Ariegsvnefe öus dem Osten.
2 ciegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, »erholen.)
Der Lieg in Galizien.
^ ^ westlich des Sereth, 25'. Juli.
4 - VÖC “cm^ marschiere,! nun die deutschen Korps ununter-
brachen. Mit die höchsten 'älarschleistungen in diesem Kriege werden gefordert und vvltbraäü. Die große Beute, die aus allen Bübn- 1tatlonen. au allen Knotenpunkten, aus den Landstraßen cingebrackt nnrd, erleichtert die Verpflegung. Bon den englischen Tampiwalzen- ingen aus Leeds bis zu Ballen von Tee, von Panzerautos bis zu Mehl Vorräten, von schwerem Geschütz 'bis zu Gasmasken, alles wird erbeutet, was eine siegreiche Armee nur erbeuten kann. Durch den über den ^'retii itt nun die gesamte Front in Galizien und i cr Bukowina ins Wanken gekommen. Deute liegt der Sercth schon westlich der unermüdlichen Spitze, bei der ich in diesen Sieges- tagen war.
Gestern kam cs aus den Wald Höhen am Sereth südlich Tarnopol zu icmvercn Kämpseu. Ein deutscher Verband wurde von Norden und bilden von ZU' ei russischen Divisionen stark angegriffen, zer- '.d^sststie aber schließlich die ttnittammerung, zumal di-' Stoßtruvpe indlich. Miskulince einen vollen Erfolg errang. Ein Regiment, dass in dem Hügelgel inde von Norden nach Süden auftollte, machte allein bei Tausend Gesungene. Tic Bahn Tarnopol—Ozwtholv, die einzige Querverbindung nach Süden, ist heute längst über- ichntten. Mit eine Frucht dieses ungestümen Vorstoßes gegen den Gulzna-Mschnitt ist der heute in den Morgenstunden erfolgte Fall von Tarnopol. Heute mittag sah ich das Gefecht in der Ebene zur Gnizna hin von der Höhe der Chausseeüberführung von Skonwochy. Meilenweit breitete sich das weitbefreite Laiid nach Westen. Im Dsten vor uns lärmte das Infanteriegefecht Tie Stimniung dev ununterbrochen eirigefetzten Truppen kemizcichnct der Ausspruch! eines Bdannes, der das erbeutete Mafchinengelvehr hinter sich herschiebt: „Mit zwölf Eiern in der Tasche Niacht man alles."
Tic Widerstanostraft der Russen ist an manchen Stellen völlig gebrochen. In kleinen .Häuslein, zu zweien und dreien, lausen sie losgelöst ans jeden! Verbände, nach Osten. An anderen Punkten leisten sie erbitterten Widerstand, um mit der Kraft der Verzweiflung den drohenden Zusammenbruch aufzuhaltcn Durch Hitze, ^laub. Regen, Not, Blur und Kügeltod gehen die Unseren vor. ...Die Truppe versagt nie!" sagte gestern der General. Es ist das hohe Lied der deutschen Armee, das hier nach drei Kriegsjahren auf der befreiten podolischen Erde gesungen wird.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Zur Einnahme »vn Tarnopol.
Kelegramm unfere£ zu in Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.
„ . Tarnopol. 20. Juli.
Von Bonden ritt ich eben in das am Morgen erstürmte Tarnopol. Unter dem Jubel der Bevölkerung, die in den letzten Tagen Furchtbares erlitten hatte, zog ein preußisches Bataillon durch dce zerstörte Ltadt. Ein paar bunte Fahnen und Teppiche hängen ror den wenigen unbeschädigten Häusern. Die Stadt ist von den Russen in schändlichster Weise ansgcraubt und ausgebrannt worden, aie letzten zwei Tage lmben die Russen wie Bestien gehaust. Die Einwohner haben alles verloren, sie weinten, als ihre deutschest Befreier kamen, vor Freude über das kaum noch erhoffte Ende ihres langen Unglücks.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Die innere Lage Rußlands.
Petersburg, 26. Juli. (WTB. MchtamtlichK Meldung der Petersburger Telegraphenagentür. Die vorläufige Regierung hat beschlossen, demnächst eine K o n f e r e n z von Vertretern der hauptsächlichsten sozialen Verbünde nach M osknu eirrzubevtrsen. mn sich über die gegenwärtige Lage des Landes und die in nächster Zeit zu lösenden Fragen zu 'unterrichten.
Die Todesstrafe an der russischen Front.
