Ausgabe 
29.8.1917 Erstes Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Pour le mdrite.

Berlin, 28. Aug. (MTB- Nichtamtluh.) Nach dem Rerchsauzeiger wurde dem königlich bayrischen General der Infanterie Grafen von Bothmer und dem k. u. k. öster­reichisch-ungarischen Generalstabschef Arz von Straußenburg das Eichenlaub zum Orden Pour le nwrite, dem königlich sächsischen General der Infanterie von Carlowitz, dem kö­niglich bayrischen Oberstleutnant von Hemmer, dem königlich bayrischen Oberleutnant Ritter von Tutscheck der Orden Pour le msrite verliehen.

*

Schwere französische Verluste.

Berlin, 28. Aug. (WTB.) Nach neueren Feststellun­gen, dre ergänzt werden durch die Aussagen von Gefangenen von 7 verschiedenen Divisionen, betrugen die französischen ^rluste am Angriffstage des 20. August vorsichtig geschätzt lo.OpO bis 20 000 Mann. Wie gemeldet, waren beim An- Arrff 10 französische Divisionen beteiligt und zwar wurden durch Gefangene folgende französischen Angriffsdivisionen festgestellt: Die 25., 26., 27. Division, die Division Maro- came, die 126., 123., 165., 42., und die in ihrer Stärke einer Division gleichkommende 153. Brigade. Außerdem hatte eure unbekannte französische Division am Weschang des Toten Mannes angegriffen. Ferner wurden Teile der 40. Division und der Martinique-Jäger festgestellt.

Französische Verleumdungen.

Berlin, 28. Aug. (WTB. NichUmEch.) Französische Zei- hmgen und Funyprüche mnrfoeiten die Behauptung, .daß sranzö- lische Lazarette südlich von Verdun von der deutschen Artillerie und von deutschen Flugzeugen bombardiert worden seien. So sei dos Hospital Duguy wiederholt beschoisen worden. Hierzu sei be­merkt, daß Dugny als M'mitümsstapelplcrtz mrd Truppenübungs-» platz große militärische Bedeutung besitzt. Ter Mslade bahn Hof von Dugny ist vor und während der jetzigen Schlacht von Verdun stark benutzt worden. Diese -militärischen Anlagen und Ausladeplätze zei­gen die völlige Bcvechtigung der deutschen -Angriffe. Wenn das Hospital von Dugny durch diese Angriffe gefährdet ist, so dürste es sich für die Franzosen empfehlen, das Hospital irr größere Ent- wrnung von ncklAärischen Anlage:: zu verlegen. Ebenfalls ser den Franzosen empfohlen, die Lage ihrer militärischen Anlagen znm 'oospräck von Berrupt einer Prüfung! zu unterziel)en. Zu den Bom­benangriffen deutscher Flieger am, Abend und in der Nacht zum 20. August wird bemerkt, daß im Gegensatz zUr Darstellung des sranzösstchen Nachrichtendienstes sämtliche dieser Angriffe milltäri- schen ^lulagru gälten. Ein deutsches Flugzeuggeschwader bewarf an diesem. Tage ausgedehnte Truupenunt-erkürffte bei Llncemont, Souily und Bandelaineeourt swoie die Bahnhöfe der beiden letzten Orte. Fahrende Batterien und Scheinwerfer wurden mit Maschrnen- gewehren beschossen. Selbstverständlich wurden französische üaza- rette nicht angegriffen.

Die Moskauer Konferenz.

Das angebliche deutsche Sonderfriedens-Angebot.

