Nr. 80
Ter ttc&rfit? erscheint täglich, au«er SonmagS. - Beklagen: Slctzener ZamMenblätter; Kteis^lotl
ffir len Kreis Sieben.
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Erst« Via« 167. Jahrgang
Mittwoch. ■?. April 1917
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3wÜlingrrunddruck u. Verlag: Srühl'sche Univ.-Vuch- u. Strindruckrrri R. Lange. Schristlettung, SrschästrsteNe n. Druckerei: Schulslr. 7.
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sämtlich in Gießen.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 3. April. (AvMich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Arras heftiger Gcschützkampf. Mehrere gegen mrstrr Stellungen vordringende englische AustlärungS- avbeilungen wurden abg^wiesen. Die gewaltsamen Crkun- dungm der Engländer u^o Franzosen im Kampfgebiet nördlich von BapauuVe und westlich von St. Quentin wurden von starken Kräften ausgffühitt Sie verliefen — wie Beobacht tungcn und Gefangenenaussügen 'ergaben — für den Feind äußerst verlustreich. Bei Nor-euille nmrden von uns über» 3OO Engländer als Gefangene zurückgeftlhrt. Sie gerieten ftdoch in englisches Akaschinengewchrfeuer, so daß nur 69 unsere Linien erreichten.
Oestlich der Straße Couch lr Chateau—Soissons zersprengte unser Artilleriefeuer beobachtete Tnlppenansarnm- lungen, in der Champagne, südlich von Ripont, unterband seine AernichtungÄvirkung einen sich vorbereitenden Angriff.
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In den Lustkümpfen verlor der Feind vier Flugzeuge, von denen zwei durch Oberleutnant Freiherr von Rick-Hofen iabgeschosseu wurden.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Front des G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l s Prinzen Leopold von Bayern, yürrvroestlich von Dünaburg hotten mehrfach bewährte -Stoßtrupps einen Offizier, 93 Mann und zwei Maschinen- sewehre aus der russischen Stellung. Auch bei Maljawitschi, nordöstlich von Bogdanow, hatte ein Erkundungsvorstoß vollen Erfolg und brachte einen Offizier und fünfundzwanzig Mann an Gefangenen cm.
von VaranotsitZchi griffen mehrere russische Kompagnien eine unserer Feldwachen an. die trotz starker ^^uervsrbercitung ihre Stellung völlig behauptete.
Lebhaftem russischem Feuer beidcrsetis der Bahn Zloc- r zow—Tarnopol, an der Zlota-Lipa und am Dnjestr sind leine Infanterie-Angriffe gefolgt.
An der Vhstrizyca-Solotwinska vordringende Jagd- «tbteilunHcn der Russen wurden vertrieben.
An der
F
und bei der
ront des Generalobersten Erzherzog Zosef
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen
keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.
Mazedonische Front.
Zwischen OHrida- und Prespa-See drangen unsere Truppen in vorgeschobene Stellungen der Franzosen. Sie kehrten nach Wwieisung von Gegenangriffen in die eigene Linie mit Beute zurück.
Nördlich von Monastir ist ein kleiner französischer Angriff gescheitert.
Der Erste Generalauartiermeister L u d e n d o r fff.
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mtb Männliches enthalten? Die Wilsonsche Praktik ähnelt dein Gehabe gewisser Löbenskünstler der Gesellschaft, die ihre Verstöße gegen den Gneist der Wahrheit und den innersten Kern der Moral mit allerlei Spitzfindigkeiten und philosophischen Künsten zu bemänteln wissen, so daß sie nicht nur geduldet werden, sondern sogar eine große Rolle zu spielen vermögen, obgleich sie im Grunde unsympathischer sind als manche Geächtete der menschlichen Gesellschaft. Es ist nichts weiter als Scheinheiligkeit, wenn Wilson Deutschland unterschiebt, es habe Amerika „der: Kriegszustand auferlegll" Wir haben vielmehr verhandelt, haben geduldig gewartet, bis Amerika den Engländern gegenüber die Rechte der Neutralen so weit gewahrt haben würde, daß für' die deutsche Kriegführung die bekannte Zwangslage fortsallen könnte. Amerika hat jedoch von seinem guten „Recht" Gebrauch geinacht, sich aus die Seite unserer Gegner zu schlagen. Warum verteidigt Wilson nicht auch einmal dieses Recht seines Volkes? Warum betrachtet er sich immer vor dein Spiegel der Neutralität, während er doch offen zugeben konnte, es sei ihm nicht möglich, uns Barbaren gegenüber eine peinliche Neutralität zu üben? Doch das sind die alten Fragen, aus die wir keine Antwort bekommen. Jetzt wird die «amerikanische Musik ganz harmonisch mit dein großen Entente- Konzert zusammenklingen. Präsident Wilson hat einige Folgen aufgezahlt, die die Durchführung seiner Politik haben würde: Deutschlands Gegner er hattest „l i b e raten Finanzkredit"" — eine echt Wilsonsche Prägung, denn seine Aktionen müssen immer etwas Menschliches, Liberales, Völkerbeglückendes haben — sie erhalten ferner die Lieferung von Kriegsmaterial. In beiden Arten der Hilfe hat Amerika sich schon reickstich betätigt. Dazu kommen neue Rüstungen für Heer und Flotte. Das Heer sott um mindestens 500 000 Ptann vermehrt werden, und Wilson, d-n Friedensherold, der Weltverbesserer und Gegner des Militarismus, will nach dein Grundsätze der allgemeinen Wehrpflicht gehen. Schaut sein besorgtes Auge dabei vielleicht auf gewisse Gegnerschaften im fernen Oswn?
