Ausgabe 
24.8.1917 Erstes Blatt
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Französische Lügen von oer Zerstörung der Kathedrale von St. Quentin.

Berlin. 22. Mg. ,WDB. Amtlich.) Die Vergiftung der öffentlichen Mttnung der Welt und ihre Au fhe tz u n g g eg e ü Deut s ch ln n d bilden ein Kampfmütel der französisch e u Negierung, das sie in wachsendem Aiaße immer gewissenloser zur Anwendmrg bringt. Die letzte französische Meldung von der Brandlegung der Kathedrale von St. Quentin durch die Deutschen bildet bereits den Höhepunkt des französischen Lügen- sttdzuges, der bereits in den ersten Tagen des Krieges mit derj Erfindung und Verbreitung deutscher Greuel cinsetzte. St. Quentin Wird seit vier Monaten von Franzosen und Engländern zur Trüm- merftäUe geschossen. Die berühmte Kathedrale fiel am 15. August der heftigen Beschießung der Stadt durch 3000 Sckmß zum Opfer. Das deutsche Beweismatettal snr die Zerstörung St. Quentins und seiner Kathedrale durch die Engländer und Franzosen ist erdrückend. Den Beginn und das Fortschreiten der Beschießung und der^ Zer- störungeil sind protokollarisch festgelegt. Neutrale Bericht erstatt ec haben die Zerstörungen der Stadt gesehen. Es existieren zahlreiche photo g raphi s ch e Aufn a h men , die deutlich erkennen lassen, doch die Zerstörungen von dem feindlichen Artilleriejener herrühren. Sttbst Filnrs wurden während der Beschießung auigeiwmmen, die die deutlich platzenden Schrapnells und Granaten in den Straßen der Stadt sonne aus der Kathedrale selbst erkennen lassen. Tie Stadt liegt voller- Sprengstückc und Blindgänger französischer und eng­lischer Herkunft. Jeder dieutrale kam, an den Zerstörungen und Ernschlägerr ohne Lchwiettgteit feststellen, daß die englischen mrd französischen Batterien die Stadt beschossen haben, in der die Um­gebung der Katlredrale an militärischen Decken nur der Unterkunft von Truppen diente. Tie Franzosen haben auch nie den Einwand nräitärischer Notwendigkeit für die Zerstörungen vorgebracht, son­dern sie halten es für einfacher, die Beschießung glattweg zu leugnen Loch später die Verheerungen durch ihr Artillerieseuer als mut­willige, absichtliche Zerstörungen durch die Deutschen hinzu stellen. Gegenüber unserem erdrückenden Bewttsmaterial von der srevel- haften Schuld der Franzosen m, der durch keine militärische diot- wendigkttt gebotenen Bernichtüng eines der bedeutendsten Kultur- deukmäler der Welt hat der amtliche französische Propagandadi-imst, der angeblich nir die Zivilisation und Menschlichkeit arbeiten will, die Dreistigkeit, eine che freche Lüge in di e W!elt zu setzen, vhno auch nur zu versuchen, den Schimmer eines Betveises für seine Be- haupllmg beizübringen.

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Der Luftangriff auf England-

London. 22. Ärrg. l'WTB.) Amtlicher englischer HeereS- berrcht: Bo« deu L u s t s ch i s s e n. die in der vergangenen Nacht einen Angriff aus die Küste von Parks hi re unternahmen, wagten sich eines oder höchstens zwei in das Innere des Landes. Es wurden zwölf Hochexplvsivbomben und dreizehn Brandbomben; auf doei Dörfer in der Nähe der Küste abgeworsen. wobei eine Kirche zerstört und drei Häuser beschädigt wurden. Ein Mann wurde verwundet.

London, 23.Mrg -WTB.) ,,Central News" melden anttlich: Zehn feindliche Flugzeuge näherten sich" heute früh der Küste von Ke nt. Es ivurdeu Bomben aus Ramsgate tmrd Dover abgeworsen. Drei Personen wurden getötet und zwei verwundet. Zwei feindliche Flieger wurden niedergeschosseu.