Berlin, 28. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" sckneibt über die Rede Kerenskis: Die Deters- lrurger Telegraphenagentur hat uns den ausführlick>en Bericht über die Rede übermittelt, die der russische Ministerpräsident Kerenski mff dem Moskauer Kongreß gehalten hat. Diese Rede ist sagte Av^nski nicht für Unsere Freunde, sondern besonders für unsere Fern de ^stimmt, die unsere Truppen vernichten. Die ganze Dar- stelllmg Kerenskrs ist offensichtlich zu dem Zwecke bestimmt. Deutsch-

als demenigen hinzustellen, der die Armee und das russische Volk überfällt und seine Freiheiten wieder zu zertrümmern dro^. Kerenskr weiß genau, daß dies nicht der Fall ist; aber, von Macht­hunger erfaßt, stutzt er die alten Schlagworte der Entente neu zu, um auf das friedliche russffche Volk zu wirken, dessen Bundesge­nossen aus Eroberungssucht eiiren allgemeinen Frieden weiter verhindern. Wenn sich niemand in der Moskauer Nationalversamm­lung fand, der Kerenskis Darstellungen widersprochen hat, so deutet dies darauf hin, daß die Metchiären, die er anwendet, unt dem russischen Volke gegenüber den wahren Hergang der Ereignisse Au entstellen, bereits ihre Wirkung getan haben. Disfreie" russi­sche Volk wird von den jetzigen Machthabern genau so an der Nase herumgeführt, wie unter der zaristischen Herrschaft: jedem Russen der die Ereignisse ohne Voreingenommenheit verfolgt hat, nruß der Gang der Entwicklung klar sein. Kerenski hat zu einem Zeit­punkt, wo er glaubte, daß die galizische Front von Truppen ent­blößt ser, gegen den Rat Brussilo Ws eine Offensive unternommen, zu der er von England und Frankreich gepreßt und.von der er leichte Triumphe erwartete, um im Innern die volle Macht in die Hände zu bekommen. Herr Kerenski lvar sich darüber klar, daß die Offensive für Rußland fremde Kriegs- zrele geführt wurde, deren Inhalt erst kürzlich der Welt durch den deutschen Reichskanzler bekanntgegeben worden ist. Die Offensive hat als Verteidigungsmaßnahnre eine kraftvolle Gegenoffensive Deutschlands und Oesterreich-Ungarns hervorgerufen In dem Aßute der russischen Soldaten, die gegen ihren Willen in die Schlacht hineingetrieben worden waren, erstickte der russische An- grifs. Kerenski hat diesen Hergang der Ereignisse gefälscht, um Deutschland als Angreifer hinzustellen, der die russischen Freiheiten vern: äffen wollte. Ja mehr noch! Um seiner Rede eine Unterlage zu schaffen, ließ er wenige Tage vor der Eröffnung der Moskauer Versammlung die russischen Truppen an der Aa zurückrufen und verkündete seinem Volke eine deutsche Offensive an der russischen Nordsront, die niemals ftattgesunden hat. Ueber Deutschland hat Kerenski manches Verwunderliche gesagt und uns Bestrebungen' nnd Anerbietungen zur Herbeiführung eines Sonder- ns an gedichtet. Ten Beweis aber, daß ein solches Anerbieten jemals erfolgt ist, ist Herr Kerenski uns schuldig ge­blieben. Wenn in der russischen Presse teilweise die )stede des frü­heren Reichskanzlers von Bethmann Hollweg vom 30. März als Anerbieten eines Sonderfriedens hingestellt wurde, so entbehrt das der Unterlage. In der Rede war nur gesagt worden, daß Deutschland nichts anderes begehre, als möglichst bald wieder mit Rußland in Frieden zu leben, in einen: Frieden, der aus einer für alle Telle ehrenvollen Grundlage ausgebaut sei. Daß dies im Wege eines Sonderfriedens geschehen sollte, war mit keinem Worte an­gedeutet worden. JNr Gegentell wurde in unserer Zeitung seinerzeit ausdrücklich betont (an: 15. April), daß ein zweites Sondersrie- densangebot, das Bethmann Hollweg an die Verbündeten Ruß­lands gerichtet haben soll, nur in der Phantasie des russischen Mi­nisterpräsidenten existiere. Warum aber sprach er nur von apogry- phen Sondersriedensangeboten und verschwieg dasallgemerne deutsche Friedensangebot ebenso wie den R«-chstagSbe- ichkuß vom 19. Juli vollkommen. Vom Frieden sprach Kerenski diesmal gar nicht. Seine Rede ist eine Kriegsrede. Damit wird er sicl/erlich den vollen Beifall der Verbündeten Rußlands ernten. Ob er auch den Beifall des eigenen Volkes finden wird, ist eine ant- dere Frage. Ties wird sich aus die Dauer sicherlich nicht darüber hmwegtäuschen lassen, daß Kerenski seine eigene Bergangenhell inehr und mehr verleugnet. Es mag erinnert sein an die Räe, die er am 21. April in der allrussischen Eisenbahnkonserenz gehalten hat. Damals rief er aus: Genossen! Indem die provisorische Re- gierung den Willen des Volkes erfüllt, hat sie ein für allemal in Ansehung des Krieges das ganze alte Ktiegsprogramm geändert und allen Eroberungs-, Bergewaltigungs- nnd annexionistischen Zielen aus immer ein Ende bereitet. Das russisch Volk lyat in- ornlchen von zweierlei Tatsachen .Kenntnis erhalten: auf der einen Seite von Enthüllungen des deutscher Reichskanzlers über die Geheim vertr äge Rußlands mit Frankreich, und auf der anderen Seite von der Friedensresolution des Deutschen stirichs- tages. rn der es heißt, daß der Reichstag einen Frieden der Ver- stSndignng und dauernden Versöhnung der Völker erstrebe, einen Frieden, mit dem errungene Gebietserwerbungen, soivic politische, wirtschaftliche oder finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar sind. Was Deutschland um kann, um den Weg zum Frieden zu ebrun, ist geschehen. Aus Rußland, von dem dir Bewegung zum Friedm aus­