Petersburg, 27. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Mel- der Petersburger Telegraphenagentur. Nachdem der Oberbefehlshaber an der Front imt> die Armee führer in ihren Berichten darauf bestanden haben, daß zur Wieder Herstellung der Manneszucht an der Front unumgänglich die Einführung der Todesstrafe an der Front notwendig geworden ist, ist diese eingeführt worden. Tie Maßnahme ist eine zeitweilige und dauert bis zur Beendigung der militärischen Operationen. 2lußer der Wiedereinführung der Todesstrafe hat die vorläufige Regierung auch die Schaffung revolutionärer Kriegsgerichte an der ganzen Front, die aus drei Offizieren und drei Soldaten bestehen sollen, verfügt.
Sine Rede Kerenskis.
Petersburg, 27. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Der Petersburger Telegraphen-Agentur wird berichtet, daß der große Na- ttonalbmgreß der Vertreter der verschiedenen öffentlichen und Organisationen mü> Einrichtungen unter der Teilnahme aller Dumaabgeordneten, dessen Einberufung nach Moskau vorgestern von der Regierung beschlossen worden ist, am 31. Juli in der Großen Oper der alten Hauptstadt statrfindet. Nachmittags Hellte sich Ministerpräsident Kcrenski in der gemeinsamen Sitzung der Zentralan-schüsse des Arbeiter- und Söldatenrates und der Bauernvertretcr rin und lud sie ein, an diesem Kongreß leilzn'- nehmen. Kerenski hielt lvi dieser Gelegenheit eine Rede, in der er u. a. sagte: Die Schläge, die gegen uns au der Front und im Ymiterlflr.be geführt werden, sind so heftig, daß wir alle unsere Kräfte mmmeln müssen, um sie abzuwehren, uns zu verteidigen, und die mit so viel Mühe errungene Freiheit zu bewahren. Auf dem in Rede stehenden Kongreß wird die Regierung vor allem die Bitte an das Land richten, ihr bei dieser schweren Aufaabe zu helfen. ^ie »ird zu diesem Zwecke in aller Offenheit den Kougreß- unlnehmeru die wahre Lage des Staates darlegen. Die Durchbrechung der Front, fuhr der Minister fort, schuf einen fruchtbaren Boden für die Gegenrevolution, aber die Regierung ist fest entschlossen, die Anarckste mit aller Kraft zu bekämpfe*'. und ivird nicht dulden, daß das Land in die alte Re- gieruugsform zurückgeworfen ivird. Kcrenski schloß mit der Bitte an den Vollziehungsausschuß, mit den Elementen zu brechen, deren Tättgkcit dazu angetan sei. eine Gegenrevolution anzultiften und zu beleben. Ter Bvriitzende des Arbeiter- und Söldatenrates, Tsscheidse, antwortete, die Regierung könne sicher sein, in dem Ausschuß einen Halt und eine mächtige Stiche zu finden, um die Revolution und Rußlarrd zu retten.
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Das rumänische Ministerium.
I afft), 27. Juli. MDB Meldtt.ua der Agence Havus.
Die M i n i ste r k r i se ist beendigt. Die Zusammenarbeit mit den Konservativen wird fortgesetzt. Es wurden ernannt Take Ionescu zum steLlvertretzeud«! Ministerprasi de irren, Bintila Bratianu zum Miuister der neuert Mmn- tiousabteilung und einstweiligen .Kriegsminister, Titu- lescu zum Fimrnzminister, de la Braneos zum Minister für \xmt>eL und Industrie. Die anderen Minister behalten ihr Portefeuille.
Eine Balkankonferenz in Paris.
Paris, 27. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Melcmng der Agenee Haivas. Die zur Prüfung der Lage ans dem Balkan zufammengetretene Konferenz hat ihre letzte Sitzung, zu der die Vertreter aller alliierten Länder berufen loa reu, abgehalten Sie hat einstimmig die in den vorhergeiienden Sitzungen beschlossenen Eittschlüsse angenommen. Eine Vereinigung der in Betracht kommenden Ressortminister lvird n L o n d-on stattfinden, um die Maßnahmen zur Aussüh-
ruug festzufctzcn. Vor ihrem Aus ei n and er a e hen legten die Mitglieder der Konferenz Wert darauf, einstimmig folgende Ertlärnng abzugeben:
Tie enger denn fe zur Verteidiaung des Völkerrechts besonders ans der Balkanhalbinsel vereinigten alliierten Mächte sind entschlossen, die Wa s s en er st nieder- zulegen, wenn sie das Ziel erreicht haben, das in ihren Augen alles andere beherr-fcht, nämlich die Wieder- ines verbrecherischen Angriffs un - ni dg l t ch zu mach e n, wie cs derjenige ist, für den der ^inverralismus der Mittelmächte die Verantwortuna tragt.
