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22.8.1917 Zweites Blatt
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Erscheint läzlich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Eichener Famlllenbkätter" und Urettdlatt für den Ureis Gieren".

-ostjcheckfonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankveriehr: Gewerbcbank Gietzen.

Blatt 167. ZahrgMg

General-Anzeiger für Sberhessen

Mlittvoch. 22. August W

ZwilltngSrundorrnt uuo Brüht'scheUniversiläts-Buch-n.Stündructern. R. Lang e, Gießen.

ZchrisHetturrg, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schutstrajze?. Geschäftsstelle tu Vertag:

Schriftleilung: 112.

Anschrist für Dra htnachrichren: AnzeigerGie i -

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Der Reichstanzler im hauptausschuh des Reichstages.

Berlin, 21. August.

Der HaNptauSs chuß des Reichstages ist heute lDienstag nachnnttag 2 Uhr) uach der Sommerpause wieder zu­sammen., ^treten. Abgeordnete aller Parteien hatten sich in großckr! Zahl dazu eingefunden, Tie neuen Mitglieder der Regierung waren vollzählig anwesend und wurden v on den Ausschuß Mitgliedern be­grüßt. Kurz, vor 2 Uhr erschien der neue Staatssekretär des Aus­wärtigen von Kühl manu in Begleitirng des Staatssekretärs des Marineamtes von Castelle und mit militärischer Pünktlich­keit der Kteichskanz-ler Tr. Michaelis in Zivil, der vom konservativen Führer Grafen Westarp in den Saal geleitet wurde. Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Abg. Dr. Sude-- knm (So^.), crvffnete die Sitzung und entbot den neuen Mit­gliedern der Regierung ein herzliches Willkommen, Sodann widmete er den: ^verstorbenen Aussc!mßmitgliede Ba[fcrmaitn einen warmen Nachruf und hob seine umfangreiche Tätigkeit nicht nur! im Ausschuß selbst, sondern auch als Berichterstatter im Plenum hervor. Abg. Bafsermmm Hube wohl politische Gegner, aber keine Feinde gehabt. Weiter gedachte Dr. Südekum das Ausscheidens des Abg. Dr. Spahn aus dem Ausschuß infolge der Ernennung zmn Justizmftrister und würdigte die Verdienste Dr. Spahns als Leiter der VerhandÜrngen des Hauptmisschusses.

A:rf Borsästag des Abg. Ebert (Sozi.) wurde für Dr. Spahn der Abg. Fehrenbach einstimmig zürn Vorsitzenden des Aus­schusses gOvählt und nahm drc Wahl mit der Bitte um allseittge Unterstützung an.

Hieraus nahm

Reichskanzler Dr. Michaelis das Wort. Seme erste Aufgabe sei gewesen, die Beziehungen zu deu Verbündeten zu pflegen und zu befestigen. Leider sei dies mit der Türkei und mit Bulgarien bisher nur schriftlich möglich ge­wesen. Dagegen hätten mit dem Grafen Czeruin wiederholt 2lus- sprachen stattftnden können, bei denen sich volles gegenseitiges Ver­trauen für die weitere genreinsame Arbeit ergeben habe. Das Bünd­nis mit -Oesterreich-Ungarn stehe so fest wie je. Seit dein letzten! Beisammensein des Reichstages habe sich die Zahl unserer Feinde im drei vermehrt: Siam, Liberia und China, Ein Gruiid zur Feindschaft gegen uns habe bei diesen Staaten nicht Vorgelegen, sie haben vielmehr unter dem Druck der Enteitte gehandelt. In; militärischer Beziehung arbeiten die Mittelmächte Nach einem ein­heitlichen Plan.