London. 23. Äug. (WTB.) Reutcrmeldung: Das Presse­bureau tellt mit: Zehnseindliche Flugzeuge näherten sich Uoite 10 Uhr früh der Küste von Kent. Der Feind wrrrde von dein Megerkorps des Mattnelustschiffdienstes in ein Gefecht verwickelt, ioälwend die ^lbwehrgeschütze das beabsichtigte Vordringen in das Innere des Landes verhinderten. Einige wenige Angreifer kamen in weUick)er Richttmg bis Mar ga te . die anderen famm nach der Küste von Do ver. Es wurden Bomben aus Dover und Margate cchgeworfen. Drei Perjouen wurden getötet, zwei verwundet. Der Schäden ist unbedeutend. Zwei feindliche Flieger wurden uieder- geschossen. Nach einem späteren amtlichen Bericht warfen die Flug­zeuge Bomben ans Dover, ?Nargate und Ramsgate ab. Dadurch wurden 11 Personen getötet und 13 verwundet. In Dover und RamSgate wurden mehrere .Häuser beschädigt. Ein deutscher Flug­zeugführer wurde leicht verwundet eingebracht.

Ein deutsches Marineluftschiff verloren gegangen.

Berlin, 23. Aug. lWTB. Amtlich.) Am 1. August vo rmi ttags wurde eines unserer Marine-Luft- s ch i s f e westlich der jütischen Küste, nördlich vom Horns­riff, beim Angriff aus englische Seestreitkräste abgeschossen.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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Die Sozialistenkonferenz in London.

Amsterdam , 23. Aug. (WTB.) DasHaichelsblad" meldet Mrs London: Die L o z ia listen ko n f er e n z der Alliierte fin­det Dienstag und Mittwoch statt. Presse und Publikum werden nicht zugelassen, aber leden Tag soll ein Bericht veröffentlicht iverden. Henderson wird den Vorsitz führen. England, Frankreich, Bel­gien, Griechenland, Italien, Rußland und Südafrika werden ver­treten sein.

Die englischen Arbeiter und die Stockholmer Konferenz.

Amsterdam, 23. Llug. (WTB. Mchtamtlictz.) Nach einem hiesigen Blatte wurde bei der gestrigen Ärbciterkonserenzj in London der Auttag des aussührenden Ausschusses der Arbeiter­partei, außer der offiziellen Mordnung von 24 Mitgliedern noch eine aus ie 4 Mitgliedern der zwei sozialistischen Parteien und aus 2 Mitgliedern der Fabian-Party bestehende Sonderabord­nung nach Stockholm zu schicken, abgelehnt. Ebenso wurde der An- ttag, die Abordnung aus Delegierten der Konferenz selbst zu wäIen, verworfen.

Seekrieg.

Reue ll-Boot-Erfolge.

Berlin, 23. Aug. (Amtlich.) Im Aermelkanal und in der Nordsee wurden durch unsere U-Boote wie­derum fünf Dampfer und drei englische Fischersahrzeuge versenkt, darunter der portugiesische Darupfer Berlenga ('3548 Tonnen), mit Bohnenladung für London, ein bewaff­neter englischer Dampfer mit Holz, ein italienischer Damp^- ser von etwa 3000 Tonnen, sowie ein unbekannter, tief- geladener Dampfer aus Geleitszug. Drei englische, bewaff­nete Fischersahrzeugc wurden nach Artilleriegefecht vernich­tet, ein 5-Zerltimeler-Schnelladegeschütz erbeutet.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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Wien, 23. Aug. (WTB. Mchtamtlich.) Die ,,Agenzia Stesani" meldet: Am 48. August hat ein italienisches See fluaLeua in der oberen Adria durch B-om benwnrs eilten BoMreffer auf ein feindliches U-Boot erzielt und es versenkt. Bon zuständiger Stelle wird hierzu bemerkt, daß es sich weder um ein österreichisch-ungarisches noch um ein deutsches U-Boot handelt

Kopenhagen, 24 2lugust. Das Mrnisteriiml des Aeußerti teilt mic: Der dänische Schoner Caroline Kock, von Fteetwood nach Thors'havn nrit Holzladrmg unter'wegs wurde im Atlantischen Meere versenkt

Haupt der wiederholle Bruch der Vertraulichkeit wurde von allen Seiten scharf gerügt und dabei festgestellt, daß hier immer eine und dieselbe Seite in Betracht komme. Der vom Wvlssbureau heraus­gegebene Bericht enthalle keine Angaben- die unter die Vertrauliche teil fallen. , _