Die Generale und anderen Offtziere der alliierten.Heere und flotten, die anläßlich der Balkankonferenz nach Paris gekommen warum, hielten im Kriegs- und Marineministt- rulin inehrere^ Versammlungen ab. Es wurden alle allgemeinen die Führung der Operationen und den Unterseebootkrieg betreffenden Fragen geprüft.
^ a l _V- / - * * * * * * 7 - ^uli. (WTB. Nichtamtlich.) Meldmig der Aaence Davas. Die Konferenz der Al liierten lmt bezüglich der gegenivorng uülitärisch besetzten griechischen OKbrete beschlossen- <yranlre!ch. Großbritannien und Italien werden gleichzeittg in kürzester Frist die in i l ttarische Besetzung Aufheben . die ne gczwungenermaßen auf dem Gebiete des alten G r i c - ck> cit lands tn Thessalien und im Epirus vurgenommen haben. Die Besetzung des Dreiecks, das von der Straße nach Santi Ouaranta und der Grenze, des Epirns gebildet wird, wird vovlärmg int Inter- ei,e der Sicherheit, vorbehaltlich eines griechisch-italienischen W- ronimens iwer die Wiederherstellung der bürgerlichen Verwaltung unter der Souveränität eines griechischen Kommissars aufrechter- er dal len. Frankreich, Großbritannien und Italien behalten wäh- reird des Dneges die militärische und Ftottenbasis ans Kvrsu, das unter .der Souveränität Griecheirlands verbleibt.
DaS Fragezeichen bleibt bestehen J
-^l>od George glaubt, alles gewonnen zu haben, wenn er nur die Lacher auf seine Seite gebracht hat. Er lacht in seiner Rede über den Gedaliken, daß England jemals in ahn- liche Nahrungssorgen geraten könnte wie Deutschland. Lchon dieser frivole Ton in seiner Rede läßt vermuten, daß hier wohl nicht altes ganz rn Ordnung ist. Und schneller als Man cs erwarten konnte, wird seine Behaupitnng. Englands Versorgung sei für das ganze Jahr 1917 18 zweifellos sichergesteltt, Lügen gestraft; und zwar durch eine Aeußerung seines ersten Geivährsinannes, des Lebensmitteltontrollenrs Kennedy Jones selbst. Rach Lloyd Georges Behauptung sind also die Engländer bis zur Ernte 191& jeder Sorge 'überhoben. Was sagt aber Kennedy Jones einen Tag'darauf'^ „Es ist so gut wie sicher, daß wir in das neue Erntejahr mit Vorräten für 6 bis 7 Monate eintreteli werden Tie Frage ist nur, ob wir fm Laufe von 12 Monaten imstande sein werden,^ Vorräte für ."» Monate einzuführen." Lassen wir nun selbst die ersten 0 bis 7 Monate „so gut rvie sicher" sein, so bleibt für die weitere Zeit doch das große Fragezeichen bestehen, über das Lloyd George die Zuhörer mit seinen Witzen hinwegtällschen loollte.
libera cn Partei Rnch.ttagsobzeoroneter Dr. Strescmann, für />c Raiivnattiveralen Preußens der Abg. Bartting, für die National- liberalen Badens der Abg. Geheimrat Redmann, für den liatioiial- liberalen Verein Mannheims dessen Vorstand Siadtv. König, !»r hie Iungliberalen Stadtv. Knödel, ferner eine große Rcilfe wirtschaftlicher Verbände und Gesellschaften sowie von Vereinen, denen der Verstorbene nabestand. Es wurden viele Kränze niedere gelegt. Gesangvorträgc leiteten die Trauerfeier ein. Nach dem Gebet laut dann in der Halle unter den Klängen des Liedes „Lentichland, Deutschland über alles" der Sarg ln die Tiefe.
Ge-zalts- und Lotmvorschüsse an Beamte und Arbeiter.
