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Erfcheinl riitzNch mit Ausnahme de« Sonntags.
Vettagen: „Sietzrnrk Zornittentzlötter" und ,.Lreirh!«tt fSr den «reis Siehe«".
p»fiwe«snt«: Zrmttfnrt m Main m. U636. S««tvettetzr: Seiserdelxml Gietzen.
Mttüvoch. q{. Oktober !9|Z
ZwillingSrund druck irnb Verlag«
Brü hl'jche Universitäts-Buch-li-Steindeckertt. R. Lange, Gießen.
cnera!-)lnzeiger str
Zchttftleitung, SeschäftrsteLe und verrSertt:
Schulstraße?. Geschäflsslelleru Verlag:
Schriftlettung: 112.
Anschrift für Trahtnachrlchten:AnzeigerGi»sen.
Resormatisnrfeier ?yn
Warf Fahre irr* dm Monate M-elEeg, mit seinen «mochörien ©tilrmen. all« Länder der Erda ersckrntternd im Mildelpumkt« d>S lEfeheuren Ringerrs das Deutsche Mich, emffi Welt von Feinden sich erw«l>-rend unter <m* Michen MulVp^sm und wcrcl^senden Heinrichen Lasten und men: h«: mrM b«: feimt? Man hat Mm Mfschub geraten. Ader der 31. lOldader 1517 ist nun einmal der deüitscheir evm-grfische« Christsrheit ehrwürdig als 'Qra der dirund- legmrg der Rchvrrnairon, dazu bleibt das Werk der Einige-« der evanqalifchen Waubensverw-rndten für die hreuhische Landeskirche, die lluion mit dem Jubeljahr 1817 wrrterftpft. Ja, e6 kaun als eine weise Fügung galten, daß die vierte .vM*«tjahrs«Er dar ErneneMmg der apwsch- lischen Kirche mit dm tiesen Schatten des Weltkrieges bedeckt ist. Mag ft« an <-ll-rnz und Gepränge hinter den früheren ihrer Act, hinter best Plänen und Erwartungen der evangelchhen Christercheii weit Mrüchbleiben, mag sie aus engere Armfe sich lieschrünkcn, wenn sie nur, anstatt einem brerten, flachen Strome zu gleiche, um so mebr in die Tiefe g-ht! Mag die Feier still verlaufen, wenn uns nur ein Stück Reformatwn davon zurückbleibt, wenn sic im« Gottes Absichten verstellen lehrt und der langen
Mvevern Hettnf«chm>g ihren Segen im deutschen Volke
sichern hilft. TLef ssvrMg ist der <pr
IF*— —-1 n—«a v/r.4. Pflüg durch deutschen
Bodeil gogang^, daß die Saat des Refvrmattonsjnbel- festes eindringen und Frucht bringen kann.
Bon der Schwärmerei der Weltverbrüdernng hat uns der Weltkrieg' gründlich ernüchtert; er hat nns gelehrt, mit gcfmtbesn Stolz uns dankbar darauf zu besinnen, was Gott der deutschst Art vor andern voransgegeben hat. Wohl in keinem deutschen Manne hat sich die deutsche Art vollkomnw-ner vorWrPert als in Martin Lnther: in Amdeseinfalt und Marrnesmut, in Lcrmmesart und LÄven- trotz, in ehrfürchtiger Beugung und kühnem Freiheitsdrang. Bor MensäMi^ein Adler, vor Gott ein Wurm! Zurück Zu Luthers Art, zu Luthers Bibel, zu Luthers Glauben! — Es war der Glaube an die unendliche Gnade Gottes in Christus, worin Luther allein Frieden fand:
hat er in der Klosterzelle seinen Gott erlebt. In Not und Tod hat unser Heer und Volk jetzt wieder erprobt, daß das streuz Christi allein, das in satten Zeiten unverstcuttene, oft mißachtete, in die tiefsten £tefen menschlicher Leiden Ansechtrmgerr tröstend hinabreicht. — Aber nur ein Glaube, der durch die Liebe ttätig ist, war Luthern wert. Glaube zu heißen. Die tausendfache Not dieser Zeit hat tausend edle Keime der Liebe und Treue geweckt, hat so einen gerneinfamen Boden geschaffen, auf dem der innere Hader der Kirche überwunden werden mag. — Wie würde ein Luther zünren über das kattberechnenbe Geschäfts- christentum, über die machtgierige .Heuchelei, die in diesem Kriege offenbar geworden sind! Nie hat Luthers unbestellt licher Wahrheits-Mm und tiefe Gewissenhaftigkeit die Ber- mischurrg vom Weltreick- und Gottesreich geduldet. Laßt uns mit Lacher dem Herrn der Kirche vertrauen, der ihr sein eigenes uu überwindliches Leben verliehen hat, mögen auch ihre Formen sich, wandeln und neue Kämpfe ihrer harren. Sie wird-'s auch künftig bewähren zum Heil aller, die ihr die Treue halten:
„Jst's Menschenwerk, so wird's vergehn; ist's Gottes- Werk. so wird's bestehn."
