Nr. 238
Zweites Vlatt
Erscheint lagttch mit Ausnahme des Ssnnkags.
Beilagen: „Gießener Familienblütter" und „Nreisblatt für den Ureis Gießen".
Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Saulverkehr: Gewerdebank Glrhen.
lü?. Jahrgang
Mttwych. \ . Moder
Zwillingsrund.e> ick' und Verla:.
B r ü hl'scheUniversttäts-Buch-u,St^uc: cferct. R. Lange, Gießen.
§chrift!cttung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße 7. Geschäftsstelleu.Verlag: bl,
Schriftleitung: 112 .
Anschr^fnr Lr.cht>:achr,chteu:AuzeigerGi«ßen.
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2 in» Stadt m« 5 Cctlft.
f Gießen, 10. Oktober 1917.
** Zu der siebenten Kri egsanl'ei he fdjreibt uns die RevchSbmtt, Nachrichdenbureau für die Kriegsarlteihe: - In Beaitt- x^vrttmg zahlreicher bei uns eingelaufanier A'.fragen möchten luir davaus himveisen, daß «atuf eine nrögli chste Beschle. uni - gung der Herausgabe der endgültigen Kriegs- anleihestÄcke Be b iacht gsnom men i st. Die Ferngstelluug, der Anleihestücke wird iudes bei den ungeheuren Mengen, die zu drucken sind, lmrd :uit Nücksicht auf die bei Wertpapiere!: gebot end unbediirgte Zuverlässigkeit und .Korrektheit der äußeren Form auch für die siebente KriegsaarleiIe erst in einigen Monaten möglich sein. Deshalb Iverder: ans Antmg nnederum zu de:: Stücken von 1000 M k. und ntehr vom ReichSbauLM'ektorium ausgestellte Zivischeuscheine- ccusgegeben, die ohne 'verteres bei de:: ReichsdarlehnsLassen b-eldih- Ym sind. Die iendgültigsn Stücke zur siebenten Kriegsanleihe unter 1000 Mk. werden voraussichtlich erst in: April nächsten Jalares aMMgeben werden könne::. Wünschen Zeichner von Stücken unter i 000 Mk. ihre bereits bezahlte::, aber noch nicht gelieferten kleinen Stücke bei einer ReickMarlehnskasse zu beleihen, so könne:: sie zu diesem Zweck die AussertiMng besonderer Zwischeuscheine bei ihrer ZeuhMmas stelle beantragen. Die endgültigen Stücke der sechsten KriegÄvlleihe von 1000 Mk. und darüber gelangen bald nach Beendigung der ZeickMrngsfrist, spätestens Mitte November, zur Ausgabe. Bis dahin könnten die Bezieher großer Stücke, die Zwi schein- scheine nicht von vornherein bestellt hatten, solche noch nachträglich anstndern. Im Wrigen bemerkei: wir, daß, namentlich uni best Bedürfnissen der ländliche:: Bevölkerung entgegenzirkonrm-en, den Zeichnern auf Wunsch dirrch die Bermittlimgsstellen bei Vollzahtung ihrer Zeichnunglwertpapvermnag ausgestattete vorläufige Quittungen mich diesmal toi oder milsgehändigt werde::.
Krie gs spar karten. Mit Rücksicht auf den Uwstmid, daß in viele:: Getweinde:: die Derbstserien der Sckp.cken in die Zeit des Vertriebs der Kriegssparkarten falten, ist Grvßh. Ministerium des Innern damit einverstanden., daß der Verkauf der Karten auch rwnb nach Schluß der Zeicherungsfrist, und -zwar bis Ende dieses Monats stattsindet.
** Das Tischtuchsverbot bereits in Kraft. Für Beseitigung vielfacher Zweifel wird festgestellt, daß das am 14. Inte 1917 verfügte Dischtuchverbot bereits mit den: 1. Oktober 1917 in Kraft getreten ist. Lediglich für die duccü die Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle vom 25. August 1917 über Beschlagnahme der im Besitz von .Hotels usw befindlichen Bett-, Haus- uud Tischwäsche bestimmte Meldepflicht ist der 15. Oktober 1917 als spätester Dermin festgesetzt Wörden.
