Ausgabe 
6.8.1917 Zweites Blatt
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Nr. <82 Zweit« Blatt M. Zahrgayg

Erschsüit lS-«ch mit «u-nahme deS Sonntag«.

Beilagen:(Zietze«er Zamittenblätte^' und Xreisblatt för den Kttis Gießen".

-ofitchecNonto: ^ranffnrt am Main Nr. N686. Vankvettehr: Sewerbebank Siegen.

General-Anzeiger für Gberheffen

Montag, 6. August <9|7

Zroitlingsrundbruck und Verlag:

B r ü hl'sche Universitäts-Buch-u.St ^ .ndruckere^

N. Lange, Gießen.

Lchriftleitung. Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulfnaße?. Geschäftsstelleu.Verlag:

Schriftleirung: 112.

Anschrift für Tr > htzrachrichrcn: AnzeigerGießen.

Ans dem Reiche.

Laufende Teuerungszulagen für Beamte.

Berlin, 4.^l!ug. (MTB.) DieNorddeutsche Mlgemeine Zeitung" itfjtreilrt unter der UeberschriftNeue besondere Kriegs- steuerznlagei: für Beamte":Die kürzlich gemeldeten Verhand­lungen über (Bewährung von K riegsteuerungszulagen an die Beamten sind nunmehr in Preußen und im Reich zum Abschluß gebracht worden. Die preußische Staatsregierung hat in Aussicht genommen, vom 1. Juli 1917 ab allen Beamten mit einen: Diensteinkommen bis z!u 13 000 Mark (ohne Wohnnngsgeldzns-chuß) eine laufende jährliche Kriegs- tenLrungszulage zu zahljen, deren 'Höhe sich bemißt nach dev Zugehörigkeit der Beamten zu den im Gesetz vom 25. Juni 1910 für den Wohnungsgeldzuschuß vorgesehenen Darisklassen 5, 4, 3 und 2. Es erhalten die verheirateten planmäßigen Beamten ent­sprechend den vier Tarifklassen j-äjhrlich 360, 540, 720 und 900 Mark. Dazu treten für jedes Kind 10 v. £>. dieses Grundbetrages, so daß z. B. ein Beamter der 5. Darifklasse mit 5 Kindern 360 Mark ± 5 mal 36 Mark 540 Mark jährlich erhält. Unver­heiratete planmäßige Staatsbeamte mit einen: Diensteinkommen von nicht mehr als 6000 Mark erhalten 300 Mark jährlich inj allen Darifklassen. Diätare werden behandelt wie die Beamter: der planmäßigen Darifklasse, in deren Stellen sie zur ersten Anstellung ofliaugeu. Die Lohnangestellten höherer Entlohnung werden ent­sprechend der Art ihrer Tätigkeit eingereiht. Für eine gleichmäßige Berücksichtigung der BolkssckMllehrer sind Staatsmittel bereitgestellt worden. Auch ist die Gewährung von Zulagen an Geistliche in die Wege geleitet worden. Die Zahlungen werden nach Möglichkeit noch in: Monat August angewiesen werden. Neben diesen Kriegs- teurungszulagen bleiben die bischerigen, schon gezahlten laufenden Kriegsbeihilfen ungeschmälert aufrechterhalten. Wweichend oon den bischerigen Bestimnmngen, die sonst im allgemeinen bestehen bleiben, werden zu den Kindern, für die Zulagen gewährt werden, ohne Rücksicht auf eine feste Altersgrenze alle die gerechnet, die sich noch in der Schul- und Berufsausbildung befinden oder die ans sonltigen Gründen (Krankheit usw.), von den Eltern rrnterhatten werden nrüssen. Nicht hierher gehören daher in der Regel Kinder mit eigenem Einkommen und im Felde Stehende. Entsprechende Zu­lagen werden auch den Reichsbeamten gewährt.

Ans Hessen.

Die Obftverfügung.

Abg. Urstadt hat in der Zweiten Kammer folgenden dring­lichen Antrag eingebracht: , .

1 Tie Regelung des Obstverkehrs dahin abzuäichern. daß iebe Gemeinde, die darum ersucht, twm der Landesobststelle zu er­mächtigen ist, ihren Bedarf direkt einzukaufen, wobei die Zahlung jeglicher Gebühr an die Landesobststelle und die Kceiskommisiio- näre in Wegfall kommt.

