Nr. 153
Der Slehener LqetzeU
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Erster Blatt
161. Zahrgang
Samstag, 9. )Utti 1917
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General-Anzeiger für Oberhesjen
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sämtlich in Gießen.
Die englische Offensive in Flandern erlahmt.
<WTD> Trotzes Hauptquartier, 8. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
An der Küste mch au der Ype rn-Front blieb die Kampftätigkeit noch gering.
Die nach tagelangem. starkem Zerstörungsfeuer zwischen Ypern rnw am Ploegsteertwalde, nördlich von Arme n t i 6 r e s, ernsttzeuden Angriffe der Engländer sind südöstlich von Ypern von nrederschlefischen untz württembergi- schen Reginlentern abyewiesen worden. Auch auf dem Südflügel des Schlachtfeldes kämpfen wir erfolgreich. Dagegen gelai« es dem Gegner- bei S t. E l o i, W y t s ch a e t e und Messines unter der Wirkung zahlreicher Sprengungen in unsere Stellrmg emzubrechen und nach hartnäckigen, wechsel- vollen Kämpfen über Wytscharte und Messines vor- zndringen. Ein krastvoller-Gegcnangriff von Garde und bayrischen Truppen warf den Feind auf Messines zurück. Weiter nördlich wurde ihn: durch frische Reserven Halt geboten. Später wurden unsere tapfer kämpfenden Regimenter aus dem westwärts vorspringenden Bogen auf eine vorbcrei- tete Sehnenstellung zwischen dem Kanalknie, nördlich von Hollebeke und dem Douvegrund, zwei Kilometer westlich von Warneton, zurückgenommen.
An der Arras-Front ist in mehreren Abschnitten der Ferrerkampf gesteigert gewesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Am westlichen Teil des Ehe min des Dümcs- Rückens hat seit mehreren Tagen die Artillerietätigkeit zugenommen ; auch mn Aisne-Marnc-Kanal ist sie aufgelebt.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
In den Vogesen und im S u n d g a u sind mehrfach nach heftigen Feuerwellen vorstotzende Erkrlndungsabteitun- gen der Franzosen zurückgewiesen wottven.
*
In vielen Lustkümpfen, vornehmlich an der flandrischen Front, sind zwölf, durch Abwehrfeuer von der Erde drei feindliche Flugzeuge abgeschossen worden.
Auf dem
i Oeftlichen Kriegsschauplätze und an der
Mazedonischen Front
hat sich die Gesamtlage bei.. unseren und den verbündeten Truppen nicht geändert.
Der Erste Generalauartiermeister Ludcndorsf.
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Der Abendbericht.
Berlin, 8. Juni, abends. (WTB. Amtlich.) Mit den gestern zum Angriff eingesetzten Kräften haben heute die EngländerdenKampfinFlandernnichtfort- zu setzen vermocht. Ein örtlicher Vorstotz östlich von Messincs imlrde zurückgeschlagen.
Von den anderen Fronten ist bisher nichts Wesentliches gemeldet.
Gvoße Offensiven unserer Gegner sind uns setzt nichts Ungewöhnliches mehr. Wir wissen:' es ist die englische Taktik, gedankenarm, nur von einer Ueberzengung „beseelt", daß es nämlich der Anhäufung Protzigen Materials, zahlenmäßiger Ueberlegenheit, schneßlich gelingen müsse, zu siegen. Das ist derselbe Geist, der früher den „Üeber-Dreadnonght" geboren hat, Niggerwildheit, Färb i gennull. Die Idee des Aushungerungskrieges ist auf ähnlichem Boden erwachsen. Jetzt aber werden die englischen Offensiven noch gedanken- ärmer. Denn hinter ihnen steht nicht mehr prahlerische Süherheit, sondern nur noch angstvolle Hoffnung. Ein blindes, tolles Muß treibt sie an, denn sie sehen die Brücken hinter sich schwanken: der U-Bootkrieg entzieht ihnen die Grundlagen der Taktik. Dieses Muß schafft keine Begeisterung, kann keine Begeisterung schaffen. Auch wir Deutsche haben am Anfang oft gesagt: wir werden siegen, weit wir siegen müssen! Aber da luge:: vor uns doch die unbegrenzten Fähigkeiten unseres Volkes, unserer Erziehung, unseres Geistes der Technik und der Waffen. Es war ein frisches, gehobenes und begeistertes Muß, ethisch beschwingt durch die Brutalität der feindlichen Angriffs Politik. Alles dies fehlt den Engländern, weiße?: und farbigen. Wie die Politik der Enteirte jetzt nur noch ein verzweifeltes Hoffen ist, ein Einsetzen des Letz sin und Dranw agen des russischen BuuDes- genossen, so ist die Angriffs walze von Westen her auch nur noch ein letzter Versuch der'Verzweiflung. Es kriselt wieder tm englischen Kabinett, der „Uebermateriulkriecpst der jetzt in Mandern npch einmal begonnen hat, wird wohl keine lange Dauer haben. Wir Deutsche begegnen den feindlichen Plänen und Stürmen jetzt mit der Geduld^uw der Zuversicht