A«s «r«H Lo«k».
Gießen, den 31. Oktober 1917.
** Vorlesungen über Kunstgeschichte Herr Professor Dr. Hamann in Marburg wird auch in diesem Semester an unserer Universität die ArchMvl»gie imtd die Kmrstgeschichte vertreten imd zrvar wi^d er sollende Vprlesangeir halten: Wesen und Werden der Hochrenaissance, Freitags von 31/2 bis 5 Mir. Die Skulpturen des Parthenon, Freitags von 6—6 Uhr. 93eibc Vorlesungen finden im Hörsaale Nr. 2 statt und beginnen Freitag, dar 2. November.
** Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk-, Strick- und Schuhwaren. 'Auf die Bekanntmachung im Anzeigenteck der heutigen Nummer wird hingervieseu.
M A. Das vorläufige Ergebnis der sieben Kriegsanleihen in Hessen. Tie Zeichnungen auf diel sieben Kriegsanleihen im Großherzogtum Hessen verteilen sich der „Tarmst. Ztg." zufolge nach Provinzen folgendermaßen: Provinz Starkenburg: 30202000, 61670000, 79042000, 65005 000, 64 756 000, 80 807 000, 75 210 000, zusammen
-156 692 000; Provinz- Rhcinhessen: 26 695 000,
46 861000. 62 259 000, 49 685 000, 58 814 000, 66 630 000,
^OWOOO, zusammen 382223 000; Provinz Oberbessen-
38504000 31 87200b,*3086000a 2lWoo]
000, 37 522 000, zusammen 200191000- Summe-
185^941^ ^^^000^173 173 000, 145 670 000, 151051000^ 185 941000, 184 211 000, zusammen 1 039 106 000. Außerdem gezeichnet: bei den Postanstalten, landwirtschastlickxn Ge-
238 ^?00, 238 235 000, zusammen 1 273 737 0000. In bei: obigen Arylen surd — abgesehen von den für die EcwerW- und Wttt- Mßartogenvssenschaften angegebeiren Zeichnungen — die aus dem
Hessen in Frankfurt a. M. an gemeldeten Beträge nrcht berucrstchngt, die nach mehrsack)er Feststellung bei der 7. An- lerhe noch beträchtlicher waren als bei den früjheren Anleihe^. Die Verwertung verdorbener 2e^
us-
mrttel Es soll vermieden werden, daß verdorbene LebcusmOtek ^Kartoffeln und andere Hack'srüchte, GemM, uvit ^rwo Mmmeladc usw.) ohne weitere BerweÄimg beseitigt ^re GefeltzchLst sür Deutsches Milck^-.Kraftfutter (Go- stllschaft zur Bearv-ertung^ von <A?eiseresten.. Kilchmabfallen usw.) .ocrlm <L 9, M-chenerstraße 08 , ist aus die Verarbeitung derartiger ver-oroeii-er LÄ»«smittel esingerichdet und fast immer in der Lage, ein brauchbares Futternnttel auf d»m Wege der Trocknung hs-vzu- steNeir Daher soll mit der leider zumeist stifäm Praxis, solche verdorbenen Lebensmittel nutzt der öenb zsr beseitMm, gebrochen mb sämtliche, zur memchiichen EnrÄhrung rächt mehr geeigneten ISaren der genlurrrten.G^<Äsck)aft telegraphisch zum Bezug äuge- sEt werden. Erst loorm die Gchrllschaft telegraphisch erklärt bat, daß fie za«n Besegle nicht in der Lage sei, sollen die verdorbenen Waren beseitigt oder auderw^t darriber verfügt tverden.
