r Balkankriegsschauplatz
1 Unverändert.
Der Chef des Generalftoves.
Wien 26 Aug. Aus dem Kriegsvrcssequartier wird am 26. Augmt abends mitnctcilt: Tie Kam Pie nördlich non Görz und aus der Hochfläche van Barnsizza—Heiligegeist dauern an. Tie italienischen Angriffe blieben ohne Ergebnis.
* *
Die Kämpfe in west und Ost.
Berlin, 26. Ang. (WTB.- Tie Generaloffensive der Entente ermattete am 25. August an der Westfront und im Osten, nur an der italienischen Front warm die Kämpfe abermals äußerst heftig.
An der flandrischen Front ging in den frühen Morgenstunden nach Wechsel vollen Kämpfen ein kleiner vorgeschobener Posten lüdlich Lombardzvde verloren. Gegen 11 HIrr abends versuchten 7eindliche Sturmabteilungen, den am Atorgen errungenen Vorteil auszubauen und zu vergrößern. Sie wurden jedoch abgewiesen! und im Nachstoß der Postenstand wieder von uns besetzt. Verschiedentlich . wurden feindliche Patrouillen zurückgewiesen, so ein ftarkcr feindlicher Schleichtrupp, der an: Abend nach heftiger Feuer- terbereitung in der Gegend von St. Julien vorzudringen versuchte. Tie am Tage bei sttirmischem Wetter mäßige Flugtüttg- keit belebte sich gegen Llbend und war auch am Morgen dosj 26. August rege.
An der Artois-Front haben die Kanadier ihre erfolglosen verlustreichen Angriffe eingestellt. Eine große Dtenge von gefallenen Kanadiern liegt vor unseren Stellungen.
_ Wie am Vortage flackerte die Kämpft ättgkeft im Ramm' von St. Quentin an verschiedenen Stellen zu größerer Lebhaftigkeit auf. Seit Mittag lag planmäßiges Zerstörnngsfeuer auf der Mala- koff-Ferme und südlich baten. Am Abend ging es mit besonderer Wlucht^aus unsere neu gewonnenen Stellungen bei der Guille- Tnont Fe. über. Hier hatten rmr schon vormittags einen feindlichen Gegenangriff zum Teil im Nahkanrpf abgewiesen. 9 Uhr abends erfolgten an dieser Stelle ein erneuter feindlicher starker Teilangriff. Die hin- Und herwvgenden erbitterten Kämpfe hielten die ganzje Nacht an. Ter Feind erlitt schwere Verluste. Seit den frühen 9Nor gen stunden liegt schweres Feiler auf unseren Gräben bei der Malakoff und Colvgne Fenne. In der Nackt wurde St. Quentin heftig mft Brandgranaten beschossen. 15 Gebäude, darunter das Nonnenkloster, sind ausgebrannt. Während das feindliche Artilleriefeuer auf dem westlichen Maasufer erniattete, wütete es auf dem Ostufer in verschiedenen Wschnitten mit alter Heftigkeit. Von Nachmittag an bis in die Nacht hinein lag schwerstes Feuer aller Kaliber auf unseren Stellungen von südwestlich Beaumont bis MM Chaume-Wald. Mft dem grauenden Tag steigerte es sich zu größter Heftigkeit. Bei dem gemeldeten französischen Vorstoß ron der Höhe 344 nach ?dorden erlitten die Franzosen besonders! in unserem Abwehrfeuer schlverste Verluste.
Tie Darstellung des französischen Heeresberichts vom 24. Aug., wonach die Franzosen in einem einzigen Anlauf die gewaltig befestigte Höhe 304 nahmen, ist irreführend. Tie Höhe 304 war seit nahezu drei Tagen planmäßig geräumt.
Aic der Ostfront außer vorübergehenden Feilerüberfällen und ) eigenen Pattouftlennnterirehnrungen keine besonderen Ereiguissv.