B e rl i n , 27. Juli. tWTB. Nichtamtl.^ Nach oer „Nordd. Allgcm. KW." lvurden durch Anordnung des Reichskanzlers und durch gemeinftbaftlichen Erlaß der preußischen Miirister der Finanzen und des Innern die Behörden auch in diesem Jahre ermächttgr, den R e i ch s- und preußischen Beamten und den im Reichs- oder Staatsdienst ständig beschäftigten Loh na n ge stell- teil und r b eitern zum Einkauf von Wintervorräten an Heizmaterial. Karwfteln Gemüse und Obst u n v e r - i} 11 31 i ch e G eb alts - oder Lohnvorschüsse zu gewähren. .Lie Vorichüsse wllen lediglich zur Eindecküng eines Vorrat- ttlr den wmmenden Winter dienen, snrd also nicht zur Beschaffung! des augenblicklichen Bedarfs bestivimt. Die Rückzahlung soll den wirttchamlchen Verhältnissen der Beamten usw. angeyaßt mW w bemessen werden adß der Vorschuß bis zum Wlauf des Zeit- ramns getilgt wird, für den die Vorräte beschafft sind. Wo di? Jn,ntMQu.ng hex Rechnnnaer: auf Schwierigkeiten stößt, kann von ihr abgeiehen iverden. forerit der Beamte usw. den Einkauf auf andere Weye glaubhaft macht.
Aus dem Reiche.
Der KiMzler und die Wahl feiner neuen Mitarbeiter.
Berlin. 28. Juli. Der „Berliner Lokalanzeiger" berichtet: ..m unserer Abendausgabe erwähnten wir bereits, daß die zielbe- wußte und aufrichttge Haltung des Kanzlers bei allen bisherigen. Ieunehmern an den Besprechungen den besten Eindruck gemacht habe. Man icheidet von ihm mit denr Bewußtsein, einen ganzen! V(ann vor sich zu haben.
Bezüglich der Neulie',etznngen irn Reiche und Staate machte er die beMchnende Bemerkung, daß für den Posten, den er üver- nommen habe, eine giganttsche und geniale Kraft nötig sei. Mer er habe, sagte er, doch erkannt, daß sich mit geeigneten Mitarbeitern sehr wohl Tüchtiges erreichen lasse. Er glaube in diesem Augenblick lagen zu können, daß er hoffe, diese RZtarbeit nunmehr gefunden zu liaben. Er warte nach seiner Ri'ickkehr aus Wien nur noch die Heunlehr des Kaisers ab. um die Berufung der von ihm in Anchicht genommenen Persönlichkeiten dem Monarchen zu unter breiten. Der dritte Tag des kommenden Monats dichftc der Tag fein, <ait dem, die Billigung des Kaisers und Königs vorausgesetzt, orc Bekanntgabe der neuen Mitleitenden erfolgen werde.
Das „Berl. Tagebl." schreibt: Frhr. von Kühl mann ist
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gestern vom Reichskanzler cnrpfMrben worden und hat den Staatssekretär Aimmermouu b'incku PV ''W.'rliit ui-ioSov
Entscheidung des Kaisers ab, drc noch aussteht. Es kann sein, daß dre Angelegenheit bis nach der Rückkehr des Reichskanzlers von Men vertagt bleiben wird. Auch die anderen Fragen der 9deube- setznng dürften erst dann d-efiniüv geregelt werden, doch kann man es jetzt schon als ziemlich sicher bezeichnen, daß Tr. Helfferich Vlizekanzler bleiben wird. Als Grund daftlr, daß mau ent gegen parlamentarischen und sonstigen Wünschen Herrn Tr. Helfferich auf diesen Posten belassen will, wird angegeben, daß der neue Reichskanzler besonders in der ersten Zeit seiner Anttsßührung einen Mann nicht missen möchte, der in alle schwebendeir Fragen eingeweiht ist und die politischen Geschäfte tmd Vorgänge der letzten Jahre genau kennt.
Das militärische Verhältnis des Reichskanzlers.