der im Kampfe stark mck> hart Gewordenen. Die Voraussicht unserer Führung, die unsere Volkskräfte weise schont, belebt unser Vertrauen. Wir fürchten nicht mehr, daß der Feind triumphieren könnte. Unsere Heeresleitung hatte nrit kurzen Worten arrgedeutet, daß in der Mitte der flandrischen Front dein Feind es gelungen sei, in unsere vordersten Stellungen einzudringen. Niemand hat sich sonderlich darüber erregt. Die Meldung schien bang zu klingen, aber wir ahnten alle, wie es kommen würde. Die neuesten Berichte rechtfertigen diese Zuversicht. Der englische Angriff ist wieder erlahmt. Ungeheure Verluste hat der Gegner erlitten, die den nahezu wertlosen Geländefortschritt nicht aufwiegen. Je länger, desto banger und verzweifelter müssen unsere Feinde sich fragen, ob diese Art des Krieges sie den: erwünschten Ergebnis näher führt. Denn neben dem Donnern der Geschütze an der Westfront schreiten die starken Gewalten, die die Schlußsteine des großen Kriegs Werks herbeischafjen. Der geräuschloser arbeitende U-Bootkrieg, die Gegensätze und Entfremdungen innerhalb der Entente. Daß die Riesenausgaben der Eng- länder und Franzosen an der Westfront immer schwieriger werden,' das ist auch die Uelb-erzeugnng des Berner „Bundes"- der in seiner: Kriegsbetrachlungen auf folgende Umstärwe hinweist:
„Treten die Engländer unter Einsatz der vollen Kraft zu Lande und zur See in Flandern zum Angriff an, so können sie doch nicht daran denken, die zwischen Lens urrd Arras vorgetriebene Offensive stillzulegen, denn sie stehen dort in Angriffsstellungcn, die zur dauernden Verteidigung wenig geeignet siiü) und müssen um jeden Preis die Trarrsversale (Oambrai—Douai zu erreichen suchen, obwohl ihnen - auch damit eine Durchbrechung des hmdenburgischen Zonensystems nicht gelungen wäre. Jetzt lwgen sie noch zrvischen Bullecourt und Riencourt und bet Roeux und Gavrell-e fest. Sie l>aben am 5. Juni wieder angegriffen und be: Rveux ihre Stellung -etwas vorgeschoben, aber große Opfer gebracht. Sehr still geworden ist es im Abschnitt St. Quentin- Le Catelet, und matt ist geneigt, zu schließen, daß dort große Verschiebungen stattgesitnden und die Engländer sich mehr nach Norden konzentriert haben. An ihrer Stelle müssen jetzt Franzosen dem Brückenkopf von St. Quentin ami) der Straße St. Quentin- Le Catelet gegenüberliegen: ob sie sich hier angriffsweist betätige::- ist noch nicht zu erkennen."
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 8. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Im Mestecanesci-Abschnitt zeitweilig lebhafter Geschützkampf. Sonst nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Am Jsonzo gestern keine besonderen Kampfhandlungen. Ein feindlicher Flieger, dessen Flugzeug unsere Abzeichen trug, warf hinter unserer Front Bomben ab. Auf der Hochfläche der Sieben-Gentcnrden hielt die Regsamkeit der italienischen Batterien an. Auch die feindliche Fliegertätig- teil ist sehr lebhaft.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverälldert.
Der Chef des Generalstabs.
* . *
Der neue Kampf im westen.
Berlin, 8. Juni.' (WTB.) Das vieltägige unausgesetzte englische Borbereitnngs- und ZerstörungsMer hatte die vordersten Stellungen zertrümmert; die Allnensprengungen vor den Angriffen sollte:: de:: letzten Widerstand beseitigen. Allein die schwachen deutschen Sicherungen, die in dieser Vvrgeschobenen Zone ausigeharrt hatten, bereiteten den englischen Sturmkvlonnen eine:: blutigen Empfang, unt sich dann vor der Uebermacht der zwischen Ypern und den: Plvegsteert-Wäld ans den Gräben quellenden farbigen und weißen Engländer planmäßtg kämpsend zurückzuziehen, so daß die weiter rückwärts außerhalb des Zerstärungs- bereicH der eirglischen Geschütze ausgestellten Reserven Kit hatten, zum Gegenstoß heranzukomrnien.
