Nr. J2J
Zwetter Blatt
lbr. Jahrgang
Erscheint tögltH mit Ausnahme deS Sonntags.
6 ei lagen: „GlrKever Zatnlliendlatter" und „Nreisdlatt für deu Meis Gießes",
-ssischeÄL^K: §rankftrr1 am Main Kr. \\m. valllorrrehr: Lewerbedank Siehe«.
Der potitische Pazifismus.
General-Anzeiger für
Mittwoch, 50. Mai |9U
Zwi llm gsrurrddru a und Verlag:
B r ü hl'sche Unlversitäts-Bllch-u.Strindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Zchriftleitung, Kefchästsftelle und VruSerel:
SchulstrafLL7. c. eschäftsstelleu.Verlag: c
SchrfftteUung: 112.
Anschrift fir Dra htaachrichten: Anzeiger Gieren.
Drc „Wlit. Ztg", die nrcrn nicht gerade eine tempera- mentv'o'lle Borkämp'ferin für einen starken Frieden nennen kann, veröfscnttlicht einen Leitartikel, der eine sehr zeitgemäße Warnung aus spricht. Es heißt darin:
Pazifismus ist ursprünglich gleichbedeutend mit Friedensliebe. Die Friedensliebe wurzelt in einer Gesinnung, die sich in ihren Ansprüchen bescheidct, weil sie billig denkt und auch dem Nach- bmn gönnt, was sie für sich verlangt. Solche ehrlichen Pazifisten Igrbt es in allere Ländern. Von ihnen trsmtt uns innerlich nichts^ nrit ihnen können und wollen wir bereittvilltg zusmnmenarbeiten. Bon dem redlichen Pazifismus ist aber scharf zu unterscheiden der Parrfismus als politisches Schlag wort. Der po- Iltifschc Pazisisnms Ijlat feine HaU.ptstätte unter den a n g e l s ä ch - fischen Völkern gefunden. .Hier ist der Pazifismus eine unsaubere Ehe trat der Machtpolitik eingegang-en und dterch gefälscht wor-
Ms dieser Che ist die pazifistische Heuchelei entsprungen, und s« tst rn der Hand der angelsächsisck>en Politiker zu einem Haupt- ttuMl gewotec, um ihre rein egotsttfchen Machtgelüste mir einem teilen Mäntelchen zu bedecken und fremde Völker zu betören, da- nrrt sie um jo sicherer eine Mute angelsächsischer Begehrlichkeit werden.
Das älteste schriftliche Denkmal deS politischen Pazisisnius durste des Staatskanzlers Thomas Morus' „Utopia" vom Fahre .1510 -sein. Hier ist der Zweck ohne weiteres Aar. Der damals in England tzerrjchende Normonnenadel hatte sch in den Nosen- Anegen dermaßen geschwächt, daß er Gefahr lief, den angelsäch- nschen Bürgern und Bauern zu erliegen, sobald diesen ihreMeber- maaft zum Bewußtsein kam utch sie sich entschlossen, ernstlich davon Gebrauch zu machen, Sp predigte der blutrünstigste Mel, der ic ein Volk geLrechtet hat, unverdrossen di§ Schönheit, besonders aber die Nützlichkeit des lieben Friedens, und die int behäbigen Genuß etwas bequem gewordenen Angelsachsen ließest sich beschoatzQt, zmnal man die regsantern Geister unter ihnen dem Seehandel, als dem ftdjierftett Mittel zu rc-ickzem Gelderwerb, in die Arme trieb. Seit diesem «Entscheidenden Erfolge gekört der 'Pazifismus zum eisernen Bestand im Rüstzeug englischer Politik. Miau hat ihn inzwischen inimer feiner aus- gebildet,^ die Waffe, die er darstellt, innner schärfer geschliffen, und groß sind dfe Erfolge, die man seiner geschickten Verwendnugf verdankt. Wohin immer die Angelsachsen kanten, dahin verpflanzten fte mtt ihrer Politik ihren Pazifismus, namentlich auch nach Nordamerika, wo er sich zur höchsten Ueppigkeit entsaltet hat.
