Ausgabe 
8.9.1917 Erstes Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Hch oruck, aus der Lußerst heMm .Lage beftett hüben, die nach

dem UebevMMg der Deutschen über die Düna entband, die Nach­wirkung davon, und sie empfinden das llebergewlicht der feindlichen! iAirtillette. Viele (Änderten kämpfen tapfer, aber viele andere laffen Erschöpfung Md Panik erkennen..

Der Eindruck von Rigas Fall in Petersburg,

Stockholm, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.)Stock­holms Tidningeu" erfährt durch einen Petersburger Be­richterstatter Einzelheiten über den Eindruck, den der Fall Rigas in der russischen Hauptstadt machte. Die Meldung wurde von einer kleinen Gruppe von Arbeitern und Sob daten, die vor dem Generalstabsgebäude standen, mit Hurra­rufen begrüßt. Die Bolschewicki veranstalteten eine Kund­gebung, bei der die Internationale gesungen wurde. Nach dem Grunde ihrer Freude gefragt, auttuorteten sie:Wir sind Internationalisten. Jeder Sieg, ob deutsch oder russisch, nähert uns dem Frieden." Am 4. September kam es abends aus dem Newsky-Prospekt zu großen Ansammlungen, wobei Rufe wieNieder mit dem Arbeiter- und Soldatenrat!" hör­bar wurden. Andere Hausen durchzogen die Stadt und schrien:Nieder mit dem Ministerium!" Später kehrte die Ruhe wieder ein.

Russische Zeitungen melden, man erwarte infolge des Falles von Riga eine Veränderung in der obersten Heeres­leitung. Einige Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates setzen alle Hebel in Bewegung zur Verabschiedung Kornilows.

Petersburg KriegSzoue.

Petersburg, 6. Sspt. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Teleg-ravhen-Agmtttt. Die durch die Rcftunung von Atiga bd>rr'jtat FWUtveränderungen haben Petersburg in die Zone der Armeen gerückt. Ta jedoch die Anwesenheit der Regvemng intb Berwaltungskörper die Anwendung der Militär­gerichtsbarkeit verhindert, hat die Regierung beschlossen, eine be­sondere Zivil Verwaltung zu schaffen, die vor allem die öffentliche 'Ordnung in Petersburg aufrecht Au erhalten 1)01

Rotterdam, 7. L>ept. TieMvmingpost" meldet ans Petersburg: Tie Regierung beginnt, die Regierungsallen von Petersburg nach Moskau. zu verbringen. Petersburg wurde als KnegsKvne erklärt. Man erwartet zwar keinen Vormarsch der deutschen Truppen auf PeterÄmrg, glaubt aber an die Gefahr einer Maßen deutschen Flvtteiraktion.

Zürichs 7. Sept. TerSearfü 1 " meldet mrS Petersburg: Die provisorische Regierung hat einen Aufruf an alle männlichen Russen bis zum 55. Lebenswahre erlassen., sich zur Verteidigung des Vaterlandes zu stellen. In Petersburg sftw öffentliche Ver­sammlungen und Ansammlungen von mehr als 4 Personell ver­boten worden. Die Berichte über die Entwicklung der Dinge in Rußland lauten sehr düster.

Entlastung Petersburgs.

Petersburg, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich,) Meldung der Petersburger Delegvaphen-Agentur. Die erste Konferenz zur Ent­lastung von Petersburg unter dam Vorsitz des Postmrnisters Nikotin hat beschlossen, daß es notwendig sei, 'unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, durch die Personen, die weder tf?ren Wohnsitz in Peters­burg haben, noch >dort dienstlich zu tun haben, von der Hauptstadt serngehalten werden. Der dlttnister für Verkehrswesen wird den Verkauf von Fahrkarten nach Petersburg oDer über Petersburg an alle diejenigen Personen untersagen, die nicht eine besondere Er­laubnis zur Reise nach der Hauptstadt besitzen. Personen, die ohne ein« solche die Hauptstadt betreten würden, solle:: ausgewiesen wer­den.. Um ^u verhindern, daß Flüchtlinge aus den kürzlich vom Feinde besetzten Gebieten nckch Petersburg strönren, werden die Züge Mit solchen an PeterÄmrg vorbeigeleitet werden. Die Flüchtlinge werden auch nicht in Moskau zugelassen werden.

