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9.5.1917 Zweites Blatt
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Kt. M ämiits AM

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«.

Beilagen:Gietzener Zamttienblütter" und XreiLblatr für den Kv*te Gtetzea".

pystschEonLo: $rait!?titt «m Main Nr. um.

Vanttcrtthr: Gewerdedank Sietzen.

Deutscher Reichstag.

\bl. Zahrgüng

General-Anzeiger für Oberheffen

Nlittssch, V. Mai m?

ZwillingSrunddnlck imb Verlag: Brüht'scheUmversltät?-Bnch-n.Stcindr.'ctel.ei.

R. L an g e, (Stefjeit.

Schristleltnng, Geschäftsstelle und Vrucksrei:

Schulstratze?. ('eschäfiv'teUeu.Verlag: ^6!, SchrifUeilung: 112.

Anschrift für Draht>lgchrlchtcr::AnzeigerGteßen.

10 3. Sitzung. Dienstag, 8. Mai 1917.

Cm Tische des VundeSrats: v. Stein, Dr. H e l f f e r i ch.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 16 Minuten.

AMWöN.

«bg Ztunert fGo^!. A.-G.) fragt an, ob Belgier, die bereit»

vor dem Kriege in Coln-Ehrenfeld ansässig waren, ins Heer ein­gestellt worden sind.

Lberft Marquardt: DaS KriegSministerium hat sich sofort

mit dem zuständigen stellvertretenden Generalkommando deS Vill. Armeekorps in Verbindung gesetzt. Dieses hat telegraphisch mitgeteilt, daß die betreffenden Leute nach einer Entstheidung deS Generalkommandos guc Erfüllung ihrer Wehr­pflicht herangezogen find. Dos Kriegsministerium wird die SraatsangehöcigkcitSsrage, nötigenfalls im Einvernehmen mit dem Preußischen Ministerium des Innern, eingehend nachprüfen. Sollte sich Herausstellen, daß die Betreffenden j$u Unrecht ein- gezogen sind, dann wird ihre Entlassung ungesäumt veranlagt werden.

Lbg. Lieschikig (Fortschr. Vp.) fragt an: Am 28. März hat der Reichstag beschlHsen, die verbündeten Regierungen zu er­suchen, darauf hrnzuwirkeu, dasj die Kohlenpreise ab Grude oder VerarbeitungSftelle aus Anlatz der Steuer nicht über de« Betrag der Steuer hinaus erhöht werden. Ist dem Reichskanzler bekamt, datz die Rheinische Handels- und Rhederei-Grsellschaft m. b. H. zu Mülheim a. Ruhr mit Zweig- ^iederlaffung in Mannheim, deren Hauptgesellschafter das Rheinisch-Westfälische Kahlensyndikat in Essen ist, sofort nach Ver- abschicduirg des KohlenstcuergesetzeS die Preise für Kohle um 8 Mart, die für Koks um 10 Mark für 10 Tonnen ab Umfchlage- latz Mannheim mit Wirkung vom 1. April 1917 erhöht hat? Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um diese Preiser­höhung rückgängig zu machen und weitere, den Betrag der am i. August 1917 in Kraft tretenden Steuer übersteigende Preiserhöhungen zu verhindern?

Direktor im Reichsamt des Innern Müller: Die eingeleiteten Feststellungen sind ncch nicht abgeschlossen.

Die Abgeordneten Dr. Strcsemcrnn, Dr. Junck (natl.) fragen an: Im Königreich Sachsen bestehen seit geraumer Zeit die erheblichsten Schwierigkeiten auf dem Gebiete der Kohlen­der sorgung, insbesondere auch für Betriebe, die für den Heeresbedarf arbeiten und für die Frachtschiffahrt. Obwohl ins­besondere die sächsische Volkswirtschaft unter dem Ausbleiben der Zufuhr aus Oberschlesien und Böhmen leidet, wird der sächsische Bergbau gezwungen, aus dem Kohlenzuschußland Sachsen Kohlen nach den besetzten Gebieten im Osten abzugeben. Was soll ge­schähen, um d'.e ausreichende Versorgung des Königreichs Sachsen mit Kohlen und Koks im nächsten Winter siche rzu stellen?

