Ausgabe 
29.3.1917 Zweites Blatt
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Ur. 75 Zweites Blatt

Erichetnl täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

167. Jahrgang

Verlagen:Siehener ZamUienblätter" und ttteisblatt für den Ureis Sichen".

Postscheckkonto: Zrankfurt am Main Nr. 11686. Bankverkehr: Gewerbebant Stehen.

iehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Donnerstag, 21 März 1917

Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'jcheUrüversiläts-Buch-u.Sttindrnckerel.

R. Lang e, Gießen.

Zchristleitung. Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulst ratze 7. Geschäftsstelle u. Verlag: e^&61, Schriftleuung: 112.

AnschriftfürDrahtnachrlchtenrAnzeigerGießen.

Mb. Deutscher Reichstag.

04. Sitzung, Mittwoch, den 28. März.

8m Tische des Bundesrats: Graf v. Rödern.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min

Zweite Lesung der Steuervoclagen.

Die Aussprache wird fortgesetzt bei der Berkehrsfteuer.

Abg. Schiele (kons.): Meine politischen Freunde stimmen an­gesichts des Bedarfs des Reiches einer weiteren Belastung des Personen- und Güterverkehrs grundsätzlich zu. Die Sozialdemo­kraten lehnen jede indirekte Steuer ab. Das wird allmählich bedenklich. ^Wir werden jährlich etwa sechs Milliarden Mark brauchen. Sollen sie nur durch direkte Steuern ausgebracht werden? Dann nehmen wir dem Unternehmertum die gesamten, Einnahmen. (Sehr richtig! rechts.) Das ist eine to-nsiskatorische Maßnahme, die dahin führt, daß das ganze Unternehmertum lediglich im Interesse des Staates arbeiten mutz. In einem ge­sunden Unternehmertum sind aber nicht nur die Interessen der Allgemeinheit verankert, sondern auch die der Arbeiter. (Sehr wahr! rechts.) Anderswo sind die Verkehrs steuern viel höher, so in Oesterreich, Italien, England und Rußland.

Die Verkehrssteuer wird in ruhigeren Zeiten u m - g e st a l t e t werden müssen. Zu Bedenken ist auch, daß die nord­deutschen langgestreckten Provinzen stärker unter der Steuer leiden als die süddeutschen. Die Kleinbahnen sind besonders schwer be­troffen. Auch wir haben große Bedenken, den Personenverkehr noch mehr zu belasten Aber die neue Last muß getragen werden. Es.ist gerecht, auch die vierte Klasse heranzuziehen, gerade weil viele Leute von höheren Klaffen nach der vierten abgewandert sind. Wir sind sehr weit entgegebgekommen und haben die Arbeiter-, Militär- und Schülerkarten freigelaffen. Aber den schwer leidenden Mittelstand hat man vergeffen. (Sehr wahr!) Wir gönnen den Städtern die Erholung in der ländlichen Umgebung und haben darauf Rücksicht genommen. (Widerspruch links.) Dem Siedlungsgedanken stehen wir durchaus loohlwollend gegenüber. Er muß auch bei der Verkehrssteuer berücksichtigt werden. Wir sind für eine vernünftige Wohnungs­und Siedlungspolitik.

Abg. Müller-Fulda (Zentr.): Nehmen Sie die Vorlagen so an, wie sie im Ausschüsse gestaltet worden sind. Es sind alle Rück­sichten genommen worden.

Abg. List-Eßlingen (natl.): Direkte Steuern allein könnten dem gegenwärtigen Bedarf des Reichs nicht abhelfen, wir stimmen daher der Verkehrsbesteuerung zu, die doch nicht zu umgehen ist und später nur noch schlimmer ausfallen würde. Es ist freilich eicht, eine Erbitterung der Betroffenen über diese unpopu­läre Steuer hervorzurusen, man muß ihnen aber die Not­wendigkeit vorführen. Das Reisen ist jedermann zu gönnen, aber ?ann kann man -auch diesen kleinen Betrag aufbringen. Es wird nicht gleich fühlbar werden, denn die Tariferhöhung braucht noch einige Zeit. Aber bei dieser Verkehrssteuer sollte es sein Be­wenden haben. (Hört, hörtl bei den Soz.) Der WobnungS- politik müssen wir nach dem Krieg alle Aufmerksamkeit wid- inen. Die große Mehrzahl meiner Freunde stimmt dem Kom­promiß über den Nahverkehr zu. Die Freilassung der Stadtschnell­bahnen ist vom Bundesrat zugesagt, ebenso die Schonung des stadtbahnverkehrs, dessen Tarife heute sehr niedrig sind. Die Schaffung der 2^-Pfennig-Münze wird eine übermäßige Verteuerung der Straßenbahnsahrten verhindern; kommt diese Münze?