gegangen ist. ertönt aber nur ein Echo zurück, das von Lloyd George, Poincars und Wilson diktiert ist, und das alle Bestrebungen der russischen Demokratie, die den vierten Kriegs­winter fürchtet, zunichte macht. Außerdem verlautet, daß die russi­sche Revvlutionsreaierung ihre Blicke wieder auf Konstantinopel richtet. Das russische Voll wird darüber zu entscheiden haben, ob diese Politik Kerenskis dem Wöhle des Landes, nnd ob sie dem Willen des Volkes entspricht. Aus Stimmen, die uns täglich aus der russischen Presse entgegenhallen, glauben wir das Gegentell entnehmen zu müssen. Die Zellen sind vorbei, wo es genügt, mit schönen Worten Trugbilder hervorzuzaubern, die nach außen hin wirken sollen. Jeder kennt zu gut die Realitäten der Tatsachen. Das russische Voll wird sich gegenüber der Rede Kevenskis fragen, welche Plane seine gegenwärtige Regierung hat, um den ersehnten Frieden herbeiMführen. Oder sollte sie überhaupt keine solchen Pläne besitzen?

Kornilow über die Zustände in der russtschen Armee.

Moskau, 27. Aug. (WTB. Nichtamtlich) Meldung her Petersburger Delographenagerrtur. Generalissimus Kvü- rriloff ist hier eingetrossen und feierlich begrüßt worden. Er versicherte in seiner Antwort, die Parole der Armee heiße nicht Parlamentarismus, sondern das Heil des Vater­landes und Krieg bis Arm siegreichen Ende.

Petersburg, 28.,Aug. (WTB.) Meldung der Petersbur. ger TelegraphenMgentur: In seiner Rede auf der Moskauer Kon­ferenz sagte Kornikow u. a.:

Das alte Regime hat den: freien Rußland eine Armee hinterlassen, die trotz aller Mängel ihrer Organisation wenigstens von Kampffujst beseelt war und zu Opfern bereit war. Eine ganze Reihe von Maßregeln, die von Leuten ergriffen wurden, denen der Geist der Armee und ihre Angelegenheiten vollkommen fremd waren, haben sie in eine Truppe von Menschen verwandelt, die gänzlich den Verstand verloren hatten und nur für ihr persönliches Wohl zitterten. Wenn Rußland gerettet werden will, muß die Armee um jeden Preis regeneriert werden. Man mnß sofort die von mir ausgearbeiteten Maßregeln, die der Leiter des Kriegsministeriums durchaus gebilligt Hit, ergreifen. Zu diesen Maßregeln gehört u. a.: 1. die Verstärkung der inneren Manneszucht der Armee durch Wiederherstellung der Autvrität der Offiziere und Unteroffiziere, 2. die Verbesserung der wirtschaift-- lichen Lage der Offiziere, die sich bei den jüngsten militärischen Unternehmungen so sehr bewährt haben, 3. Beschränkung der Tätigkeit der Regimentsausschüsse, dre zwar die innere wirtschaft- sichie Lage der Regimenter verwalten, sich aber nicht in die kriege- rischn Unternehmungen und in die Ernennung der Führer ern- m:scheu sollen.

Die Macht der ganzen Armee", fuhr Kornilow fort,hängt von den: Zustand des Hinterlandes ab. Es besteht 'Gefahr, daß das Blut, das notwendigerweise während der Wieder­herstellung der Ordnung an der Front stießen wird, unfruchtbar bleibt, wenn die reorganisierte und zum Kampf bereite Arn:ee ohne Verstärkung, Verpflegung,^ Munition und Ausrüstung gelassen würde. Auch halte ich es für unerläßlich daß die an der FrvM iergriffonen Alaßnahmen auch im Hinterlande angewandt wehren."

Kornilow fuhr in seiner Rede fort:In der Tat habe ich Nachrichten, daA tb-er Zustand unserer Eisenbahnen der­artig ist, daß unsere Armee inr November keine Lebensmittel mehr erhalten wird." Kornilow verlas zum Betweise ein Telegramm des Oberbefehlshabers der Süd West­front, das von Mangel an Brot und Zwieback spricht und er­klärt, es herrsche fast Hungersnot an der Front. Kornilow erwähnte auch einige Ziffern über die Produktion der Betriebe, die für die Landes Verteidigung arbeiten. Diese haben sich in der ^'it vom Oktober 1916 bis Juni 1917 bei der Herstellung von schützen und Munition'um 60 uich tum 80 Prozent bei der Her­stellung von Flugzeugen verringert.Wenn also", fuhr Kornilow fort,dieser Zustand anhält, werden sich unsere Armeen in dem gleichen Zustand befinden, wie im Frühjahr 1915 bei dem Rüchug in Polen, Galizien und den Karpathen." Der Oberbefehlshaber schloß seine Rede mit der festen Versicherung, daß die von ihn: vor- gesschlagenen Maßnahmen sofort zur Ausführung gebrach! werden würden. Er glaube an die glänzende Zukunft Rußbrnds und der russischen Armee und hege das Vertrauen, daß ihr alter Ruhm wieder hergestellt uräb. (

Kornilows Rede wurde allseitig! mit lautem, langanhaltendem Beifall ausgenomnun, nur aus der äußersten Linken bewahrten mehrere Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates Schoeigen. Der Oberbefehlshaber verließ sofort die Versammlung und begab ffch in Begleitung seines Adjutanten ins Hauptquartier.