2. Ten Absatz 2 des §3 der BeLanntnmckmng betreffend Re­gelung des Verkehrs mit Obst von: 23. Mai 19177 aufzuheben, der lautet:Erzeuger, die ihr eigenes Obst auf Wochenmärktett absetzen, benötige:: zum Verbringen des Obstes an den Marktort eine:' besonderen Beförderungsschein (von roter Farbe), für dessen Ausstellung eine Gebühr von je 0,10 Mk. für das Pfund des auf den Markt zu verbringenden Obstes an den für den Wohnsitz des Erzeugers zuständige:: Kommissionär zu entrichten ist."

Darmstadt, den 27. Juli 1917.

In der Begründung heißt es: Punkt 1 ist eine Erweiterung und Ergänzung des Antrags Henrich (Drucksache 400), beruhend aus den Erfahrungen in Gießen Hier hat die Landesobst­stelle für die Versorgung mit Kirschen und Beeren vollständig ver­sagt, ja sich sogar als Hindernis erwiesen Tie an die Landesobst- stellc mtt> die Kreiskommissionäre zu zahlenden Gebühren bewirken eine beträchtliche Verteuerung. Bei direktem Einkauf durch die Ge­meinden ist dre Erhebung von Gebühren durch nichts gerecht­fertigt und nmß zwecks Verbilligimg des doch wahrlich recht teuren Obstes unterbleiben.

Punkt 2, die Forderung einer Abgabe von 0,10 Mk. für jedes Pfund f>at hier zur Folge gehabt, daß die Einiger, die früher zahlreich erschienen, überliaupt keine Kirschen aus den Wochen- markt gebracht haben. Es ist zu befürchten, daß es bei dem zu er­wartenden Obst, besonders bei Z w e t s chen , gerade so geht. Selbst wenn der Verbraucherhöchstpreis höher gesetzt wird als 1916, würde die Gebühr von 10 Pfennig in gar keinem Verhältnis! stellen und ganz unsinnig hoch sein. Bei Falläpfeln zeigt sich's! jetzt schon deutlich. Den: Erzeuger bleiben nur 5 Pfennig für das Pfund. Das heißt doch, die Zufuhr ans den Wochenmarkt einfach' verhindern. Der Wegfall der GeMhr würde bei der beträchtlichen Spannung zwischen Verbraucher- und Erzeugerhöchstpreis für die Erzeuger ein Anreiz sein, ihr Obist selbst auf dci: Wocheni- inarkt zu bringen. _

Aus Stirdt und Cattd.

Gießen, 6. August 19.17.

Deutsche Weidenzüchter tut Euere Pflicht!

Zu de:: Rohstoffen, die zur Anfertigung von Kriegsmaterial dringend nötig gebraucht werden, gehören auch d:e Kvckb weidennuten, und zwar soivohl die ein- und zweijährigen Ruten, wie auch! die schwächeren Stöcke; sie alle dienen zur Herstellung von Geschioß- körbe:: Und anderen für den Heeresbedarf unentbehrlichen Geflecht- Ware::.

Auch das beim Schälen der Stöcke und Ruten abfallende Weidenbast ist ein solcher Rohstoff. Ter diesjährige Weidenruten- aufwuchs muß unter allen llinständei: restlos ansgenntzt werden. Keine Weidenruten, kein Weiderffüvck darf dieses Jahr angeschnitten und unbenutzt bleiben, imd muß eure Ehrenpflicht für jeden Wüdenzüchtcr sein, alles daranMetzen, dieses Ziel zu erreichen. Also deuffck>e Weidenzüchter, tut Eure Pflicht! Noch fft es Zeit aber Eile tut not. t ..

Be: der Ernte und der weiteren Behandlung der Werdenruten und Stöcke ist folgendes zu beachten:

1. Me jetzt noch auf dem Stocke stchenden Weidenrute:: und Weidenstöcke müssen möglichst schnell geschnitten werden. Tic zum Schälen bestimmten Menge:: sind sofort bündelweise in Wasser einzusetzen, und zwar so, daß die Stammenden 8l0 Ztm. tief im Wasser stehn. Vor dem Einsetzen müssen die Weiden in Längen sortiert, und dabei alle tamme:: :mi> sehr ästigen imb sonst zum Schäle:: unbrauchbare Exemplare ausgemerzt iverden. Dieses Sortiere:: nach Längen i,, Verziehen") ist unbedingt irötig, da die kürzeren Ritten, die sich Mischen den längeren Ruten in deU! Bündeln besinden, von dies«: unterdrückt werden :rnd in großer Zahl verstocken und dadurch rmbranchibar werde::. Außerdem schälen sich die gleiichlangen Rut«: leichter imd der Schälerlohn wird deshalb verbilligt.