Von einer Erdrosselung oder auch nur einer wesentlichen Sr»

' ch w erung durch diese Steuer ist keine Rede. Der Abg. Müller- Reichenbach hat stark übertrieben, wenn er von einer besonderen Belastung der großstädtischen Bevölkerung sprach. Diese hat doch vor der kleinstädtischen eine Menge Annehmlichkeiten voraus. Die Arbeiterkarten sind doch frei, ähnliche Karten sollten für die An - g e st eilten eingeführt werden. Wir. glauben, dieser Steuer zustimmen zu können. Die Postautolinien freizulaffen, wäre er­wägenswert. Die Güterbesteuerung hätten wir lieber gestaffelt gesehen, werden aber auch hier den Ausschußbeschlüffen zustimmen. Sollte man aber die Industrie nicht lieber dezentralisieren? Wenn irgend möglich, sollte eine Verkehrsbesteuerung über diese Sätze hinaus unterbleiben. (Beifall bei den Natl.)

Abg. Mumm (D. Fr.) begründet einen Antrag, Fahrkarten bis zum einem Preise von 35 Pf. fteuerfrei z u lasse n. Ge­rade diejenigen, die nicht die abendliche Geselligkeit in den Städten suchen, sondern von der Arbeit zu ihrer Familie in den Umkreis tahren, werden durch die Steuer getroffen. Wir sind das städte­reichste Land und müffen damit rechnen, müssen das Klein­bus fordern und nicht die Mietskaserne. Diese Steuer sollte auch auf die .Kriegszeit begrenzt werden. Es ist doch gewiß etwas Un­gewöhnliches, daß der Wohnungsausschuß einstimmig gegen diese Steuer Stellung genommen hat, ebenso der bayrische Städteverband und viele andere Körperschaften und be­kannte Persönlichkeiten. Gerade jetzt müssen wir in die Steuer- iwlitik die Grundsätze der sozialen Reform hineinbringen, handeln Sie im Geiste Adolf Wagners!

Reichs sch atz sekretär Graf Rödern bittet, es bei dom Kommist stonsbefchluß über den Nahverkehr zu lassen. Die Straßenbahnen sollen ja nur mit 6 statt 12 Prozent berangezogen werden, was einen Ausfall von 17 Millionen bedeutet; auch soll diese Besteue­rung erst bei einer Tariferhöhung eintreten. Ich bin überzeugt, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten, der stets soziale Woh­nungspolitik getrieben hat, dies auch bei der ihm überlaffenen Unterverteilung deS Steuerbetrugs tun wird. Das 2)4 - P f g.- Stück muß^kommen, schon wegen der Postgebühren; und sobald die Münzen dazu in der Lage sind, wird dieses Geldstück kommen. Schon wegen der großen technischen Schwierigkeiten werden wir '.n absehbarer Zeit an eine Revision dieser Steuer nicht heran- ireten. Für meine Person kann ich das bestimmt zusagen.

Ministerialdirektor Franke antwortet auf die gestrige Frage d-s Abg. Liesching, daß die preußische Derkehrsverwaltung nicht beabsichtigt, eine grundlegende Aenderung der Gütertarife vor Friedensschluß vorzunehmen. Den wohnu ngspol i tischen Rück­sichten wird Rechnung getragen werden.

Abg. Stolle (Soz. A.-G.) erklärt, diese die Arbeiter und kleinen Leute belastende, Handel und Verkehr belastende Steuer ab­zulehnen. Die Herren vom Lande müßten doch wenigstens gegen die Verteuerung des Kleinbahnverkehrs auftreten. Der Verkehr wird wieder auf Schubkarren. Handwagen und Hundegeschirr übergehen. Einst hieß es:Wir stehen im Zeichen des Verkehrs", heute müßte man sagen: des Rückwärts, Rückwärts! (Zustimmung b. d. Soz. A.G.)