Petersburg, 28. 9lug. (WTB.) Meldung der Peters­burger Telegraphen-fAgentur: General Kornilow sagte in seiney Rede weiter, daß die Todesstrafe, deren Wiedereinfülwung er verlangt hgbe, und andere Maßregeln die Armee von der furcht­baren Krankheit der Zuchtlosigkeit und der Gehorsamsverweigerung ein wenig geheilt habe, aber das Uebel halte die russische Armee noch in seinen Klauen. Kornilow Ährte hierzu an, daß im Monat August die entarteten Soldaten vier Regiments­kommandeure und andere Offiziere getötet hätten^ und daß erst die Androhung blutiger Gewaltmoßregeln dem ein Ende gemacht hatten. Anderersells habe ganz kürzlich ein sibirffches Schützenregiment, das sich vor der Revolution sehr ruhmvoll ge- chtagen hatte, die Rigacw Front verlassen und nur der Befehl, das ganze Regiment zu vernichten, habe es dazu gebracht, in seine Stel­lungen zurückzukehren.So bekämpfen wir unerbittlich die An­archie, die zweifellos endlich unterdrückt werden wird. Aber die Gefahr neuer Lasten lastet noch immer auf dem Lande. D i e L a g e and e r F r v n t ist derarttg, daß wir ganz Galizien und die ganze Bukowina und alle Früchte irnserer jüngsten Siege verloren haben. An mehreren Stellen hat der Feind unsere Grenze überschritten! und bedroht unsere fruchtbaren südlichen Pro'vinzen. Der Gegner^ ucht die rumänische Armee zu vernichten und pocht an die Tore von Riga, und Wenn wrs^re Armee uns nicht hilft, die Küste am Golf von Riga «u halten, wird der Weg nach Petersburg bald offcnj tehen."

Die Moskauer Tagung zäh-lt 2500 Abgeordnete, dar- rmter 488 Dumanritglieber, 110 Banernvertveter, 239 Sov- jetmrtglieder aus ganz, Rußland, 147 Mgeordnete von Stadtverwaltungen, 118 Vertreter des Bundes der Semst- wvs icnd der Städte, 150 ^lbgeordnete von industriellen Organisationen und Banken, 176 Mitglieder von Berufs­verbänden und 313 Genossenfchaftsvertreter. Die Hauptver- 'aurmlung wird bis zum 28. August verlängert, damit die 91 Abgeordneten, die sich zum Wort gemeldet haben, Ge­legenheit zum Sprechen erhalten.

Dumaerklärungen.

P e t e r s bu r g, 28. Aug. (WTB. Nichtamtllch.) Nteldung dep Petersburger Telegraphen-Ag-entur: Auf der Konslerenz in Moskau erklärte in der Sitzung vom 27. August der Abgeordnete der ersten Duma, Zabokow, im Namen dieser Duma, das Land wünsche eine Anstrengung außerhalb des politischen Parteigetriebes, die sich auf devwkratische Prinzipiei: gründe -und die die gesetzliche Ordnung, d:e persönliche Sicherheit und die bürgerliche Freiheit endgültig, :chern tcnrrde. Der Redner betonte, daß es durchaus notwendig «e:, das Oberkommando der Armee von diesem besoiweren Einfluß unabkwngig zu uwchen. Er schloß mit dem Hinweis darauf, daß d:e Abgeordneten der ersten Diana jeden Gedanken an einen Son­derfrieden mit Entrüstung ablveisen wrd einen ehveiwollen Frieden nur bann gutheißen könnten, wenn er nicht ein deutscher Frieoen sei, o. h. ein Ergebnis eines deutsche:: Sieges, sondern, eine Folge des Triumphes Rußlands und seiner Alliierten.

Petersburg, 28. >Aug. (WTB. Nichtamtl.) Meldung der Petersburger TelegraphenALlgentur: Auf der Moskauer Konferenz erklärte das Mitglied der zweiten Duma, Alexinski, die Abgeordne­ten dieser Dünn: hätte:: ilpl beauftragt, nntzuteilen, sie kömckeu nur ein*' Regierung unterstützen, die sich von folgenden Grundsätzen leiten ließen: 1. Fortsetzung des Krieges in enger Verbindung mit den Alliierten bis zur volllommeweu Vertreibung der feiiwlichen, Truppen aus Rußland :md den alliierten Ländern; 2. Organi- ation der Regiermm auf der Grmullage der Zusauunenacbell der Parteien uird der Laruxs-verterdigung. Kerenski erklärte, die

Regierung habe es für notwendig erachtet, den GeneraliffimuA Kornilow auszusordern. aus der Konferenz zu erscheinen, um ihr die Lage an der Front und den Zustand im Heere auseinanderzusetzen^

Eine Erklärung demokratischer Bereinigungen.

