Ausgabe 
11.4.1917 Erstes Blatt
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Nr. 84 Zweiter Blatt

>»r. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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General-Anzeiger für Gberhesjen

Mittwoch, April M?

Zwillingsrundoruck und Verlag: Brühl'fcheUniversltäts-Buch-u.Strindrnckerei.

' N. Lange, Gießen.

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BW«

hindenburg über Amerila.

In einem Gespräch mit dem Berliner Vertreter der spanischen ZeitungBanguardia" am Osternwntag erklärte Generalfeldmar- schall von Hindenburg, die amerikanische Kriegserklärung werde nirr die von uns erwartete uno berechnete Wirkung haben. ES ist klar, daß ein so schwerwiegender Entschluß, wie die Erklärrmg deS uneingeschränkten U-Bootkrieges nicht gefaßt wurde, ohne alle möglichen Wirkungen vorher genau zu überlegen, auch das Ein­greifen Amerikas. Wenn der uneingeschränkte U-Bootkrieg trotz der Möglichkeit amerikanischer .Hilfe für die Entente beschlossen wurde, so tvurde sie als zu leicht befunden. Der Generalfeldmarschall er­klärte dann, die geldliche Unterstützung, die Amerika der Entente gewährt, könne in diesem Krieg nicht ausschlagge­bend sein und nur daz-u führen, England noch tiefer zu ver­schulden. Was die am erikanis chen Kriegslieferungen beüifft, so ist enre Steigerung nicht gut möglich. Außerdem will aber Amerika ein Heer von einer halben Million bis zwei Millionen Mann aufstellm. Es ist nicht möglich, gleichzeitig dieses Heer aus- Zurüsten und dennoch die Lieferungen für die Cnctente zu steigern. Man muß dazu zunächst die anierikanischc Volkswirtschaft weiter auf die Kriegsmittelcrzeugimg einstellen, dazu braucht man Zeit. Tw materielle Hilfe wird also in absehbarer Zeit nicht groß sein können. Sw hu verringern, ist die Ausgabe unserer U-Boote. Hiudenbürg erklärte ferner, er halte eine Beeinträchtigung der deutschen Sev- sperre durch das Eiugr-eisen der amerikanischen Flotte für ausge­schlossen, ebiensowerrig wie die Flotte der Entente an dem U-Voot- krieg etwas..ändern konnte. Die Entente verfüge über keine Waffe gegenüber den U-Booten, Die Seesperre geht mit wachsender Wirk­samkeit weiter. Bei jedem neuen Transport müßten die Amerikaner das wachsende Risiko aus sich nehmen, lieber die Möglick)keit eines Eingreifens amerikanischer Truppen in Europa sagte Hindenburg: Selbst bei intensivster Arbeit mrd größter Unterstützung durch die Ententestaaten durch Entsendung von Jnstrukrionsosfizieren nsw. ist nicht damit zu reckmen, daß bestenfalls vor Jahresfrist ein ameri­kanisches Expeditionskorps von einiger erheblicher Stärke zur Ein­schiffung nach Europa bereit ist.

Und nach einem Jahr, Exzellenz?" Ja, glauben Sie denn wir warten, bis es unseren Feinden genehm ist?" Dieses Jahr sollte nach den Aenßermrgen der Ententeführer die endgültige Entscheidung bringen. ?luch wir haben unsere Maßnahmen getroffen. Die Ostfront ist heute derart aus,gebaut imd in solchem Maß besetzt, daß ein Brussilvw auch mit den rücksichts- kofesten Menschenopfern keinen Erfolg erzielen brnn. Wir haben die russische Revolution nicht in Rechnung gestellt. Much ohne sie war die Ostfront stark genug. Daß die Ereignisse in Rußland unsere Pläne fördern, kann auch der krasseste Optimist der Entente heutt nicht mehr leugnen. Im vorigen, Jahr brauchten wir unsere strategische Heevesreserve, um den Einfall Brnssilows abzuweiscn. Die Westfront tvar auf ihre eigenen beschränkten Mittel angewiesen. Trotzdem lvuvde der englisch-französische Angriff abgeschlagen.