-^bdt rft Zeuge gewesen, wie der leidenschaftliche Pazifist Wchorr, der jetn Volk um eine baldige Beendigung des Blntver- g«ß<ms beten ließ, gleichzeittg olles ihm mögliä-e getan hat, mst daiK^g in die Länge zu ziehen, damit das amerikanische Gü- schW ihn aufs lreste austrützetr könne; fte ist Zeuge gewesen, wie
militärisch dem angelsächsichen Machtstreben gegenüber wehrlos werde. Das sind die geplanten Schleichwege des polittschen Pa- zrftsmus beim Fnedensfchluß. Die Hauptfrucht der pazifistischest Heuchelei erwartet man aber erst nach dem Kriege von dem ge- bfl^ten Weltfriedensbmch. Eine Friedensorganisation unter angct- lachipcher Führung verfällt ohne weiteres dem polittschen Pazifismus und wird dadurch von vornherein verfälscht zum Mittel s e sti gun g und Verewigung angslsächsi- ! ^ e ^ ®eitherrschast. Gibt sie doch die beste Gelegenheit, ' ll U‘iel; i nung gegen angelsächsische UnversrorenlMt den Völkern als fluchwürdige Kriegstreiberer zu verdächtigen nach dadurch aus- fichtslos zu machen. Und hier erblicken wir das letzte Ziel des sch6<ffachs ij chni Paziftsmus: jeder Widerstand gegen einen angel- fachfpchen Machtanspruch wird zur Bedrohung >des Weltfriedens gejtempelt, gegen die der gesamte Bund ein schreitest Muß.
Solchen Gefahren ntüssen wir begegnen, indem wir uns gegen E WzlMNfche Heuchelei wappnen und cl-re unsauberen Pläne mit UjE Blute vereiteln. Wir alle wollen den .Frieden, auch den Weltfrieden, aber keinen gefälschten, sondern einen ehrlichen, der aus friedfertiger Gesinnung beruht.
ÄMchizuzerreu. Da haben wir den politischen Pazifisnrus in Rernkultur, in seiner grundsätzlichen Heuchelei, in seiner ganzen Verlogenheit.
.Der Paziftsmus der Angelsachsen bedeutet eine schwere Gefahr und eine oft verbängnisvoll wirkende Waffe gegen friedliche und vertvcavensselige Völker. Das deutsche Volk ist von unendt- ttchem Mißtrauen beseelt gegen den eignen Landsmann, sobald dieser einem andern Bernfskreise oder eurer andern soziales Schicht angehört, und es ißt gleichzeittg ebenso unendlich oertraueris- feftg ge^n den Ausländer, der ihm rnit geschickt gehandhabtens temgworten Eindruck zu machen versteht. Die echte Friedfertigkeit und die Vertrauensseligkeit der Deutschen bieten dem augclfcich- -ffckstn Pteftsmus einen sehr günstigen Boden zu seiner Betätigung. Was man durch Waffengewalt vielleicht nicht zu erzwingen vermag, trachtet man mff .Hilfe des Paziftsmus zu erschleichen bei den Friedensverhandlungen selbst Und durch Herrn Wilsons Friedensbund. So hofft man zunächst mit Hilfe des Pa- Msimüs einen Frieden herbttzuführen, der die wirffchastlich- A-uffn.ärtsenttvickkung Deutschlands ausschließt, illber noch einen zweiten Dienst soll er beim Friedensschluß leisteir. Das Friedens- verlange der Deutschen soll unter geschickter Ausmetzimg der in tetw, Kreisen herrschenden PerstintmuNg über die in unser nt Hoevesbetrieb noch vorhandenen Härten dazu verwandt werden, das deutsche Volk zur Aufgabe seiner starren Rüstung zu bewegeu Dre scharfe Waste, die man im offenen Kampfe nicht zu zerbrechen vermochte will inan dvnr Deutsche Reiche durch Betörung des dcnpchen Volkes im Friedensschluß entwinden , damit es auch
KunU «Mi Wissenschaft.