Die volle Größe seines staatsmännischen Blickes zeigt der Präsident in der Mschätzung der „wunderbar ermntigen- den Ereignisse in Rußland"". „Dort haben wir,"" so sagte er, „einen würdigen Zciluehrner an dem Ehrenbunde"". Solche Fingerzeige sind aber nur geeignet, uns darin zu bestärken, wie wenig Amerika in der Lage fein wird, den Ausgang dieses Weltkrieges zu beeinflussen oder gar zu entscheiden. Wilson zeigt damit einen ähnlich schwachen Prophetenblick wie in seinen Hirngespinsten von einer demokratischen Völkerfamilie.
Der öfterrcichisch-nngarffche Tagesbericht.
Wien, 3. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 3. April 1917.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
An Der Bystrzyca Solotwmska scheiter en Vorstöße russischer Aufllärungstruppen. Nördlich des Dnjestr stellenweise erhöhte russische Geschütztätigleit.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Kuurpfbegebeuheiten.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Oestlich des Ohrida-Sees drangen unsere Truppen in feindliche Grüben ein und brachten Gefangene zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Der Abendbericht.
Berlin, 3. April, abends. (WTB. Amtlich.)
Im Westen lebhafte Gefechtstängkeit südwestlich von St. Quentin und nordöstlich von Soissons, im Osten am mittleren Stvchod.
Wilsons Antrag, den er dem Kongreß vorgetragen hat, ist uns jetzt in ausführlicher Fassung bekannt, die wir nachstehend wiedergeben. Er erklärt uns darin nicht den Krieg, sondern er fordert, oer Kongreß möge „formell den Kriegszustand annehmen, der Amerika auferlegt ist"". «Da wir annehmen müssen, der Präsident habe die bereits! zum Ausdruck gekommene Mehrheit im Kongreß noch verstärkt, da die amerikanische Volks stimmung offensichtlick) gegen uns gerichtet ist und in den großen Städten Umzüge veranstaltet werden mit Musik und mit Bannern: Down with Gernrany!, so bleibt uns kaum ein Zweifel, daß das Verlangen Wilsons erfüllt werden wird. Wir sind, wie der Reichskanzler in seiner letzten Rede dargetan hat, darauf vorbereitet und gerüstet. Viel Neues über die bisherigen Beziehungen Deutschlands und Amerikas läßt sich auch nicht mehr sagen. IN seinem neuesten Dokument läßt Wilson, trotz seines kriegerisck-en Vorhabens, wieder die Tone von „Menschlichkeit"" imb „Mäßigung"" erklingen. Aber sie muten uns an wie ein abgeleiertes Singspiel «Ist deirn in dieser ewigen, krankhaft sich weiterfress enden ^egrfffsformrttierungssucht noch ettvas rein Menschliches
Das österreichische Kaiserpaar im deutschen Hauptquartier.
B e r l i n, 3. April. (WTB. Amtl.) Se. k. u. k. apostolische Majestät Kaiser Karl und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Zita trafen heute, begleitet von denr Chef des k. u. k. Geueralstabs General der Infanterie Arz von Strau- ßenburg und dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Grafen Czernin im deutschen Großen Hauptquartier ein, um denr deutschen Kaiserpaar einen Besuch abzustatten.
Die Lage im Wetzen.
