Ausgabe 
14.8.1917 Zweites Blatt
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Nr. *89 Zweiter Blatt *67. Jahrgang ' Dienstag. * 4 . August *9*7

ZwillingSrunvoruck und Verlag: Brühl'fcheUniversiläts-Bllch-u.Steindrnckere:.

R. Lang e, Gießen.

5chrif1leitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

_ _ Schulilraße?. Geschäfcsstelleu. Verlag:

General-Anzeiger für Oberhessen

zulänglich' wird, schon bei 67 Millwnen Tonnen erreicht. Wir

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

veilagen:Siehener ZamilienblStter^' und Nreisblatt für den Ureis Stehen".

etter Anzeiger

Die Wirkungen der ll-voot-Urieger in amtlicher Darstellung.

(2. Fortsetzung.)

Ter Mette Geficbtspuntt, unter dem der U-Baot-K'rieg *u be- 2 ö ^n der des englischen Seeverkehrs. Er hat unmittelbare Bedeutung für die gegenwärtige Kriegslage.

Don den 18 Millionen Br.-R.-T., über die England für seinen Ueb-erseeverkehr am 1. Februar 1917 verfügte, ist die gewaltige VMtte abzusetzen, die von der Kriegsmarine und der Armee für militärische Zwecke verschiedenster Art und ihre Versorgung, sowie Nir die kriegerischen Unternehmungen Englands auf überseeischen 'Schauplätzen und für die Bedürfnisse Frankreichs und Italiens b«rnsprucht wird. Wir kennen eine ganze Reihe amtlicher Angaben übet die Größe dieser Flotte. Sic kann danach, gering gerechnet, auf IOV 2 Millionen Tonnen veranschlagt werden. Sonach ver­blieben für die Versorgung des Landes mit Nabrungsmitteln und Rohstoffen und für die Ausfuhr nur noch 7 1 / 2 Millionen Tonnen, ^avon mar im Januar noch ein gewisser Teil in Fahrten tätig, die nicht unmittelbar der englischen Versorgung dienten;Skelette" des emst mächtigen Weltreedergeschäfts Englands, um eine Wen­dung zu wiederholen, die im Unterhaus vom Regierungstisch ge­braucht worden ist. Seitdem hat die 9Lot der Zeit dazu geführt, daß so gut wie alle englischen Schiffe in den Seeverkehr auf England gezogen worden sind.

Dazu kommen die fremden Flaggen, die noch im Januar auf England fuhren und die inan auf Grund der Statistik des da- ttvLligen englischen Seeverkehrs mit etwa 3 1 /* Millionen Tonnen amiehmen kann. Das bedeutet insgesamt IO 3 /* Millionen B.-R.-T., die am 1. Februar 1917 aus Eugland fuhren.

Dieser Schiffsraum vermindert sich durch Kriegsvcrlustc und normalen Abgairg ini Monat durchschnittlich um 950 000 Tonnen. Ihm muß man irämlich auch zur Last schreiben, was an militä­rischen Hilfsschiffen und von der auf Frankreich und Italien fah- ;renden Tonnage versenkt wird. Denn er allein ist das Reservoir, >aus dem diese Abgänge gedeckt werden können. Geschieht dies ^icht, so muß die Kriegführung oder die Versorgung der Bundes- igeuossen in einem Grade leiden, die die Möglichkeit der Fortsetzung !des Krieges wesentlich beeinflußt.

^ Eine Verminderung ist ferner durch Abschreckung neutraler lSchiffe eingetreten, die 'eit dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg >dem Sperrgebiet fernbleibcn. Den Umfang zu schätzen, ist schwierig, iSicher ist nur, daß es sich um Vielfaches von hunderttausend Ton­men handelt und daß sie nicht durch anderweiten Schiffsraum« ausgewogen werden, der seit dem Februar etwa neu in den engli­schen Seeverkehr eingetretcn wäre. Es kann keine Rede davon sein, daß dies in irgendwie nennenswertem Umfang geschehen wäre. Deffür sorgt eine Reihe von Umständen, insbesondere die überall in der Welt herrschende Frachtraumnot, ferner die Zurückziehung englischer Schiffe aus überseeischen Fahrten, so des Großen Ozeans und des Indischen Ozeans, woselbst jetzt die amerikanische und die japanische Flagge die Erbschaft angetreten haben.

