r ü hl'jche Universlläts-Bnch-tl.Stsindruckerei.
R. Lange, Gießelt.
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Schrrlstcape?. Eeschäßchlelleu. Verlag:
Schristleilung: 112 .
Anschrift für Truht'iachrtchtenr AnzeigerGie üen.
vie Ausgestaltung des vaterländischen Hilfsdienstes.
Frankfurt a. M., den 10. November 1917.
Am 7. November fanden sich im Rathause aus Veranlassung bei Käneggamcksstelle Frankfurt a. M. Vertreter staatlicher uud ksmnurnccker Behörden sowie privater Organisationen aus Frank- firrt und bcu größeren Städten des Korpsbezirks zusammen. Den Wegenstand der Besprecimng bildete der jetzige Stand des vaterländischen Hilfsdienstes und die Erörterung der Frage, in ivelcher Richtung die weitere Tätigkeit zur nröglichst restlosen Erfassung der m der Krregsindustrie benötigten Arbeitskräfte ansgeübt werden fall.
Major von Braunbehrens, Leiter der Kriegscnntsstelle Frankfurt a, M., eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Schilderung der zur Erörterrmg stehenden Fragen.
Sodann erstattete Tr. Säen g er (KviegSamtsstelle). einen Bericht über einzelne Maßnahmen, welche die Kriegsamtsstelle Frankfurt a. M. seit Erlaß des Hilfsdienstgesetzes getroffen chft, um den Hauptgedanken des Gesetzes, daß die bnrötigten 5ftlfs- Kräfte im W^ge der Freiwilligkeit dem vaterländischen Hilfsdienst zu ge führt werden sollten, in die Tat umzusctzen. Eine ton der Kriegsamtsstelle geschaffene Organisation hat auch erreicht, daß in eineni großen Teil des Korpsbezirks, insbesondere auf dem Lande und in den kleinen Städten, fast jeder Hilfsdienstpflichtige in einem kriegswichttgen Betriebe seiner Leistungsfähigkeit ent- sp!-eä>end beschäftigt ist. Noch nicht so günstig liegen die Verhältnisse in den größeren Städten, wo die allgemeine Aufforderung zum freiwilligen Eintritt in den vaterländischen Hilfsdienst nur in besckwänkterem Umfange Erfolg gehabt hat. Hier sind jetzt die Embcrufungsausschusse in voller Tätigkeit, nni aus den Reihen der Hilfsdienstpflichttgen den Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Notwendig ist aber, in allen Kreisen der Bevölkerung die Uebcr- Mgung zu stärken, daß es ein selbstverständliches sittliches Gebot ist, dem aus harter Notwendigkeit geborenen Rufe zum vaterländischen .Hilfsdienst willig Folge zu leisten. Unbegründete und auf Egoismus oder Trägheit zurückzuführende Reklamationen gegen bic Heranziehung, die im Hinblick auf verhältnismäßig kleine pekuniäre Nachteile oder persöickiche Unbequemlichkeiten angebracht tverden, müssen aufhören. Jedermann hat in seinem Kreise Ge- logrnlMt, in dieser Hinsicht durch geeignete Aufklärung dem Baterlarrüe zu nützen
Aus dem weiblick>en Arbeitsmarkt ist das Ueberangebot im Laufe dieses Jahres aufgesogen worden und hat, einer langsam tvachsenden Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften Platz gemacht. Do die Bedürftttsfe der Obersten Heeresleittrng es notwendig Mchen, der Industrie allmählich den größeren Teil der reklamierten Arbeitskräfte zu entziehen, ist mit Sicherheit zu erwarten, daß das Bedürfnis nach Gewinnung weiblicher Arbeite kMte auch ftviterbin steigen wird. Deshalb hat man sich auch an die Frauen und Mädckien der bisher crrbeitsungewohnten besitzenden Kreise gesandt. Mch diese dürfen nicht zögern, bei der zur Verteidigung des heinrischeu Bodens notwerMgen Arbeit mitzuhelsen, soweit ihre volle Arbeitskraft nicht bereits durch eine andere kriegs- sozmlc Tattgkeit in. Anspruch genommen ist.