Heute liegen die Tinge von Grund aus anders. Die West­front ist so stark geworden, daß sie jeden Angriff aushallen wird. Bei absoluter Sicherheit aller Fronten verfügen wir heule über eine frei ver­wendbare Heeresreserve von einer Stärke und Schlagfertigkeit, wie zu keinem anderen Zeit­punkt des Krieges, zur Abwehr wie zum Stoß an j eder b eliebigen Stelle.

Die Beantwortung der Frage, ob Deutschland binnen Jahres­frist mit seinen Gegnern fertig werden würde, verweigerte Hachen­burg, fügte aber hinzu: Betrachten Sie nicht, was auch geschieht, an irgend einer Front, zur See oder in der Luft, als eine Einzel- erschenrung. Alles ist Glied eines großen Planes. In diesem Sinne sind Heer und Flotte eine Einheit geworden.

Heute, nach nur zwei Monaten U-Boot-Krieg, kann ich Ihnen bereits sagen, daß unsere Rechnung richtig war. Der Weg, den wir unter Würdigung aller Gefahren einschlugen, führt zum Ziel.

Ani die Frage, wie sich die Airterikaner vermutlich mit der ver­änderten Sachlage abfinden würden, antwortete der Generalfesd- warschall u. a.: Ich kann mir nicht denken, daß das amerikanische Volk in seiner Gesamtheit von der Notwendigkeit und Zweckmäßig­keit eines Krieges m!it Uns überzeugt ist. Wilsons Beweggründe Und die seiner Freunde snrd mär klar. Die amerikanischen Regie­renden und Finanzkreise haben sich auf ein faules Geschäft eingelassen. Wollen sie das investierte Kapital nicht opfern, so bleibt ihnen nichts übrig, als dem schwankeirden Unternehmen mit

ihrem gesamten Vermögen beiKusprmgen. Dre Frage ist nur, ob sie damit das Unternehmen retten können und ob das amerikanische Volk in seiner Gesamtheit aus die Dauer mittnachen witd. Keinen AugenbliH unterschätzen wir die Gefahr und denErnst der Stunde. Aber der Eintritt Amerikas in den Kreis unserer Feinde hat a l l e Ungewißheit von uns genommen. Wir stehen mit unse­ren Verbündeten geschlossen, einstmr in der Welt, klar und kalt. Wir haben alle Möglichketten erwogen und nach bestem menschlichen Wissen und Gewissen die gewählt, du zum Sieg und Frieden führen. Ich sagte zu Anfang des Krieges, daß es die Nerven sind, die den Krieg entscheiden. Dieses Wort gilt mehr denn >je. Iw Vertrauen janf die Nerven des deutschen Volkes stehe meinem Posten und

sehe dem letzten entsckMdenden Kampf ohne Wanken entgegen. Ich weiß, das deutsche Volk wird seinen Kaiser mrd seine Führer nicht im Stich lassen.

Aus Stadt und Tand.

Ei en, 11. April 1917.