Japan als Mitkämpfer im Westen?
. Bern, 24. Aug. (Privattel) „Journal" erklärt, daß die Verhandlungen über eine Intervention Japans in Europa im Gange seien. Die japanische Regierung habe ihren Widerstand anscheinend aufgegeben, und Japan fühle sich nunmehr solidarisch mit den Weltmächten.
Kämpfe in Oftafrika.
London, 25. Aug. (W. B.) Reutermeldung. Tas Kriegsamt meldet: Im Lindagebftt wurde der Feind auf eine Entfernung von acht Meilen während der letzten .Tage ivefter zurückgetriebcät. Im Kftwagebiet sind Anzeichen Für .ein teftweists Zurückweichen der vorgesch obenen Truppen des Feindes beincwkbar. Im Mbenkuru-
f ^ I 1 il I' y * 1111% >1*^ 1« t f IM A A 1 l A »• t* X y» . A > n . I ...
befterpartei bei der. Stockholmer Konferenz abzugeben beabsichtigt. Tie Hauptpunkte sind:
1. Der deutsche Imperialismus nmß wiedergeworfen werden. 2. ^vie Arbeiterklasse muß sich vereinigen, uln den. Krieg zu beendigen. 3. Sie soll die russische Formel ohne Annexionen annehmen. 4. Ein Bund der Nationen muß gebildet werden. 5. Deutschland muß Belgien wiederherstellen und ihm Sckwtenersatz leisten. 6. Eine Konferenz von Verttetern der Balkanvölker oder eine internationale Kommission soll über die Balkanfragen entscheiden. 7. Elsaß- Lothringen fällt an Frankreich. 8. Die italienisch sprectenden Gebote in Oesterreich fallen an Italien. 9. Tie vereinigten Polen! bestimmen ihr Schicksal selbst. 10. Palästina den Juden unter internationaler Garantie. 11. Konstantinopel wird Freihafen. 12. Die tropischen afrikanischen Kolonien kommen unter eine nationale Verwaltung. 13. Eine internationale Kontrolle über nnchttge Lebensrnittel. 14. Vorbeugende Maßregeln gegen die Arbeitslosigkeit. 15. Kein Wirtschaftskrieg. 16. Jnternattonaler Wiederaufbau der verheerten Gebiete. 17. Rechtliche Untersuchung über die Verstöße einzelner Staaten gegen die Grundgesetze der Menschlichkeit. 18. Wiederaufbau dos Völkerrechts. 19. Mschaffung der geheimen Diplomatie.
Ein derartiges Programm dürfte nach dem „Sozialdemokraten" voll allen englischen Ärbeitergruppen angenommen worden sein, auch von Macdonald, wenn auch rnit unbedeutenden Abweichungen.
und ^ zwar durch das Vorrücken der belgischen. Kolonnen von Kilossa, deren Bttvagung nach Süden, .anhält. 65 Mecken südwestlich Mahengo tvurde .eine beträchtliche deutsche Streitmacht, die in jenem Gebiete eperi-ert, von unseren Kolonnen eng ernge- schlossen, Im Südgebiet nähern. sich unsere Truppen. Tunturu, einem wichtigen Vorratszentrum des Feindes.
Der Rat vorr Flandern zur päpstlichen Jriedensnote.