Andererseits nnrd von englischer Seite behauptet, daß einige technische Nioßnabmen. wie die Aufhebung der Ladclinie. Tecksans- bauten und dergleichen zu einer Vermehrung des Frachtraumes geführt hätten. Das ist mehr Theorie als Praxis; schon loejl diese Gewaltsamkeit gegen die Konstrnktionsbedingungen der Schiffe ihre Seefähigkeit und ihre Geschwindigkeit ungünstig beeinflußt. Trotz­dem wollen wir dagegen, um ganz sicher zu gehen, aufrechnen, ivas durch die Abschreckung fremder Flaggen dem englischen Secveickehr entzogen worden isr. Diese Rechnung erscheint um so vorsichtiger, wenn man erwägt, daß nach fachmännischer englischer Schätzung die Verwaltung ^er ganzen cnglffchen Handelsflotte von einer bureaukratischen Stelle.aus durch Schwerfälligkeiten und Verlang­samungen eine Einbuße an nutzbarem Frachtraum von 10 bis

25 Prozent im Gefolge hat. Weitere Momente, die die normale Ausnutzung des Frachtraums behindern, liegen in den immer wiederholten Störungen durch unsere Minensperrungen und durch die verlangsamte Abfertigung in englischen Häfen, in der Schwie- rigteu, genügend ausgebildete Mannschaften zu beschaffen, und in der Notwendigkeit, wertvolle Schiffe im Geleit bewaffneter Fahr­zeuge fahren zu lassen, ivodurch die Leistungsfähigkeit dieses Schiffsraums erheblich sinkt.

Von besonderer Bedeutung die Frage der Neubauten, über die unendlich »viel 'geredet und geschrieben worden ist. Be­kanntlich^ sind die Aeußernngen des englischen Premierministers über diesen Gegenstand ungemein optimistisch. Wollte man ihm glauben, so müßte man die Leistung der englischen Werften für das laufende Kalenderjahr auf mehr als 2 Millionen Tonnen; onnehmen gegen 580 000 Tonnen im Vorjahr. Sein .Kollege, der Munitionsminister, gibt die anzustrebende Leistung bescheidener auf 1,5 Millionen an. Sachverstäiüüg-e schätzen sie noch geringer ein. Daß die englische Regierung es -nicht übelnimmt, in solchen Dingen zu übertreiben, lehrt die Geschichte ihres lanbwirtschaft- lichen Anbau Programms, dessen Ziffern jetzt auch von Regierungs­seite nur noch' als ein Ideal bezeichnet werden, dem man nach-, strebe. Wir wollen aber stark zugunsten Englands annehmen, daß die dkeubauten des laufenden Jahres in wachsender Steigerung 1,5 Millionen Tonnen erreichen werden. Die gleiche Annahme soll, ebenfalls sehr vorsichtig, für die Vereinigten Staaten gelten, ist denen dos Bauprogramm zunächst allerdings nur zu schweren Unstimnngleiten der verantwortlichen Stelle geführt und eben erst die Anrtsniederlegung des Generals Goethals und des Vor­sitzenden des Schiffahrtsamtes Denman veranlaßt hat. Wir wissen, daß die englische Regierung es peinlich empfindet, daß ihre ur­sprünglichen Erwartungen auf die Hilfe amerikanischen Fracht- raumes sich' nicht verwirklichen. Schließlich' kommen die deutschen! und österreichisch-ungarischen Schiffe in Betracht, die in beschädig­tem Zustande in den Vereinigten Staaten und Brasilien beschlag­nahmt worden sind: von ihnen soll angenommen werden, daß im Laufe des Sommers bis Emde Septcinber etwa 750 000 Tonnen werden fahrbereit werden. Das würde aus den amerikanischen Neubauten und diesen iviederhergestellten Schiffen einen Fracht­raum von 21/4 Millionen Brutto-Register-Tonneu ergeben; nimmt man an, daß davon 2 Millionen dem englischen Seeverkehr zur Verfügung gestellt werden, so ist das angesichts der Bedürsmsse des sonstigen amerikanischen Verkehrs und des mit Amerikas Eintritt in den Krieg entstandenen und nun stäjndig wachsenden Bedarfs an Schiffsraum für Zwecke der Flotte und des Expeditionskorps wohl überreichlich gerechnet.

Aus alledein ergibt fick', daß Zu- und Abgäirge gegeneinander gerechnet, der englische Seeverkehr, der am 1. Februar mit IO 3 '* Millionen Br. R. T. begonnen haben soll, am 1. Juli bereits auf euoa 7 Millionen Tonnen verringert war; am 1. Oktober "würd^x unter Eiirrechnung der in Amerika miederhevgestclltcn Schiffe noch' b l /2 Millionen Tonnen übrig sein; am 1. Ianuar^1918 aber, wenn man nrit Rücksicht auf die .Verringerung des Seeverkehrs eine beträchtliche Verringerung der Ausbeute des U-Boot-Krieges in Rechnung stellt, noch 4 Millionen Tonnen.