Beim Eintritt in die Tagesordnung erklärte ein Fort­schrittler namens der Mehrheit vom 19. Juli, die gestrigen Erklärungen des Kanzlers über seine Rede vom 19. Juli seienmiß- verstanden worden. Punkt 1 der Erllärung der gestrigen Mehr- heitspartcien wäre gestrichen worden wem, die Erklärung des Kanzlers nach der Pause formnliett Vorgelegen hätte, denn diese habe das Mißverständnis aufgellätt. Durch die Entschließung vom 19. Juli wurde dem Baterlande ein großer Dienst geleiltet. Als ein Bekenntnis der Schlväche könne sie insbesondere im Hinblick auf die gleichzeitige Machtentwicklung und die großen Erfolge in Ga ­lizien dock wirklich nicht ansgelegt werden. Die Friedensidee, lvie säe in der Reichstagsentschließung zum Ausdruck gekommen sei, sei eine moralische, demokratische und christliche Macht. Sie finde immer mehr Anerkennung auch bei den feindlichen Völkern. Der gesttige Beschluß der englischen Arbeiter über die Besä'/ickung der Stock­holmer Konferenz swurde dadurch erleichtert. Die päpstliche Friedens­note sei >das Bekenntnis zum Handeln, wie es den Grundgedanken der Kirche entspräche. Daß die Bestätigung ihrer Grundgcdankenj und Ausgaben nicht erst durch die Mittelmächte bei der Kurie veranlaßt zu werden bramlsten, liege klar zu Tage. Die inneren

( >Wr>fnrmi'ir hirrttv« Vritr» »ä Frvn^rWr+fDlfrt+fpr hrm Reiltls-

Aus dein hauptausschutz des Reichstags.

Berlin. 23. Aug. WTB Nichtamtliche Der H a u p t a u s schuß des Reichstages setzte die Aussprache über die aus 'wärtige Politik fort. Reichskanzler Dr. Michaelis wai' er ''chieuen (sin Nitqlied der konservativen Pattei forderte «rnäckpt unter Hinweis auf die in einem Teile der Presse in Er »penwng getretenen brndtskrttconen aus den gestrigen Verhandlun §m bK (intbinöuna von d«r Bertrautichkeit. Ucber-

Reformen dürften nicht, wie es konservative Blätter dem Reichs­kanzler nahelegten, hüuu cs geschoben werden, sondern müßten sckwn baldmöglichst zur Durchführung komlnen. Man sei cs dem Volks- Heere. das so Ungeheures geleistet habe, schuldig, das Haus wohn­lich einzuttchten,. so daß es nach seiner Rückkehr nach den uw geheuren Opfern ein wohnlich eingettckteteS Staatswesen vor finde. Der Redner wandte sich sodann gegen die Llgitationen der Alldeutschen und Konservativsn, welche unser Ansehen im Aus­lände nur geschädigt und die deutsche Politik in den Ruf der Zwie­spältigkeit gebracht hätten. Be iden Verhandlungen über die Frie- bensentschließung ließen die in Frage kommenden Parteien keinen Zweifel darüber, daß sie einen K:ieden der Verständigung und der Versöhnung der Völker ehrli chwvllten .Daß der Rcick>skanzler durch seine Bemerkung,wie ich sie curfstisse". seinerseits der Möglichkeit von Zweifeln darüber die Tür öffnete wäre ein Fehler. Die Mehrheit des Reichstages tverde sich ihre Entsckstießung vom 19 Juli nicht entwetten lassen, und es sei anzuerkennen, daß der Reichskanzler seine mißverständliche Aeußerung durck) die gestrige zweite Erklärung ttchtig gestellt habe.

Ein Vertreter des Krieqsministeriums stellte fest, daß die Ver­hängung der Vorzensur über die Frankfurter Zeitung durch die örtliche Zentralstelle erfolgt ist. Der Oberbefehlshaber habe sie auf­gehoben.