Fräulein Keller (Frauen-Referat) gab sodann einen Ueber- blick über die Entwicklung des weiblichen Arbeitsmarktes überhaupt und die besondereir FürsorgeMaßnahmeu (Fabrikpslegerinne?: usw.), welche durch die vermehrte Heranziehung weiblicher Arbeitskräfte zur Fabrikarbeft notwendig geworden sind. Das Fvauenreferat der Kriegs-amtsstelle ist ständig bemüht, durch Ausbau dieser Fürsorgemaßnahmen der arbeitenden Frau die Sorge um ihr Heim zu erleichtern.
In der sehr angeregten, sich an die borden Vorträge mrschließen- den Aussprache teilte Genevaldirektor Köster ans seftren Erfahrungen mit, daß die Einwirkung der Fabrikarbeit aus jüngere Frauen sogar geringer fei als die auf Männer, und betonte, daß eine Frau ebensowenig wie ein ern-g^ogener Wehrpflichtiger durch eine im vaterländischen Jüberesse ansgeübte körperliche Tätigkeit, welcher Art sie auch sei, l)erabgewürdigt werden könne.
Frau N ä ge l i - Mainz und Frl. Krauß, eine seit geraumer Zeit in einer Mcunitionsfabrik arbeitende Stubenftn, spreck>en sich lbereinstimmerid dahin Ms, daß die mit der Fabrikarbeit ansäng- ßlich verbundenen körperlichen Anstrengungen und seelischen Eindrücke rasch überwunden zu werden pflegten und durch den großen ozialeu Vorteil, >welchen das Zusammenarbeiten der verschiedensten Geseltsck>a'tsschichten mit sich bringt, -aufgevogen würden. Außerdem müsse stets bedacht werden, daß es sich uit^ eine irrt vaterlän-- disck-en Interesse notioenL'ige Arbeit handele, dre überdies körperlich keuiesiregs anstrengender sei, als die von den meisten Frauen verlangte l-äusliche Arbeit.
. Prof. Hill mann regle eine stärkere Heranziehung der Besucher höherer Lehranstalten an, zumal, der Unterrichtsbetrieb m ^den oberen .Klassen doch nicht ordnungsmäßig ausrechterhialten werden könne.
Frl. R i k o f f erklärte, sich mit den in der Versammlung entwickelten Bestrebungen nicht befreunden zu können, sie befürwortet vielmehr eine Verschiebung derart, daß die Hausfrau mehr als bisher häusliche Arbeit übernehmen soll, um ihr vom Lande stammendes Dienstpersonal zur landwirtschaftlichen Tattgkeit frei zu macken.
Amtsgerichtsrat Hevi gab 2Luffchluß über Maßnahmen der Kriegs fürsorge, welche zum Ziele haben, Härten und Unbilligkeiten bei der Regelung der Unterstützung an Kriegerfrauen» zu
Vermeiden.
Justtzrat G r ü n w a l d - G i e ß e n befürwortete stärkere Erfassung der noch im 'wehrpflichtigen Alter stehenden Hilfsdienst- Pflichtigen.
W. C. Schott schilderte ans Grund seiner Tätigkeit in mehreren kinberufungsausschüssen, wie sehr die Rücksichtnahme auf die Persönlichen, insbesondere gesundheitlichen Verhältnisse der Hilfsdienst pftichttgen die Heranziehung erschwere. Er befürwortete eine bessere Verteilung der Hrlfsdienstpflichtigen in der Mästung, daß körperlich leistungsfähigere nicht an den Plätzen Verwendung linden mochten, an welchen körperlich schwächere noch. nutzbar verwendet werden können. Er wies darauf hin, daß ein größer ^eil der Bevölkerung sich nicht genügend vor Augen halte, welcher Vovteil ^s sei, daß der Krieg in Feindesland geführt werde, und wie gering die im vaterländischen Hilfsdlienst geforderten Entbehrungen seien gegenüber den Lasten der Bevölkerung im besetzten Gebiet, die schwerere Arbeit nicht für das eigene Land, sondern für den Sieger leisten müsse.
Ans Btaöt tittd Land.
Gießen, den 12. November 1917.
Zur Gemiiseversotgung der Stadt Gießen.