Brüssel, 25. August. (W. T. B. Nichtamtlich.) Ter Rat von Flandern veröffentlicht zur Friedensnote des Papstes folgende Erklärung:
Ter Rat von Flandern hat mft hoher Befriedigung von dem Friedensschritt des Papstes Benedikt XV. Kenntnis genommen, drückt aber sein Bedauern aus, daß sich der Papst feit 3 Jahren ohne persönliche Verbindung mft dem.frcmdrischen Volk befindet. Kre in der Note dargelegten allgemeinen Grundsätze, ebenso aber auck die für den Friedensschluß über das Schicksal Belgiens gemachten Vorschläge scheinen ihm geeignete Grundlagen zur Besprechung ui bilbcn, um die Zukunft des flämischen' Volkes und die Unabhängig eit feines Landes so sicherzustellen, ivie der Rat
vpn ^landen es sich zum Ziel gesetzt hat. Ter Rat von Flandern
noht icch. genötigt, seine Ueberzeugung telsin auszuspreckwu, daß zur Erreichung dieses Zieles die heutige belgische Regierung in Le Havre weder unabhängig noch überhaupt geeignet und willens nn. Lre hat sich mit den Westmächten durch Verträge immer enger verbunden ,md noch jüngst in ihren offiziellen und offiziöwnj ^Gerungen erklären lassen, daß die Zukunft des belgischen Laiides in so enger politischer uwd wirtschaftlicher, sowie militäri- icker Abhängigkeit von Frankreich und England gesucht wrden müßte, dqß kaum Noch ein Schein der Selbständigkeit gewatet aleibt lehnt aber auch nach wie vor die tiefbeg rundeten!
,svrdernngen der belgischen Volksmehrheft, namentlich der Flamen, ap und verweigert jenen die gereckte und wirkliche Erfüllung der verfassungsmäßigen Gleichheft im Staate. Sie widersetzt sich vielmehr mft all ihr zu Gebote stehenden Mitteln, der Ausführung des natürlichen Rechtes des flämischen Volkes, sich durch Selbst- beittmmung nach eigenen, Wesen und gemäß seiner geographischen Lage zu entwickeln. Sie steht damit im Widerspruch zu der arund- legcnben Erklärung des heiligen Stuhles und zu den Prinzipien der neuesten Friedensbotschaft des Papstes Benedikt XV., der ausdrücklich betont, daß im gerechten Maße den Bestrebungen der Völker, mm; uer ui größere Verbände eingefügten, Rechnung getragen/ werden müpe. Wcr stützen uns auch auf die Ueberzeugung, daß ein selbständiges Flandern neben einem i'elbsftindigen Wallonien dauernde Bürgschafteil für den Frieden und für unsere Unabhängigkeit schaffen kann. Der Rat von Flandern fühlt sich eins mit dem Papste in dem Sinne, dem Frieden zw dienen, intern er mc aus lahrzehntÄangem Kampfe des flämischen Volkes gegen Unreckt Mid Unterdrückung bervovgeg äugen en Forderungen der volkm Anerkeimung feines Rechtes auf Erziehung in leinte flämi- whcn Muttersprache, sowie auf Selbstverwaltung fordert und ihrer Verwirklichimg entgegenführt. Uns selbst zurückzugeben, erstreben wir mft dem Pap,te und allen Friedensfteunden weder Haß noch Rache. iwd) Erniedrigung von irgend jemand, sonderir allgemeine Vcrwhnung und ern für alle Völker ehrenvolles Kriegsende,
vre Lage in Rußland.
Die Konferenz in Moskau.
Petersburg, 26. Aug. (P. T.-A) Am Vorabend der Konferenz ließen der Bürgermeister von Ntoskau und die Parteien der revolutionären und der denwkraftsckun Sozialisten zwei Aufrufe an die Bevölkeruug forme au die Arbeiter und Soldaten anschlageu, in denen diese aufgcfordert werten, die Rühe zu bewahren und ter Regierung und der Konferenz zu gestatten, ungestört für das Wohl des Vaterlandes zu arbeiten. Trotzdem beschlossen die maximal istisckun Sozialisten und der Rat ter Gewerkschaftsverbände, gegen die Konferenz zu protestieirn, die sie als bürgerlich und! gegenrevolntionär betrachten. Es gelang ihnen, einen Teilstreik in Moskari herbeizuführen. Zahlreiche Fabriken und Werkstätten feiern. Die Gtraßenbahnen verkehren nicht. Wirtshäuser unds Hotels sind geschlossen. Die dRaximalisten bemühen sich, den ?lus- staiid allgemein zn machen, s>aben aber bisher keinen allzugrvßen Erfolg damit gehabt.