** Lichtspielhaus. Die Direktion des Lichtspielhauses, Bahuhofstraße 34, konnte dem hiesigen Roten Kreuz für seine Weihnachtsspende für die Feldgrauen und Verwundeten in den Lazaretten als Ergebnis der Hindenburg- woche die außerordentlich erfreuliche Summe von 640,50 Mk. übenveisen. Mit ihrem dankenswerten Ent gegen komme:: war es so möglich, den: Sanrmelfonds schon in seinem Entstehen einen so schönen Betrag zuzufül-ren, und es wäre im Interesse der guten Sache erfreulich, wen:: das lobenswerte Beispiel noch mehr Nachahmer fände.
**Ostpreußen und fein HindenbUrg. Wir verweisen nochmals auf dieses gewaltige, eindrucksvolle Film- .lverk, das nur noch bis einschließlich Freitag in: Schwarz- Weiß-Theater, Settersweg, vorgeführt wird.
Wucht und Innigkeit sind in diesein vaterländischen Filn: ergreifende Bilder gezeichnet m:d festgehalten. Erschütternde Wahrheiten treten im Lichtbilde vor unsere Aa:gea und erzählen aus den Schreckens tagen Ostpreußens, das heute in Hindenburg seinen Erretter und Befreier verehrt. Der Besuch der nrteressanten Vorführung kann nur empfohlen werden.
Landkreis Gießen.
i. Ettingshaus en, 9. Okt. Gestern abend wurde hier der 70. 03eburtstag .Hnrdenburgs gefeiert. Die Festrede hatte Herr Oberamtsrichter Znumermann >rn Lauda ch ilbenvoinme::. Zn warmen und zu Herzen gehenden Worten zeichnete er ein Lebensbilds des genialen Feldherr::, pflichtbewußten Soldaten und sronunen Christen. Er forderte naclchrücklich auf. die Geburtstagsivünsch des hohen Jubilars zu ^erfüllen: stür die Benmmdeten zu sorgen, das Gelübde trerun Aushaltens zu erneuern innrb Kriegsanleihe zu zeichnen. .Besonders' ging der Redner aus die letzte Forderung ein. Ihre Erfüllnng sei Pflicht der Dankbarkeit gegen da:: Mann, der unserem Vaterland ein Retter"ivarb, dem wir es verdanken, daß wir wie im Frieden mitten in: Kriege leben können. Die Zeichnung der Reichtanleihe sei der Ausdruck unseres Vertrauens zu Hind-euburg und zu, seine:: Feldgraue::, zu der nicht gebrochenen wirtschaftlichen Kraft Deutschlands und zu der eigenen Arbeit. Mit H>cm Wunsche, daß dann aus treue Pflichterfüllung auch der Sicaespreis eines deutschen, gute:: imi) starken Friedens folge, schloß der Redner seine cindrur^vollen Ausführmrge::, die allgemeinen Beifall fanden.
Starkcnburg und Nhcinhesscn.
D. T. Darmstadt. 10. Okt. Aus Aickaß des 70.-Geburtstags Hä:denb:irgs hat süommerzienrat Gieße::, hier, die ©imune von 200 Mark gespendet zur Benagelung des „Kreuzes in Eisen" durch Schulkicher.
** Dar in stad t, 10. •D’lt. Der Richard = Wagner - Verein Darmstadt veranstaltet heute semei: z>reite>: Lieder- und Balladen- Abend, bei dem Krinnverslänger Alfred Käse Lieder von Schubert, Sckurnairn, Franz, M-audelsohn nnd Lö:ne zum Vortrag bringen :mrd.
Y. Verbands - Ausstellung des Ly»nbah!l-U!elntier- zi!ü?tverbaildes im Dirättionshezitt Zrankst-rt a. M.
th. Gießen, 8. Oktober.
Am Samstag vormittag wurde die durch den Kaninchen- und G eflü gelzn ch t der ein der Eisenbahnbediensteteu va:: Gießen und Umgegend auf der Schönen Aussicht veranstaltete Verbunds-Ausstellung für Kleintierzuckä der Vereine des Eiser:balg:-Kleintier- zncht-Verbaches im Direkrions'bczir'k Frankfurt a.M. feierlich cr- öfstret. Dem Festakt wohnten als Ehrengäste u. a. bei: Der Eisenbahn-Präsident Reuleaux, der Dezernent für Wohlfahrtspflege Oberregierungsvat Dr. Weber, beide von Frankfurt' a. M., Pro- vmzialdirektor Geheimerat Dr. U s i n g e r, der Rektor der Landes^ Uiriversität Prof Tr. & i s e v ins, Oberbürgermeister K e l l c r.