Landkreis Gießen.
-o- Großen -Linden , 31.Okt. Zur 7. Krreg-Zcmleihe zeichneten unsere Schüler 2550 Matt, zu den Kriegsanlecherr im ganzen rund 11000 Marl.
** Inheiden, 31. Oft. Dem Kraftfahrer Julius K a tz von hrer wurde das KriegSehreuz-eichm verliehen.
Kreis Schotten.
** Schotten. 30. Oft. Kreisdirettor Merck ist als Kreischef in den Kreis Garwolin versetzt wordm. Er hatte seither den Kreis SzcrucHpn verwaltet.
C) Gedern. 30. Okt. Der Musketier Karl Pfarr, Sohn des Schreinermeisters Ferdinand Psarr, erhielt zur Hessischn Tavferkeitsmedaille das Eiserne Kreuz 2. Kl.
# U l f a, 31. Okt. Fürs Vaterland starb der Gefreite Karl U n g e f u g, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapfettettsmedatille.
Kreis Friedberg.
# Beienheim, 31. Okt. Das Eiserne Kreuz erhielt der Musketier Ernst-R v s e n b e ck e r.
41 Bruchenbrücken, 31. Okt. Das Eiserne Krduz erhielt der Musketier Friedrich H erg et.
Starkenburg und Rheinhessen.
M. T. Monsheim, 31. Okt. Bei einer Tiefbohrung in der Nähe v'vn Monsheim ist vor einigen Tagen, wie wir schon ttrrz meldeten, eure mächtige warme Quelle erbohrt worden. In rnehr als armdickem Strahl ergießen sich ettva 2000 Liter in der Minute aus dem Bohrloch. Das.Wäger hat eine Temperatur von annähernd 40 Grad Celsius unv läßt einen schwachen Geruch nach Schweselwasslerstoff er fernen. Das Ergebnis der genauen chemischen Untersuchung steht noch aus. Mit ziemlicher Bestimmtheit kann angenommen toerben, >daß es sich um die Schwefelquelle handelt, die seit den Römerzetten als „Syronabad" bei Dem nahm Nier- stein in großer WasserfÄle hervorgivoll, die aber mus unbekannten Ursachen in den letzten Jahren fast völlig versiegt war. Für ganz Rheinhessen wäre die Nutzk'armachung der Thermalguelle von grösster Bedeutung.
vessen-NassaA.
mr. Frankfurt a. M., 31. Okt. Rittmeister a D. Freiherr von Holchansen hat feinen früheren Stistimgen zum besten der 'Fvankfurter Schstlkind-er -eine uene hinzngefüch. Zum Andenkm an feinen Borfahren Human von Hvlzhausen, stiftete er den Betrag von 4000 Matt, der an bedütttige Ki'.tder des nördtichur Stadtteiles verteilt werden soll.
ul. Freiendiez, 30. ^Okt. In dein Hause des Gemeinde- reckners Römer, der sich ziinzeit im MilttäödioUst befindet, wurde nächtlicherweile eingebvochen. Die Diebe nahmchr die Gemeindttasse, enthaltend 400 Marck Bargeld, mit.
Gießeyer Strafkammer. ^
Gießen, .den 26. Oktober 1917.