Ministerialdirektor Müller: Die Beförderung und Transport- Verhältnisse sind noch nicht weit genug geklärt, um bestimmte Aus­kunft zu geben.

Abg. Aftor (Ztr.) fragt cm: Durch den Krieg ist erwiese:'., datz nasere Schafzucht und Wollproduktion vermehrt roerden mutz. WaS gedenkt der Reichskanzler zu diesem Zweck zu tun?

Ministerialdirektor Dtüller: Die ReichSleitnng erkennt die 25«. bentung der Schafzucht und Wollproduktion an und hat ihr be- s»«bere Aufmerksamkeit zvLrwendet. Alle notwendigen Maßnahmen

smd ergriffen. / t

Die IemÄkKg Des RelchshMA.

Hierauf wird die zweite Lesung des Haushaltsplans der Militärverwaltung fortgesetzt. Bei der Einzelberatung bringt

Lbg. Stücklen (Sog.) Klagen über di« Verpflegung ver- mundete r Soldaten in deutschen Kurorten vor. Die Hotelbesitzer suchen auf Kosten der Soldaten möglichst hohe Ueber- schüsie zu erzielen. Die Reichsregierung sollte die Verpflegung in eigene Verwaltung übernehmen.

Generalarzt Schnitzen: Wir bringen der Frage großes

Interesse entgegen. Es schweben Erwägungen, ob es sich empfiehlt, die Verpflegung in eigene Regie zu übernehmen.

Der sozialdemokratische Antrag auf Stteichurrg der ÄnSHaben für eine zweite Hauptkadcttenan stakt wird abgelehnt.

Abg. Schulz-Erfurt (Soz.s spricht über den Feldbuchhandel. Hier ist wertvolle Arbeit geleistet. Theater und Konzerte muffen nicht nur in den Etappen, sondern auch an der Front den «ol- baten zugänglich gemacht werden. Aus den ReichSbücher- wochen ist leider nicht viel heccrusgekommen. DaS meiste mußte zurüchcgeben werden. Einige Feldbuchhondlnngen sind vorzüg­lich, andere sind recht mangelhaft Drei bis fünf große Firmen haben den Feldbuchhandel monopolisiert. Vielfach wird das buch- händlerische Jutereffe vor das volkserzieherische Interesse gestellt. M»«che Armeekorps verlangen von den Feldbuchhandlungen eine dibgabe von 85 Pr^eut. Dadurch scheiden die billige« volkstüm­lichen Sammlungen aus. Hoffentlich wird man die guten An- sähe, den' Soldaten auch geistige Nahrung zu geben, im Frieden fortsetzren.

Abg. Prinz Schoenaich-Carolath suatl.): Bei Len Feldbüche, eien erhalten die Feldgrauen vielfach die Bücher nur unter be­dingter Rückgabe. Das sollte aufhören. Wir müssen unseren Soldaten nur wirklich gute Micher zuwenden. Vor allem muffen wir ihnen Bücher geben, mit denen sie sich für ihren Zimlberuf weiterbilden können. Der Verein für die Verbreitung von Volksbildung hat bisher 800 000 Bücher für 300 000 Mark an die Armee geschenkt. Dankbar ist anzuerkennen, daß auch der Kriegsminister für diesen Zweck Mittel bereitgestellt fyn.

Lbg. Haas (f. Vp.): Die Kommandosteklen dürfen daS Lese­bedürfnis der Mannschaften nicht schulmeistern. Unsere Klagen richten sich nicht so sehr gegen daL, was in den Aeldbuchhandluugen vorhanden rst, sondern gegen das, was da nicht zu finden :st. Man soll die Auswahl der Bücher in Verbindung mit dem Aus­schuß deutscher Volksbildungs'oereimgungen vornehmen.