2. Tie Mete::, die getrocknet und grill: verarbeitet werden sollen, dürfen nicht in Bündeln vereinigt cnff den Erdboden gestellt werde::, da sie dort immer wiüder Feuchtigkeit anftrehmen nnd dadurch zun: erneuten Treiben angeregt Werde::. Alan inuß die Bündel kreuzweise so übereertauber legen, daß Luftschichten da­zwischen bleibe::, Urtter die nrtterste Schicht nruß eine Unterlage aus Stroh oder trockncr Weidenrllide kommen; noch besser abeü ist es, sie auf niedrige einfach,e Lattengestelle zu lege::, damit die Luft unter den Bündeln hmduoch,ziehen kann, wodurch das Trocknen sehr erleichtert wird und schneller vor sich geht.

Die Rutenstapel, in denen die Rillen getrocknet werden, müssen so aufgebant werden, daß sie sich nach ober: veriüngen, und müssen äußerem oben mit Brettern oder Sttohbündelü abgedcckt luerb«:, damit das Regemvasser ablaufen kann.

3. Im Uebers dfm mmungsgebiet der großen Flüsse stelzen, durch die Hochflutwellen veranlaßt, gegarwärtig gwße Weiden- auswucklsflächei: im Wasser und können deslxllb nicht geschnitten Ircrde::. Solche Rillen rnüffen, sobald das Hochwasser fick> verlaufen hat, rnöglichst schnell geschnittei: werden, : nb da sie sich dam: schon im Säst .besinden, sffrd sie zum Trocknen schlecht geeignet, sie müssen deshalb möglichst sofort geschält werde::. Ist das gleich nicht möglich, so müssen die Rittenbündel in Wasser eingestellt und dann nach und rmch, u:tt> zwar auch sobald wie möglich, geschält lverden.

Sollte sich das Abschneiden der Ruten und Stöcke :rnd das Schälen derselben wegen Mängels an Arbeitskräften rächt er­möglichen lassen, so werden die Kriegsamtsstellen bereitwilligst Abhilfe schaffen, sobald sie darum ersucht lverden.

*

** Auszeichnung. Das Eiserne Kreuz 2. Kl. erhielt Re­servist Heinrich Schott für sein dreijähriges tapferes Verhalten.

** Handel mit Zigarren. Die kürzlich veröffent­lichte Bekanntmachung über den H- an d e l^m i t Zigarren, Zigaretten, Rauch-, Kan- und Schnupftabak (Tab a klonten) gilt nur für Wi e d er v ertäu f e r. Der Verkauf selbsthergestellter Tabakwaren und der Absatz unmittelbar an die Verbraucher - ist nicht erlaubnis- pflichtig. Fabrikanten haben also zum Absatz ihrer Erzeugnisse die besondere Erlaubnis nicht nötig und ebenso nicht die Laden- und srnsti- getr Geschäfte zum Verkauf an die Raucher.

** Das unberechtigte Aussammeln von Falll- o b st ist als Obstdiebstahl anzusehen und wffö nach den neuen Be­stimmungen mit Gefängnis bestraft. Für die Daten der noch nicht straffnündigen Kinder werden die Eltern oder deren Stellvertreter zur Verantwortung gezogen.

wenn bas Vaterland ruft, ist jeder goldene Gegenstand entbehrlich l

e ioItelcrnffteOe

In den Räumen der Vezirkssparkasie Gießen ist morgen von 3 dis 5 Ähr geöffnet!

Landkreis Gießen.

** Beltersheim, 5. Aug. Der Unteroffizier Hermann M a g e l, Sohn unseres Bürgermeisters Magel, wurde zum Vize- fÄdwebel d. R. befördert. Als Führer zweier gut ausgesührter Pa- troulllen wurde ihm vor kurzem die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.

*' Holzheim, 5. August. Drei russische Miegsgefangene, tvebche an: Samstag von ihrer Arbeitsstelle Neühvf bei Lang-Göns entsprungen waren, wurden von dem Mi:sketier Heinrich Becker von hier, damals in Urlaub, welchem die Llnsreißer durch ihr Treiben verdächtig vorkanun, wieder festgenvmmen und dem Wachl- kon:mando Lang-Göns abgeliefert.