P e t e r s bn r g , 26. Ang. fK. T.-A.) Gestern nachnrittag o Uhr nsurde die bereits airgekündigte Konferenz in dem von einer ungeheuren Menschenmenge umringten und von starkerr Kaval- lerieabteckungen bewachten Opernlmnse in 9NoSkäu mft einer Rete des Minister-Präsidenten Kerenski eröffnet, in der dieser etwa folgendes sagte: Tie Regierimg habe Bürger des großen und! ftereu Rußlands nach Moskau berufen, nicht wegen polftisckwr Erörterungen oder Parteistrütigleiten, sondern unt ihneir offen und freimütig die reine Wahrheit zw sagen, die das Vaterland erwarte, und ihnen darzulegen, wie sehr Nußl-aiid in diesem 'Augenblick leide. Dieienigen, erklärte er, die glauben, daß der Augenblick gekommen ist, die revolutionäre Macht mft Bajonetten zu stürzen, täuschen sich und mögen sich hüten, denn unsere Autorität stützt ich auf daS unbegrenzte Vertrauen des Volkes und Millionen Soldaten verteidigen uns gegen einen deutschen Einfall. Die Regierung glaubt die Wahrheit sagen zu können, und daß diese Wahrheit nicht [mir unsere Freunde erfahren können, sondern besonders imfere' Fiftnde, diejenigen, die unsere Truppen zerstören, dieienigen unter uns, die den Augenblick erspähen, wo sie das Haupt erheben und sich auf das freie russische Volk werden stürzen können Bürger, der Staat durchschreftet eine Sttmte tödlicher Gesal>r. Ich will nickst weiter davon sprechen, denn jeder von Ihnen ist sich dessen bewußt, aber Sic wissen auch alle, daß die Aufgabe, die Ihnen zu- fältt, besonders ter Kampf gegen den mächtigen, unversöhn1ick?en wrd organisierten Feind, große Opfer, Selbstverleugnung, ttefe Vaterlandsliebe und Vergessen unsever inneren Streftigkeiten verlangt
Die konftituierende Versammlung verschoben.
Rotterdam, 25.Aug (WTB.) Nach den: „Nieuwe Rotter-. dänische Courant" meldet „Dailv News" aus Petersburg: Die Regierung machte bekannt, daß die Wahlen zur konstituierende^ Versammlung auf zwei Monate aufgeschoben worden sind, da es unmöglich ist. die Wahlvorbereitungen zu dem anfänglich in Aussicht genommenen Datum zu ^beendigen. Die Ankündigung wird von der Linken mit Unruhe ausgenommen, da jeder Tag des. Lluft schubs die gegenrevolutionäre Bewegung im Lande verstärkt. Kerner nimmt die Unruhe deswegen zu. weil die Versammlung in Moskau abgehalten werden soll. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien! trugen durch Reden gegen die demokratischen Organisationen viel dazu bei, diese Unruhen hervorzurufen. Es wird viel von der unversöhnlichen Haltung gesprochen, die ter antisozialisttsche Block gegen- !über der Temokratte und Regierung angerwmmen hat. Das kann
möglicherweise zu einer neuen Krisis und zu dem Zusammenbruch ter Koalition führen
Der Exzar in TobotSk.
Stockholm, £7. Aug. (B T.) Kerenski erhielt aus Tobolsk von den: Koinmanoanten von Zar s ko je Sselo, Kobilmski, ein Telegramm, daß der ehemalige Zar wohlbehalten am 18. Altgnst dort eingetrvffen sei. Der Zar bewohne zwei Räumlichkeiten des GouvernemenksgebäiudLs, während die übrigen Räume der Familie des Zaren zur Verfügung gestellt seien.