** Amtliche P ersonalna chrichten. Der Groß­herzog hat hwcd) Entschließung vom 4. April ds.Js. dem Kam­merherrn und Oberstleutnant ä 1a suite der Kavallerie Gustav Frhr. von Sch a uro t h zu Darmstadt die Erlaubnis zur An­nahme und zum Tragen des ihm vom Kaiser von Oesterreich. König von Ungarn, verliehenen OrdenS der eisernen Krone 2. Klasse, des­gleichen dem Kammerjunker und Ministerialserretär Robert Frhr. Löw von und zu Steinfurth zu Darmstadt ^ur Annahme und zum Tragen des ilM verliehenen Ordens der eisernen Ktone 3. Klasse erteilt. Der Großherzog hat am 31. März ds. IS. dem Pfarrer Philipp A l d e k a m p zu Hamm die evangelische Pfarrstelle zu Wald-Uelversheim und dem Pfarrer Adam H a r t m a n n zu Stadecken die evangelische Pfarrstelle zu Groß-Winternheim über­tragen. Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern wurden die nachstehend genannten Lehramtsreferendare zu Lehr- amtsassessoren ernannt: Dr. Ludwig Färber zu Mainz, Christoph Hechler zu Ober-Ingelheim, Hugo Holzapfel zu Büdingen, Karl Kans zu Neu-Isenburg, Otto Seitz zu Diebürg. Der G r o ß h e r z o g hat am 4. April den Finanzaspiranten Karl Ull­rich aus Geiß-Nidda zum Oberrech, mngsrevisor bei der zweiten Abteilung der Justifikatur der Oberrechnnngskammer ernannt. Der G r o ß he r z o g hat den Hochbauaufseher bei dem Hochbanamt Darmstadt, Karl Cr et er zu Darmstadt, zum technischen Revisor bei dem bmttechnisck>en Bureau der Mivisterialabt.eilnng für Bau- we'en ernannt De Gro ß he r zo g chu den Fina zamtmännern August K l i n g e l h ö f s e r bei dem Finanzamt Darmstadt I, Aug. Berg bei dem Finanzamt Frredberg und August Löffler bei dem Finanzamt Bingen den Charakter als Finanzrat verliehen. > Der Großherzog hat den Forstassistenten Wilhelm Li pp zu Grebenhain zum Oberförster und den Forstassessor Edwin von Becker zu Darinstadt zum Forstassistenten mit Wirkung vom 1. April ds.Js. ab, sowie die Bauaspiranten Johann Schütz ans Stockstadt a. M., Leonlxrrd Drenjsch aus Brensbach, Kreis Die­burg, Ferdincnrd Fischer ans Steinheim, .Kreis Gießen, Wilhelm Schulmeyer ans Mörfelden, Jakob Bensheimer ans Die­burg, Johannes Tamm ans Frischborn zu Hochbauaufsehern, so­wie die Bauaspiranten Karl Wi n har t aus Weisenau irrtb Heinrich Ahl aus Westhofen zu Dammeistern ernannt.

** Auszeichnung. Kanonier Rob:nt Günther, bei einem Feldartillerio-Regiment im Westen wurde mit der Hessischen TatNerkeitsmcHaille ausgezeichnet. Dem Vorschlosser Heinrich Schmitt der Eisenbahn-Nebenwerkstätte, wurde das Verdienst­kreuz mit der InschriftFür Krie^shilfsdienste" verliehen. Geftmter Hermann Roffenbar, m Sohn des Metzgermeisters Julius Rosenbanm, welcher im 5. Baßer. . Inf.-Regt, dient, er­hielt das Eiserne Kreuz, nachdem er im Dezember 1916 die Hes­sische Tapferkeitsmedaille verdiente.

** Nachzahlung von Invalidenrenten. Der KriegsbeschKügte Christian B e n n e r von A l l e n d o r f a. Lumda, seinerzeit Res.-Laz. I, Turnhalle, hat den rechten Oberschenkel ver­loren. Außerdem ist er herzleidend. Tie Lerndesversicherungsanstalt Darmstadt gewährte ilM vom Beginn der 27. Woche an die K r a n- k e n r e n 1 e. Ta B. als da u e rn d invalide im ©iirme der Reichs- versicherungsordznmg Mrznsehen ist, verfolgte der Versicherte durch die Verwundetenberatnngsstelle Berufung mck> bean­tragte Zahlung der Invalidenrente (vom Tage der Ver- wundung an). In der kürzlich abgehaltenen Sitzung des Ober-