Amsterdam , 7. Sept. Das Mehl, das im Jul: nach Peters­burg gebracht wurde, betr-agt weniger als 25o/o vloir der Menge, die im Juli 1916 per Achse und nur 1°/o von dem, was zu, Wasser eingesühtt wurde. Die Lage der Hauptstadt ist, was die ErniÄhruTrysfoage betrifft, bereits bedrohlich. Man ergreift Maß­regeln, um An verhindern,, daß Flür^llinge.aus dem Gebiet vvtt Riga die Bevölkerung vermehren. Sie sollen rmch Süden abge­leitet werden.

General Kornilows Urteil über hie russischen Mordbrenner.

Beseht des Generals Kornilow.

Im Besitze einer Meldung des Befehlshabers der 11. Armee, daß Soldaten der ihm an vertrauten Armee bei der Räumung von Tarrwpol es gewagt haben, Eigentum zu rauben, Weiber und Kin­der ^ zu vergewaltigen, friedliche Einwohner untereinander tot- z-uschlagen, habe ich den Befehl gegeben, solche Taugenichtse ohne Gericht erschießen zn lassem In Ausführung dieses Befehls sind durch eigens dazu bestimmte Kommandos 14 solcher Schufte auf dem Tatort ihres Verbreä)ens erschossen worden. Ich gebe das den Armeen der mir uitterstellten Fvonten bekannt und füge hinzu, daß ich den Befehl gegeben habe, alle die ohne Gericht zu erschießen, die Lebende öergttixritigert und töten, sowohl die friedliche Be­völkerung als auch ihre Kameraden, und überhaupt alle, die es !vagen werden, die Gefechtsbefehle nicht auszusühren, in einem Augenblicke, wo sich die Existenzfrage des Vaterlandes, der Frei­heit und Revolution entscheidet. Ich :oerdc vor nichts znrück- schrecken, im Namer: der Errettung des Vaterlandes vor dem Unter­gang. dessen Ursache das nichtswürdige Verhalten der Verräter und Feiglinge ist. Dieser Befehl ist allen Kompagnien usw. zu verlesen. General Kornilow.

Gegenrevolutionäre Verschwörung.

Petersburg, 7. Sept. (W. B.) Meldung der Peters­burger^ Telegraphen-Agentur. Man meLet, daß die Untersuchung über die gegenrevolutionäre Verschwörung energisch fottgesetzt wird. Man deckte Beziehungen gewisser Großfürsten, deren gemeinsame Verhaftung jüngst gemeldet worden ist, und von Persönlichkeiten aus der Umgebung des Exzaren zu gewissen monarchischen Politikern ans. Sehr große Geldsummen waren gesammelt. Spuren der Verschwörung wilden nicht nur in Petersburg, sondern auch in Moskau, Kiew, Odessa und selbst in Sibirien entdeckt. Tie Verhaftungen und Verhöre dauern sott.

Rußland unter Kontrolle.

Haag, 8. Sept. (L. A.) Aus Petersburg wird berichtet, tu russischen Finanztreisen verlaute, daß England und die Bereinigten Staaten auch nach dem Kriege die Post und das Telegravhenwesen in Rußland kontrollieren werden, um die Vorschüsse an Rußland langsam zu amortisieren, wahrend Japan die Verwtckttrng der Sibirischen Eisenbahn in der Hand behalten wird.

Die Kämpfe in West und Gst.

