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18.10.1917 Erstes Blatt
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(25238.) Großes Hauptquartier. 17. Oktober. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

In Flandern schwoll der Artilleriekampf vom Neber- jchwemimrngsgeviet der Yser bis zur Lys gestern wieder zu erheblicher Stärke au. In einzelnen Abschnitten war der Feuerkampf am Abend und auf der ganzen Front heute ,norgen gesteigert.

Außer Erkundungsgefechten, die auch zwischen dem Kanal von La Bassöe und der Scarpe zahlreich waren, kam es nicht zu Jnftmteriekampstätigkeit.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.'

Der Feuerkampf NÄrdöstllch von S o i s s o n s dehnte sich auch gestern seitlich aus und war zeitweilig sehr heftig. Er hielt auch nachts an.

In der westlichen Champagne. in den Argonnen und auf dem westlichen Maasufer erreichte die Artillerietälig- keit gleichfalls größere Heftigkeit als in den letzten Tagen.

*

Zchn feindliche Flugzeuge und ein Fesselballon sind gestern abgeschlossen worden. Leutnant von Bülow brachte seinen 23. und Leutnant Böhme den 20. Gegner im Lust- kampf znm Absturz.

Dünkirchen wurde von unseren Fliegern erneut mit er­kannter Brandwirkung durch Bomben a g griffen.

Zur Berge tmrg für die Bombenabwürfe feindlicher Flieger auf offene deutsche Städte wurde die im französischen Operationsgebiet liegende Stadt Nancy von uns mit Bom­ben veworfen. Gröbere Brände waren die Folge.

O e ft l i ch e r Kriegsschauplatz.

Die auf der Halbinsel S w o r b t noch Widerstand leistenden feindlichen Kräfte wurden gestern durch unsere Truppen Wenoältigt.

Die Insel Oesel ist damit völlig in unserem Besitz.

Die Beute mehrt sich. Gestern wurden mehr als 1100 Gefangene eingebracht.

Unsere Se-estreitkräste hatten nördlich von Qesel und im Rigaischen Meerbusen mit russischen Zerstörern und Kanonenbooten Gefechte, die für un§ günstig ausgrngen.

Ohne eigenen Verlust wurden die Kindlichen Schifft von uns zur Umkehr gezwungen.

Marine-Luftschiffe bewarfen Pernau mit Bomben. Große Brände brachen dort aus.

Auf der festländischen Front lebte die Gefechtstätigkeit an mehreren Stellen beträchtlich auf. Vordringende Streif- abteilimgen der Russen wurden vertrieben.

Mazedonische Front.

Keine gröberen Kampfhandlungen.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorsf.

Berlin, 17. Ott. (Amtlich.) Nach der Nieder- kümpftmg der schweren Batterien auf der Südspitze der Insel O e s e l sind unsere Seestreitkräste in den Rigaischen Meerbusen eingedrungen. Sie haben ihren Vor­marsch nach Osten am 17. Oktober fortgesetzt und beherr­schen das Seegebiet bis zum Moon-Sund.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

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Der Rbendberichl.

Berlin, 17. Ott., abends. (WTB. Amtlich.)

In Flandern, nordöstlich von Soissons, und auf dem Ostufer der Maas lebhafter Artilleriekanipf.

Vom Osten bisher nichts Neues.

Während aus Wien, auch von dortigen demokratischen Müttern ausgehend, die Ansage gekommen ist, daß es jetzt ein Ende habe mit direkten oder indirekten Friedens Vor­schlägen und daß die Zentralmächte, nach den Kundgebungen der Feinde, jetzt schon wieder freie Hand hätten möchte das Berliner Tageblatt noch immer an den Hinterpforten des Entente-Hauses sich herumtteiben. Das Blatt veröfsent- licht aus der Feder des Züricher Professors Dr. Fellbogen einenVorschlag", der also anhebt:

Was könnte die deutsch Regierung noch tun? Sie könnte s o - f o r t an die Verbündeten und an die Neutralen die Einladung richten, unverzüglich zur 'Organisation der allerwichtigstcn Einrichtungen für friedliche Schlichtung von Völkcrstreitigleiten zu schreiten und den feindlichen Staaten den Beitritt zu diesen Einrichtungen jederzeit offenhalten. Dieses Minimum von Friedensordnung ist das internationale obligatorische Schieds­gericht mit einer genau begrenzten, aber nicht zu unbedeutenden Kompetenz. Sie müßte ihre Bereitwilligkeit erklären, sich in Streit­fällen genau bestimmter Art ohne weiteres der Entscheidung dieses internationalen Gerichtshofes zu unterwerfen, und zwar schon im Laufe des Krieges."