In Fortsetzung der Hauptausschußberatung des Reichstages betonte ein Mitglied des Zentxu ms - daß den positiven Er- klärungen des Reick-skanzlers gegenüber alle Abbröckelungsversuche zuschanden werden müßten. Die Mehrheitsparteien stünden ent­schlossen fest auf dem Standpunkt eines Fttedens der Verständigung und Versöhnung der Völker. Die guten Wirkungen des U-Boot^ Krieges seien anzuerkennen, aber alles bewirken könne der U-Boot Krieg nicht. Die Entschließung des Reichstages werde in dieser Be ziehung weitere gute Wirkung ausüben.

Ter Bertteter des Reichskanzlers. Staatssekretär Dr. Helf ferich. bemerkte, daß im Jahre 1917 der deutsche Welthandel voraussichtlich den englischen erreicht haben würde. Gerade in dieses Entwicklung liege der wesentliche Grund zum Eintritt Englands in den Ktteg. Der Ktteg sei das Ergebnis einer Spannung, die dadurch entstanden sei. daß England ein immer schreienderes Miß­verhältnis ztvischeu seiner.überlegenen See- und Weltmacht und» der roittschaftlichen Kräfteutfaltunc, Deutschlands empsunoen habe. M a n m ü s s e s i ch u n be d i n gt kla r sein daßinoiesem Kriege Englands Zi cl unsere wirtschaftliche Un­terdrückung sei. Sich hierüber Illusionen hinzugeben wäre verhängnisvoll. Weiterhin wies der Vizekanzler den Vorwurf als unbevechttgt zurück, sich jemals bezüglich der Wirksamkeit des U-Boot-.Krieges ans irgendwelche Pwphezeihungen eingelassen zu lxiben. Das Prvphezeihen habe er den Engländern überlassen. Lloyd Georges Statistiken in seiner letzten Rede seien Spiegel­fechtereien .Wenn Lloyd George im Gegensatz zu seinen Ausführung gen im April die Lage günstig darstelle obwohl sie doch sicherlich icicht günstiger geworden sei, so beweise das einmal, daß die Stim- nv^ng in England einer Beruhigung dttngend bedürfe und außer­dem' daß Lloyd George es für nötig halte, aus die deutsche Stim- imcng einzuwirken. Dieser Eindruck werde bestätigt, durch die nahe­liegende Erwägung, daß nur das Gefühl der unmittelbaren inten-i iven Bedrohung, trotz der Aussicht auf die amerikanische Hilfe im rächsten Frühajhr. den ungeheuren Ansturni an der Westfront mit einem Ätersseneinsatz an Malettal und Menschen genügend er­klären könne. Diese Bedrolf-ung liege wohl nicht so sehr auf dem Lande oder in der Lust als vielmehr auf dem Wasser.

Im weiteren Verlauf der Verhandlungen des Hauptausschusses sprach sich chn nation>al liberaler Redner für eine mög­lichst gute Gestaltung der Beziehungen zu den Neutralen aus. Tie Lieferung von Kohle ins neutrale 2lusland erfolge aber so billig, daß die heutige Preislage unberücksichtigt bleibe. Tie Entschließung des Rttchstags vom 19. Juli ziele zweifellos auf ttne weltpolitisch praktische Wirkimg hin. Wichttger sei es aber, daß unsere militätt- sche Kraft und unser Vorgehen in OKüizien die Absichten der Feinde zunichte gemacht hätten. Auch der U-Boot-Krieg habe die Friedens- nttgung, namenllich in England, mehr gestärkt. Die Not in Eng­land und besonders in London mache sich immer mehr geltend. In letzten Zeit hätten dott an einem Tage dreizehn Sttaßendemon- strationen statt ge stmden. Die Aeußerunq des Staatssekretärs, daß die Politik der Macht kttnen Bestand habe, sei falsch. England habe ichs feine Macht lind die Untettoersung der Völkettchasten nicht im Namen der Gerechtigkeit erringen können. Ein dNachtsttede zu­sammen mit der Pflege von Bündnissen werde sehr wohl von Dauer sttn können. Er waritte, über die Alldeutschen zu spotten, deren Ideen in weiten Kreisen und in allen Parteien vorhanden seien.