Ern Mitarbeiter aus der Umg egend schreibt uns:
-Nit großem Interesse habe ich den Artikel über die Gemüsever- ^grmft der Stadt Gießen in Nr. 258 verfolgt. Ms Landbewohner Ktim ich nur bestätigen, daß die Gemüseernte 'mancher Sorten jr} r ' teilweise ganz versagte. Fast onrch.vegs klagt man auf denr über den geringen Ertrag an Wirsing, Rotkohl, Ro'enkohl Ä, t^Ükraut^Die ungesunden Preise fiiib ohne Zweifel dem K^^s^^ndel Huzuschreibeu, der geradezu oft fabelhafte Preise Es müßte da mit allcrn stR/itbeln dagegen gekärnpR moen. Aus diefenr Grunde halten viele Landleute mit ihrem Gc-
lmNsse'ziurü.ck, um die hohen Preise zu erzielen, nicht bedenkend, wie sehr sie dadurch! die Gemüsebesschaffung der Stadt erschweren.
In Airbetrachit der Gemüselüappheit kann die Anregung zu ausgiebigen: Gebrauch von Wierßrüben nur als'bemerkenswerter Finger- z'eig für die Städkdr' beach.et werden. Man verschmähe dieses "Gemüse nicht und wintere solches ein, da auf andere Gemüse nicht allzuscklfr zu hvfseu ist. Itu llöheinilcmd, besonders in der Pfalz gelten Weißrüben als Lecherbissen und bilden das Hauptgemüse für der: Winter. Die dorttgen Hausftauon könneu viel damit aufaugen. Jedenfalls ist bej der Zubereitung sestzuhalten, daß die Rüben reichltich Brühe halben ntüschn und keine trockene Breimasse bilden dürfen. Beim Abbrüheu entfernt m<nr irach dem ersten Aufwallen das Wasser und setzt sie in einem zweiten Wasser auf. Zrlsatz von Onaertrakt bei der Zubereitung erhöht sehr den Wdhlgeschur.uk.
Oblvohl Landb-euwhner, bin ick>! gairz der Mrsicht, daß die Ge- imü sehr eise sick> in mäßigen Scküranktor bewegen müssen. Der Preis vo n4 Pfennig für das Pfund schieint aber etwas zu niedrig betmessen, da die reichlliche Ittibenenrte in diesem Jahr sehr mißlich einztch-ringen ist. Die fortgesetzte nasse Witterung 'hat den Boden so erweicht, daß der Schmus den -Rüben in dichten,Schichten anhaftet. Sie müssen daher aus unseren schw>eren oberhessrschen Böden gewaschen aus den Markt kommen. Bei dem Mangel an Arberts^ krästckn. ist das nickit leicht. Wird 'hier dem Städter ein Einblick verschafft, so wird er sich eine kleine Preissteigerung vdn etiva 1 Pfg. gerne gefallen lassen. Die Rüben werden zum Einbringen ans der Erde gezogen, auf den Wagen geladen und Ungefähren. Jede einzelne Rübe wird- dann abgeschlnitten, Mit einem Messer vom dicksilen Schmutz befreit, alle Nebenwurzeln entfernt, hierauf rn Bütten geivorf-en-und mit Wasser, das oft erneuert tverden muß, gereinigt, >erne zeitraubende, mühsame Ajrbeit.
Werden solche Rüben dem Landrnanne mit 3 bis 4 Pfennig pro Pfund bezahlt, so ist das ivahrlichi kein Kriegswucher, und der Land mann ist für seine Arbeit entschjädigt und gibt gerne ab, ohne has denr Städter das Gemüse N"esentlich perteuert wird.
Jedenfalls muß nrit der M>eißrübe gerast,net tverden, und icde sHausftau handelt tveise. tvemr sie sich einen Vorrat sichert, da, wie erwähnt, die übrigen Gemlüse knapp sind und der Gemüsenrangel sich, später noch bemerklicher machen wird. Gewöhne man sich auch an dieses Gemüse. Der Krneg erzicht uns dazu.
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** Aus zei ch nu ng. Dem Unteroffizier des Landsturms Wilhelm Wulkau, Werkmeister uud Mechaniker der psychiatrischen Klinik, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.
** 3) Le Silberne H«o chzeit feiern anrDienstag den 13. November der Zugführer Georg Schäfer uni) Frau Katharina.
** Eil- und Telezr a mrn beste l-l u n g. Wegen Einschränkung der Strastenbeleuch.nng.findet fortan während des Winterhalbjahrs in der Zeit von 9 Uhr abends bis 7 Uhr früh keine Äl- und Telegrammbestellnng statt.