Abg. Faschender (Ztr.) tritt gleichfalls für Ausgestaltung der Feldbuchhandlungen ein.

Abg. Sirbenbürger (kons.): ES ist nicht nötig, datz jeder Soldat seinen Goethe, 5k a n t oder Nietzsche im Tornister hat. Aber gute Bücher müssen sie erhalten.

Abg. BehrenS (Tisch. Fr.): Bei den Feldbuchhandlungen ist schon vieles besser geworden, aber Nebelstände bestehen immer noch. Die Zciturigen werden im Felde viel zu teuer verkauft. Die Bibelgesellschaften, überhaupt die religiöse Literatur wird gegenüber den großen Tageszeitungen be na Heiligt.

Oberst W.ätz erklärt, datz das Feldheer einen großen Teil des LesestossS unentgeltlich bekommt. Zahlreiche Organisationen haben hier Vorzügliches geleistet. Die Rcichsbi'chenvoche hat doch neben Ikangelhas em recht viel Gutes erbracht. Mißstände fallen abge- stellt werden. Das wertvolle Büchermaterial wird später zurück-' geführt und auch in der Friedenszeit benutzt werden. Dem Kinowesen wenden wir gleichfalls unser Interesse zu.

Damü ist die Aussprache über die Militärverwaltung beendet.

Eine große Anzahl von Bittschriften werden ichne Aus. spräche erledigt.

Damit ist die Tagesordnung aufgeardeitet.

Wächjbe Sitzung: Mittwoche 2 Uhr. (M«r»»eetat, Kolonialetat.)

Zuschlag zur außerordentlichen Nriegsahgade.

Nach dem jetzt im Reichsgesetzblatt verfimdeten Gesetz vom 9. April dieses Jahres wird zu der auf Grund des (Gesetzes vom 21. Juni 1916 geschuldeten außerordentlichen Kriegsabgabe ein Zuschlag in Höhe von 20V.H. ihres Betrages erhoben, und z'war sowohl zu der aus dem Vermögenszuwachs sich berechnenden Krichssbeuer (8 9 Ziffer 1 des Gesetzes vom 21. Jlmi 19 L6) als auch zu der außerordentlichen Vermögensabgabe nach § 9 Ziffer 2, d. h. von der Abgabe auf Vermögen, soweit sie sich nicht um mehr als 10. v. H. gegenüber dem Stand am 31. Dezember 1913 vermindert haben und soweit sie nicht der Kriegs- oder Besitzsterler unterliegen. Bei Bemessung des Zuschlags wird die Zahl der Kinder unter 18 Jahren derart berücksichtigt, daß sich der Zuschlag

bei mehr als 2 Kiudern dieses Alters auf 15 v. H.,

bei mehr als 3 ändern dieses Mters auf 10 v. H.,

hei mehr als 4 Kinderu dieses Alters auf 5 v. H.,

ermäßigt, imd bei mehr als fünf Kindcwu unter 18 Jahren über­haupt nicht erhoben Mrd. gitt dies nur imter der Voraus^ setzilng, daß das Gesamtverm^en des Pflick^r^eu nach dem Stand vom 31. Dezember 1916 den Betrag von 100 000 Mr. nicht über­steigt. Die Ermäßigung und Befreiung wird weiter, sofern sie über- l»aupt zulässig ist, nicht von Amts ^vegen, svichern nur auf aus- drückl.ichen An.trag des Pflichtigen gewährt.