Abg. Keil erwidert verschiedenen Rednern, daß der

sozialdemokratische Erbschaftssteuerantrag 250300 Millionen einbringen würde und noch ausbaufähig wäre. Warum sollten lmr nicht soviel Erbschaftssteuer herausholen können wie England? Der Redner begründet einen Antrag auf Frei­lassung der ländlichen Autolinien, die solche Gegenden erschließen, in denen sich Eisenbahnen nicht lohnen. Es handelt sich da gerade lim landwirtschaftliche Gegenden und um einen Ertrag von noch nicht zwei Millionen, während der Schaden viel größer sein würde.

Damit schließt die Besprechung. Die sozial­demokratischen Abänderungsanträge werden abgelehnt. lieber den Antrag Mumm muß im Hammelsprung abgestimmt werden. DasNein" des zuletzt abstimmenden Vizepräsidenten Dove wird von der Linken mit großem Hallo ausgenommen. Die Ab­stimmung ergibt die Annahme des Antrages Mumm mit 119 gegen 118 Stimmen. (Große Heiter­keit.) Im übrigen werden die Beschlüße des Ausschusses gebilligt. .Die Entschließung zugunsten der Kleinsiedlungen wird an­genommen.

Die Kohlensteuer.

Darauf wendet sich die Aussprache der letzten Vorlage zu, der Kohlensteuer. Der Ausschuß hat u. a. die Hausbrand- kohlen steuerfrei gemacht. Für aus Braunkohle hergestellte Preß­kohle beträgt die Steuer nicht 20, sondern nur 15 Prozent des Wertes. Der Bundesrat wird ermächtigt, bezüglich der Einfuhr von Kohle aus den Staaten, die selber eine Steuer erheben, Ver­einbarungen zu treffen, durch die eine Doppelbesteuerung der Kohle vermieden wird. Das Gesetz soll am 1. August 1917 in Kraft treten und hat Gültigkeit bis zum 31. Juli 1920. In einer Entschließung fordert der Ausschuß die Regierung auf, dar­auf hinzuwirken, daß erstens die Kohlenpreise aus Anlaß der Steuer nicht über den Betrag der Steuer erhöht werden und zweitens, daß die Gemeinden von der Berechtigung zur Fest­setzung von Höchstpreisen für Kohle und sonstige Brennstoffe im weitesten Umfange Gebrauch machen. Bei den bevorstehenden Tarifänderungen sollen die Außenansiedlungen der städtischen und gewerblichen Bevölkerung im Nahverkehr besonders begünstigt werden.

- Die Sozialdemokraten beantragen, daß die Werke die Kohlenpreise über den Stand vom 15. Februar 1917 zuzüglich der Steuer für die Dauer des Krieges nicht erhöhen dürfen. Spätere Erhöhungen bedürfen der Zustimmung des Reichskanzlers. Die Werke sind verpflichtet, an Gemeinden Kohle direkt zu ersten Ver­kaufspreisen zu liefern.

Abg. Buck (Soz.): Noch vor kurzer Zeit hätte man ein solches Gesetz nicht für möglich gehalten. Aber das Reichsschatzamt hat daran mit einer Wärme gearbeitet, die anderen, gerechteren Steuer­projekten hätte dienlich sein sollen. Mit dieser Verlegenheitsgesetz­gebung muß ein Ende gemacht, es mutz von unten auf eine groß­zügige Steuerpolitik gemacht werden. Eine Reichseintommens- » und Vermögenssteuer müßte die Grundlage aller Besteuerung, auch in Staat und Gemeinde kein. Die Parteien des Reichstages haben in der ersten Lesung immer eine Menge Bedenken, laffen sie aber später fallen und ermutigen die Regierung dadurch immer wieder zu solchen Verkehrs- und Verbrauchssteuern.