Staatssekrttär Kühl mann machte Mitteilungen Aber den Stand der haichelspolitischeu Besprechungen mit Oesterrcich-lln- garn und mit den oersckstcdenen neutralen Staaten, sowie über die Schädigungen, die dem deutschen Eigentum und Mttschaftsleben von unseren Feinden zugcsügt worden seren. Es werde sorgfältig Buch geführt und die Rechnung sttnerzttt den feindlichen Regie- vungen vorgelegt werden.

Der Staatssekrttär des R e i ch s m a r i n c a m t s stellte fest, daß die Verluste des uneingeschränkten U-Boot-K'ri-eges sich unten dem Voranschlag gehalten hätten. Der augenblickliche U- Boots-Bestand sei gegenwärtig zehn Prozent höher als Anfang Februar. In den vergangenen sechs Monaten seien rund 5 1 /- Millionen Brutto re gistertonnen versenkt worden, ein Ergebnis, das die Erwartungen der Marine um über 5)0 Prozent übertteffe. Die Ansiäst, die auch Lloyd George teilte, daß schönes Wetter die U-Boot-Tättgkttt begünstige, sei ein Irr­tum. Eine glatte See mid Windstille seien mit Rücksicht auf die Abwehrmaßnahmen der Gegner, insbesondere der Flllgmaffe, recht unangenehm für die U-Boote. Ein Teil der KonimaErnten sei der Ansicht, daß sich der U-Boot-Ktteg bei nicht allzu schönem Wetter in längeren Nächten mit nockf besserem Ettalge sühven ließe. Tic unter' Sicherilng sal-renden ^tegleitzüge erschvetten den U-Booteu naturgemäß ihre Arbttt, brächten aber für den Feind erhebliche Nachteile wegen der Unl>andlichteit eines solchen Verbandes und der Schwiettgkeit, den U-Bvvt-Angttsfen schnell auszuweichen. Naturgemäß werde voraussichtlich, da der Seeverkehr ge­ringer werde, allmählich auch eure Abnahme der Mrsen- kungcn in Erscheinung tttten. Heute schon mache sich die Blwfen- kung auch nur erncs Schiffes für die Entente weit schärfer fülstbar als zu Beginn des U-Boot-.Krieges. Die Ausgaben unseres Admi ralstabs hinsichtlich der FrachttaumVerluste Englands stten als zutreffend anzusehen. Die Eingaben Lloyd Georges stten ein ge­künsteltes Operieren mit Zahlen. Er sichre Ntttooerluste und Bruttoverluste durcheinander an. Er vermeide es ängstlich, positive Angaben über die btttischen Gesamt Verluste an Tonnage M geben. Jüteressant stt sttne Bemerkung, daß aller Sck-iffsraum. der aus der militättsch requittetten Tonnage versenkt lvorden stt. ersetzt iverden müsse aus Schiffsraum, der für .HandelsOvecke zur Ber- stigiurg stehe. Sttnen Angaben über den btttiscben Schiffsbau müsse man nur dem stärksten Zweifel begegnen. Nach Erörterung der fran­

zösischen Schiffsrauimiot und der sich iüuauf beziehenden Verband' llmgen der französischen Kammer betonte der StaatSsetrttär, daß für die Fortsetzung des U-Boot-Ktteges im wtttesten Umsauge das nötige Material und Personal bereitstände. so daß in militättscher Bcziehnng kein Zweffel über seine wirksame Durchsührnng be­stehen kann.

Die Einsetzung eines Unter-Ausschuffes.

Be rlin. 24. Aug. Wie gemeldtt wird, wurde in der vor­gestrigen Besprechung der Parteiführer mit dem Reichskanzler auch über die Einsetzung des neuen Unterausschusses des .Hauptausschusses verhandelt. Ditter Ausschuß zur gemcinsamm Vvrbcratting verttaulickier Fragen der auswärttgeii Polstik mil lder Regierung wird sich aus sieben Mitgliedern vettchiebener Par­teien zusammen setzen. In den Ausfckmß wurden so httßt es, zwei Soialdemokraten . zwei Z e n trum s abgeord n e t e , ein Nativnallibcraler. ein Konservativer und in Fortschrittler gewählt. Das erste Thema, über das dieser Siebenerausschuß beraten soll wird die Prüfung d e r Pa pst- Note sttn. DieGermania" will in der Begründung dieses Unterausschusses kttne dauernde Einrichtung erblicken. Das Blatt sieht keinen Grund, nach der Konrpetenzerweiterung des .Hmcptausschusses tvvnach dieser auch während der Vettagimg des Reichstages zusammentrttcn und wichtige volitische Angelegenhtttcm beraten liamt, ein neues Organ für solche Zwecke zu schaffen. Wie die Deutsche Zeitung" erfährt, beabsichtigte der Reichskanzlei lediglich, hii' 5TVi'rnhrrfm* firhinr Alxivn-ohnrten als Wortführer ihrer Par