Russische Anleihe bei Amerika.
Washington, 25. Aug. (WTB.) Reuöer-Meldung: amerikanische Regierung lieh der russischen weitere 100 lionen Dollar.
Die
Mil-
Der hauptausschuß des Reichstags
Bern, 25. Aug. WTB. Der „Alatin" meldet aus Newport: Der mwtbotische Delegierte für die Vereinigten Staaten, Monsignore Bonzano. gab in Kansas Citp folgende Erftäruug ab: Gemäß Mitte ihmq von hochgestellter Seift kann ich versichern, daß der Bapst keineswegs glaubte, daß die kriegführenden Staaten sich m kurzer Frist verständigen wüiten. aber der 'Papst glaubte, den .'.Mhrern ter kriegführenden Nationen unparteiisckw Vorschläge, die W\WU<b nun Freden führen würden, machen zu können
Die ^riedeusformel der englischen 2lrbeiterpartei.
^^Stockholm, 26 Aug. ^WTB.) „Sozialdemokraten" ver- Sttentticht den Entwurf einer Erklärung, die die englische Av-
Be rlin, 25. Zlug. (WTB. Nickftamtlich.) Reichskanzler Dr. Michaelis erinnerte zunächst an die Richtlinien, die er für die Führung der inneren Polittk und bessonters für die engere Zusammen^ arbcit zwischen ter Reichsleitnng und den großen Parteien in seiner Reickistagsrede vom 19. Juli gezogen habe Nach diesen Richtlinien habe er gehandelt und in die Reichsämter Männer berufen, von denen er mit Sicherheit cmnehmen durfte, daß sie das Vertrauen der großen politischen Parteien genießen. So sei das Reicksjustizam't mit einem Parlamentarier besetzt, in das Reichs- tvirtschaftsamt sei eine Persönlichkeit berufen worden, die sich des vollen Vertrauens der nach links gerichteten Parteien erfreue, für das Reichsernährungsamt habe er als Unterstaatssekretär ein Mitglied ter sozialte'mokratischen Partei und für die Reichsfinanzoer- waltung zunächst als Ministerialdirektor mit der Absicht, diese Stelle ipäter zu ter eines Unterstaatssekretärs auszubauen, ein Mitglied ter uationallibevaleu Fraktion ernannt. Als preußischer Iustizminister sei ein Mitglied der Zentrumsftattiou in den Bundesrat eingetrcten. Auf diese Weise habe er erreicht, was er erstrebte, nämlich die Berusimg von Männern, die das volle Vertrauen ter Parteien genießen, in leitende Stellungen des Reiches und des Staates. Uni die Zusammenarbeit zwisckstn der Reichs- leilung und den Parteien enger zu gestalten, habe er eine weitere Einrichtung ins Auge gefaßt. Er habe diese Angelegenheit bereits /mit den Führern ter Reichsüagsftakftonen -erörtert und ebenso mft den stimmberechtigten Mitgliedern des Bnndesrats und könne m/it Sicherheit auf die Zustimmung ter verbündeten Regierungen rechnen. Es handle sich um die Errichtung einer fteien Kommission beim Rei-chSkrnrzler, zunächst für einen ganz bestimmten Einzelzweck, nämlich die Beratung der Antwort auf die päpstliche Friedensnote' In diese Kommission sollen von den fünf großen Parteien des Reichstages sieten Mitgli^>er abgeordnet tverden. und zwar je zivei vom Zenttunt -ujnd <ter Sozralteuchkratie, je eines von den Konservativen, den Nationalliteralen und ter Fvrtschrittlick-en Bolkspartei. Ebenso soll ter Buntesrat sieten Mitglieder m die .Kommission abvrdnen. Der Reichskanzler führt den Vorsitz Die Kommission sei als voUkomm-en frei gedacht und unterstehe' deshalb nicht ter Geschäftsordnung des Reichstages. Sie sei nicht ans- qlufassen als eine Vertretung der Bundesregierungeir und ter Frak- tionen, von denen ihre Mitglieder abgeortmet sind, sondern als freie Arteitsgemeinschaft von Personen, die sachkundig und zu polftischep
I?^Eft terufen sind und die politisches Vertrauen genießen. Die Einrichtung sei zunächst als ein Versuch gedacht, aus dessen Praxis man iveiftr leriien wolle, ob die Kommission beizubehalten, tvie Ne Qiszaigepalten und wie ihre Zuständigkeft zu umgrenzen sei.