Kunst im Kriege.
Aus Darm-stadt wird uns geschrieben: Im Juni ds. Js. öffnen sich zum erpemnal seit Ansbruch des Krieges die Pforten des Aus- sttÄLungsgebäudes auf der Mathildenhöhe. Hessische Mnstler werden in die altvertrauten Räume ihren Einzug hatten, uni ihren
«eben. Als der Plan einer größeren ^Kimstschai: .... bekannt Wurde, gab es warnende und mißbilligende Slimmens genug, die Wunsch und Notweudigleit nach künstlerischem Genuß m dieser Zeit vernernten, Lust an solchen Werten zum Lurus und Vergnügen steinpelten. Man erinnerte an die brennenden Fragen des Ml tags, die, van bitterster Notwendigkeit gezeugt, körperliche irnd geistige Kräfte eines jeden erforderten und erschöpften, und rmn empfand neben demj Mitsühlen und Mitleiden mit den Brüdern im Felde jede weitere Interessen wett als Anrecht. Auch jene in Masten entstandene Kriegskmrst verinochte wohl anfänglich dem leidenschaftlichen, aktuellen Interesse des Publikums zii genügear; redlxli stillte die Ueberprodilktion feldgrauer Illicstrattonen selch bald jedes tetere Bedürfnis.
Welche Mfgabe hat nun die Kmfft in einer Zeit zu erfüllen, die wt ist von dem furchtbaren Drama auseinanderlwütender, Kulturvölker? Wie kann sie — Ausdruck iunerlichster Welten — Nchöpfen und schaffen in eurer Luft, die nur beivegt wird von dein grenzenlosen Leid air aller Well? Wo findm sich, die Künstler, die fren Mut haben, sch in stiller Wei'kstatt einzuspinnen und unberührt wchterzugeitakten, wem: ringsum Aöenschen sich verbluten? — Dre Kraft gebricht wohl einem jedm, und auch die Herzech fehlerr, deren Simre rraych den einst so wichttg empfundenen Ein-« drücken stehen. —
d^wwch brauchen wir die Kunst, sehnen uns mit Glut und ^Irbrunit nach ihrerr eivigen Offenbarungen!
As WirkunMii und Alusstrahlungen dieses Krieges sind unend- ltch. So Mannigfache Werte er auch vernichtet hat, so reiche imb schöne vofftmngen durch ihn zerstört worden sind, >ver kann die Folgen !nnd Lehren ermessen, die er einer durch stolze Friedensarbeit allzn gesMtigten Rc-enschheit erteüeit wird? Eins ahnen, wissen und echeban wir schon l-eute: Die Erschütterungen dieser tgewalligen .Zeit haben m den Herzen der Menschen einen ungekan-rten Reichtum allermenichltämer Ernpftndungen geweckt. Nächstenliebe, Opser- bereitsckmft, Errtfagung ttefft!nerlick>«L Erbaruian und Verstehen von Mansch 0 Mansch, Demut und Ehrfurcht sind wieder groß geworden. Dieses neuerwachte Gentüts- und Seelenleben, das sich in einein Drange nach religiöser Vertiefung äußert, in einem Sehnen und Greiser: nuch allem, was Seelenngbrrmrg, Brücke und
Se!
Aus Stcröt und £att&.
® i f ß e n, 30. Mai 1917.
Wünsche der Post.