Die bei Armentieres stehenden englischen Battemen, die durch flankiereickets Feuer den Angriff unterstützen sollten, wurden d:rrch die deutsche Artillerie westlich Lilie niedergehalten, die durch Sperrfeuer wirksam in den Kampf eingriff. Während die englischen Sturmkolonnen sich mühsam über den niederer: Douve-Rücken vor arbeiteten, auf den: die Trümmer der Ortschaften und Gehölze ei:: einziges staubbedecktes und rauchverqualmtes ECHaos bilden, faßten sie die schweren Granaten der langen Flach,feuerkan-o:re:r in der Flanke und richteten furchtbare Verheerungen Unter ihnen an. Vor dieser Front ließen die sich zäh verteidigenden Besatzungen der vorderer: deutschen Gräber:, die nur langsam zurückgingen, den Feind jeden Schritt vorwärts mit Plut bezahlen. Der wirksame Gegenstoß der Garde and Bayern, der bis zun: Ostrand von Messines vorstieß, kostete die Engländer neue schwere Opfer und gab der deutschen Verteidigung Zeit zur planmäßiger: Besetzung der irr: Heeresbericht gerrarrnter: Sehnenstellnng. Vor dieser entbrannten a:n Nachmittag neue schwere Kämpfe, die bis in die Nacht hinein dauerten. Die Stellung wurde gehalten.
Dainit endete die erste Phase des neuen großen Angriffs, die dein Angreifer erfahrungsgemäß Gelärrdegewinn urch Gefangenen beute ein bringt. Vor der neuen Basis des tief gestaffelten deutschen VerteidigungssysternS werden neue
Kämpfe entbrennen, die indesse:: den Engländer:: und Fraw zosen ebensowenig das angestrebte Ziel des strategischer: Durchbruchs eintragen werden, wie die eben erst unter schwersten Opfern zusammen gebrochenen Angriffe bei Arras, an der Aisne u:ck) in der Champagne.
Berlin, 8. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Wie nachträglich ergänzend gemeldet wird, sind die Verluste der Engländer in den Kämpfen um den Wytschaete-Bogen ganz anß ervrdentlich hoch und kommen den Verlusten der Franzosen an: 16. und 17. April gleich. Ohne Zweifel sind sie höher als unsere Verluste, einschließlich der Gefangeneneipbuhe. Der englische Ansturm ist bereits zum Stehen gekominen. Unsere Front steht absolut fest. Starke Reserve:: stehen dahinter. Der Kamps bei Whtschaete kann als erste für uns günstig ab gelaufene Episode der großen erwarteten Generaloffensive der Entente angesehen werüm.
Rotterdam, 8. Juni. Nach dem „N. Rott. Cour." meldet der Kriegsberichterstatter Gibbs aus den: britischen Hauptquartier, man könne ohne Uebertreibung sagen, daß mit der Vorbereitung der Offensivebei Ypern schon vor einem Jahre begonnen Word«: sei. .Da- rnals hätten Mineure begonnen, unter de:n Hügelrücken von Wytschaetc und Messines Minenstollen anzw logen. Ein Jahr lang hätte:: General Plumer und sein Stab ihre Pläne für diesen Angriff vorbereitet. Während die anderen Arineen im Sommegcbiete kämpften, hat sich die zweite Arin.ee ruhig u:üi re,in defensiv verhalten und gewartet, bis für sie der Augenblick der Offensive gekommen sei.
Englische Berichte
vom 7. Juni, 8 Uhr nachmittags: Wir griffen diesen Morgen umi 8.10 Uhr die deutschen Stellungen auf den: Messinesrücken und bei Wytschaetc auf einer Front von mrgefähr 15 Kilometern an. Wir eroberten überall die ersten Zielpunkte. Unsere Tnrppen rücken fortgesetzt auf der ganzen Angriffsfront vor. Zahlreiche Gefangene wurden schon j.n den ersten Sammlnngszentre? gesanrmelt.