Bert in, 3. April. (WTB. Nichtamtlich.) Trotz Wind und Regenschauer war die Fliegertätigkeit an der Westfront rege. Die deutsche Uebertegenheit in der Luft, die in erster Linie eine solche der Flugzeugführer und Beobachter ist, erhellt nicht rrur aus der Zahl der neuerdings wieder abgeschossenen Flugzeuge, sondern arrch aus der erfolgreichen Durchführung der eigenen und der Abwehr oer feindlichen Luftaufklärung. So wurden durch Flieger Ansammlungen starker englischer. Infanteriemassen in den Mulden bei Sery und Fonpy sestgesteltt und daraufhin unter Vernichtungsfeuer genommen. Gefangene schilderten die Verluste als außerordentlich schwer. Ein Angriff, der bereits durch Artilleriefeuer eingeleitet war, unterblieb. Des weiteren wurden au der ganzen Front zwischen Arras
und Soissons englische und französische ErkundungsvorstSfre, die zum Teil von starken Kräften unvermnmnen wurden, blutig abgeschlagen. So mußten sich die Gegner bei Bour- ries sowie südlich des Omignonbaches zurückziehen. Gegen die Linie Francitly Dallvn griffen die Engländer und Franzosen gemeinsam mit starken Kräften an. Sie erlitten durch das Artilleriefeuer utib im Nah dampf große Verluste. Ebenso scheiterten wiederholte Angriffe gegen Epirre de Ballon. Nicht besser gelangen die in den Abendstunden und während der Nacht versmhterl Vorstöße. Angriffe lxiorr- seits der Straße Vapaume—Emnbvai und bei Neuville sck,-se- terten in gleick)er Weife wie ein dreinraliger Angriff nckio- lich Epehy. Das gleiche Sckstcksal teilte ein Angriff aus Ronsoy sowie Angriffe bei le Virquier, die nach starker Artillerievorberettnng angesetzt wurd^ar
Wilsons CrUärung im LongreF.
Washington, 3. April. (WTB. Nichtamtlich.) Meldnna des Reutersckien Bureaus Im Kongreß erklärte Wilson: Ich habe den Kongreß zu einer außerordenckichm Sessiorr einberufeni, well sofort ein ernstesr politischer Entschluß gefaßt werden muß, für roelck^en ich verfafsungsrechllich di^ Bclartt- ioortung rricht übernehmen kanm Ich habe Ihninl am 3. Februar die außerordentliche Anzeige der deutschen Regierung unterbreitet, daß sie beabsichtige, ab l. Februar.alle rechtlichen und Humanitären Beschränkungen beiseite zu sehen urw alle Schiffe, welche oersuäMn, feindliche Häfen zu erreick>en, durch U-Boote zu versenken. Das sähen in einer srühereir Phase des Krieges das Kriegsziel der deutschen U-Boote zu sein. Aber sell Apäl 1916 hat die deutsche Regierung den Kommandanten der U-Boote gewisse Beschränkungen, auserlegt, gemäß eines uns gegebenen Versprechens. Die neue deut^ )dye Politik ließ jede Beschränk,mg fallen. Schiffe aller An rourde« ssrnpellos mw ungewarrtt versenkt, ohne daß man oaran dachte, den an Bord besindlrchen Personen zu Hüfe zu kommen. Nnilrccke mrd befreundete Schiffe wurden ebeirft, wie Schiffe von Kriegffchrew« den, selbst Hospitalschiffe, die mll dem Freigeleit von der deuffcherr Regieramg versehen waren, mll derselben Mllleids- und Prinzipien-, losigkeit behandelt. Das Völkerreckü hat sich imihscrm envoickelt mit Resultaten, die düffttg genug waren. Aber die deutsche Regierung l>at auch dieses Mllmnum an Recht unter dem Vorwände der Wcv- dervergcltung und Notwendigkeit aus gehoben, well sic keine besaß, die auf See venverrdet werden käniren. außer denpmigrm ä« nicht cmgcnZendet Werder, dürfen, tine Deutschland sie jetzt an wendet, nämlich ohne Berücksichtigung aller Erivägrmgen der Menschlichkeit oder der Abmackmngen, aus welchen der Weltverkehr beg-irndel tft. Ich denke jetzt nicht an die materiellen Verluste, so erirst sie sind, sondern mir allgemein an den Untergang von Nirhllämpsern, Vtänn-ern, Frauen und Kindern. Der gegenwärtige deutsckre Krieg gegen den Handel ist ein Krieg gegen die Ääenschlichlvll und gegen) alle Nationen. Jede Nation muß selbst entscheiden, wie sie dia,er Herausforderung begegnen will. Unsere Wahl muß mit Mäßigung getroffen werden erllsprechend mrsereni Charakter und anderen Motiven als Nation. Wir müssen uns vor übergroßer Erregung freihalten. Unser Prinzip ist nichi die Mack^ und has Prinzip bruürler Gewalt, sondern wir tteten ein für die Menschenrechte.