, Dieser Antrag ist, so schreibt die amtlickwDarmstädter Zei­tung", spätestens binnen einem Mormt nach Zustellung des Kriegs- steuerbesckieids bei dem für die Veranlagung zuständigen Finanzamt z-u stellen: er kann daher und daö empfiehlt sich im Interesse sowohl des Pflichtigen selbst tvie auch der Veranlagungsstelle sofort schon jetzt noch während des Veranlagungsverfahrens gestellt werden, ohne daß der Kpiegsstenerbeschld zunächst abgewartet wer­den müßte. Die Mgabe kann dann soivrt auf den den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden Bettag festgesetzt werden, so daß sich eine nachträgliche Aenderung ini Berusnngsweg erübrigt. Jede nachttäglitte Wanderung der Kriegsabgabe, sei es durch Berufung oder durch Nerr- oder Nachveranlagung, hat ohne weiteres eine cnt- spveche:ide Festsetzung des Zuschlags zur Folge. Eines besonderen Antrags der Pflichtigen wegen des Zuschlags bedarf es daher nicht. Im übrig>m steht gegen die Festsetzung des Zuschlags allein dem Steuerpflichtigen das Recht der Beschwerde beim Großh. Ministe­rium der Finanzen, Mteilung für Steuerwesen, und gegen dessen Entscheidung die weitere Besä-werde bei dem Großh. Ministeriunr der Finanzen selbst zu; die Beschwerden sind jedesmal binnen vier Wochen von Zustellung des Kriegsfteuerbescherds oder des Be- sclstverdebescheids bei dem zuständigen Finanzamt vorzubringen.

Der Zuschlag wird mit der Kriegsfteuer zu den gleichen Fristen rcnd Deilbettägen erhoben. Das Nähere ist aus den: für den Steuer­pflichtigen bestimmten ^iegssteuerbescheid ersichtlich. Für die Er­hebung des Zuschlags aber besteht indessen iirsoweit eine Vergünsti­gung, als der Zuschlag auf Anttag dann zu stmrden ist, we:cn steuer­pflichtige Einzelpersonen oder Gesellschaften glaEaft machen, daß das Jahr, das auf den vom Kriegsstcuergesetz erfaßten Zeitraum folgt in der Regel der Zeittaum 1914 bis 1916 zu einer Ver- m ö gens min der: i n g oder einem Mndergewinn in Höhe von min­destens einem Fünftel des steuerpflichttgcm Vermöienszuwachses oder Mehrgewinns geführt hat oder führen wird. Hierbei kommen in­dessen nicht in Bettachb die .Kriegsabgabe selbst und die etwa im neuen Jahr gemachten Zuwendungen zu kirchlirl)en, mildtätigen oder gemeinnützigen Zwecken. Will ein Steuerpflichttger diese Vorschrift für sich in Anspruch nehmen, so wird sich zuvor eine mündliche Ver­handlung mit dem Finanzamt empfehlen.

Damals und heute.

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Wie weit liegen die Augnsttage 1914 schon hinter uns. .Es mutet wie ein Märchen ans längst vergangenen Zeiten an, ivenn lvir uns der Begeisterung erinnern, die damals unser ganzes Vatcr- lMtd durchwehte. Unsere Heimat war in Gefahr. Da wollte niemarrd zurückstehen. Jeder war bereit, sein Alles herzugeben. Mle Unter­schiede waren verschwunden, alle Bevolkerungsklassen standen ein­mütig zusammen in dem Willen, dem Vaterland Leben und Gut zu opfern.

Das war damals.

Woher kommt es, daß diese herrliche, erhebende Zett so sehr in unserer Erinnerung verblaßte. Woher kommt es, daß die Stimmung von damals nicht auch heute noch in gleich erhebender Weise in uns fortwirkt? Wir haben in diesen 33 Nkonaten eine kaum glaubliche, noch gar nicht übersehbare Fülle der gewattigstelt Ereignisse erlebt, alle Leidenschaften, alle Gcmütserregnngen, alle Empfindungen, deren ein menschliches Herz fähig ist, haben uns durchzittert. Auch die Weltgeschichte ist in diesen Zeiten zum Großbetticb überge- gangen. In den 33 Monaten wurde über das Schicksal von Völkern, Staaten, Königen, von Millionen Einzelwesen und Einzelwirtschaf­ten so rasch entschieden, wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Kein Mensch kann erwarten, daß die Begeisterung jener ersten Tage heute nach 33 Monaten schwersten Ringens noch anhält.