versichetung samtes Wurde dem , Versicherten dem An­träge der Verwundeteirbeiatungsstelle entsprechend die Invaliden­rente zngesprvchen, so daß die Rente ftir dre ersten 6 Akonvte nachge- zahlt wird. Ten gleichen Erfolg erzielte in dieser Berftrndlnng der Kriegsbeschädigte Will). 01 to aus Beuern (seinerzeit \m glerchenLa- zarett), welcher den linken Oberschenkel verloren hat und anberdem Herz- und ohrenleidend ist. Auch hier hatte die Landesversicherungs- anstatt nur Krankenrente gewährt, wurde aber ans Llntwg der Verwundetenberatungsstelle vom Ob^rversiche- rimgsamt zur Nachzahlung der Rente r die ersten 26 Wochen verurteilt. In ebnem weiteren Falle, bei dem es srch wn die L a n d e s v e r s r ch e r u n g s a n st a l t Hessen-Nassau handelte, erklärte sich diese auf Einwürkrmg der Verwundetcnbera- tungsstelle nachträglich bereit, die ersten 26 Wochen ohne Verhandlung vor dem Oberv er sicherun gsamte dein versicherten Kriegsbeschädigten H. St alp (Stadtknabenchnle) dalfter, nachznzahlen. Der Kriegsbeschädigle WilHelm Grl- b e r t aus H e u ch e l he i m, dem beide Fiiße MNputtert wurden und der sich zurzeit ebenfalls noch in: Reservelazarett I, Stadt- knabenschule, befindet/ hat erst eineinhalb Jahre nach seiner Auftrahme in das Lazarett Antrag ans Invalidenrente ge­stellt. Da aber die Rente nach den gesetzlichen Bestimmungen nur für ein Jahr rückwärts (voni Tage des Antrages an gerechnete gezahlt lvird, lehnte die Landesversichn::mgs<nrstält die Zahumg der Rente für das erste halbe Jahr ab. Gegen diesen Bescheid ver­folgte die Verwundetenberatungsstelle im Nanren und Auftrag des Versicherten Berüfnng mit der Begründung, daß G. durch außerhalb seines Willens liegende Um*' stände an der rechtzeitigen Arltragstelttmg gehindert gewesen sei. Diesem Anträge wurde auch vom Oberr-erftche- rungsamte statt ge geben und die Landesoersicherungsanstalt zur Nachzahlung der vorenthaltenen Rente verurteilt. Gegen das Urteil des Oberversichernngsamtes l>at die Landesversicherungs­anstalt Revision beim Reichsversicherungsamt Ber- lin eingelegt. Es lvnrde deshalb dem Versicherten durch die Veiwn ndetcnberattm gs stelle kostenfreie Vertretung vor deni Reichsversichernngsamte vermittelt. Tie Entscheidung steht noch ans. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals darauf hin gewiesen, daß Anträge auf Invalidenrente rechtzeitig gestellt werden jmnssen, wenn der Versicherte sich vor Nachteilen bewahren will. Wer von verwundeten und erkrankten Kriegsteil­nehmern über irgendwelche Fragen auf dem Gebiete der Kran­ken- und Invalidenversicherung, KriegswocheN^ h i l f e, A n g e h ö r i g e n n n t e r st ü tz u n g ufw. im Unklaren ist, nunde sich an dh: V e r W u n d e t e n b e r a t ic n g s st e l l e (Sprech­stunden : Dienstags irnd Freitags do:r 2Vs bis 3Vs Uhr im Svldatenheim), die auch alle crfv'rderlichen Unterlagen für die Stellung von Anträgen auf Invalidenrente nsw. kostenlos beschafft.

Kreis Büdingen.

--Ortenberg, 8. April. LandstirrmUrann Augllst Fahren- b r n ch, Gefteiter bei einen: Landstnrinbataillon, erhiett die Hessische Tapefrkeitsmedaille. Fahrenbruch steht seit Beginn des Kriegs ununterbrochen im Felde.

Kreis Schotten.

6. Gunterskirchen, 6. dlpcil. D«m H^vrrich Rah«> Juf.-Regt. 116 wurde das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

e. Kaulstos, 6. Aprile Unterofftzier Lehrer Wilh. Roth- mann erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse.