idie Wünsche dieser sieben Abgeordneten als Wortführer ihrer Par teien eritgegenzunehnien. Es solle ihnen unter kttnen Umständen ttn Beschlußrecht eingeräumt!werden. Die Berufung dieser Abgeoid" neten solle auch nur nir diesen Einzelsall, ihre Wünsche hinsichtlich der Beantwortung der päpstlickien Note vorzutragen, erfolgen.

Arrs Stcrdt und Land.

Gießen. 24. August 1917.

Gerüchte über die Ruhr in G^etzen.

Das Großh. KreisgesundhettSarnt Gießen teilt mit: Fn hiesiger Stadt sind Gerüchte im Unrlans, daß eine Rühr'- epideinie in Gießen aus gebrochen sei und daß sogar die Schulen, die kaimr den Unterricht wieder begonnen haben, sofort lvieder geschlossen iverden sollten.

Demgegenüber sei festgestellt, daß nn ganzen^ Verlauf dieses sommers, einschließlich des Monats August, in der Zivilbevölkeru.ng unserer Stadt nur ein einziger Füll vorn nachgewieseuer Ruhr und ein Fall von Ruhrverdacht vor gekommen sind. Beide Erkrmrttmgen betreffen Geschtvister, find also aus eine Familie beschränkt. Von einer Epidemw kann dmnnach keine Rede fern, und der 0>edante an Schnl- schlnß ist noch keiner Behörde in den Sitrn gekonunen.

Einige Fälle von Ruhr, die sich seit Juli unter Militcu.- personen'in hiesiger Stadt ereignet haben, haben gleichfalls keine weitere Verbreitung gesunden, und die Borbeugungs-« Maßnahmen gegen ein Werterumsichgreisen der Krcmk^it sind von der zuständigen ÜPilitärgesundheitsbeHörde in so volLkormnener Weise getroffen worden, daß auch von dieser Seite kein Grund zu Besorgnissen besteht.

Zur Beruhigung der Oeffentlichckeii sei weiter mit­geteilt, daß zwischen dem Kreisgesundheitsamt und der Militärgesundheitsbehörde eine ständige Verbinchng ge­meinsamer Zirsammenarbeit und gegenseitiger Mitteilung gepflegt fvird.

Wir geben diese Aufklärungen in der Absicht, jeder unnötigen Besorgnis in der Bevölkernng entgegenzutreten Mer andererseits fordern wir anch die Oessenttichkeit auf. sorgfältiger als vielleicht in früheren Zeiten darüber zu ivachen, daß Diätfehlec möglichst vernneden lverdeu. Der Genuß von unreifem oder halbr-eifem Obst, häufig noch ver- schlinrmert durch Wassertrinken unmittelbar darnach, von Gurkensalat, besonders wenn er lauge gestände,i^hat Genuß von sauer geivocdeueu oder sonst verdorbenen Speisen kann unbedingt gefährlich werden. Es ist bekamst, daß in jeden, Jahr de,' Spätsommer eine Anzahl von heftigen Brechdurch­fällen und D arm erkrankun gen mit sich bringt. In diesen, Jahr besteht diese Gefahr allein Anschein nach in höherem Maße als früher. Verschiedene Grüiche, zun, Teil auch, die Art und die eng gezogeuen Greifen unserer jetzige,, Ernäh­rung mögen dazu beitragen. Brech^durchfall und Darm­katarrh sind natürlich keiue Ruhr, sondern ^üühr ist eine ganz spezifische Erkrankung für sich.. Aber auch ein hefttger Brech- d,rrchfall kann namentlich für Kinder, Greise oder sonst ge- scbwächte Personen sehr gesährtich werden. Und vor allen, gilt es, durch verständiges Bermceiden aller Schädigungen und Mißhandlungen unserer Verdauungsorgane den, Feind

sei es Brechdurchfall, sei es Ruhr keinen Boden zu schassen, aus den, er sich ausbreiten und gefährlich werden kann.