Belastet wird jeder Haushalt, die Gemeinden, die infolgedessen Gas- und Elektrizität verteuern und die Steu-ern erhöhen müffen, die Eisenbahnen, die zur Tariferhöhung geradezu aufgefordert werden und das Reich für Marine-, Heeres-, Reichsei serrbahn- und Bureaubedarf. In Wahrheit dürfte die Rechnung null auf null aufgehen und das Reich gar keine wirkliche Einnahme aus der Kohlenfteuer haben. Industrie, Gewerbe, Handel, das ganze Erwerbs- und Privatleben wird aber getroffen. Immense Gewinne werden nicht nur von den Werken, sondern ganz besonders von den Zwischengesellschaften gemacht. Die Beseitigung dieses Zwischen-, ja Kettenhandels würde die Kohle erheblich verbilligen. Die Kohlenschäste sollte der Staat ausbeuten Aum Wohl der be­teiligten Arbeiter und der Gesamtheit. ^Zustimmung b. d. S^.)

Abg. Stöve (natl.): Wir stimmen der Vorlage in der Fassung deS Ausschusses zu. Wir müffen die Mittels beschaffen, um die Anleihen zu verzinsen. Zweifellos wird in die Verhält­nisse der Industrie stark eingegriffen. Aber es gibt augenblicklich keinen anderen Weg. Wir haben uns bemüht, die Verbraucher soweit wie möglich-frei zu lassen. Den recht­mäßigen Zwischenhandel wollen wir nicht ausschalten. Die Ge­meinden können die Kohlen billiger bekommen. Es bleibt ihnen überlassen, ob sie direkt beziehen oder sich des Zwischenhandels 'bedienen wollen. Erfreulich ist die Steuer nicht. Sie soll daher nur für drei Jahre gelten- Hoffentlich gelingt es dann, sie wieder, zu beseitigen. Im übrigen ist die Steuer sehr leicht durch­führbar, weil sie nur geringe Evhebungskosten erfordert. Die Industrie ivivd sich weiter bemühen, die Kohle besser aus- z u n u tz e n. ^

Abg. Dr. Pfleger (Ztr.): Auch wir hatten Bedenken, aber wir mutzten sie zurückstellen. An den verschiedensten Steuervorschlägen hat es ja nicht gefehlt, aber sie waren undurchführbar. Ohne die .Kohle ging es eben nicht. Den sozialdemokratischen Antrag lehnen wir ab. Den Kohlenkleinhandel wollen wir schonen.

Die Angehörigen vermißter und kriegsgefangcner Oberhessen seien deshalb ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht

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** Ein Wohltätigkeits-Konzert fürs Rote Kreuz findet am 2. Ostrrstiertag im Fürsten Hof-Saal mit folgender Bor­tragsfolge statt: 1. Friede auf Erden (zweistimmiger Klcchcn- gesang). E. Kruse. 2. Osterglocken, Niel W. Ga de. 3. Großmütter- dien, Langer. 4. Schlesische Lieder, Bilse. 5. Mandolinen-Bor- trag. 6. Großherzog Ernst Kudwig-Kriegsmarsch, ^gewidmet von C. Kruse. 7. Blumenlied, Langer. 3. Ter kleine Tambour, XA? vid, vorgetragen von &b. Stark. 0. Vorspiel und Lolas -ied aus Caixllleria rusticaua, Mascagni. 10. Deutscher Bundes-Marm» als Armee-Marsch, geimdmet von C. Kruse. Eintritt 50 Pfennig, Militär 30 Pfennig.

** Die neuen Felda d rc ssc n Seit Einführung her neuen Feldadrcssen kommt es, wenn die Unbestellbarkeit oder iveing- stens Verzögerungen in der Ueberkunft vermieden werden sollen, besonders daraus an, daß die Aufschriften aus den Feldvostseitdungen. vorschriftsmäßig vollständig und genau nach den aus dem Felde mitgeteilten Mustern abgefaßt werden. Leider lassen die Adressen in dieser Beziehung noch viel zu wünschen übrig. So wird namentlich gegen die Bestimmung verstoßen, daß ber Truppenteilen, die keinem Regimentsvcrband angehöreN (selbständigen Bataillonen, höheren Stäben außer solchen von Armeekorps, Divisionen und Brigaden Kolonnen. Fliegern, Fun­kern usw.' die Nummer der zuständigen Feldpostan-

stalt ,.Deutsche Feldpost Nr.") hinzugeseyt, dagegen 6 bcr

Formationen in R e gi m e nts verbä nben und bei Stäben von Armeekorps, Divisionen und Brigaden priese Nummer we g ge;-) lassen werden muß. Auch werden vielfach den Formationsbezcich- nungen gehörige notwendige Zusätze, wieReserve"-,Landwehr"-, Landsturm"-,Ersatz"-bayerisch"-,österreichisch"- usw. weg­gelassen, so daß Verwechselungen unausbleiblich sind. Den Ab­sendern wird daher dringend empfohlen, auf die ordnungsmäßig^ Adressierung bei Feldpoftsendungen besondere Sorgfalt zu ver­wenden.