Tie Ausstellung umfaßte rund 500 Munmern, war in einem großen Zelt und außerdem m der alte:: Halle der Schönen Aussicht imte-cgebracht. Unter dev vorgefül/eten Tieve:: befanden sich im ganzen 20 Ziegen imi» Lämmer, sowie 14 Stämme Geflügel, während der Rest der ausgestelltest Tiere aus Kaninchen aller möglichen Nassen bestaiw. — Tie Prämiierung hatte das folgende Ergebnis: Ziegen: Ehrenpreise: Kl. WellerEieseck ncÄst Verbands- znsatzprcis, K. Luh-Lekhgestern, H. Höbel-Gießen. Erster Preis: H. Reitz-Gieße::. Ztveiter Preis: W. Walter-Daarbringen und W. Krng-Gießen. Dritter Preis: G. Ncu.ratl--Klein-Lttwen und H. Bender-Gießen. — Zicgenlämmer: Ehrenpreis: L. Sehrt-Großen- Lindcn nebst Verba:ws?M''ahPreis. Erster Preis: W. Schultheis- Lollar. Zweiter Preis: 5s. Höbel-Gießen. Dritter Preis: K. Weber- > Wlieseck. — Geflügel: Ehrenpreise: W. Walter-Taubringen nebst Verbandszusatzweis (für Emdener Gänse), K. Christ-Gießen (für Eis tauben). Erster Preis: F. Hcßler-Bad-OLauheim (fiir weiße Wyandottes). Zweiter Preis: K. Lotz-KleiwLinder: (für Lanf- ei:ten). derselbe (Italiener, reblmhnfarbig), K. Bloß-Bonames (rote Isländer), H. Hofmann-Gießei: (Brieftcritben). Dritter Preis: W. Reuter-Wieseck nnd K. Lotz-Klein-Linden (rebhuhnf. Italiener) Und H. Hofmaun-Oließen (Brieftauben). — Kamnchen (Alttiere): Belgische Riesen: Ramncker: Z:veiter Preis: Eis-enbahn-Kleintierzucht Veren: Limburg und 'K. Weil-Friedberg. Dritter Preis: Eisenbahn
Kleintierzucht-Verein Limbürg, I. Bccker-Gieße::, K. Eich hon:- es
Flörsheim und Weber-Burg (Dillkreis). — Häsinnen: Ehnmpreis: Sturm-Dieburg und 5). Hoeck-Fulda. Zweiter Preis: K. Jüngst- Gießen, Anton-Gießen und H. Hoeck-Fulda. Dritter Preis: Han- tum-Fulda nebst Verbandsznsatzpreis, F. Beppler-Gießen, K. Geitz Gießer:, H. Hörle-Gn'inberg, H. Hassev-Nieder-Meisel und W. Krug-Gießen. — Häsinnen mit Jungen: Ehrenpreis: Herckreilhan- Fulda. Dritter Preis: I. Beckcr-Gieß«r, W>. Müller-Gießen, A. Bylicki-Sindlingen uns W'eßerli-Gießen. — Deutsche Riesenschecken: Ram mler: Ehrenpreis: Kleintierzucht verein O-roßen-Lindcn. Zweiter Preis: L. Jüger-Frarrkfurt a. M.. K. Christ-Gießen und Fr. Doeppcs-Linrburg. Dritter Preis: Briegel-Eifa, Kleintierznchtv. Ober--Rvdm, K. Moß-Bonames 'und 01. Sonneborn.-Torlar. — Häsinnen: Ehrenpreis: Herchenhcm-Fulda. Zweiter Preis: Hel:n- Gießen und Sturm-Dieburg. Dritter Preis: I. Hof-Limburg und Kleiutierzuchtv. Großei:-L:nden. — .Häsinnen mit Jungen: Ehrenpreis: H. Kreutcr-Gießei: nnd H. Brann-Ridd-a. Dritter Preis:
K. Stotz-Klein-Lindei:, K. Bloß-Bvnames und Klcüntierzuckstverein Olroßen-Linden. — Teiitsches Landkaninchei:: Zweiter Preis: Stüber-Frankfurt wM. — Französische Widder:-Rammler: Ehrenpreis: W. Schultheis-Lollar. Dritter Preis: L. Klein-Gießen. — Häsinnen: Ehrenpreis: W. Sckacktheis-Lollar. Zweiter Preis: K. Marx- Gießen. Dritter Preis: L. Klein-Gießen, H. Bender-Gießer: und Linkersdörser-Rödell-eim — Weifte Riesen: Rammler: Ehaonpreis: I. Atzert-Fulda. Znwiter Preis: Briegel-Eifa und H. Köhler-Ge- derri. Dritter Preis: L. Klein-Gießeg nnd K. Bloß-Bonames. — Häsinnen: Zweiter Preis: K. Lang II.