Der immer mehr zunehmende Mangel an geschulten Beamten erheischt, den Postschalterdienst nicht selten von sachlich nicht vorgebildeten Personen wahrnehmen zu lassen. Vaterlündisck)e Pflicht ist es, die glatte und rasche Abwickelung des Schalterverkehrs zu erleichtern. Dazu trägt viel bei, wenn nachstehende Regeln beachtet werden:
1. Fertige Aufschriften, Telegramme usw. recht deut- l x ch aus.
2. Wähle für Deine Postgeschäfte möglichst nicht die Hauptverkeihrsstunde n.
3. Tritt andlen richtigen, durch Inschriften bezeichneten S ch a l t e r von rechts heran.
^ .A- Ea u s e M arten, Postkarten usw. nicht in einzelnen Stucken, sondern in Deinem Verbrauch angemessenen Mengen, namentlich auch in Markenheftchen oder Kartenblocken. Für' kleinen Bedarf bediene Dich der Posttvertzeichengeber.
5. K l le b e ans alle sreiznmachenden Sendungen d i e M a r k e n vorher auf, auch auf Postanweisungen.
6. H a l t e das Geld abgezählt bereit. Uebergieb größere Mengen^Pa pier geld stets geordnet.
7. Vermeide unnöttge Fragen an die Beamten; belehr e we n r g er g e w a n d t e P e r s o n e n und hilf ihnen.
8. Lege gewöhnliche Briefsendungen in Briefkasten, Briefsendungen in größerer Zahl gib! geordnet am Schalter ab.
9. Fördere den bargeldlosen Zahlungsausgleich durch Anschluß an den Postscheck- und den Bankverkehr.
10. B e n u tz e bei eigenen! stärkerem Verkehr die besonde-
©i nr i d) t uit g e it (Posteinlieferungsbücher und Verzeichnisse,
Selbstvorbereitting von Paketen und Einschreibbriefen).
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Stärkere Verwertung der Pilze.
5 ^. ?! r dväsident des Kriegsernährungsamts hat in einem Rundschreiben an sämtliche Bundestegierungen u. a. die folgenden Anregungen zu einer größeren Verwertung der Pilzerrtte gegeben
Bet der LebenSmittelknapplieit muß angestrebt werden, daß die wtwwach,enden Beeren und Pilze für die menschliche Ernähriurg wwett als möglich! Verloendung finden. Im Vorjahre ist die Beerenernte fast restlos, die Pilzernte hingegen nur in denieiligen Gegenden in etwas stärkerem Maße verwertet worden, )vo die nötigen Kenittnisse uns Erfahrungen vorhanden waren. Letzteres wird auch eine Vorbedingung sein müssen, wenn die Pilze in wetteren Kreisen als bisher als Nahrungsmittel Ausnahme fin- t-en sollen. Daher muß eine weitgehende Aufklärung erstrebt !verden, dte dte Zahl der Mzkenner vermehrt. Ms ffesonoerS ziveckmäßig -haben sich hierfür ständige Pilzausstellnngen, Pilzwanderungen. Unterricht in den Schulen, öffentliche Äuskunfts- stellen. sowie Vorträge u. a. m. erwiesen Als Lehrer kommen n.a. Fachlehrer, Förster, landwirtschaftliche Wanderlehrer und Lehrermnen von Haushalttmgsschulen in Frage. Prakttsch ist die Verloendung der Pilze und deren Haltbarmachung in den Kvch- schulen und bei Wanderkochkursen zu behandeln. Zur Unter-
, Band zu Ultvergänglichem bedeutet, verlangt nach dem Göttlichen \in der Kunst, verlangt von ihr Mtivort und Erfüllung dunkler Sehnsucht. Demr was lvar bisher uns — den Erben einer letzten Zivilisation, verwöhnt durch Technik und Komfort, gesättigt von erfolgreicher Wissensck>aft — letzten Endes Künstlerschaft und Kunstwerk? Gab nicht vielmehr vielfach erhöhtes Wohlsein, geiließer- hastes Aesthetenlum, ein letztes Sinnenvaffinement den' Anstoß, der uns zur Teilnahme an künstlerischen Darbietungen betrog? Die Lehren des Krieges tretet erneu anderen Geist großiehen, Und in die Hände der Künstler ist die große und heilige Aufgabe gelegt, Werte zu schiffen, die dem Inhalte dieser Zeit, den Opfern- die^ sie gebracht hat, würdig sind, 'chnsere Quälen und Träume, unsere Wünsche und Ideale brauchen einen Widerhall, eine Erhöhung und BerklLrtrng, die imr echte Kunst uns geben kaml. Und empfindest wir nicht schon Morgenluft? — Läßt die Glut eines Herzens, die Inbrunst eines Ausdrucks, das Ringen einer Seele uns nicht den Geist ahnen, den allein die Wahrheit innersteit Lebens schafft?