** M u s ch e n h e : m , 4. Aug. Der Kraftfahrer Ernst W i r t h. seit Anfang des Krieges an der Westfront, wurde im Mai 1915 zum iGefrellen lbefördert, erhielt nn April 1916 die Hessische Tapfer- kellsmedaille und am 28. Juli 1917 wurde ihm das Gserne Kreuz 2. N. Werreicht. ,

Kreis Büdingen.

# Büdingen, 4. Aug. Der Assistenzarzt d. R. Dr. Hof­mann wurde zum Oberarzt befördert. Landsturmmann Friedr. Freyer erhielt die Hessische Tapferkeitsnvedcnlle.

4t Nidda, 4. Aug. Fürs Vaterland starben der Musketier Herrwann Mehring, Sohn des Bäckermeisters Mehring, Infolge Verschüttung, und in einen: Lazarett infolge schwerer Verwundung Moriy L e v:, Sohn des Uhrmächers Theodor Levi. Das Eiserne Kreuz, früher Hessische Tapferkeitsmedaille, erhielt der Unteroffizier Ferdinand Koch in.einer Mmenwerser-Kompagnie.

Kreis Lautcrbach.

sb. Schlitz 3. Aug. Einen guten Fang machte gestern Wachtmeister Peter: In Nieder-Stoll hatte'der Ortsdiener einen Vagabunden sestgenon:men, der im' Besitz einer großen Menge Geld es ivurden 165 Mk. gezählt war, das er zweifellos geraubt hatte. Aus telephonische Nachricht begab sich Herr Peter aus den Weg zur Verhaftung des Spitzbuben. Be: der Moorge- winnungs-Anlage wurde er auf eine Spur aufmerksam, welche in die dort angebrachte Bude führte, und fand darin zwei sich hie^ verborgen haltende Kriegsgefangene, die aus dem Gefangenenlager Hammelburg enfflohen :varcn; alle drei wurden verhaftet und ins hiesige Gefängnis gebracht

Kreis Schotten.

4t Eichelsdorf, 4. Aug. Die Hessische Tapferkeitsmiedaille erhielt der Landsturnrumnu Karl cher.

4t Rainrod, 3. Aug. Die Hessische Tapserkeitsmedaille er­hielt der Mehrmcrnn Biedenkn app, zurzeit verwundet in einem Lazarett.

Kreis Friedberg.

---- Vilbel, 4. August. Durch eine Militärpatroullle würde am Donnerstag an der Landesgvenze ein Militär-Kraftwagew angthalten, der 10 Zerrtner Kartoffeln e::thielt. Der Wagenführeck erklärte, die Kartoffeln von einem Landwirt aus Dorn-Äffenheim erhalten zu haben, der dafür 60 Zentner Kohlen im Danschge-i schläft bekon:mei: hatte. Der Krafttvagen befand sich aus dem Rück­wege nach Frankfurt a. M.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 3. August. Laut Auord:rnng des Landrats dür­fen fortan sämtliche Landwirte einer Gemeinde nur n:ehr in der für jede Gemeinde besonders bestimmten Mühle mahlen lasse::. JUsibesondere ist das Mahlen durch hessische und rurssmüsche Mühle:: wie das in vielen Grenzdörfecn Mich war streng verboten.

ra. Hol^Haussen (Kr. Wetzlar), 3. Aug. Als Graf Mar- auard von Solms-Königsberg in: Jahre 1324 von Ulrich von Bicken gefangen wurde, stellte sich bei seiner Auslösmrg Hartrad, Herr zu Merenberg, als Bürge :: Zahler für einen Teil des Löse­geldes, wofür ihm in: Jahre 1325 Marguard unter mehreren an­deren Dörfern, auch Holzhansen verpfändete.

ra. Aus dem Kreise Wetzlar, 3. Aug. Die G e treide- c r n t e hat jetzt überall ihren HöhepuE erreicht Der Mrnerertrag ist meist zuftredenstellend, Stroh hingegen gibt es wenig. Das Treschgeschäft ist soweit, als Maschrnen zur Verfügung stehen, in vollen: Gange. Die erzielte Frucht wird sogleich von Vertrauens­leute:: gckwogen, es darf davon nichts verkai:ft werden.