-Klein-Linden und I. Atzert- Fulda (letzterer noch mit 3. Preis). Dritter Preis: Briegel-Eifa, SB'. Rcru-Gie^m, O. Fiedler-Dorlar und Spitznagel-?lsckXlsfenburg (2 dritte Preise). Häsinnen mit Jungen: Zweiter Preis: G. Rerrralh- Kleiir-Linden u. K. Luh-Leihgestern. Dritter Preis: K. Bloß-f3o:m- mes. Mane Wiener, Rammler. Zweiter Preis: Berbai:dszuckststat. Gießen und Kaniuchenzuchtverein Gießen iknd Ulng. Dritter Preis: Kubischock-Rödelhein:. Häsinnen; Ehrenpreis: T. Luh-Leil>gestern Zweiter Preis: Verbmidszuchtstatiou Gießen. Dritter Preis: I. Wechel-Gießen nnd Fr. Bachmann-Gicßer:. Häsinnen mit Junge::; 3. Pr.: Wilh. Schipp-Fulda. — Weiße Wiener; Häsinnen; Ehre::- Prcis: I. Mantel-5>öchst. — Rheinische Schecken; Rauunler, 3. Pr.: H. Gnke-Hünf-eld. — Hasenkaimcckwn; Rammler; Ehrenpreis: K. Bloß-Bonmnes. 2. Pr.: F. Hesster-Bad-Naullriin und A. Leister'« Fulda. 3. Preis: K. Chrrst-Gießen. Häsinnen; K. Christ-Gieß'ep zwei 2. Pr. —• Angiova-Kaninchen; Hasinner:; 2. Pr.: A. Keller- Gießen. — Japaner Kaninchen; Rammler; 2. Pr.: P. Scknnidt- Saasen. Häsinnen; 3. Pr.: W. Rau-Gießn:. — Ha van na -Kü n in- chen; Rammler; 2. Pr.: K. Faulstich-Fülda. Häsinnen; 2. Pr.: K. Fanlstich-Fulda. 3. Pr.: Kaninchenz.-Verein Gießen :md Umg. — Germania Silber; Häsinnen; Ehrenpreis: W. Schicktheis-Lollor.
(Schluß folgt.)
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Sport*
Gießen, 10. Okt. Der Gießener „Verein für Rasei:spiele v. 1900" veranstaltet am Samstag den 20., Somttag den 21., Samstag den 27. ur:d Sonntag der: 28. Oktober Wettkämpfe um die „Gießener Kriegsmeisterschaft im Rasensport". ZW den Wettkämpfen ist jedes V^itglied eines Gießener Sport- oder Tur::Vereins zngelassen. Die Kämpfe sind folgendermaßen verteilt: Samstag den 20. -Oktober, nachu:. 7*4 Uhr, FauWallwettspiel auf dem Hofe des Larchgraf-Ludwig-Gtimnasiums, daran anschließend an demselben Orte ein Tamburinwettspiel. Sonntag den 21. Okt., morgens 7 2 IO Uhr, Eilbotenlauf auf der Stvaße Gießen—Reis- kirchen; nachmittags 3 IIhr Fußballwettspiel auf dem Sportplatz an der Hardt. Samstag Den 27. Okt., nachm. 1 / i 4 Uhr, Schlagpallwettspiel auf den: Sportplatz an der Hardt. Sonntag den 28. Okt., morgens 1 / 2 10 Uhr, Tenniswettspiel ans dein Platze der Liebigs- höhe : mittags 3 Uhr 7500-Meter-Lauf in der Rennbahn an der Hardt. Jeder Teilnehmer erhält für einen Sieg in einem Wett- kanrpfe 5. für eine Niederlage 2 und für die Teilnahme selbst eber:falls 2 Punkte. Der erste Sieger im 7500-Meter-Lauf erhält 15, der ztvcite l0, der dritte 5, der vierte nnd fünfte je 2 Punkte. Wer die Hvchstz<chl von Puirkten erreicht, ist Sieger. Jeder, kam: sich zu einer beliebigen lllnzahl von Kämpfen melden. Die Sieger- Verkündigung findet nach dem 7500-Meter-Lculf am 28. Oktober auf der Remrbahn an der Hardt statt. Die fünf ersten Sieger erhalte:: Medaillen. Jeder Teilnehmer hat vor Beginn der Wettkämpfe 50 Pf. Startgeld zu entrichte::. Annnldungci: sind, unter AngÄe des Namens, Vereins und der Kämpfe, an denen sich der Meldende zu beteiligen wünscht, bei Vogt in der Sonnmsttaße (Deveinslokal des Vereins für Rasenspiele v. 1900) abzugeb-en. Sck/üler können solche Mach v-n Mitgliedern des Bereit abgeben. Melduirgsschluß ist am Sonntag den 14. Okt., abends 7 Uhr. Um sehr zahlreick)e Beteiligung, besonders bei dem F::ß- und Schlagballspiel, wird gebtten.