Die am 27. Febrnar 1899 in Berlin geborene Kontoristin E. T. trat am 21. Juni 1917 bei dein städtischen Gaswerk Bad-Naiiheim als Bür'ogchilßn ein und hatte als solche u. a. den verkauften Koks zu verwiegen, die Zahlungen daffir in,Empfang zu nehmen, und in das Wiegeb'nch-eiuzaltrageu.^ Die Angttlagte hat urm! in einer ganzen Reihe vor: FÄlen die Zahlungen entnxtder im Wisgclmch vermerkt, sie aber dann wieder durchstrdren und die ZMung m das Kassabuch nicht eingetragen oder aber sie hat die pereiirnahmLe-n Beträge über--'
Haupt nickst hi das Wiegebuch eingetragen. Die Angeklagte war der Urkmüensickschung migeklagt, diese Anklage wurde aber fallen
gelassen. Dursck> die Aneignung der vereinnahmten Gelder im 53«* trage von 794,11 Mark 'hat sie sich hckr Unterschl«g«ng slchukdi^ gemuckt, ferner hät sie eine dem fr. .Gaswerk gehörige, von ihr benutzte und in ihrem Bpsiitze befindliche,A,kbeumavve im Werte von 10 Mark unters-chlagen. Das Gericht verurteckte!die geständige Angeklagte unter Zubilligung mckderndec UmMnde zu einer Gesamt- gesänguisstrcffe von 2 Monaten und einem Dag.
E Der K. L. von .Kirtopf, der früher bei der hiesigen MÄk«ri Gtteb als Fahcbursche bedieustet war, ist >vom hiesigen Schöffengericht von der lAnllago. „zu Gießen gm 4. JNni 1917 fahrlässigerweise den Transport auf einer Eiilmbähn (elektr. Straßenbähn) daduncki in 6-efähr gesetzt zu haben, idaß er durch Uuvorsichpgleit und zu vasckics Mhvcn an der Ecke Bahnhofstratze—Schanzenstrstze einen Zusammenstoß seines Fuhrwerks mit der elektrisch e n Straßenbahn herbeiführte," freigesprochen worden. Gegen dieses Urteil perfolgte die S t a a t s a n w a l t s ch« a f t B e - r u f ii n g. Ans Grund der heutigen Beweisaufnahme hob das Gerichts das erstinstarrzliche Urteil aus und verurteilte den Angttlagte?: zu einer Geldstrafe von 20 dRark, -hilfskveife 4 Tage Gefängnis.
, Der Gutspärlter K. L. Sch. von Offeüheim ist vom Schöffen- gerickt Friedberg wegen Vergehens gegen die Bundes- ratsverordnung vom 14. 9. 18916 über den Verkehr mit Zucker im Betriebsjähr 1916/17 zar einer Geldstrafe von 2000 Mark, 'hilfswcise 1 Tag Gefängnis für je 5 Mark Geldstrafe, ver
urteilt worden. Der !A,rgeklagte hät es luntettafitot, seine ZnSer- rüben sämtlich an die Zuckerfabrik Friroberg zu liefern, sondern!
hat einen Teil derselben Kl Brenu- gmd Mltterzwecken verwendet.« Gegen dieses Urteck hat der Angeklagte Berufung verfolgt, um seine Freispreckong zu erzielen. Er hatte aber lke'men Erfolg mit dem Racklismittel, denir auf Grund der Beweisausnählme wurde die Berufung kostenfallig verworfen; es bbeibt sonnt beim erstiuftan-- licken Urteil.
Der Müller und Landwirt H. L. von Groß-Felda war vom Schöffengericht Ulttchstein von der Auflage, Brotgetreide w^eniger als zu 94 o/o ausgemahfer zu haben, sreigespvochen tvvrden. Ge- genMieses Utteil Versalgte die Staatsanwaltschaft Bern f u n g, um eine Bestrafung des Angeklagten herbeiznführen. Das Rechtsmittel hatte airch Erfolg, denn aiff Grund der Beweisaufnahme erach.tete das .G^ettcht den Ajngeklagten des Vergehens gegen die Bttanntmachmig über das Ansmahlen von Brotgetreide vom 28. 6. 1915 für überführt, hob das etttinstanzliche Utteil auf und verurteilte ihn zu 300 Matt Geldstrafe, ersatz-, weise 30 Tage Gefängnis.