Köln a. Rh., 26. Juli. (Priv.-Tel.) Der „Kölnischen Zeitung" wrrd aus Berlin vom 26. Juli gemeldet: Wie wir hörten, stellte der Kaiser den Re ich s k a nz le r M ich a- elis ä la suite der Armee und verlieh ihm die Untform des Leib-Grenadierregiments Nr. 8, dem der Reichskanzler lange in der Reserve angehört hat, und mit dem er dauerrrdc Beziehungen pflegte. Es ist bekannt, daß der Reichskanzler in )er Organisation des Großen L^auptg uartiers seit Kriegsbeginn einen festen Platz einnimmt. Es ist dies die Formation I des Großen Hauptquartiers, Reichskanzler und Auswärtiges Ami, dem der Reichskanzler mit den ibm untergebenen Beamten angehörte. Damit ist die erforderliche Berbindutig zwischen dem Reichskanzler und dem Großen §>auvtqnartier gegeben. Diese Verbindung wurde durch die häufige Anwesenheit des Reichskanzlers im Hauptquartier gepflegt. Selbstverständlich legt der Reichskanzler gro^n Wert darauf, den dienstlichen Verkehr mit dem Großen Hauptquartier lebendig zu gestalten.
Das Begrätznis Bassernmnns.
Mannheim, 27. Jiuli. ,WTB. Nichtamkl.) Heute nachmittag 4 Uhr hat int städtischen Krematorium die Feuerbestattung des Reichstngsabgeordneten Ernst B a s s c r m a n n tattgcsunden. Tie Halle konnte die überaus große Trauerversamm-^ lung nicht fassest, so daß sich davor die Feier vollzog. Die Spitzen der Staats- und der städtischen Behörden, zahlreiche PersSnlichkbitoit aus der Industrie- und Handelswelt und aus der Politik hatten sich eirvgeftmden. Der Grvßherzog von Baden hatte telegraphisch seine Drauer bekundet, die Großberzogin-Mtwe Luise der Familie ihr Beileid persönlich ausgedrückt. Als Vertreter der badischen Re- gieming war nach den: Bericht der „Neuen Bad. Ldsztg." der Minister des Innern Freiherr von Bodman, als Vertreter des Reichstags dessen Präsident Dr. Kämpf nnd sein Direktor Ge- heinirat Iungheim erschienen. Die Ehrenwache datten die Mann heiincsr Regimenter gestellt. Sta-dtpfarrer Hoff hielt die Grabrede, der das Wort: „Fcki habe einen guten üampf gekämpft" zugrunde lag. Ferner iprachen für die Stadt Mannheim Oberbürgermeister Geh. Rat Dr. K u tz e r, für den Reichstag Geh.-Rat Dr. K ä m p f für den Zentralvorstand der Rfichstagsfraktion der national'
Ans Stadt und Land.
Gießen, 26. Ji,li 1917.
Vorsicht bei Gesprächen!
Men Warnwngchl pt Trotz ioitnen lmfere Landsleute tlli'c Redelust und Mitteilsamkeit nicht beschränken. Kirrzlich wurde berichtet, daß im neutralen Ausland von Geschäfts- rersenden Nenorungen aus technischem Gebiet und Tatsachen, deren Geheimhaltung geboten wäre, mitgeteilt werden: jetzt meldet ein „maßgebender neutraler Berichterstatter" der „Times" (in der Nummer vom 3. Juli), daß er — auf einen Bahnanschluß lvartend — sich mit deutschen Soldaten unterhielt, nnd daß es „geradezu unglaublich" sei, wie mitteilsam diese waren. Ter Ausländer erzählt, er habe die verschiedensten Emzelheiten über Munition erfahren, die für etnen ^rpion sehr ivertvoll aeloesen »vären.
Es ist traurig, daß alle Ermahnungen und Plakate so lrenrg Verständnis bei der Bevölkerung finden. Jedes unbedachte Wort kann unabsehbaren Schaden anrichten, darum ntutz umner und immer wieder Zivilisten und Mititärperso- nen eingeschärft toerden:
„Trau, schmr lvein?"
Dein Ohr leih' jedem,
Keinem deine Zunge!"
Lebensmittelmarken.
Zur die Zeit vom 30. IlNi bis b. August haben nachstehende Levensmittelmarken Gültigkeit:
Brotmarken der 31. Woche, gültig vom 30. 7. - 5. 8. 1917
Bttttermarken, „31. „ „ „ 30. 7. - 5. 8. „
oleiichniarken , 31. „ „ 9 30. 7. - 6. 8
Kartoffelmarken , 31. „ „ „ 30, 7. - 5. 8. '
Eiermarken Nr. 10
isuckermarken Nr. 24 - 29 gültig bis 31. 7., von Nr. 30 — 32 gültig bis 31. 8. 1917.
Seifen,narken s. d. Monat Juli bis 31., für August vom 1. ab.
Ern Umtausch verfallener Marken findet nicht mehr statt: ebenso wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.