** Kamm er d r n cks a che n. Der Zweiten Kammer der Stände gingen folgende Drucksachen zu: Antrag der Llbgg. Köhler und Gen., betr. oie Immunität der Abgeordneten. Dringliche Anfrage des Mg. Dorsch, betr. die ungleiche Behandlung der Selbstversorger und Versorgungsberechtidten bei der Ausgabe von Weizenmehl, sogen. Vorschiuß. Dringliche Anfrage des Mg. Dorsch, betr. die ungleiche Kohlen- und Brikettbeliefernng der Gemeinden und damit in Verbindung der Verbraucher. Antrag des Mg. Köhler, betr. Staatsbeitrag an den .HeilstättenBereich für das Großherziog- tnm Hessetr. Dringliche Anfrage des Mg. Dorsch, betr. die Oelschlagemühlen mit Wasserkraft.
wenn da; Vaterland ruft, ist jeder goldene Gegenstand entbehrlich.
V ü 'W BW®- ^ | -SS-
in den Räumen der Rezirksparkasse Gieren ist morgen von 2 bis' 4 Uhr geöffnet.
Starleuburg und Rheinkjeffen.
ch. Aus Rhein Hessen, 11. Nov. Das allgenreine Wein- geschäst ist bei starker Nachfrage lebhaft geblieben. Fortgesetzt sind die neuen Werne gesucht und die Winzer erlangen hohe Preise dasür. In Elsheim wurden für eine Partie 1917er 4200 Mk., iw Wallertheim 4000 Mk., in Nieder-Saulheim für 9 Stück 1915er je 5200 Mark -erlöst. In N-ackenl-einr brachte das Stück 1917er 5500 bis 6000 Mk. In Essenheim gingen 20 Stück 1917er Weißw'eiw zu je 4200 Mk., 20 Stück 19s7er Rotivein zu je 5800 Mk. in anderen Besitz über. Für diese 40 Stück Wein wnrden also 200 000 Mk. erlöst. Tie Preise versteltien sich für die 1200 Liter.
ch. Aus der Rhein Pfalz, 11. Nov. In der Gegend von Geinsbeim, überhaupt -ans d-er Strecke der Gäubahn Neustadt— Geinsheim—Speyer wird viel Pfefferminze gebaut, weshalb die Bahn auch P se ffermiu zb ähu chen int^ Volks munde beißt. Ta nun der Teemangel im Krieg auch die Nachfrage nach Pfefferminze gesteigert hat, so ist der Preis erheblich gestiegen. Für das Pftrnd werden 7—8 Mark gegenüber 1-2 Mar? in Friedenszeiten bezahlt. Hessen-Nassau.
= Frankfurt a. M., 12. Nov. Auf Veranlassung des stellvertretenden Generalkommandos wurde hier eine Sammel-Zentrale zur Erfassung alles in allen Frankfurter Haushaltungen noch vorhandenen uud sich künfttg ausammelnöen Altmaterials, wie z. B. Flaschen, Papier, Lumpen, Gummi, Metall, Glühbirnen, Korke usw. errichtet. Für diesen neuen Sammel-Hilfsdierrst werden 50000 Frankfurter Schulkinder mobil gemacht, die nach einem bis ins Kleinste festgelegten Plan jede Haushaltung in bestimmten Zwischenräumen besuchen. Jedes Kind er'hält ein Sammelheft mit 1000 Marken. Eine Marke >vird geklebt x für 1 Kllogramnr Papier, eine Weinflasche, 10 Gramm Franenhaar usw. Wer 100 Marken geklebt hat, erhält einen Preis oder 100 Knochenbrüh- würsel^ wer 1000 Marken klebte, bekommt fürs Knopfloch das Fvankwrter Ehrenzeichen für Sammelhilssdienst. — Tie neue Organisation hat, obwohl erst in der Entwicklung, an einzelnen Schicken bereits große Erfolge arbracht. Das von den Schulen gesammelte Material wird verkauft. Der Erlös fließt der betreffenden Schule zu, die das Geld zur Vergrößerung ihrer Büchereien, zur Gewährung von Badeaufenthatten bedürftiger Schüler usw. beliebig verwenden kann. Wenn jedes der 50000 Schulkinder nur 100 Marken zusammenbringt, so werden sich die hiesigen Schulen schätzungsweise ein Kapital von 500000 Mark zuführen. — Für das nächste Jahr ist die großzügige Samurlung aller wckdwachsenden Gemüse in Frankffrrts Umgebung geplartt.