Hier schaltet die Redaktion des Berliner Tageblatts zwar in Parenthese ein,dieser letztere Wunsch dürfte schwer ausführbar sein", aber diese neueste Unterwürfigkeit bleibt doch so ungeheuerlich, daß sie allem bisher Dagewesenen die .Krone anffetzt. Diese geradezu bösartige Würdelosigkeit und Eilfertigkeit, uns draußen wieder von neuem lächer­lich zu machen, wird doch wohl selbst bis in die Reihen der Sozialdemokratie ein Kopfschütteln erregen. Es sieht wie ein verzweifelter Versuch aus, trotz der neuem zu unseren Gunsten ausgefallenen Kraftprobe in: Rigaischen Msckvmrsen die feindliche Sttmmungspolitik noch, einmal zu stützen. Da ist es wertvoll, daß die Kölnische Zeitung gerade heute einen

Aufsatz über diese Sttmmungspolitik der Gegner veröffent­licht, in dem diese als eineverfehlte c^iekulattou" be­zeichnet wttd. Mlerdings konnte man auch das Treiben unserer eilferttgen Friedensmacher vor ein paar Tagen noch als verfehlte Spekulation bezeichnen. Die Kölnische Zeitung schreibt:

,Zn Flandern haben Franzosen und Engländer Hnnderttau- sende von Soldaten geopfett, mit dein kläglicl)en Ergebnis winzigen Raumgewinns. Noch nicht hnndett Geviertkilometer Raum ist ihnen in Flandern in die Hände gefallen, während mir gleichzeitig mit der Abwehr ihrer Angttffe im Westen allein bei Riga u:ü> Jakob­stadt 3424 Geviertkilometer erobetten und btt der Befrttung Ga­liziens und der Bukowina 23 275 GeoiertküoMeter zurückgewon- nen wurden. Es ist einer der eigentümlichen Gegensätze dieses Krieges, daß die ttnen in der Offensive der Stimmung erfolgreich! srild, die andern in der Defensive und Offensive der Waffen zugleich fest und sicher den Erfolg in Händen halten. Wir stehen als Sieger im Ostseewinkel, an ttnem der Drehpunkte dos Kttegsscl-auplatzes, Hunderttausende von Fciirden fallen als Opfer des aussichtslosen Versuches, unsre stählerne Mauer zu durchbrechen. Die Engländer läuten Siegesglocken, haben wieder ihre Presse zu ttnem ttnhttt- lichien Ofsensivstoß gottnigt und das Tvonrmelsauer der Stimmungs­beeinflussung gegen uns eröffnet, unter geschickter Ausnutzung ttnes politischen ^Katzenjammers btt uns, verursacht durch ttne Krise, dlie in unserer Kraft nichts zu ändern vermag, dem Scheine nach .aber ttne Schwächung bientet, die England flink ausnützt. Seit einigen Wochen ist in der englischen Presse ttne auffällige Wandlung zu bemerken. Noch bis etwa zum 20. September waren die englischen Ztttungen voll von Bettach­tungen über die inneren Schrviettgkttten der Nahrungsmittel- und der A rbtt der frage; gereizt und kriegsmüde verlangte die Prttse ein klares Ziel und einen festen Plan für den baldigen Abschluß des Krieges. Uuznfttedenheit mit Lloyd George machte sich gelterrd, die Kolffervativen waren merklich von ihm obgerüeft, die Arbeiter hatte .er sich sttr längerer Zeit entfremdet. Der Gegensatz zwischen der konservativen und der liberalen Presse, gerade in bezug auf die auswärtige Politik, war auffallend. Die liberalen Zeitungen verurteilten die starken Reden gegen Deutschland, machen sogar zum Tttl den Versuch, die rnnerpolitische Entwicklung in Deutschland als ttnen Fortschritt vom Standpunkt des Verbandes anzusehen. Seitdem genannten Zeitpunkt ist es anders geworden. Tie Gegensätze treten nicht mehr hervor. Tie Matter iloben die Staatsmänner der Gegen­partei. Tie Nahrungsmitt^lschwic ttAeiteri werden nicht mehr er­örtert. Begttstert werden die Erfolge in Flandern gepriesen. Die Zeitungen sind voll des Triumphes über den Zufanmrenbruch des an Morschen und Material erschöpften Deutschands."