Der Kanzler brachte ein Telegramm der Obersten Heeresleitung über die gegenwärtige militärische Lage zur Verlesung. Im Telegramm toird erneut die Wirkung des U-Boot- Krieges auf die Front hervorgehoben und beni Vertrauen Ausdruck gegeben über die günstige Lage im Westen, ferner der Genugtuung) über die Erfolge im! Osten. Kftst sei jetzt die treueste Pftichtersüllung an jeder Stelle. Am Beginn des viertenKri'egsjahres steht Deutschland so günstig da wie nie, und das.gilt auch von den Leistungen zur See. Gleichwohl zeige sich nirgends) bei den Feinden irgendwelche FriedenSgeneigtheit. Der Kanzler erinnert an seine Enthüllungen über die Kriegsziele Frankreichs- die von England unterstützt -worden sind. Man sei sich jetzt auch klar über die Absichten unseoer übrigere Feinde. Er ging im ein­zelnen ein auf die Abmachungen, die unsere.Feinde im Frühjahv 1915 und späterhin getroffen haben, und zählte aus, was sich die Ententemächte dabei gegenseitig zugesichert haben. lieber die Ab- Miachungen, die dabei mit Italien getroffen worden seien, werde das Material noch weiter vervollständigt. Solange unsere F einde an diesem Vernich tnngswtllen fest halten, sei an ein Friedensangebot unsererseits nicht zu denken. Darin sei die ganze deutsche Presse einig. Das sei auch iestzustellen bei unserer Stellungnahme zur Papstnote. Der Kanz­ler rekapitulierte den Inhalt der Note, zu der wir ohne Anhörung unserer Bundesgenossen uns nicht endgültig entscheiden können. Eine Verständigung lüit den Bicndesgenossen aber sei trotz Beschleunigung bisher nicht möglich gewesen. Er müsse sich daher auf allgemeine Bemerkungen beschränken: Wir haben keinerlei Einstu ü auf den Schritt des Papstes gehabt. Das ist die nackte Wahr­heit und liegt auch irr unserer Lage begründet. Jeden ehrlich ge­meinten Versuch, dem Frieden näher zu kommen, begrüben wir sympathisch und nehmen diese Ehrlichkeit auch beim Papst ohne weiteres an. Obwohl die Note von uns nicht veranläßt wurde:: ist, begrüßen wir die Bemühungen des Papstes, dein Weltkrieg ein Ende zu machen, mit Sympathie. Vor einer materiellen Stellung­nahme zum Inhalt der Papstnote verspricht der Kanzler enge Füh­lungnahme mit den: Hauptausschuß.

An die Kanzlerrede schloß sich eine kurze Aussprache. Auf Antrag des fortschrittlichen Abgeordneten v. Payer nahm der Ausschuß zunächst nur Stellung zur Friedensnote des Papstes. Tie anderen Fragen der auswärtigen Politik werden später be­sonders behandelt werden.

Ein sozialdemokratischer Abgeordneter begrüßte die Aktion des Pjaftstes lebhaft, wie jeden Schritt, der uns dem Frieden näher bringe. Er bedauerte, daß die Papstnote heute

ICunit uns rM??en?chL»st.