.Bei. richtiger Haiidhabung erhofft der Reichskanzler von ter Kom- puNron eine wertvolle Befruchtung unserer twlitischen vaterländi^ pren Arbeit. Es werte.auch gelingen, dft Gefahr zu vermeiden^
unbedingt vermieten werden müsse, daß etwa durch die Kommission der Bundesrat und der Reictelag in ihren Informationen und in ihreii durch die Reick?Svermsfung festgelegten Besugnisseii be- schränkt werden. Der Reichskanzler hofft, die Kommission für den nächsten Dienstag zum ersten Male znsanlmenberufen zu können.
Er Mist diese Kommission als eines der Mittel aus, um aus tenr Wege der Entwicklung Zu das hineinzubommeu, ivas wir für die Veranderiing und Besserung unseres inneren politischen Lebens für no^jMig halten. Er könne nicht zugeberi, daß unsere inneren Ierhältnisst eine Ueberstürznng, namentlich in der Kriegszait, erforderlich tnachcn. Ter Reichskanzler beruft sich aus öic'AuS- fuhrungen eines ihm übermittelten Aufsatzes des sortfckwittlicheit Abgeordneten Naummm, der'ausdrücklich feslsteltte, daß das Quan-- tum rnr Freiheit des einzelnen Bürgers bei uns nicht geringes sec, als cs etwa in Frankreich vor dem Kriege war, und daß unser Wahlrecht zum Reichstage den demokratischen Ansprüchen mehr genüge als das englische. Es sei jetzt njcht an der Zeit, sich über Vcrmfsungskämpfe zu unterhalten, genau so tvenig, wie es Zeit stl, sich über eine Teichordnnng zu streiten, wenn das Wasser tenr ^eich zu überfluten drol>e. Ter Reichs.^nzler bitte, daß man dem Vertuche. ter mit der Kommission gemacht iverden solle, wohlwollend und mit der ehrlichen Wsicht nähertretc, mit dem Bundes- rat und mit ihm selbst zusammenzuarteften zum Wohle ter Gc^ samtheit. Ter Reichskanzler betont dann die ungeheuere Arbeitslast, die die vielfältigen und aufs engste verschlungenen Aufgaben der iiußereic uiid inneren Politik gegenwärtig ihm selbst als dem leitenden Staatsmann des-Reichs und des preußischen Minister- präsidentcn auferlegcn. Er stellt bei dieser Gelegenheit ausdrück'' sich fest, daß von einer Verschleppung der preußischen Wahlrechtsvorlage keine Rete sein könne. Der Entwurf werde in gedrängteö Arbeit fertiggestellt und werde vor gelegt werden nach den Bedürfnissen in Erfüllung deS königlichen Wortes, sobald er fettig- gesteftv sei. Im Reiche seien es vor allem die ungeheuren Fragen/ der Friedensbedingungen, der Ucbergangswirtschast und ter Reichs- finanzreform. die seine eigene Zeit und seine Arbeitskraft im höchsten Maße in Anspruch nähmen. Tie Zusammenhänge zwilchen diesen Fragen seien so enge und so grundlegend, daß die allgemeinen Direktiven unter allen Umständen von einer zentralen Stelle gegeben werden müßten. ES sei jetzt im Kriege zwischen dem Reichskanzler und den Reffotts eine viel stärkere, bäuftgere undi unmittelbarere Zusammenarteft erforderlich als im Fttedeu. Tar- ftus entspringe die Nokwendigteit einer persönlickwn Entlastung des Reichskanzlers, die zur Teilung des RcichsamtS des Innern 'und zur Bestellung eines ständigen Stellvettreters des Reichs-» Kanzlers ohne eigenes Ressort geführt habe, und der auch tei den nickt zu vermeidenden häusigen Reisen des Kanzlers für ihn ein- trete. Ter Reichskanzler bitte schon jetzt, diese Notwendigkeit bei der späteren Bel)andlung und Prüfung des Nachtragsetats im Reichstag zu berücksichtigen.