Petersburg, 28. Aug. Die Petersb. Delegr.-AgentUL meldet über den Kongreß in Moskau vom 27. Äugnst: Im Namen der Vertreter einer Reihe demokratischer BerernD» guugen verlas Tscheidse eine Erklärung, die herworhebt, daß nur die tätige Mithilfe der revolutionären Armee die Wiedergeburt der Armee und des Landes und die Rettung Rußlands und der Revolution ermöglichen werde, daß die Demokratie nicht von dem revolutionären Lande getrennt werden könne und daß nur eine Macht, die sich' ans die ungeheure Masse des Volkes stütze, das Land aus seiner kritischeir Lage retten und die äußeren und inneren Feinde besiegen könne. Redner schloß seine Erklärung mit einem 'Appell an die vorlänsige Regierung, die mit voller Macht- Vollkommenheit ausgestcrttet werden müsse.

Eine Erklärung französischer Sozialisten.

Bern , 28. Aug. DieBerner Tagwacht" erhält aus Paris eine Erklärung französischer Sozialisten, in der es heißt: Die Petersburger Ereignisse wurden von der russischen Regierungspresse wie von einem Teil der französischen Presse z!u einem schmutzigen Ueberfall der Bolschewik: und der russischen Anarchisten ausgenützt. Während man gegen dies«: Revolutionäre mit allen Kräften hetzt und sie allen Repressa­lien eines Diktatnrregtmes aussetzt, verbreitet man gleich­zeitig über sie verdächtige Berleurndungen. Alle diese Vev- lemndungen können das französische Proletariat nicht irre- führen. Wir wissen sehr gut, wer sie sind und was sie wert sind, die Männer, die man so beleidigt. Eine Reihe von :h:wn, wie der Genosse Trotzki, lebte unter uns. Das einzige Vev- brechen dieser Männer ist die Treue zu ihren UeberzenguTd- gen und dem internationalen sozialistischen Programm. Statt sich irreführen zu lassen durch die süße Anteilnahme an der Regierung, kämpften sie gegen den neuen Zarismus, setzten jede Minute ihrer Existenz aufs Spiel für die Sache des internationalen Proletariats. Das sind die Männer, gegen die man jetzt die ungeheuerlichste Verleumdung verbreitet: Agenten einer fremden Regierung". Wir wollen den Ur­hebern der jetzigen Campagne sagen:Sie wird nicht mehr fruchten als die vorherige, sie werden die Demoralisation der Internationale dadurch rricht erreichen."

DieTimes" zur Rede KerenSkis.

London, 28. Aug. (WTB.) Die TimeA" meldet aus Mos­kau vom 27. August, .daß die Rede des M-inifterpräsidenten Kerenskr aus der Konferenz eine allgemeine Enttäuschung hervorgerufeui hat. M^>n urteilt,idaß er eine glänzende Gelegenheit verpaßt habe, einen starken Eindruck aus die, die wirllich russisch fühlen zu (maä.-ken. Die Kvnfevenz^ wurde in dem schlechten überfüllten TK- atersaal gehalten. Kerenski fand nur ab und zu Beifall, ohne viel Begeisterung. Diese äußerte sich mir einmal, als K'erenski über Finland sprach, und erklärte, er werde nicht dulden, daß dets Separatismus sich euffräße. .Vor Beginn der Konferenz erklärte sich der Arbeiter- und (Soldatenrat mit 364 gegen: 304 Stiurmen gege^ jsden idenronstrativen Streik und gegen jede Störung der KonfereuA. Die Soldaten hatten die Absicht bekundet, die Mehrheit zu unterr^- stützten. Ttrotzdem versuckjten die Extremen, die die Abhaltung der Konferenz in Petersburg unmöglich gemacht hatten, hier dasselbe zu tun. Die Straßienbahnsn, die Arsenale, die Spinnereien imd Fabriken hatten die «Arbeit eingestellt «und selbst die Kellner in bert Restaurants streikten. Nach einem späteren Bericht hörte gestern der Streik wieder auf.