s Jc e n c Fortschritte bei* Tuberkulose-For­schung. Beachtenswerte Fortschritte in der Tubetkulose-Forschung, die zweifellos der klinischen Behandlung des Leidens außerordent­lich dienlich sein (werden, sind den Untersuchungen des Doktor, Berget vom ^aiser-Willstlm-Instttut für experimentelle Heilkunde zu verdanken. Wie einem Bericht derUmschau" entnommen wer^ den kann, suchte Dr. Berget auf experimentellem Wege festzu­stellen, welche Vorgänge bei der sog. Selbstheilung der Tuberkulose im Körper eine Rolle spielen. Bekanntlich ist der Organismus vieler Mensche:: befähigt, den durch Ansteckung erworbenen Kein: der Tuberkulose ohne fremde Hilfe, gewissermaßen ganz aus eigenen! Kräften, unschädlich zu machen. Dr. Berget fand nun, daß dabei eine bestimmte Art weißer Blutkörperchen, die Lymphozyten, die ein fettspaltcnDes Ferment absondern, die Hauptrolle spielen. Diese Lymphozyten besitzen nämlich die .Fälligkeit, die sonst äußerst widerstandsfähige Fetthüllc der Tuberkelbazillcn abzuschmelzen und zu verdauen. Der Körper bedient sich dieser ihn: durch die Natur verliehenen Waffe gegen -die Tu.berku.lose, indem er rings um dem entstandenen Tuberkelherd gewissermaßen einen Wall aus Lympho­zyten bildet, also eine Zone, innerhalb derselbeir die Bazillen Nirtsam isoliert such Um langsanr vernichtet zu werden. Die weiteren Untersuchungen brachten auch Aufklärungen darüber, weshalb manche Tiergattungen gegen die Tuberkulose sehr wider- slaudsiähig sind, andere aber eine l-ohe Empfängtickstett und Widern standslvsigkeit zeigen, Tie loiderstandsfähigeir Tiere lzaben nach seinen FeststelltMg'M Lymphe-zyten, die infolge ihres in der Fett- spalttmg sehr wirksamen Ferniemts heftig aus die Tuberkelbazillen reagieren, nährend bei den anderen Tieren daS Fernreift der Lymphozyten wenig leistimgssähig ist und darunr nur träge und unvollkommen wirkt. Wenn Tieren Tuberkelbazttlen eingespritzt werden, entsteym bekanntlich erttzündliche Ergüsse, :md dieser bediente sich der Forscher, um auch außerhalb deS Körpers die Fetthülle der Tuberkelbazillen aufzulöseu. Dadurch wurde cs mög­lich, deu Abbau der einzelnen Hüllen und Schichten gelurU zu ver­folgen, wodurch eiu klares Bild des anatomische: Baues der Tuber- felbazillen sonne der chemischen Beschaffenheit ihrer einzelnen Teile entstand. Tiefe neuer: Fortschritte können kür. die klinische Be-

luoch gar nicht besprochen werden könne, gab jÄwch der Hoffnung Ausdruck, daß das Vorgehen des Papstes von gutem Erfolge, begleitet fein möge.

Ein Mitglied der Fortschrittlichen BolVSpartei betonte für seine Partei, sie.sei mit dem Kanzler einig pi der sympathischen Beurteilung der Papstnote. 'Sie schließe sich) der Stellungnahme des Kanzlers hierzu ausdrücklich an.

Das Zentrum ließ eine formulierte ErAärung abgeben, die in dem Schritt Seiner Heiligkeit eine äußerst wertvolle Förderung- des von allen Völkern heiß ersehnten Friedens erblickt und Wecker sagt, daß der Papst nrii seiner Väotc seiner Unparteilichkeit vor. aller Welt Ausdruck gegeben habe. Die Erklärung schließt mit dem Wunsche,, daß der von den idealsten Beweggründen getragenen historische!: Kundgebung des Papstes voller Erfolg beschicken sein möge.

Auch ein nationakliberaler Abgeordneter stellt sich aus den Standpunkt, daß nrateriell mp den Inhalt der Papstnote noch nicht eingegangen werden könne: seine Fraktion müsse sich ihre Stellungnahine vorbehailten und schließe sich den Darlegungen, des Kanzlers hierüber an.

In ähnlicher Weise äußerte sichern konservativer Abge­ordneter. Seine Fraktion erkläre sich init der Haltung des Kanzlers einverstanden und werde spater zu den ErnzeHetten der Note Stellung nehmen'

Ein Mitglieds der Deutschen Fraktion nahm mit be­sonderer Genugtuung von der Mitteilung des Kanzlers Kenntnis, daß die päpstliche Note nicht etwa auf einen Wtrnsch der Mittel- mcÄste hin erlassen, soirdern ein sporttaner Akt des Papstes selbst sei. Seine IPartei stehe der Note viel sympathischer gegenüber wie dem Ve rmittlungsver such Wilsons.

Ein unabhängiger Sozialdemokrat wandte sich da- gegeu, daß die Parteien nicht in eine Erörterung der Note selbst eiu- getreteu seien. Der Reichstag müsse jeder Friedenskundgebung sich fteundlich gegenüberstellen und dürfte sich bei keiner En t scheid um g ausschalten lassen. Diese .Gefahr liege nuck: diesmal vor. Von diplomatischen Veryandlungrkn ^verspreche sich seine Partei gar nichts..