Berlin, 25.Aug. (WTB. Nichtamtlich. 1 Der Herr ReiclB- tauzier machte im Laust !ter heutigen Ausschußsitzung nock fotgenös wettere Aussiihrungen: Ich bin dankbar, daß Sie Ihre Bercft-, wcsilgkeit ausgeiprochen haben zur Mitarbeit an der Turchft'lhruncj der von nnr.yemachtsn BorWüge. Was fick; als brauchbar heraus- lftllc und sür die Dauer als zweckmäßig erweist, wollen wir, <
ooii dem ersten praktischen Fall ausgehend, in gemeinsamer Be- /vattmg festzulcgen suchen. Die Notwendigkeit, über gewisse grünte , negende Fragen in einem enger begrenzten Kreise zu verhandeln- > damit die Bertranlichikeit gewahrt bleibt, ist erwiesen. Wenn ich gesagt habe, daß die Mitglieder des neuen Ansschrlsses nicht als Bevollmächtigte ter Regierung oder der Parteien zu betrachten seren, so habe ich ausdrücken wollen, daß es ausgeschlossen ist. daß in feteirt einzelnen Falt der Vertteter der Partei oder der Regierung mit einer Jnsttuktion in den Ausschuß hineingeht oder nach Der Beratung an die Partei Bericht erstatte. Dinge, die im Werden sind, die der Aenderung noch unterliegen, die noch im Ztoisckien. stadium sind und nicht vor der Oefsentlichkeft erörtert werden dürfen, svollen wir verttauensvoll miftinanter durchberaten und loann zu einer Lösuitg kommieu, die der Ocffeutli'chkcit übergetenwerten kann. Ich bin überzeugt, und ich habe die Zustimmung siämtkichckc Vertreter der Fraktionen dazu bekommen, daß in diesen vertrauensvollen Beratungen im engen Kreise die Anbahnung eines ivesentlichen Fortschrittes liegt. ES ist selbstverständlich die Aufgabe der Vertrauensmänner jeder Partei, daß sie die Besprechung im Sinne ihrer Partei zu erlediget! haben. Das ist ohne weiteres anzuerkennen. Gerade dadurch soll ja mich die engere Fühlung zwischen Regierung und Patteien hergestellt sverden. Der Mhrer der Partei soll in die Kommission geschickt werden. Dann besteht pk ^Gewähr, paß, /er jiit dubio sdie ^tismmuugfeiner Partei zum Ausdruck bringt. Damit ist idr-e Sicherheit gegeben, daß dje Verhante lungen fruchtbar fmfr und die Sache stets nach irgendeiner Seite hin fördern. Es versteht sich von selbst, daß die Führer sich mft chreu Patteien in engem Einvertiehmen l)alten, denn mir dann kann man erwarten, daß sich die Patteien im allgemeinen auch zu dem tetemten. werden, was besprochen worden ist.
. Ich Staute, daß es zweckmäßig ist. die Ausschußvcrhanblnngen m dieser Milse auszubauen. iEsii weiter geh enter Plan ivird voü mir noch nicht bearbeitet. Auch denke ich nosch iritfit an einck staatsrechtliche Lösung. Mir liegt vorerst allein daran, in Zusammenarbeit mit den Vertrauensmännern der großen Patteien die schwebenden Fragen ihrer Lösung näher zn bttngen. Damit dürften die Bedenken ausgeschlossen sein, die hier geäußert worden sind.