Wir aber, die wic^ von der .Kunst ein Höchstes empfangen trollen , dürfen nicht mit müßig er Selmsucht ihrem Sein gen mit ben Nöten des Alltags Zusehen. Uns ist die Verpflichtung auferlegt, ihr Hilfe und Beistand gegen die äußerlichen Widerstände dieser schweren Zeit zu leihen. Dies ist nicht nur Meirschenpfti.cht und Dankbarkeit. Wir helfen damit eine Zukunft anfbauen, die uns HoffttuNg und Zuflucht bedeutet, künfttgen Geschlechtern aber bleiben soll ein ewiges Denkmal aus großer Zeit.
Elisabeth Becker.
Mit Sven Hcdill im Lande des alten Testamentes.
Ein neues Kriegsbuch Sveir Hedins.
Sven Hedin tritt soeben mit einem neuen Kriegsbuche l>er- vor, das diese Bezeichnung nicht ganz verdient: er erzählt darin wähl von Stätten, die für den Krieg von Bedeutung sind, aber kriegerische Vorgänge selbst spielen darin keine Rolle. Vielmehr archäologische Bettachtungen. „Bagdad, Babhlon, Ninive" fdies beschränkt er sich auf stieiseschrlderungen und erdkundliche sowie ist der Titel des Buches, das soeben in Stockholm erscheint) ist ein Reisewerk von 50 Bogen Uinfang, indetn Sven Hedin seine Reiseerlebnisse in Wort tmd Zeichnung mit gewohnter Meisterschaft schildert. Von Konstantinopel mis suckste er die Stätten des alten Testamentes auf: die Fahrt über den Taurus gab ihm O^elegencheit. eine gründliche Naturbeschreibnilg Kleinaftens zu liefern, die ^övnfttvagenfährc durch die kilikische Pforte ruft ihm Erinnerungen an große Gestalten der Geschichte wach an Xerxes, Darius, den jüngeren Cyrus, Lllexander, Harun -al-No.schid. Gottfried von Bouillon, deren Mmen alle mit dieser Statte verknüpft sind. Die Bagdadbähn benutzt er, er fährck. mit denc
stützung in die Einführimg der Pilzkunde dienen fernerhin Pilzbücher und Pilzwandtafeln.
Die Einerntung vott Beeren und Pilzen soll öen Einsammlern in jeder Weise erleichtert werden. Die sonst im Frieden für vereinzelte Gegenden und Forsten geltenden Beschränkurigen sollen nach Möglichkeit in Fortfall kommen. Bezüglich des Beginns der Ernte ist bei Beeren eine zeitliche Beschränkung unbedingt erforderlich, bei Pilzen kommt eine zeitliche Regelung der Ernte nicht tu Frage.
Um die geernteten Pilze einem tunlichst großen Kreis zugänglich zu mack-on, beabsichtigt die Reichsstelle für Gemüse und Obst viele Pilzsammelstellen einzurichten. Dies wird sich natürlich nur an den Orten durchführen lassen, wo genügendes Packmaterial vorhanden ist Und ein schneller Abtransport der leicht verderblichen Ware gewährleistet wird.