Hessen-Nassau.

Fc. Frankfurt a. M., 5. Aug. Dem Ausschuß für die KriegÄeschädigtew«FLrsorge zu Frankfurt a. M. beschloß dev Lan­

desausschuß 25 000 Mark aus Mitteln des Bczirksverbandes und dem Mitteldeuffchen Arbeitsnachweis verband für 1916 eine Beihilfe von 3000 Mark zu überweisen, weiter die dem Rhein-Acainischen Verband für Volksbildung für 1916 zugesagte Beihilfe zur Er­richtung einer'Lichtbildersauunlung von 3000 Mark aus dem Dis­positionsfonds des Landesausschusses auszahl ei: zu lassen, sowie diesem Verba:ch für 1917 die gleiche Beihllfe für die Lichtbildev-> sammlung in Aussicht zu stellen.

**Wcilburg, 4. A::g. Hier findet ani Sonntag, 12. August, eine Bezirksvea'sa:r:n:luug des Rl)nn-Ma:uischen Verbandes für Volksbildung statt. Es hartdelt sich bei dieser Bezirksversmniulung um die Ausklarimg der Bevölkerung über die großer:^ Frag«: der Zeit und die sich darm^ ergebeichen .Kriegsrwtwendigkeiten. Prof. Dr. Strecker, Gießen, wird überHeilige Nvll^ und Pfarrer Gros, Esch i. T. überStadt und Land" sprechen.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 31. Juli.

Der bereits viermal wegen Diebstahls vorbestrafte 17jährige Arbeiter Haus W. von Gießen, zurzeit Strafgefangener in Butzbach, hatte sich heute wiederum wegen Diebstahls zu verantworten. Er ist geständig, am 26. Januar l. Js. auf dem hiesige:: Güter­bahnhof, wo er mit dem Verladen von Granaten beschäftigt war, aus einem in einem Waggon stehenden zu gebundenen und plom­bierten. der Firn:a H. Möser in Gießen gehörigen Sack mit Mehl, die Befesffgungs- oder Verlvahrungsmittel abgeschnitten und etwa 20 Pfund Mehl entwerchet zu haben. Das Mehl hat /r seiner Mutter gebracht mit dem Ansügen, es sei aus der Schaffstädt'scheu Fabrik, wo cr damals arbeitete; ein jeder Arbeiter habe Mehl er­halten. Das Gericht verurteilte den Angellagten mtter Einbe­ziehung der gegen ihn durch Urteil der hiesigen Strafkammer vom 23. Februar und 30. März l. Js. znerkannten Strafen zu einer Gesamtgefängrnsstrafe von 4 Monaten und 2 Wochen.

Der 16 Jahre alte Taglöhner Heinrich Emil St. von Okarben, zurzeit in Untersuchungshaft, ist angeklagt und tellweise geständig, am 23. Juni 1. Js. mit der 5jährigen Minna Sch., einem Kinde imter 14 Jahren, unzüchtige Handlungen vorgenommen, ebenso im April d. Js. mit der 8jährigen Henriette M. von Okarb«: solche Handlungen vorzunehmen versucht zu haben. Das Gericht ver­urteilte den Angeklagten unter Zubilligung mlldernder Umstände zu einer Gesamtgefängnisstrase von 2 Monaten.

Endlich wurde noch ein von dec Reichsbaicknebenstelle Fried­berg angehaltener falscher Darlehnskassenschein von einer Mark eingezogen.

Arrehe rrnd Schule.