Zuviel Leid, zuviel .Kummer und Sorgen sind über unser Volk hereingebrock-en, zuviel Menschenleben, zuviel wirtschaftliche Exi­stenzen vernichtet worden. Immer mehr ftihlte jeder an seinem eigenen Le^be die Folgen des Krieges. Auch für ein so starknerviges Volk, wie das deutsche, ist die Fülle des Durchlebten etwas zuviel.

Und doch sollte man sich, öfter, als dies geschieht, die August­tage 1914 ins Gedächtnis znn'nkrufcn. In der lodernden Begeiste­rung j-ener Tage kauren uns die Gefahreü, in denen unser Vater­land schwächte, nicht recht zum Bewußtsein. Mitten im Frieden wurden wir plötzlich von drei Seiten nnt Uebcrmacht angefallen, die Feükde stande,l dicht vor den Türen unseres Hauses. Ihrer z!vei waren schon eingedrückt, Elsaß und Ostpreußen, der geringste Miß­erfolg konnte sirr uns von den verderblichsten Folgen sein. Trotz- dein war damals die Stimmrmg zuversichtlick)er als heute. Da drängt sich doch jedem die Frage auf, ist denn heute die Lage gefähr­licher als damals, haben wir Grund, kleinnrütig zu sein? Nein und abernkals nein! Die Gefahr, daß wir den Feind ins Land be­kommen, ist dank der herrlichen Taten unserer Beschützer zu Wasser, zu Lande und in der Luft ein sttt alle Mal beseitigt. Wir stehen also heute besser da als damals.

Bleiben nur die- Fragen der Eruährung und die Frage der Politik, die man für das Nachlassen der Sttmmung im Lande ver­antwortlich machen könnte. Aber auch diese Fragen würden uns keine Schwierigkeiten bereiten, wenn sich jeder die Vorsätze der Augusttag-e 1914 ftks Gedächtnis zurückrufen wollte. ,.Das deutsche Volk kam: und darf nicht unt-ergehcn", sagten wir damals, und es kann und wird nicht mttergehen, auch nicht wegen Ernähr:mgs- schwierigkeiten, wenn jeder in Stadt und Land, ob reicki oder arm, seine Pflicht tut, tteu dem Gelöbnis von 1914. Di^^ebensnnttel sind knapp, das wissen loir alle, und sie werden auck^n absehbarer Zeit, auch wenn sofort Frieden käme, nicht reichlicher fließen; sie fließen aber so, daß kein Mensch Hungers sterbm muß.

Und wie steht es mit der Polittk? Hat sich denn da die Lage etwa verschlechtert? Auch hier muß mit einem kanten Nein geant­

wortet werden. Es steht sogar um vieles besser als in den Mou.aten vor dem Kineg. Die Zusagen, die von Kaiser und Kanzler deni deutschen Volk gemacht worden sind, zeigen doch, d< unsere Re­gierung den festen Wlllen hat, die großen Errungenschaften dieses l^rieges auch in der Politik auswiirken. zu taffen. Sollten tw nicht endlich von den Parteien Einzelwünsche zurückgestellt und das große Ganze toieder als Richtschnur für unser Handeln und Denken auZ gestellt werden? Wahlrechtsreforur und Kriegsziele! So tautet eben das politische Feldgeschrei, das Mißttauen und Verbitterung in weite Kreise unseres Volkes trägt, wo es doch um ganz andere Fragen geht, um Sein oder Nichtsein unseres ganzen Volkes.

Lassen tvir den Geist der Augusttage 1914 wieder in uns aus- lcben, stellen wir alle kleinen uwd kleinlichen Sorrderwünsche zu­rück mrd richten wir unser ganzes Streben nur auf das eine Ziel den Sieg zu erringen und den Frieden zu erzwingen. Wir können nur dann der Menschheit den Frieden bringen, ivenn wir im Innern stark urrd einig bleiben. Das sind nur denen schuldig, die für uns den Heldentod starben und sterben.