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** Ein Stadtbauamt. Im Jahre 1902 wurde das von einen: Stadtbaurat geleitete Stadtbicmämt in ein städtisches Hochbunamt und ein städtisches Tiefbanamt geteilt. Die nengebildeten Bauämter umrden besonderen Amts- Vorständen nntersteltt. Dcvneben besteht das städttsche Ver- messungsämt gleichfalls unter einem besonderen Amts- Vorstand. Nachdem die Stelle des Vorstandes des Ber- messnngsamtes durch Tod des Inhabers, die Stelle des Vorstandes des Hochbauamtes durch Versetzung des Inhabers in den Ruhestand seit einiger Zeit erledigt sind, hat die Stadtverordnetenversammlung bei Beratung des diesjährigen Voranschlags auf Antrag des Oberbürgermeisters beschlossen, aus sachilicheu Erwägungen, sowie aus! Ersparnisgründen, das Hochbaucrint, Tiefbauamt und Vermessung s- amt zu einem von einem Stadtbaurat geleiteten „Stadtbauamt" vom 1. Juni d. I. an zu vereinigen. Gleichzeitig ist die Stelle des Vorstandes des neuen Stadtbaucrmtes dem bisherigen Vorstand des Tiefbauamtes, Herrn Stadtbaumeister B raub a ch übertragen worden.
R ü b e n p f l ä n z ch e n a l s' S p i n a t. Ms Ergänzung für unsere Ernährung eignen sich vorzüglich die verzogenen Rübeit- pslänzchen, welche haupffächlich als Spinat benutzt werden können. In allernächster Zeit wird mit dem Vorziehetr der Rüben begonnen werden, und es muß auf jeden Fall verhindert werden, baß die überzähligetr Pflänzchen, >vie in frliherer Zeit, achtlos fortgewvrfen werden. Durch das iSannneln derselben dürste eine ungeheure Menge Spinat-Ersatz gewonnen werden, welcher gerade jetzt zur Zeit des Frühgemüses wegen seiner Billig^it äußerst erwünscht ist. Die Llbnehmer werden gern bereit sein, für Verpackung, Anftlhr zur Bahn oder sonstige Unkosten eine kleine Vergüttmg zu gewähren. - Jedenfalls ist äußerste Eile nöttg, da die Pflänzchen sofort nach dem Verziehen der menschlichen Nahrung zugeführt werden müffen.
** Bekleidung unserer Kriegs gefangenen in F e i n d e s l a n d. Obwohl nach den völkerrvästlichen Bestimmungen derjenige Staat, in dessen Händen sich die Kriegsgefangenen befinden, auch für ihre Kleidung zu sorgen hat, tut die deutsche Heeresverwaltung alles, um cms eigenen Bestäiwen unseren tapferen Soldaten di« Möglichkeit zu verschaffen, den Ehrenrock, in dem sie für ihr Vaterland gekämpft haben, auch in der Gesaimen^ schaff weiter zu tragen. Fitr die Kriegsgefangenen in Rußland sind in den beiden letzten Jahren viele Tausend Bekleidung^ stücke aller Art abgegangen und an ihren Bestmmrungsart gelangt. Dieses Verfahren wird weiter r iortqtföi werden. Für Frankreich, England und die anderen feindlichen Staaten chatte das Rote Kreuz (Kriegsgefangenenfürsorge^. in Stuttgart die Versorgung aus Beständen der Heeresverwaltung übernommen und bis jetzt alle Wünsche der Angehörigen erfüllen können. Das Ber- fa'hren läßt sich aber bei den in letzter Zeit sehr gesteigerten Federungen leib# nicht mehr durchführen. Ebenso wie in Rußland werden des^halb in Zukunft auch in Frankreich, England uftv. die Lager in gewissen Zeiträumen mit SamMelsendnngen versahen werden, aus denen die Unterstützungsausschüsse, die am besten die Bedürfttgkeit prüfen können, sich Depots anlegen und die Kriegsgefangenen einschließlich der auf Ärbeitskommandvs Befindlichen mit Bekleidungsstücken versehen. Einzelanträge von