rr. Lauterbach, 3.Aug. Gestern fattb unter dem Vorsitz von Schulrat Andres und Dekan Müller eine gemeinsame Kon­ferenz der Pfarrer und evangelischen Lehrer der Bezirke Lauter­bach und Schlitzerland statt. Sie wurde eröffnet mit dem Gesang des allen Lutherliedes:Ein feste Burg ist unser Gott". Stand doch auf der Tagesordnung ein Vortrag von Pfarrer Ki:ott-Schlitz überDie Behandlung der Resorniationsgeschichte in der Volks- schkule". Es nfüßtei: hierbei, so führte der Redner aus. drei Teile berücksichtigt werden: die allgemeine deutsche Reformationsgeschichte, die hessische, und die Refonnationsgeschichte der engeren Heimat. Nich: inrr in der Religionssttmde, sonden: auch in Deutsch und Geschichte, im Gesangsunterricht und der Geographiestunde finde man Gelegenheit genug, in reri: evangelischen Schulen im Jubi­läumsjahr 1917 auf die Bedeutung der Reformation und die Größe Luthers zurückzullunmen, damit auch unsere Jugend von den: kenchaften, unverzagten Luthergeist erfüllt werde, her uns grade jetzt bitter not tue. Polemische Ausführungen aber, .-durch die sich unsre katholischen Brüder verletzt fühlen kön-nten, müßten mtter allen Umständen unterbleiben. Eine außerordentlich lebbafte u:w fruchtöringeiwe Debatte folgte auf den interessanten und lehrreichen, Vortrag. Zum Schluffe faßte Schulrat, Andres die Kernpunkte der Aufgabe in der Behandlung der Reformattonsgeschichte noch­mals zusammen und schloß 'mit Worten des Dankes und der Mahmmg. Mit Gesang der beiden letzten Verse vonEin feste Burg" nahm die Konferenz ihr Ende. Heute spricht in Greben­hain in einer gleichen Konferenz der Pfärrer und Lehrer der Be­zirke Herbstein und Nieder-Moos Professor O. Diehl-Friedberg über denselben Gegenstand.

Spielplan der Gegtzh. Aurthealers vad-Nauheim.

Väontag, 6. Aug.:Die spanische Fliege". Mittwoch, 8. Ang.: Unter Millvirk. d. Kurkav.Das Dreintäderlhaus". Freitag, 10. Ang.: Ludwig Thvma-Abend.Die klein«: Verwandten" Brautschau"Lottchens Geburtstag". Samstag, 11. Aug. uackp,:. 4 Uhr: Kindervorst.Das Märchen von: Taumenlutsckier". Sonn­tag, 12. Ang.: Franks. Ges.-Gastsp.Die Liebesinsel". Montag, 13. Aug.:Jm^ weißen Röß'l".

Uönigl. Nnrcheater Vad-Lms.

Dienstag, 7. Aug.:Der Soldat der Marie". Sanrstag, 11. Aug.: Franks. Ges.-Gastsp.Die Liebesinsel".

Gietzener §tavtthsc»ter.

Sonntag, 12. Aug., nachm. 3^:Das Dreimäderllxius".

vermischtes.

Englische Lügen über das K-Brut.

Berlin, 3. Ang. In dem englischen Getreideblakt Grain Seed and Oil Reporte^' vom 17. Juli d. I. sinket sich unter den kurzen Notizen eine Mitteilung über deut­sches Kriegsbrot, nach ivelcher fünf Reichstagsmitglieder der unabhängigen sozialdemokttttischeu Partei angeblich an den Reichskanzler die Frage zu richten beabsichttaen, ob es zntrifft, daß auf Grund einer Reihe von Analysen die Zusammensetzung des deutschen Kriegsbrotes aus Mehl, Lupinen, Kastanien, Eicheln, Baumringen, Sägespänen, Kar­toffelschalen und anderen urrdefinierbaven Stoffen fest- gestellt worden sei. Diese Mitteilung ist von Anfang bis zu Ende erfunde::. Weder ist an den zuständigen Stellen von der Älbsicht, eine derarttge Anfrage an der: Reiäzskanzler zu richten, ettvas bekannt, rroch besteht das dentsck)e Zkriegs- brot aus einem Mchlgemisch, wie es in dem > eng tischen Fachblatt angegeben wird.

4 - fi

.Berlik, 4. Aug, MTB. Mchjgnitl.) Heute früh um 8 Uhr ist in Hsmngsdorf em Teil der dortigen mit der He rst ellu n g beschäftigten Fabrik explodiert. p&t Sachschaden, insbesondere an den Häuser:: des Dorfes, ist in­folge des starken Luftdruckes -nickst unbedeute:tt>. Der Verlust an Menschenleben fft verhältnismäßig gering. Bisher tvnrdcn sechs ^o t e festgcstellt. Leichtere' Verwundungen, insb«öndere durch Glasjpltttcr, sind zahlreicher. Die Ursache der Explosion ist an­scheinend lediglich die mworsichttge L^arwhabnng mit einer mit Sprengmatenal gefüllten Kiste, die verladen werden sollte. Die settens der Feuerwehr mit Umsicht getroffenen Maßnahmen wannr äußerst wirksam.