Ares Stadt rrnd LcrrrH.

Gießen, 9. Mai 1917.

Das Heranziehungsverfahren im vaterländischen

Hilfsdienst.

Der Cef des K'riegsamtes erläßt folgmde Bekannttnachrmg:

Um das für eine'sachgencäße Durchführung des Herauziehungs" Verfahrens erforderliche Zusammeuarb-eiteu Zwischen den Kriegs­amtstellen und den Einberufungs- und Feststtllungsausschüssen zu sichern, wird folgendes bestimmt:

Nachdem die Ernberufungsausschüsse aus Grund des ecnge- gangenen Kartenmaterials unter Beobachtung der in Nr. 10 des firiegsamt" bckairntgegebenen Richtlinie sich jeweils darüber schlüssig gemacht haben, nach ^welchevl^ Plan der von den Kriegs- anrtstellen angeforderte Bedarf an Arbeitskräften gedeckt 'werde-r soll, haben die Vorsitzenden unverzüglich der Kriegsamtstelle laufend mitzuteilen, 'welche Berufe, Organifatio-nen oder Betriebe nach diesem Plane voraussichtlich von .HerMrziehmigsverfüg'unge !i zunächst betroffen werden. Die Kriegsamtstelle:: haben hierauf die Feststtllnngsansschüssle zu veranlassen, bezüglich der von den Ein- berufungsausschüssen genannter Betriebe uftv. die nach ^ 4 Ws. 2 des Hilfsdienstgesetzes erforderlichen Feststellungen zri treffen, sofern ihre Kriegswichtigkeit oder die dem Bedürfnis entspre-cherrve Be­setzung mit Arbeitskräften nach Ansicht der Kriegsanttstellen zu Zweifeln Anlaß bietet.

Gleichzeitig haben die Kriegsamtstetten von der beabsichtigten Heranziehung sämtliche, für die Heranziehung ftr Frage komnreuden Betriebe nftv. möglick?,st zeitig zu benachrichtigen, rim thunt hierchcrck) Gelegenheit Bit geben, ihre Interessen 'ivahrnehmm zu können.

*

** Flandern und sein Volk. Auf Veranlassung der Gießener -Ortsgruppe des Vereins für das TcuffchLmn im Ausland wird am Freitag, den 11. ds. Mts., in der Neuen Aula «eine Veranstaltung der Deutsch-flämischen Gesellschaft stattftnden, die der Schilderung Flanderns und des flämischen Volkes gewidmet ist. Die Aufführungen, die in einer Reihe von Städten unter großem Beifall stattgeftmden liaben, stehen unter der Leitung von Professor Dr. Herncann Wirth, der, unterstützt von vorzüglich! ansgeführten, farbig«: imd aichcren Lichtbildern, sowie ttefflichen Gesangskünstlern, die geschichtliche Entwickelung des flämischen Volkes, ferne Wlederaufrichtmrg in unseren Jagen, seinen Kampf ums Dasein und seine Hoffnungen ans die Zukunft schildert. Es ist zu hoffen, daß diese vaterländische Veranstaltung, über die im Anzeigenteil Näheres uritgÄieilt wird, auch in Gießcar 'warmer Teilnahnre begegnet. Eine Einzeichmmgsliste für die Ent- nahnre von Karten ist im Umlaufe. Muh bei den hiesigen Buch­handlungen sind Eintrittskarten zri l)aben.