Man zeichnet Kriegsanleihe bei jeder Bank, Kreditgenossen­schaft, Sparkasse, Lebensve-sichernugsgesellschast, Post ustalt.

Landkreis Gießen.

h. Geilshausen, 27. März. Unser hiesiger Frauenverein, welcher seit 1913 eine KrMkenpflegeftation unterhalt, hielt am 25. ds. Mts. seine diesjährige Mitgliederversammlung im gut- besuchten Schulsaale ab. Datei hielt Kreisassistensarzt Dr. S ch e n ' aus Gießen einen Vertrag über:Die Bedeutung öfsenr'ieben Gesundheitspflege für den Einzelnen unt dessen M>tn::ii." Die klaren und leicht faßlichen Ausführungen des Vortrigendrn. die einen Ueberblick über das ganze Gebiet der öffentlickcn Gesund«- heitspflege geben wollten, riefen bei den Zuhörern den Niinsch !>r- vor, Herr Dr. Schenk nwchte nun noch in künftigen Vortrögen^die einzelnen Zweige de» Gesundheitspflege besonders behandeln, c&* mit wurde von unserem Frauenverein erkannt, das; es nicht ge­nügt, eine Krankenschwester anzustellen, sondern daß es Pflicht der Frauen ist, sich durch Fachleute über die rechte Pflege der Gesundheit belehren zu lassen urfc dadurch an der Gesunderhaltung unseres Volkes mitzuwirken. Es eröffnet sich hier gerade für die ländlichen Frauenvereine unseres .Kreises eine Aufgabe, die zu übernehmen nur warm empfohlen werden kann.

** Utphe, 29. März. Am vorigen Sonntag abend fand eine gut besuchte Versammlung des hiesigen Flotten Vereins bei Gastwirt Heinrich Rühl statt. Ter Vorsitzende Wilhelm F i l - singer I. begrüßte die Versammlung mit einer längeren An­sprache und ^ab dabei bekannt, daß wir für Deutschlands Größe und Sicherheit ein? unbedingt starke Fkotte nötig hätten. Hierauf hielt Pfarrer Kullmann von Berstadt einen Vortrag über den jetzigen Weltkrieg zu Wasser und zu Lande. Lehrer Bieden­kopf dankte für den lehrreichen Vortrag. Daraufhin schlossen sich wieder einige der Anwesenden als Mitglieder dem Flottenverein icm. Der Vorsitzende schloß dann die Versammlung mit dem Wunsche ans ein ferneres Wachsen und Blühen unseres Vereins und ans einen baldigen Sieg und Frieden.

^kirchliche ttatfmcbtcft

Gottesdienst der israelitischen Neligionsgefellschast.

Sabbats eier, den 31. März 1917.

Freitag, abd. 6.25 Uhr. Samstag, vorm. 8.30. Predigt nachm. 3.30 Uhr. Sabbatausgang Z40 Uhr. Wochcngottcsdicnst: morg. 7.00 Uhr, abds. 6.00 Uhr.

(Die Sitzung dauert fort.)

Aus Stadt und Land.

Gießen, 29. März 1917.

Vermißten-Ermittlung uud Fürsorge für Oberhessische Kriegsgefangene im Feindesland.