Berlin, 7. Sept. lWTB.) Nach dem Zusammenbruch ihrer Angriffe vom 5. September suchten die Engländer in Flandern am 8. mit allen Mitteln einen Erfolg zu erringen. Nach jeden: ab­geschlagenen Vorstoß setzten sie immer wieder mit Trommelfeuer rin. um doch noch einen Einbruch in die deutschen Stellungen zu ermmpfen. Das malische Trommelfeuer begann um 8 Uhr 80 ldoa mittags dehnte sich von L-angemark bis Wiesthoek aus. Die daran anschließenden Jnsanterieangriffe wurden in zahlreichen Wellen hintereinander vorgetragen, b-efonders in Gegend St. Ju­lien, wo die Engländer imnur neue Massen in den Kampf trieben.

deutschen Abwehrfeuer blieb der größte Teil der Stürmenden l-eroits vor den deutschen Hindernissen liegen. Was bis an die, Gräben herankam, wurde im Nahkampf abgewiesen. Nur südlich <bt Julien gelang es geringen.Dellen, iln die deutsche.Stellung eiü- ivkdringen. allein sie wurden im Gegenstoß umaeheiw wieder hin- ^uLgeworfen. Südöstlich Langemarck stieß eine deutsche ^Patrouille den weichenden Engländer:: :iach urid holte noch 1 Offizier 'und '9 JJbami aus öer englischen Stellung. Gegen mittag erneuerten! lve EllgLLnder ihre AngEssverßeche. Ihre Bereitstellungen wurden

ftdvch wirkungsvoll vom deutschem Bernichtnngsffner gefaßt und

der Angriss im Keim« erstickt. Um 8 Uhr 30 Minuten abends setzte be: St. Julien und Fvezenberg schlagartig neues starkes' Trommelfeuer ein. Die Wucht der anschließenden englischen Angriffe wurde wiederum bereits durch das deutsche Vernichtungsfeuer ge­brochen. Ter Sturm kam nur südöstlich von St. Julien zur Aus­führung und wurde glatt abgeschlagen. Kurz vor Mitternacht setzte östlich von St. Julien nochmals Trommelfeuer ein. Allein die Eng­länder brachten es zu keinem neuen Angriff mehr

In Gegend Lens wurde am frühen Morgen des 6. September ein englischer Angriff abgesckstagen. Am Abend wurden südöstlich von Lens vorgehende engliscl-e Kräfte vertrieben.

An der Aisnesront wurden in Gegend Vauxaillon und bei Basztlle erfolgreiche Pattoulllen unternommen. Gefangene wur­den ein gebracht. In der Westchampagne wurde ein französischer Pa­ttoulllen vorftoß abgeschlagen.

Die Artillerieschlacht vor Verdun flaute am Morgen des 6. Septembers infolge Nebel und Bvdeiümnstes ab. Diese Feuer­pause benützte ein tvürttenibergisches Regftnent, um die südlich Beaumont gelegenen französischen Gräben in: Sturm zu nehmen. Mit Handgranaten wurden die Franzosen verrrieben. Daraufhin setzte mit aller Wucht das Feuer wieder ein. Auch südrvestlich Beaumont hatte ein Pattoulllenvorstoh Erfolg. Ein französischer Angriff am Abend des 6. Septembers auf der Linie Louvement- Höhe 378 gegen die deutschen Stellungen blieb trotz größter Feuer­steigerung bereits in dem deutschen Sperrfeuer liegen.

Im Osten geht an der Rsgaer Front die Verfolgung der ab- zieherwen Rrcssen durch die deutsche Kavallerie unaufhaltsam weiter. Das Jnbrandstecken der Dörfer durch die fliehenden Russen schädigt lediglich das Land imb nrachlt die Bevölkerung obdachlos, ohne die deutsche Verfolgung aushalte:: zu könnem

AriLgIhrrefe aus dem Osten.

Bon unserem znm Ostheer entsandten Kriegsberickiterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die Besetzung von Dünamünde.