10 Uhr aBeichs. Uiffeve im Laufe des Tages methodisch fortgesetzten Operationen gelangen vollständig. Der Kamm vov Mess ine s-W ytschaele , der seit wehr als 2 1 / 2 Jahre:: unsere Stelungen des Yper:o-!Vorspounges beherrschte, wurde heilte Morgen von unseren -Truppen erobert. Diwch diese Operatton, sielen die Dörfer Väessmes :md Wytschaete in unsere Gewalt, sowie das Systgm der vorgeschobenen Verteüngmrgsanlagen des Feindes, worunter sich eine große Anzahl mächttg organisiertes Gehölze und besesttgte Oertlichkeiten befanden, auf einer Front vou ungefähr 15 KllönErn.südlich der Douve urrd nördlich des Sorrelberges. Eb: wenig später führten unsere Truppen ent-' sprechend den: Operationsplane eine neue Vorrückung aus und eroberten das Dorf Qosttaverne sowie das dahinterliegende Ver- tcidigungssystem des Feindes östlich dieser Ortschaft ans einen Front von mehr als acht Kilometer::. Ein dm sicher Gegenangriff der im Lause dieser Vorrückung gege:: den Südteil unserer neuen Stellungen u ntcnmturnen wurde, brach in unserem Artillerie- feiner völlig zusanNncn. Der Feind erlitt in den Kämpfen im Lause des Tages schwere Verluste. Außer seinen übrigen Verlusten ließ er Gesangelw in unserer Hand, deren kontrollierte Anzahl mnl 4.30 Uhr nachnrittags bereits 5000 überstieg. Es müssen nvck, Xjiete gezählt werde::. Wir erbeuteten außei-dem eine geloiffe Anzahl Kanonen und zahlreiche Grabenmörser tmd Maschinengewehre, dere:: Zahlen nocl: :richt bekannt sind.
Gesten: zeigten unsere Flieger fortgesetzt eine große Tätigkeit und lieferten zahlreiche Luftkämpfe. Fünf feindliche Formatro--- nen, voll denen eine Mehr als 30 Apparate umfaßte, wurden augegriffen und mit starken Verlusten zerstreut. 9 deutsche dlpvarate wurden abgeschossen und mindestens 9 lveitere gezwlmgcn, in beschädigtem Zusta:ü>e zu lande::, 6 der unsrigen kehrten nicht mchv zurück.
Die Revolution in Rußland.
Die Exzarenfamilie.
Rotterdam,-. 9. Juni. (Lok-Anz.) > Eine Versammlung der 'Arbeiterabteilung des Rates u:ü> de:- extremen Sozialisten in Petersburg genehmigte einen Antrag, den früheren Zaren und seine Jamllie :urch der Festimg Kronstadt m bringe::.
Folgen einer Explosion in Petersburg.
Stockholm, 9. Juni. (Lok. Anz.) Bei der Petersburger H a f e n e x p l o s i o n Zvurden durch die verursachte :m gehe uro Feuersbrunst mehrere Munitionsfabriken gänzlich zerstört. Außerdem sind zahlreiche-Privachäuser dem Erdboden gleiö.'lgemacht worden, darunter das Minister- :md Präsidenten- smlais aiff der Jelagin-Jnfel. Vielfach wird ein Racheakt oder Verbrechen angenommen, jedoch sind auch politische Gründe nicht ausgeschlossen. Der Arbeiterrat uiü) die Regierung leiteten gleich, zeittg die Untersuchung ein.
England und die Kriegsziele.
Bern, 8. Juni. (WTB.) Philipp Snowden beg:ckdldere auf der Sozialisten z u s a nt n: e :: kunft in L c c o s mn 3. Jmri eine Entschließung, rvelLhje die englische Negierung auf- fordert, sich für die ruffische Friedenchormel „.itzenre AmtexioneN und keine Elttschädsaungen" öffeutHd> zu erkläre::.
Der Redner führte aus, die fraglicke F^onnel werde lvrcits von Lord E e c i l und A s q u i t h angelwmmen, aber willkürlich ausgelegt. Die Russen verlangte::, daß die im Laufe des Krieges besetzte:: Gebiete dis Friedensschluß nicht kraft des Eroberuugsrechts allen: den: Eroberer verbleiben sollten. Cecil mrd Asquit>> wollten 400 000 Quadvatmelle:: deutschen .Wlonialbesitzes dem brittfcheir Reiche einoerleiben. Sie nervte:: dies nicht Imperialisnrus, sondern Erftlllurrg der göttliche:: Mission: an das brittsche Volk, die Bedrückten allerwärts zu befreien. Angesichts solcher Anffassuwnm müsse England darcuff bcstche::, daß feinte Staatsmänner die Forrr ll „keine Annexionen" genau definierter, ehe sie sie arrzunekin 'ff vorgäbeu. Die Aruwhme derselben sei eü: Hoch: uiw eine $aic(