Der I. D. von Wällenrod lebt mit seiner Schwiegertochter schon seit längerer Zeit in Sttest. Diese wird öfters von ihm bedroht. geschimpft Und mißhandelt. Am 9. Juli l. I. hat er seiner Schwiegettochter, bereu Mann seit Kriegsbeginn im Felde ist, mit einem großen Zirckeimer mehrmals auf den Kopf geschlagen, so daß sie blutete, er nmrf sie yit Bjoden fand trat auf ihr herum. Die Verletzte trug Beulen am Kopfe und Anschwellungen am linken Oberarm imd Oberstck^nfe davon, so daß sie ärztliche! Hilfe- in Anspruch nehmen mußte. .Wegen dieser Körperverletzung cchielt er vom Sck^öffengettcht Lauterbach 2 Wochen Gefängnis. Sowohl der Angellagte als anch die Staatsanwaltschaft verfolgten gegen dieses Utteil Beruftmg. 2luf Grmrd der Beweiser- hebung wurden beide Beruftmgen bostenfällig ^mickgewiesen.
Der voni Schiöffengericht Msfeld wegen Diebstahls zweier Kohlensäcke, eines Mehlsackes und eines Oederttemens im Gesamtwert von ca. 19 Matt zu 14 Tagen Gefängnis verutteckte Taglöhner W. M. von Angenrod nahm feine hiergegen eingelegte Dcrilfung vor Beginn der DanptverhandluTvg zurück; eS bleibt son^it beim Uttecke des Schöffengerichts.
ML'chZ8che AachrschLsss«
katholische Gemeinde.
Mittwoch, 31. Okt., nachm. 5u. abds. 8: ^ Gel. -z. hl. Deicht.
Donue;.'stLg, 1. Nov. F e st A l l e r Heiligen.' Vorm. 6V2: Gel. z. Ist. Beicht; 7: Hl. MesjlL; 8: Misteil. d<. hl. Mmm'uuwu; 9: Hochamt m. Pred.: 11: Hl. Messe m. Pred., Milckärgottesd.: nackim. 5st?: Rosenkranzand, m. Segen; 6: Pred., daranf And. f.d. Abgestorbenen; nachm. 5u. >abds. 8: Gel. z. hl. Beicht Freckag, 2. Nov. Allerseelen. Vorm. 6: Gel. z. hl. Beicht; von 5*/2 an sr»Ä hl.,Messen; 8: Seelwamt f. alle Verstarb, d. Pfarrei; abds. 8: Rosenkranz and. m. Segen.
NermL?ehtes.
* Erstes M od ernes Mu sikfest zu Dresden. Zn den jüngeren Komponisün, an denen die Zukunft rückt achllos vottiber- gehnr kann, gehört zweifellos der Brüuner Joseph Gustav Mrarzek, seine Opern „Der Traum" (Bettiu 1913) „Aebelö" (Biwslau 1915h (Franlftirt 1917) wurden mit ungeteiltem stürmischen Beifall aus- genominen, seine Burles^ „Max und Motttz" brachte uitter Mucks Und ckdirischs Leitung großen Erfolg rrnd wird in diesem Jahre in Dresden icnb Chemnitz durch Edwin Lindner vom Dresdener Philharmonischen Orchester aufgefühtt. .Beim Ersten dNodernen Mnftk- fest zu Dresden (24.—-29. Oktober) leitet der Komponist persönlich die T'crrtfchg Uraufführung von „Liebesfeier und Mschied", sowie zwei ireue Ovchesterlieder, die Kammersängerin Claire Dux-Berlin zur Urcnffführung bttugcu wird.
Stadtihecstcr'.
Die Bl«thschzeit.
Tvauerspiel von Wbctt Lindner.
