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Dienstag, p. Oktober W 17
ZwillingSrunddrucr und Verlag)
B r ü lil'scheUniverntäls-Vnch-u.Stnndrnckerei.
R. Lange, Gießen.
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Schulst'.'aße7. v cschäf sstclleu.Verlag: r^zKbl, Schriftleilung: 112.
Anschrift-fnrTr. htnachrichten:AnzeigerGießen.
Msel, der Engländer und Vir.
Bon einem DeutsWalten wird uns geschrieben:
Tie siegreiche Fußfassung deutscher Truppen aus den bisher russischem Osts-ee-DJnseln Oes-el und Dagoe hat neben der hoch- ersreulicheu militärischen Seite airch eine ungemein wichtige politische. Denn sie trifft gewisse feindliche, um ul ich eng Ns che Be- strebul'-g-eu au der gefährlichsten und empfindlichsten Stelle. Die Sackte liegt folgendermaßen: Oesel und Dagoe sind bewohnt von einer fast durchweg finnisch-estnischen Bevölkerung, über der das dünne Netz einer Oberschicht von Balten und Schweden liegt. Der Este ist feilt Lette. Tie Haltung des Letten wurde im Kckiege in erster Reihe von Gründen Wirtschastspolitischer Opportunität beherrscht. Er ließ sich den Russen gefallen und er schloß sich nach dem Vormarsch Ser Hindenbrrrg-Armee willig der deutschen.Herrschift an. Er findet stets seine Rechnung und fürchtet Feinere Wechsel. Anders der Este. Das estnische Volk und gern# besonders das der großen Inseln vor dem Rigaischen Meerbusen vereinigt sick seit langem mit den firrnischcn Stammesb'rüdern in dem Ruf: Los von Rußland! Gleichviel, ob der Zar herrscht oder die russische Revolution, der Este will frei vom Mos'kowitertnm werden. Von Deutschland aber erwartete der Este bisher das .Heil nicht. Im Gegenteil, seiner Meinung nach erfüllte der Verlauf des Weltkrieges die Hoffnung ans eine Annäherung des Landes an Deutschland nicht. Sein ganzes Sinnen und Trachten war deshalb in letzter Zeit daraus gerichtet, sich unter den Schutz irgendeines dritten Großstaates gestellt zu wissen, der ihn vor dem russischen Drucke schützen sollte. Und das hat sich schleunigst der Engländer zunutze gemacht. Zahlreiche,englische Güterankause in der Nähe von Ärensbnrg, der Hauptstadt Ocsels, zahlreiche p' iederla s snngen britischer Stcratsangehöriger an der'Küste dieser Insel und Dagoes, geheimnisvolle Geschäfte Londoner Herkunft legen Zeugnis ab, daß John Bull auf dem besten Wtge war, sich vor dem Tore der Ostseeprovinzen sestzunisten.
Der immer rührige englische Botschafter Buchanan kam. i:t eigener Perlon mehrmals nach. Reval, ließ dorthin auch estnische Abgesandte vor: den Inseln kommen jumd 'hielt große Reden, die in der Zusicherung gipfelten, Großbritannien sei bereit, Estland der englischen Einflußsphäre tzn nirterstiellcm. Und die guten Esten formulierten ihr Losungswort: „Wchnn nicht deutsch, so doch lieber! englisch, als jemals wieder russisch!" Auf diese Zukunftsmusik richtete man sich in Arensburg, Tiefenhasen und Hohenholm ein. „Wenn nicht deutsch. . ."! Der Vormarsch der deutschen Front über oie Düna, die Einnahme von Riga und Dünaburg, die Säuberung des Rigaischen Meerbusens von den Schiffen Rußlands und des Verbands hat den Esten aufLlesel und Dagoe doch sehr
denken gegeben. Und die glückliche Landung deutscher Truppen! auf. den Inseln wird das Weitere besorgen. Die Engländer räumen Wh! jetzt das Feld, und die einheimische Bevölkerung hat Gelegeu- fteit, sich ans die starken Beziehungen zu besinnen, die sie mit der ceutkchen Kultur verbinden. Wer hat die Bibel in die estnische Spreche übersetzt? Ein deutscher Pastor. Wer hat estnische Lehrbücher und Liederhefte berausch geben? Deutsche Schullehrer. Wech hat die estnische Knnstliteratur ans der Vergessenheit gehoben, das Kalewala-Epos !imd die simrischjestt Zanberlicker auf die Inseln gebracht? Deutsche Literaten. Mit weisem Hilfe konnte der Este I'anssen die estnische Presse mit dem „Peruaner Postboten" in den Sattel setzen und nationale Lieder dichten wie: „Estland, Estland über alles(!)" und — „Die W,acht am Embach<!)"? Natur- lick) nur, rvic man fast «allzu derctlich fieiht, mit deutscher Hilfe^
Die Esten müssen sich jetzt erinnern, daß cs die Deutschen waren, die ihre Städte geschaffen, Mchit!uln!d Verwalümg gebracht. Unterricht vermittelt haben. Im Laufe des neun zehn tch: Jahrhunderts sind in den Estnischen Gebietsteilen Tausende von Gemeindeschulen mit der Landessprache von deutschen Grundherren eingerichtet! und von deutschen Pfarrern geleitet worden. Deutsches Verdienst ist es, wenn eine große Reihe von hochlßehercden Mittelschulen? mit deutscher Unterrichtssprache errichtet wurden für den Nachwuchs der höheren Beamtenstellen, und auch der neueste Aufschwung der estnisch,-volkstümlichen Bewegung verdankt seine Grundlage deutschem Einfluß. 'Alle die kulturellen Fäden können jetzt politisch verknüpft und tzn dauernden Beziehungen ausgestaltet toerden, tont eine finge, schonende Kriegsverwaltung den militärischen Schnitten auf dein Füße folgt.