Gie^cneT' St^Hithe-arer'.
Drrs Glück im Winkel.
Schauspiel in 3 Akten von H e r m a n i: S u d e r m a n n. t
. Sudermanns schwächliche Schul.meistertragödie, die beherrscht wird von der Eharakterzeichnung des thpische:: preußischen Junkers im extremste:: Sinne, war in Erinnerung des 60. Oleburts- tages des Dichters wieder einmal zun: Lebe:: erweckt worden.
TaS „Glück im Winkel" hat Frm: Elisabeth-gesimden, als sie sick, vor den stürmische!: Werbungm des hwrischen Freiherrn von Röcknitz in die Arme des Rektors Wiedemann flüchtete. Aber die endlich gefundene Ruhe ioll noch eiinrcal gestört werden. Röcknitz kommt mit seiner Frau Bettina in die Kreisstadt, die unterdrückte, eingefchläferte LeidensckMft zu Elisabeth wacht jäh auf, behauptet ihr Recht und — — Elisabeth unterliegt. Sie ist aber nicht die Fxau, um sich zur Sklavin einer Leidenschaft zu machei: und ivill
lieber in den Tod gehen. Da greift ihr Mann, der Rektor, ein.
Es erfolgt eine Aussprache, die das Glück in: Winkel" wieder herstellt. Tie naheliegende Frage „W:e lange?" bleibt ungelöst, im: so mehr die als scteoankend gezeichnete HalOing der Rektors-- gattiu Spielvmrnr fite jede Deutung zuläßt.
Suderumnn greift hier, wie so oft, ein ütteressantes Problem aus, weis; es aber weder durchzusühren noch innige FMung damit zu gewiirnen. Der Erfolg ist die in den Vordergrund geschobene Angenblickswiltung, die ihre Kraft mit dem Ablauf der
einzelnen Szenen verliert und erkennen läßt, wie gering die
Tiefe ist, aus welck-er der Dichter seine Charaktere hervorholt. Zeas Glück im Winkel" hat allerdings in der Schaffensperiode Sudermanns eine Art Sorüerstcllnng. Wie ein zögerndes Kind steht es auf der Grenze des „Tranttltischen" uub „Theatralisck-eii". Wühre:ck> Sudermann in seinem ErstlingÄverk, der „Ehre", noch dem reine,:, dramattschen Naturalismus hickdigt und in „Sodoms
Ende", dem subjektiv u?alwstei: Drama, den Höhepimkt erreickst, zeigt das „Glück im Winke!" bereits deutlich die schou in „Heimat", durch die Paraderotte deö sentimentalen lleberlveibs Magda, der Repräsentanti;: rücksichtslosen Lebensgeunsses, vorbereitete Effekthascherei, die in späteren Werke:: des Dichters mitunter auf die Spitze getrieben wird. Dieselbe Entwicklung haben wir in der Prosa. Hier leie dort zunächst Liefere Innerlichkeit, die Sckstlderung wirkliche,: Lebens in künstlerischer Form, dann ein langsames Naä>- lassen in der Fundierung der inneren Wahrheit imd die Aus- meißelring theatralischen Rankemvetzks, durch das dann die stärksten Wirkungen erzielt werden. Es ist ganz selbstverständlich, daß durch diese Spezialisierung, die grelle Betonung der wirksamen Forur und die Gegenüberstellung schärfster Köutraste, die gestaltende Verinnerlichung leiden mußte, nnd die überzeugende dramalische Wahrheit schwand, so daß schließlich nur mich rein theatralische Gesichtspunkte ausschlaggebend sein konnten. Abgesehen von den: verunglückten, unangebrachten Versuch, im „Sturn:- gcsellen Sokrates" ein 5tärnstwerk zur politischen Kundgebung umzugestalten, verdankt die deutsche Bühne jedoch dankbare Erfolge den: starken „Theatealiker" Snderruann, und als solcher muß der Dichter des „Glückes im Winkel" anerkannt und gewürdigt werden.