= Aus dem Taunus, 11. Nov. Ein Schadenfeuer vernichtete das gesamte Anwesen des Holzhauers Ludwig Wagner in Oberreifenberg. Von den Haus- und Wirffchaftssachen "innte
nur etwas vom Hausgerät gerettet werden. Auch einiges^ Vieh verbrannte. Ter Mgebrannte s-.rtde nichts viersichert. — Wie sich jetzt herausstellt, hat der Schneesturm vom 28. Oktober in den Obstanlagen des Taunusgebietes dadurch erheblichen Schaden angerichtet, daß unter den Schneemasscnr die noch mit Laub bedeckten Zweige abbrachen. In einzelnen Gemeinden beziffert sich der dadurch entstaudene Schaden auf Tausende. So wurde der Schaden in der Gemeinde Schloßborn bei Könrgstein allein auk 30- bis 40000 Mark vbgeschätzt.
Gericl)tsfaal.
I. D a r m st a d t, 11. Nov. Die Strafkammer verurteilte den 35 Jahre alten Weißbinder Joh. Maul und ben 32 Jahre alten Taglöhner Peter Schneider von Nieder-Beerbach, beide noch unbestraft, wegen gemeinsamen schweren Diebstahls zu je 4Monaten Gefängnis. Sie waren wiederholt in eine Hofveite eingebrvchen und hatten etwa 3 Zentner Sachen fortgeschleppt, die sich bei einer .Haussuchung größtenteils noch vorfanden. — Der rückfällige 27 Jahre alte Kaufmann Paul W i e d e m a n n stahl als Unter- suchungsgefaugeuer im hiesigm Militärgesängnis, wo er wegen seiner Anstelligkeit zu Arbeiten außerhalb der Zelle verwendet wurde, aus einem verschlossenen Schrank im Ausseherzrmmer 300 Mark den Häftlingen gehörige Gelder. Er wurde rnzivischep aus dem Heere ausgestoßen und erhielt jetzt 2 Jahre Zuchthaus. — Ein 15jährrger Taglöhner aus Viernheim stahl mit seinem strafunmündigen Bruder aus verschiedenen Kellern in Heddesheim 37 Pfund Brot. Er ist schon vorbestraft und erhielt 6 Wochen Gefängnis.
vermochte».
* Allerlei von Adolf Wagner. Mit dem im 83. Lebensjahre verstorbenen bedeutenden Vollswirtschaftler 2Ldolf Wagner i)l ein weltberühmter Gelehrter dahingegangen, der einer echten Gelehrtensamrlie entstammte. Als er im Jahre 1870 von Freiburg nach Berlin berufen war, uxiv es seine Gewohnheit, soweit es seine freie Zeit erlaubte, noch die Hörsäle seine Kollegen mit zu besuchen, was er übrigens zeitweilig auch roieder im Alter zu tun pstegte, wobei er dann ncnch dem Kolleg mit Studenten über das Gehörte sich in Gespräckie vertiefte. Diese Gepflogenl^it brachte ihn einmal mft einem Privatdozenten in Konflikt, der in dieser Gewohnheit Wagners Hörerfang witterte und glaubte. Wagner beabsichtige, ihm Hörer abspenstig zu machen. Der betreffende Privatdozent hatte bereits geflhi Wägner eine Beschwerde bei den Uni- versitätsbehörden eingereicht, wurde aber dadurch beschämt, daß Wagner öffentlich in seinem Kolleg dann auf die Vorlesungen -seines Kollegen zu sprechen kam und deren Besuch seinen Hörern angelegentlichst empfahl. — Als Wiagner im Jahre 1915 vor übet- fülltem Hörsaal seine letzte Vorlesung hielt, — man mußte den bereits zum Teil gelähmten Greis auf den Katheder heben —, zog er in ändert halbstündiger Rede sein gesamtes Wirken in den ^brris seiner Betrachtung. Ms dann nach ferner Rede namens seiner Schü-; ler einer derselben, Franz Oppenhümer, in gerührter W!eise den T>ank jagte, deutete dieser in sein humoristtscher Weise die Eigene art Wagners an, in seinen