Arrs Stcsdt rrntz Lcrnd.
Gießen, den 16. Oktober 1917.
Schutz der Kartoffeln.
Schutz gegen Frost und Fäulnis sind die 6>rnndlagen für jede Kartoftelanfbewahrung. Deshalb müssen die Räume, in denen die Kartoffeln gelagert werden sötten, frostfrei, aber nicht zu warm fein. 2—6 Grad ist die Temperatur, bei der sich die Kartoffeln am besten halten. Außerdem ist für genügende Durchlüftung Sorge M tragen, da sie sich sonst «erhitzen und in Fäulnis übergehen. Daher sind Räume, in denen Kartoffeln liegen, durch Ahrbringen von Lüftungsklappen, Oefftren der Fenster nsw>. gut zu durchlüften. Im Herbst benutzt mjan dazu die kühlen Nächte, im Winter die sooft freien Tage. Räume, die bch guter Dnrchlüftimg nicht auf 6 Grad abzukühlen sind, find ungeeignet^ zur Aufbewahrung.
Kartoffeln, die sich halten sollen, müssen gesund sein. Daher sind alle Kartoffeln, die längere .Zeit aufüewahrt werden sollen, beim Einbringen oder bald nachherverlesen und alle kranken oder verletzten Kartoffeln zuerst zu verwerten.
Nicht alle Kartoffvlsorsen eignen sich -für eine lange Lagerung. Weiche Sorten, wie Imperator, Upto dato und ähnliche, sind daher zuerst zu verbrauchen.
Auch in geeigneten Räumen dürfen Kartoffeln nicht zu hoch aufgeschüttet werden. Eine Schütthöhe von 1 Meter ist im allgemeinen richtig. Bei Masßeulagerungen sind Gänge frei zu halten lnnd, wenn möglich! noch Durchlüstnngs'kanäle anzn drin gen. Besteht der Boden >aus Zement, so.legt man am besten noch einen Lattenrost unter, so daß die -ganzen Kartoffeln hohl liegen. In Räumen lagernde Kartoffeln brauchen nicht noch bedeckt zu werden. .Höchstens darf es bei Frostgefahr vorübergehend geschehen. Im Haushalt verwendet man am besten «hohlstehende Kisten, bei denen der Boden aus Latten besteht, oder die im Handel erhältlichen Kartosselkisten.
Bei allen Lagerungen aber vergesse man nie, daß die Kartoffel empfindlich ist, und Paß alles .unnötige Schütten und Werfen, sowie.das Betreten der Kartoffelbausen mit ungeschützten Schuhen Verletzungen hervorruft, die Anlaß zu Fäulnis werden können.
Ausführlichere Angaben, über die Lagerung der Kartoffeln sind aus dein Flugblatt Nr. 15 der Kaiserlichen Mollogischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft: ^,Tas Einmieton der Kartoffeln" (P. Pavey, Berlin SW 11) und aus der auf Veranlassung des KriegsernährungsamtS heraus gegebenen Schrift: Die Kartossellagerung unter Kriegsverhältnissen beim Erzeuger, Verteiler und Verbraucher von Geh. Reg.-Rat Tjr. O. Appel, Vor
stand des Laboratoriums für Pflanzenschutz an der KaiserlickM Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirt «che st (Reimar Hvb- bing, Berlin SW. 01» zu ersehen. Tie Hauptstellen für Pflanzen- schütz, die allen Bundesstaaten, in Preußen in jeder Provinz, vorhanden sind, sind in der Lage, beratend lei der Karl)sseilagernng mitzuwirken.