Ein Sozialdemokrat trat diesen Ausführungen entgeger: und.legte dar, daß der Reichstag keineswegs sich bei dieser wichtigen Fracht ausschalten lassen wolle. Es handle sich lediglich um einen Aufschub weniger Tage, in denen sich die Regienmg über den Inhalt der Note mit unseren Verbündeten in Verbindung ,'eyen wolle. Die Regierung habe ausdrücklich zugesagt, und ar; der Reichskanzler habe es enoähnt, daß der Ausschuß vor jeder end­gültigen Entscheidung gehört werden müsse. Hieraus vertagte sich der Ausschuß aus Mittwoch vormittag: Lluswärtige An­gelegenheiten.

Berlin, 21. Aug. (MTB. Nichtamtl.) Aus der natio ­nalliberalen Fraktion des Reichstages erhalten.wir fol­gende Mitteilung: Im Hinblick aus die kommenden großen Auf­gaben, namentlich ans dem Gebiet der GesetgÄung im Innern, deren Lösung eine Fühlungnahme innerhalb der großen Mehr­heit des Reichstages .erfordert, ist die irativimlliberalo Fraktion bereck, sich an den interfraktionellen Be­sprechungen zu beteiligen, unbeschadet der vollen Selb­ständigkeit ihrer Entschließungen, rnsbosondere arrs dem Gebiet der gegenwärtigen auswärtigen 'Politik.

Au» StaSt «nv £<*«&.

Gießen, 22. August 1917.

** Auszeichnung. Seine Majestät der Kaffer und König von Preußen hat den Herren Regiermrgsrat Karl Hemmerde zu Gießen, Geh. Kirchenrat Dr. Sanuockl Eck, Gießen, Lehrer Ernst Jakob, Oberbessingen, >Amtsrichder Wilhelm Volk in Hungen, Amtsgerichtsrat Fritz Wachtel in Gießen und Antts- gerichtsrat Franz Gros n: Gießen in ?l)nerkennung ihrer ganz besonderen Verdienste um die Werbetätigkeit ftir du KriegsaN-^ lechen das Verdienstkrenz für Kriegshilfe verliehen.

Die Jagd auf Feldhühner in Hessen geht «U 25. August ds. Js. ans.

** Die Hessische Kunstausstellung Darmstadt 1917 blickt in diesen Tagen aus zwei Monate ihres Bestehens zurück. Wenn hiernach airch ein abschließendes! Urteil über ihren künstlerischen und chren ,materiellen Erfolg noch nicht möglich ist, so kann doch heute schon sestgestellt werden, daß das Interesse für das Unternehmen nicht nur in Darmstadt, sonderr: im ganze,: Großherzvgttm und weit dan'iber hinaus außerordentlich lebendig ist. Tie Besuchsziffer, die im Hfttblick aus die Kriegsverhältnisse sowie die dadurch bedingten Ver^hrssck>wierigkecken nur mäßig veranschlagt werden konnte, übertrifft alle Erwartungen: sie steht kaUnr hinter den Friedensziffern bei' ähnlichen Ausstellungen zurück. Ganz besonders erfreulich sind aber die Verkaussziffern. Bis zicm! letzten Sonntag (12. August waren 173 Kunstwerke zu .einem Gesamtpreis von 78 500 Mk. verkauft. Der mit der Ausstellung mit in erster Linie erstrebte soziale Zweck kann hiernach schon heute als erreicht gelten. Es stcht allerdings zu hoffen, daß bei der immer noch reiche:: MtswahL Unverkaufter vorttefsticher Ärnst-

trachtung imd die Vorhersage des Krankheitsverlairfes bei Tuber­kulose sehr wertvoll sein. Wenn man nämlich bei der Untersuchung eines Kranken nur wenige Abbaustufan des TuberSelbazillus findet, so ist daraus zu schließe, daß in dem Organismus des betreffen­den Patienten starke Abwehrkräste tätig ftnd, man kann also mit ziemlicher Bestinrmthett arrs einen ügnstigen Krankhecksverlauf rechnen. Von ungeheurem Wert aber können die Beobrrchtungei: Tr. Bergels werden, nienn .es gelingen sollte, die natürliche,^ ^eillräste jener Menschen, deren Lymphozytensermeitt nicht leistungsfähig genug ist, auf künUichem Wege derart zu steigern, daß das Ferment die Bazillen schließlich jivirksam zu bekämpfen vermag. Ties ist das Ziel, das^ sich die gegenwärtigen Versuche im Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für praktische Hchlkunde gesetzt haben.