Internationale sozialistische Arbeiterzusammenkmrft in England. *

London, 28. Aug. (WTB.) ReutermeV«N8 Die inter­nationale sozialistische ArbeiterzusammenVunst wird heute unter dem Vorsitz Herckersons in der Central Hall in Wesh- minster eröffnet. Belgien ist auf der Konferenz durch zwei, Rußland durch vier, Frankreich durch zehn, Portugal durch zwei, Griechenland durch einen, GroWritannien durch 46 und Südafrika durch einen Abgeordneten vertreten. Es wird beantragt, daß die Konferenz in vier Abteilungen ge­teilt wird, um über die Hauptpunkte der Erklärung dey britischen Arbeiterpartei über die Kriegsziele zu beraten. Die vier Punkte sind: 1. die allgemein: Erklärung über den Krieg; 2. der Völkerbund; 3. die Forderung nach Wiederhev* stettung und die wirtschaftlichen Fragen und 4. die Gebiets* Veränderungen.

London, 28. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des New« berschen Bureaus. Die Arbeiter- und Sozialistenzusammenkunft der alliierten Länder in Westminster begann heute vormittag. Alle Ab- georvneten waren anwesend. Heiwerson übernahm! den Vorsitz. Die Verhandlungen sind nichtöffeullich. Es dürfte aber un Laufe dkS Nachmittags ein amtlicher Bericht herausgvgeben werden.

*

Die russische Arbeiterpartei und die Stockholmer Konferenz.

Stockholm, £7. Aug. (WTB. Nichtamtlich) P-aniu, der Delegierte des russischen Sovjets, urrd Axelvod, der Delegierte des Organisatiouskomitoes der russischen soziaL- dem-okratischen Arbeiterpartei, sMidten im Namen der russi­schen Ab-ordnuug des Sovjets an Henderson ein Telegramm, worin sie die feste Hofftmng aussprecheu, die KoufevenK wolle beschließen, daß alle teilnehmenden Parteien ihr mög­lichstes tun sollen, um alle Hindernisse zu beseitigen, dre dem Znscunmentreffen der Vertreter des Proletariats aller Länder den Weg versperren.

Der Organ'isationsausschnß der Stockholmer Konferenz erhielt von den in Stockholm eingetroffenen Ab<;eyrdneten des Sovjets die offizielle Mitteilung, daß nach allen ihnen bekamtten Tatsachen die russische Regierung ihre. Haltung gegenüber Stockholm niemals geändert hat nnd daß sie sich gegen die Zusammenkunft nie in irgendwelcher Werse ausgesprochen habe. Sie sehe die Zusammen­kunft als eine Parteiversannnlung des organi­sierten Proletariats an, die dre Sache eines gerechten nnd dauernden Friedens nur nützlich sein könne. Die Mgesarrdten fügen hinzu, daß der Sovjet nie der Meinnng gewesen sei, aus der Zusammenkunft eine Ver­anstaltung der Regierungen zu machen. Die Zusammenkunft sei, was sie sein sollle, und die Arbeiterklasse habe das! größte Interesse, ihr diesen Charakter zu erhallen.

Seekrieg.

Reue U-Boot-Ersolge.

Berlin, 28. Aug. (WTB. Amtlich.) Im Mlautischttr Ozean haben unsere U-Boote rreuerdiugs 18000 Vrullo- registertonnen vernichtet. Unter den ve'niichteten Schiffen befarck>en sich ein englischer bewafsueter Dampfer vom Aus­sehen de:'Kalouo" (8019 Bruttoregistertonneu), der italie-» nisckfe vollbeladene bewafffrete Dan'ipserEugeme^h ferner ein bewaffneter elrglisck>er Danrpfer unbekannten iläimenS« arrschernend mit Oellaoung.

Der Chef des Admrralstabes der Diarine.

m i