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**Auszeichnung. Dem Gefreiten Will). Ehr. Schrn i'dt III., Inhaber der Hessischen Tapferkeitsneedaille, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse, verliehen. _
** Dieb st a h l. Am 11. Oktober wurde in hiesiger Stadt aus einem Hausflur ein dunkelbrauner Ulster mit zwei Reihen großen braunen Knöpfen und Monogramm „A. T." im Werte von 120 Mk. entwendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
** Beratn n g über die 7. K riegsanl ei he. Finanzminifter Dr. Becker hatte als Vorsitzender der Landesstelle für vaterländische Zwecke im Verein mit Provinzialdirektor Dr. Usinger eine Versammlung von Vertrauens- nrännern aus der ganzen Provinz nach Gießen ein geladen.. Viele hundert Herren waren der Aufforderung gefolgt trotz der Ueberlastung mit beruflichen Arbeiten aller Art. Das Ergebnis war der einmütige Beschluß, die Zeit bis zum letzten Zeichnnngstage durchi Hausbesuche unermüdlich aus, zunützen, damit'die Provinz Oberhessen hinter den änderest Provinzen nicht zurückstehe und ihren guten Teil zum Gelingen der großen vaterländischen Aufgabe beitrage, deren Lösung wieder eine Großtat des ganzen deutschen Volkes werden müsse. In jedem Dorfe müsse ein Wettstreit entfacht werden, auch die Dörfer unter sich müßten den Ehrgeiz haben, 0 b e n a n zu stehen. ^
** Stenogr ap h ie. Die Stenographengesetlschaft G a b e l s b e r g e r u n d D a m e n a b t e i l u n g e. V. eröffnet heute abend 8 Uhr in ihrem Vereinsheim, Hotel Fürstenhos, wieder einen Affl f ä ng e r l e h r g a n g in der Gabelsbergerschen Kurzschrift, worauf an dieser Stelle besonders hingewiesen fei.' Siehe Anzeige in heutiger Nummer.
** Zw ei'tc r Bakus-Abe n d. Im Fürstenhof findet am Sonntag, 21. Oktober, ein zweiter L^atof-Abend mit neuem Programm statt. Wir verweisen auf die Anzeige in heutiger Nummer.
** S chlv arz - We i ß - T h e a t e r, Seltersweg 81. Das Programm von Dienstag den 16. bis einschließlich Freitag den 19. Oktober enthält ü. a. den Film: „Auf ö er .Höhe", bearbeitet nach dem gleichnamigen Roman von Ludwig Gang Hofer. In der Hauptrolle wirkt Li-aue H>atd, eine Wiener Künstlerin, mit. Außerdem wird noch eine Tragikomödie „Freunde" zur Borsührmtg gebracht.
** Herstellung und Absatz von Dörrobst. In einer Bekamrtrnachung der Kriegsgesellschaft für Obsckonserven und Marmeladen m. b. H., Berlin -SW. 68, Kochstr. 6, wird erneut earf das Verbot des Absatzes von Dörrobst ohne Genchmigrmg der vorstehenden Gesellschaft verwiesen. Diese Lkbfatzbeschränsting gilt für alle gewerbsrnäßigen, sowie auch für diejenigen nicht gewerbsmäßigen Hersteller von Dörrobst, die rnehr als 20 Zentner im
er von uns Men möchte es nicht lieber fehsn, mnn man statt der Granaten Gsnssn schmieden und Maschinen bauen k-mnte! Aber dazu gehört Friedsn und Ruhe im Lande. Llnd die drüben wollen uns das nun einmal nicht gönnen. Habt Ihr nicht gelesen, wie sie uns mit unsrem ehrlichen Zriedenssngebot ausgelacht Haben?
0 schwer es auch fein mag: es muß noch sine Weile weitergehsn? Frauen denkt an Eure Männer, Brüder und Söhne? Früher habt Ihr daheim für sie sorgen können. Letzt brauchen sie Euch noch Viel mehr, denn nur mit Briefen und Paketen ist's setzt nicht getan, ^^er unter Euch könnte wohl ruhig zusehen, wenn die Feinde in Helten Scharen anstürmen und wenn Eure Männer, Kure Brüder und Söhne keine einzige Kugel mehr ins Gewehr zu stecken hätten ? Würdet Ihr nicht Sieber den letzten Spargroschen opfern, damit die Euren nicht wehrlos sind?
E^arum helft ihnen bei ihrem sckwsrsn Handwerk? Reicht ihnen zum Schutze Waffen und Murünorr hinaus: Zeichnet die Kriegsanleihe?
—miuii
II
llllllllllironn.
üXTöffer, denkt an Eure Kinder? Als sie noch ganz klein und hü'ftss waren, hat sicher jede unter Euch irgend einmal gedacht: „Mein Kind soll'S gut haben im Leben?" Wie viel mehr gilt das jetzt, Ihr Mütter? Eure Kinder müssen bessere geilen sehen als wir sie dmchmachen. Wehe uns, wenn sie einmal kommen und zu uns sagen: warum habt Zhr's uns nicht leichter gemacht und damals bis zu Ende ausgehalten?
^^ütter,jeder Pfennig,den Ihr demVaterlandelsiht, erleichtert Euren Kindern die Zukunft? Drum helft, daß sie einst nicht darben müssen und ein freies, starkes Volk werden können: Zeichnet die Kriegsanleihe!