' Steinkalender vor 4000 Jahren. Eine inter­essante Entdeckung wurde bei Odry im Kreisc Könitz in W-estpreußen durch den Posener Negierungsla,ünnesscr Stephcu: gemacht. Er ent­deckte eine Steinanlage in Art der Gwßsterndenkmäler, die in England, in der Bretagne usw. gemacht wurden und Kunde von der überraschend hohen Kultur geben, die den Bewohnern des nörd­lichen Europa vor ungefähr 4000 Jahren eigen tvar. Die Stein­anlage in Westpreußen besteht, imch Petermanns Mitteilungen, aus zehn Steinkreisen, die in drei Richtungen angeordnet sind, aus mehreren anderen Gruppen von Stecken, aus achtzehn Hügeln bis zu 2 Meter Höhe und mit Durchmessern von 28 Nietern, endlich aus einem Erdttichter, der 6 Meter tief ist und einen oberen! Durchmesser von 50 Metern hat. "Rach den Feststellungen Stephans hat bei der ganzen Anlage zweifellos derFuß" als Grundmaß für die Längen gedient. Bon! den drei Richiurcgen, auf ivelchen die Mitten mehrerer Kreise liegen, wurden zwei als die Richtungen des Sonnenaufganges Mr Zeit der Sonnenwende!: bestimmt, die dritte als die Richtung nach dem Ausgangspunkt des Sternes Capella, um 1760 v. Chr. Aus diesem Grunde wird also die Erbauung der merkwürdigen Steinanlage jener Zeit zugeschrieben. Nach allen: ist zu vermuten, daß die Steinkreise der Zeckrechrcung dienten. Vier in einer Richtung liegende Kreise nrck 18, 20, 23 und 22 'Steinen auf ihren Umfängen werden als Kalender des Sonneirjähres ge­deutet, indem man an ihnen die Tage des Sonnewähres abzählen^ konnte, daS dann in 18 Monate eingeteüt werden nuchtt. vost bowlt 16 *u je 20 Tag«n, die beiden t8*üg** W 33 und 32 Lagen

wecke sich jene Ziffer noch toerter ivesenttrch steiger:: lassen ^wird. Die geimnnte Ziffer dürfte aber auch einen Schluß a,ff die künst­lerische Qualität der Ausstellung zulassen; und das um so n:ehr, iveil eine ganze Anzahl vor: Werken in die Hände be­rufener Kenner übergegangen ist. Die ihr im Anfang von mancher beachtlicher Sette bestrittene Daseinsberechttguug dürfte die Aus- stellung damtt doch erwiese,: habe:. Die Leittmg möchte dabei übrigens mtt ihrem Tanke dafür Mcht zirrückhallen, daß auch die sei::erzettigen Gegner des Unternehmens von voncherein ihre Be­denken zurückgestellt haben, um der mitr einmal urttrr schoierigen Verhältnissen geschaffenen Ausstelllmg keine Hemmnisse in den Weg zu legen.