** Unbestellbare Postsendungesr. Es wird dararrf arcfnrerksam gemacht, daß die Veröffenttichcngen über die bei der Ober-Postdircktion in Darmstadt lagernden urrbestrllbcrven Pvst- sendrnrgen nick-t rnehr durch die Zeitringen erfolgen, über die unandringlrchl gebliebenen Postsendumre:i werden viebnehr viertel­jährlich Verzeichnisse gusgesteklt. die in denr Schalterraum der Postanstalt am Aufgabeorte der Sendmrgen 4 Wochen zur Einsüht- nahine für das Publikirm aushängen. Diejenigen unserer Leser, die wegen des Verbleibs einer von ihnen aufgelieferten Postfendwra. sei es eine Wert- oder Enrschreibsendnng, ein Paket oder ein Brief Mit Geldinhall im ungewissen sind, werden deshalb gut tun, diese Verzeichnisse einzusehen, unr sestzustellen, ob etwa der von ihnen vermißte Gegenstmrd bei der Ober-Postdirektion lagert. Zutteffendensalls würden sie sich :vegen Wiedererlangung der Sendung an die betteffende Postanstalt zu Wender haben.

Kreis Wetzlar.

** Krofdorf, 8. Mai. Der uirevlvartet verstorbenen Lehrerin Alma Wiechmann in Krofdcng gaben am 2. Mai ihre Mitarbeiter und vor altem eine große Zahl hiesiger Ortsein- wvhner das letzte Geleit.

Hessen-NassM.

** Frankfurt, 6. Mai. Heute scnrd in Frankfurt eine Versammlung der (ffa'itturnivarte deS 9. Kreises der Deutschen TurnersckMst statt. Die Uelnmg ^var besonders beflinunt, derc Gaic- turnwarten das rein militärische Turnen durch praktische Uebung rorzufübren. Es leiteten OrdrumgsübrSngen und Schritlarten nach milttärischen Befehlen: Gauturgnvart Frey. Maftrz; die Frei- nnd (Gewehrübunyeic aus der Tunwvrschrift der Infanterie, ferner Ringen um den Ball, Steyrisch Ringen, Schutterprobe, Sägemann, 5)antelvcrlegcn. Boxen, Stampfe: Tnrninstt.-ktor Poller, Saar­

brücken, das ^Geräteturnen nach der Tnrnvorschrift der Infanterie: Kreisttcrirwart Münch, Hachf^rlxurg, ein paar herzhafte FreiübunMN zum Unterschied gegen 2: Gauturn'wart Gräser, Frankfurt, Keulen- Übungen:- Michael Meller, Bockenk-eim. Die fürifftündige Uebmrg. an der 30 Teilnehnver beteilig: waren, endete mit ftvhem Turnsprel. KreisturNwart Münch und Turnausschußmitglved Meller gehören dem Turnousschuß 2o Jahre an. Sic wurden dem- cntsprechend heute geehrt. Kr.'eisverttettr Schulrat Schnvuck berichStte in der anschließenden Sitzung über die Turn spräche der deutschen Turnerschaft, sowie der Niilitär-Turnvvrschrift und steklte Ver­gleiche cm.

---- Frankfurt a.M., 7. Mai. Das städtische Kran­kenhaus hat für das Rechnungsjahr 1916 Kredittlberschreit u ivgeitz von rmld 1357 060 MT. zu ver-zeichnen. Don dieser' Summe konttnen allein 800 000 M'k. aUs Mehrausgaben für die Verkösti­gung, deren Beschwffnng stets Mehr Kosten und Schwierigkeitttr verursacht.

Spielplan des Srotzh. Uurhanstheaters VaH-Nanhekm.

Mittwoch, 9. Mai: Eroffmuig der SmnmerspLelzeit 1917. Neu­heit.Me verlorene Tochter. Freitag, 11. Riai: stirrcheitM- mge". Sonntag, 13. Mai:Die fünf Frankfurter"'.

Beiefkaften der

iAuouvme Ausrage» bleibe» ttuberückfl.httat.» fl. Lolnhausen. Das Zeichen 52 bedeutet Uatterleibsletden, 53 Blnwderkirochen (HäuwrrlViden.) Die Bezeich««ng S 0 f uns unbekannt.