Zmn Schluß sei nochmals an ge fügt, lvas ivir als Merk­blatt bei RuHr-Erkr a nkungen in Nr. 183 an, 10. August in diesen, Blatt bereits mitgeteilt haben:

Ruhr ist ttne von Cholera völlig vettäüedene. imot auch gleichfalls durchaus ernste Kranklittt, und entsteht durch Ansteckmrg: sie wird durch bestinmttc Kranchtttskeimc ORulf-rbazilleu, Ruhr­amöben) hervorqernfen, und in unseren Gegenden mttstens nn Spätsommer oder Herbst beobachtet. Die Krankheitserscheinnngen bestehen hauptsächlich in Leibsch,nerzen. heftigen, und schmerzhaftem Drang zu Stuhl Entleerungen, sowie häusigen wässettgen, mit schlei­migen Flocken und Blut gemischten ?b,sleerungen, nach deren Ab­gang der Stuhldranq mcht anfhört. «

Atan iversäume ,a nicht, rechtzeüig den Rat eines Arztes crnzuholen. Einer sorgsamen Pflege nach näherer Anweisung des Arztes verdanken selbst Schwerkranke oft ihre Genesung.

Die düistecküngskeime werden mit den Darinentleerungen aus­geschieden.

^4ur liebertragivw der Kraiikhttt genügen sollst Spuren der von Rnhrttanken' berührenden Ausscheidungen. Gelmrgen diese ans die Lttb- und Betttväsche, die Kleider, den Fußboden, aus- nnd Tttnkgcfck.i, re, in Mlch, auf Otenrüse, Obst, Salat u. dgl.. so können sic lttcht von aiwcren Personen ausgenommen ,oerden und bei diesen die Krankheit bervm'dttngen. Auch kann der Kmnkheits- keiui durch Wasser, rvelches beim 2lbspülen von und Trink- geschirren, von Obst, Grunüse u_ dgl. mit Ruhttttmen verunreinigt wird, weiter verbreitet,verden.

Dagegen ist die Beftirchtung, die sich,anct)er Kreise beinäck- tigi zu lwbeu schttitt, als ob fttndliche Kriegsgefangene durch Brunnenvergistuug u. dgl. künstlich ttne Nnhr-Epidenric zu er­trugen imstande stten, ganz grundlos. Epidenüen lassen sich nicht limftlich hervorbringen, wttl zu ihrem Zustandekoimnen iwch an­dere Bedingungen gehören, außer deu Kfrankhtttserregiern.

Die Pflege ttnes 9ttihrkranken ist zu Hause wec,en der danut verbimdeuen Ansteckungsgefahr mttsterte mir mit .schwiettgkeitea durcknibrbar. Solange es sich also nur um einzelne Fälle handelt, ist die Ueberfülwnng in ttn Krankenhaus zu empfehlen.

Wo di.es nicht rnöglich ist, niuß der Kranke in ttn von den übrigen WohnrÄmren getrenntes Zinuner gebracht und jeder un­nötige Berkelw von ihnen ferngelmlten werden. Memand, den nicht seine Pflicht dahin fühtt. besuche einen Mrhrkranken. Namentlich sollen Kinder niemals zu Rllwkranken zugelassen werden. Im Krankenzimmer soll man Spttsen uiw Gettänke niemals zu u>> nehmen, and wer ttnen Ruhrkranken oder dessen Wäsche oder Bett berühtt Ixit, reinige unmittelbar nachher die Hände gründlich mit einer desinfizierenden Flüssigkeit.

Selbst teuft ändlich müisen die ^lusleerungen der Ruhrkrant'en durch Desinfektion (Kalkmilch, Clstorkalki unschädlich gemackck iver- de,u Ebnso bedürfen Wäsche, Kleider» alle GebrauchSgegen- ständc, besonders auch das Eßgeschttr, sorgfälttgster fort lausendet Desim'ektion mich Aivveisung des Arztes. .

Zu Zeiten von Ruhrepidemieu ist der Genuß von Dfud*