Vorträgen immer auf alle möglichen Seitenwege abznschwenken und vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. .Kaum hatte Oppenheimer geendigt, als Wagner ihm erwiderte und mrn, völlig Mbewußt, zum größten Ergötzen seiner Schüler gleichsam eine Illustration der Worte Oppenheimers gab, indem er, der mrr kurze ErnüderungsWorte hatte sagen wollen, ganz unwillkürlich einen längeren Vortrag daran knüpfte und kein Ende ^u finden können schien, so freilich eine ganz ungewöhnliche Elastizität des Geistes für einen Achtzigjährigen bekundend. Er hatte denn auch immer noch gehofft, daß er trotz dieser Mschieds- vorlesung noch einmal lvieder Vorlesungen halten Lonne und hatte wiederholt Besuchern gegenüber noch vor ^'eurlich kurzer'Zeit'dieser Hoffnung Ausdruck gegeben. Für ihn sei, so ungefähr äußerte er sich dabei einmal, lehren und leben gleichbedeutend geworden, und das Leben habe ohne das Lehren Reiz und Wert verloren.
^Amtlicher Teil.
Bekanntmachung
über die Ausführung der Runkelrüb enb ewirt^ schaftung.
§ 1. Der Verkehr von Rrmkelrrrben mit Fuhrwerk innerhalb Hessens ist frei und unterliegt nicht dem Versandschein und der Anmeldung. Diese Msrrahme gilt nicht für Sendungen an gewerbliche Betriebe, die Dickwurz verarbeiten und in verarbeitetem Zustand weiterverüußern.
8 2. Landwirtschaftliche und Kleinverbraucher innerhalb Hessens haben das Recht, sich direkt beim Erzeuger einzudecken. Bei Waggonladungen ist Frachtbrief bei der hessischen Landesgemüse- stetle anzufordern, welcher gegen Vergüttmg von 50 Pf. zur Verfügung gestellt wird. Versandschern ist in diesem Falle nicht erforderlich.
8 3. Genreinden und Kreisverwaltungen innerhalb Hessens haben das Recht der freien Eindeckung, können sich aber auch der Vermittlung der hessischen LandesgemüsesteNe bedienen.
§ 4. Alle gewerblichen Verbraucher innerhalb Hessens können, außer durch genehmigte Anbau- imd Lieferungsvertrüge gesicherte Ware, nur durch die Landesgemüsestelle beziehen.
8 5. Soweit die hessische Landesgemüsestelle beauftragt und in der Lage ist, werden außerhessische Verbraucher durch sie beliefert) drrekter Ankauf ist unzulässig.
Mainz, den 9. November 1917. 82576
Hessische Landesgemüsestelle.
Verrvaltungsabtecknng: gez.: Best.
-ft___
Verordnung
r r ver ^>ewrrrnyasrrmgsvetorvnung von
5. Oktober 1917 auf Runkelrüben, Werßerüben und Kohlrüben
Auf Grund der M 11 und 12 der Verordnung über Gemüse Obst und Südfrüchte vym 3. April 1917 (Reichsqesetzblatt S. 307' und der Bekanntmachung der Reichsstelle für Gemüse und Olm vom 12. September 1917 (Deutscher Reichsanzeiger Nr 219' wrrd mrt Znsftmnmng der Reichs stelle bestimmt - * ^ 5 1 ber Jkrorbmmg der, hessischen Landesgemüsestellc
vom 5. Oftober 1917 wrrd durch folgende ausdehnende Besttm mnng ersetzt:
„ 3'" «Abiet des Großherzostums dürfen Weitzkohl,
Rotkohl Wir mcikehl Mohren aller Art. Runkelrüben lDickwun,. Wertzeruben (Stovvclnibcn). ferner Kohlrüben <Wlnrken, Boden- Steckrüben rmr mit Genehmissung der Landesgemüse- stelle rn Marnz abgeletzt lverden.
Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekamttgabe in Ktaft. -
Mainz, den 9. November 1917.
Hessische Landesgemüsestelle. Verwalttmgsabtecknng: gez.: Best.
9256k