Riga, 6 September.

Gestern um 9 Uhr früh drmrg eine Marineabteilnng in die seit den: Abend des 3. von den Russen geräumte Festung Dünamünde und hißte auf der Zitadelle die deutsche Reichskriegsflagge. Die letzten Dampfer waren am Abend des 3. abgefahren. Noch den Angaben der Einwohner in Bolderas ist ein mit 2500 Manu beladener großes Fracht­dampfer, der nach Reval fahren sollte, dtrrch Bmnbennmrfe unserer Flieger versenkt war der:; unsere Flieger Meldung stellte zwei Dampfer als brennend :rnd einen als beschä­digt fest.

Vor ihrer Abfahrt hatten die Russen die großen Kohlen­lager, Schuppen, Lebensmitteldepots m Brand gesteckt, die gewaltige:: Mnurttonsvorräte, die überall in den Kase- rnatten lagen, fielen uns in die Hand, ebenso die Geschütze der Küstenbatterien, in denen man meistens nur die Ver­schlußstücke ab genommen hatte. Auf der Batterieb", dicht am Ausfluß der hier gewaltigen Düna., sah ich die 28-Ztm.- Mörser stehen, bis aus die fehlenden Berschlußstücke tvaren sie unbeschädigt, ebenso wie die vier Laugrohrgeschütze. Ueberall flamntten nocl) Brände empor, die bei dein starren Wind, der die Ostseewellen hoch aufpeitschte, schnell weiter- sraßen. Es war ein trostloses Bild der Verwüstung unter dem schwerer: Himmel, diese schwarzen Spercherreste, glim- meixben Schutthaufen Nur die hübsche Garnisonttrche, die wohl ziemlich bedeutungslose Zitadelle, standen wohlerhal­ten zwischen allen Linde::, die Kasennttttn mit ihrem kost­baren Inhalt lagen unbeschädigt da und noch überall die gefüllten Sprengkapseln.

Die Ostsee warf weiße Brecher gegen den Sttarvd, breit rollte die Düna zum Meer, über dein Grauer: der Ver­wüstung wehte die Fahne der Marine, und blaue Jungens machten sich an ihre Arbeit.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

%

Siegreicher Kampsabschlnß an der Jsonzofront.

Wien, 7. Sept. (WTB.) Ji: den Berichten der Jsonzofront stellen die Berichterstatter der Blätter fest, daß der Kampf um den Mtonte Sau Gabriele nach dreizeftttägigem' erbittetten Ringen für die heldenmütigen Verteidiger einen siegreick-ei: vorläufigen Ab­schluß gesunde:: hat. Der in: Westen, Norden und Nordosten halb­kreisförmig in die feindlichen Linien vorspringende Berg ivar das Ziel von über 50 übevaus erbitterten Angriffen des Feindes, der schließlich mindestens ein kriegsstarkes Korps in den Kan:ps ivarf. Die Eimrahnie des Berges würde fttt den Gegner eine Prestigesack-e sein, dem: sein Gewinn.rde ihm takttsch nur gcttnge Votteilo bieten, während für :ms der Verlust strategisch bedeutungslos wäre. Doch trotz der schwersten Opfer, deren Zahl in die Zehntausende gelü, vermochte der Gegner kernen Erfolg zu erzwingen. Der Berg, dessen Hänge mit Feindesleiche:: buichstabtich überdectt sind, ist heute ganz in unserer Hand. Die Verteidigung hat ihren Zweck erfüllt, den Gegner hier zu binden und ihm größtmögliche Verluste bei- zubringen.

Am Südftügel der Jsonzofront bei Selo sowie nordwestlich Hermvda gingen österreichisch-ungarische Trirppen zum Gegenstoß über lund entrissen dem' Gegner in kühnem Zugreism: den knapt>en Raumgewinn, den er in den schweren Kämpfen der 11. Jsvnzoschlacht bisher zu gewinne:: vermochte, inieder vollkomTmn.