^ Als ich letzten Februar vor dem Kongreß sprach, glaubte ich, daß es genügen mürbe, unsere neutralen Reckqe.durch eine Bewaffn u n g der Schiffe zu sickieru. ?lber die be- wasffrete Neutralität ersckieint gegenwärtig umllitz. Es ist unmöglich, Schiffe gegen den Angriff deutscher Unterseeboote zu verteidigen. Es entspricht ber g^uölmlicheu Klugheit, zu versuchen, sie zu zerstören, bevor sie eine Absicht erkennen lassen. Die decrtsche Regierung leugnet das Recht der Neutralen, in der Sperrzone; überl?aupt Waffen anzuwenden, um die Recklle zu verteidigen die kein moderner Jnrist jemals bestritten hat. Deutschland zeigt an, daß die Esker-en zum Schutze der Sliisse wie P,raten behandelt werden würden. Angesicchts ,o cher Anmaßungen^ ist die bewafffiete Neutralität mehr als um,ölig. Wenn wir uns ihm unterwerfen würden, würden wir unser heiligstes Nationalrecht verletzen lassen. Ohne Zaudern dem Gebote meiner konstituierenden Pflicht zu gelwrchen, rate ich dem Kongreß, zu errlären, daß die jüngsten .Handlungen der deutschen Negierung tatlächlich nicht weniger als der Krieg gegen die sstegierung und das Volk der Vereinigten Staaten ist, und formell den Krieg s- znstand anzunehmen, der Amerika auferlegt ist imd sofortige; Maßregeln zu ergreifen, nicht nur um das Land in den vollständigen Verteidigungszustand zu versetzen, sondern mich seine Hilfs- guellen zu vertoenden, um Teutschlcmd zu zwingen, die Bedingungen zur Beendigung des Krieges anzmiehmen. Der Kriegszustand wird ein enges Zusammenwirken mit den anderen Deutschland bekämpfenden Regierungen ch e r b e i s ü h r e n . indem wir ihnen liberalen F i n a n z - lredit geivähren und ilmen die Organisation zur Mobuifferuna aller Mittel und Hilfsquellen des Landes zur Be r- sügnng stellen, um Kriegsmaterial zu liefern und Mll dm leichteste aber jorgsamste und wrrksmnste Art den anderen Bedürfnissen der Nationen zu begegnen. Eine weitere Folge des Kriegszustandes wird die sofortige Ausrüstung der Flotte namentlich mll Mllteln senr, um die feindlichen U-Boote zu bekämpfen, und ferner eine sofortige Heeresvermeh- r u ng um mindestens 500000 Mann, mit der Ermäch- timmg, die Sti^eitmacht entspreck>end den Bedürfnissen wieder zu vermelwen. Nach Ansicht des Präsidenten sollten die Soldaten nach dem Grundsatz der allgemeinen Löclwpflickst ansgehoben werden. Wir hatten keinen Streit mit dem dentsäxm Volle. Die deutsihe Regierung begann den Krieg ohne Jintiative^ Kenntnis' und Bllli- gnng des Volkes. Ter Krieg wurde beschlolsen von den Maci't- chabern, provoziert und ausgefülirt im Interesse der Dynasten und einer iimicn Gruppe ehrgeiziger Männer, die geuwhnt sind ihre Landsleute als Werkzeuge zu benutzen. Die Empfindung der Amerikaner ist, daß liniere Hoffnung auf den künftigen Weltiriedan, eure Bekräftigung erfalnen habe durch die wunderbar ermutigenden Ereignisse in Rußland. Tori haben wir einen würdigen Teilnehmer an dem Elpenbunde. (Wörtlich- fit Partner fvr Loague hvneur.) Wir stehen jetzt ün Begriff den! Kampf mit dem natürlichsten Rund der Freiheit anfzuneümen und werden nötigenfalls die ganzen Kääfte der tztulion auswenden um seine Mackstein slüsse zu veveitelu. Wir bnd sicht tuen keine Eroberungen. wir sind mir einer der Vorkämpfer der P,eusck-en- vechte und werden zufrieden sein, wenn diese Rechte gesickert sind.