6. Aus dem Kreise Schotten, 6. April. Der HSM- preis für Eier an die amtlich bestellten Aufkäufer der Landeseier­stelle nur an diese darf der Geflügelhalter verkaufen beträgt jetzt 25 Pfennig. Beim Verkauf durch die vom Kreisamt einge­richteten Eierverkaufsstellen an die Verbraucher kostet ein Er 31 Pfennig.

Hessen-Nassau.

mr. Frankfurt a. M., 9. April. Das mit dem Grillparzer­und Rainrnndpreis ausgezeichnete Schauspiel Karl Schönherrs Volk in Not" fand bei der Erstaufführung am Osterscrmstag im Neuen Theater unter Direktor Hellmers Leitung eine begeisterte Aufnahme. Die Zuhörer folgten mit Spannrmg den Vorgängen auf der Bühne und erlebten den Heldenkainpf der Tiroler gegen Na­poleon und Bayern unter der begeisternden Führung eines Andreas Hofer. Ter Beifall am Schlüsse war stark und Schauspieler wie Spielleiter konnten sich mehrfach bedanken.

Gsetzener Stadttheatev.

Der Soldat der Marie.

Operette von Leo Ascher.

Nicht das feldgraue Militär, sondern das derguten alten Zeit" erscheint auf der Bühne, der Zeit nach Napoleon, die hier eine heitere Auferstehung feiert.

Ter Herzogs. Tänzer Mumme war dreimal verheiratet, jede Fräu schenkte ihm ein Mädcheir, so daß er nun über drei aller­liebste Töchter im heiratsfähigen Alter verfügt. Die Mühle, ihre Heimat, muß versteigert werden, sie sind gezrmmgen, das , Torf zu verlassen, und als drei nette fesche Mädels wollen sie die Welt in aller Tugend erobern. Marie, Maricrnn, Mariett, so heißen die drei, und Prinz Kurt von Hansendorf, Oberst eines Herzogs. Regiments, wird ihr Schicksal. Als schneidiver Kavalier und Don Inan ist er inr ganzen Lande bekannt; im Sturm erobert er Mariarm, schenkt ihr einen Schlüssel zu einem geheimen Pförtcken sciner Residenz, der ihr den Weg zum Glück bahnen soll. Kaum ist Mariann.seiner: Augen entschwunden, verliebt er sich in Marie, der er jedoch als einfacher Soldat gegenübertrrtt. Als echter Ton Jum: erliegt er dem Reiz der giovan'prirrcipiante. Auch iln beteuert er seine Liebe und verfehlt nicht, ihr ebenfalls einen Schlüssel zu eben demselben Pförtcher: zu geben. Während er nun ?Rariann zu feiner anerkannten Geliebten in der Residenz macht und sie mit Reichtum und Pracht umgibt, bleibt er Marie gegenüber der Soldat. Er ist eben derSoldat der Marie", dre nun vm: Tag zu Tag darauf wartet, daß er fie heiratet. So lieben beide Sck^restern denselben Mann, ohne es zu wissen. Mumme, der 'ich eine vierte Frau genomm«: hat, ist nun ge­zwungen, sie mit seinen Töchtern, dessen Existenz er ihr de: der HeirNt verbarg, bekannt zu machen. Schließlich Nirden sich denn die drei Töchter mit ihren Eltern zusammen (Marrett, dre .schnippigste von den dreim, ist rnzwisckMi herz«ml. -Hoftünzerin ge­worden), und nun muß das Rätsel mit dem ,,L«?ldat der Marie , die bereits die ewige Braut genannt roird, sich lösen. Ter Prinz wird entlarvt. Aber alles kommt zum guten Ende. Mariann heiratet den Prinzen. Marie nimmt mit dem Tambour, eines Burschen des Herrn Oberst, Vvrlieb, wid die pftffige Mariett gibt ihnen ihren Segen. ^ . __ '. _