Angehörigen sind deshalb nicht mehr notwendig und können «mch nicht mehr berücksichtigt swerden. Die Kriegsgefangenen sollen sich an ihre Unterstützungsausschüsse wenden. AuSnahnren können nur bei den Gefangenen vorkomnten, die noch keinem Lager angehören, und die Nur über das Bureau des Renseignements in Paris zu er-
Flosse auf dem Tigris, er Eomml nach Bagdad, der Kälifenstadt nach Mossul, zu den Ruinen Ninives. Bagdad scheiitt ihn enttäuschst zu lhaben. Wenn man ben Namen Bagdad hört, denkt mar an die Geschichten aus Tausend und einer Nacht: „Man tat sein Bestes," schreibt Sven Hedin, „um aus Staub, Ton und Ztegeln irgendeine Spur des alten Bagdad, eine Erimterung an dü Zeit der Kalifen ^herauszusinden, aber man findet nichts als Vergänglichkeit. Man sucht die Eingeboveneir auf, die Altertümer sammeln und verkaufen, Ober sie wisseit mchts zu erzählen. Vergeblich wünsch-t man, es möge sich irgend etwas zeigen, rras an die Bergan gehest erinnert, aber Bagdad liegt toüst, schläfrig und verträumt am Tigris, und nran glaubt die Mäch^ der ZerMemrg zu hören, die nie müde werden, das Menschsuverk auszu^ü^m. Ein Stadtteil Bagdads hat eine besondere AnstehuLgslraft für alle Bffucher der Stadt, das Inden viertel mit seinem Schmutz und seinem Elend. „In den Hauptgeschäftsstraßen der Juven", o erzählt Sven Hedin, „riecht cs nach Judenttrm. und es riecht schlecht, und doch sind die Straßen noch besser gelüftet, als die Basare der Muselmänner, too die starken Ausdünsttmgen unter Daa>rn gefangen gehalten werden, wo das Licht nur durch Dächer emdringen kann Man gleitet im Schmutz, too allerhand Unrat mitten auf die Stvaße geworfen wird- wo die gelben Hunde, dü Verwandten der Schakale, herum streiken und ihre st^hrung suaten." Sven Hedin hat tvirklich den guten Willen, etwas ton dem Bagdad Harnn-al-Raschids zu finden, aber er suchte ver- geblickt, und hat nichts von der Schönheit gefundan, die die Engländer gleich Nach der Einnahme der Stadt nicht genug zu rühmen toiißteu. Babylon war sein nächstes Reiseziel. BrEäb- ltch ist das Propltetenwort von der Zerstörwtg Babels in Erfüllung gegangen: von der Pracht des Königs Nebukadnezar und der Königin Seniivamis fand Sven Hte auch nicht die gerin-ste Spur, Mir Rutnen, Mauern. Pfeilstr, die chre Geschichte haben mögen aber ntcksts tvas mts sich selbst die Erinnerrmg an die Erzählungen des alten Testamentes wachgenffen hätte. Dies gllt z. B. von deni Turme ton Babel, der an einer Stätte gesbaiden! lhaben soll, wo „nur ein Wirrwarr gewöhnlicher Erdhügel hier imd da mit zertrümmerten Ziogeln und SckZerbcn bedeckt, zu sehen ist, zwtschen denen die eine oder andere Wüstenpflaitze twökig rhre Stengel und Blätter den unbarmlierzigen Svn7renft«chr«t aus jetzt. Und doch weiß man genau, Nw einst der Turm stand und man kann Miss Tüpfeltet seinen Grundriß aus messen. „Die älteste Königsstadt der Welt, Ninive, suchte Sven Haistn iveiter auf. Mir dre, gestreckte, ganz gleiste Hügel mit stellen! ?kbfall verraten den Platz, .wo vor Jahrtausende,! die Herrlichkeit driniveS geblMt hat. Zwei Städte sind dort heute noch übrig, nämlich bte ^tadt des Propheten Jonas mid die Stadt Kuinndschlk, ein bertchmter Fundort der Assyrwlogen, vielleicht der berühmteste, ui dem die riesige, über ztvanzi.stausend Stücke mnfassende Biblis thek Sardanapals ans Licht gefördert ist.