Zum Landaufen thal t der Stadtkinder. Die lEische oberste Schulbehörde weist ft: ein ent Schreiben /o: die ihr unterstellten Dienststelle,: darauf hin, d die Lebensmittelxu fuhr nach den Großstädte.: bis jetzt noch immer in unzureichender Weise erfolgt ::nd daß deswegen eft: wetteres Verbleiben der auf dem Lande untergebrachten Stadtkinder im Jntereffe dieser Kinder überaus erwünscht wäre. Es ist nämlich vielfach die Erfahrung gemacht worden, daß Kinder rrach dem Beginn der Frühkcrrtoffel- ernte und in der Hoffnung aus eine ausreichende Versorgung der Städte mit Gemüse und Obst vorzeitig wieder nach der Stadt zuci'Mehrte!:, wo sie sich jedoch in ihren Erwartmrgen bald bitter getäuscht sahen. Die Not ft: der Großstadt ist noch keineswegs ganz behoben, während auf dem Lande sich jetzt die neuen Nahrmrgs- mittelouellen in völlig ausreick)endem Mäße erschlossen haben. Aus diesem Grunde spricht die Behörde die sehnlichste Erwartung aus, daß die ländliche Bevölkerung, die sich ft: so hochherziger Weise und in richttger Erkenntnis der hohen Bedeuttnrg dieser echt vater­ländischen Tat der rwtleidenden Stadtkftwer bisher so treu an­genommen hat, ihr gutes Werk dadurch kröne, daß sie den lleinen Gästen aus der Stadt auch iwch fernerhin für eftftge Wvchen hin­durch ein Plätzchen in ihrem Hause gönnen, bis sich die Ernäh- rungsVerhältnisse in den Stödten ft: befriedigender Weise gebessert haben. Mcu: hofft, daß die Kinder, die sich namentlich bei der Kar- wffelernte recht nützlich erweisen dürfte::, etwa bis zum Schluß der Herbstferie!:^ auf dem Laude verbleibe:: könnten. Wie segensreich der LandMffenthall für die Stadtkinder bisher schon Mir, zeigt die Tatsack>e, daß bei fast allen Kindern eine ganz erhebliche Gewichts­zunahme sestgestellt werden konnte. Be: manche:: bettägt diesä 1520 Pfund. Wir sind überzeugt, daß unsere Landwttte ihre Freude und ihren Stolz das:,: suchen, das so gut begonnene Werk bis zum besten Ende durc^usühren.

Kreis Büdingen.

Fc. Nidda, 21. Ang. Ter Landwirt Wtthelm Schwab in Geiß-Nidda wurde wegen Veräußerung beschlagnahmter Gerste mtt 100 Mark Geldstrafe bezw. 20 Tagen Haft besttaft.

G Ortenberg, 22. Mbg. Pfarrer Kahn von hier, der sich in sehc verdienstvoller Weise auf allen Gebieten der Kriegs- sürsorge betätigt -hatte und besoichersl eifrig für die Kriegsanleihen gewirkt hatte, wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen.

Kreis Schotten.

G Schotten, 22. Aüg. Ter erste Geistlick-e unserer Stadt, Kirchenrctt Dekan Münch, sowie Rechner Stang von hieiy erhielten das Berdienstkreuz für Kriegshilfe als Anerkennung für ihre hingebungsvolle Arbett.im Interesse der Kriegsanleihen.

Fc. Schotten, 21. Llüg. Von den Genreinde,: des hiesigen Kreises haben mehr als die vorgeschriebene Llnzahl Eier abge-^ liefert: Eichelsachsen, Helpershain, Meiches, .Michelbach, Ober- Seibertenwd, Rndftrgsheim, Ulrichstein und Wingershausen.

Fc. Wetterseld, 21. Airg. Dem MiWcmbesitzer Schudt ist der Wiederbetrieb seiner Mühle gestattet worden

Hessen-Nassau.

--- Frankfurt a. M., 20. A>ug. Bor eft:em besonders ge­ladenen Zuschauerkreis. Aerzten, Universttätsprofefforen, Presse­vertretern, Milttärs usw., bot der augenblicklich im K:-istallpalast anftretende Gedankenleser Laberv eine dljnzahl Proben seftrer zweifellos phänomenalen 'Kunst, Gedanke,: eines Anderen imter Ausschaltung seines eigenen Willens auf sich zu übertragen und die Befehle des Mftraggebers, die dieser nur in Gedanken zu äußern braucht, ou^iiführen. Sämtliche Versuche, auch die schwn- rigster Art, gelangen in ansgezeichiteter Wüse. So w:ude Laberv u. a. aufgetragen, eine bestimmte Rose aus einem Glas zu nehmen, die Blume einem Herrn zu reichen, sie chm dann >vieder fortzu- nehnten und einer Dame zu bringen. Die Lösung der Ausgabe erfolgte in der Weise, paß der Astrftraggebende Labero, der bm Stellung der Aüfgabe in einem weit entfernten Raum weilte :md hier von einwandfreien -Heroen bewacht wurde, später bei der Hand nahm und die Aufgabe in ihren einzelnen Bestandteile,: schiarf dachte. Mit geschlossemm Augen führt Laberv dann die Llüfgabe spielend aus. DiePrüfung" Laberos leitete" Sanitäts- vat Dr. Fu lda, eine Autorität aus dem Gebiet der Hypnose ivtb der Telegraphie. Die Persönlichkeiten, die die Prüftmg Vornahmen, boteu eine Gewähr dafür, daß jede Verständigung ausgcschlossen lvar, so daß damit die Streitfrage, ob die Vorführungen Laberos eckft oder inur eine gefchichbe Täuschung sind, endgültig dahin! bsauftvortet ^werden muß, daß die Leistungen tatsächlich echt, tvenn auch wunderbar sind.