Seit nunmehr über \ l / 2 Jahren besteht auch in der Stadt Gießen beim Roten Kreuz eine Stelle, die sich mit der Ermittlung Vermißter und der Fürsorge für unsere Kriegsgefangenen in Fein­desland MrS den vier oberhefsischien Kreisen Gießen, Alsfeld, Schotten und Lanierbach, sowie dem Kreis Wetzlar besaßt

Schon in beinahe ,2000 Fällen konnte dieserBezirksaus­schuß Gießen für vermißte und kriegsgefangene Deutsche" Rat und Hilfe suchenden Angehörigen von Vermißten oder Kriegsgefange­nen aus der engeren ober hessischen Heimat mit Nachforschungen Und Unterstützungen erfolgreich zur Seite stehen. Am Ende des Jahres 1916 wies die Kartothek des genannten Ausschusses von 1822 eingelausenen und bearbeiteten. Meldungen 996 Gefangene, 714 Vermißte und 112 als .gefallen oder verstorben Festgestellte auf. lieber 10 000 Postkarten und 1840 Paketadresse.i sind bis dahin ausgegeben und adressiert worden, sowie fast 2000 von Angehörigen Kur Weiterverseirdung übergebene Pakete Kriegsge­fangenen in Rußland, Frankreich und England zugeführt worden. Bis zu demselben Zeitpunkt haben 8292 Leute die Sprechstunden persönlich ausgesucht, um mündlich Rat und Auskunft zu holen, während 11648 Eingänge und 20178 Ausgänge den schriftlichen Verkehr erledigten. In vielen hundert Fällen würde Geld, das An­gehörige übergeben hatten, als Unterstützung von privater Seite an die Gefangenein weiter geleitet, und dabei zugleich von dem! Bezirksausschuß, aus dessen eigenen Mitteln 16 303 Mark an Unter- stütz'ungsgeldern ausbezahlt.

Heber alle diese Einzelheiten, sowie vieles Grimdsätzlichc zur Organisation.und den Zielen der Kriegsgefangenen-Fürsorge gibt der soeben erschienene erste Bericht des Bezirksausschusses Gießen eingehende Darstellung. Da ferner für die Angehörigen von Ver­mißten und Kriegsgefangenen wertvolle Winke über ihre eigene Mitwirkung zu einer erfolgreichen Ermittelung und den Verkehr mit Kriegsgefangenen in diesem Bericht enthalten sind, wird sein Erscheinen allen, die mit Nachforschungen nach Vermißten oder mit Kriegsgefangenen^Angelegenheiten beschäftigt sind, be­sonders wichtiq sein. Um ihn jedermann zugänglich zu machen, hat ihn das Rote .Kreuz in einer größeren ''Auflage drucken lassen, so daß er von der Geschäfts stelle der Kriegs qefan qe nen hfl s e in der alten Klinik jederzeft gegen Erstattung dei^ Unkosten bezogen lverden kann.

Israelitische Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).

Samstag, 31. März 1917. Vorabd.: 6.30 Uhr. Morgens' 9 Uhr. Abds.: 7.05 und 7.40 Uhr.

Lrngesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerle» Verantwortung.)

Zur sechsten Kriegsanleihe.

Ter Auffassung des Herrn G. L. III. schließe ick muh ans vollem Herzen an. Es ist strohdumm zu glauben, wer nichts zeichne, verkürze den Krieg. Bei einem Mißerfolg der Zeichnung würden lediglich die Steuern erhöht werden und die Feinde würden er­muntert werden, den Kampf sortzusetzen. Das kann k?in?r von uns wollen imd desha-lb - aber auch, weil es eine bessere und sichere Verzinsung nicht gibt muß jeder aus die neue Anleihe zeichnen Ergebenst:

Ein Friedensfreund.

Briefkasten Ser ReSaktton.

iAnouyme Anfragen bleiben nuberücksichtist.-

An r..R. 290. : Wenn Ihre Aktien aus dem angegebenen Kurs angelangt sind, würden tvir Ihnen raten, sie zu oerr-rufen. Teu Gewinn können Sie nutzbringend in der neuen Kriegsanleihe anlegen. Sie bietet Ihnen die größte Sicherheit und außerdem no<l> gute Geivinnchancen.

Zrau 3.: Zum Oeffnen der Sparbuchwn^Jhrer >lind?r nedmeu Sie am besten einen Hammer und ein scharfes Stenuneuen. Auch der kleinste Geldbetrag kann in Kriegsanleih? angelegt werden.

Zrau v. H?.: Ter beschriebene Goldschinuck würd - :u!i nicht zum Tragen eignen, da er ja ganz unmodern ist. Sie bringen ihn am besten zur Goldsammel stelle und legen den Erlös in Kriegsanleihe an. Auf diese Werse erftlllen Sie eine doppelte patriotische Pflich

gegen

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