Die gefälschte Witfonnste.

Berlin, 7. Sept. (WTB.) Wie bereits vomBerrwr Jntelligenzblatll' nachgewiesen, hat die Agenee .Havas die Antwort Wilsons ans die Friedensnote des Papstes' in ver­änderten Formen verbreitet. DieNordd. Mg. Ztg." stellt jetzt den englischen Originaltext und den Havastext einander gegenüber, looraus sich ergibt, daß der Havastext in wesent­lichen Punkten vom Omginaltext abweicht. So heißt es an: Anfarcg mit Bezug auf das Programm des Papstes bei Wilson:Es ist offenkundig, daß kein Teil dieses Pro- grarnnts erfolgreich durchgeführt werden kann, wenn nicht die Wiederherstellung des st^tus quo ante eine feste und befriedigertde Basis dafür bildet." Havas hingegen schreibt^ Es ist offenkundig, daß kein Teil des päpstlichen Pro­gramms glücklich durchgeführt werden kann, wem: nicht vorher uno vor allen Dingen, eine absolute Wiederherstel­lung des statts quo ante stattgefunde:: hat :cnd bevor unsere Feinde uns feste und befriedigende (^arantten für die Zu­kunft geliefert haben/' Ueber die Bedntgurtgen eines künf­tigen Friedens sagt Wilson:Die verantwortlichen Staats- nlänner müssen jetzt überall erkeirnen. 'vemr sie es nicht schon früher erkannt haben, daß kein Friede cnrf politischen und .wirtschaftlichen Beziehungen sicher ruhen kam:, die auf einen Racheakt begrü-ndet sind mvd den Zrveck haben, einige Nationen zu begünstigen und andere zu benachteiligen und zu lähmen." In dem Ha vastext fehle:: die gegen eine Politik der Rache gerichteten Worte. Im nächsten Absatz unterdrückt Havas kittzerhand die Feststellung Wilsons, daß das deutsche Volk der: Krieg nicht nach eigener Wahl führt, dafür fügt er später folgende in der Wllsonnote überhaupt nicht entt haltene Worte ein:Wir haben dieses Projekt mit unseren Verbündeten reiflich erwogen und sind entschlossen, seine Durchführung bis zum Ende fortzusetzen." Diese Beispiele, die sich nock)' bettächtlich vermehren ließen, beweisen zur Ge­nüge, daß es sich hier nicht :rm Uedersetzung oder Flüch- tigkeitsf ehler, uoch^ auch um Verstümmelungen bei der telegraphischen UebertniLtelung handelt, sonder:: daß hier eine systematische Fälschung vimLegt.

Rücktrittsgesuch RibotS.

Paris, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agenee Havas. Ribot hat Ponicare das Rückttittsgesuch' des Mincstermms überreicht.

Der Rücktritt des Kabinetts Nibot wird in den Blättern sehr gelassen besprvck^n. Ter Lokal-Anz. mem±, Ribot werde voraus­sichtlich versuck)en, ein neues Kvalittonsnvinistettum auf breiterer (Grundlage und unter noch stärkerer Heranziehung der Linke:: zu bilden. Eine 91crr:dernng des Kriegswillens dürfte es kenuswegs bedeuttn, solange der Scharfmacher Ribot sein Prasidem sei/

*

Lebensmittclrationierung in Italien.

Bern, 7. Sept. (WlTB.)Corttere dclla Sera" meldet aus Rom: Der gestern abend zusammen getretene Verwaltungsvusschuß des VerpflegungsKommissariats beschloßt für ganz Italien diq Rationierung von Brot, Teigwaren imb Mais sowie aller sonstigen Getreidearten ei^usühren, auch derjenigen, die schon in bestimmten Menge:: in de:: Provinzen z-ur Verteilung gelangen. Ein

diesbezügliches Dekret, das rn werrigen >Tagen herauskomnien wird, überläßt den Ortsbehörden die Wahl zwischen dem Kartensystem oder den Familienbüchlein unter Berücksirckittgung der Arbeits­leistungen in den verschiedenen Gemeinden, so daß den Arbeitern! eine erhöhte Brottativn zugeteilt werden kann. Die neue Der-^ ordnung soll nicht spater als 1. Ofitoöex in Kraft treten.