Rcuanmeldnngen und Anmeldung von sreugeboreneu haben uuumehr unter Vortage der nStige« Ausweise auf dem LebenSmittelamt zu erfolgen.
Umzüge innerhalb der Stadt und Wegzüge von Gieße« find in den zuständigen Bezirken auzumelden.
GefchäftSstunden des Stadt. LebensmittelamteS von i)-V> Uhr vorm., 2—4 Uhr nachm.
Markenausgabe für Urlauber:
SouutagS von 10—12 Uhr vormittags
** Amtliche Personalnachrichten. Durch Ent- fcblietznng Großh. Ministeriums des Innern vom 24. d. Mts. wurde der Vortragende Rat im Ministerium des Innern OberregieTmngs * rat Dr. Stammler beauftragt, die Stelle des Kreisdirektors
des Kreisamts Msfeld zu verwalten. — Der Groß Herzog hat am 31. Mai dem Rechner der evangelischen Kirchenkasse zu Ober- Kliiigen, Johannes Stork VIII., aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Amte das Mlgerneine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. — Der Großherzog hat oem Postsekretär Kaspar Schnabel in Neckarsteiimch das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, und dem Ober-Brieftrager Georg Bönig in Nierstein das All " iTriueine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treus Dienste" verliehen. — Erledigt ist eine mit einer evangelischen Lehrerin zu besetzende SchulstcNc an der Volksschule zn Walldors, Kreis Groß-Germr.
" Der Großh. KreisarztMedizinalratDr. Wal-
ge r in Gießen U.'bis zum 4. August 1917 beurlaubt. Die dienstliche Vertretung geschieht durck) Herrn Münzinalrat Dr. Bötticher, der täglich von 10 bis 12 Uhr im Untersnchungsamt für Jnfek- ttonskrankheiten Franffurter Straße 101 zu sprechen ist.
** Straßenbahmnnfall. Gesterrr abend gegen
7 Uhr ereigirebe sich tn der Nähe des Bcchnhoft, am Endpunkt der B-erpflegungshalle-n, ein Ilnfcklst der noch verhältnismäßig grtt irblief. Ein älterer Lcmdstnrmlnann wollte noch kurz vor eineni einfahrenden Straßenbahnwagen die Geleise überschreiten, lmrrde aber von dein Wagen erfaßt nnd kam unter den Wagen zu liegen. Der Führer konnte diesen noch rechtzeitig zum Stehen bringen, so daß der Mann mit Verletzungen der einen GesichtSlßilfte davongekonrmeii sein dürfte. Er wnrde zur Sanitätswache gebracht.
** Ein Auflauf entstand heute morgen aus dem Markte. Ein Mädchen vom Lande hatte 30 Pfund Aepfel, die es zuttr Verkauf bringen wollte. Da erschien ein Kommissionär der Landesobftstelle und verlangte die von dieser Stelle festgesetzte Gebühr von 10 Pfennig pro Pfund = 3 Mk Wie wir verschiedentlich mitgeteilt haben, ist diese Abgabe vom Erzeuger zu kütrichten, wenn er an den Berbrauchei.- direkt abgibt. Das Mädchen, dem diese Bestimmung, wie den meisten Atenschen, nicht einleuchtete, begann zu weinen und das Publikum nahm ganz energisch seine Partei. Hier bei ging es nicht ohne Ausfälle gegen die „StadV ab, die auf diese Weise unnötig das Obst verteuere. Es sei deshalb noch mals idarauf hmqewiesen, daß die „Stadt" oder das städtische Lebensmittelamt keine Schuld an dieser Verteuerung trifft Es handelt sich um eine Bestimmirng der Landesobststelle. )ie in der leh-ten Mtzrrng des ÄebensmittelMlsschusses ein timmig als ungerechtfertigt bezeichnet tourte. Tie Landesobftstelle gibt zwar von der auf das Pfund erhobenen Gebühr von 10 Pf. 7*/« Pf. ans Rote Kweuz ab, aber auch wir müssen da einem unserer Stadtverordneten bei pflichten, ter in der Sitzung des Lebensnrittelausschusses äußerte: „Wenn das Rote Kreuz (ffeld braucht, so wollen wir gerne etnen Steuerzuschlag zahlen, aber wir bedürfen nicht der Laachesobststelle als Vermittelung. Denn so werden uirsere wichtigsten Lebensmittel auf eine unzulässige Art besteuert und, loa* vielleicht ■ noch schlnrrmer ist, die Erzeuger werden gewaltsam ver-