. Einen germiltigen. S«ff h«t der unglückliche Schillerpreis- Träger des Jahres 1866, Albert Lrntmer, in seinem Dvarna „Die Bbtthock-zeit" zu verarbeiten vermocht. Daß er ihn nicht zu meistern vermochte und nur eine SkÄzze mr Stelle eines Kolossalgemäldes! Ickmi. darf nicht wmldcuwehnreu. Schon Gtt^ere vor Liv eo« sockte die Bar1hol!onüms!»achst, jenes brennend rote Mal der Wogende 51 der Kirchne- nrtb Äteltgeschichte, Urr dramatischen Gestaltung. Es blieb beim Dettnü^. Die Erkenntnis der Unmöglichkeit, ein aeschchtstliches Ereiggris von solch überwältigender Wucht und Größe wie die B«rth»tomäusnachjt zu zeichnen, die sicht des
i invervwM.ls, all die T«n-e:»be von historischen Fäden im be- hränkteu tHaume vmr vier oder fünf Akten zu einem K'nofei zu Miugen, b«id -den grvUen Meistern >die Hände. Nicht so Albert Lindner. Ihm, dem TherchersachtzUtinn, dem starken Mcatralllcr, Falt die Mö^lichlkeit, ein wirksame^) M8)4iNff1ück herzultellcn, mehr; Ubll genügie d«s Borchandensein der historischen Tatsache aus der tut feilte ZwocLe P«jseiches l-evaussthchlle. So entstuw) „Die jene thaatvalische SkiMi', in der die Gegenpole einandrr unettrügickh nal>e izefthrauibt sind, so n«l)e, dach mau w^en ?tugmlckick den Ausbruch, einer fiirchterlichen Kädaßrovl>e sNvartet. Pcan denke nur, 4 Akte, Heinrich .von Navarra, deir
Idealisten mib Schwärm-er, und Vvatha rina von ckNedici, die kalte.
berechnende .Königin nebeneinander! Schon allein dieser Gegend mH häuft eine lösche Unmeirge von Sprengstoff ans, dav das
laullost Vewpuffen der au^espeüherteu Krasllnense bei 'mbesruHjg lässt. Die geiclülÄliche Unwahrheit de« ftharakterisierimg ->er emzebnen Persvuen, — toie z. B. bei Mtha- nua ^vvg Modici, die uns hier nur als die grausame, rücksichtS- S lf 'chtt'' entgegentritt, und uickste. mehr von. der weisen, llngen dein Vollblut Rimaissanennenschen an sich hat. — cnti<vnl^gr die Auffassung des Stvsses.
Hlmdümg drängt such in vier ziemlich kurzen Auszügen
knapp zusammen. Heinttch von» Navarra ^ehelicht Margarete wn Valois, um damit den Streit zwischen Kachotiken uno Protestanten zu begraben. Aui ihn, der Karls IX. Zmteiguug erwirbt, l«beu es Kathattna von Medici und die Guisen abgesehen. Durck^ allerlei Mittel schüchtern sie Katt IX. ein, bis ^dieser den Befehl zur Ermottung aller .Hugenotten gibt. Heinrich entkommt. Da stHren die Katholiken einen zweiten Schlag gegen ihn. Sie schallen, vergiftete Kerzen in sein Zimmer, zufällig ist Heinrich al'-er an diesem Abend abwesend und so saugen Karl mid Mai-eMrete die giftigen Dämpw ein. Kart bestimmt noch sterbend 5ieinrch von Navarra als seinen Nachfolger.