Das ist der Gang der Handlung. Marre, Mansnn und Mariett, die drei' Müllerstöchtcr, alle drei repräsentieren sie einen gewissen Typ. Jede inacht ihr Glück, und auf drei verschi^enen Wegen er- vberi: sie die Weltin Tugend". Jlw Vater gab ihnen das Temperament dazu. Ihre Charakteristik ist scharf und grtt. £*e sind ferne unmöglichen Figuren, Ebensowenig wie der Prinz. Daran liegt es auch, daß über dem Ganzer: ein Hauch warmen Lebens liegt Zweifellos gehört diese Operette, deren Librettisten die bekenn teil Jean Kren, Schön feld und Buchbinder sind, mit zum besten, 'nmö jetzt als Novität über die Bühne geht.

Aüch die Musik von Leo Ascher, di« sich aus dem Mode ge­wordenen Twvstep- imd und Cake Wall-Tempo, ohne das scheinbar in Deutschland nichts Zugkräftiges mehr gemacht tverden- kann, herailsgerettet hat, verdient ganz besondere Beachtung.

Tie Darstellerin der, Marie, Winnie Fischer, zeigte ihr heiterstes Temperament und ihre beste Lmme. Sie spielte die etwas trotzige, aber herzensgute Marie meisterhaft und fand in Fisi Bort, der Mariann, und Hermine Wosschlo, der Mariett, zivei reizende Partnerinnen, deren vereimgtes Spiel dem Publikum den höchsten Beifall entlockte. Gesanglich waren ihre Leistungen durchweg gitt, :md das Spiegel-Lied zeigte uns Fift Bort als ausgezeichnete Soubrette. Ernst Theiling fand svh ebenfalls sehr geschickt in seine 'Doppelrolle als Prinz und Soldat, und Nndolf G o l l als Mumme koirnte keine passendere Rotte finden, um alle seine Taleiite zur Gelttmg zu bringen. Auch ihm wurde reicher Applaus. Louise Delosea spielte mit viel Humor Mummes Frau Elfrtede, imd der Tantbour, durch Karl Stein- metier verkörpert, fand eine treffliche Wiedergabe. Das Spiel der übrigen fügte sich dem Rahmen des Ganzen ein. Rudolf G o l l, in dessen Händen die Spiellettung lag, bewährte sich auch diesmal als geschickter Arrangeur.

Beftemdlich war vielleicht das Orck^ester: ein Flügel. Die übliche Besetzung konnte nicht beschafft werden. Aber hier verdient mm Kapellmeister Boscheck, der den Flügel versah, volles Lob. Das Zusammenspiel von Bühr:e irrtb Flügel war durch das Fehlen des Dirigenten recht erschwert, und dennoch klappte alles. Auch die Tänze, ernstudiert von Ballettmeisterin Lina Oldini, zeigten viel Grazie und Harmonie, und wenn Mich das eine Müllermädel oft nicht wußte, wie mmt Schirm und Pompadour ttägt, so ändert das nichts an dem guten ^Zusammenwirken alle:' Kräfte, an dem wohldurchdachten, einheitlichen Spiel, dem dos MlsverkMcste. Haus wohlverdienten und reichlichen Beif<L faeitbete.

ss

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Die verlorene Tochter.

Lustspiel von Ludwig Fukd«.

Schon einmal hat uns die diesjährige Spielzeit einen Fulda gebracht und zwar das Lustspiel , /ftrgendfrennde^tz das aus dem Jahre 1897 stammt. Es ist damals von dem Wesen der Fulda- schen Kunst eingehender gesprochen worden. Wir können sie heute nochmals kurz dahin charakterisieren: wenig tief, wenig originell, aber witzig und amüsant, geschickt in der Aufmachtung, anmutig in der Einlleidung, bestechend durch den allzeit eleganten Stil.