gerechnet wurden. Vier andere Kreise wiederum tverden als ein Mondkaleittcr gedeutet. Es wäre zu wünschen, daß auch die an­deren derarttgen Steinanlagen auf deutschem Boden wissenschaftlich vm:nessen würden, da mm: hierdurch sehr :vahrschei:ttick) müxxq Ausschlüsse !über die Kulttir jener vorgeschichtlichen Belvohner er­halten könnte.

7^ Der Re:fro ckauf de r Bühne. Einen n^rtvollen, an- geftchts ntancher Uebevtreibnngen unserer Bühnenausstattmrg'ckünst wirchaus m:gebrachten Bettrag zur Frage deS Bühnentvstüms'stcUei: d:e Betuachttlngen >des ausgezeichnete:: Theaterfackynunnes Eugen Krlran iiberTl-eater und Reiftock" im nächste,: Heft Wr bühne" dar. Wohl jeder Theatinchesucher wird gemerkt !mlvn daß fett ernrgen Jahven der Reiftock :nr Kostüm-Fui:dus der bam- schen Bichnen eine auffälleud große Rolle spielt. Dies gilt iriebt etwa bloß für ältere Lustspiele, sondern das Bestreben nach Echttcit und historischer Treue durch Vorfi'chrung des Reifrockes macht sich cmck> dort gelte,td, :vv es aics viel wichtigeren Gründe,: der Büh,:enkirnst :richt am Platze ist. Die Vorliebe der Maler für dre E:ge::tümlichkelt des Reiftockes ist begreiflich, da sich ixrmrt kolorrjttsch und m:ch in der Form ausgezeichnete Wirkungen erzielen lassen, aber der Reifrock ist überäyl dort pickst arm! Matze, u+i da-F Wesen des Stückes u,öd nock) mehr dm- lvtresseichcn Atolle Beimgung dl>Kert. Wie. selten der Reisrock auf die Bühne gebracht !verd?n sollte, ergibt ,:ch am klarsten a:vs' der üvtohl kaim: zu leugnenden s<ttl)e, daß int allgemeine:: -das Weseu des Dvamas die Be,m'm:ng ist De:- Reiftock witt> Mc!hr oder minder zur Uunrög lickst eit sobald sich die Schauspielerin zu l>e,:»egm: beginnt. Cr wird znm läckvr ttckic,: Wcherspruck,. ,a zur Karikawr, ixrcmx die Darstellmin in der lttn-panzmung wirkliche ßstftMe oder gar Leidenschaften ausz.-i- dr-ucken iivckst. D,e Dnstellmin selbst fühlt sich in de: Ausübung wrer Kämst, :n dem Gebrauch ihrm schauspieftwisckien Btittel imaß lässig beengt imd l«bftchcrt. In ...Kabale n:ü> Liebe" schreibt Schft ler vm: der Lady Mllford an eine,- Stelle:Mit nstljestätischeu Schritten auf und nieder". In dm- GGcke dG Reifto<ke-:- aber kann man!,mr trippeln, allenfalls ein zierliches Menuett lanzen ^ Da^ gleube gttt für die Königin Elisabetb, sell'st die lvnx-gliche Ddimm Les<u:gs sträubt sich gegm: die Etn;wäi:qung durct, den stftift^k. Kilran sottxrt zum Schluß mit A>cht. daß dem Reiftock auf dem Theater endlich fern verdieittes Sttuldle:,: schlagen solle.