Die gestrige Aufführung war wohl mit die beste Leistung seit Beginn der diesjc»)rigen. S»iel.wit. Willielm Stengel, der vortrefflAre Dattttller Karls IX., zeigte sich erneut als geschickter Relftssstir. der nicksts unbeachtet läßt und der ftü die Wahrung des einheitlich gestimmten Bildes betorgt ist. Eine Glanzleistung bot Viktoria Sandor als Katharina von Medici, wobei ihr diesmal noch besonders das etwas spröde, dimkle Oraan zu statten kam, das für die graumme, herrische Königin vorlrefstich {ejttc. In Osk«r Feigel fand Heinrich von Na- v»-ra einen würdigen Verkörperer. der den mitunter llnttchen ^vn des schwärmerischen Idealisten zu treffen wußte. Eine anmutige M-crraarete vvir V»lois, voll verinnettichter Auflassung und Wiedergabe zeichnete Armemarie Wisser. Kurt Wenzel statttte den Cvligni mit Merzeugender Größe aus, und vor allem die gute Duvcharbeitung der Maske verdient alle Anettennung. Adols Falken ettvies sich wie stets lein er Aufgabe Avachsen, Doe Partie des ^Foa^ v»n Aleugon dsmck die Jugendlich-Sensimen^ tale zu besetzen, muß als Mißgriff bZoichnet werden, wenn auch Helene K a l l « a r sich mit der mi^lucklicbni Rolle alle Mu^gab Zu erwähuml waren noch: Karl Ster uw eh er. Willy Bo rchardt und Friedel Do err. —w. m.
— Ein Merster der Tieridylle. (Zur 100 Wiederkchr des Geburtstages von Friedttch » Am,31. O kvbe r 1817 ist
Fttcdrich .Boltz, dar einer der befunnteftat ,iaib geschähe,üm Küust-
Terfamilien Bayerns im vergangenen Jährhundert ängehörte, ist diördlingen geboren. Sein Vater war der Maler, Zeichjncr und Kupferstecher Johann Michael Voltz, der, ein Talent von anßcr- 'ordsntlicher Vielfeitistkeit, namentlich als volkstümlicher Jllilstrawr Vortreffliches leistete, wie dies seine ungezählten, die Epoche der uapoloonischeu Herrschaft und der: deutschen Freiheitslttege bis zum Jahre 1815 darstellenden Zeitbilder beweisen. Fttedttch, Voltz arbeitete zuerst im Atelier seines Vaters und wurde als- 17jähttge^
^mvTittrr fapT SlWiirr,rfn'7ii'r ^ffnhpnrfp Vrrrv itniffn ^rrfvrprfiif 'OTS^rrTi
Zögling der Müncheiier Akademie, wo er nach Albrecht Adam, dem berühmten, ebenfalls aus Nördlingen stammenden Tier- und Schilachtenmaler, radierte. Dann ging er ans Reisen, die ihn an alle bekannten PftegestLtten dar »Kunst in Mitteleuropa, vor gllem auch nach Italien führten. Immer wieder hat Voltz in seinem späteren Lebe:: das Bekanntnis abgelegt, daß künstlerisch ihn nichts so sehr gebildet habe, als seine vielmonötigen Kreuze und O/ner- streifereren durchs das Land der Apemrinen. Im Jahre 1845 kehrte Fttedttch, Voltz nach München zurück, um nunmehr dauernd ist Bayerns .Hauptstadt Aufenthalt zu nehmen. Er verkehrte in den ersten Kreisen Münchens und wurde zu Hofe gezogen, in seiner Kunst vertrat er, gemeinschaftlich mit Stange, Schlttch und anderen, auf der Grundlage seiner an den alten Meistern gemuckten Studien/ die streng Mottstische Richtung. Mehr und mehr wandte Vvltz mit den Jahren sich! der Tierumtiepsi M, der er sich- nur« nocb allein widmete und in der er es zu einer grwßen Meisterschaft brachte. Sttne Tiettdyllen, die Musterstücke sorgsältigst ausgeführter Beinmal crei darstellen, üben auch heute noch auf den Beschauer einenj gewissen Reiz laus. Den Jdylleninal-er schlechthin hat man Fricdttch Voltz jahrelang genannt; es sollte eine Ehrenbezeichnung sür denj Künstler sein, und dieser hat sich ehrlicb dieses ihm Anerkennung zollenden Beinamens.gefreut. An Auszeichnungen aller Art lAt cs dein Künstler nickch gefehlt. Mehrere Orden sind ihm vergehen! worden, ec führte den Prdfefforentitel mid war .Mtglied der« Akademie von Müncl-,en, Wsen mid Berlin. jAmi 25. Jünr 1886 ist Voltz in Münchieil gestorben.