Der Ausbau des polnischen Staates.

Berlin, 7. Sept. (WTB. Amtlich.) Die Besprechungen zwi­schen dem deutschen Reichskanzler Dr. Michaelis und dem Grasen Czernin bei dessen jüngster Anwesen lyiit in Berlin haben sich auch auf den tveiteren LLusbau des pobnsche:: Staatswesens in Verfolg der Proklmnation vom 5. Noventber 1916 erstreckt. Zwischen den beiden Staatsmmrnern ist ein volles Eirwernehmen über alle in Betracht kommenden Punkte erzielt worden. Es stek^ deshalb zu erwarten, daß schm: in eüngen Ta;?en bedeutsame Kundgebungen der beiden verbündeten Monarchen in der polnischen Bkrfassut^s- frage erfolgen werden.

B e r l: n , 8. Sept. Wie die ,^Zoss. Zitg." hört, ist anzimehmen, txlß die Kmchgebmrgen der beiden .Kaiser über die zwischen dem deutsck>en Reichskanzler nnd dem Grasen Czernin erzielte Einigung Wege:: der polnische:: Verfassung etwa am 10. September erfolgen wird. Cs l)wndelt sich ztmächst um die Einsetzung einer provisori­schen Regierwrg. Sie werde aus einem dreigliedrigen Rvgentschafts- mt bestehen, dem die Ernennimg des Ministerpräsidenten obliege. Dieesr werde dann die Mitglieder seines Kabinetts dem Regent­schaftsrate porschlagen. Die Abgrenzmrg der bisherigen Geneval- gouvertEMentS, besonders m wirtschaftlicher Hinsicht, werde auf- geboben. Nachdem! das endgültige Kabinett gebildet sei, werde es Wahlen für einen Reichstag ausschreiben.

Pour le mörite.

Berlin, 7. Sept. (WTB.) Der Fregattenkapitän Straffer, Mhrer der Marinelnftschifse. erhielt den Order Ponr le merite.

Der Thronfolgeftreit in Abessinien.

Adis Abeba, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich/ Mel­dung des Reuterschen Bureaus. Nach einer heftigen Schlacht bei Dessie wurde die Armee des Lidt-Jassn geworfen. Seine besten Generale wurden getötet. Man glaubt, daß sie auf der Flucht erschossen wurden. Es liegt dafür aber noch keine Bestätigung vor.

§eekr!eg.

Nene N-Boot-Erfolge.

Berlin, 7. Sept. (WTB. Arntlich.) Im Sperrg^b-tet :m: Englarü) wurden durch unsere Unterseeboote neuerdings 23 000 Bruttoregistertonnen versenkt. Unter den vernichteten Schiffen befindet: sich der englische bewaffnerle Dump sw Rosario" mit 3500 Tonnen Erz nach Glasgow sowie drei größere Dampfer, die Kohlen'geladen hatten.

Der Chef des Admiralstabes der Ddarine.

*

Bern, 7. Sept. (WTB.) Lyoner Blätter melde::: Der DampferParana" (6248 BrnttorLgistertonnen) der Societs generale des ttansports maritfttres wurde am 14. August nachts binnen zwanzig Minuten torpediert. Er ko?rr:te noch die griechische Küste erreichen. Die russ:sck)en u:tt> serbischen Soldaten, die der Darnpfer beförderte, konnten bis aus sieben Mann gerettet werden, worauf dieParana" versank.

Ins dem Mche.