Es leuchtet ohne weiteres ein, daß die englisthe Wirtschaft eine solche Unterbindung ihrer einzigen Verkehrsader nicht ertragen, kann. Das große Programm der Einsuhreinschränkungen, das die englische Regierung Ende Februar ins Werk gefetzt hat. sollte nach optimistischer Rechnung ein Viertel der vorjährigen Einfuhr ersparen.

Nimmt man au, daß dies Programm nicht nur voll in die Tat umgesetzt, sondern sogar aus ein reichliches Drittel der vorjährigen Einfuhren gesteigert werden könnte, so würde doch, die Grenze, bei der der SÄttsraum des englischen Seeverkehrs un­

sehen, wie nahe wir dem Erfolge sind.

Au» Stadt rrnd Land.

Gießen, 14. August 1917.

Unangebrachte Wohltätigkeit.

In ernem Erlaß der Preußischen Ministerien des Innern und des Handels wird mit folgenden Worten ans eine unliebsame Be­gleiterscheinung des Krieges hingewiesen;

Der Kriegsinvalide tritt an manchen Orten, insbesondere in größeren Städten, geradezu an die Stelle des aus den letzten Kriegen bekannten Drehorgelspielers. Vielfach sind es auch nervenkranke Kriegsbeschädigte, die, zum Teil noch mit^militä- rischen Bekleidungsstücken versehen, dadurch auf den^ Straßen und in Wirtshäusern Aufsehen erregen und eine gewisse Beun­ruhigung in weite Volkskreise trägem"

Dieser Erlaß rührt an einen ziemlich verbreiteten Mißstand, der sich in der Oeffentlichkeit in letzter Zeit leider sehr bemerkbar mack't und wohl jeden schon peinlich berührt hat. Es ist die Pflicht des Publikums, hiergegen Front zu machen und nicht durch falsch angebrachtes Mitleid selbst zur Verbreitung des Hebels beizutragen. Die Behörden sorgen in völlig zureichender W^ise für alle Kriegsbeschädigten. Ihre Bemühungen gehen in erster Linie darauf hinaus, die Verwundeten und Kranken wieder soweit herzustellcn. daß sie einen Beruf ausüben können, sowohl im Jrnteresse der Beteiligten selbst, als auch im Interesse des Vaterlandes, das heute und in Zukunft mehr als je jede Arbeitskraft zu nutzbringender. Werte schaffender Tätigkeit benötigt. Der Staat kümmert sich um jeden sejner Kämpfer und entläßt keinen aus' der Behandlung, ohne für sein weiteres Fortkommen Sorge zu tragen. Selbst für solche, die man früher als dauernd erwerbsunfähig ansah, sind Lehr- ftätten geschaffen, in denen sie eine leichte, ihren Kräften ent­sprechende Beschäftigung Angewiesen erhalten, die ihnen ihr Selbst­vertrauen wiedergeben soll.

Es ist somit ausgeschloffen, daß Kriegsbeschädigte gezwungen sind, auf die Straße zu gehen und offen oder verstecE, durch Postkarten, Zündhölzerverkauf oder dergl. Hausiecerei zu betteln. Natürlich erscheint manchem diese Art des leichten, unkontrollierten Erwerbs angenehmer, als wirkliche Arbeit. Es ist auch ohne wei­teres klar, daß sonstige arbeitsscheue Elemente und Simulanten die günstige Gelegenheit ergreifen, aus der Dankbarkeit für unsere Soldaten unlauteren Vorteil zu ziehen, zumal eine Nachprüfung der tatsächlichen Verhältnisse in den meisten Fäallen nicht möglich ist. Deshalb ergeht die eindringliche Mahnung, dieser Bettelei gegenüber hart zu bleiben, so schwer es vielleicht dem Einzelnen auch fallen mag. Wenn jeder hiernach handelt und damit das Ge­schäft seiner Einträglichkeit beraubt, nnrd diese betrübliche Erschei­nung im öffentlichen Scben bald ganz von selbst verschwiuden.

Kreis Lauterbach.

z. G re den Hai n, 12. Aug. Am Donnerstag ist die Nachricht hierher gelangt, daß Karl Baumba ch, einziger Sohn der Witw« Helene B aumb ach, und Vater von einem Kinde am 31. Jul? bei den Kämpfen in Galizien gefallen sei.

Starkenburg und Nheinhessen.

ch. Aus Rheinhessen, 13. Ang. Ein gewaltiges Steigen der Preise für Schalholz konnte bei den letzten Versteigerungen fest gestellt iverden. Bei den Versteigerungen, die im Fürfeldea . Freilaubersheimer und Tiesenthaler Eichenwald abgehalten wurden, imrrden für das Hundert Wellen 76110 Mark angelegt. Bor dem Kriege betrugen die Preise für das Hundert 812 Mark. Auch das Kiefernholz fft im Preffe gestiegen, wenn auch' nicht in dem Maße, wie das Eichenholz.