Die liberalen Blätter im England haben eine entschiedene Schwenkung nach rechts gemacht. Uebereimfttmnrend wird der StarrdPunkt vertreten, daß ein Friedensschluß zurzeit aus­geschlossen ssi; es gelte, zu kämpfen, bis der deutsche Mili­tarismus unterworfen sei. Die Kölnische Zeitung spricht von einem großzügig organisierten Werbeftldzug und fragt: Was ist nun der Zweck der Uebung, zu der der Zeitpunkt offenbar mit Rücksicht auf unsere derzeitigen innerpolittschen Zustände gewählt ist? Offenbar ein dreifacher: die Wirkung auf uns, daß wir eingeschüchtert werden sollen. Ferner die Wirkung auf die Neutralen, die noch mehr geknebelt werden sollen als bisher. Schließlich: Hebung des Kampfgeistes bei der englischen und bundesgenössischen Bevölkerung."

Ja, in dieser Beleuchtung müssen wir denVorschlag" des Berliner Tageblattes betrachten. Es ist nur ein Trost, daß an dem Vorschlag und an denen, die ihn heraus­gebracht haben, nichts deutsches ist. Es ist auch so viel oder so wenig Schamgefühl dabei, wie ihn etwa ein Lohndiener hat, der von seinem Herrn einen Trttt erhallen hat und danach doch noch die Hand ansstreckt, >um ein Trinkgell) anzu­nehmen.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien. 17. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

An unserer Ostfront und in Albanien lebte stellenweise die Gefochtstätigkeir auf.

Im Gabriele-Abschnitt wurden abermals italienische Vorstöße abgewiesen.

Der Chef des Generalftabes.

Die Zn?rl ®efe! völlig in deutscher Hand.

Bern, 18. Okt.Petit Parisien" schreibt: Das Auf­tauchen der deu tschen Kriegsflotte in d er O sts ee ist wohl der schlagendste Beweis, daß die Meuterei in der Kriegsflotte nicht bedeutend war und feine ernsteren Folgen hatte. Das Ziel der Deutschen sei offensichtlich, sich in der Ostsee wichtiger Stützpunkte zu bemächtigen, um im ge­gebenen Augenblick mit allen Vorteilen den Kampf gegen die russische Flotte aufzunehmen. Es sei die höchste Zeit, daß die russische Regierung endlich die Landesverteidigung energisch, organisiere.