Waldow über die Ernährung.

Berlin, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Der Staatssekretär des Kriegsernährnngsiamtes, Waldmv, e:npftng gester:: Vertreter der Presse Und äicßerte sich über die Aussicht: des komnunden Erntejahres. Ein Spstenrwechsel in der ^brregsernährurrgswirtschaft ist nicht beabftchtigt. Die bisherigen Richtlinien bleibe:: auch für den neuen Leiter maßgebend. Die Brotgetteid-ev insorgung ist für das ganze Jahr gesickiett. Die Aussichten der .Kartoffelernte sind befriedigend. Die Kartt>ffÄverjvwgUng wird erheblich besser aussallen als im abgelanfenen Wirtschaftsiahr. Schroiettger liegen die Verhältnisse beim Futtergetwide und Ranhsutter. Beim Schweine- irnd R'mdviehbestarü) rvird rechtzeitig, d. h. noch vor dem Cüttritt des Winters, an eine planmäßige Berminderungi herangetreten werden. .Beim Reisch würde dadurch r^ttweise eine Erhöftmg der Rationen enttreten. Tie Aufrechterhaltung der Milch-- imd Bwtterversorgung wird besonders schwierig sein. Die Reickssettstelle ar'beftet an dem .Ausbm: der Sammelstellen zur Ersasiimg der Rta'kcreipvodukte. Die Versvrgnuig mtt OkKt und Gemüse hat sich in letzter Zeit gebessett. Tie Bekämpsm^ des' Schleickhmck-els wird mtt besonderem 'l^achdnmk betrieb«: iverden. Mit völliger Sicherhett darf erwartet werde::, daß auch die Schwie­rigkette:: des vierten Kriegsjahres' überwunde:: werde::.

Die nächste Reichstagssttznug.

Berlin, 8. Sept. LautB.D." tritt.bekanntlich am 26. September der Reichstag wieder zusammen. In parla­mentarischen Kreisen retfrnet man damit, daß die Session sich bis etwa Mitte Oktober erstrecken wird.

Ersenbahnunfall Lndendorsss.

Berlin,?. Sept. (WTB.) In der letzte:: Zett sind mehrfache Gerüchte int Umlauf über -ein Eisenbahmrn^lück in Belgien, bei den: der Erste Gert-eral c, uattiernoeister (^.ireväl Ltldendorff schtver ver­letzt worden sei. Erkundigulltgen an zrcständrger Stelle. haben fol­genden Tatbestand -ergebe::: Als General Ludeiidorff an: Sonntag, de:: 19. August, abends 11 Uhr, vom Schlachtfelde tt: Ränder:: ftcttiickkehrbe, fuhr Wrf einem Bahnhof südlich Brüssel in seinen SonderMvg infolge falscher Weichenstellung ein entgegenkommender Minrtticmstzug Hineft:. Die Maschine des Munttionsztiges traf den Wag-en, in dem! OKneval Ludendorsf mit de:: Generalstabsoffizieren seiner Begleittotg war, schräg im heitteren Teil, zersplitterte ihn tmd ttarf ihn UM, riß dm Zug miseitrander intb ^ertrirmntertc und) den IKopsteil des folgenden Salonwagens. Geiural Ludmdorff und die ihn beglettesldm Offiziere wurden nur d:rrch Splitter leicht ver­letzt. Keiner ist auch nur vorübergehend dimsftmfähig gewesm. Genevft Ludmdorff tvas mttt einiam Sttmden Verspättmg in: ssftv- ßer: Hauptgn-artier Ivicder ein. Der 6ftneralfeldn:arschall satte m: der Fronkfahtt nicht teilgenioamun Der Kaiser, der-sich auf den: östlichen. Kriegsschauplatz gesarch, beglückwünschte General Ludmdorff sofort nach Erhall der Meldung über den Unfall, daß er dem Batev- laüde erhaMm gedkudem sei.