Es ist als ein Scherz bezeichnet worden, daß man einen Reick>s- tagSabgeordneten als Minister nach.Preußen setzte und einen preu- < ßischeu Landtagsabgeordneten als Staatssekretär-in den Reichsdienst übernommen habe. Für den Posten des preußischen Iustiz- ministers mit seiner Verantivvrtung für die gesamte vrakftsche Rechtspflege, für das Heer der Beamten und den mstanzenmäßigen (Rnrg der Rechtsaufsicht mußte ich einen Beamten mit der amtlichen Vergangenheit des .Herrn Spahn bekommen. Das Reichs- justizamt dagegen hat sich nur mft gesetzgetenscheu Llusqaten zn beschästtgen und ivird dies künftig in ganz besonderer Weise zu tun haben. Torchin gehötte ein Mann, der im politischen Leben besonders bewährt und infolge ter engen Fühlung mit weiten Volks- kreisen mit deren Bedürfnissen gttindlich verttaut ist. Die Pei-sonen- wähl ist also nach wohlcrsvogenen sachlichen Gründen erfolgt. Zu Scherzen habe ich weder Veranlassung noch Neigung gehabt.
Berlin, 25. Aug. MDB. Nichtamtlich.) Im Haupt aus- sckuß des Reichstages tezeichw^ft ter sozialdemokratische Redner ten/
Ein wand für hmfällig, teß jetzt im. .Kriege die Wjmrscke nack> einer, Reform nicht durchgefühtt iverden könnten. Mich Graf Ezernin habe betont, eine Demokrattsierung notivendig sei. Wenn die Bedeutung tes Reichstages geivachsen sei, entspringe dies feiner eigenen Initiative in den 'Fragen der inneren Krjegsknottvendigkeit Sein Ausbau liege ftn Kfteresft ter Regimmng und des Reiches'
Ein Redner des ^Zentrums lüegrüßte die Absicht tes Kanzler-, eine engere Fühlung nttt (den! Parlament herbeizuführen. Wenn» versucht werden sollte, aus dem HiWvat eine Art R'eichSttft! m entwickeln, wlürde /das bei seiner Fraktion auf unüberwindlich) Betenftn st,osten. Ein nationalliteraler Redner- sagte, für die Stelle tes Chefs ter Gftichsvanzlei hätte eine parlamcntarifb gesckulte Kraft gewählt sverden sollen. Den vorgesehenen Hilis- rat begrüße et. Davon sbefürchift er nicht ein Herabdtticken ter Bedeutung tes Hauptausschusses. Eine Hinausschiebung der inneren' Reform sei nicht angängig. Ein unalchängiger Sozialist erklärte sick üon dem)p/orge-schlagen-en Hilfsrat nicht bsiriedigt. Ein konservativer Redner hob hervor, Fsccunte billigten es, daß die
Beränderuiligen in ter Regierimg lällein aus ter Entsthestmug des Kaisers hervorgegangen, ftien. Er lehne ten Gadanken ab, daß, ein Minister oder Staatssekretär tes Amt als VerttauenSmamr feiner Parftn ver'selft. M sei Ol Witzen, teßj die freie Kommisswul nicht als pattamentarssche Einrichtung gedacht sei. Ein Mitglied der deutschen ^ Fraktion verwies lcruf die wechftlnden Reichstags 'wAnheilen, die dittchl sden stätzidigen Wechsel der sttegierungen nach ihrem Willen eine Unstetigküt der Pvlftik herbeiführen müßten. Den vorgesck>lagenen Hilfsntt tegrüße er, letech hätte man die kleinen Pgrtoieu nicht auKschlftstm sollen. ^ ^