Unter diesem GesiA?tspunkte lmrrde allen: Anscheine nach auch die gestrige AuMhrung geleitet. Wllhclm Stengel, der für die Spielleitung zeichnete, fcljaif prachtvolle Bühneiibildcr nnd gestaltete den „Winkel"' so gemütlich und anheimelnd, so überzeugmd warm, wie er bei den vorhandenen Mitteln gar nickst besser gegeben werden konnte. Sein „Wiedemann" paßte dementsprechend wundervoll in der: mschrfsvne:: Rahmen. Da war kerne U:nrusgcgliche>llM, kein Schaoanken und Taste:;, sondcrr: zielbewusste, vermnerlickste Llufsassurrg mit> Wiedergabe. Eine heitere, abgeklärte Rrche, erprobt in Stürmen des Lebens uick) bedingt durch eine grvße, edle Seele, ging von diese:,: Rektor aus und lwb die an nnd fite sick» schon fite diese Figur des Schau
spiels vorhandene Sympathie ganz wesentlich. Hieran vermochtt selbst die Unpäßlichkeit des Darstellers nicht ' zu ändern. Ebenso bcrvußt und angcbvackst rvar die Maske und Haltung Stengels in der Heroorbebililg des richtigen Abstar:des zwisckZer: Wiedemann ^und seiner Gcrttin Elisabeth, die in Herta E l l e 1 : h a u s c eine würdige Vertreterin fand. Hier die firnge^iuüde gel-etzte Frau, in der ,u>ch ab nnd zu die heiße LebensselKifiichc emp'vrquillt, dort der gereiste, stille Mann, der in seinem Berufe aufgehl und fite den das Glück seiner Familie das Höchste bedeutet. Etwas widerstrebende Empfindunge:: mußte der „Röcknitz" Oskar Feigels erwecken. War der angeschlagene leichtfertige, hunnische Ton des absol,:ten Jch-Menschen auch durchaus richtig, so lassen verschiedentlich eingestreute Aeußenmgen, die wie kleine Blitzlichter auftaucheu, doch vermuten, daß hinter diesen, Krautjunker, dessen Lckbcusiulxckt Weiber ::nd Werde stich cttvas mehr steckt, und daß unter dieser Oberfläck-e auch ,wch' eine gewisse Tiestt
vorhanden ist. Und dann — --einmal wird wohl auch'der Jteei-
herr von Röcknitz aus Witzlinge,: die Reitpeitsche aus der Hand gelegt haben! Ein Bild von erschütternder Wahrheit schuf Hewne Kallmar als blindes Leuchen, und bewies, wie auch Willy Borchardt als Dr. Orb, starkes Charakterisicvimgsver«üUen. Als würdiger „Dangel" zeigte sich Ad. Falken. Zu erw Wten wären noch die Dam«:: Beling, Doerr und Girardi, die sich ihrer kleineren Aufgaben mit Geschick entledigte!,:.
Z:c bedmurn ,var die merkwürdige Haltung eines g«»«fsen Teiles des P,Älckums. Die Kunst, sich über alles frei«: zu Kmren, ist ja gewiß nicht zu verachte::, Joern: aber diese Freude sich ist Augenblicke:: äußert, tvv sie am wenigsten angebvackst ist, :md dadurch dramatische Höhepunkte tatsächlich zerstört werden, so ist das sehr zu beklage::, gmrz abgesehen davmr, daß es mrbegrerstich erscheint. —w. m.-^