Berlin, 17. Okt. (WTB) Zur Eroberung Oesels wird weiter mitgetttlt: Die russischen Seestreitkräste, dar­unter Linienschiffe, Panzerkreuzer, Kanonenboote, Torpedo­boote und Unterseeboote, befinden sich in schleuniger Flucht auf östlich-em Kurse u:rd ziehen sich, verfolgt von Teilen der deutschen Flotte, hinter ihre Minensperren zurück. Die noch auf der Halbinsel Sworbe befindlichen russischen Truppen sind damit jeder Möglichkeit zu fliehen beraubt. Die Erobe­rung Oesels sicherte der deutschen Marine nicht nur den Besitz des Rigaischen Meerbusens, den bisher die schweren russisch-englischen Geschütze von Zerel (Südküste von Pesel) beherrschten, sondern sie hat auch dresee st ra le­gi s ch e Lage in der Ostsee völlig zugunsten Deutsch­lands umgeschaffen. Die beiden Eckpfeiler unserer jetzigen Ostseestellung sind im Westen die Kieler Bucht, im Osten der Rigaische Meerbusen mit dem schützenden Oesel. Wie aber Kiel gleichzeittg den südlichen Zugang zur Nordsee (durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal) beherrscht, so bildet auf der anderen Seite Oesel den südlicher: Torflügel zum Eingang in den Finnischen Meerbusen und ist durch diese doppelt« Bedeutung nach Westen und nach Norden der Schottelpunkt der Borrnachtstellung in der Ostsee. Der Besitz dieser Stel- lurrg sichert ferner unsere östlich der Düna stehenden Ar­meen, deckt Kurland, bedroht die Russen durch die Frei­legung des Weges nach Estland. Den englischen unwider­sprochen gebliebenen Hoffnungen, sich in der östlichen Ostsee festzusetzen, hat die (ä?oberung Oesels die letzte Stütze ge- noinmerr. Für das bei der verwickelten und andersgearteten Besehlserteilnng stets äußerst schwierige Zusammenwirken von Heer und Flotte war die Unternehmung gegen Oesel ein Schulbeispiel, lieber den Anteil der einzelnen Schiffs- llassen näheres zu sagen, ist bis heute, wo die Unternehmun­gen noch nicht abgeschlosserr sind, noch nichsl ain der Zeit. Aber das Geleit der größeren Trarrsporttflotte weist ebenso wie die Zusammensetzung der uns gegermberstehenden obenerwähn­ten russischen Seestteitkräste darauf hin, duß die Kleinmittel des Seekrieges bei all ihrer ansopferirden und glänzend be­währten Tätigkeit in diesem Falle nur vorbereitende Schritte tun konnten. Auch bei dem Fortgairg der Unterneh­mungen werden sie in erster Linie mir die Sicherung und eine Einzelwaffe darstellen können für eineu Erfolg, der nur durch die Wirkung des Großkampffchiffes erreichbar ist.

Die Auffaffung des russischen Admiralstabs.

Petersburg, 17. Okt. (WTB.) Meldmig der Petersburger Telegraphen-Agerrdrr. Tie zuständigen ?Narindkrttft sehm die gegenwärtige Lage in der Ostsee solgendennaß-cn an: Während unsere Flotte im Kampfgebiet von tnermol so starken deutsä-en bedrängt wird, befindet sich unser .Heer in einer günstigeres Lage. Tie Tagelacl^-Bucht ist die einzige Stelle, wv Verstärkungen gelandet werden können. Sie ist den Nordwrirden zugänglich, die dort seit Antt Tagen tv-eher:. Die Ueberführimg unserer Verstärkun­gen aus Oesel hängt nicket von atmosphärischen Bedingung«: ab. Ties erklätt die andauernden Versuche deittscher Tixpedoboote, bis zum Moon-Si:nd vorzudringen, um unsere Verbindungen zr bedrohen, und die erbitterte,: Angttffe des Fittiches aus nufere Trup. pen, die die Verbindungen bervacher:. Die Frage imrß demnächst gelöst werden; dem: toir beschleunigen die Entsendung von Ver­stärkungen, und ttn Gegenangriff steht bevor.

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Die Lage in Rußland.

< Rotkrrdain. 18. Okt. DemHl. Rott, Emir. Mifolq« meldet der Darur Telegraph aus Petersburg, daß die Mahlen für die gesetzgebende Versammlung am 25. November statt- ftrchen. Die gesetzgebende Veffammlung wird am 13 Dezember eröffnet werde::. Die Bolschewicki beabsichtigen für den 15. Nov e:ne allgemeine Versammlung der Soivjets ttnzuberufen. In Char- koiv und Tembow haben Progrome stattgefunden.

Sin FriedenSvorschlag Gorkis.

Petersburg, daß das Blatt Gorkis den jetzigen Augenblick für seyr geeignet l-alte, Friedensverhandlungen ttnzulttteu, da alle Machte nrtt Auslmhm-e von England lachst erschöpft stten.

Franen im englischen Hilfsdienst.

Berlin, 17. Okt (Pttvattelegranrm,) Der englische Kor re- sporcherN derNeuen Züricher Zeitung" meldet nach derVoss. Zectung : Der e,ngliiche Kttegsminifder snckü jetzt für die Hi l fs- or nt st a r m e e eine Million Fra it eit, die Bnvachimgsm inn - schäfte:: der militättschen Depots und Magazüre ersetzen sollen^ Frauen sollon ausgerüstet irnd wie Rvkritten gedrillt werden.