Diese Charakteristik gilt ebenfalls für feme diesjährige Neu lieft Die verlorene Tochter^'. Ein junges Dämchen, etwas romantisch angehaucht, verliebt sich! in der: erstbesten Manr^ der chr aegenüber- tritt, nämlich thcen Literaturpuofessor. Jhve Ellssr Verzeihung, ihre Familie, denn der Onkel redet das größt« fötal. find gegen

diese Wahl, und um den elterlichM Segen zu er^würgen, geht Fräuleftr Nelly in aller Ehrbarkeit mft ihrem Angebeteten durch,- richtiger, eiitführt i hn in eine Thüringer Winterfrische. Tort stellt cs sich zum Unglück, vielmehr zum Glück heraus, daß der Mann ihrer Wahl überhaupt kein Mann, sondern ein ganz unrnöglicher Waschlappen ist. Ihr Temperament fiirdet inzlvischen be­greiflicherweise mehr Gefallen an einem Manne, der sich> ihr in weniger ehrbarer Weise nähert, einem Rechtsanwalt, dem es ob­liegt, dieverlorene Tochter" wieder heftnznführen, und was wäre natürlicher, als daß er, statt sie wieder heimzuführen, sie selber heftuführt. Der stoffliche Vorwurf bietet eine flRenge fruchtbarer Situationen und, wie es von Fulda nicht anders zu erwarten war, hat er viel Belustigendes aus ihnen geschöpft, manch gutes Witz­wort einaeflochten und mit dein ga^izen einen imterhaltsamert Abend geschaffen, für den man ihm dankbar sein kann.

An erster Stelle des Zlbends stand Helene Ka l l m a r mit der chrßerft dankbaren Rolle derverlorenen Tochter". W war für sie eine prachtvolle Gelegenheit, ihr lustig sprüheiides Temperament zu zeigen. Sie spielte ausgezeichnet und bewies mehrfach, daß sie über das leichttändelnde Fahrwasser der Nur-Naiven hinmis sich leidenschaftlicheven Strömungen hingeben darf. Der ganze "Er- folg der Tarstelliing ruhte auf ihr rrnd sie errang ihn mit einer entzückend spielerischen Leichtigkeit. Großen Erfolg hatte auch Adolf F a l k e n in der sehr wiwahrscheinlichen Rolle des Dr. Harald Lips. Eine ganz ähnliche Rolle war ihm einmal als schüchterner Ehemann in dem LnstspielZinn Einsiedler" von Benno Jakobsen zugefallen. Tie gute Maske von iXLnmVS hatte er mit übernommen und die liebevolle Zeickxnimg der Einzelheiten, Ene damals an die Gestatt Verschvendet erschien, war hier besser tarn Pl atze rmd söhnte mit der lammfrommen Mederkeft des Ehvenmannes Lips vollständig mos: denn sie gab einer girtent Le cstim g ihre schöne Abrundung. Ludtvig Urbach zeigte sick) zum zweiten Male, diesmal mit der Aufgabe, den alten verknöchert rechtimberischen Landtagsabgeordireten.^tzvrnemann darznstellen. Die Auff assun g und Sprechweise schienen im ersten Augenblicke grtt und treffend, setzten; aber aus die Tauer empfindlich«! Nerven stark zu, denn sie etimefeu sich als allzu forciert. Rudolf Goll malte bei: Vater der verlorenen Tochter in Oel, aber der Effekt war de: ihm gilt wie immer. Ten rebegewaildten Herzensbrecher im Nebenberufe Reckstsanw-alt Westsal stattete Oskar F e i g e l mft aller Liebenswürdigkeit aus, die ihnr zn Gebote stand, imi) das Reftiltat war der Anerkeilnnng wert. Nickst vergessen sei Louise Delos«, die als angstvoll bettckiche Heiule das irnerwartete Eigen­schaften entwickelnde Entenküken zu bejammern hatte.

Daß die große Zahl der Nebendarsteller inckstig ein spielte, bafite sorgte .Hvftat Steingoetter, der die Spielleitung per­sönlich übemmnmen Ipatte. Er tat auch sein Bestes, um mft den zu Gebote stehenden Atttteln in dem SciMiplatz des zweiten An'- Kugeö das Foyer eines größeren Hotels erraten zu foftai. zz.